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Zweites Dlatk^
Nr. 87
Sonnabend, 14. April
Senjittg
1923
WikUMUt WchkvijbeM.
Bon unserem volkstoirlschaftlichen Mitarbeiter.
' Der Reichsfinanzminister bat soeben industriellen Kreisen gegenüber aufs neue versichert, daß die Reichsregierung nicht mit einem weiteren Sturze der Mark rechne «nd daß sie deshalb auch von den Trägern der deutschen Wirtschaft unbedingtes Vertrauen in die künftige Stetzlg- feit unserer Währungsverhältniss? erwartet. Diese Erklärung ist angesichts des in neuester Zeit wieder wachgewordenen Mißtrauens und einer weit verbreiteten Unsicherheit von besonders großer Bedeutung. Natürlich sind die Landlungen der Reichsregierung weit wichtiger zur Herstellung des Vertrauens in die Fortführung der Maristützung als alle wohlgemeinten Versicherungen. 8H den Verhandlungen über die Regelung der Löhne und (Me« "Mter ^er Reichsbeamten ist allerdings eine weitere Erhöhung des Lohnniveaus grundsätzlich abgelehnt worben. Die getroffene Vereinbarung, nach der für die vier Monate Februar bis Mai statt vier fünf Monatsgehälter ausgezahlt werden sollen und die Arbeiter ein Mehr von vier Wochengehältern erhalten, bedeutet zwar in der Wirkung eine 25prozentige Lobnüeigerung. Aber man kann diese immerhin als einen Ausgleich für das bisherige Zurückbleiben der Löhne und Gehälter an die Geldintwertung rechtfertigen und anerkennen, daß dam t wenigstens bis Ende Mai zunächst eine gewisse Stabilisierung eingetreten ist. Unverständlich dagegen ist, daß die Regierung sich noch immer gegenüber dem geforderten Abbau der Auskuhrkontrolle und der Ausfuhrabgaben ablehnend oder zurückhaltend verhält. Finanzielle Ge- sichtsvunkte können hier allein nicht ausschlaggebend sein, denn wenn die deutsche Ausfuhr, wie es jetzt der Fa'l ist, erheblich zurückgcht, so vermindern sich dadurch auch die Einnahmen des Reiches aus den Aussuhrabgaben, während eine Herabsetzung dieser Abgaben dm Export wesentlich fördern würde. Andererseits könnten durch einen Abbau der Kontrolle erhebliche Unkosten für B r- waltungsausgaben erspart werden. Es ist keineswegs die Großindustrie allein, die diese Forderung erbebt. Mit besonderem Nachdruck hat z. B. di- Kleineiseu- industrie des Solinger und Hagener Bezirks auf die Minderung ihres Absatzes infolge der Markstützung bin- gewiesen und zur Abhilfe der umfangreichen Arbeitslosigkeit, die infolgedessen droht, eine Beseitigung der Aus- fubmbgaben und der Ausfuhrkontrolle vor-''schlagen.
Während die eisenverarbeitende Industrie mit Abfah- schwier gleiten zu kämvfen hat, ist die rheinisch-westfälische Montanindustrie durch die nun sebon im dritt-n Monat andauernde Invasion der Franzosen und Belgier aufs schwerste in ihrer Entwicklung gehemmt. Das besetzte Gebiet ist aber so groß und industriell entwi kett, daß es trotz der Unterbindung des Warmversands ins unbesetzt' Gebiet seine Eisenindustrie eincherm-'ß-n ausr-ichnd zu beschäftigen vermag. Emps-.nLlich fühlbar ist dagegen der Fortfall der Ausfuhr inso'ge der Erhebung emer zehn- prozentigen Ausfuhrabgabe in der Einführung von Aus- fubrerlanbnisscheinen durch die Franzosen. Jedoch wird auch hierdurch fein allzu großer Schaden angerichtet. weil die deutschen Herstellungskosten gerade in der Eisenindustrie vielfach schon über den Weltwarftvreisen l eg", sodaß eine Ausfuhr ohnehin nur mit Verlust möglich wäre. Die Folge ist freitidj, daß Deutschland viel weniger Devisen bereinbekommt, als es zur Bezahlung seiner starken und wachsenden Emsubr braucht. Hieraus erklärt sich wohl in der Hauptsache di- immer wieder in den Industrie- und Handelskrelen onstanchende Besorg nis. daß die Reichsbank ihre Markftützung etwa nicht mehr allzu lange werde fortsetzen können ein Pess mis- mus, den die Reichsrngteruna mit Recht nach Kräften entgegenzuwirkien bemüht ist. Verstärkt werden die Besorgnisse begreiflicherweise noch durch die rasche B rmeh- rung des Papiergeldumlaufs, ö.e durch die Abwehr der französischen Rnhrvergewalt'gnngen notwendig geworden ist. Der deutsch? Papiergeldumlauf ist auf 5’/» Billionen Mark angewachsen. D r Anspruch der Wirtschaft an Roten und Kredit ist nach tote vor ungeheuer hoch, wenn sich auch infolge des nachlasftnben Geschäftsganges eine gewisse Entspannung der Geidlage geze'gt hat.
