Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessei
wird wie een durch emaillieren u. vernickeln
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Marburg MM, de» 14. Kal
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58.m
1923
Antwort aus London und Rom
Km ift rahältt md erwartet mei ere Angebote.
8 e « b 6 «, 15. Mai. In bet heute überreichten, 1 wa Loeb Curzon unterzeichneten englische« Antwortnote heiht es, bie englische Regierung habe die »ratsche« Vorschläge sorgfältig geprüft, ba sie an test deutschen Schritt infolge bet von ihr ergan- pnen Anregung ein besonderes Interesse habe. Die Vorschläge seien eine grotze Enttäuschung, Ne die deutsche Regierung «ach Ansicht Curzons hätte ooraussehe« müsse«. Sie entsprechen weder der Form «och dem Inhalt «ach ’ »r«, was vernünftigerweise alsAnt- l \eett auf den bei mehr als einer Gelegenheit er- - teilte« englischen Rat hätte erwartet wer- j : len können. Die von Deutschland angebotene 1 tzumme liege weitunterdemmätzigenBe» trag, der die Grundlage des britischen Zahlungs- j N«»es vom letzten Januar bildete. Die Zahlung - dieser unzulänglichen Summe sei von internatio- l «alrn Anleihen abhängig gemacht, deren Ergebnis 1 later den kundgegebeuen Bedingungen in wei - item Umfang ungewih sei. Auherdem seien a -bie sür den Fall des Nichtzustandekomme« vor- rrsehene« siiianziellen Bedingungen sür Deutschland weniger drückend, als wenn die Anleihen erfolgreich waren. Ferner unterlasse die deutsche Re- j verung, greifbare und substantielle Vorschläge für bie Art bet Garantien i» bezeichnen. Die alliierten Regierungen scheu sich unbestimmten Bersicherunge« aus künftige Zerhanblungen gegenubergestellt, die in einer ge- Dst iche« Transaktion des praktische« Wertes ent« tchren. Trotzdem möchte die englische Regierung lern de« Glaube« aufrechterhalte«, datz die deutsche Regierung eine ernsthafte Anstrengung zur Erfiil- bmg ihrer Lerbindlichkeiten aus dem Versailler | vertrage in einet Weise machen wolle, bie die Alliierte« als billig und aufrichtig a«sehe« können. Wenn Deutschland die Absicht habe, den Weg zu kiver wirksamen und schnellen Lösung eines die Mütische und wirtschaftliche Lage Europas und der »uzen Welt verwirrenden Problems zn eröffnen, Man scheint es bedauerlich, datz es nicht eine schärfe Abschätzung der allein zu dieser Lösung führen- *8 Linien bewiesen habe. Die englische Regierung bi ihrerseits überzeugt, datz Deutschland in seinem ltzeue« Interesse es »orteilhaft finde« werde, »»ter Ausschaltung aller un wesent- J pichen und strittigen Punkte seine vor-
-chläge noch einmal zu erwägen uud sa j R* erweitern, datz sie brauchbare Grundlagen für weitere Erörterungen bil- N«. Der erste Schritt zur Verwirklichung einer selchen Haltung müsse bie Anerkennung seitens Deutschlands sein, hast eine viel eingehendere Mitwirkung als bisher erforderlich ist.
