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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
m J.H. Schäfer
Anzeiger für (das früher kurhesfische) Oberhesfeu
St 121
1923
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Wbläitern ist dahin zu ergänzen, daß der Betrieb aus amtlichen Zechenanlagen des Gelsenkirchener Bezirks
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■Pmmnissr der letzten Tage hat sich im Ruhrge biet Zeigende Erregung unter der Bevölkerung bemerk- |er gemacht. Es ist selbstverständlich, daß die Arbei-
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.Bochum, 26. Mai. Im Bochumer Bezirk streiken U Zechenanlagen und 15 Metallbetrirbe mit insgesamt *00- Arbeitern. ;
Ätiiera! Degoutte Vorstellungen erhoben und generell nm Erlaubnis zur Entsendung von Schuhpolizeibeamten
Paris, 25. Mai. Nach einer Havasmeldung aus Brüste! ist der belgische Außenminister Jaspar infolge eines Halsleidens gezwungen, das Zimmer zu hüten. Man befürchtet, daß es ihm unmöglich sein wird, sich binnen 48 Stunden nach Paris zu begeben, wie eS verabredet war.
Paris, 25. Mai. Wie Havas berichtet, wird der deutsche kommunistische Abgeordnete Hölle!« noch solange in der Untersuchungshaft behalten werden, bis der Minister des Innern einen Ausweisungsbes-Hl gegen ihn erlassen hat.
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at Wiederherstellung ordnungsmäßiger Zustände ist die xage nach wie vor ernst. Mit der Beunruhigung der Be- tzölftrung wächst auch die Erbitterung gegen Wsranrösischen Besatzungstruppen. — In Dortmund ist es gestern abend zwischen Polizei und Dmmnnistischen Hundertschaften, die von Hörde an- Mixn, zu Zusammenstößen gekommen: die Hundertschaft
Die ^Oderhessische Zeitung" etidietnl iechsmal wöchentlich. — Drzugsprei» »onatlich 3600 Ml. mit Zustellungsgedühk. Zur ausiallrnve Nummer« infolge Streite ooei elementarer Steigniiie lein Eriatz. — Verlag non Dr. T. Hitzerotd. — Druck de: Ünio^Buchdruckerei von 2ob. Lug. .Koch, Markt 2123. — Stetnjpretfjer 55, Post- iLeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Gelsenkirchen, 25. Mai. Anläßlich der Vor-
Marburg
SonnaOenh, len 28. Mai
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n London, 25. Mai. Der Sonderberichterstatter des «Daily Expreß" in Gelsenkirchen, W. Beach Thomas, be= ^tet zu den dortigen kommun istischenUnruhcn, M die deutschen Behörden hilflos gewesen seien, da keine Polizei und keine Soldaten vorhanden seien. Die Fran- tefcn verhielten sich vollkommen passiv. Der Sonder- *iichrerstatter der „Times", der sich ebenfalls persönlich Gelsenkirchen begab and mit den deutschen Kommu- Wrn und ihrem Führer zusammenkam, meldet, zahlreiche ^w.munisten sagten, daß die Franzosen ihre grtunbt seien. Einer erklärte, daß die Franzosen die
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und Zerstörung losgelassen, der sich leicht über das Ruhrgebiet verbreiten könne. Die ganze Unruhe hätte durch wenige Polizisten oder Soldaten unter» d r ü ck t werden können. — Die „Westminster Gazette' schreibt, der kommunistische Aufstand im Ruhrgebiet werde den Leuten, die den Lauf der Ereignisse verfolgten, keinerlei Uebcrraschung bereiten außer, wenn man dir Worte einiger französischer Publizisten ernstlich mißverstehen würde, die sogar noch schlimmere Manifestationen als die bereits erfolgten begrüßen würden. Die „Westminster Gazette" fragt, welches die Stellung Frankreichs gegenüber diesem Aus stand sei? Sei es denn Frankreichs vorsätzli cher Wunsch, Deutschland in Anarchie zu stürzen? In den letzten Monate» erlebte man von Seiten der französischen Regierung so viel, daß man nicht sicher sei" könne, ob diese vorsätzlich derartig« Gefahren riskiere in der Hoffnung, dadurch einen Druck auf die brutsche Regierung auszuüben. Wenn dies di« Auffassung Poincares sei, so sei es zwecklos, ibn zu erinnern, daß er mit dem Feuer spiele. Es sei zu hoffen, daß die britische Regierung unverzüglich zu dieser Frage Stellung! nehmen werde, die England so tief berühre.