Die deutsche Koblenversorgung aestal'et sich nicht
(Rachoruck verboten.)
Der Herzog und kein Flügel- Adjutant.
Roman von Pau! v. Szezepanski.
26. Fortsetzung.
„Ich bin auf Kundschaft geschickt und um die Spur zu verwischen", sagte Maibaum und blies behaglich den Rauch der Zigarre von sich. Wenn die Leute mich hier sehen, kommt niemand auf den Gedanken, daß der Herzog bei mir ist. Ich habe dafür geformt, daß mich viele gefehen und gesprochen haben. Sie haben mir alle versichert, dah der Herzog in Luzern ist. Wenn ich's nicht anders wüßte, würde ich's ihnen glauben."
„Also darüber können Sie den Herzog beruhigen", sagte Denninghaus. „Und was haben Sie sonst noch ausgekundschaftet'?"
,Der Herzog wird nicht sehr erbaut von meinen Nachrichten sein", sagte Maibaum. Und er summte: „Einst spielt' ich mit Zepter, mit Krone und--
,L>ören Sie auf, alter Freund", unterbrach ihn Dennighaus. „Wenig Stimme und noch weniger Gehör! — Recht haben Sie, aber bringen Sie dem Herzog die Wahrheit lieber nicht nach Noten bei. Er ist musikalisch, und wenn er jemand unrein singen hört, wird er verstimmt. Wenn jemand deutlich mit ihm redet, ist er ein ganz verständiger Mann. Er nimmt's Ihnen nicht übel, wenn Sie ihm die Wahrheit sagen."
„Also kurz und bündig: nichts zu machen", sagte Mai bau m.
„Ganz meiner Meinung", sekundierte Denning- haus. „Es wird den Herzog nicht überraschen — et ist darauf vorbereitet."
„Eine Frage, deren Beantwortung meiner Frau mehr am Herzen liegt als mir — wie lange wird der Herzog in Friedrichsborn bleiben, Denning- haus?"
Denninghaus zuckte die Achseln.
»Ganz unberechenbar, lieber Maibaum, Wenn
so ungünstig, wie allgemein befürchtet wurde. Es müssen immerhin erhebliche Mengen englischer Kohlen ein* geführt werden. Neben der Kohleneinsuhr übt die Notwendigkeit, groß? Mengen von Getreide einznführen, einen weiteren ungünstigen Einfluß auf die deutfche ZablunqS- bilanz aus. Wenn wir den starken Ueberschuß unserer Einfuhr über unsere Ausfuhr auch zunächst auf Grund der Markstützung und der Dwisenaule-He mit verhältnismäßig nicht allzugroßen Opfern decken können, so wird doch die wichtigste, wirtschaftspolitische Aufgal>e der Reichsr-gerung die Förderung der deutschen Waren- aussttbr fein müssen, fei es auch nur, um der Gefahr wachsender Arbeitslosigkeit zu begegnen.
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Marburg und Umaeaenb.
Marburg, 14. April (Ostermond).
