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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
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allein gerichtet gewesen seien und die sich eingebildet hätten, Frankreich werde niemals ihnen gegenüber die starkeHand zeigen, die Augen öffnen werde. Ze mehr Frankreich gefürchtet werde, umso stärker werde es sein und umso mehr beschleunige es die Lösung, nämlich die Unterwerfung Deutschlands unter den Willen der Sieger.
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späte Nacht über eventuell zu ergreifende Proteft- »atznahmen.
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bie au ergreifenden Maßnahmen zu beraten. Auch ‘^bte Vertreter der Arbeiterschaft berieten bis in die
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*td)t und Gewalt ein neues Symbol der schönsten ^Tradition des Hauses Krupp schasst.
abz» Vorrat
Die „Oderhessische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezagsorei» manatlich 3600 Mk. mit Zustellungsgebühr. Für ausiallende Kummet« infolge Streit» ooer elementarer Ereignisse lein Ersatz. — Verlag von Dr. E. Hitzerotd. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Jod. Ang. stoch, Markt 21/23. — Kernsprecher 56, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Wie die „Voss. Ztg." schreibt, hat der Reichs» kanzler die Absicht, am Freitag gelegentlich der dritten Lesung des Etats des Reichskanzlers in einer Rede zu den Antworten der alliierten Mächte auf die letzte deutsche Rote Stellung zu nehme«, aufgegeben, da bis dahin die englische und die italienische Rote noch nicht zu erwarten sind. Die drittk Lesung des Etats ist auf nächste Woche verschoben worden.
Es ist unglaublich, daß derartige Urteile im Namen des französischen Volkes gefällt werden können. Das französische Volk kann sich diese schlimmste Beleidigung seiner nationalen Ehre nicht widerspruchslos gefallenlassen, wie sie ihm hier durch seine Militärs zugefügt wurde. Kein Volk, das Anspruch darauf macht, Kulturnation genannt zu werden, kann ertragen, daß die Gerechtigkeit von Jenen mit Füßen getreten wird, die in seinem Namen Recht sprechen, und so hoffe ich, daß diese Urteile bewirken werden, daß in Frankreich und in der ganzen Welt endlich die Besinnung erwachen wird ob des gefährlichen Spiels, das der frembe Militarismus im besetzten deutschen Land spielt. Zum Schluß sprach der Präsident den unglücklichen Opfern dieses französischen Rechtsbruch» namens des hessischen Volkes tiefes Mitgefühl und unbegrenzte Hochachtung aus.
Deutscher Arbeiterprotest gegen das Werden« Urteil.
Berlin, 9. Mai. Anläßlich des Schandurteils von Werden hat der Betriebsrat der Deutschen Werke A. G. heute an den Betriebsrat der Firma Krupp ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: ..Erbärmliche Verbrecher, welche vorgeben, im Namen des französischen Volkes zu urteilen, haben es fertig gebracht, deutsche Männer auf Jahre hinaus zu hohen Strafen zu verurteilen und ins Gefängnis zu werfen. Das rohe und brutale Auftreten Frankreichs verstärkt die Abwehrfront von Stunde zu Stunde."
B e r l i n, 9. Mai. Wie der amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Ministerpräsident Brauns an das Kruppdirektorium und den Betriebsrat in Esten folgendes Telegramm gerichtet: »Das grausame, jedem Recht Hohn sprechende Urteil gegen den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, die Mitglieder des Direktoriums und den Betriebsrat bet Kruppwerke hat ganz Preußen mit tiefster Empörung und Entsetzen verurteilt. Preußens Volk und Regierung werden nicht ruhen, bis die von «inet willkürlichen militärischen Gewaltjustiz unschuldig Verurteilten der Freiheit und der fried- tichen Arbeit zurückgegeben werden."
D a r m ft a d t, 9. Mai. In der heutigen Ätzung des hessischen Landtage» legte Präsident Ellielung in seiner feierlichen Erklärung gegen die Schandurteile der französischen Militärgerichte ge-
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74.
