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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

J. H. Schäfer

Anzeiger für (ims früher kurhessische) Oüerhessei,

Kasernenstr. 21

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wird wie mv tack emaillieren a. vernickeln

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Tie ^Oderh«!stsche Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Lezugrpieir monatlich 3600 Mi. mit Zastellungsgeblihc. Für ausfallende Nummern infolge Streil» ooer elementarer Ereignisse lein Ersatz. Verlag von Dr. T.Hitz«rotI>. Druck der llnivFLuchdruckerei von Job. Lug. Koch. Marit 2L2S. Fernsprecher 66, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Sonnnüenö. Her. 12. M

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Die esglilA WM imb FkMkreich.

uns

Me MM im iinierloM.

Linwohnern des Saargeb tets wtedergegeben

l «IUVU UlUnilVIHHKIl IVVIUKll, UK

Wkö des preußischen Militarismus in seiner "unmffen Gestalt würdig sei. iBeisall bei der Ar-

der sebr Er mit

London, 11. SOI al. Mat. Lord Cecil erklärte, ^Stande nicht, das, As.uitd über etwas allzu stark ge« °ö)cn habe, was ihm als ein Verbrechen von Scr- £ der Verwaltungskommtfsion des SaargebietS und 5 schwerer Mißbrauch ihrer Vollmacht in diesem Ge- * erscheine. Der Erlast sei garntcht z» rechtfertigen

r Die englische Politik hat sich seit einiger Zeit zu Mer größeren Aktivität aufgeschwungen. Diewohl- MÜende Zmrodenz", die sie bisher charakteri- Mrte, ist einer Schürfe der Kritik gewichen, die Überrascht. Was die Franzosen jetzt über das Saar- Wbiet im Unterhause zu hören bekommen, ist deut- W,Schreckenstage russischer Geschichte",despotische ^etzgebung" hören wir da. Zugleich vernehmen Wr, daß die Deutschen ganz recht haben, wenn sie N$ Völkerbund als Werkzeug französischer Gewalt- sMitik betrachten. Die franz. Note ist nach LordTecil Mlagenswert nach Ton und Inhalt,' Lord Fisher Mt die Lage als äußerst gefährlich an. Nehmen Wt hinzu, daß Frankreich wieder einmal wegen sei- et Luftflotte beargwöhnt wird, so muß man schon Algen, daß England in immer größere Spannung Wenüber Frankreich gerät, die es von selbst aus Mer Lethargie aufrütteln.

I Wir aber dürfen auch diese Dinge nicht allzu Wt nehmen. Wenn derTemps" heute die unbe- Memen Rufe aus England dadurch ersticken zu kön- M glaubt, daß er ein Lust- und Seebündnis mit Wgland vorschlägt, so dürfte er sich wohl irren. Mer daß Mac Neill am Schluß seiner Ausführungen fr die Grundlage der englischen Politik die Manz mit Frankreich bezeichnete, trotz aller vor- Mgegangenen Reden, zeigt, wie wenig England Mte in der Lage und gewillt ist, seinen Worten Mchdruck zu verleihen. Darauf aber allein kommt ^Kan. Die Note, die uns von England jetzt bevor- Mt, wird das beweisen. Wir kennen bereits De grundsätzliche Tendenz: Harte Kritik, keine di-

Ae Einmischung in die Frage der Räumung des dchrgebiets, Aufforderung zu weiteren deutschen hrschlägeu. Der Versuch seitens Deutschland Eng- b gegen Frankreich auszuspielen, oder etwa gar m letzterem viel zu erwarten, wäre also töricht, her immerhin England erwacht, das kann für icht von Schaden sein.