* Städtisches. Am nächsten Dienst-g treten die Stadtverordneten zu e:rer Sitzung zusammen
* D ie Müllabfuhr. Marburg steht nft dm Schwier gkeiten wegen der Müllabfuhr nicht a,fein da. So wird aus Witzenhausen gemeldet: „Nach 1 sicher Verordnung ist in imj rcr Stadt dbe städtische Mnli- abfuhr von Monotsbeginn eingestellt worden, da die Stadt die für dte Müllabfuhr zu leistenden immer höher werdenden Zuschüsse nicht mehr zu tragen imstande ist Die Hausbesitzer und Mieter haben daher für die Folg? selbst für dre Bftciliguna des Mülls zu sorgen."
Zur Warnung. Es liegt Veranlasiung vor, erneut darauf hinzuweisen, daß es gefährlich ist. Notizen oder irgendwelche Schriftstücke bei sich zu führen, wenn man in das besetzte Gebiet muß. Die Franzosen üben sehr scharfe Kontrolle und befchlag- nahmen und verhaften beim geringsten Verdacht.
):( Laasphe, 12. Avril. Dem Meg-strat ist die Nachricht zug-gangen, daß hier eine sog. Aufbauschule eingerichtet werden soll.
He^en-Nassau und Na^bargebiete.
Cassel, 10. April. De diesjährige Vertreterv-r- sammlung des Hessisch'» Vnl^scku lehr rtzere'ns tag*e am 6. und 7. April im kleinen Saal? de? Ev-ngelisch-n Ver- einshaitses. Jeder angeschlossene Kre'sverein hette nur einen Vertreter, und zwar mellens seinen Vorsitzerd-n, entsandt. Die Brand- und Diebstahlsversicherungs'asft wurde durch Satzungsänderung in ihrer Lei'u-g-fäh'gkeit den Anforderung'n der Gegenwart anaepaßt. k»inen breiten Raum 'n den Verhandlungen nahmen ein die B'- gräbniskass? „Hilfe am Grabe" und die Un'erstützungs'aste „Hilke in Not", nrlcf) letztere allen bedrängten Staudes- g-nossen und ihren Angehörigen im Falle der Not zur Seite stehen will. Besonders eingeh-nd wurde di- Zahlung eines Sterbegeldes an alle Mit rlieder des Be ein- erörtert. Man ein'gle sich schließlich dc'in, au'erpem noch für die Frauen und W tw'n der Mstg'ie'-er die Möglichkeit des B'zi'ges v-n Sterb-geld zu schassen. Eine bi? zum 1. Juli durchzusührend: Urabst'mmnng f t! das endgültige Schicksal dieses Pst.nes einer großzügigen Für- sorg-einr chtung b-siegeln. Ebenso gründlich snrach man sich auch über die schwebenden schulvolitischen Fragen aus. Auch der Besuch des Ministers Boelitz in Cassel wurde gt ft reift. Auch war man ml ihm nicht einverstanden in der Besetzung der Kreisschulrotsstelle Frankenberg, die unter Ueberg-buug der Vorschlagsliste der Casseler Regierung mit einem volkspart-i icheu M-ittelschullehrer aus Frankfurt besetzt wurde. Bezüglftb der Lebrerb ldung wurde em? Entschl-eßung angenommen, die das preußisch' Unterrichtsministerium zu schnellerem Handeln aufrorber. und das Studium an der Un v nsitä! fordert, wie es nie’: rere deutsche Staaten bereits in Aussicht genomm'n haben. In einer anderen Entschbeß'ing wu de die Not- wend'gkeit betont, die Mt-giale Schulverwaltung baldigst g-setzlich festzulegen. Besondere Bedeutung hatte bann noch die Aussprache über den Kampf um das Reichsschul- g setz. Man brachte in einer einmütigen Kundgebung zum Ausdruck, daß die im Hessftch'n Voldullehrerverein
Sie oder Ihre Frau ihn wieder loszuwerden wünschen, brauchen Sie nur Laut davon zu geben, daß er sich bei Ihnen aufhält. Vorläufig teilt er die Neigung des Veilchens, im Verborgenen zu blühen. Sobald er hört, daß er entdeckt ist, würde er wahrscheinlich seine beiden Autos wieder ankurbeln. Gönnen Sie ihm ein paar Tage Ruhe — mir wird meine Ausgabe wesentlich erleichtert, wenn ich ihn in der Nähe weiß."
