Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberhessert

Der Anzeigenpreis beträgt für den Dgefp. Zeilenmillimeter 80.00 Mk. (ÄL Anzeigen und

1923

wird wie neu durch emaillieren o. vernickeln

Marburg

Mag, Den 15. Aal

300" ML Jeder Rabatt gilt als Barradatt. Belege werden berechnet, «ei Aus« kunft durch di« Seichäftsn. und Vermittlung der Angebote 50 M, bei Ueberjendung durch uns 100. Mk. ohne Porto.

Famtlien-Änz. gegen dar, 50 Mk. Amtlich« und ausw. Anzeigen 100 Mk. Br> ichwierigem rn O'Aa« Satz 50*1, Aufschlag. Spät eielaufenb« oder den Raum über l|, Seite einnehmende Jg, Hll'IlUe Anzeigen werden nach der Textspaltenbrette berechnet. ReNam«» der Zeilenmillimeter 300 Mk. Jeder Rabatt gUt als Barradatt. Belege werden berechnet, «et Aus«

Die ^Oderhessische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 3600 Mk. mit Zustellung «gebühr. Für ausfallende Rümmer» infolge Streiks oder ttf 11/ elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. L. Hitz-roth. Druck der

** * Ilnir»Buchdruckerei von Job. Aug. Roch, Markt 21,ÄL Fernsprecher ä, Posi-

scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Lw j. H. Schäfer J

Kasernenstr. 21 |

carä-Theuni» und die Politik Turzon-Muffolini.

Rechtlosigkeit und systematischer BÄrrückung erfolg«

DieMen RMliige" W*.

Berlin, 14. Mai. Die englische und ita- lienische Note sind vormittags der Gegenstand der Prüfung und Erörterung sowohl in der Wik­helmstraße als auch bei den Parteien im Reichstage gewesen. wo mehrer« Fraktionen und Fraktions- rstände versammelt waren. Der Reichskanzler, r in der Mittagsstunde in Berlin eingetroffen ist, irb abends eine Sitzung des Reichskabinetts prä- ieren, die sich mit den beiden Antwortnoten auf s jüngste deutsche Angebot beschäftigen wird. . Jie die Blätter schreiben, ist jedoch nicht zu erwar- m, daß bereits in dieser Sitzung entscheidend« Br- hl üsse gefaßt werden.

Ueber den Eindruck,' den die beiden Roten in ierlin hervorriefen, teilen die Blätter mit, daß «verhohlene Enttäuschung über beide Noten im Ausdruck geommen ist, insbesondere über die rdiale Kritik des deutschen Vorschlages und dar­über, daß die beiden Noten zur Lösung des Repa- Mrons- und Ruhrlonflitts durch positive Anregun­gen in keiner Weise beitragen. Die Ruhrfrage wird Alt keinem Wort erwähnt. Auch das Problem der politischen Sicherungen bleibt gänzlich außer Be­tracht, ebenso wie Deutschlands Vorschlag einer

11 Die englische Antwortnote hat, wie wir bereits gestern || sagten, in ihrer allgemeinen Richtung niemanden über» U loscht, der die Strömung der englischen Politik in der || jchten Zeit einigermaßen verfolgt hat. Sie übertrifft H fee vorher gehegten Erwartungen nur durch die Schrosf- H |eit ihre- Tones. Auch diese Aeußerlichkeit ist sicherlich M richt ohne diplomatische Berechnung. So wenig an || positiver Anregung die englische Note auch enthält, so sehr H bemüht man sich in England, auch dieses Wenige noch |1 b einer Verpackung zu bieten, die sich dem Empfinden des || tzanzösischen Bundesgenossen anpaßt.

|| Erwarten mußte man, daß England ebensosehr seiner H kntente-Freundschaft wie auch seinen wittschaftlichen &e». |f Lhtrpunkten treu bleiben werde. Und daher schreibt sich || fcnn die Anpassung an die politischen Forderungen Frank- | «ichs und das Verlangen, die Reparativ ns frage für sich zu | betrachten und allein darüber die Diskussion fortzusetzen. | . daraus ergeben sich zwei Schwierigkeiten, denen das | ' JfaHnett Dr. Cuno gegenübersteht und deren Ueber« I Vindu ng das außen- und innenpolitische Problem der | : Höchsten Tage sein wird.