?=CTVaItet.) Einige der Entwickelungen, «vor kurzem im Ruhrgebiet stattge- en, seien von derselben Art. Man die Role, die die sranzöstsche Regierung vor an Deutschland gesandt habe. Sie ist bekia-

^wert nach der Form wie nach dem Inhalt. Er ^uere besonders die Tatsache, daß Vetgicn sich der ^»siichen Hain ng angeschlogen habe. Die belgische

de, Saarverwaltung auf irgend einer andcre" k^wdlage stattfinden könne. Cecil erklärte bezüglich C Erlasses, eine sehr ernste Lage sei hier etngetreten. 7irt hier eine Aktion unternommen worden, die

2® müsse sofort zurückgezogen werden. Der Vor­tag. eine Sitzung des Völkerbundes einzuberufen, §der Erwägung wert. Seiner Ansicht nach müste ^»gen werden, ob nicht irgendeine allgemeine Regr- gO zwischen Frankreich und Deutschlaud zur Neu-

n d o n, 10. Mai. Im wetteren Verlauf WMigen Umerhaus-Debatte übte Asgutth eine ^Wvfc Krilik an dem Saar-Erlaß vom 7. März. Mve, man könne alle Annalen des Despotismus W» schlimmsten Tagen der russischen Mr schichte durchsuchen, ohne solch ein u n g c - Mnerliches Beispiel despotischer ®e, !|!*8 fl e 0 u n g zu finden. Asquith führte Stellen aus iH* Versailler Vertrag zum Beweis dafür an, daß der M*»r-Erlatz weder nioraii,ch noch furisttsch gerechtfer- Wl werden könne. Der Erlast sei eine offcnkun- Wlle Ungesetzlichkeit. Asquith fragte, weshalb M englische Regierungvertreter nicht angewiesen wor- Wk lei, zu sagen, soweit England in Betracht komme I®* es an dieser Frage keinen Anteil haben? Dies sei krp weticm der schwerste Schlag, der gegen l^e Autorität des Völkerbundes ge- «brt worden sei. Er gefährde das Ansehen des «kerbtiüdes und gestatte dem deutschen Volk, zu "2n: Ter Völkerbund wie er augenblicklich zusam- «»«csetzt ist und geführt wird ist ein Phantom, P61 Farce und ein Betrug, er wird von «« Franzose» betrieben und beherrscht und M würden keinen wirklichen locuS standt haben, «sn wir ihm beiträten. Asquith schlug vor, datz die Eiterung unverzüglich Schritte unteriwhmen solle, Meine besondere Sitzung des Völkerbundes einzude- kn und gestützt auf die Autorität des Unterhauses, von dem gesamten britischen Reich und, wie er «ive von allen freien Ländern der Weir *»t«rstützt werden würde, Im Völkcrvundsra: Zuschlägen, daß dieser Erlaß, bet, so lange er in Mi bleibe, die Autorität und den Ruf des Völker- ^»des in verhängnisvoller Weise beschmutze, für k*Sültig erklärt werde und die gewöhnliche Merheit deS bürgerlichen Lebens und die Freiheit

Regierung und das belgische Volk schuldete« England viel. ES sei tief zu bedauern, datz die begische Re­gierung eS für recht »nd notwendig gepalten habe, sich in dieser Frage von England zu trennen. Er sei im­mer fiir eine gemeinsame Aktion zwischen Frankreich und England gewesen, solange diese aufrecht erhalten werden konnte. Es sei tief bedauerlich, daß sich die französische Regierung von der englischen getrennt habe. Dies bringe die Frage in eine vollkommen neue und ernste Phase. Es sei schwer für irgend einen An- bänger der gemeinsamen Aktion durch die Entente, in irgend einer Versammlung ansznstehen und nach der französischen Rote zu erklären, datz es immer noch möglich sei, die gemeinsame Aktion fortzusetzen. E s fei wirklich schwer, Potncarös letzte Note mit der Auffassung zu vereinen, daß die französische Regierung wirk ltch Zahlungen wolle. Er könne nicht glau­ben, daß ernstlich geglaubt werde, daß ein industrieller Bezirk tote das Ruhrgebiet ebenso produktiv sein würde, wemr er von einer auswärtigen Streitmacht besetzt sei, alS Wenn er nicht besetzt wäre. Was werde das Ende von all dem sein? Angenommen die Deut­schen gäben nach werde man dann irgendwie weiter vorgeschritten sein? (Beifall bet der Opposition.) DaS scheine zwetselhast zu sein. Mit jeDem Tag werde die Lage ernster.