11' Die italienische Rote, die gestern der deutschen Botschaft in Rom überreicht worden ist, stellt ; Eenfalls fest, datz bie deutschen Vorschläge nicht ge- dgnet find, den alliierten Regierungen als Erund- i»ge für eine einzuleitende Diskussion zu dienen und Ng der Schritt der deutschen Regierung einen Fort»
i schritt auf de« Wege einer friedlichen Lösung der fcitge nicht bedeute. Die italienische Regierung ift Miäuscht. Italien müsse die Reparation und die 8rage der Kriegsschulden als miteinander verbun» Nn ansehen und auf schnelle Lösung beider drangen, ^urch feine finanzielle und wirtschaftliche Lage i »irb es dazu gezwungen, was schon bie Konferenzen « Paris unb London gezeigt hatten. Die Rote W dann weiter auf die Opfer und die Ansprüche wollens ein und ist erstaunt, datz das deutsche Me- w.'rondvm vom 2. 5. weit hinter de« Vorschlägen »riickSleibt, die in dem Plan der britischen Regie- wng enthalten waren. Abgesehen davon, datz die
1 die Reparation festgesetzte Summe offensichtlich weit niedriger ist, als irgendein noch so geringer «trag, den mau vernünftigerweise hätte erwarten l»nnen, ift bie internationale Anleihe, mit der die Zahlung dieser Summe vollständig bewirkt werden j [to, nur als das Mittel angegeben uud ohne datz Nsagt werde, wie für ihre Unterbringung und *Te« Erfolg zweckmässig gesorgt werden soll. Ebenso - [Wen alle konkreten Angaben über Garantien und Ständer sowie jede Bürgschaft für deren tatsächliche
1 Bestellung. Der deutsche Vorschlag stellt daher Zeinen organischen und vollständigen Plan dar, wie Ek unbedingt notwendig gewesen wäre, um zu einer ’M nur grundsätzlichen Erörterung Anlass zu Aben. Es sei nur eine Reihe von bestimmten und s^bestimmte« Angaben. Diese« Mangel bedaure *”<««. Die Rote führt ihn zurück auf die ver
breitete Ansicht, dass Deutschland unter dem Einfluss gewisser innerpolitischer Strömungen der Erfüllung seiner eigenen Lerpflichtunge« sich zu entziehen suche. (Ein sehr geschickter Eingriff in unsere innerpolitischen Verhältnisse. D. Red.) Die Rote erwartet iw Interesse Deutschlands und im allgemeine« Interesse des Friedens und der europäischen Wirtschaft eine neue baldige Entschließung bet brutschen Regierung, bie durch ihren Inhalt und ihre Bestimmtheit geeignet erscheine, mit Aussicht auf Erfolg einer Prüfung unterzogen zu werden. G.
Die beiden Noten bieten keine lleberrajchungen gemessen an dem, was man vorher darüber hörte. Sie sind ein Meisterstück diplomatischer Kunst und offenbar nur auf Frankreich zugejchnitten, dem man nicht wehe tun, aber auch nicht recht geben will. Unsere Leistungsfähigkeit — und das ist doch die Hauptsache —, kümmert Rom so wenig wie London.
Berlin, 14. Mai. Inder Montagsausgab? des -Bert. Lokalanz" heißt eS zu den beiden Noten: Wenn Curzon wie Mussolini jeder in seiner Note kein Verständnis für Deutschlands Lage und für Deutschlands Mögl'ch- feiten an den Tag legen, so dürste das klar zeigen, daß ihre Noten nicht von der objektiven Betrachtung des uns Möglichen ausgchen, sondern von der politischen Rücksicht auf Frankreich. Wie weit angesichts dieser Gruudeinstellung Englands und Frankreichs sich die angesponnenen Fäd.n weiterspinnen lassen könne, wird mir- äußerster Skepsis zu fr-urteilen sein. — Die „Montags- vost" glaubt im Gegensatz hierzu in der Not' Curzons für die deutsche Regierung die Möglichkeit einer Fortsetzung der Diskussion in der Reparativnssrage zu sehen- namentlich die Frage der Gararttien dürfte gewisse Möglichkeiten bieten, auf die englischen Anregungen einzugehen und den einmal gesponnenen Fcüren nicht abreißen zu lassen.
Die schwierige Antwort anf bie Antworte«.
London, 12. Mai. Die Antwort der italienischen Regierung auf das deutsche Reparationsangebot ist hier eingetroffen und wird mit der vorbereiteten englischen Antwort verglichen. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegr." schreibt: Die Antwort, die die Reichsregierung auf die englische und italienische Rote erteilen wird, wird viel interessanters ein, als diese Sloten selbst. Der Korrespondent glaubt, datz die Ausarbeitung einer einzigen Antwort Deutschlands auf die französisch- belgische Rote einerseits und auf die englisch- italienische Rote andererseits der Regierung in Beriln große Schwierigkeiten machen wird.
Der amerikanische Botschafter in Berlin traf am Mittwoch abend in Newyork ein und erklärte, Deutschland wünsche lebhafter al» jemals die Lösung der Reparationsfrage. Die Lage im Ruhrgebiet habe die Beziehungen zu Frankreich zweifellos verschlechtert.
England bereitet Frankreich keine Hindernisse.
London, 12. Mat. Der englische Generalpostmeister William Johnson HickS hielt gestern Abend in Slough ein Rede, worin er erklärte, die Regierung denke nicht daran, die Freundschaft mit Frankreich zu brechen. Tie Regierung bezwecke auch nicht den Franzosen im Ruhrgebiet Hinderniffe zu bereiten. Deutschland habe den Versailler Friedensvertrag bereits gebrochen, als die Tinte darauf gerade getrocknet war.