Paris, 10. Mai. Wie Hobos auS Vichy berichtet, nahm der Landeskongreß der Kriegsteilnehmerverbände einstimmig folgende Entschließung zugunsten deS Friedens und der materiellen Abrüstung an: De Verträge zwischen den Nationen müssen loyal ousgeführt werden. Die Nationen müssen sich zu einem Verband zusammenschlio- ßen, um den Bestand deS internationalen Gerichtshofes $« sichern, dessen richterlichen Entscheidung in Zukunft «fit internationalen Konflikte obligatorisch unterbreitet werde« u. s. f. Im übrigen hat der Kongreß in einer Entschließung der Poincareschen Repavat'onspolitik gegenüber Deutschland zugestimmt (!!!).
Magen In htn mlWi Sattomtiltn.
Im Oberhaus kam es am Mittwoch zu einer Debatte über die Verteilung der Luststreitkräfte. Lord Birkenhead sagte: England besitze 54 FliegerabkiÜute gen mit 395 Flugzeugen, dagegen Frankreich 140 Fliegerabteilungen mit 1260 Flugzeugen. Dieses Mißverhältnis fei so alarmierend, baß keine Regierung die Fortdauer dieses Mißvcrhäünistes gestatte« könne. Er stelle diese besondere Frage über Deutschland, um klarzuflellen, ob irgendeine so furchtbare Bedrohung stm Mittelpunkte Europa- bestehe, tote ein Test der Presse behaupte. Es wurde bestritten, daß die deutsche« Offiziere an Flugzeugen arbeiten. Wenn eS wahr sei, daß di« Deutschen ihren Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag nachgekvmmen seien, und daß heute hl Europa kein großer Flugzeugbau stattfinde, so könne ttum Mit den Zahlen, dir er gegeben habe, nicht »ufrichen fein. (Hört, hört!) — Lord Salisbury erwiderte namens der Regierung: Es bestehe keinerlei Grund zu der Annahme, daß die deutsche Regierung dem Versailler Vertrag zuwiderhandle, die deutsche Flugzeugindustrie scheine jedoch bis zu einem gewissen Maße außerhalb Deutschlands entwickelt zu werden. D e HandeÜflugzeuge entsprächen alle den unter dem Friedensvertrag aufgestellten Regeln. Salisbury erklärte schließlich, eS würde verstüht sein, irgendeine Erklärung über den erforderlichen Luft- standard abzugeben. Birkenhead verglich die Stärke Englands mit der befreundeten Macht. England bleib« Freund mit Frankreich. Die Lage tu Europa sei immer noch sehr gespannt. ES sei zu hoffen, daß die Vernunft der europäischen Staatsmänner einen Weg finde, um jede«, selbstmörderische« RüstungSwetbewerd, der eine teilte Verschwendung vom Standpunkte des Wohlstandes der Völker sei und der nur schließlich zu einet Versuchung zum Krieg« führe, zu vermeiden. Salisbury erklärte am End« feiner Rede jckoch, die Regierung hakte eine beträchtliche Vermehrung der Luft- streitkräfte für erforderlich. (Ganz so wie 1914 bei der deutschen Flotte.)
Im Unterhaus gab eS wuder eine Reihe von Anfragen. Auf di« erste erwiderte Baldwin, Lord Eurzon habe am 20. April im Oberhause zum Ausdruck gebracht, daß die britische Regierung sich der Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der alliierten SolDarstät voll ■ bewußt sei. Zu einer weiteren Anfrage sagte er: Die Bev- einigten Staaten hätten keinerlei Ansprüche an Deutsch-! land für Reparationen gestelst, und es sei kein Anzeichen. dafür vorhanden gewesen, daß sie zu Rate ziehen etwa« anderes al- eine Quelle der Behinderung für sie sein könne. Im übrigen sei ihm nicht bekannt, daß de» deutsch« Vorschlag , die Forderung der Alliierten einem Schiedsspruch zu unterbreiten, auf eine Rede des Staats-, sekretärs Hughes zurückzufühveu sei. Er bat die Veröffentlichung der br'tischen Antwort abzuwarten gegenüber dem Plan, den Deutschen nahezulegeu, die Zahlung von IV, auf 2 Milliarden Pfund Sterüng zu erhöhen.
