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M J.H. Schäfer

Anzeiger für (das früher kurhesfifchej Oberhessew

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England macht den Versuch, den einmal an- «sponnenen Faden nicht abreißen zu lassen. Curzon prrach von einer ..neuen Kombinatton". Die eng­lischen Bemühungen, auf dem jetzt eingeschlagenen Wege trotz aller Abneigung gegen Form und In­halt der Note im einzelnen, Frankreich und Deutsch­land näher zu bringen, findet auch die Billigung Italien». England hat sich vor allem vorbehalten, von der französisch-belgischen Antwort zuvor unter­richtet zu werden, um die Möglichkeit zu haben, auf die Gestaltung dieser Antwort noch Einfluß zu ge­winnen.

Gegenwärtig steht die französische Regierung in ständiger Verbindung mit der belgischen und mit der englischen Regierung. Zm belgischen Kabinett macht sich eine Strömung bemerkbar, die ebenfalls danach trachtet, die Diskussion fortzuführen.

Die kommenden Dinge werden von englischer beite folgendermaßen beurteilt. Deutschland werde eine Antwort erhalten, die ihm gestattet, ein neues Anerbieten zu machen. Welcher Art dieses An­erbieten sein soll, ergibt sich aus den inzwischen be- -kannt gewordenen Pariser Bedingungen. England möchte vor allem darauf hinwirken, daß die an Deutschland zu richtende Antwort einen Kabinetts- vechsel Hervorrufe.

Zn bestimmten französischen Kreisen arbeitet «an offenbar darauf hin, Deutschland zu bestim­men, zum mindesten dem Grundsatz der Räumung des Ruhrgebiets nach Maßgabe der Zahlung zu- justimmen. Es handelt sich hier offenbar um einen von offiziöser Seite veranlaßten Fühler. Um die Anregung schmackhafter zu machen, wird hinzu- gefügt, daß im Falle einer solchen Zustimmung Deutschlands die jetzige Aktion im Ruhrgebiet in eine Zivilkontrolle nmgewandelt werden soll.

Allen diesen Mitteilungen gegenüber müssen wir jetzt kühlste Zurückhaltung bewahren.

L o n d o n, 5. Mai. Der diplomatische Bericht­erstatter der „Westminster Gazette" schreibt, die gestrige Erklärung Curzons, daß die britische Re­gierung in enger Fühlung mit Frankreich und Belgien stehe, und daß die Alliierten aus der augenblicklichen schwierigen Lage nur durch eine ge­meinsame Aktion hcrauskommen können, sei von hervorragender Bedeutung. Es sei möglich, daß die deutsche Note jetzt zur Einleitung von Verhand­lungen führen könne. Italien verfolge die Ereig­nisse mit großem Interesse. Es verlaute, daß, falls England eine Konferenz vorschlagen sollte, die ita­lienische und belgische Regierung wahrscheinlich den Vorschlag unterstützen werden. Dem Berichterstatter zufolge wird die Frage nächste Woche im Unterhaus erörtert werden.

London, 6. Mai. Nach einer Pariser Mel­dung der „Times" sei PoincarS geneigt, nichts zu tun, was die Deutschen entmutigen würde, weitere Angebots zu machen, obgleich er klarmachen werde, daß der erste vorliegende Schritt vollkommnn ge­scheitert sei.

Lin Tag Vrzögernng.

Paris, 6 .Mai. Der Beschluß, die Uebermitt- iuug der belgisch-französischen Anlwott auf die deut- W «ott, die nunmehr, wie einige Blätter scststellen, m gleichem Wortlaut erfolgen soll, hinauszuschieben, m auf einen Schritt des englischen Ka- dinetts, der am Freitag abend in Brüffel und Daris erfolgte, zurückzuführen.

Rach „Petit Parisien" Hütte Frankreich, wie man offenbar in London wünschte, keine lange interalliierte Verhandlung annehmen können, deren Ausgang übri­gens zweifelhaft gewesen wäre, denn die deutsche Bote habe eine sofortig« entscheidende Antwort er­fordert. Zum ersten Male seit der Ruhrbesetzung habe die englische Regierung offiziell den Wunsch aus- gedrückt, einen Meinungsaustausch über die Reparationsfrage und die Frage der Sicherheit zwischen Frankreich und Eng­land «in zu leiten. Dieses Ereignis könne, so schließt das Blatt, glückliche Folgen haben.

Parts, 6. Mai. Wie das .Journal' mitteilt, begab sich Poincar« gestern abend tnS Slysee, um den Präsidenten der Republik Wer die Lage, die dura die Hinauszögerung der Uebergabe der Note an die deutsche Regierung geschaffen wurde, zu unterrichten.