„Ihre Aufgabe, Denninghaus?" fragte de: Oberförster. „Was ist Ihre Aufgabe?"
„Ich haLe von der neuen Regierung den Auftrag. den Herzog zu bewegen, für sich und seine Nachkommen dem Thron zu entsagen."
„Sie, Denninghaus?" fragte Maibaum bestürzt. „Sie, sein Freund, haben diese Aufgabe übernommen!?"
„Morgen oder übermorgen komme ich auf einem kleinen Umweg ohnehin nach Friedrichsborn und stelle mich ihm als Abgesandter der Umstürzler vor. Es kann nichts schaden, wenn er vorbereitet ist. Machen Sie nicht ein so furchtbar erstauntes Gesicht, Maibaum. Sie sehen in mir die Verwirklichung eines der Ideale der Volksherrschaft: Freie Bahn dem Tüchtigen. Der neue Präsident ist ein kluger Mann. Er hat in mir die geeignetste Persönlichkeit erkannt, um den Herzog den Wünschen des souveränen Volkes geneigt zu machen. Ohne sich an meiner durch langen Hofdienst bemakelten Vergangenheit zu stoßen, griff er mich aus der namenlosen Menge heraus. Mein Gegenstück ist wahrscheinlich der Schloßgardist Hackert. Ich vermute, er hat sich Ihnen als Schloßhauptmann oder etwas Aehnliches vorgestellt, wenn Sie ihn heute vormittag noch im Schloß angetroffen haben."
„Ganz recht", unterbrach ihn der Oberförster. „Er nannte sich Schlcßkommandant, haust im Audienzzimmer und in dem Ihnen so gut bekannten Vorsaal und war gerade damit beschäftigt, das Ear- derobezimmer des Herzogs als sein Schlafzimmer herzurichten. Warum nennen Sie ihn Ihr Eegen- ftück?"-
I organisierte hessische Lehrerschaft nach wie vor die Gemeinschaftsschule «ls die Regelschnle im Sinne der Reichsverfassung ansteht. Bezüglich der Kirchkchul'ehrer- 'rog-n wurde beschlossen, mit aller Energ'e an die Beselft- gung der nicht mehr zeitgemäßen „Singeleichen" zu gchen. D'e Junglehrerfragen wurden mit gewohnter Gewissenhaftigkeit behandelt. E^—f" W-’t die Angelegenheiten h-r Lehrer an den Fortbildungsschulen vollauf zu ihrem Recht. Cass. Tageblatt.
):( Cassel, 11. April. De Gsarntarbeitsrnarktlag- erfuhr eine weitere Verschlechterung, hervorgerufen durch den Mangel an Aufträgen und Rohstoffen und nicht zum geringen Teil durch die Besetzung des Ruhrgebietes. Besonders das Metallgewerbe hat unt-r dem Rohstoffmangel sehr zu leid-n, sodaß h er weitere Entlassungen und Ar- beftszeftverkürzungen eintreten mußten In der kau'm. männlichen ?(ht-'(itng gingen die Vermittlungen zurück Für häuslich? D'enste besteht immer noch Mangel an tüchstg-n geschult-n Arbeitskräften Es standen am Schlüsse des Berichtsmonats im Genusfe der Erwerbs- los?nunt?rstützung: 970 erwachsene männliche. 294 jugendliche männliche, 61 erwachsene weibliche und 21 jugendliche weiblich- Ve-sanen, zus-rnmen 1346 Personen.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 15 April.
Pfarrkirche. 10 Uhr: Pfarrer Heermann. 117« Uhr: Kiud-rgottesdienst. 2 Uhr: Pfarrer Juugck.
Elisabethkirche. 10 Uhr: Tfarrr Wallemalh. 111/* Jug-ndgottesdienst. 2 Uhr: Pfarrer Metz.
