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Zweites Blatt

Nr. 76

Sonnabend, 31. März

1923

3m Sebenten Sisraorls.

Zum L April.

Blickt Bismarck heut' zu uns in deutsche Gauen, »Herab aus WalhallS ltchtdurckiglühtem Saal Der Mann von Eisen, wetterfest wie Dahl, Zu prüfen seSst, sein eigen Werk »u schauen: Steht noch das Reich so stark, so kampfbereit. So treu, fo mächtig wie zu Bismarcks Zeil?"

Lief erschütternd ist eS für jeden deutschen Mann und sür jede deutsche Frau, heute, am Ge- durtstage dieses Hünen und Recken teutonischer Kraft, dingesteben zu müssen: .BiSmarckS Werk ist gestürzt, belchümt stehen wir inmitten der Trümmer und wissen nicht, wie und wo wir die Hände anlegen sollen, um -um Wiederaufbau zu greifen. Wir müssen uns als nnwert des Meisters bekennen." Hiermit verschling« pck) von selbst die Frage: »Wen trifft die Schuld, Bismarck »der die, welche' sein Erbe hätten weiter- führen sollen und es nicht vermocht haben?" Die Am- -vort mutz bei wah-haster Selbstprüfung lauten, dass, wie uns dir Geschichte überzeugend beweist, Teutfck fand »der ein Teil Deutschlands machtvoll und herrschend jedesmal waren, wenn ein grober Führer dem deutschen Volk beschteden gewesen ist. Sellen, viel seltener als andere Völker, hat uns das Weltgeschick mit solchem Himmelsgeschenk begabt. B«sinarck war der letzte, vielleicht einer der größten, der uns je gegeben war. Er baute auf dem Ver- trauen, dass endlich das deutsche Volk seine Rassen- Veranlagung ablegen und stch nach fast zweitausend- jähriger Sonderschtchtung t» Stämme, Klassen, Strö­mungen zur unzertrennliche« Einheit zu- fammenfinden werde, wie ste anderen großen Völkern längst beschteden worden ist. Schon alö junger Politiker prägte Bismarck die ttefgründlgen Worte: .Endlich einmal mutz das deutsche Volk auf- VSren, immer und ausschließlich nur das Volk der Lenker und Dichter sein zu wollen. DaS war e«n- mal berechtigt. Cs mutz jetzt politisch erstarke», es mutz zum Volk der Bekenner und Sämpser werden. Dann steht ihm, feiner Kultur, seinem GetsteSweien die Welt offen."

In der Tat: unser dem Deutschtum seit Urzeiten rtgentüntticher Soudergetst, der unS auf den Gebieten der Wissenschaft und Kultur s» reich und so viel««, statttg gewacht bat. wurde unser Polltisches, staat­liches, volkswirtschaftliches Unglück. erwuchs der deutsche Partikulartsmus uiü», nachdem der Zerfall in innerstaatliche Zerspaltting überwunden war, seit 1871 der klaksenpolitische Partetzkampf, der «ns die natwnale Gemeinschaft und die auf große vaterländische Etnbeitsziel gerichtete Führerschaft ge­nommen hat. Richt befähigt, ein auS dem eigenen Boden entspringendes, streng geschloffenes nattonales Semeinichaftswesen zu Schäften, versank die Geistes- Wett Wetter deutscher Volksschichten in die Irrlehre des interuationalen Marxismus, Pen die Lcstvölker — England, Frankreich, Amerika — als Horm und Machwerk .durchschauten und ablehnien während er bei breiten Kreisen Deutschlands der Jn- degriff der Auffassung vom Staate geworden ist.