London, 5. Mat. Der diplomatische Mitarbci- ,*h der „Pall Mall Gazette" sagt, der heutige Tag 6*erbc wohl als kritisches Datum sowohl in den Beziehung der Entente untereinander als auch Mit Deutschland erweisen. Er Betont, daß die Be­dingungen der Antwort Franlr.ichs nach London «ur als Höflichkeit mitgeteitt worden seien und teine Absicht zu bestrhen scheine, in «ineErörterung mit England darüber Einzutreten. Angesichts dieser Tatsache werde die onglische Regierung zu erwägen haben, wie sie die E»«tischen Interessen wahren könne. England sei dicht ohne Mittel zur Bertetdigun, dieser Interessen,

denn die Alliierten müßten erkennen, daß ohne dir Hilfe de» englischen Kredit» kein Geld für Reparationen »der für andere Formen de» europäischen Wiederaufbaus von den anderen AM- ierten flüssig gemacht werden könne.

Paris, 6. Mai. Die Bettachtungen über die Stel­lungnahme der englischen Regierungen zu ben deutschen Reparationsvvrschlägen haben angesichts de Aeuherungen Lord CurzonS und gewisser halbamt­licher ErklSrungen der Reuteragentur einen neuen An­trieb in der ftanzösischen Presse gefunden. Auch die Havasagentur veröffentlicht eine halbamtliche Notiz, in dre es heißt: <

Dach Ansicht der ftanzösischen öffentlichen Meinung könne unter den augenblicklichen Umständen die Frage eines gemeinsamen Borgehens der Alliierttn nicht gestellt werden. Da die Regierungen von Paris und Brüssel die einzigen seien, die an der Ruhrbesetzung teilnehmen, seien fie nach ihrer Ansicht auch allein berechtigt, bk ®rünbe vorzubringen, die ihre Zwangspolitik rechtfer­tigen. Man müsse ferner bedenken, da ßdie Angebote des Deutschen Reiches und dk Bedingungen, von denen sie begleitet weckten, eine Politik des offenen Auf­ruhrs gegen den FriedenSV er trag von Ver­sailles bekunden. Jede der Signatarmächte habe also das Recht, diese beabsichtigte offenbare Verletzung Deutschlands seiner feierlichsten Verpflichtungen gegenüber als Herausforderung aufzun bmen. Poncaröhabe wiederholt erklärt, daß er bk Rechte der anderen alliierten Mächte, selbst wenn einige sich enthielten, an der Ruhr­aktion teilzunehmen, zu respektieren gedenke. An dieser offiziellen, absolut kategorischen Erklärung dürfe man nicht zweifeln. — Das „Echo de Paris" stellt an Ltord Curzon dk Frage, ob er bereit sei, den zwei in der französisch-belgischen Antwort aufgestellten Grundsätzen, zuzustimmen: keine Räumung des Ruhrgebiets vor voll­kommener Bezahlung der deutschen Schulden und Einstel­lung des deutschen Widerstandes vor der Einleitung von Handlungen. Die Intervent on Lord Curzons sei zu ftüh erfolgt oder fk komme zu spät. — Der „Malin" findet es verletzend, daß englischerseits erklärt werde, daß England und Jtalkn ihrerseits ihre Interessen zu ver­teidigen wünschten. Die belgisch-französische Antwort sei kein Reporationsplan, sondern bk Ablehnung bet be­stimmten 5orberuitg. An dem Tage, an dem Curzon die Frage des Reparationsproblems ausnehme, sei er sicher sehr willkommen. — In ähnlicher Weise drückt sich die Mehrheit der Morgenblätter aus. Nur einige radikale Blätter, wie beispielsweise „Quotidien", nehmen einen anderen Standpunkt ein. In diesem Blatt schreibt -der Abg. Hennessy, wenn Frankreich allein die Sßfung des ungeheuren Problems wolle, bann fetze es sich bei Gefahr aus, sein Ziel nicht zu erreichen. — Nach dem „Journal" ist es das belgische Ministerium gewesen, das gestern die Verschiebung der Uebermittlung der Antwort an bk deutsche Regierung um 24 Stunden veranlaßte.