V ft-lvtu tS-lHVl. VkVlVlMVv VUJJ VIV UlUHjJVfVH VI- entwaffneten und am 23. Mai abends auf r Pj* Feuerwehr geschossen hätten. Der Be- “ - ^chterstattrr zufolge tourt« der Geist der Plünderung
Die amerikanischen BesayungSkofte«.
Parts, 25. Mai. Die .Ebiiago Tribüne" berichtet zu der neuen Wendung in der Verhandlung über die amerikanischen Befatzungskosten, die englische Regierung habe gestern Abend den übrigen Alliierte« notifiziert, daß sie den Vorbehalt hinsichtlich der direkten Ansprüche der Vereinigten Staaten an Deutschland zurückziehe und datz der Entwurf des Abkommens unterzeichnet werden könne, sobald die Vertreter der Mächte dazu bereit seien.
Paris, 25 Mai. Das Abkommen über die Regelung der amerikanischen Besetzungskosten ist nach fast dreimonatigen Verhandlungen heute nachmittag unterzeichnet worden, und zwar für die fReretntgtett Staaten von Untersiaatssekretär Elliot Wadsworth, für England von Salvago Raggi und für Belgien von Bemelmans. - . j
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«l — In Wattenscheid hoben wilde Kontrollkom- c Missionen versucht, die Preise herabzusetzen. Auch in Langendreer ist eS zu Unruhen gekommen. — In Issen und Umgebung ist heute morgen alles ruhig. >-In Dortmund findet heut« morgen eine Bersamm- tmg der Metallarbeiter über die Lohnfrage statt. Hebet jüe Streiklage toirb bekannt, daß in Dortmunder Hezirk die Belegschaft von etwa acht Zechen und mehr als ißig Werten streiken. Auf dem Hör der KönigS- Wer k ist die Arbeitsniederlegung durch die Kommunisten -ßrzwungen worden. Im Bochumer Bezirk traten
Belegschaften der Zechen Julius Philipp und Karl irisch in den Streik. Auf der Zeche Mont Cenis mut t die Bergarbeiter wiederum am Einfahren gehiichert.
nfalls gestreikt wird auf den Zechen Konstanz«» Mans- und Planeten. — In Gelsenkirchen beskht noch Ireikneigung, doch wurde die Arbeit bereits an einigen tellen wieder ausgenommen. — Im unbesetzten Gebiet iro neu gestreikt auf den Zechen Sachsen und RrLbov.
ch den bisher vorliegenden Nachrichten ist die Lage noch -geklärt. Dagegen wurde auf den Zechen Carl und fioria die Arbeit wieder ausgenommen. SSerjudje, die aeikbewegung auch auf den Essener Bezirk auszudehne-r, nach den bis zur Sturze vorliegenden Nachrichten Vicht geglückt.
- Die Abendblätter melden, daß die Verhandlungen Wischen dem Kontrollausschuß der proletarischen dem Kontrollausschußder proletari- ^chen Arbeiterschaft unb der Stadtverwaltung von lsenkirchen über die Richtlinien für Lebens- Mittelpreise noch nicht zu.m Abschluß ge- k»m m « n s i n d. In der Nacht und heute Vormittag Narbe noch in zahlreichen Geschäften ge« >16 n b c 11. Aus allen Bezirken strömen unsichere nte herbei. Die Streiklage verschärfte sich.
Gelsenkirchen, 25. Mai. Ilm 11 Uhr heute Wttag fand eine Versammlung statt. Die Gewerk- Msien verhandeln zurzeit untereinander über die Bildung . &er aus ihren Reihen zusammenzusetzenden Sicherheits- - tzehr. In Herne ist es bis jetzt ruhig geblieben. Es wird vicht gestreikt. In Remscheid traten gestern Nachmittag Alb di« Arbeiter der Mannesmann^Werke in den Streik.