Unser schicksalschweres Verhängnis ist eS gewesen, daß gerade zu der Zett, als der Kampf deS tnter- »ationalen Gedankens mit dem Bekenntnis zum nationalen Leben in Deuffchland ernsthaft wurde, Bismarck die Zügel au« der Hand gebe« mutzte. Altes und Neues, Gewordenes und Werdendes Metzen Zu heftig aufeinander, al« datz ein fttedlicber Aus- Weich noch erfolgen konnte. Die ftwrrige Eiche könnt, ftn Sturm wohl brechen, stch zu biegen und zu beu- tzm «wer vermochte ste nicht. So ttennten stch Kaiser und Kanzler zur Zeit der Schicksalswende des deut­schen Volkes. Bismarck jedoch ftatb keinen Nach­folger, der die bitten Geffter der Tief« niederzubatten verstand. Er war eine Kampf-, eine Lvwemratur, die -u kämpfen nicht aufbörte, auch nachdem ste vom ernte zurückgetreten war. Der Kampf aber bring, berechtigte Gegnerschaft und ungerechte Verkennung, tzhrliche Feindschaft und blinden Hatz.

Nachdem sich der Staub des Kampfes verzogen bat, fruchtet unS die Erinnerung an BiSmarcks gewaltige Laten, an seine überragende Persönlichkeit, an sein, Srötze und Wucht in die Seele — n»S. dem »einen Geschlechte dieser Zeit des Tiefstandes. Aber totr wären eines Bismarcks unwürdig, wollte« wir an der Zukunft verzweifeln. Gerade die Zuvor, sicht ist es, waS er seinem Volke vor allem gelehrr hat. Wir machen gegenwärttg eine Sag« durch, die entweder nach harter Prüfung zur Selb st läute- rnng oder, falls das deutsche Volk zerfallen und un-

(Nachdruck verboten.)

Der Herzog imb sein Flügel- Adjutant.

Roman von Paul v. Szezepanski.

16. Fortsetzung.

' „Auch ins Palais lassen wir keinen", rief einer von den dreiundzwanzig, von Beruf ein Ealtler- geselle namens Lutz. „Wer rein will, mutz uns erst totschlagen, Herr Major."

Denninghaus blieb keine Zeit mehr, die erregten .Gemutet zu beschwichtige».

| - Von links erschallte die Stimme de» neu­ernannten Kriegsministers des ehemaligen Herzog­tums.

i ' „Bruder? Genossen! Schiesst nicht! — Kein ^Tropfen Blut besudele den Tag der Freiheit! — Wir kommen nur, um den ehemaligen Herzog davon zu benachrichtigen, datz die Regierung in di« Hände bes souveränen Volkes übergegangen ist und seine Abdankung zu fordern!"

Denninghaus trat ihm entgegen und lüftete leicht den Hut.

„Es find die Verwundeten aus dem Lazarett der Frau Herzogin", sagte er, auf die Feldgrauen .deutend, die fich vor dem Gartentor zusammen­geschart hatten. „Schietzen können fie nicht, denn sie haben keine Waffen. Aber sie wollen sich totschla­gen lasten, und nur über ihre Leiche geht der Weg ins Palais. Ich bin ganz Ihrer Ansicht, — kein Tropfen Blut besudele diesen Tag. Mit wem habe dh die Ehre?"

„Denninghaus!" schrie es aus dem dem Kriegs- Minister folgenden Haufen. „Denninghaus, lauter! Wir wollen auch hören, was Sie sagen."

Denninghaus sah zu dem Schreier hinüber, — das ihm bekannte Gesicht eines Mannes, der ihn

etnS bleib«, zur nationalen Auflösung führt. Wollen wir wirklich den letzteren Weg geben? Es regt stch jetzt etwas Machtvolles von nationalem Seibstbewutzffein, von Bolkswürde, von Widerstands­wille, von Einheitsfront. Sollen diese Geistesfunken zur Flamme emporfchlagen, so müssen wir auf die inadnrnde Gestalt BiSmarckS blicken und seine Taten vor unter geistiges Auge treten lassen. Er lehrt unS, datz Einheit und Kraft Rettung be­deuten. Das sei unsere Stärfting, unsere Zuversicht, unser Gelöbnis am Geburtstage BiSmarcks. Fort mit allen Echlacken des elenden ParteihaderS, mit den Irrtümern des JltternationaiismuS — dafür ge­schloffenes Bekenntnis zu deutscher Einheit, zu deut- lchem Empfinden, zu deutschem Willen!