In beiden K'rchrn Kollekte für die Gemeinden Volk- mars-n und Kirchbracht.
Im El'sah't^'haus und Julienstift von 4—7 Uhr Jungftauenv-rein.
Ref. Stadt- u. Univers.-Kirche. 87? Uhr: Pfarrer E's'nberg. 10 Uhr lpünktl'chl: Pfarrer Lic Plann-t il1/, Uhr: Kinoergoitesd.enst, Pfarrer Lic Plannet.
Diakonissen-Mutterbaus Hebron. Webrda. Sonntag, vorm. 9 Uhr: Gott'sdienst, M ssionar Eckart.
Katholische Kirche. 7z8 Uhr: H-ft. Meise mit Frühlehre und g-me'nf m Kemmun on de- Schifter 7?10 Uhr: Amt und Pred gt. 11 Uhr: Si lle M sse und Pr-tz gt 2 Uhr: Christenlehre. '/»3 Uhr: Andacht mit Segen.
Stadtmission. Ratergraben .5. Sonntag, mar* a ns 8'/° Uhr: Frühstunde. 11 Uhr: Sonntagsschnle: Konfirmandenaßsch chsf ier. Nachm 3'/, Ubr: Kon- sirmank^nnen-B gmßungsfeier. Abends 8' 't Uhr: Versammlung. Montag, abends 87» Uhr: Chorstuude. Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Jnnpftauenstunde. Freitag, abends 8'/2 Uhr: Bibelstunde.
Landeskirchl. Gemeinschaft Marburg-Süd, Schwanallee 51 Sonnt-g. vorm. 8 Uhr: Morgeu- andacht. 10V2 Uhr: Sonntag'schnle Nachm. 41A> Uhr: Jungftar'.enverein lWill^lmstraße 8). Abends 8 Uhr7 Evargestsafton. Montag, nachm 47» Uhr: Frauenstunde. Ab-nds 87- Uhr: Chorstande. Dienstag, abends 87z Uhr: Jugendbund für junge Mädchen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Jnngmänner-Bibelstunde. Freitag, abends 87- Uhr: Bibelstunde.
Neuapostolische Gemeinde, Heusingerstrahe 5. Gottesdienste: Sonntag, vorm. 10 Uhr: abends 8 Uhr. Mittwoch, abends 8V» Uhr.
Sei bst. evang. lut6. Gemeinde, Nikolaistraße 1. Mittwoch, 18. April, abends 8 Uhr: Bibelstunde.
Thrill cher Verein junger Männer, Reter- grab'n b. Sonntag, abends ’/-9 Uhr1 Bib lstunde. D enstag, abends 8 Uhr: Gesangs- und Posaunen- ftunbe. Donnerstag, abends '/»9 Ubr: Bibelstunde. Samstag, abends 7-9 Uhr: Geb tstunde.
Methodistengemeinde, Wörthstraße 15a. Sonntag, vorm. 7-10 Uhr: Prcd'gt, Jett r. 11 Uhr: Svnn- tagsschule. Abends 7.9 Uhr: Pr digt, Zetter. Mittwoch, abends 7-9 Uhr: Bibelstunde.
Kirchl. Verein junger Männer Wartburg, Philippshaus. Dienstag, abends 7<9 Uhr: Bibelstunde.
„Weil er stwrch Protektion zu dieser Stellung aufgerückt ist", erwiderte Denninghaus. „Er ist ein Vetter des Präsiddenten. Womit nicht etwa gesagt sein soll, daß er sich der Stellung als Schloßhauptmann nicht gewachsen zeigen wird. Ich bin überzeugt, er wird den alten Kasten frei von Ungeziefer halten. Aber das alles nur nebenbei. Aber ich erlebe es nicht ganz ohne ein Gefühl der Genugtuung, daß meine Tüchtigkeit die Aufmerksamkeit der regierenden Kreise auf mich lenkt, nachdem ich alles, was ich bisher geworden bin, nur der Protektion verdanke."
Der Oberförster Maibaum verstand die Ironie nicht, mit der Denninghaus sprach.