Di« Anpassung an die politischen Forderungen Frank- «ichs zeigt sich am deutlichsten in demguten Rat- j-lage" Curzons, alles was nicht zur Repa rato ns frage »hort, als unwesentlich zu betrachten. Bei etwas gnt- fcillig;r Beurteilung hätte, Lord Curzon als Notenver- ftsser sich selbst als Oberhausredner nicht so in den kchattrn zu stellen brauchen, wie er es getan hat. In linner Oberbausrede hat er selbst die Unmöglichkeit tznerkannt. Von Deutschland jetzt eine absolut tznum- ßrittene Endziffer zu verlangen. In seiner Note hält er Ich über di« Geringfügigkeit von 30 Milliarden auf! Do« =Iei haben auch englische Sachverständige und haben die biernationalen Sozialisten Misi-arden als ein Höchst- Maß unsirer Leistungsfähigkeit anerkannt Auch das hätte ferb Curzon wissen können, daß die deutsche Regierung sich eine unparteiisch« Schätzung gefallen lassen wollte, *nn die 30 Milliarden nicht genügen sollten. Gute- Willen verrät es auch nicht, wenn Lord Curzon an de- Dehandlung der Garantie der Bürgschaftsfrage in der -butschen Note mäkelt. Deutschland hat die Bürgschaft ferner Gesamtwirtschaft in Form gesetzlicher Bindungen »geboten. Da? ist so bestimmt, daß man Einzelheiten h diesem Stadium der Diskussion nicht zu vermissen ftzrancht.

| Aber über alle diese Dinge ließe sich ja reden, renitent« ßch über btt Btlrgschastsfrage, di« sich natürlich in kon« -feteu Auskübrunaen behandeln läßt, wenn es gewünscht Wird. Hier ist also die Möglichkeit geboten, in einer Hutschen Antwort anzuknüpscn. Wir werden un? aber Acht damit abfinden können, daß der englische Außen« Minister die ganz« Verhandlung nur auf die wittschastliche Hrage beschränken und die politischen Fordern re­gen Frankreichs als offene Frage behan- bc l n w i l l. Das würde uns der ungeheuren Gefahr aus« ' sktzen, daß wir in der ReparationSfmge zu einer Lösung kmmen. um dann nur umso wehrloser der poli» tqchen Machtgier und dem politischen Vernichtungswillen Kaukrtichs ausgeliefert zu sein. Wir können di« Repa- rstionSfrage nur im Zusammenhang mit der Räumung?« tzage behandeln und wir müssen darauf bestehen, daß eine Bfreinbarung über unsere wirtschaftlichen Leistungen die Befreiung des Ruhr« und Rbeingebietes in sich schließt. Von dieser Forderung können wir nickst abgehen und die Legierung Cuno könnte, selbst wenn sie in der Repara­tionsfrage an die englisch« Note anknüpfen will, nicht tüten Zollbreit von dem Boden abweichen, aikf den sie sich * ihrer ersten Note gestellt hat. Hier liegt der fttrn« Dinft unserer außenvolit'schen Lage. Er ist zugleich auch über Angelpunkt unserer ganzen Innenpolitik. Denn mehr tls je müssen jetzt di« Parteien des Reichstages zusammen« Hehen, damit eS dem Kabinett Dr. Cuno ermöglicht wird. Mit dem ganzen Rückhalt des deutschen Volkswillens nicht ter den Rnbrkampf, sondern auch den diplomatischen tzamps sortzusetzen, in dessen Anfang w r '-'i'-scheinlich ktzt stehen.

wirtschaftlichen Kooperation mit Frankreich nicht berücksichtigt wird. Die einzige positive Anregung lasie sich in dem Rate zusammenfassen, Deutschland solle seine Vorschläge nochmals erwägen und erwei­tern. Das bedeute nach der Auffasiung der zustän­digen Stellen einen Abbruch der Diskussion, und man neige deshalb dazu, bei alle» fernere« Erwä­gungen diese Tatsache in erster Linie zu berück­sichtigen.