Am Ostersonntag, 3 Nhr nachmittags, findet, wie die Anzeige in der DonnerS tagaus gäbe der ^Oberbesssschen Zeitung" bereits mitgeteilt bat, dro­ben am Bismarckturm eine dem Ernst der Zelt angepatzte schlichte Gedenkfeier zu ehren Bismarcks statt, die mit Parteiwesen und Partei zank nichts ge­mein hat. Sie gilt dem Andenken Bismarcks und dem Ausdruck vaterländischen Einheiisssunes in die­ser Zeit deutscher Rot. Damm findet Euch allesamt ein, beirtfcte Männer und deutsche Frauen, zu wür­digem Begehen. F. 3-

WM btt ü!lt UM MM...

Osterbetrachtung von Pfarrer Dr. Luther, M.d.R.

Leise und schüchtern kommt der Frühling, als scheue er fich, eine Herrlichkeit auszuschütten über deutsches Land und mit seinem goldenen Glanz zu­zudecken aller Erdcnmühe schwere Not. Aber mit der unverbrüchlichen Sicherheit, die der Ewige in ffine Welt gelegt, kommt er doch: Anemonen heben durch dürres Laub ihr zartes Köpfchen, Leberblüm­chen und Aurikelchen leuchten empor, fröhlich schmet­tert die Goldammer ihr Lied und über meinem Kopf jubelt die Lerche wie einst. Und wie einst wirbt all die holde Frühlingsschönheit nm meine Seele. Wer will mich hindern, «einer Seele Pfor­ten ihr weit aufzutun und dankbar froh in ihrem Glanz zu stehen? Wenn in mir die große Sehn­sucht ist nach unseres Volkes Wiedergeburt, ich weiß doch, ihr Vorläufer ist die stille tiefe Freude an der 'chlichten Schönheit jedes Sonnentags, an all dem heimlichen Glücks, das er mit ewiger Güte um uns webt. Im Dunst der Gasten, im Staub der Groß­stadt, im Nervenkitzel der Moderne ging uns ja ver­loren der Sinn für das Tiefe und Stille, für den Zauber der kleinen Welt, die doch mit steter, hei­liger Kraft ausriistet alle, die aus ihr hinaus­schreiten in die Weite. So ist ernsteste Erzieher- arbeit, unser Volk wieder mit Sinnen und Seele wurzeln zu lassen in der Scholle, ihm Freude zu geben an Waldesrauschen und Wiesengrün — da­rum grüße ich Ostern immer mit Hellem Zuruf, weil's unmerklich, als heimlicher Miterzieher, den Menschen die Binde von den Augen nimmt und sie mit dem Zauberbann der ewigen Zier umspinnt.

Und dann ist es mir, als verstünde ich bester die Osterbotschast: auferstehen zu einem neuen Leben! Wer in verworrenem Spiel des Tages steht, ein Spielball eigener Launen und fremder Torheit, der ahnt ja nichts von den harten Ansprüchen an sine Kraft und sein Tun, der folgt blindlings den Masteninstinkten, als brächten sie ihm Seligkeit. Wer aber zur "Schlichtheit zurückkehrt und zur Ls- benstiefe, der schleudert all das Häßliche und Kleinliche von sich, der will seinem Volke ein Hel­fer sein in düsterer Rot. Nur wo schärfste persön­liche Ansprüche gestellt werden, winkt neue Zukunft. Unzählige wissen s noch immer nicht, welche inneren Güter unserem Volke verloren gegangen sind, «eil wir nicht mehr atmen in der scharfen Lust altpteu- tzischer Disziplin, die vom Einzelnen straffste Selbst­zucht und höchstes Derantwortlichkeitsgefühl ver- immer freundlich begrützt hatte, wenn er ihm auf der Stratze begegnet war. Denninghaus nickte ihm zu.