Die englische« Student«, und der französtsche Militarismus.
London, 12. Mai. Das Oxforder Studentenparlament nahm gestern mit 128 gegen 71 Stimmen einen Beschlutzantrag an, der besagt, datz die Selbstsucht der französtschen Politik fett 1918 die Menschheit zu einem neuen Weltkrieg verurteilt bat. Die französische Partei machte verzweifelte Anstrengungen, um dieses Misstrauensvotum zu verhindern. Die Aussprache, die gleichzeitig tm Unterhause stattsand, stand durchaus unter dem Gedanken, den jener Beschlutzan- trag ausspricht. Der Glanzpunkt war die grosse Anklagerede MorelS gegen den französtschen Militarismus, weiche die meisten Blätter vollkommen totschweigen, der aber ein volle- Haus mit größter Aufmerksamkeit folgte. Morel unterstrich wie die Schuldwge der ganzen heutigen europäischen Not zugrunde liege. Viel bemerkt wurde auch Robert Cecils Warnung zu der Notwendigkeit einer aktiven Politik. Der junge unabhängige Konservative Mo ley, ein Neffe Curzons, kritisierte mit beissendem Witz die Politik der Reg'.e- ruitß als eine Politik zögernden Zitterns, eine Politik würdig einer Qualle.
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Berlin, 14. Mai. Die ..Msnlaospost" meldet aus Münster, daß der Reichskanzler in Begleitung des Reichsarbeitsminisiers Dr. Brauns in Münster änge- trosfe nist, um in'.t Vertretern des Wirtschaftslebens aus dem Einbruchsgebiet in persönliche Fühlung zu treten.
Da der Reichskanzler augenblicklich nicht in Berlin
ift, kann sich, wie die Morgenblätt« schreiben, das Reichskabinett frühestens am Montag Nachmittag mit der englischen und der italienischen Note befassen.
Die übliche Sonntagnede.
Paris, 13. Mai. In Eommercy enthüllte Poin- care heute Nachmittag ein Kriegerdenkmal. Er hielt dabei eine Rede, in der er in den üblichen Tönen von beim friedfertigen Frankreich sprach, das von den Maashöhen die Forts des gefangenen Metz sah. Jetzt, ba Frankre ch die Provinzen wi.dergewonnen hat, bie man ihm entrissen hatte (!) unb unser Land nicht mehr wie gestern dazu verurteilt ist, in ständiger Aufregung zu leben, dürfen Wir indessen nicht die hundertjährigen Erfahrungen vergessen, und wir wollen mit unseren Freunden in Elsass- Lothringen die vorgeschobenen Wachtposten des Landes bleiben. Dann sprach er von Deutschland, dem der Kr eg das nationale Gewerbe sei und das sich seit 1900 Jahren nicht geändert habe, ob sie sich Allemannen, Ostgoten oder Westgoten nennen oder ob sie sich bei den Hunnen in die Heere Attilas hätten anwerben lassen, ob sie Preussen sind, ob sie uns bei Leipzig verraten, ob sie bei Signti geschlagen werden oder bei Waterloo Sieger sind, ob sie uns bei Sedan einkrr'sin ns? - o p an öer Marne geschlagen werden, ob sie wie 1870 die Emser Depesche fälschen oder ob sie die belgische Neutralität, wie 1914, verletzen. Es gäbe zwar in Deutschland eine Menge nam- hiafter Männer, die im Privatleben ihre Unterschrift nicht verleugnen und die in der Alltagsmoral dieselben Grundsätze hakten wie die Franzosen' aber ein falscher Begriff von der Staatsrmsion habe sie feit langem gewöhnt zu glauben, dass die vol'tische Lüge entschu'dbar fei, indem sie unter dem Kaiser"«h die Verleumdung zur Doktrin erhoben und die Heuchel« zum System machten. Auch bie republikanische Regierung habe daran teil. Die Malze bet deutschen Reichsbisziplin habe dermassen, wenn auch nicht die Gewissen — das wolle er allerdings nicht glauben — so doch wenigstens bte individuellen Willenskräfte zu Boden gedrückt: werde es einer Katastrophe bedürfen, damit das Land erwache. En Deutscher, der General Bernhardi, habe das Wort gesprochen; dem Besiegten dürfe man nur die Augen zum Weinen lassen. Diese barbarische Theorie sei nicht französisch. Frankreich verlange von Deutschland nur, dass es die Schäden repariere und es arbeiten lasse. Nicht um ein Borkriegs-Deutschland to-btr aufkommen zu sehen, haben unsere Bürger das Unglück erduldet, das über sie gekommen ist. Poincars forderte die Anwesenden aus, am •Ju6e des Denkmals nicht die harte Lektion deS Krieges zu vergessen, und sagte fchließl'ch. die Franzosen dankten auch ibren Wafftngenofsen. Ste hätten eine undurch- brechbare Front gegen bie WeltherrschungSpläne ausgerichtet, bie bas Deutsche Reich gehabt habe. Niemand könne also Frankreich — ohne undankbar zu sein -- ber Undankbarkeit beschuldigen.
