T
Ihr
Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessei
1923
Set »ue.
dote 60 SR, bei Ueberlenbung
durch un»
Das deutsche Angebot
1.
Einhalt getan
de.
den
ten Schäden.
Paris, 2. Mai. Die Note der deutschen
Re
in ihre
Versailles wird auf 30 Milliarden Goldmark fest, gesetzt, die mit 20 Milliarden bi» zum 1. Juli 1927 mit 5 Milliarden bis zum 1. Juli 1929 und mit 5 Milliarden bis zum L Juli 1931 durch Ausgabe
diS ent«
gierung ist heute nachmittag um 4 Uhr im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten überreicht worden. Die Havasagentur hat jedoch bereits um 1 Uhr nachmittags ngch einem ihr aus Berlin zugegangenen Text die ausführliche Note der Presse übermittelt.
Berlin, 2. Mai. Die an die Negierungen der alliierten und assoziierten Hauptmächte und Belgiens gerichtete Note ist in Abschrift auch den Regierungen Ser übrigen Signalarm ächte des Versailler Vertrages und der neutralen Mächte zugefiellt worden.
P a r i s, 2. Maü Miniflervräsidcut Poincare hatte gestern nachmittag wiederum eine Unterredung mit dem sranrösischen Abgeordneten in der ReparaüonSksm« Mission, Lanhou.
von Anleihen zu normalen Bedingungen auf internationalen Geldmärkten auszubringen find.
1. Die ersten 20 Milliarden Goldmark werden >rt zur Zeichnung aufgelegt, die Anleihezinsen >vl 1. Jul« 1927 werden aus dem AnletheerlSS
Sie hat sich daher entschlossen, nochmals nen Versuch tu dieser Richtung zu machen, ohne mit ihren Rechrsstandpuntt zu verlassen, oder den lsfiven Widerstand aufzugeben, der fortgesetzt nden wird, bis die Räumung der über den
Marburg
Sonnerstoa. i>n 3. Kol
lurgestellt, die verhafteten Deutschen Freiheit gesetzt und den Ausgewiesenen Wohnstätten irnd Aemter zurückgegeben werden.
Sie Weine.
Pressestimmen.
Berlin, 2.Mai. Die „Boss. Ztg." sagt: Deutsch, lanbs Ziel ist die Befreiung des Ruhrgebiets und eine Verständigung der friedlich wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Nachbarn im Westen. Ist Frankreich» wirkliche» Ziel nur der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, die Garantie der Reparationen und dir Sicherung seiner Grenzen, dann ist durch die deutsche Note eine Berhandlungsbasi» geschaffen. — Der „Vorwärts führt aus: Da» WrsentLche ist der Willr allere endlich dem Unheil Einhalt zu tun. Furchtbar würde jeder sich an dem Geschick der Böller vergreifen^ der sich unterfange, die Möglichkeit, endlich Frieden m machen und das Wirtschaftsleben wieder herzustellen. zu vereiteln. Die Gegner mögen an der Note jebc Äritü üben: dann sind die Verhandlungen dazu da, bessere Grundlagen für eine Lösung zu schaffen. Der Weg zu Verhandlungen ist offen und darf nicht wieder verschüttet werden. — Die „Berl. Volk«»eit»»g^ sagt: Die Note ist van beinahe nüchterner Kürze und eufr behrt aller protestierenden Verwahrungen unb _ jeder schwungvollen Beteuerung. Da» ist gut so. — Dir „Deutsche Allg. Zeitung" schreibt: Die Reichs-^ «gierung will Bindungen Von unerhörter Tragweite übernehmen, d« das gesamte beutlche Volks- und Wirtschaftsleben <mf das Schwerste treffe« müssen. Den internationalen Geldgebern wird ein Blankowechsel auf die deutsche Wirtschaft ausgestellt, der zu den ernstesten Bedenken Anlaß gibt. Alle Schichten und Stäiche des deutschen Volles müssen darüber klar sein, daß das di« schwersten Opfer für sie alle bedeutet. Die Regierung macht aber kvnkrete Vorschläge, die auf eine Zusammenarbeit der deutschen und franzSlischen Wirtschaft hinauslaufen. — De „Seit" führt aus: Dir Regierung wird von dem Bestreben geleitet geiwfen sein, den deutschen Vorschlag so a.n» zu statten, daß er bet der Berücksichtigung der äußersten deutsche» Leistungsgrenze, des internationale» Geldmarktes und der Stimmung auf der Gegenseite einen Vorschlag darstcllt, der unter allen Umständen ernst genommen werden muß. — Die deutschnationalen Blätter lehnen die Note als unverständliches Angebot und al» Enttäuschung für das nationale Deutschlano ab. ' Der „Tag" übt folgende Kritik an der Note: Ma» muß erst mühsam zwischen den Zeilen der Not« heraus- lesen, daß die Regierung nicht etwa nur ein bestimmtes Verhundlungsangebot gemacht hat, daß sie in erster Linie die internationale Diskussion bis zu jerrem Puntte hat sortsühren wollen, an dem sich Fraitk- reich endgültig, entscheiden muß, ob es eine Politik der Oewalt oder eine Politik der Verständigung nbet, praktisch gesagt, ob es die Reparation«!« oder Sanktionen will. Di« Note ist, wie in ps- kitischen Kreisen besonders betont wird, m Wirklich kei t als ein« Anfrage an Frankreich gemeint und zwar als eine Anfrage, auf die Frankreich kerne ausweichend«, sondern eine bestimmte und damit für das Schicksal Europa» entscheidend« Antwort geben soll.