London, 11. Mai. (Unterhaus.) DaS natio- nalliberale Parlamentsmitglied Fisher erklärte, die britische Regierung müsse die Ruhrfrage vor dem Völker- bmü» zur Sprache bringen. Fisher fuhr fort, er sei so­eben aus Deutschland zurückgrkehrt, wo die Lage äußerst gefährlich sei und sich täglich verschlimmere. Es gebe eine Partei in Deutschland, die die Fortdauer deS passiven Widerstandes fordere und erkläre, daß es in einigen Monaten leine Reparationsfrage mehr geben werde, da bis zu dieser Zeit Deutschland ruiniert sein und Frankreich und Belgien mit sich hinabziehen würde. Deshalb müsse die Reparationsfrage sobald wie möglich geregelt wer- den. Obgleich das deutsche Angebot in seiner jetzigen Gestalt unannehmbar sei, müsse es als Grundlage zu Berbandlungen betrachtet werden.

London, 11. Mai. Am Schluß der Saardebatte erhärte namens der Regierung Mac Rel l l:

Während der Debatte sei viel Kritik geübt worden. Sie sei fedoch nicht berechtigt gewesen gegen die briti­sche Regierung. Die britische Regierung fei nur in zwetter und dritter Linie verantwortlich gegenüber dem Völkerbundsrat, wo sie einen Vertreter habe. Mac Ncill erklärte, er stimme vollkommen mit Asquith überein, datz kein einziges Mitglied des Hauses vor­handen fei, das den Saarerlatz als solchen verteidigen würde, aber es folge daraus nicht, datz es gut gewesen wär«, von ttgendeinem Standpunkt unmittelbar eine solche ANion zu unternehmen. Die Opposition werde niemals müde, an die Zelt zu denken und über bre Zelt zu reden, wo lebe internationale Schwierigkeit durch internationale Konferenzen geregelt werde. Man müste fedoch damit rechnen, datz man sich auf diesen Konferenzen oft in der Minderheit befinde. Was die gröbere Frage der Ruhr betreffe, so glaube er. datz, wenn die Antwort der Regierung auf die deutsche Not veröfsentltcht werde, die Mitglieder des Hauses, die bl« Regierung kritisierten, finden wür­den, datz sie wttklich nicht so viel Grund zur Unzu- fifebenbeit hätten, tote sie meinten. Wie auch immer die Antwort lauten und wozu sie auch immer führen werde: der Grundsatz der Regierungspolitik werde bleiben, tote er von Curzon im Oberbause bezcichner wurde: Aufrechterhaltung der Allianz mit Frankreich.

London, 11. Mat. Der .Daily Telegraph' schreibt zu der gestrigen Unterbausdebatte über das Saargebiet und die Reparationen, bet Ton aller die­ser Rede kritisiere die französische Attion scharf. Der Saarerlatz habe nicht einen einzigen Verteidiger ge­funden und könne tatsächlich unmöglich ernstlich ver­teidigt werden. Der SiimmungSumschwnng im Unter­haus, der bereits schnell vor sich gebe, scheine gestern setn Tempo sichtbar beschleunigt zu haben.

London, 15. Mai. Wie Reuter erfährt, ist die britische Antwort auf die deutsche Note nun­mehr fertig gestellt. Sie wird der französischen Regierung jedoch beute noch nicht mttgeteUt, sie werde indessen wohl morgen nach Paris gesandt. In diesem Falle könne die Antwort Deutschland nicht vor Sonntag mitgeteilt werden, da zwischen der Mit­teilung an die französische Regientng und ber lieber- mittlung an Deutschland 24 Stunden liegen muffen.

Paris, 11. Mal. Der »Quitidien* glaubt durch die Folgen der in den letzten Tagen mit besonderer Schärfe hervorgetretenen Isolierungspolitik Poincarös zu erkennen. England habe sich darauf- btn sehr rasch umgestellt Einerseits übe c5 aus Deutschland einen Druck ans, damit es ernstere Ange­bote mache, andererseits arbeite es für den Fall, datz Deutschland feinem Ratschlag folgen werde, mit Italien an dem Plane einer internationalen Konferenz. Welche Haltung fragt das Blatt werden wir in diesem Falle einnebmen? Auf diese Frage erteilen die von Poincare inspirierten Blätter eine kategorische Antwort: ein derartiges Verfahren sei ttnaitganglg! Frankreich werde keinerlei Interven­tion gestatten. Was hingegen die Antivort der von Millerand inspirierten Blatter anbelange, so sei sie zwar tut Grunde genommen nicht viel verschieden von der ersteren, enthalte jedoch eine bemerkeuswerte Re­serve; e. B. tadelte» diese Blätter in aller Form die