„Ich bin der Kriegsminifter", unterbrach der Neuernannte das Zwischenspiel und warf fich in die Brust. ,Mer find Sie?"

„Major Fritz Freiherr von Denninghaus, Flügeladjutant Seiner Hoheit des Herzogs."

„So führen Sie mich zu ihm", herrschte der Kriegsminister.

„Gern", sagte Denninghaus. „Soweit es mir möglich ist. Ich garantiere Eurer Exzellenz, datz riemand im Palais sich widersetzen wird. Aber ich chlage auch vor, datz nicht mehr Leute, als für diese Staatsaktion notwendig find, den Garten Seiner Höhest und das Palais betreten. Sagen wir cchs Mann oder auch zwölf, wenn Eure Exzellenz Ihre persönliche Sicherheit ohne ein volles Dutzend Begleiter gefährdet glauben. Das Türchen zum Palaisgarten laste ich offen — aber drejundzwanzig Schwerverwundete find bereit, ihr Leben zu opfern, wenn der vierzehnte versucht, in den Garten einzu- d'.ingen. Jeder Tropfen Blut, der vergosten wird, auf das Haupt Eurer Exzellenz."

„Wird gemacht, Denninghaus", schrie wieder die Stimme aus dem Haufen, die Denninghaus schon vorher sympathisch berührt hatte.

Denninghaus nickte lachend zu ihm hinüber.

Der Kriegsminister hielt ein plötzliches Um- chlagcn der Volksstimmung nicht für ausgeschlossen. Er kannte solche jähen Wechsel aus Versamm­lungen.

„Sechs Mann genügen", sagte er gravitätisch und roinfte sich die sechs heran „Wenn einem von uns da drin ein Haar gekrümmt wird, steh ich für nichts. — Führen Sie uns in das Palais, Herr Denninghaus."

„Bitte, meine Herren!" sagte Denninghaus und führte die sieben nm das Anfahrtsrondell in das

langten. Wir entleerten unser Leben von jeglicher sittlichen Forderung, eine schamlose Oberflächen­kultur vergeudet den letzten Rest alten Ernstes und alter Treue.

Und doch ist's ein unerbittliches Gesetz: aus der völkischen Not gibt - einen Weg zur Höhe nut durch reine und starke Menschen, die alles Schranzentum. auch das moderner Prägung, verachten, die rück­sichtslos hasten all die üblen Gesellen, bte als efle Eenietzer ihrem Volke gegenüber aller Liebe bar finb, ob sie fich tauenbmal als Volkstribunen unb Edelmenschen aufspielen.

Ob die Frühlingssonne über Tal und Hüge' spielt, unser Weg bleibt schwer und unser Leben hart, kein Zauberwort wird unsere Ketten jäh zer­brechen. Wer weiß, welch düstere Tage unserem Volke noch beschieden find, wie viel Karfreitags- dunkel uns noch überschattet. Aber über dem allen spielt leises, stilles Osterlicht: auferstandene Men­schen, die von sich schleuderten die Fesseln des Egois­mus, die jeden Nerv gespannt zu lautrer Tat, die ihr Leben in die Glut heiliger Liebe zu Volk und Vaterland getaucht — die werden neuen Lenz dem deutschen Volke zaubern.

Ostern kommt, indesten deutsches Land erzsttert unter der Schmach, die ihm gemeinde Feinde an tun, aber da, wo an Ruhr und Rhein ste am schlimmsten wüten, da erstehen neue Menschen — deutsche Män­ner und Frauen, die sich besinnen auf das, was aus den Tiefen eigener Kraft stammt und was zuletzt doch alle Hindernisse überrennt.

Daß wir alle in heißer Treue zu unserem Volke im Lichte der Ostern uns mühen möchten, auferstan­dene Menschen zu sein, frei von uns selbst und frei zum Dienst an unserem Volke.

SMWRf! WsÄMMt.