Auf eine Anstage erwiderte MaeNeill,das Krieg»« i schiff „Havebell" habe Befehl erhalten, di« Behelligung bet' britischen Fischdampfer durch rusiische Schiffe außerhalb der Dreimeilengrenz« zu verhindern, wenn nötig mit Gewalt. (Lauter Beifall a. d. Reg-rungsseite, auf der Ar- beiterfeite dagegen zahlreiche Zwischenrufe, wie: „Roch mehr Krieg?" Lansbury ruft erregt zu bat Regierung-* banken: „Warum schickt Ihr nicht die Proteste nach Newvork? Ihr seid eine Bande von Feiglingen! Ihr habt Angst vor Amerika!" Hier greift der Sprecher eraj
Zu einer längeren Debatte führte eine Anfrage Skt Simons über einen im Saargebiet verkündeten Erlaße £>er die schwersten Strafen für Akte auserlege, die in anderen Ländern entweder überhaupt nicht strafbar feie« ober als ein unbedeutendes Vergehen angesehen würde«. Die Regierung des Saargebiets sei in die Hände des SSt*; kerbundes gelegt worden. Simon bezeichnete den tu* 9. März von der Verwaltungskommission verkündeten Erlaß als einen äuß'tst erstaunlichen Mißbrauch legislative« Autorität. — Der Unterrichtsminister und Vertreter Großbritanniens im Völkerbund, Wood, erKirte zunächst, Dr. Hector habe aufgehört, Vertreter deS Saar« gebiet# zu sein, und dir Frage seines Nachfolger- sei vor den Rat gebracht worden. Land sei für den Poste» Ne* geschlagen worden. Er (Wood) habe vorgeschtag«^ Nfc
Essen, 9. Mai. Wie wir hören, find die fern in Werden Verurteilten in Automobilen in ung nach Düsseldorf abtransporticrt worden.
Berlin, 9. Mai. Wie den Blättern zufolge | J parlamentarischen Kreisen verlautet, wird die Keichsregierung eine Protestnote gegen das Urteil im Krupp-Prozeß an Frankreich richten.
Paris, 9. Mai. Nach einer Havasmeldung ms Werden wird der Revisionsprozeß gegen die im Zusammenhang mit dem Zwischenfall bei Krupp Verurteilten wahrscheinlich in Düsseldorf stattfin- kn. Im Widerspruch hierzu besagt eine vom ^kemp»" veröffentlichte Düsseldorfer Meldung, daß Ne Entscheidung über die von den Verteidigern ein« gelegte Revision nicht vor Mitte nächster Woche ge- : tioffen werden solle.
Essen, 9. Mai. Die Verteidigung ist mit der Zusammenstellung des Beweismaterials für das Revisionsverfahren, das vermutlich in wenigen Tagen in Düsseldorf stattfinden wird, beschäftigt. Die Mvertretenden Krupp-Direktoren traten bereits gestern abend zu einer Sitzung zusammen, um über
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Der Reichspräsident an den RelchSverkhrSmtnister.