Paris, 5. Mai. Wie Havas mitteilt, hat die belgische Regierung zu Beginn des heutigen Nach­mittags dem Quai d'Orsay mitgeteilt, daß sie die sranzösische Fassung der Antwortnote auf die deut­schen Vorschläge, wie PoincarS fie gestern festgesetzt habe und wie sie heute vormittag tn Brüssel an­gekommen sei, annehme. Sobald PoincarS von diesem Beschluß des Brüsseler Kabinetts Kenntnis erhalten habe, habe er den Text der Antwortnote unverzüglich an die alliierten Regierungen abgehen lassen. Der deutschen Regierung soll die Antwort bis morgen abend übergeben und dann veröffent­licht werden.

P a r l s , 5. Mai. Der „Intransigeant" will er­fahren haben, daß am kommenden Dienstag die französisch-belgischen Verhandlungen über die Aus­arbeitung eines gemeinsamen Reparationsplanes wieder ausgenommen würden. Man setze voraus, daß dies« Arbeiten gegen den 15. Mai beendet sein würden. Die französische und die belgische Regie­rung würden also alsdann ihren Alliierten mit­teilen können, welches das Minimum ihrer For­derungen an Deutschland sei.

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5Mt Wnimg im dnMei Hole. — Käumung ui >stz MM Der Mim.

Paris, 6. Mai. Die Havas-Agentur ver­öffentlicht den Text der französischen Antwort auf die deutsche Note, die um 7 Uhr abends in der deut­schen Botschaft überreicht wurde. Sie ist an den Geschäftsträger Botschaftsrat v. Hösch gerichtet und besagt:

Ich habe die Ehre, ben Empfang Ihres Briefes vom 2. 5. zu bestätigen und im Namen bet franzö­sischen Regierung die folgende Antwort zu erteilen: Die belgische und französische Regiernng können eine große Anzahl bet von bet beutschen Regierung gemachten Bemerkungen nicht burchgehen lasten, ohne ihnen zu wibersprechen. Einerseits ist es nicht richtig, daß irgendeine von Frankreich nnb Belgien