Die Garantiefrage sei zu allgemein behandelt; die Privatwirtschaft sei in einer Form hineinbezogen, daß nicht von vornherein jeder Zugriff der Entente i» de» deutschen Privatdesitz ausgeschlossen wäre.
Schließlich vermisse man allgemein in politische» Kreisen in der Not« die berechtigte Forderung einer Vergütung der durch Frantreich im Ruhrgebiet angerichto-
London, 2. Mai. Der heutigen Ueberrei- chung der deutschen Reparationsnote wird mit großem Interesse, jedoch mit ausgesprochenem Pessimismus entgegengesehen. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" de- grüht es, datz die Note gleichzeitig der Presse übergeben werden soll. Auf diese Weise werde die öffentliche Meinung der Welt Gelegenheit haben, rhr Urteil über die deutschen Vorschläge auezu- drücken, bevor irgendwelche Regierungsbeschlüsse geätzt find. Die vorherrschende Stimmung sei trotzdem sowohl in alliierten als auch in neutralen Kreisen pessimistisch, um nicht zu sagen gedrückt. Von britischer Seite seien keine Aeutzerungen z» erhalten. Man wolle nicht, datz diese oder jena Partei argwöhnisch gemacht werde.
J* J.H. Schäfer
| Kagernenetr. ri
höheren Schätzungen gelangen kann. Sollte diese Aus- faffung von der anderen Sette nicht geteilt werden, so schlägt die deutsche Regierung vor, entsprechend der Anregung des Staatssekretärs Hughes
da» gesamte ReparationSprobl^ einer von jeder polittschen Einwirkung unabhängigen internationalen Kommission zu unterbreiten.
Die deutsche Regierung ist bereit, für bie von ihr angebotenen Leistungen speztelle Garantien zu bestellen. Der gesamte Besitz und alle Einnahme- 0netten des Deutschen Reiches und der deutschen Lün- der sind bereits nach dem Vertrag von Versailles haftbar. Nur im Wege der Verhandlung mtt dem imernartonalen Anlethekomitee und der Reparattons- kommission läßt sich seststetten, wie für den Anleibe- dienst diese Haftung konkret zu gestalten ist und weiche Garantien tot einzelnen zu bestellen find. Außerdem ist die deutsche Regierung bereit, nach Man- gäbe der noch xh treffenden Vereinbarungen durch geeignete Maßnahmen auch auf gesetzlichem Wege, dafür zu sorgen, daß die gesamte deutsche Wirtschaft zur Sichenmg des Anleihedienstes herartge- zogen wird. Die Sachlieferungen sotten durch langfristige Privawerrräg- unter Ausbedingung von Vertragsstrafen gesichert werden.
Die Durchführung der Deutschland obliegenden Verpsltchnmgen ist abhängig von der
Stabilisierung der deutsche» Währung.