Die für gestern nachmittag in Aussicht genom­mene Sitzung des Reichskabinett» hat nicht statt­gefunden: sie ist lautBerl. Tagebl." auf heute ver­tagt worden. Die Beratungen über die englische und die italienische Antwortnote wurden jedoch am gestrigen Nachmittag innerhalb der Reichsregierung fortgesetzt. Da»Berl. Tagebl." glaubt, daß bei der dritten Lesung des Reichshaushalts im Plenum des Reichstags, die am Mittwoch beginnt, alle Par- toAm ihren Standpunkt zur gegenwärtigen außen- polirischen Lage darlegen werden. Daß die Reichs­regierung Erklärungen abgeden werde, sei jedoch nicht zu erwarten.

Pressestimmen.

Di« Berliner Blätter verweisen mit besonderem Nachdruck auf die Tatsache, daß die beiden Anttoort- noten aus den deutschen Vorschtzag eines tatet« nationalen SachverständigenansscbusseS, wie ibn Hughes angeregt hat, nicht eingehen und daß die in­folge der Ruhrbesetzung etngetretene Verringerung der Wirtschaftskraft und der LeistunaSsähigkeit Deutschlands völlig unberiickstchtigt bleibt.

Da» T." stellt fest, daß durch die Antwort­noten nicht jene Sttmmung der 9$ et trauens ge schassen worden ist, die für schwere Entschlüsse und Opfer notwendig ist.

Die .Germania" erklärt. die Aufforderung zur Unterbreitung neuer erweiterter Vorschläge ist ein fiarer Beweis dafür, daß man auch auf der Gegen­seite eher an alles andere denkt, als an ein Wieder- abreißen des langsam gewonnenen Fadens.

Die ,B. 8" sagt: Deutschland muß jetzt besonders deutlich auSsprechen, welche Sicherheiten «S für die Fundierung internationaler ReparationSanleihen zu bieten trachtet. DaS deutsch« Volk verlangt, daß keine Sicherheiten angeboten werden, die auch nur indirekt zur Verletzung der finanziellen oder nolittschen Sou- veränität Deutschlands führen.

Die Deutsche .Allg. 8tg. nimmt den englischen und italienischen Rat an Deutschland mit der größten Reserve auf und erklärt, daß die Äontrlbuttongfrage von dem widerrechtlichen Einfall in? Ruhrgebiet un­ter keine« Umständen getrennt werden kann und daß st- keine Möglichkeit steht, auf dem durch da» deutsche Angebot vom 2. Mai betretenen Weg fortzuschreiten.

Frankreich frohlockt.

Paris, 14. Mai. Der radikaleRappel" sll,reibt: Danken wir und beglückwünschen wir Lord Eurzon und Musiolini, denn sie sprachen nicht vom Ruhrgebiet das ist da» Beste, was sie tun konnten, um nicht die klarste aller Fragen zu verwirre«. Wahrend sie «och die Quadratur des Zirkel» suchen, verfolgt Frankreich nur die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles. Das Lettmotiv der britischen Politik ist dahin aufzufasien: für Eroßöritannien alle« Nutzen aus dem Kriege für Frankreich und selbst für Bel­gien alle materiellen und moralischen Ungelegen» hctten der starken Politik ohne den Preis für das geopferte Blut und den Ersatz für die Ruinen er­halten zu haben. Der sozialistischePeuple" be­tont, di« ausdrückliche Einladung Lord Eurzons, Deutschland möge neue Vorschläge unterbreiten, werde die Regierung de» Reichskanzlers Euno das gut aufnehmen? Es sei sicher, daß die italienische und die englische Rote jenseits des Rheins Die Strömungen verstärken werde, die sich zugunsten vollkommenerer Angebot« zeige. Zn Londe* scheine man dieses Resultat zu erwatten.