„Und was gedenken Sie durch Ihre Tüchtigkeit unter dem neuen System zu erreichen?" fragte er steif und ehrlich.
Denninghaus schmunzelte.
„Schloß Friedrichsborn ist Privateigentum des Herzogs — der Forstbezirk Friedrichsborn ist Staatseigentum. Der Oberförster Maibaum sitzt zwischen zwei Stühlen. Er ist Staatsbeamter und hat seine Wohnung in dem Privateigentum des Herzogs. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Ich hoffe durch meine Tütchigkeit den Konflikt zu lösen. Auf die einfachste Weise. Indem ich dem Herzog sein Prioateigentum erhalte, den Forstbezirk Fried- richsborn. ohne den das Schloß Friedrichsborn wertlos ist, aus dem Eigentum des Staates in den Besitz des Herzogs überführe und den Oberförster Maibaum bewege, aus dem Staatsdienst auszutreten und in den Privatdienst des Herzogs einzutreten. Sollte mir das gelingen, so glaube ich Aussicht zu haben, bis an mein Lebensende als Zagdgast in Friedrichsborn willkommen zu fein. Damit wäre meinem Ehrgeiz voll genügt. Mir selbst eine Hoch^ wildjagd von fünf- oder sechstausend Morgen zuzulegen, erlauben mein Verhältnisse nicht. Ich muh anderer Leute Hirsche schießen. — Legen Sie großen Wert darauf, im Staatsdienst zu bleiben? Dann tue ich Ihnen gern den Gefallen, meinen Einfluß bei der neuen Sinterung dahin z» verwenden, daß
Cbristl. Verein junger Maschen, Julienstift. Sonntag: Jahresfest, morgens 9 Uhr Gebetstunde int Julienstift. 97» Uhr: Gemeinsamer Kirchgang. 10 Uhr: Festgattesdienst in bet re form. Kirche. Nachm. 37, Ubr: Nachfeier im Philippshaus. Dienstag, 8 Uhr: Bereinsstunde. Donnerstag, 8 Uhr: Chorstunde.
Aerztlicher Sonntagsdienst.
(Nur für Notfälle von mittags 12 Uhr bis Montag stütz 7 Uhr.)
Am 15. April: Prof. Dr. Justi, Mlhelmstraße 28;
Dr. Wolff, Bahnlrofstraße 15.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst.
Am 15. April: Zahnarzt Henkel, Wettergasse 9.
Sprechstund- von 10—11 Uhr.
Sonntagsdienst u. Wochennachtdienst der Apotheken.
Vom 14. bis 20 Arn l- Abt-r-Auotheke.
Handels- und Marktnachrichten.
Frankfurter Börse vom 13. April. Bei kleinem Geschäft zogm Devisrn etwas an. Der Dollar wurde zu 21 200 gehandelt. Die Tendenz der Effektenbörse unterschied sich gegenüber derjenigen von gestern nur wrn'g. Auch heute war die Stimmung ungleichmäßig und anregungslos. Nur Vereinzelt gestaltete sich das Geschäft lebhafter, namentlich mf d n n-n der Sve'u'a' vn "vorzugten Marktgebieten. Im großen und ganzen war die Grundstimmirng toito'tum trotz einer sich bemerkbar nach enden Zurückhaltung. Während gestern der Bankenmarkt die Führung hatte, wandte sich heute Vas Interesse in verstärktem Maße dem Montanmarkt ?u, der recht fest eröffnete. Lebhafte Nachtrags >var auch weiter für oberschlesische Werte zu beobachten, die ansehnlich höher g ngm. Chemische Bapiere waren d"rch- rg erholt. Am Elektromarkt standen wiederum A. E G. 'n lebhafter Kaufbewegung, auch die andern Werte dieses "ebietes lagen fest. Banken waren vernachlässigt und gaben znmeist etwas nach. Im weiteren V-rlauie trat 'n- wesmtftche Nende'rung nicht ein: »rst an der Nachbörse entstand eine lebhafte Kaufbewegung in Bankaktien, die hauffwrftg im Kurse höher gingen Schiff-
Verlegung der Kölner Messe. Köln, 12. April. Ter Aufsichtsrat des MesteamtS Köln har beschlossen, die für den 6. bis 12. 5. d. Js. angesetzle erste Kölner Messe auf den Herbst zu ve-ragen. Dte Messe wtrd in der Woche vom 9. bis zum 15. September stottfinden. Bestimmend für die Entsckwidnng war°n tte durch die vo'itischen Verbäl<nisse tm besetzten Gebte'e hervorgernsenen Verkebrshemmnlffe und die Schwierigkeiten im Warenverkehr zwischen dem besetzten und dem übrigen Deutschland.