Don unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

D-r Versuch Pomcares, die innere Goldanleih- Deuticütands mit Hilfe der Rcparationskommission zu sabotieren, hl mißlungen. Nicht einmal die Unterstützung Belgiens bat Frankreich gefunden. Der Beschluß, daß Deutschland die Zustimmung der Rcparatwnskoiumisswn batte einholen müssen, hat nur theoretische Bedeutung, denn Frankreich wird dir Meinungsverschiedenheit ebenso- taxmg rin.-m internationalen Schiedsgericht Vorigen, wie dir Meimirgsverschiedenheiten, über die Ruhrbcfttz- urrg. Poincare weiß genau, daß er nur bort stark ist, wo er zur ssirwalt greisen kann, aber schwach, wo er mit Beweisgründen streiten muß. Wenn bte Meldungen über die b sherig-n Zeichnungsergebnisse die Erwartungen nicht voll beliebigm, so ist zu bedenken, daß die Zeichnung in eine Zeit einer reckt kritischen Wirtschastsgestaltung siet, die durch die «fgemeine Geld- und Kreditknappheil noch verschärft würbe.

Inzwischen ist der Grldmartt wesentlich flüssiger geworden. An den Effektenbörsen hat infolge der besse­ren GeLlag? «ine hoffnungsvollere Stimmung, ja der Beginn einer neuen Aufwärts bewegung sich bemerkbar gentacht. Die Zahlungsschwierigkeiten, die durch die Folgewirkungen der Markstützung im Großhandel ent­standen waren, scheinen überwunden zu sein. Zu dem Slimmungsumschwuug scheint der nach langem Zögern gefaßte Entschluß der Reichsreg-'erung in eine Herabsetzung der Kohlensteuer von 40 auf 30 Prozent einzuwilligen, talls hierdurch eine Ermäßigung der Kohlenpreise herbei- gesübrt wird, nicht wenig beigetragen zu haben. Die KoblenpreiSermäß gung, die am 1. Avril in Kraft tritt, betrifft zwar nicht die Produftio« der Ruhrzecken im besetzten Gebiet, beträgt aber für die Erzeugnisst der übrigen Kobtengebietr 3,5 bis 9 Prozent der Nettopreise. Sie wird zusammen mit bet Verminderung des Kohleu- struersatzes zu einer Ermäßigung der Gesamtkohlen­preise um etwa 16 Prozent führen. De Verbilligung wird am stärksten bei den Braunkohlen fein, bereu bisher schon erheblich barunter zu leiden hatte, daß

Palais. Die breite Marmortreppe hinauf in den ersten Stock. Dem Haushofmeister, der seinen Kopf aus einer Tür steckte, winkte er, zurückzutreten und die Tür zu schließen. Denninghaus öffnete die Tür zum Arbeitszimmer des Herzogs, trat zur Seite unb lub die sieben mit einer Handbewegung zum Ein­treten ein.

„Wenn ich die Herren bitten darf, Platz zu neh­men —, vielleicht wird Seine Hoheit bald er­scheinen."

„Was heißt das: vielleicht!? — Was heißt das: bald!?" herrschte ihn bet Kriegsminister an. „Er- uche» Sie. den Herzog, sofort hierherzukommen."

„Das ist mir leider unmöglich. — Seine Hoheit, bet Herzog, Ihre Hoheit, die Frau Herzogin, Seine Hoheit, der Erbprinz und Ihre Hoheit, die Prin­zessin Alix find vor zwei Stunden ausgefahren — im Auto — und noch nicht zurückgekehrt. Ich hoffe, ie kommen bald zurück!"

Der Kriegsminister sprang auf.

" »Das ist eine Finte, Herr Denninghaus!" „Befragen Eure Exzellenz die Dienerschaft", er­widerte Denninghaus achselzuckend.

„Dann ist bet Herzog geflohen!" schrie bet Kriegsminister.

,Melleicht abgereift!* sagte Denninghaus. „Wohin?" schrie bet Ktiegsministct.