Berlin, 9. Mai. Der Reichspräsident hat an den ReichSverkebrsminister folgendes Schreiben gerichtet: .Französische Kriegsgerichte in Mainz haben, wie ich soeben erfahre, unter Ausschluß der Oeffent- llchkeit 17 Eisenbahnbeamte, Gewerkschaftsführer und Angestellte deS Deutschen EisenbahnerverbandeS nach einem iummariscben Maffenverwhren zu unerhört langen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie ihre Untergebene und Kollegen aufgefordert haben, den deutschen Gefttzen und ihrem Diensteide treu zu bleiben. Auch diese Schreckensurteile sind ein Schlag gegen Wahrheit und Gerrchtigkett. Dieser AN wildesten Terrors wird überall Erbitterung und Verachtung Hervorrufen. Der frembe Militarismus wird aber auch durch diese GewaltaNe seiner Werzeuge, der Kriegsgerichte, den Widerstand der deutschen Eisenbahner nicht brechen, sondern die Reiben der Abwetir- stont noch fester schließen. Ach bitte Sie, Herr Reichsminister, den betroffenen Beamte« und Angestellten seine besondere Hochachtung für ihre vorbildliche Va- tnlanb5treue und ihre mannhafte Haltung auSzu- sprechen."
ES handelt sich um Urteti« deS französischen Kriegsgerichts in Mainz (unter Ausschluß ber Oeffent« llcbtctt) gegen eine Reib« von Gewerkschaftsführern und Angestellten des Deutschen EisenbabnerverbanbeS sowie über Beamte beS DireftionSbezirks Mainz, die vor ungefähr einem Bierteftabr t>erhärtet wurden, weil sie die Eisenbahner allgemein anfgefordert haben sollen, nur die Gesetze und Anordnungen der deutschen Reglieruug zu befolgen. SS wurden furchtbare Urteile gefällt, im ganzen wurden verhängt 79 Satire Gefängnis für 17 Eisenbahner. Diese SchreckensurteUe lösen in den Kreisen der Eisenbahner größte Erbitte- rung auS.
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Englisch« Stimme«.
London, 9. Mai. In einem längere« Leitartikel befaßt sich „Daily Mail" auch mit dem Wer- dener Urteil. Er schreibt: Die wildesten Phantasien des eingefleischtesten Franzosen- freunbes hätten niemals an ein solches Urteil denken können, zumal dargelegt worden sei, daß die Arbeiter keinen Angriff auf die französischen Soldaten gemacht hatten. Das photographische Beweis- material zeige, daß die Arbeiter auf der Flucht angeschossen worden seien. Die Arbeiter handelten nicht aus Veranlassung der Direktoren, sondern des Arbeiterrates und in Uebereinstimmung mit einem Gebrauch, der von den Franzosen nicht verboten worden war. Das Frankreich des 20. Jahrhunderts betrachte jeden Widerstand gegen Invasionen französischer Truppen als Verbrechen und zerstöre, um seiner Ansicht Geltung zu verschaffen, seinen eigenen Ruf al» Land derGerechttgkeit. Zn dieser Beziehung habe Frankreich auch darauf bestanden, seine eigene separate Antwort auf die letzte Note zu erteilen. — „Daily Ehronicle" erklärt, daß das Urteil gegen die Krupp-Direktoren eine ungeheure Herausforderung nicht nur ber Gefühle Deutschlands, sondern des ganzen Weltgewifsens darstelle. — Da» „Weltgewissen" nimmt von Frankreich jeden Tritt geduldig hin!!
London, 10. Mai. Die „Westminster Gazette" sagt in ihrem Leitartikel: Die britische Regierung werde vielleicht nicht den Mut haben, irgendeine öffentliche Vorstellung wegen der Weidener Urteile zu machen, aber da» französische Volk könne aus der englischen Presse die Warnung entnehmen, daß es dasEefühlderEerechtigkeitbeleidigt habe, das bei dem Durchschnittseugländer vorhanden sei. Die Werdener Urteile stießen durch ihre Strenge fast jedem Teil der politischen Meinung in England vor den Kopf. Das Blatt erwartet davon eine Festigung de» passiven Widerstande s in allen Klaffen Deutschlands.
Die Politik des Schreckens.