ergriffene Maßnahme in Vergessenheit bes Frie­densvertrages von Versailles erfolgt ist, anderer­seits stehen bie heute von Deutschland formulierten Vorschläge in mehreren Punkten im Widersprnch mit diesem Vertrage. Der Vertrag von Versailles hat bie Sebingungen bestimmt, unter benen bie bentfche Schuld zuerst festgesetzt und dann bezahlt wird. Die Festsetzung ist Ende April 1921 erfolgt, die Zahlungsbedingungen sind am 5. 5. 1921 fest­gelegt worden. Deutschland hat formell an diesem Tage die Festsetzung und die Modalitäten ange­nommen. Inzwischen hat es die Verpflichtungen, die es übernommen hat, nicht gehalten. Ein teil­weises Moratorium ist ihm bewilligt worden. Es hat nicht einmal diese herabgesetzten Verpflichtun­gen erfüllt. Die Reparationskommission hat die. verschiedenen Bersehlungen, die Deutschland be­gangen hat, festgestellt. Infolge dieser Feststellung und in Ausführung dieser Verträge haben Frank­reich und Belgien Pfänder genommen. Ent­gegen bet Behauptung bet deutschen Regierung ist diese Pfandnahme ohne die geringste Gewalt sei­tens Belgiens und Frankreichs erfolgt. Die deutsche Regierung behauptet, daß die Bevölkerung mit einem passiven Widerstand auf die Besetzung bes Ruhrgebiets geantwortet hat. Nichts ist weniger richtig. Es ist nicht bie Bevölkerung, sonbern bie bentfche Regierung, bie ben Widerstand gewollt und organisiert hat. Die belgische und ftau« zöstsche Regierung können keine deutschen Vorschläge in Berücksichtigung ziehen, solange dieser Widerstand fortgesetzt wird. Die französische und die belgische Regierung müssen hinzufügen, daß bie jetzigen Vorschläge Deutschlanbs in mehrerer Hinsicht vollkommen unannehmbar sind. Die Herab­setzung ihrer Forderungen könnten Frankreich und Belgien nicht annehmen. Frankreich habe bis zum Augenblick 100 Milliarden Franks für das Konto Deutschland» vorgeschossen. Belgien 10 Milliarden belgische Franks. Außer den Pensionslasteu müß­ten fie noch die Hälfte ihrer Schäden reparieren. Das wirtschaftliche Interesse Frankreichs, das wirt­schaftliche Interesse der ganzen Welt, die Gerechtig­keit selbst machten es erforderlich, daß die geschichig- ten Länder nicht mehr dazu verurteilt seien, sich zu ruinieren und die Wiederaufrichtung ihrer Schuld­ner zu begünstigen. Sowohl Frankreich als auch Belgien, ein Opfer der zynischsten Verletzung der Verträge, würden die angebotenen Summen bis letzt nicht gestatten, ihre verwüsteten Gebiete wie­der aufzurichten. Das Angebot von 30 Milliarden enthalte übrigens eine gewisse Elastizität, besten Willkür nnd Gefahr man nicht nötig habe, aufzu­zeigen. Heute setze die deutsche Negierung um mehr als Dreifünftel de« festen Teile» ihre Schuld herab, fie reduziere den unbestimmten Teil um mehr al» Siebenachtel, aber sie behalte die Unbestimmt­heit bei. Tatfächlich handele es sich nut um eine scheinbare Summe von 30 Milliarden Golbmark. Wenn man einen Diskont von 6 Prozent rechne, würbe bet augenblickliche Wert bet 20 Milliarden also auf 15 Milliarden herabfinken. Diese Vor­schläge feien übrigen» von Vorbehalten begleitet, die gestatten würden, in einigen Monaten alle« wieder in Frage zu stellen. Sie sehe ganz im Ge­genteil voran», daß, wenn die 20 Milliarden nicht durch Anleihen gedeckt werden, der nichtbezahlte Teil nut den zum Spott herausfordernden Zinssatz von Prozent einbtingen soll und eine zu awort "e« rende Annulitiit bilden werde. Roch weniger Ga­rantien biete fie für die beiden Ergänzungsbeiträge von je fünf Milliarden die im Grundsätze am L Juli 1926 bezw. am 1. Juli 1931 bezahlt werden sollen. Frankreich und Belgien könnten sich nicht bereit erklären, die durch den Vertrag von Bet- sattle» ihnen gebotenen Garantien preiszugeben. Die belgische und die ftanzöfische Regierung feien für das „internationale friedliche Verfahren" und die „ftiedefichetnde Vereinbarung, die auf Gegen­seitigkeit beruht" gewesen, und die deutsche Regie­rung mißachte ttotzde» schon heute die Hanptbe- bingungen, bie bet Versailler Vertrag enthalte. Währenb viereinhalb Iahten, bas heißt wShrenb bet Periobe, in bet bie ftanzöfische unb bie belgische Regierung sich bemüht hätten, Sachiieferungen unb Gelbzahlungen zu empfangen nnb ben Wiederauf­bau bet verwüsteten Gebiete bntchzuführen, mußten fie gebulbig ohne Pfänder und ohne Garantien war* xen, ba es bet beutschen Regierung gefällt, bie Maß­nahmen zu ergreifen, bie ihr paßten, um bann eine unbestimmte nnb winzige Summe anzubieten. Aus bem Ruhrgebiet müßten sie sogar heraus, in bas fie doch nur eingetidt feien, um die Garantien und

feien. Die belgische und die ftanzöfische Regietun, hätten befchlosten, die neubefetzten Gebiete nut nach Maßgaben und im Verhältnis der geo leisteten Zahlungen zu räumen. A« diesem Beschluß hätten fie nichts zu ändern. Sich könnten im übrigen nicht die Bemerkung untere lassen, daß die deutsche Rote von Anfang bis East nut der kaum verhehlte Ausdruck einer systemati­schen Auflehnung gegen den Versailler Vertrag sek. Dies würde schließlich notgedrungen zur vollkom­menen und endgültigen Zerstörung dieses Vertrags führen. Deutschland solle von den Aufgaben befreit werden, unter denen es nach feinen Erklärungen zu- sammenbreche und die es für unproduktiv erkläre- Damit scheine es die Befatzungstruppen im Auge ;ll haben, um Frankreich und Belgien so der solidesten Grundlagen zu berauben zu wollen, die ihnen Si­cherheit und die Befolgung der vertragsmäßigen Garantien gewährleisten sollten. Die Repatatious« kommissts« solle desavouiert und aufgehoben oder bis zur Ohnmacht eingeschränkt werden. Deutsch­land solle befreit werden von dem, was es die poli­tischen und wirtschaftlichen Festeln des Vertrags nennt. Die Alliierten müßten Deutschland sofort wieder in den Genuß der Meistbegünstigungsklau­seln setzen, was ihm gestatten werbe, von ben Ruinen, bie es in Belgien unb Frankreich gehäuft habe, Nutzen zu ziehen, um sich rasch bie industriell« lleberlegenheit über bie Sänbet zu sichern, bie e» verwüstet habe. Für bie Reparationsfrage soll« nicht mehr, wie bet Versailler Vertrag es vorfehe, eine Kommission zuständig sein, beten Entscheibung ju befolgen Deutschland sich verpflichtet habe; bi« Entscheibnngen sollten vielmehr internationalen Kommissionen unterbreitet werben. Belgien unb Frankreich sollten ihre Pfänbet ans bet Hand ge­ben, sie sollten bet Gewalttätigkeit bet deutschen Regierungsbeamten ausgesetzt bleiben und als Ge­genleistung für alle diese Opfer würben ihnen noch einmal ein paar auf Papier geschriebene Worte ge­geben werben. Die deutsche Regierung werde, wenn fie übet diese Dinge einmal nachdeuken wolle, sich nicht wundern, daß Frankreich und Belgien eine derartige Haltung ablehnten.