Kann in Verbindung Mit der Regelung des Repara-- tlonsprobt-rns die deutsche Währung planmäßtg unv aus die Dauer stabilisiert werde», so werdetr gleichzeitig die Beschwerden der anderen Industrieländer über einen ungesunden deutschen WenvewerV Vev- stt'winden. Nach der SlabUtsterung wird es auch möglich sein, im Reiet,shaushall die Ordnung zu schassen, deren Deutschland und sein« Gläubiger be- dürsen. - - j
Zur Verwirklichung dieses Programm» ist eS, auch in der Presse der Anleihegläubiger, notivendtg, datz die gewaltsame Ergreifung von Pfändern und die AMvendung von Sanktionen künftig unterbleiben, und daß Deurfchland von den jetzt noch aus ihm lastenden unprodultiven Ausgaben und von den Politischen und wirtschaftlichen Fesseln befreit wird, dazu, daß die Einheit der Verwaltung für das gesamte Gebiet Deutschlands baldigst lviederhergestellt, von der tot Vertrag von Versailles vorgesehenen Möglichkeit, Deutschland dw wirtschaftliche Gleichberechtigung zu versagen, kein Gebrauch gemacht und nach Stabilisierung der Mack die Einfuhr deutscher Waren nicht mehr den Beschränkungen uuterworfen wird, die durch den Rte- dergang der deutschen Währung veranlaßt waren.
Um dem Frieden Europas in gemeinsamer wtrt- fchastltcher Arbeit zu dienen, uul» um bte natürlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge zwilchen Erzeugung und Verbrauch herzustellen, soll tat prtdatwtrr- schaftl tchen Verträgen die Grundlage für den gesicherten Austausch von lebenswtchttgen Waren zwischen den beteiligten Ländern geschaffen werden. Dazu gehört insbesondere der Abschlutz langfrisilger privatwirtfchaftkicher Verträge über di« Lieferung von Kohle und Koks.
Im gleichen Interesse friedlicher Zusammenarbeit Deutschlands mit Frankreich ist die deutsche Regie- rrtng, wie sie e» auch mit ihrer Anregung zum Av- schlutz eines Rbeinpaktes bekunden wollt«,
SU jeder den Frieden sichernden Bev inbarung 6e*«tt, die auf Gegenseitigkeit beruht.
Insbesondere ist sie zu einer Vereinbarung bereit, die Deutschland und Frankreich verpflichtet, alle zwischen ihnen entstehenden Streitfragen, die nicht aus diplomatischem Wege geschlichtet werden können, in einem sriedltchen internationalen Verfahren zu behandeln, und zwar Streitigkeiten rechtlicher Art in einem schiedsgerichtlichen Bersahren, alle übrigen Streitigkeiten in einem VerglktchSver- sahren nach dem Muster der Bryanschen Verträge.
Die deutsche Regiernng schlägt vor, ans der Grundlage der vorstehenden Ausführungen in Berbanv- lungen einzutreten. Ausgangspunkt der ®er, Handlungen muß sein, datz innerhalb kürzester Frist der staius quo anre wiederherzustellen ist. Dazn gehört, datz dir über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete geräumt, in den Rheinlanden vertragsmäßige Zustände wieder
- Berlin, 2. Mai. (Wolff.) Die deutsch« Regte- Wig hat an die Regierung der Vereinigten Utaaten von Amerika, die kgl. belgische Regie- MS, die französische Regierung.diekgl. grotz- Ertt an Nische Regierung, die kgl. ttalteni- We Regierung die folgende Nöte gerichtet:
Die deutsche Regierung hat von jeher den Stand- Wmkt vertreten und sieht sich durch die gegenwärtige Wernattonote Diskussion veranlaßt von neuem zu ktonen, datz Fragen, von bereit Regelung der auch ton Deutschland gewünschte Wiederaufbau der zer- Mrten Gebiete und darüber hinaus die wirtschaftliche Desuudung und der Friede Europas abhängen, nur »ns dem Wege gegenseitiger Verständigung gelöst werden können. Die tot Widerspruch hiermit erfolgte Besetzung des Ruhrgebiets tot die Bevölkerung mit passivem W t d e r st a n d kanttoortet. Ti« deutsche Regierung teilt den Wunsch «er Besonnenen, datz die täglich sich verschärfende kpaummg gelöst uato
l- der nutzlosen Zerstörung wirtschaftlicher Werte
«Hiertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete und «Zke Wleberherslellung vertragsmäßiger Zustände in Wm Rheinlanden erreicht sind.
R Trotz der Ereignisse der letzten Monate bat Deutsch- Iktotd an seiner Bereitwilligkeit restgehalten, Mst Zwecke der Reparationen, namentlich für Kn Wiederaufbau der- zerstörten Gebiete zu l e i st e n, Mas immer in seiner Straft steht. Jeder Versuch, Brie Bereitwilligkeit in die Form praktischer Vor- Wttäge zu kleiden, wird-jedoch dadurch erschwert, daß IM bei der Verfassung der deutschen Finanz- unv Mirtschaflsverhäktniffe nicht möglich ist, di« Lei - Mn n g S f ä h i g k e i t Deutschlands in festen, endgiU Berit Ziffern abzuschätzen. Daher mutz jede L5 Mag einen elastischen Faktor enthalten, der der gegen Bärtigen Unmöglichkeit einer sicheren Abschätzung Mechnung trägt. Ferner ist zu beachten, daß Deutsch- Btid, da Ihm Ueberfchüsie einer produktiven Wirtschaft Willen, für die nächste Zett größere Stapttalbeträge Mis eigenen Mitteln rttcht aufzubringen; und des- Megen hierfür .auswärtiger Anleihen ve- M«rf, deren Aufnahme die Wiederherstellung bc3 Ätschen Kredits zur Voraussetzung hat. Von diesen Mrwägungen ausgehend, und im Einklang mit den srundgedanken des für die Pariser Jannarkonferenz vn ihr bereitgestellten Planes saßt die deutsche Re- ierung ihre Vorschläge zum Reparationsproblem und cn damit verbundenen politischen Fragen wie folgt efanunen:
Die Gesamtverpflichtung Deutschlands zn fhtan
J« Miet iiri®._
Berlin, 2. Mat. In der heuttgen Sitzung der Mtntstervrästdenten und Staatspräsidenten gab der Reichskanzler die deutsch« Rote bekannt und führte u. a. aus, freute wird den Mächten diese Rote übergeben, die den Standpunkt der Reichsregierung zur Reparationsfrage und zur Frage der Befriedigung Europas präzisiert. Dar ist ein ungewöhnlicher schritt, weil er mitten im kraftvollen und einmütigen Abv-iehrkamps getan wird, ohne datz die Haltung des Gegner» dazu Anlaß gebe, ein Schritt von ungewöhnlicher Bedeutung. Wie wollten den Frieden und wir ivollen ihn noch. Aber der Preis dafür mutz zahlbar fein. Tas war der Grundfatz, mtt dem dieses Kabinett fein Amt antrat und mit dem es ftefrt und fällt. Unsere Vorschläge gingen bis zum höchsten Matz des 'Möglichen, ließen aber Gegenvorschlägen und Av- äuderungen ihrer Modalitäten in offener Aussprache freien Raum. Sie sind vom Frankreich abgelehnt löorben und ohne jeden Rechtsgrund mit dem Rufrr- einbmch beantwortet worden, dessen Auswirkung in immer rücksichtsloseren Formen wir täglich erleben. Das Volk habe den Rechtsbruch mit dem passiven Widerstand beantwortet. Die Regierung mutz nach einer Möglichkeit suchen, die Leiden abzuWrzen; sie werde aber nicht den Weg des Diktats, de» Ulttma- tumS oder gar der freiwilligen Annahme unerfüll- barer Bedingungen beschreiten.
Der Kanzler erinnert an die Rede Rosenbergs und an die englische Aufforderung zu dem Angebot. Er geht dann weiter auf den Inhalt der Note ein.
Die Notwendigkeit einer Erholungsfrtft, eines MorawrtnmS von 1 Jahren ist organisch dadurch angedeutet, datz die Zinszahlungen der ersten 4 Jahre den erzielten Anleihebeiträgen entnommen werden sollen. Die Schuld von 30 Milliarden wird schwer auf uns lasten. Sie bedeutet eine jährliche Leistung, die schon bei dem Mtndestztnsfatz von 5 Prozent und 1 Prozent Amortisation allein für die 20 Milliarden 1.2 Milliarden, tot flaniert also 1,8 Milliarden kosten rann, wobei toi Anlatz habe, zu besorgen, datz wir mit dem Zinssatz von 5 Prozent bet Begebung von Anleihen nicht werden auskommen können. Die Sach- lieserüngen, soweit sie durch den Einbruch unterbrochen seien, sollen wieder ausgenommen und ihr Gegenwert auf unsere Schuld an gerechnet werden. Der Reichskanzler erwähnte dann den Evemualvor- schlag, das flefamte Revarattonsproblem einer von jeder polittschen Einwirkung unparteiischen internationalen Kommission zu unterbreiten und fuhr fort, wir wollen unter allen Umständen das, was wir zufagen, auch erfüllen unb wir sind bereit, für die Bettäge, die wir im Anletfrewege erhalten, jedwede wirffchastliche Sicherheit zu stellen.
Alles, was dem Reich und den Ländern gestört, Eisenbahn, Zölle, Einnahmequellen aus Steuern ist kraft des Vertrages von Versailles der ukgenfeite verpfändet. Wir gehen aber darüber hinaus. Wir wollen und wir werden es durchführen, ba§ darüber hinaus auch die deutsche Wirtschaft, Industrie, Landwirtschaft, Handel nnb Finanz, mit ihren gesamten Kräften sich bereitfteltt, und zwar in konkreter, nötigenfalls im Wege der Gesetzgebung formulierter Form, ftir die Sicherung bet" Anleihen. die wir auf dem Weltmärkte erhalten.
Die Note kann nicht konkreter fein, denn solange das Anleihekonsortium nichi besteht, können wir nicht sagen, diese oder jene Werte werden wir bereitstellen. Nur int Wege der Verhaicklungen von Mann zu Mann kann gefunden werden, was dem anderen eine genügende Sicherheit zu fein scheint, aber wir werden in der Erfassung der gesamten deutschen Wirtschaft rücksichtslos vorgehen. Der Betrag von 30 Milliarden wird vielleicht der Welt zu gering erscheinen, aber man müsse die bisherigen Leistungen in Betracht ziehen an Land, Gruben, Flotten, Kolonien, ausländischem Eigentum, Kahlen, Koks und vielem anderen. Wer wogt es, demgegenüber noch zu behaupten, daß Deutschland nichts geleistet hätte, oder daß Deutschland nichts leisten wolle. Selbst während der Zeit der Ruhrbesetzung und der Besetzung weiterer deutscher Landesteile bat Deutschland in der Einlösung der belgischen Schatzwechsel das gehalten, was es zugesagt hatte. Deutschland wird zur Abttagung der schweren Last nur fähig sein bei Wiederherstellung feine» Kredtts und seiner inneren finanziellen Ordnung. Der Kanzler zeigt uns den Weg der Anleihe und den Weg des Ausgleichs wirtschaftlicher Interessen zwischen Deutschland und Frankreich. Auch in der Frage der politi- scbcn Sicherheft habe man den alten Garantievertrag wieder ausgenommen mit einem Schiedsgerichts- und Ausgleichsverfahren. Das ist alles, was wir in dieser Frage tun können, um den Beweis zu liefern, daß wir nicht an Krieg, sondern an Frieden denken. Der Kanzler erinnert an die ungeheuerliche Tatsache, daß die Besatz- ungskosten in den 4 Jahren nach dem Kriege auf 4,6 Milliarden GoLmark sich belaufen haben, mehr als früher Deutschland für seine gesamte Heeresmacht und Manne in derselben Zett anfgewendet hat. So vernichtet iebtr Tag Wert auf Wert, der zugleich der Reparation entzogen wird. Wir sind bereit, der Zerstörung Einhalt zu tun, aber wir find auch bereit, bi$ zum letzten'Rest unserer eigenen Kraft zusammenzuhalien, was den Tod jeder Reparation bedeuten würde. Wir sind berett, weil wir wissen, daß, trenn unser Vorschlag nicht als Berhondlungsbasis angenommen ttrrb, der Wille deS anderen nichtauf Reparationen, sondern auf Ann ettionen oder Zertrümmerung ab- zielt und daß es für uns alle um Sein oder Nichtsein sich haiüielt. Wir hoffen auf die Erkenntnis der Welt, daß der Konftitt an der Ruhr ein Wahnsinn ist, nicht nur für die beteiligten, sondern zugleich für die ganze Welt unb so lenden wir die Note ab mit dem Wunsche, daß sie zu offenen freien Verhandlungen führt. j...■
Tie »OderheMlche Zeitung erlchetnt ieibsmal wödjentHttu — Bezugspreis monatlich « uaa 8600 dkk. mit Zuftellungsgebühk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer ■f 10 j elementarer Ereignine kein Eriatz. — «erlag von Dr. T. Kitzerotl>. — Druck der ** * Unttu-Buchdruckerei von 3ob. Sug. Noch, Markt 21.23. — Kernjprecher 55, «oft. ickeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
IDvmuien und in einem von der Reparation»- »mm t f f t on zu beaufsichtigenden Fond» ikbergestellt. Soweit die 20 Milliarden Goldmark bi» »m 1. Juli 1927 nicht durch Anleihen aufflebrachr -erden können, sind sie von diesem Zeitpunkt ab mit ! Prozent zu verzinsen und mit - Prozent zu tilgen.