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Nei.üsregtcnmg hat 'n de» letzten Tagen aus- Beratunoen über den Inhalt der neuen Rote, Vorbereitung ist, gepflogen Der Stand der
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Berlin, 25. Mal. In ihrem letzten Halbjahres- bericht gab die ReparationSkommisston die deutschen Reparatwnsleistungen bis zum 31. Dezember 1922 mit rund 8 Milliarden Goldmark an. In tiefer Summe sind nur die Leistungen enthalten, die Deutschland auf Reparattonskonto gutgeschrieben werden. Mr diese Leistungen setzte die Reparationskommtsflon zum Teil Summen ein, die weit unter dem wirkliche« Werte liegen, so vor allem für die abgellefeiten deutschen Handelsschiffe. Denn schon die auf Reparationskonto anrechnungsfähigen deutschen Leistungen stellen viel höhere Werte dar, als die von der Reparations- kommisston angegebenen 8 Milliarden. Daneben aber bewirkte Deutschland auf Grund des Versailler Vertrages zahlreiche weitere Leistungen. So wird beispielsweise das der Liquidatwn unterliegende deutfche Prwatetgentum im Auslande, das allein einen Wert von 11740 Millionen Gold mark darstellt, i« der Ausstellung der ReparationSkommission überhaupt nicht berücksichtigt. Soll die deutsche Gesamtleistung feftgr-
Slnge.eeenheit ist aber noch nicht wesentlich vorwärts gekommen. Es sind auch unendliche Schwierigkeiten zu überwinden. Die Reichsregierung hat sich auch veranlaß' gesehen, mit der englischen Regierung noch einmal in Fühlung zu treten und einige Rückfragen bezüglich des seinerzeitigen Donar Law'schen Repa- rationsplanes zu stellen. Tie Grundlagen dieses Planes zu übernehmen würde deutscherseits kaum größeren Schwierigkeiten begegnen. Allan will durch die Intervention in London zu ermitteln suchen, tote weit dieser Plan noch aufrecht gehalten wird, und ov eine Anknüpfung an seine Grundgedanken die Rote int Sinne einer Weiterbeförderung der Diskussion^ de- etnflussen könnte.
Wie die Blätter meiben, beginnen heute die Be- kprechungen des Reichskanzlers und des Antzen- ministers mit bett Führern der Parteien über die Grundzüge der deutschen Antwort auf die alliierten Noten in der Revarationsfrage. Wie der »Berk. Lokalan;." wissen will, soll bei der heutigen Besprechung auch die durch den Kcmmunisten-Ausstand im Ruhrgebiet geschaffene Lage erörtert werden.
trügend geregelt ist, ist der Friede in der Welt nicht möglich Deutschland war vor 1914 ein mächtiges Land. ES bat der gesamten Wett daS Beispiel einer prächtigen industriellen Entwicklung gegeben. Dieses große Volk hat, wie alle anderen Völker, ein Recht auf einen Platz an der Sonne; es hat ein Recht zu leben. Ich werde ihm diesen Platz nicht aberkennen, aber ich wiederhole, datz man nur dann endgülrig dem Frieden zusteuert, wenn man die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der beiden Völker regelt. (Diese Stelle wurde von den anwesenden Amerikanern mit lebhaftem Beifall aufgenonr- ttten.) Loucheur erinnerte dann daran, datz Franfteich fett dem Waffenstillstand die größten Anstrengungen zum Wiederaufbau gemacht habe. Er nannte als für die Reparationen vorgeschostene Summe 100 Milliarden Franken und erklärte dann weiter: Als Frankreich die Besetzung des Ruhrgebietes beschlossen habe, habe et, tote jedermann wisse, nicht zu denen gehört, die dazu getrieben hätten. Aber von der Minute an,, da bie ftanzösikche Regierung angesichts deS schlechten Willens Deutschlands geglaubt habe, im Ruhrgebiet di« französische Fahne aufpslan- zen zu müssen, fei er mit bet Regierung gewesen und er fei auch heute noch mit tbr. Mit Ausnahme von Rathenau habe er niemals einen deutschen Staatsmann gesunden, der entschlossen gewesen wäre, daS gegebene Wort zu hallen (!). Wenn Frankreich sein eigenes Gebiet verteidigen (!) wolle, handle es sich weder um Imperialismus, noch um Militarismus; Frankreich wolle nur unter der Kontrolle des Völkerbundes (!) eine Sicherheit garantiert sehen. — Dir üblichen Phrasen für amerikanische Ohren zurechtgesttttzti - '
Demonstrationen und Streiks wegen bet Teuerung.