Echo de Paris" erzählt, daß der Eindruck in den Regierungskreisen ein guter sei. Was die ita- gicmsch« Note anbetreffe, so werde sie sehr gut auf- geiwmmen und zwar aus zweierlei Gründen: 1. weil sie die Frage der interalliierten Schulden, klarstelle und 2. von Pfändern und Garantien spreche. Die Hauptsache jedoch ist, daß die englische und ita- l'e"tschc Note die Möglichkeit einer Anlehnung an Den französisch-belgischen Standpunkt ergeben. Dies­mal müffe Deutschland begreifen, worum es sich handele, und es könne nicht länger ausweichen.

P a r i s, 14. Mai.Petit Journal" ist sehr un­zufrieden mit der englischen und italienischen Auf­forderung an Deutschland, neue Vorschläge zu unter­breiten. Deutschland in seiner Verwirrung sei gegenwärtig vollommen unfähig, eine ernste Ga­rantie zu leisten.Ere Nouvelle" schreibt, es gäbe von nun ab bei den Alliierten des großen Krieges zwei Sitten von Politik, die Politik Poin-

Wenn morgen eine Debatte zwischen den besiegten Nationen und den einigen Siegerstaaten eingeleitet werde, wenn wir an dieser Debatte nicht teil­nähmen, dann hätten die Deutschen ihre Revanche gehabt.Victoire" sagt: Die englische und die italienische Note haben uns wenig gefallen können.

Die englische Presse ist enttäuscht.

London, 14. Mai. Die britische Antwott auf die deutsche ReparatlonSnotc sindet in der Preste ge­teilte Ausnahme. Die daran geübte Kritik De« trifft hauptsächlich daS Fehlen einer klaren Darlegung der britischen Reparations- Politik und insbesondere die Ignorie­rung deS deutschen Vorschlages, die ge­samte ReParattonSfragr einem unparteiische« inter­nattonalen Tttbunal zu unterbreiten. Die meisten Blätter stimmen jedoch CurzonS Anregung bezüglich neuer deutscher Vorschläge zu.

Unter der UebersLrift .Ein Wegweiser für Deutschland" schreibt die .Daily NewS", CurzonS kluge Erividerung auf die deutsche Role sei bedeutsam wegen besten. waS ste ungesagt laste, wie wegen des­sen, was sie sage. Sie ignoriere die deuttche For. berung, daß Frankreich das Ruhrgebiet räumen müsse, bevor die Verhandlungen wieder ausgenommen wer­den könnten. Aber ste Ignoriere auch die parallele französtsche Bedingung, daß der deutsche Widerstand im Ruhegebiet aufbören müffe. Die Note sei jedoch, obgleich sie in der Form nur an Deutschland gerichtet sei, tatsächlich fast ebenso an Frankreich gerichtet. Stotncare werde Deutschland vielleicht nicht befriedi­gen können. Poincar- sei aber nicht Frankreich. Zum Schluß ttitt die .Daily RewS' dafür ein, daß Deutsch- land obne Zett zu verlieren, Curzons Führung folge und einen gefunden, umfassenden ReparationSplan unterbreite.

Der diplomattsche Berichterstatter deS .Daily Tele­graph- schreibt, die Amerikaner würden zweifellos be­dauern, ebenso tote dies die Franzosen hochschätzen sollten, daß die britische Regierung den Gedanken aus­gegeben habe, Deutschlands Zahlungsfähigkeit durch einen internationalen SachverständigenauSschutz fest« fetzen zu lasten. Doch sei dieS vielleicht unvermeidlich gewesen.

Die .Morning Post' ist der Ansicht, daß die Ant« tourt CurzonS die Frage nicht viel weiter bring«. Die Ruhrfrage sei der Schlüflel zu der gesamten Lage.

Da» Echo au» Rom.

Rom, 15. Mai. Zur englischen in* zur italieni­schen Antwort an Deutschland schreibt »Jdea Razio- nale", daß die Gleicharttgkeit der beiden Roten auf eine ita lie«isch->engl »s che Annäb.«rung schließen laste auf der Basis der Denkschrift Musto- liniS, nämlich der Zahlung einer Summe in gerechter OSHe und der Leistung von Pfändern und Wirtschaft- neben Garantien durch Deutschland, worauf die Fran­zosen nach Abschluß der entsprechenden Verhandlungen das Ruhraebiet räume« müßten. Hoffentlich würde England nicht irieder von »Ufern Programm zurüa- ireten.