llnnachgtebtgkeit PoincareS gegenüber Lord Eurzon. Gustave Herve, der Federführer des Präsidenten der Republik, schreibt, datz Poincare zu übereilt gehandett habe, datz man sich vielleicht mit dem englischen Kabi­nett hätte verständigen und eine gemeinsame Note ausstellen können. Diese »von einem Osfiziosus" unterzeichnete MeinungSäutzerung verdiene Beachtung. Wenn Gustave Herve erkläre, daß die Situation schon fast unentwirrbar geworden sei, so hab« er recht. ... ^ .

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M Md I« rsOM.

Begreiflichertoeise wird die Ermordung des Gesandten der russischen Sowjet-Republik in Rom, Worowski, der zur Vertretung der russischen Regierung bei der Konfe­renz in Lausanne sich aufhielt, beträchtliches Aussehen erregen. Die Russen hatten auf der jetzt begonnenen zwei­ten Konferenz eigentlich gar nichts zu suchen. Zur ersten Konferenz hatte man sie lediglich zur Besprechung der Dardanellenfrage eingeladen. Schon damals gab es rus­sische Proteste. An der Verweigerung der russischen Unter­schrift unter das damals vereinbarte berichtfige Meer- engen-Uebereinkommen scheitert: di: erste Lausanner Kon­ferenz. Bei dem jetzigen Fortgang der Beraiungen soll­ten ausschließlich türkische Angelegenheiten behandelt wer­den. Rußland war überhaupt zu diesen Verhandlungen nicht eingeladm. Vermutlich wird die russische Regierung versuchen, politisches Kapital aus dem Mord zu schlagen. Darauf lassen wenigstens Andeutungen schließen, nach denen die russische Abordnung vorher Drohungen erhalten und bie Schweizer Behörden gewarnt haben sollte. Die Tat ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach ein persön­licher Racheakt, freilich mit politischem Hintergrund. Der Täter wollte die Ermordung seines Vaters und anderer naher Skrtoanbter durch die russischen Bolschewisten an einem ihrer Führer vergelten.

Unb außerdem scheinen FDen zum FasziSmuS zu reichen. Die russische Botschaft in Rom war schon mehr­fach Gegenstand stärkster Anseindungen. In der Schweiz jk?lbst hatte sich seit einiger Zeit eine nationale Liga ge­bildet, die eine ähnliche Lrganisa iio ns'vrm aufweist wie sie der italienische Faszismus hat. Ein Zusammenspiel zwischen dem italienischen und dem Schweizer Faszismus ist nicht von der Hand zu ton fett Rur kann man beob­achten, daß die Schweizer Faszisten ihre Kräfte ausdrück­lich gegen den Bolschewismus und Kommunismus wen­den, und nicht mir den Angehörigen der nationalen Liga sondern allen Schweizern der russische Kommunismus in der Seele verhaßt ist. ' -

Das ungebetene Erscheinen der Russen zur p>tzigen Lau­sanner Konferenz hatte man als eine Herausforderung angesehen, und es fehlte auch nicht an Kräften, die diese Stimmung begünstigten.

Dieser Gesanbten-Mord wird also nicht ohne Folgen bleiben. Rußland wird bestimmte Folgerungen sowohl der Schweiz wie den anderen in Lausanne beteilig­ten Mächten gegenüber geltend zu machen bestrebt sein. Daß dieser Vorfall mitten in das russisch-englische Zer­würfnis und in die Spannung zwischen Rußland und Frankreich kommt, gibt der Angelegenheit einen hochpoli­tischen Charakter.

Der Sowjetregierung, die doch wahrlich im Blut ge­watet hat, steht es freilich schiverlich gut an. trenn sie über Morde zetert.