Paris, 10. Mai. Wahrend die Pariser Preffe sich bis jetzt damit begnügte, tendenzöse Berichte ihrer Sonderkorrespondenten über den Prozeß in Werden wiederzugeben, findet heute ein Blatt den Mut, die politischen Motive der Urteilssprüche offen einzugestehen. Der „Gaulois" schreibt, der Charakter der Deutschen sei genügend bekannt, um keinen Zweifel darüber zu lcffen, daß sie nurfür eine Politik der Energie empfindlich seien. Daher sei man in Werden geschickt vorgegangen. Dadurch, daß die Franzosen Krupp v. Bohlen zu 15 Zähren Gefängnis verurteilten, hätten sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Blatt hofft, daß diese ernste Warnung die Bevölkerung im Ruhrgebiet und in den Rheinlanden, deren Blicke bi» jetzt auf Berlin
Ile emWe MemmnllSrm in AmraümsiM.
London, 9. Mai. Di« gestrige Regierungserklärung in den Parlamenten wird von den maßgebenden Persönlichkeiten der englischen Parteien und von sämtlichen Blättern freudig begrüßt als Zeichen dafür, baß England entschlossen sei, die Freiheit des Handelns in der Reparafions- frag« wieder zu sichern. Me „Timest überschrieb ihren Artikel „Großbritannien interveniert". In diesem Artikel forbern die „TimeS" eine international« Konferenz, auf der auch die Bereinigten Staaken vertreten sein müßten. — Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegvaph" erklärt, daß die Regierungserklärung in auswärtigen diplomatischen Kreisen großen Eindruck hervorgerufen habe, insbesondere wegen der allgemeinen Zustimmung, mit ber sie durch alle Parteien in beiden Parlamenten begrüßt Wochen sei. Die britische Note an Deutschland werde nicht weniger würdevoll und zwingend gehalten sein als bie gestrige Erklärung. Sie weiden an dem letzten deutschen Angebot ernste Kritik üben: andererseits werde sie es j-doch vermeiden, im Ruhr« konilift Partei zu ergreifen. Der britisch« Entwurf Härte bereits gestern der italienischen Regierung vorliegen sollen. Man erwarte, daß di« italienische Note eine der Haltung Großbritanniens entsprechende Stellung einnehmen weche. — „Daily Ehronicle" und „Westminster Gazette" sind übereinstimmend der Ansicht, baß die Regierungserklärung im ganzen Land« allgemeine Zustimmung finde. ES sei sicherlich an der Zeit, Frankreich daran zu erinnern, daß England immer noch bestehe und die Absicht habe, in Fragen, die es unmittelbar berührten, wie die der Reparationen und die Durchführung deS Versailler Vertrages, seine Stimme vernehmen zu lassen.
P a r i s, 9. Mai. Die gestrigen Mitteilungen der englischen Minister werden in den hiesigen Blättern ungünstig beurt-tkt. Pertinax schreibt im „Echo de Paris": Die von den Ministern Baldwin und Curzon eingenommene Haltung ist nicht zulässig und fördert keineswegs ihre wie unsere Sache. „Journal" führt bi« Äußerungen der englischen Minister darauf zurück, daß Belgien ihnen nicht beigetreten, sondern an der Seite Frankreich? verharrt hätte. „Petit Parisien", dieses England freundliche Blatt, sagt, daß die Deutschen sich auf Grund seiner jüngst gehaltenen Rede zur Einreichung von Vorschlägen entschlossen haben. Man muß den englischen Außenminister daran erinnern, daß diese Rede nur ihn selbst verpflichtet. Die deutschen Vorschläge sind eben zu ungenügend, als daß wir Herrn Curzon Dark wissen könnten, baß er sie bewirft habe
London, 10. Mai. Reuter erfährt, daß jetzt die letzte Hand an die brifische Antwort auf di« deutschen Reparationsvvrschläg« gelegt werde. Bisher sei kein Entwurf nach Paris gesandt toorden, aber aller Wahrscheinlichkeit nach werde die Note in ihrer endgiltigen Gestalt der französischen und belgischen Regierung in Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen diplomatischen Gepflogenheiten mitgeteilt werden, bevor sie Deutschland überreicht werde. Es sei möglich, daß auch eine Kopie an die Vereinigten Staaten gesandt werde. Es verlaute, daß bie italienische Antwort sich in derselben Richtung bewege toie bie britische. London unb Rom würden Abschriften ihrer Noten austauschen, bevor sie den betreffen#
R tchSkanzler Cuno über bie Werdener Urteile.