_ -Wenn er gut fährt, kann er morgen früh in bet ^weiz sein", sagte Denninghaus.

„Aah!" sagte der Ktiegsministet. „Cie haben uns an der Nase geführt! Sie haben dem Herzog zur Flucht verhalfen! Eie haben Schindluder mit uns getrieben! Im Namen der Republik — ich er­kläre Sie für verhaftet, Herr Denninghaus!"

Denninghaus verneigte fich leicht.

„Von Denninghaus, Eure Exzellenz. Fritz, Freiherr von Denninghaus. Der Gewalt fügt fich jebet Verständige. Und Eure Exzellenz haben augenblicklich die Macht, jedes Unrecht zu begehen."

fie fich i« manchen Gegenden im Verbrauch teurer stellt, als b* englische oder tschechoslowakische Einfuhrkohl«, Die Wirkung der Kohleuverbklliguug wird hoffentlül ein- Seetang de« all,-meine« Pr-isuive« au» sei», die br diesem Falle ja deine Schwierig-« für die Produktion in» Gefolge haben fann, well fte «4 einer Verbilligung der «rs-ugungskofte, fich ixfbaxt, tttaS bei den bisherigen Preissenkungen infolge de» Markstützung im allpemrmen nicht der Fall war.

Die v-rmindenlng der Herstellungskosten unserer I» bnstri- dürst- auch unserer Erportindustrie eine fühie bare Erleichterung bringen. Denn der Rückgang unsere» Ausfuhr hatte in letzter Zeit betritt einen bedenkliche» Umfang angenommen. Ma» darf sich hierüber nicht wundern, denn die Preise der Textilindustrie ». B tiegm gegenwärtig 10 btt 20 Prozent über de« Weltmarktprei- frin. Ob die geringe KohlenpreiSermäßigung genüge» wird, um hier burchgreifende Besserung zu schaffen, nu| abgetoattei werden Es mehren sich jedenfalls die Stim­men au» Kreisen der Industrie unb des Handels, btt außerdem einen Abbau der AuSfuhmbgaben und womög- sich auch der ganten lästigen und schwerfällige» Aus- fuhrkontrolle bedangen. I» der jetzigen Zeit eine» beginnenden Preisabbaues zeigt sich immer mehr, wie ungünstig jeder wirtschaftliche Zwang wirft. Da« gilt selbst für die Wohnungswirtschast, denn wir könne» jetzt beobachten, tote die notwendige unb unvermeidlich» Erhöhung bet solange künstlich niedrig gehaltenen Miv- ten, weil sie in diese Zeit deS Strebens nach Preis­abbau fällt, überaus unangenehm eintoirtt. Btt in die Reihen der Sozialdemokratie hinein dürste auch darüber jetzt Uebereinstimmung herrschen, baß die G-treidezwangS- wirtfchaft im nächsten Erntejahr nicht fortgesetzt werde» darf, will man nicht eine Verminderung der AnbmtfÜch« und damit eine Hungersnot heraufbeschwSren . .

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MlmMe gslett.

Von Ä. Petestra-Rom.

Frühlingsweben geht durch die ntternattomte Diplo­matie Die Trägheit des Winters scheint überwunden, Ju der internationalen Diplomatie ist man jetzt doch immer mehr bei bet Tätigkeit ang-langt, die Mau i» Deutschland „Hausputz" nennt.

Auch für di- diplomatische Welt handrlt es sich bei bet Stellungnahme zu der deutschen Frag - bot ollem datum, ob mitten in Europa ein H-rir für G-sabre» und Unruhen aller Art geschaffen werden soll. Di- rein militärische Einstellung zu diesem Problem wird ebenso verworfen, wie das Bestreben, wirtschaftliche Fragen, von denen die Ruhrangelegenbeit, wft überhaupt btt deutsche Frage eine der vordringlichsten ist, mit Mittel« des Krieges zu lösen zu suchen. Darum steht btt inter­nationale Diplomatie schon seit Beginn des Ruhruntzer- nehmens, nachdem es ihr nicht gelungen war, diese- y| verhüten, in engster Fühlung untereinander, um den ge­eigneten Zeitpunkt zu erhaschen, der wirklich wieder, und zwar für alle künftigen Zeiten, dieses ganze Problem dort-, bin zurückführt, wo es hin gehört, aus daS »itt», chaftliche Geleis. j