Lausanne, 11. Mai. Die Leiche Wa­rows k i s wurde heute vormittag nach dem Patho­logischen Institut der hiesigen Universität über- gesührt. Das Befinden der beiden Berwundeten ist unverändert. Cie wurden nach dem Hospital ver­bracht.

Lausanne, 11. Mai. Heute morgen wurde der Mörder E o n r a d i vor den Unter­suchungsrichter geführt. Er wiederholte, daß er seine in Rußland gemarterte Familie habe rächen wollen. Auf die Frage, welcher Organi­sation er angehäre, verweigerte er die Auskunft. Eine Spur der Polizei scheint nach Genf zu führen, von wo der Mörder gestern einen Eeldbricf erhal­ten haben soll. Von der Presie wird auch ein ge- wisier Markus aus Berlin genannt, mit dem der Mörder in Lausanne gesehen worden sein soll. Es heißt, daß Dr. Markus bereits wieder abaereist ist.

Bern, 11. Mai. Auf Ersuchen des Vorstehers des Politijchen Departements berief der Bundes­präsident auf Freitag vormittag eine außer- o r o e n t l i ch e Sitzung des Bundesrats ein, um zu der durch die Ermordung Worowslis geschaffenen Lags Stellung zu nehmen. Die Sitzung dauerte bis 12 Uhr. Am Schluß wurde folgende Mitteilung bekanntgegeben: Der Bundesrat hat mit Ent­rüstung die Nachricht vernommen von dem Atten­tat» das gestern abend in Lausanne gegen die Herren Worowski, Ahrens und Divilkowski verübt worden ist. Er stellte fest, daß es sich um eine pri­vate Tat der Rache handelt, die um so be­dauerlicher ist, als sie an einem Orte verübt wurde, wo gerade eine internationale Konferenz tagt. Er verurteilt sie öffentlich als eine Verletzung der Mo­ral und der Gesetze, die die demokratische Rechtsord­nung schützt. Er hat beschlossen, nach Lausanne einen hohen Beamten des Politischen Departements zu entsenden, um den Opfern des Attentats und ihren Angehörigen fein Beileid auszusprechen.

Lausanne, 11. Mai. Der russische Kommissar für das Rote Kreuz in Bern, Davidowski, ist heute! in den ersten Morgenstunden im Automobil in Lau­sanne eingetroffen und hat sich, nachdem er von den Vorgängen in Lausanne Kenntnis genommen hatte, scsort telephonisch mit der russischen Botschaft in Skrlin in Verbindung gesetzt. Der Zustand der bei­den verletzten Mitglieder der Delegation hat sich heute morgen gebessert. Diwilkowokz wurde in die Klinik übergeführt, wo man versuchen wird, die Ku­gel aus dem Unterleib zu entfernen. Die Bestür­zung über das Attentat ist groß. Tiefen Eindruck haben die Erklärungen gemacht, die Ahrens in beti Nacht der Presie übergab und in denen er die' Schweizer Behörden für die Mordtat verantwortlich macht, weil sie keine Schutzmaßnahmen getroffen hätten.

DieTribüne de Lausanne" wie auch andere Blätter rechtfertigen heute morgen das Fehlen von Schutzmaßnahmen bantü; daß die russische Delega­tion nicht als offizielle Delegation zugelaflen wor­den sei. Gleichzeitig bestreiten bie Blätter jeben Zusammenhang zwischen bet Tat Conradis unb bett Lausanner Faszisten.

Sern, 11. Mai. Von einem Schulfreund Con­radis gehen der Schweizer. Dep.-Agt. über den letz­teren folgende Personalangaben zu: Conradi wurde 1896 in Petersburg geboren. Sein Vater war Zn- Haber einer Schokoladenfabrik und einer Spinnerei. Im Kriege kämpfte et als Offizier im russischen Heere mit, und wegen seiner Tapferkeit erhielt er das Eeorgskreuz. Später kämpfte er in ber weißen Armee unter Kornilow unb Wränge! gegen die Bolschewisten. Nach ber Nieberlage bet weißen Armee kam et 1921 nach der Schweiz, wo er in der Maschinenfabrik Escher, Wyß u. Co. in Zürich eine Anstellung fand.