$0 Wch zm MWel'MHM.
Hinaus aus Stube und aus Kammer, Hinaus in Gottes Frühlingsflur, Ter Jugettd sei durch unfern Joivmer Vergiftet nicht nicht die Frobnamrl —
Verkünden soll » die nächsten Tage, Wie unftres Schaffens Art und Ziel, Zum Ansporn, daß ein jeder trage Sein Teil dazu, für Sport und Spiel. — Wir Radier sind's die frisch beginnen, Das Stahlroß schwirrt in flottem Schwung, Schlägt schnell Vie Sorgen uns von hinnen, Macht Jugend stark und Alter jung.
Die Heinaatliebe pflanzt im Wandern Der junge Radler in sich ein, Rennfahrer nennt tm Kampf mit andern Ausdauer, Kraft und Klugheit sein.
Mit Schönheitssinn Paart sich der Glieder Gewandtheit, roll'n im Reigen wir. Und Geistesgegenwart wird wieder Des Radballspielers höchste Zier. —
So einigen sich Kraft und Tugend, Und Herz und Seele bleibt gesund, In Zucht und Sitte wächst die Jugend Heran im Deutschen Radlerbund.
Sie versetzt werden — vielleicht als Landforstmeister hierher in die Residenz!"
„Um Eotteswillen!" fuhr Akaibaum auf. „Alach en Sie mich nicht unglücklich, Denninghaus! Dann klebe ich den ganzen Tag am Schreibtisch! Schießen Sie, so viel Sie wollen, aber lassen Sie mich in Friedrichsborn. Wenn nur der Herzog für Ihre Pläne zu haben sein wird. Das Friedrichsborner Revier ist ein paar Millionen wert. Die zu opfern, wird er sich schwer entschließen."
„Ich würde ihm auch dringend abraten", sagte Denninghaus. „Der Herzog verfügt über einige Bermögensobjekte, die ihm weniger wert sind als der Friedrichsborner Bezirk, und die der neuen Regierung sicher wertvoller erscheinen müllen als ein paar tausend Morgen Forst. Ich denke zum Beispiel an die Hoflogen im Hoftheater. Sie sind Eigentum des Herzogs — verbrieftes und in^ Grundbuch eingetragenes Privateigentum. Nicht, weil er der Herzog ist, sondern weil er zum Neubau des Hoftheater» aus seinem Privatvermögen ein sehr erheblicher Kapital zinslos hergegeben hat. Die Dekorationen und Kostüme für sämtliche Wagneropern und eine ganze Menge anderer Stücke hat der Herzog auf eine Kosten Herstellen lasten — da fällt mir ein, ich werde gleich morgen zum neuen Justizminister, dem bisherigen Rechtsanwalt Naumann gehen und im Namen des Herzogs gegen ihre Benutzung Protest einlegen, solange die Permögensauseinandersetzung zwischen dem Staat und dem Herzog nicht zu Ende geführt ist. Ich bin übrigens überzeugt, der gestrige Skatabend bei Ihnen hat den Herzog mehr befrie- digt als die letzte „Tannhäuser"-Vorstellung." ;
Maibaum lachte.
sFortf-^ung fnTgt.l ■
Niemals vergessen Hausfrau, daß es
Färben von Kleidern, Biuien, Gardinen «sw. nichts beste«» gibt, als die weltberühmten „Seitwe«*'» Anebew", M-rit JtuMMi h> Stern". «W M