Keine alliierte, aber auch keine neutrale Macht ist b-t der gegenwärtigen Situation imstande, die Zügel der inter­nationalen priirischeu Führung in die Hand zu nehme«« Die einzige Macht, die das vermag, ist Amerika. Ti» Vereinigten Staaten gehören weder zu den Alliierten, noch zu btt Neutralen. Sie stehen de» Dinge« tu Europa und namentlich denen in Deutschland ebenso fei«, wie nahe, d h . sie sind nicht unmittelbar an dem Streik: all zwischen Deutschland unb Frankreich interessiert Esj kann ihnen aber auch nicht gleichgültig fein, was atttj Deutschland wird. Die südamerikanischen Staaten bilde«' chließlich denjenigen treibenden Faktor, den die Regierung Amerikas bei ihrer heutigen politisch-« Sturktur «Oki wendigerwetse braucht. |

Die amerikanische Politik sieht die Dinge meisten» boot! Standpnnfte des Geschäftsbuches aus. Aber wer btt amerikanisch: Geschichte kennt, weiß, daß barüber nie btt großen internationalen Probleme unb bte weltpolitische» Zusammenhänge brrgeffen worden finb. Es gab getabo in diese» letzten Wochen einen Punkt bei dem Amerika Gckfahr tief, diese Zusammenhänge zu vergessen. Mir

VI. j

Dem neuernannten Kriegsminister stiegen Be» benkcn auf. ob er fich mit der Verhaftung von Den», ninghaus nicht übereilt habe, noch bevor et mit! seinem Gefangenen bas Neue Palais verlassen! hatte. Als Denninghaus ihn unb feine sechs Be»! gleitet in bas Arbeitszimmer des Herzogs hinein» * geführt hatte, war bas Palais wie ausgestorben gewesen. Rur bet Kopf bits Haushofmeisters Rich­ter hatte fich für eine Sekunbe in einer vorsichtig geöffneten Tür gezeigt unb war auf einen Wink von Denninghaus fofort wieder verschwunden. ?

Als bet Kriegsrninister wieder aus bem Arbeits­zimmer bes Herzogs hinaustrat, gefolgt von Den- ninghaus, den bte sechs Begleiter bes Kriegs» Ministers in ihrer Mitte fühtten, fanb er ben Kor, Tibor belebt von Leuten beiderlei Geschlecht», bl» sehr aufgeregt waren unb durchaus wissen wollten, mit welchem Recht und welches Unrechts wegen der Flügeladjutant bes Herzogs verhaftet worben sei. Erregte Männer unb weinenbe Frauen — bi« Dienerschaft bes Herzogs bis zum letzten Küchen» jungen. Ihre Wortführer bet Haushofmeister Richtet unb bet Portier. Der erstere seine eigen« Würbe wahrenb, aber ben neuernannten Kriegs­minister respektlos duzenb, ba er mit ihm auf bet« selben Schulbank gesessen unb von bem schwinbel« haften Aufstieg, ben fein Schulkamerad in ben letz­ten Stunben genommen, noch keine Ahnung hatte.; Der Pottier grob wie Bohnenstroh. !

IForti^vng folgt.) i

Das Geld hat «och immer

Man muh «» nur rlchtig anwend«». Dao etfennt «cm am besten, w-n» man feine Kleider, Blusen, Gardinen, Strümpfe ui», mit den nultbe-Ühmien ^ettmawn’e Farben", •Kart» „Fachokaps im Sterv* selbst färbt und dann fieht,welch prachft vollen Erfolg «an durch bieje kleine Ausgabe erzielt hat.