.Epoca" meint, Italien und England hätten die Ruhrfrage nicht berührt, um dadurch zu zeigen, daß die RevartionSfrage rein wirtschaftlicher Natur f et.

Auch die übrige Preste betont, daß eine Einigung auf der BasiS der Denkschrift MuffoliniS erfolgt fei, und erwartet von Deutschland neue entsprechende Vor­schläge,

*--

Ste Sage ia Uta defekten Miete«.

Essen, 14. Mai. Die gegenwärtig« Lage im Ruhrgebiet wird gekennzeichnet durch Versuche der Franzosen, mit militärisch-politischen Mitteln um jeden Preis einen Umschwung in der Stimmung der Bevölkerung herbeizufübren. Diesem Zwecke diente das Werdener Kriegsgerichtsurteil im Krupp- Prozeß ebenso wie die zahlreichen unerhörten Kriegsgerichtsurteile der letzten Tage. Es ist ein Zufall, daß in der letzten Woche zum ersten Male ein Todesurteil ausgesprochen wurde. Bon Düffel« dorf aus wurde auch zugegeben, daß es angesichts der gegenwättige« politischen Situation nicht mehr darauf ankomme, das. Ruhi­ge bi et wirtschaftlich für die französischen Interessen nutzbar zu machen. Die letzten Berord- nungen Degouttes verfolgen deshalb auch weniger wirtschaftlich« Ziele, sondern sie find politischen Ur­sprungs. Soweit die Verordnung (Nr. 38) bisher im Ruhrgebiet bekannt wurde, hat sie den Zweck der Einschüchterung nicht erreicht, sondern nur neue Erbitterung gegen die ftanzöfische Willkür hervor- gerufen. Die Franzosen wollen aber vor allen Dingen die Abschnürung der besetzten Gebiet« von dem unbesetzten Deutschland völlig durchführen. Die Tatsache, daß die Verordnung bereit« für den 15. Mai wirksam werden soll, zeigt am deutlichsten, daß es den Franzosen im wesentlichen auf die Abschnü­rung ankommt. Im übrigen darf die einschneidende Wirkung dieser Verordnung auf den Einzelnen und die wirtschaftlichen Folgen dieser Verordnung nicht verkannt werden. Es bedarf großer persönlicher und materieller Opfer, um diese widerrechtliche Ver­ordnung unwirksam zu machen. Im Ruhrgebiet ist man zu solchen Schritten bereit in der Erkenntnis, Daß durch die ungebrochene Fortführung des pas­siven Widerstandes der jetzige Zustand völliger

reich überwunden werden kann.

Münster, 14. Mai. In Fröntrop haben die Franzosen die Anschlußgleise zurGuten Hoffnungs- Hütte" besetzt und das Werk dadurch vollkommen ab­gesperrt Als Sanktionen für die letzten Spren­gungen sperrten die Franzosen die Eisenbahnstrecke KirchderneBorken 8 Tage für jeden Verkehr.> Die Truppenverschiedungen im Raume Dortmund! Castrop dauern an. Es handelt sich um die Ab­lösung der 3. französischen Division, von der Teil« bereits nach Frankreich zum Abtransport verladen, andere im Abmarsch begriffen sind. Sie wurden abgelöst durch Truppen der 1. französischen Division aus Lille unter dem Kommando des General» Eouiltar. Nach einer Blättermeldung besetzten gestern die Franzosen die beiden Zechen .Zollern I undGermania DE, wo neben den eigentlichen Zechenanlagen hauptsächlich die Kohlen- und Koks­halden mit Beschlag belegt wurden.