Mannheim, 25. Mai. Die Arbeiter der beiden größten hiesigen Betriebe, Lanz und Benz, verließen beute kurz vor der Mittagsstunde überraschend die Be- ttiebe unb zogen in geordnetem Zuge in die innere Stadt. Dem gewaltigen Zuge wurde eine rote Fahne und das Bild von Karl Marx vorangettagen. Gegen 2 Uhr kehrt« die Maste wieder in die Fabriken zurück ohne datz es zu einem Zwischenfall gekommen wäre. Der Zweck der Kundgebung war ein Protest gegen die Teuerung und gegen das Verhaften der Unternehmer bei den zurzeit schwebenden Lohnverhand- lungen.
Düsseldorf, 25. Mai. Gestern nachmittag find die Arbeiter der städtischen Gas- und Elektrizi- tätswerke in den Ausstand getreten. Infolgedessen mußte der Sttatzenbahnverkehr eingestellt werden. Am Abend war die Stadt ohne Beleuchtung.
Barmen, 25. Mai. In den Buch- und Stein« druckereien von Barmen und Elberfeld-Westen sind beute früh die Buchdrucker und Etikettenschneider wegen Lohnstteittgkeiten in den Streik getreten.
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Die augenblicklichen Vorgänge in verschiedenen Ruh- Städten, die namentlich von der Putsch-Bewegung in Gelsenkirchen ihren Ausgang genommen Haben, sind unge- ungcheuer ernst zu beurteilen. Neberall, wo sich berartigr Putsche ereignen, stellt sich in kürzester Frist die planmäßige Organisation heraus. Aber mich ein zweites ergibt sich alsbald: Daß die Drahtzieher bie Bewegung nicht in Händen halten können, daß sich die unlauteren Eftment« einschalten, daß es zu Plünderungen, Raub, Bedrohung der Bürger und dergleichen kommt und daß die ganzen Städte der Anarchie verfallen. In Gelsenkirchen hat sich unter Duldung der Stadtbehörden ein Selbstschutz gebildet, der überwiegend von Kommunisten beherrscht wird, in dem sich aber auch anders gerichtete Gewerkschaften befinden, um nach der Verjagung der Schutzpolizei durch die Franzosen, die, wie sich zeigt, bfc besten Regisseure für solche Putsch« sind, wenigstens in etwa d-ie Bevölkerung gegen das Verbrechertum zu schützen.
Wer eigentlich hinter der Bewegung steht, ist zur Swnde noch gar nicht zu ergründen. Elementar aus dem Volke, vor allem aus den Arbeitermassen herausgcwachsen, ist sie sicherlich nicht. Auch die Kommunisten lehnen die Vaterschaft ab. Aber «s ist unbestritten, daß ihre lang« und systematische Wühlarbeit den Boden für diese Bewegung vorbereitet haben. Es ist andererseits eine feststehende Tatsache, daß die Bewegung selber unter stärkster Anteilnahme der Kommunisten sich vollzieht. Aber nun, da den Kommunisten die Dinge über den Kopf wachs«'», und da eS ihren parteiischen Sonderinteressen entspricht, von einer Bewegung, die sie nicht in ihre' Bahnen ablenken können, noch rechtzeitig abzurücken, verweisen sie darauf, daß die Massen von auswärts hinzuge- kommenen Elementen beeinflußt worden seien Wenn an die Stell« der kommunistischen wilden Hundertschaften nunmehr gewerkschaftliche getreten sind, bie unter selbst gebildeten gewerkschaftlichen Regierungsorganen dir Ruhe aufrecht erhallen sollen, so mag man darin einen gewissen Fortschritt erblicken, aber es ist keinesfalls «in erfreulicher Zustand geschaffen. Es bleibt unerfindlich, warum in diese Schutzorganisation bürgerliche Element« nicht mit ausgenommen werden, dagegen ist die kommunistische Partei mit aufgenommen, von der doch die Ansttstung zu den Plünderungen unb dem Sturm auf öffentliche Gebäude ausgegangen ist.