L Der Reichskanzler hat an bas Dlr c k- 4«r i u m unb den Betriebsrat der Friedrich lllupp A.-G. in Essen eine Telegramm gerichtet, tn KW cs heißt:
Der Werbener Spruch kann bie Schuld am Essener tobet termorb nicht von den der Well bekannten schuldigen französischen Gewalthabern derr ürken, an deren Stelle nun Krupp unb die Kiwerurtettten büßen sollen. In den vom stanzöst- wen Mtlftarismus Vergewatttgten ehrt das deutsche *ott die durch keinen Machtspruch zu beugenden Vor- «mpser des deutschen Widerstandes.
i In einem Telegramm des Reichskanzler au ftrut'p von Bohlen und Halbach im Gefängnis 3it Werden wird gesagt:
Was in Werden verkündet wurde, ist verächr- liche BerhöSnng der Namen von Recht iünb Urteil. Mit mir neigt sich das deutsche Volk bot den Vorkämpfern für das edelste Recht deS Man- *5, voll unb stark die Treue bis zum letzten zu bat- ; tat Wir werden nicht müde werden, darauf hlnzn- chirken daß den Verurteilten alSbald die Freiheit fterde.
je 2. i sknuenheit zu wahren. Dies entspricht auch den Wünschen der Verurteilten.
In etuem Telegramm des Reichsministers »es Auswärtigen an Herrn Krupp wird darauf Angewiesen, daß Herrn Kruvp bei seiner Verurtet- tattfl das stolze Bewußtsein trösten wird, datz frembe Billliir ihn in eherne SchtcksalSgemelnschaft mir I. 1 - tauen Arbeitern zufammenschweißt unb so durch Un-
Äein Proteststreik.
• f- Essen, 9. Mai. Zn den Krupp-Werken wurde Heute gegen Mittag ein von der Werkleitung und .km Betriebsrat gemeinsam unterzeichneter An- Hlag veröffentlicht, welcher zunächst die Verurteilung des Herrn Krupp v. Bohlen und der übrigen
Angeklagten mitteilt. Der Anschlag fährt dann sott: Nach eingehender Prüfung und Ueberlegung 15* bitten wir alle Werkangehörigen dringend, ange- ßchts dieser für jedes Rechtsempfinden unfaßbaren Urteile die berechtigten Gefühle tiefster Entrüstung >16 i Kriickzuftellen und wie bisher Würde und Be-
Eer Siuelgenpreis beträgt für bei Sgesp. Zellenmillimeter 80.00 ML. («ü Anzeigen und Familien-Änz. gegen dar, 50 Mk. Amtliche nnd au»w. Anzeigen 100 Mk. Bei iwnnettgem San bvst. Ausschlag. Spät einlansende oder den Raum über st. " "
Anzeigen werden nach der Tertspaltenbreite berechnet. Reklame* der Zellenmillimeier 300 MI. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei An», knnft durch die Geschäfts,!. und Bermittlnag der Angebote 50 M, bei Uebersendimg durch um 100.— Mk. ohne Porto.
Int die Firma Krupp und gegen die Mainzer Eisenbahner Verwahrung ein und führte dabei aus: Pforte vermögen nicht den Schmerz und die Empörung auszudrückeu, die derartige Urteile k unseren Herzen auslösen, und zwar — so hoffe t ®) — nicht nur ii: den Herzen der Deutschen, son- i \ "an überall, wo nur ein Fünkchen Gefühl Ht Gerechtigkeit und Menschlichkeit lebt.
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Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhesseü