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MWWe UsAliiibttWs.

Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

Soll die Markstützungsaktion ebmso plötzlich, wie fie finit begonnen hat, ihr Ende gefunden haben? Diese Uuksassung ist sicher falsch. Vielmehr ist anzunehmen, haß die Reichsbank sich entschlossen bat, bei ihrer Mark­stützung zu einer anderen, vorsichtigeren Taktik überzu- fr'h.'n Dw Bedarf er. Devisen war in letzter Zeit außerordentlich stark. Da ein Angebot von Devisen auf dem freien Markt beinahe vollkommen fehlte, hat die Reichsbank fast den ganzen Devisenbedarf aus ergmen Beständen decken müssen, um ein Uebernreg'n der Rach- stog: über das Angebot und damit ein Steigen der Devi­senkurse zu Verbindern. Auf die Dauer mußte hierdurch her Dvis n Vorrat der Reichsbank stark geschwächt wer­den. Die Reichsbank hat daher zunächst einmal das bis­herig- Stützungsverfahren aufgegeben. Sie wird aber zweifellos nur einen geeigneten Augenblick abwarten, um Mlft neue durch Abgaben den Kurs jerabzudrücken. Ge­schieht dies öfter, so wird das Hamstern von Devisen für die Aufkäufer sehr verlustreich werden und sie wr- hen vielleicht auf längere Zeit die Hände von der Devisen­spekulation lassen. D n Erfolg d e "es neuen b wcgliche- ren Stützungsverfahrens wird man abwarten müssen. Zunächst dürften drdurch erheblich- Schwankungen der Ssrjunftur hervo-g ruf n werden. Es sollte dem Speku­lanten von der Reichsr-g erung von vornherein klar ge­macht werden, daß jeder, der für den Dollar mehr a's den Von der Rcichsbank für angemefftn erachteten Kurs von 22 000 oder vielleicht auch mehr als 28 000 bi? 89 000 zahlt, dies auf eig ne.Gefahr tut und seine Waren »ickft aus der Grundllg eines föb"cn Dvllarku-ses, er Vrell ickit Vorübergehend an der Bors- noll-rt wird, kcllku- kieren dars D -btt ist es natürlich Beraussetzung, daß es der Reichsbank g ( ngt, die durchschnittliche DottarbasiS Von 22 000 oder auch, wenn das leicht-r e-scheint, 28 000 antt-r allen Umständen aufrecht zu erhftt-n.

Die Fortsetzung der, Markstützung, wenn auch in etwas loserer Weise, ist ümso notwendiger, als sm in der letzten Zeit bere ts günstige Wirrungen auf die Gestaltung des,Neichsbankausw^ses und scg r auf die der Reichs finauzen au-g übt hat. Schon d'r letzt- R^chsbankaus- weis im März zckgte eine langsame Vermehrung des Notenumlaufs. In der ersten Aprilwoche wurden-nur noch für 106 Millwrden Mark neue Noten in de'.m Ver­kehr g bracht, gegenüber 683 M li arden in der Vorleben und 562 Milliarden in der letzten Märzwoche. Man darf hiemn einen Erfolg in der Markstaü'lisierung er­blicken. Auch die schwebende Schuld des Reiches hat in den letzten -Wochen nicht mehr in so rapidem Tcm o zvgenvmmen Mtt" März wurde über ene Zunahm" der schwebenden Schuld von 1455 Milliarden innerhalb eines Monatsdrittels berichtet, Mitte Avril nur noch über eine Zunahm- von 662 M lliard n Mark. A les das sind erfreuliche Anzeichen beginnender wirtschaftlicher Ge­sundung. Man sollte es mit allen Kräften Verkündern, daß hier etwa w'ft>er ein starker Rückschlag einsetzt.

Interessante Vorgänge haben sich in der letzt n Woche auch in der oberschlesischen Industrie ov-g»fp'«lt. Seit­dem- deren wertvollster Teil an Bolen abgetreten w rden mußte, war Entent.'kapital bemüht, in diese deutschen Großunternehmungm einzudringen. Auf der anderen Seite sind Bestrebungen im Gange, auch die in Dm-sch Lbcrschlesien gelegenen großen Montan-Unterneh.nuu- g-n trustartig znsammenzuschließen. Erfreulicherweif, handelt es sich hier bei den im de!'tschgebli b"nen Teile Oberschlesiens g legenen Werken n-cht um ein Eindringen ausländischen Kapitaleinflusssondern um einen An­schluß an den deutschen Sonern A. E. G.-Linke-Äof- Mann. Gehen beide Pläne in Erfüllung, so w'rd es in Zukunft in Oberschlesiei' nur noch zwei g oße Montan­trust« geben, einen in Delllsch-Sberschlefi-n. bei an dir ft. S. G aingekette'r ist und einen polnischen, in dem aber tschechisches und österreichisches Finanzkapital die Zügel in der Hand hält. D" Eu»mj<*lun-' b’- sib je ; in Lbcrschlesien anbahnt, sieht jedenfalls wesentlich andere aus, als man sic bei der Teilung Oberschlesiens und per erzwungenen Abtretung des industriell entwickelten Stückes an Polen erwartet hat.

(Nachdruck verboten.) Der Herzog und fern Flügel-

Adjutant.

Roman von Paul v. Szezepanski.

32. Fortsetzung.

- Wenige Minuten später kreischte der Schlüssel km Innern der Haustür; Schnurz' und Schnudels Eltern drängten sich durch die geöffnete Tür und sprangen winselnd an Denninghaus in die Höhe.

„Haltet die Schnauzen, ihr Biecher!" sagte Den­ninghaus. „Ihr stört den Schlaf der Gerechten, weil ihr euch einbildet, nachher weiterschlafen zu dürfen. Ich freue mich, daß Sie glücklich in Luzern angelangt sind, Fräulein von Kleffel. Schade, die Aussicht auf den See ist noch ein bitzchen benebelt.

Fräulein von Kleffel lachte leise.

„Noch sieht man den See vor Bäumen nicht, Herr von Denninghaus. Sie scheinen mir auch einer Tasie Tee bedürftiger als einer schönen Aus­sicht. Das Wasier wollte gerade kochen — in zwei Minuten kann ich sie Zhne naffetzen."

„Fabelhaft! Als ob. Sie mein Kommen geahnt hätten", sagte der Major und warf Paletot und Hut auf einen Stuhl in der Diele.

Fräulein von Kleffel ging ihm voran in das Eßzimmer.

„Eigentlich dachte ich nur an mich und an Leut­nant Zerboni. Wenn man die Nacht vor Schmer­zen nicht geschlafen hat, kann man das Frühstück nicht erwarten."

„Ich hoffe, die Schmerzen hat nur Ben empfun­den", sagte Denninghaus und setzte sich, während Fräulein von Kleffel den Tee aufgoß. „Maibaum sagte mir, Sie pflegen den armen Zungen wie etne Mutter. Zch habe es seiner Mutter erzählt. Sie kst froh und dankbar, ihn in Ihrer Obhut zu wis­sen. Daß Sie die Nacht gewacht haben, sieht man Ihnen nicht an, Fräulein von Kleffel."

»Stimmt auch nicht ganz", erwiderte Fräulein

? 7. "!«M mMW« Sogitol.

Es ist von jeher der Stolz und der Vorzug der btv-ifctien Presse gewesen, daß sie ihres hohen Amtes unbeeinflußt durch finanzielle oder auvere materielle Rücksichten, namentlich vom Ausland her, walten durste. Sie unterschied sich darin ganz besonders von der Presse vieler anderer Länder. Es ist allgemein bekannt,, daß die französische Presse von jeder säst durchweg käuf'ich war, und daß gerade die verbreitet­sten uni) einflußreichst-n Pariser Bläner vor dem Kriege und während des Krieges bis zum Sturz der Zareilregierung mir russischem Golde bezahlt waren und aus russische Weisung hin handelten. In Italien ivicderum drang französisches Geld in die Presse ein, und die lärmende Agitaton, durch dte italienische Blätter zum Verrat an den Bundesgenossen hetzten, war zum drötzien Teil von dem sranzöstschen Bot­schafter Barröre erkauft. Wie stark der Einfluß eng- f lieben Kapitals auf die amerikanische Presse ist, totff en wir ebenfalls. Die deutschen Zeitungen hatten sich bisher trotz der allgemeinen Notlage von solchen fremden Einflüssen frei zu halten gewußt, nur die Kommunisten mit der Roten Fabne an der Spitze machten eine unrühmliche Ausnahme, denn ohne russische Unterstützung könnte eine kommunistische Presse im fetzigeil Umfang in Deuifchland stberhauvt nicht bestehen

Nun aber erregt in der deutschen ZeitungsweH eine vor kurzem bekannt gewordene Tatsache lcbdaste Aufmerksamkeit und Beunruhigung. Das Organn des Vereins Deutscher Zcitungsverleger veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt: „Die Tatsache, dag in einem bisher dentsch.m Zeitungsverlag fremdstaat- ltches Kapital in erheblichem, ja bestimmenden Um­fang eingcdrunaeu ist, hat in den Kreisen der deut­schen ZettungSverleger tiefe Beunruhigung hervorge- rusen..... Grundsätzlich muß der Verein deutscher

'citunosverfeger erllären, daß er dieses Bedauern nnd diese BEiirchtungen durchaus teilt. Das Ein­dringen stemdstaallichen Kapitals in deutsche Zeitun­gen bedeutet zweifellos eine ernste Gefabr für dte i entsckze Politik und Wirtschaft, für die Unbefangen­heit und die Unabhängigkeit der deutschen Presse und ter Meinungsbildung.» Mit vollem Recht wird weiter daraus hingewlefen, daß das Vorherrschen fremden Kavitals no'wendigerweftc schließlich auch zum Vorwiegen fremder Interessen in einer Zcituna sichren muß, was am besten durch die Bestrebungen Von Rusten, Franzofen und Engländern im oben ge­schilderten Sinne bewiesen wird. Da wir uns heute mit ganz besonderer Schärfe der Ueberflutnng durch fremdes Kapital ertvehren müssen, ist die Gefahr, daß au.ch erhebliche Teile der deutschen Preise unter frem­den Einfluß geraten geradezu eine nationale Ge­fahr, die zur Katastrophe werden kann.

Wtarburct und Umaegenb.

Marburg, 21. April (Ostermond).

* Steuererklärung. Die Frist für die Ab« gche der Einwmmm- und Bermögenssteuererklärung läuft mit dem 30. April ab und ist mit einer Skrlängerung nickt in. rechnen. Trotzdem tauck-n immer w eder Früchte auf, daß eine Verlängerung erfolgen werde. Es wird noch­mals darauf aufmerksam gemacht, daß davon nicht bte Rede sein kann. Es würde bei der finanziellen Log des Reiches und ans Gründen steuerl'cher Gerechligkeft unerträglich sein, die Frist hinauszuschieben. Die For­mulare für die Stenererllärung sind inzwischen den Stenerpflicht'g-n zugegangen. Es wird von jedem ver­engt werden müssen, daß er nunmehr mit der Abgabe der Erklärung keinen Tag mehr zögert und insbesondere auch die nach den g schlichen Vorschriften unmittelbar fälligen Steucrbeträg' unverzüglich zahlt. Säumige werden ans Nachsicht n-cht rechn-n könnm.

• Zuckervreis. Die im vorigen Herbst wieder eingesührte Verteilungsregelung für Zucker batte zur Folge, daß die Preise jeweils vier bis sechs Wochen >m voraus festgesetzt werden mutzten. Während daher andere Waren stch der Geldentwertung allmählich an­passen konnten, ließen stch bei Zucker in Anbetracht der namentlich im Oktober und November und sodann wieder im Januar—Februar eingetretenen autzer-

ordentltch starken Ge.dentwcrtung sprungweise Er« löhnngen nicht vermeiden. Trotzdem zeigt ein Ver­gleich mit anderen wichtigen Erzengniffcn, daß der Zucker im Verhältnis zu diesen, im Preise zuriickge- blieben ist. Während man z. B. im Frieden für 1 Zentner Zucker 2,38 Zentner Roggen bekam, konnte man am 1. Mär; dafür nur 0,97 Zentner Roggen kaufen. Ein Vergleich mit Weizen und Gerfte zeigt ein ähnliches Bild. Wie aus Vorstehendem und ans einem Vergleiche mit dem Preise Anslandsznüer lder zur Zeit je Zentner 140 000—160 000 Jt kostet) ersichtlich ist, ist der Zucker dem steigenden Dollar- kurse im Prelle bei weitem nicht gefolgt. Die Preis­berechnung ist vielmehr unter Beteiligung des Bei­rates bei der Zuckerwirtschaftsstelle, in dem alle be­teiligten Kreise, insbesondere auch dte Verbraucher, vertreten sind, für jede Freigabe auf Grund der je- welligen Erzeugungskosten erfolgt. Der für den Fe- -ruar-Zncker festgesetzte Preis von 40 000 M baute sich (utf den Erzeugnngskosten auf, wie ste dann am 20. Januar 1923 stch errechneten. Für die in den nächsten Tagen erfolgende Freigabe des Märzzuckers mutzte demgemäß ein neuer Preis festgesetzt werden, für den dle Produktionskosten, wie sie sich Ende Februar ge­staltet hatten, zu Grunde gelegt werden. Da vom Januar zum Februar u. a. die Löhne und Gehälter um rund 100 Prozent, der KohlenprelS sogar um über 200 Prozent erhöbt worden sind, ließ stch eine erhebliche Erböduug des Zuckerpretses für März nicht vermeiden. Der inzwischen auf anderen Gebieten cingettetene Stillstand im Steigen der Preise taun sich, falls keine weitere Erhöbung der Produktions­kosten bei Zucker ciutritt, erst bet der nächsten Ver- teilung auswtrken. Der Beirat bet der Zuckerwin- ichastsstelle bat sich mit der Preisfestsetzung des Zuckers für den Monat März eingehend befaßt und in d-r überwiegenden Mehrveit einen Preis von 91 000 M als angemessen bezeichnet, einfchlietzlick) eines Zuschlags von 9000 der zum Ausgleich da­für dienen follte. daß ein großer Teil des Zuckers aus her letzten Freigabe, der noch zum Preife von 40 000 «. abgegeben wird, erst im März geliefert wird. De' Rcichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat, geleitet von dem Gesichtsounkte, daß im gegenwärtig C.eit Zeitpunkt nur der unerläßliche Mindestbetrag an Produktionskosten zugebilltgt werden könne, die Be­willigung dieses Zuschlages abgelehnt und dem Preis aus 81000 M festgesetzt. Dieser Preis gilt, wie bis­her, für Meli? BafiS Magdeburg. Es kommen hinzu die Ortswschläge der einzelnm Fabriken. Me Sorten« Zuschläge, Frachten ufto. sowie dte Zuschläge des Groß und Kleinhandels. Im allgemeinen wird die Verdoppelung des Fabrikpreises auch zu einer Ver­doppelung des Kleinverkaufs pretkeS führen.

:: Aus dem Wo hratal. 17. Avril In Wohra wurde der Veteran des Feldzuges 1870/71, ®6rtfhan henkel, mit den üblichen militärischen Ehren zur letzten Ruhe a-leitet. Der Bersso-bene, der vor einem Jahre hie goldene Hochzeit feiern konnte, ist 76 Iah« alt ge­worden. h war lange Jahre Vorsitzender des Krieger« Vereins Wohra.

(—) Frankenberg, 18 April. E ne äußerst guk Hutfcte Versammlung halten die drei landwirtschaftlicher Vereine unseres Kre sch am verg ing-nen Sonntag zu ver- reich „en. Nachdem der stellveftr. Vorscheine deS land- mirtfchaftl. Kr^sv-rttn» h-rr Schwieder-Frankenberg ir8 verstorbenen O-konomierats Staudinger gedacht hafte, er­öffnete der Vorsitzende des Kre s-Bonemvereins Herr Rüssel die Versammlung D-r erste Redner Bros. Dr Kraemer-E.eßen sprach über „Fragen der m tftldmtschen Rotviebzucht". Es sprach sodann der Geschäftsführer des hies'g'n Bauernvereins, Herr Schnägelberger, über Sieuerfrag-n, unter Zimrimdelegun" der herausge*om- mepen Richtlinien bezüglich de>' Pmischafterung des Ein­kommens. Unter Pu oft ..V-rsch-edo-ea" bat Herr Bür- o-rmeister Dertz-Frankenberg, die Milch- und Sutter» Versorgung der Stadt Frcmk nbcra sicherzustellen und die Hamsterer draußen auf dem Lande, die unter allerhand falschen Angaben Mitleid erregten, abzuweisen.

:: Berleburg, 18 April. De Schweinepest wütet in unserem Krttse Au der gefürchteten Krankheit, dtc durch händlerschweine verschsevvt wurde, sind bereits eine Anzahl Schweine eiugegangeu.

1» (,!»l !■! H ■ !■! — ~IN--1---------------------—

von Kleffel. Cie war ein wenig rot geworden, als Denninghaus sie prüfend ansah, blieb aber heiter und unbefangen. „Zch habe nicht viel, aber gut geschlafen, teils auf einem Stuhl im Krankenzim­mer, teils hier. Als Sie klopften, war ich gerade im Begriff, wieder einzudusieln."

„Hätte ich das geahnt, so hätte ich vor Zhrem Fenster Posten gestanden, bis die Tür geöffnet wurde", sagte Denninghaus.

„Gut, datz Sie es nicht gckahnt haben. Das Tee- wasier wäre übergekocht. Der Herzog erwartete Sie bereits gestern früh, spätestens heute nacht. Er blieb lange auf, um Sie gleich bei Zhrer Ankunft sprechen zu können. Müsien wir fort von hier?"

„Das kommt auf den Herzog an", faste Denning- haus gleichmütig. „Vorläufig glaubt man Ibn in Luzern. Aber bald wird man wissen, daß er hier Ist."

„Und Sie werden dem Herzog raten, außer Landes z» geben?" frag-e Fräulein von Kleffel bedrückt.

„Wenn er stch von mir beraten läßt, bleibt er rnbig hier“, faßte Denninghaus. „Zu fürchten hat er meiner Meinung nach nichts mehr; die Herren von der neuen Regierung werden ihn nicht belästigen."

Ein lerser schritt auf dem Korridor ließ Fräulein von Steffel aushorchen. Die Tür des Speisezimmers wurde halb geössnet — der Herzog steckte seinen Kopf durch die Türspalte. Als er Denninghaus erkannte, trat er ein.

„Sie müssen mich entschuldigen, Fräulein von Klessel. In Hausschuhen haben Sie mich noch nicht gesehen. Soll auch nicht wieder Vorkommen. Ich hörte den Fensterladen öffnen und glaubte. Sie mtt Denningbaus sprechen $u hören. Ich habe mich nicht geirrt."

Denninghaus war aufgesprungen und verneigte sich.

Der Herzog drückte ihm die Hand.

«Bleiben Ste sitzen, Denninghaus. Fräulein von Klessel hat Wohl die Güte, mir auch eine Tasse Tee ut geben. Nett besetzt, unser Frühstücksftsch, nicht wahr, Denninghaus? Ein Glück, datz Matbaum Selbstversorger und nicht nur Oversörster, sondern auch ein tüchtiger Landwit ist. Drei Kübe, fünf Schweine im Stall, eines bereits geschlachtet — die Hübner, Enten und Gänse nicht zu zählen, hätte tch diesen Reichtum geahnt, wäre tch längst aus dem Neuen Palais nach Friedrichsborn übergesiedelt."

„Wie steht cs tm Städtchen aus?" fragte der Herzog.

„So ruhig, daß Eure Hoheit in einigen Tagen in das Neue Palais zurückkebren können."

„Ich denke nicht daran", erwiderte der Herzog energisch ablehnend. „Ich fühle mich fehl wohl hier. Auch meine Frau würde sich nichts Besseres wünschen, wenn wir nicht auf Maibaums Gastfreundschaft ange­wiesen wären. Ich habe alles Notwendige hier vor­gefunden — meine Fran hat fogar bei Fran Mai­baums Wäscheschrank eine Anleihe machen müssen."

„Das wird wohl lebenslang Fran Maibaums stolzeste Erinnerung bleiben", sagte Denninghaus. „Ich habe zwei Handkoffer von beträchtlichem Umfans auf dem Bahnhof stehen — Ma.,, im kann sie nachher velen lassen. St» enthalten das Nmwendigfte für dir Frau Herzogin und dte Kinder. Aber ich kann Eurer Hoheit nicht verschweigen, datz Euer Hoheit Aufentpall in Fnedrichsborn nicht lange mehr für die Residen, ein Geheimnis bleiben wird. Auf dem Bahnhof btn tch erkannt worden — nur von einem Unterbeamten. Aber interessante Nachrichten ftnden schnelle Verbrei- iung. Daß Eure Hoheit glücklich in Luzern angelangt sind, stand gestern schon tn der Morgenzeitung.",

„Ich vermute. Sie sind nicht ganz unbeteiligt an dieser gewissenhaften Berichterj-attung, Denninghaus", sagte schmunzelnd der Herzog.

„Weniger, als Eure Hoheit annehmen", erwiderte Denninghaus. „Ich habe es durchaus zweifelhaft ge­lassen, ob Eure Hobctt stch in der Schweiz oder in Holland ober sonstwo besinden. Der neuen Regierung wäre es vielleicht das angenehmste gewesen. Eure Hobelt in der Schweiz zu wissen — was man wünscht, nimmt man manchmal als Tatsache."

.Maibaum hat mir xrzählt, Sic hätten Fühlung mit den neuen Herren genommen", sagte der Herzog. „Das war fast mehr, als ich erwarten konnte."

„Anch mehr, als ich selbst erwartete und ein reiner Zufall", erwiderte Denninghaus. „Der Ueberelfer eines Hitzkovses glaubte mich verhaften zu müssen. Dadunv wurde die n>ue Regierung auf mich aufmerk­sam. Ich muß einen vertrauenerweckenden Eindruck auf die Herren gemacht haben. Enre Hoheit sehen mich hier nicht nur als den Ueberbringer der notwen­digsten Bell-idungsstücke für die Frau Herzogin, son­dern auch als den offiziellen Unterhändler der neuen Regierung."

„Worüber wünscht die neue Regierung mit mir zu verhandeln?"

„lieber den Thronv-rzicht Eurer Hoheit."

Eine Röte stieg vem Herzog bis an die Stirn. Er ivischie mit der Hand über die Tischplatte.

Zweites Blatt

Nr. 93

Sonnabend, 21. April

1923

Hessen-Nassau und Nachbargebiete,

Cassel, -l. April. Ein Sechzehnjähriger aus Bet^ tenhausen, der den Gedanken nicht ertragen konnte, seiner, Mutter zur Last zu fallen, erhängte sich, als seine Be», mfibungen, eine Arbeitsstelle zu finden, vergeblich blieben.^

Frankfurt a.M., April. Vom Meßgttände! ind u. a. Diebstähle im Werte von weit über 6 Millisnest Mark der Polizei gemeldet wollen.

Fulda, April. Am 10. d.Mts. tagte in bei „Harmonie" der Verwaltungsausschuß des Verbandes Kurhessischer Fleckviehzüchter. Erschienen waren der Bor- atzende, Landrat Frhr. von Gagern, Landrat Dr. Wce- chens-Gersseld, der Geschäftsführer des Verbandes, Tier- zuchtinspekwr Walter, Vertreter der angeschlossen Zucht- Genossenschaften Homberg, Marburg, Kirchhain. Hrrsfeld, Rotenburg, Melsungen, Hünfeld, Gers'eld, Schlüchtern und Fulda, sowie andere Interessenten. AuS den Mitteilungen des Geschäftsführers ist hervorzuheben, daß dem Verband bereits 14 Auchtgenossenschaficn ange-/ hören, das sind bis auf 2 sämtliche Zuchtg-nossenschaften, des Regierungsbezirks Kassel. Der Jahresbeitrag ist auf; Va Liter Milch für jede eingetragene Kuh festgesetzt. Die, erste Bullen-Vcrsteigerung des Verbandes findet in Gers«, sich am 16. Mai statt. Es werden dort etwa 35 Bullen! der Zuchb-Genvssenschaft Gersfest), sämtlich mit Ab«, stammungsnachweis zur Vrrslligerung kommen. Um die bestmögliche Verwertung guten Zuchtmaterials zu ge- währleisten, wird bei der Geschäftsstelle (Lanbwirtschafts« lammet) eine Viehvermittl ungsssei le eingerichtet, an welche allmonatlich von jeder Zuckii-Genossenschast die zum Verkauf stehenden Zuchttiere mitznieilen sind.

Gerstungen, April. Der 12jährige Schü« ler L. von hier hat sich durch einen Gewehrschuß er« schossen. Es ist noch nicht aufgeklärt, ob der Junge aus Furcht vor Strafe Selbstmord begangen siat oder ob ein Unglückssall vorliegt. _____________

Welzen Nogaen Sommergerste Wintergerste ciafer -Hals Weizenmehl oa»enmehl Nogoentleie Raps Rübsen Vefitlaat ■Rel» •OtafiHan. Vollreis Kartoffeln rnelleetblen, Viktoria-

erbien 71-000-82000

Sveffeerbl.Neinerc6 000—63000

Wicken t'upln blaue „ gelbe Setabella alte „ neue rrockenichnltzel Runkelrüben Mübren, rote .. qelbe Mohn ftorfmelasse 'Nieienbeu, lose 16900—18009 Kleebeu —

Stroh drahtgepr. 16000-18000

„ qebünbett 17000 - 1809k

Berliner Broduttenmartt Bertie, beit 20. April 92». «reise ffit IM Md. ab Station.

58000—59000

4S560 -.47000 43000- 45000

45000 -46000 53000-5500(1 75000-850'>0

70000 75000

28000

95000-10(1000

Xuttetetbien -ickerbohnen Vtnlen

60000 - 65000

120000-130000, 16000-17000

Der Wert der Mark tm Auslande.

Srentfnrt, den 20. April 1923.

Für die Schristleitung verantwortl.: Dr. C. Hiheroth. 'fir pen örtlichen uns vrovinz. Teil: Wilhelm W : ß n e r.

Für 100 Mark wurden gezahlt:

(Ee werden gezahlt füf

in

vor dem Krieg:

Zürich

0.02

125.42 Fr.

1 Fr.

Mk 4612.50

Amsterdam

O.oi

59.20 Gnld.

1 Gld.

„10090.—

Kopenhagen

0.02

117.80 Kron.

1 Kr.

„ 4800.—

Stockholm

0.01

115.80 Kron.

1 Kr.

.. 6825.—

Wien

88.80 Kron.

1 Kr.

„ '''S

Prag

88.80 Kron.

1 Kr.

752 50

London

0.04

97.80 Schill.

1 Sch.

5925.—

NewAork

0.04

23.80 Doll.

1 DL

„25500 —

Pari,

0.06

125.40 Fr

IFr.

1695 —

nm im»

Gefchlechtsleideifth k.

Kein Qnedfflb., offne BeruftUSr. Blutv.« 's-

J* Auftl. Broich. S!r. 25 geg. Einsenoung von Iv.üO M ”, q

®5pez. Arzt Dr.ßoIIaender’s

Frankl irrt N.M., Bethmannsiraße 56. (8886

1 11—1: 4l,<—7: Sonntags 10—12.

„Mögen sie sick, Ihren Kram allein machen, Denning­baus", sagte er dann ruhig. „Ich freue mich, tn Zu- fünft Mensch sein zu dürfen und nicht mehr Fürst 'ein zu müffen. Meine Bedingung kennen Sie: Ich will ein Bürger des LanheS bleiben, dessen Fürst ich gewesen vtnl"

„Ueb-r diesen Puntt habe ich die Herren nicht tm Zweifel gelassen", sagte Denninghaus. „Den Bürger habe ich als guten Steuerzahler unterstrichen. Bet Leuten, die dte internationalen Beziehungen so hoch bewerten, wird die bescheidene .Heimatliebe gering ge­achtet. Aber der Hinweis auf den Geldbeutet verfehlt nicht, den Eindruck auf sie zu machen. Der Bürgel schien ihnrn bedenklich, den Steuerzahler ließen stf gelten."

Der Herzog verzog verächtlich die Lippen.

„Die braven Arbeiter von Neukirch werden stch Wundern, welche Rolle das Geld in ihrem Zuknnsts- staat spielen wird", sagte er nachdenklich. „Golt »et Dank, datz tch der Verantwortung ledig bin. Ich ver­grabe mich hier in Friedrichsborn, — wenn sie wollen, schenke ich ihnen auch das Nene Palais —, aber hier sollen ste mich in Ruhe lassen?"

„Bißchen klein", sagte Denningbaus. „Nicht das Schloß, aber was dazu gehört. Maibaums Viehsta« siebt schon aus siskalischeni Gelände."

Wa«!"? tagte der Herzog erschrocken. „Der Wald von Friedrichsborn, in dem wir unsere Hirsche ge­schossen haben---"

I» Staatswald", fiel Denninghaus ein. „Eure Hoheit hatten die landesherrliche Benutzung. Wenn Motbaum niederträchtig Ist. läßt er ein Wftdgatter um dos Schloß ziehen."

„Mit den schönen Winterabenden in Frtedrichs- born ist es vorbei, wenn Maibaum fein Wildgatter ziehen läßt", tagte der Herzog. „Vielleicht läßt er noch Tafeln an die Bäume nageln: „Verbotener Weg, und wenn er mich mit der Büchse im Walde trifft, be­handelt er mich als Wilddieb."

lForti--zung felgt.)

«•. nicht als Ihr Geheimnis be-

«re Dürfen es trachten, baß Sie Ihre Kleider, Blusen. Gardinen, Strümpfe usw. mit den wetlbetüffmlen „Weltmann** Farben", Marke „Fnchskopf h* Stern“, selbst färben, weil diese dle besten sind, sondern Sie müssen e» auch alp Ihren Freundinnen uub Bekannten erzähle».