Wenn sich die Dinge so weiter entwickel»» wie in der» ätzten Tagen, dann wär« im Ruhrgebiet mit der reinen Arbeiterregierung, also mit der viel besprochenen Diktatur des Proletariats der Anfimg gemacht. Sachsen und Thüringen würden sich dann voraussichtlich beeilen, dem unlöblichen Beispiel zu folgen, unb dann würde der Nationalismus besonders in Bayern, aber auch in anderen Orten, hell anfflammen. Das würde nicht mehr unb nicht weniger bedeuten als den Bürgerkrieg, und das kön- nen wir angesichts der Tatsache, daß der Feind im eigenen
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Das Rücktrittsgesuch des französischen Ministerpräsidenten Poincarä ist — wie wir gleich gestern sagten — nichts weiter als ein fein angelegter und zugleich raffiniert erdachter Trick, den Poincarö ausspielte, um seine Position nur noch zu befestigen. Schon immer war ihm der Senat unbequem, da er sich doch noch ein wenig Selbständigkeit gegenüber der sklavischen Unterwürfigkeit des nationalen Blocks der Kammer bewahrt. So hat denn auch der Pariser „Matin" ganz recht, der erklärte, datz die Aussprache zwischen Poincarä und Millerand an ein „großes Theater" erinnere. Es ist natürlich eine Vorspiegelung, wenn Poincarä geltend machte, datz der Beschlug des Sena cs, sich für die Verfolgung der französischen Kommunisten, die an der Kölner Tagung teilgcnommen hatten, unzulässig zu erklären, Frankreich in die Gefahr des Bolschewismus bringe. Denn die Agenten Poinearös sind es doch, die sehr intim mit den deutschen Kommunisten Hand in Hand arbeiten und die auch gegenwärtig bei den putschistischen Aufständen in einigen Ruhrstädten nicht unbeteiligt sind Was Poincarö kränkte, das war, daß feine Rcchtsauffassung nicht gebilligt wurde, und das ist angesichts der Art, wie Poincare gerade die grotzert »weltpolitischen Fragen rechtlich sieht bezw. darstellt, nur zu verständlich. Poincarä wollte mit seinem Rücktrittsgcsuch, das gar nicht ernst gemeint war, gegen seine Widersacher einen Stotz führen, um sich nur noch fester in den Sattel zu sehen. Das ist ihm für diesmal gelungen, aber eine Bresche ist doch geschlagen.
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Tahiti Berlin, 25. Mai. Das Telegramm aus den Mor-
Paris, 25. Mai. Hebet die durch die Abstiin- mung des Senats eingetretene und nach kurzer Frist wieder beendete Ministerkrise schreibt das „Echo de Poris": Alles wird gut sein, wenn man aus dein Zwischensatt die erforderlichen Lehren zu ziehen versteht. Der Kleinkrieg der Parteien und die parlamentarische Krisis hat den Akiuisterpräsidenten in gerechter Weise erregt. Man versteht seine Geste. Aber wenn die Autzenpolitik alles beherrscht und wenn diese Politik in der Hand und unter dem starken Impuls Poincaräs steht, darf man nicht autzer Acht lassen, daß es schlecht ist, die innere Politik den Komplotten der Wandelgänge und den Machenschaften der parlamentarischen Sitzungen auszusetzen.
Die „Ere Rouvelle" sagt: Niemals hat eine Regierung von einer als Staatsgerichtshof vereinigten Versammlung eine hübschere Ohrfeige bekommen, als die, mit der gestern der Staatsgerichtshof Herrn Poincars bedachte. Der Senat, der nicht späht, wenn seine Würde in Frage kommt, hat nicht zugelassen, datz eine Anklage, die sich allein auf Presse und Politik stützt, ihm überwiesen wird. Das Pre- istge Poincatos sei schwer getroffen.
„Oeuvre" schreibt, Poincar6 habe dem Senat gesagt: Wählt zwischen mir und der Justiz! Der Senat habe die Justiz gewählt. Er habe aber außerdem auch Herrn Poincar4 behalten nach einer kleinen Komödie, über die niemand sich täusche.