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9er Prszeb sem hie KruMirektmn.

Werden, 5. Mal. (Zweiter Tag.) v. Bütow, Direttor bei Krupp, kann über die Vorgänge wenig aus eigener Erfahrung berichten. Sein Eingreifen sei tn keiner Weise In Frage gekommen, wett sich feint Kommission im Verwaltungsgebäude gezeigt habe mik denen zu verhandeln seine Aufgabe war. — Der fron- zöstsche Soldat Gequtöre, der am 31. März al- Dol­metscher tätig war, schildert die Vorgänge mit erreg­ten Gesten und in stark übertticbener Weise, ohne baß ci seine in der Voruntersuchung gemachten sehr wich­tigen Aussagen durchweg aufrechterhalten .kann. So hatte er behauptet, Müller habe stch thm beiden Verhandlungen als „Ehes der Garage" vorge- stellt, währeM cr heute zugeben muß, Müller habe er­klärt, er spreche als Führer der Arbeiterschaft, welche die Besetzung der Autogarage nicht dulde. — Hier kommt es zu einen, Zwischenfall. Dttekior Oefterie übersetzte dem neben ihm sitzenden BettiebSratsmil- Stieb Müller einige Worte des in der Hauptsache ohne Dolmetscher vernommenen französischen Zeugen, wo­gegen der Staatsanwalt erregt Protest etnlegte. Der Vorsitzende ordnete darauf an, daß Müller und die Direttoren nicht mehr zusammensttzeu sollen. — Ge- auteie behauptet dann weiter, daß Müller, wie er deutttch gehört habe, zu den Arbeitern gesagt habe, als der Offiz,er zum dritten Male den Abzug abge­lehnt habe, sie sollten um die Garage herumgeyen, damit die Franzosen nicht herauskommen könnten« Müller verweist auf verschiedene Zeugen, die das Ge­genteil erweisen würden. In recht erhchliche Wider­sprüche verwickelt fich der euge, wo er behauptet, et habe Müller gesagt, die Menge solle auseinander- gehne, da der Osftzirr sonst schießen laste» würve. Auf Vorhalt muß er endlich zugeben, daß er Wohl ge­sagt habe, es werde geschossen werden, wenn bie Menge di« Eingänge des Tunnels überschreite. GS» entere totff schließlich vor dem Befehl dcS französi- schen Offiziers zum Feuern fünf bis sechs Mal Vie Worte gesprochen haben: „Wenn Sie nicht Weggehen, gibt es Feueri"

Im weiteren «erlauf wird ein« Reihe französischer Soldaten vernommen. Sie bestätigen tm wesentliche« die von der französischen Anklage aufgestevie Behaup­tung über drc Lattung der Menge gegenüber den Sol­daten. Verschiedene «rbeimr seien mit Holzblöckcn und anderen Gerätschaften versehen gewesen. Ein Korporal behauptet mit Bestimmtheit. tn den Händen eines Arbeiters einen Parabeffnmrcvolver gesehen zu haben, kurz bevor der Feuerbesehl erteilt worden lei, und zwar habe dieser Mann unmittelbar hinter bem Bettiebsratsmitgtied Mittler gestanden, nachdem Mül­ler von dem Rücken des Arbeiters auS zu der Menge gesprochen hatte. Müller erklärte, der Mann habe »it* nächst tn erster Reihe gestanden, sei aber dann durch ihn zurückgestoße» worden. Ob ei ein Parabellum­revolver gewesen sei, wisse et nicht, e» sei aber ein aibes, verrosteter Ding gewesen. Dttekior Gefiert« verneint, daß bei Krupv Revolver hergeslellt würden.

Als letzter Belastungszeuge ttat heute vormittag ein gewiffer Snowden auf, der sich in einem Auto be- faitb, ba» am 81, Mär» U bet Mttxivprftrstratz« von