(Immer bie alte Leier D. Redakt.)
Die Sagt I« Den besetzten- Miete».
Neue Besetzungen.
Mannheim, 12. Mai. Heute mittag VA Uhr marschierte eine kriegsstarke französische Kompagnie mit Feldküche und Bagagewagen über die Rheinbrücke am Hauptbahithof entlang zum Reckaurauer Uebergang und bezog in dem bisherigen Gebäude des Braunkohlensyndikats, das zwischen dem mittleren und westlichen Hafenbecken und Rheinau liegt, Quartier. Der Zweck dieses Borgehens ist offenbar eine Verstärkung der Garnison. Wiederum find also die Franzosen durch unbesetztes Gebiet gezogen. Der Marsch hat diesmal eine Hauptverkehrsader der inneren Stadt durchschnitten.
Mannheim, 12. Men. Z- m wcitcnmale durchro -. heute eine französische Infanteriekolonne bie Bahnhofs- gegend unserer ©tobt. De Kompagnie bewegte sich öo ; Rbeiuau <u*8 in den späten Nachmittogsstunden zur Rheinbrücke. Dass bte Truppen durch unbesetztes Gebiet zogen, dürfte wohl auf bie Beschädigung ber Altriper Fahr- zurückzuführen sein.
Münster, 12. Mai. An der Ostgrenze des Einbruchsgebietes sind Truppen Verstärkungen eingetroffen. So erhielten Dortmund 400 Mann, Dorstfeld 600, Lünen das Infanterieregiment Nr. 53, Hörde eine Maschinengewehrabteilung und Tastrop 1000 Mann Verstärkung, die sämtlich von der französischen 1. Division in Lille stammen. Der Zweck der Truppenverstärkungen ist nicht klar.
^vrengunge«.
Essen, 12. Mtei. Gestern nacht um 12% Uhr ereignete sich auf der Strecke Bottrop—Osterfeld, etwa 300 Meter nördlich des Rhein—Herne-Kanals, eine außerordentlich umfangreiche Sprengung. Die Explosion war so gehaltig, daß teilweise in Essen, das etwa 6 Kilometer von der Sprengstelle liegt,
die Fenster erziterten. An der Sprengsteüe trifft die Hauptstrecke Wanne—Duisburg mit den mili» tarifierten Nebenstrecken, die hier in die Hauptstrecken einmünden, zusammen. Die Hauptstrecke ift die wichtigste Linie für den Kohlen- und Kokstransport nach den Ruhrhäfen. Durch die Sprengung ist die nördliche Verbindung Wanne—Duisburg— Meiderich unterbrochen. Es bleibt den Franzosen jetzt nur noch die Verbindung über Kettwigs Werden übrig.
Esse n, 13. Mai. In ber Nacht vom Freitag zunt Sonnabend wurde im ganzen Stadtgebiet eine gewaltiae Explosion gehört. Dem Benehmen nach soll auf Obe» baufener Stadtgebiet bie Kanalbrücke der Eisenbahnstreck Oberhausen—Osterfeld-Süd gesprengt worden sein. Der Eisenbahnverkehr soll unterbunden sein.
■Reue französische Verordnungen.
Düsseldorf, 12. Mai. General Degoutt« hat eine neue Verordnung erlassen, wonach der Patzzwang auch für das Einbruchsgebiet in Wirksamkeit tritt. Für die Einreise vom unbesetzten Gebiet in das besetzte Gebiet sollen die Patzvorschriften in der Nacht vom 14. auf 15. Mai, für die Ausreise aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet in der Nacht vom 19. zum 20. Mai in Wirksamkeit treten Die Interalliierte Rheinlandkommission hat eine neue Verordnung Nr. 168 erlassen, wonach das Neichsgesetz über die Zwangsanleihe für das besetzt« Gebiet vorläufig keine Gütigkeit hat.