Der sozialistische „Popukair" urteilt, daß durch die gestern rasch beendete Krisis das Presttge Poin- car^s nicht gehoben worden sei. Das Blatt ist davon überzeugt, datz Poincarä nun in keinem Falle mehr im Namen Frankreichs sprechen und es in den Augen des Auslandes vertreten könnte.
P a r i s, 25. Mai. Der Präsident der Republik reist heute Abend auf etwa zehn Tage in die Provinz und nach Elsatz-Lothringen. Es ist ein außerordentlicher Ministerrat einberufen worden, der vorher um 7.30 Uhr stattfinden soll. — Justizminister Eolrat soll, wie Havas mitteilt, am 27. Mai in Besancon mit dem Präsidenten der Republik zusammentreffen und ihn während seines Aufenthaltes in Elsatz-Lothringen begleiten. Dem Justizminister unterstehen bekanntlich die elsässischen und lothringischen Angelegenheiten.
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Paris, 25. Mai. Im amerikanischen Klub hielt Loucheur toieber eine Rede. Er tagte: .Heut«, wo der Krieg zu Gnbe ist, müßten sich die Vereinigten Staaten über ihre Ausgabe Har fein. Amerika kann sich selbst genügen, aber England leidet unter einer ungeheuren ArbeitskristS. Solange die Lage ztoischen dem sranzöstsche» und dem deutfche« Volk nicht ge-
Der Anzeigenpreis beträgt für den Ogefp. Zeilenmillimeter 100 Mk. (Kl. Anzeigen »nd Familien-Anz. gegen bar, 80 ®lt Amtliche und ausw. Anzeigen 122 MI. Bei schwierigem rn Satz 50*/, Aufschlag. Spät einlaufend« oder den Saunt über 's, Seite einnehmende Ig, rtllHri« Anzeigen werden nach der Textipaltenbreite berechnet. Reklamen der Zeilenmillimeter .
300 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Auskunft durch die Geichäftsst. und Lermitttuna der Angebote 100 bei Uebersendung durch uns 100.— Mk. ahne Port«.
Berlin, 26. Mai. Wie bie „Voss. Zig." erfährt, feen b< von deutscher Seite beim ftanzösische« Ober» knmanbo wegen Erteilung der ErlaubniszurEni- - fr n b u n g deutscher Schutzpolizei- unb Kriminalbeamten nach den gefährdeten Orten Ruhrbezirks erhobenen Vorstellungen eilt n e g a- Ergebnis gehabt. General Denvignes, an fett das Gesuch weitergeleitet toutbe, hat es abgelehnt, die .Erlaubnis zu erteilen. Der Vertreter des ansgetoiesenen " ^kgierungspräsidenten Grützner hat heute nochmals beim
eb.r,ag1 lerschaft in ihrer übergroßen Mehrheit fHH dos Treibeif M Unmhestister aufs entschicbcnste m i ß- Hjllig t. An verschiedenen Stellen wurden mtch bc° A J* git8 Maßnahmen getroffen, um derartigen Ereignissen - ‘ dorzubeugen und entgegenzuwirken. Trotz solcher Versuche
Lande steht und baß unser« außenpolitische Lage so unsicher ist wie je zuvor, wahrhaftig nicht brauche«. Men» jetzt unverantwortlich« Pollliker das gewifsentose Treiben internationalen Gesindels unter französischem Schutz dazu benutzen, solche Ziele zu verfolgen, so versündigen sie sich an allem, was uns Heute heilig sein sollte. Gelsett- kirchen darf »richt zu einem zweiten Kiel werden, weil ein zweites Kiel Deutschland und das deutsche Volk nicht ertragen könnten.
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|| kn wurden vertrieben. — In Witten und Buer kam 'J, II. 6 gestern ebenfalls zu Ansammlungen und Demonstratio-
iiiRd ff , Dortmund, 26. Mai. Die gestern Nachmittag er» [Uli; ffMüte Beerdigung der beiden gefallenen Kommunisten, der ungefähr 10 000 Mann mit roten Fahnen und mnmunistische Hundertschaften teilnshmen, ist ohne Zwi- Kenfafl verlausen.