2. Fall» die beiden Bettäge von je 5 Milliarden ioldmark bis zu dem dafür vorgesehenen Termin tm Auleibewege zu normalen Bedingungen nicht voll mtfiubrtogen sind, soll eine unparteiische, intet» rationale Kommission darüber entscheiden, M, wann und tote der nichtgedeckte Rest auszubrinflen t. Die gleiche Kommission soll tm Juki 1931 auch »rüber entscheiden, ob, wann und tote für die Zeit wn 1. Juli 1923 ab die zunächst nicht vorgesehenen tosen nachträglich aufzubringen sind. Al» unpartei- tzfre internationale Kommission soll gelten entweder «s Anleihekonsortinm, da» die ersten 2o Wiilltarden Goldmark gegeben hat, oder ein dem Vorschläge deS Staatssekretär» Hnghe» entsprechendes fionittee von internationalen GeschäftS- leuten, in dem Deuttchland gleichberechtigt vertte- vn ist oder ein Schiedsgericht, bestehend aus, je einem Verttetet der Reparationskommission und der deutschen Regierung, sowie einem Obmann, um besten Ernennung, fall» sich die beiden anderen Mitglieder wer seine Person nicht einigen, der Präsident der Bereinigten Staaten von Amerika gebeten werden soll.
3. Deutschland wird in Anrechnung ans seine Schuld nach den Bestimmungen der bestehenden Ver- näge Sachleistungen anSfüfrren, über deren Ausmaß nähere vereinbanmgen vorbefralte» bleiben. Die deutsche Regierung Ist überzeugt, datz sie mit diesem Vorschlag 618 an d'e üufterfte Grenze dessen gegangen ist, wa» Deuttchland bei Anspannung aller Aräfte zu leisten vermag, sie bat nach der durch bte «uhrbesetzung verursachten schweren Störung nuv Schwächung der deutschen Wirtschaft ernste Zweifel, ob nicht d-r Vorschlag die LeistungSfähig- ft t t Deutschlands über steigt. Die deutsche Regierung ist ferner davon überzeugt, daß kein Unbe- Nngener, der die Schmälerung der Produktlonsbast» Deutschlands und die Verringerung seiner Vermö- tttoSsub stanz durch di« bereits bewirkten Stotzen Let- Mmaen berücksichligr, tort obtrtttver Beunettuug zu
D««nzrig-m>r-„ »*hagt furbei 9gefp. Zeilenmillimeter 80.00 «t (Kl. «udgen und §°2liLl1e.T-ni-t8^en ba£ ««»»• «to,eigen 109 ÄL «ei lÄwteriiem ro
««8 /M*/. fluritbfafl. Spot «inlautende oder den Raum über *L Seite einnehmende 5X AfihFil ZnZewen werden nach bet leiHpottenbtette berechnet. Reklamen der Zetlenmtlltmeter dOe O4’” » 800 Mk. Jeder Rabatt gilt al* Barrabatt. Belege werde» berechnet. — - - ----
' 1
Paris, 2. Mai. Die „Er« Nouvelle" ver» öffentlicht folgende Mitteilung: Während offiziell die französische Regierung sich an eine Politik bet ^lnnachgiebigkeit halte, werde hinter den Äu* lissen im Sinne des Entgegenkommens gearbeitet. In den letzten Tagen sei ge» tuschelt worden, daß der englische Botschafter in Paris als Urberbringer eines Permittlungs- Angebots nach Paris zurückgekehrt sei. Ferner glaubt das Blatt zu wisien, dah das Pariser Kabinett trotz des äußeren Anscheins nicht sehr weit davon entfernt sei, die Fühlung mit dem Londoner Kabinett wieder aufzunehmen.