Nach ber „Boss. Ztg " \xUt.n Die FranMsen ben Firmen, welchen nach den Akten der Zollämter die Zöllq gestundet waren, Zahlungsbefehle zu und beginnen jetzt, da bie Firmen die Zahlung an bte französischen Behörden verweigern, die Beträge gewaltsam einznkassieren. Bisher finb ihnen da frei 350 Millionen Mark in die Hände gefallen.
Hagen, 14. Mai. In Ende im Landkreis« Hagen haben die Franzosen ein Verzeichnis über vorhandenen Reichs« und Staatsbesitz verlangt. Ein solches konnte jedoch, da es nicht Vorhände» war, nicht abgeliefert werden.
Paris, 13. Mai. Die Rheinlandkommission hat, wir Havas aus Koblenz berichtet, bie Beschlagnahme sämtlicher Vorräte von Koks unb Kvhlen-NebenprÄmten angeordnet, bie in dem besetzten Gebiet von den Bergwerksleitunge» ob« von den an die Zechen angeschlossenen Werken awgelegt worden finb. Der Bevölkerung wird ferner verboten, JnbustriekokS als Hausbrand zu verwenden. Die B«sorgung ber Bevölkerung soll mit Gas koks gesichert werden. Zuwidcrhandkungen werden streng bestraft.
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Frankfurt a.M>, 12 Mai. Am 9.d.Mts. wuibe« aus der Streck Montabaur—Westerburg acht Wagen, nun Teil Stückgut, im Werte von 500 Millionen Mark von ein« fliegenden französischen Kommission beschlagnahmt. Auf eine Anfrage in Koblenz wegen Freigabe wurde von ber Kommission der Kauf d« Waren tute empfohlen, da dieselben inzwischen srranzösisches Eigentum geworden feien. W°mn sie dies nicht wollten, würben sie mit Gefängnis bestraft.
Im Hasengebiet von Karlsruhe haben bte Franzosen eine erweiterte Grenze festgesetzt, deren Grenze bie Landstrasse Kuielingen — Karlsruhe — Mühlburg — südöstlich« und östlich« Damm des Haseugebiets—Berbin- dungsaknal bis zum Rhein blldet. Die Hauptpunkte sind durch Posten besetzt. Die Berordnungeit ber Rhein- landkommissiou haben auch im neuen Einbruchsgebtet Geltung. — In Kehl finb 20 teere Möbelwagen, bie für ausgewiesene Beamte bereitgestellt waren, von den Franzosen beschlagnahmt worden.
In Ludwigshafen finb gestern ?1 »«heiratete Eisen- babnbebtenftete mit ihren Frauen und 35 Kindern ausgewiesen worden Bor ihr« endgültigen Ausweisung haben sie aber noch weit«« Befehle abzuwarten — Am 9. Mai nachmittags finb in Ludwigshafen mehrere französische Zivileisenbahner eingetroffen. '
In Eouz bei Trter finb gestern 50 Eisenbahn«famili«» ansgew:es?n worden. Außerdem treiben von versch edenen Dienststellen erneute SScrbcftung-n «meldet.
Herne, 12. Mai. Am Mittwoch nachmittag ereignete sich auf dem Hilfsbahnhof E.-Herne, ein ichwerer Zwischenfall. Dort find zum Aus» besinn schadhafter Güterwagen zahlreiche deutsche Arbeiter beschäftigt, die sich nach einer Verein» barung mit der französischen Bahnverwaltung auf den Bahnanlagen frei bewegen dürfen. Ausgenom-s men ist eine Brücke, über die Schienen bis zu der militarisittten Strecke nach Köln führen. Als am Mittwoch in der Nähe der Brücke mehrere deutsche Arbeiter arbeiteten» feuerten zwei Posten plötzlich auf die Arbeiter und verwundeten den Arbeiter Schwebs durch einen Brustschutz schwer und zwet^ weitere Arbeiter durch Streifschiiüsse, die glücklich«- weise leichterer Natur waren.
Düsseldorf, 12. Mat. Der Gemeinde An» germund war von den Franzosen eine Kontribution von 20 Millionen Mark wegen des bei Kalkül verübten Eisenbahn-Sabotageaktes auferlegt worden. Weil die Summe in Angermund nicht beizutreibeni war, versuchte heute vormittag eine französische Ab»