Köln, 14. Mai. Wie vor kurzem gemeldet wurde, forderten die Franzosen vor einiger Zeit von den der Otto Wolff-Gruppe nahestehenden Werken Phönix, Rheinstahl und Rheinmeta, die Entrichtung der Kohlensteuer innerhalb kurzer Frist. Da keines dieser Werke der Forderung nach­kam, ließen die Franzosen, wie derKölnischen Zei­tung aus Düsseldorf gemeldet wird, Ende der vori­gen Woche neuerlich di« Aufforderung ergehen, darunter an die Rheinischen Metallwerke und Ma­schinenfabrik allein eine Forderung von mehreren hundert Millionen auf der Dollargrundlage, die ungefähr der Hälfte des jetzigen Dollarkurses ent­spricht, und drohten den leitenden Personen die Verhaftung an. Es ist anzunehmen, daß auch der neuen Forderung keine Folge gegeben wird.

K ö l n, 14. Mai. Gestern vormittag wurde der Bahnhof Lekoven von belgischen Truppen besetzt. Ein Milchzug mit Lokomotive und Packwagen wurde beschlagnahmt. Durch die Besetzung fielen den Belgiern 150 zum großen Teil beladene Wagen in die Hände. Der Personenverkehr geht zur Zeit bis Rommerskirchen. Nachmittags forderten die Belgier die deutschen Arbeiter auf, die Arbeit für sie aufzunehmen oder den Bahnhof zu verlassen. Seither ruht der Betrieb.

Der Kampf gegen di« Beamte«.

Köln, 14. Mai. In Paris, London und Brüssel ist anschließend an die den Regierungen be­reit» mitgeteilten Namen von Beamten, die von der Interalliierten Rheinlandkommission mit ihren Familien au» dem besetzten Gebiet au-gewiesen worden find, einew eitere Liste von 1378 Auswei­sungen mit einer Protestnote übergeben worden.

Ludwigshafen, 15. Mai. Heute früh 5 Uh« haben die Franzose« die Badische Anilin- und Soda- kabrik besetzt. De« Arbeitern wird der Zutritt zu« Fabrik verweigert, die Angestellte« der Nachtschicht durfte« dagegen da» Werk »erlasien, in dem jetzt ei« ganzes Regiment liegt. Auch das Straßenbahn, depot ist besetzt worden; infolgedesien verkehren keine Wage« der elettrische« Straßenbahn. De« übrige Verkehr ist ungehindert.

Mannheim, 14. Mai. Die Franzosen^häben heute morgen im Hafen von Rheinau die Brikettfabrik von ®timte» fotoie die Braunkohlenbrikettfabrik befetzt und den Arbeitern den Eintritt in die Fabriken ver- toebrt. Gleichzeitig haben ste 30 elsässische Arbeiter berbeigebracht, um die Briketts auf ein Im Hafen liegendes Schiff zu verladen.

Mannheim, 14. Mai. Eine Berliner Rach« richtenfteile meldete aus Mannheim, daß der König von Schweden und der frühere Großherzog von Baden, al» sie zur Beerdigung der. Großherzogin Luise von Baden durch Offenburg gekommen seien, von der französischen Besatzung verhaftet und einige Stunden festgehaften worden seien. Wie die Ber­liner Börsenzeilung hört, ist diese Nachricht nnzu- treffwt».

5«$roit6 tttta Mt Sttig-Birtfiatta.

Zu der am 18. Mai in Düsseldorf zur 'Verhandlung kommenden Revision im Krupp-Prozeß meldet dieSoff.' Zeitg.", daß die Angeklagten zu dieser Verhandlung nicht erscheinen wecken. Der Gerichtshof werde sich au$ sieben höheren französischen Offizieren zusammeusctzen. Der Anklagevertreter sei der höchste ftanzöfische De» richiSoffizier, der sich bei der Okkupationsarmee auf­hält, namens Albert. Die Verteidigung liege in den Hän­den des Rechtsanwalts Dr. Grimm-Essen. Die Revision stütze sich lediglich aus Versahrensverslöße.

Ein "Berliner Arzt, der Gelegenheit hatte, die Bete kündigung de§ Urteils an die Verurteilten im Krupp­prozeß aus dem Gefängnishof des Amtsgerichts Werde« zu beobachten, berichtet darüber folgendes: An der Hof­mauer war ein Zug französischer Infanterie mit outge* pflauztcm Bajonett ia zwei Gliedern ausgestellt. DA