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WwtogtB gegen ta StrnlmM Mi Andri.

Essen, 11. Mat. Die heutige Kundgebung der gesamten Essener Bevölkerung, mit ber sich das ganz« Ruhrgebiet solidarisch fühlt, nahm einen wahrhaft er­hebenden Verlauf und zeigte einen elnhettttcheu, un­beugsamen Willen der Bevölkerung. Alle Gelchäfi« und Hotels hatten geschlossen und ihre genfter ver­hängt. Sämtliche Gvmnasien, Lyzeen und Volksschu­len batten die Schüler um 10% Uhr entlassen. Um 11 Uhr begannen die Sirenen der Fabriken zu heulen und alle Arbeiter und Angestellten strömten eilig nach Hause. Wie eine Herausforderung tourbe es empfun­den, daß gerade In diesem Augenblick ein französisches Auto mit höheren Offizieren sich einen Weg durch die von Kruppschen Arbettvemassen dicht gefüllte Alten- borferffraße bahnte. Ebenso rasch tote bie Straßen sich füllten, leeren sie sich dann auch. Um 12 Uhr wurde auch der Straßenbahnverkehr eingestellte. Von 12 bis 3 Uhr war außer einigen ftanzöstschen Soldaten unb französischen Autos kein Mensch aus den Sttaßen zu fcben. Kein einziger Betrieb arbeitete. Erst von 3 Uhr ab setzte ber Verkehr langsam wieder ein. Um 4 Uhr riefen die Sirenen zu neuem Schaffen. Die aus dem Volke heraus geborene Kundgebung ist ein bedeutsames Zeichen dafür, daß deutscher Stolz nicht gewillt ist, sich frembe» Schreckensherrschaft zu beugen.

Berlin, 11. Mal. Der deutsche Gewerk- schaftsbund erläßt zu den Urteilen von Mainz unb Werden folgende Erklärung: Die Sckxmd« urteife ber ftanzöstschen Mllitärjustiz In Mainz unb Werben erfüllten insbesondre die deutschen Arbeitneh­mer mit tiefster Erbitterung unb Erregung. In Mainz werben deutsche Arbeiter, Angestellte und Beamte $n jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt, weil ihnen die Treue zum eigenen Volk höher stand, als die An­maßung ber fremden Gewalthaber. In Werden suchte man die eigene Blutschuld dadurch zu verdecken, bah man schuldloseste deutsche Männer auf Jahrzehnt« In den Kerker wirft. Durch das Urteil wird der Wahr­heit und Gerechtigkeit geradezu ins Gesicht gefchlagen. Frankreich stellte durch den rechtswidrigen Einbruch tn das Ruhrgebiet Gewalt vor Recht. Was in Werde« und Mainz geschah, ist ein Hohn aus bie elemen­tarsten Rechtsgrunbsätze. Polizei, Set, brecher und Richter In einer Person: alS solcher ttitt ber französische Militarismus in seiner ganzen Brutalität auf unb läßt er jede Maske fallen. Dieses himmelschreiende Unrecht, welches Tag für Tag durch die Vertreibung von Hunderten von brave« Eisenbahnerfamil'.en von Haus unb Heimat noch ver­stärkt wird, wird nur die eine Wirkung haben, daß Me einen wahren Frieden wünschenden Arbeitnehmer sich umso stärker für daS mit Füßen getretene Recht ein­treten und in unerschütterlicher Abwehr ausharren, bis dem Rechte zum Siege verholsen ist.

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Düsseldorf, 11. Mai. Rach einer Meldung derDüsieldorfer Nachrichten" wurden Krupp von Bohlen und die anderen mit ihm verurteilten »erren am Mittwoch in das Gefängnis zu Deren­dorf überführt, wo sie vorläufig bis zur Entschei­dung über die gegen das Werdener Urteil ein­gelegte Revfi'"" n»rbt<'rhl-n werden.

Nm SKllÄUMltilt.

D u s s e l d o r s, 10. ÜHai. Bor dem französt» chen Kriegsgericht in Düsseldorf fand am Dienstag uuö Mittwoch die Verhandlung statt gege» Ne