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1923

i't«DbetbeiRidie Zeitung ecubetnt ittbemal wöchentlich. kezugspreir monatlich 3000 Akt. mit ZusteUungsgedühr. Für ausraütnüe Slummetn infolge Gtreits ooet elementarer Lreigniiie lern Ersatz. Verlag von Dr. T. Hineroth. Druck der llnio^Buchdriulerer von2»i>. Lu«. Noch, Markt 21,23. Fernsprecher 55, Poft, toetflonto: Nr. 5015 Lmt Frankiurt «. Main.

Marburg Sienstao. Den 27. Mkr

Lenzing

AmUiches Berkündigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberheffei

Der Anzeigenpreis beträgt fit den 9gefp. Zeilenmillimeter 60.00 ÄL (Kleine Anzeige»

gegen bat, 33l/,e/, weniger). Amtliche und ausw. Anzeigen 75 Ml. Set Itbwietigem rn «.t.. Satz 50 *1, Luijchlag. Spat eUlautenbe oder den Raum über lJ, Seite eirmedmende Jg, AuwlBe Anzeigen werden nach der Tertipaltenbreite berechnet. Reklame, der Zeilenmillimeter U IP 240 Ml. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Belege werden berechnet. Sei Au»- tunft durch die 6e|d)äftsiL und Vermittlung bei Angebote 50 Ä, bei Ueberiendung durch uns 50. Ml. ohne Port».

Die ImzKiLr WM unb IrrllÄasd.

Die Berichte der Pariser Blätter über die Lage in Deutschland zeigen eine vollkommene Verwirrung. In einigen Blättern wirb erzählt, daß Deutschland unmittel­bar vor dem Bürgerkrieg stehe. Andere halten dir vom Minister St bering aufgedeckte Verschwörung für nichts weiter als ein Manöver der Reichsekgierung.

DasEcho de Paris" und ein halbes Dutzend fcan- »ösischer Zeitungen der gleichen Richtung sagen, daß der WLerstand im Ruhrgebiet von neuem stärker wäre. DieDaily Mail" veröffentlicht ein Telegramm ihres Korrespondenten, das ganz im Gegenteil von der wachsen­den Friedenssehnfucht der deutschen Arbeiter und von dem Bcrhandlungswillen der Zechenbesitzrr crzähtt.

Die Verschiedenartigkeit der Meldungen ist ein Sym tom ebenso für die Unsicherheit der öffentlichen Meinung wie für die Unklarheit der Regierung über ihre nächsten Aufgaben. ImFigaro" warnt die Bijout seine Lands­leute davor, sich Illusionen über die innere Gefahr zu machen, die nach der Ansicht einiger Franzosen Deutsch­land schwächen sollte. Es sei richtig, daß Die Liu ft zwi- jchM den Rechtsparteien und den Sozialisten sich erweitere Aber Deutschland habe die ganz besondere Fähigkeit, extreme Parteien zu verdauen und m.t Revolutionen fertig zu werden. De große Mehrheit des deutschen Volkes ist den nationalistischen Uebertreibungen abgeneigt

Paris, 26. März.Newyork Herold" s.gl, man stehe vor dem Beginn von Wiederherstellungsverhand- dingen. Der Berliner Konferenz der interalliierten und der deutschen Sozialdemokratie lege man in diesem Zu­sammenhang große Bedeutung bei, und erwarte von ,hr Vorschläge zur Lösung des Wiederherstellungsprobleme, durch die allerdings, wie derNewyork SxraJb" hinzu fügt, das Brüsseler Programm Poinc-ares gcnört würde.

Pertinax schreibt imEcho de Paris", mau könne sich nicht mehr damit begnügen, die Rheinmnde von Deutsch­land abzutrennen, an dem Wirtjcha tsl.ben aber werter teil nehmen zu lassen. Es wäre das W chridste daß man stch der Eisenbahnen im Rheinland b.mächtige

Gestern fand eine Konteren; zw scheu Poincarö, Le _ Trocguer und dem Bergwerksdirektor Guylleaume statt. Dieser reiste gestern nach dem Ruhrgebiet ab und ntiu jetzt die endgültige Leitung der Ingenieur Immission ub-r- nedmen, die sich mit der Ausbeutung der Bergwerke bc- jchailigt

DerMatin" meidet aus Düsseldorf, daß von beule ab twri neue Staatsbergwerke, nämlich die Rheinlandschächt: in der Nähe Gladbecks und die Stein kohlenbergwerke in Buer von den Alliierten herangezogeu werden, um dort Kohlen und Koks auszulösen.

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Rerchsarbkitsminister Brauns zur Ruhrfrage.

Karls re uhe, 26. Ltärz. Am Montag nach- Atittag fand 'm Staatsministerium eine Besprechung ks Reichsarbeiksministers Dr. Brauns mit Ver­tretern der Regierung sowie des Handels, der In­dustrie, des Handwerks und der Gewerkschaften Katt Rerchsarbcitsminister Dr. Brauns erklärte lit einer Ansprache u. a.: Die Retchsregierung rechne baniit, baß der Kampf noch Monate dauern werde Sie sei davon überzeugt, baß man auch im Güten den gleichen Geist der Abwehrbereitschaft vor finden werde wie an der Ruhr. Der Höhepunkt bc3 Kampfes sei noch nicht erreicht, viel weniger überschritten. Wir sind in der Lage, den Kamps finanziell weiter zu führen. Aus dem Gedanken Aaraus: Lieber Arbeit als Arbeitslofenuntcr- stuhung, werde die Regierung der Wohnungsfrage rhre Aufmerksamkeit widmen. Es sollen ferner er- «eblidje Mittel zur Belebung des Bau Marktes zur Verfügung gestellt werden.

Stinnes in Rom.

o in , 27. Marz. Hugo Stinnes ist zu ein­tägigem Aufenthalt in privaten Eefchästsangelegen- hier eingetroffey^^

Eine ZsfamMh«k«nf5 Jasper.

Paris, 26. März. Havas berichtet aus Rom: Mustolini fr nach Mailand abgrreist. Zu gleicher Zeit wird aus Brüssel berichtet, daß auch der bel­gische Ar stknminister Jasper heute abend nach Mai- « b-a(ltei*en u>ird. Jasper reist, wie derPetit Paristen« mitteilt, aus privaten Gründen nach Stalien, aber er werde in Mailand eine Bespre­uung mit Mussolini haben. Auch der politische Aussenminister werde in Mailand mit Mussolini verhandeln

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®os Veutlrhlavh zahle« foO.

In der französischen Presse ist ein neuer Vorschlag «'getaucht, den wir an dieser Stelle nicht etwa mit« Ritn, weil wir ihm eine ernsthafte Beachtung schenken sollen, sondern deshalb, um erneut zu ze'"en, um was es M bei diesem Kampfe dreht. DasEcho de Paris" widert die Aufstellung eines neuen Zahlungsplanes, nachdem Deutschland die für den Wiederaufbau in allen tetril-gten Entente-Landern notwendigen Summen auf

Ehmen soll. Ferner sollen Deutschland die eng »wen Schulden bei Amerika und die französischen und italienischen Schulden bei England und Amerika auise-

bürdet werden und endlich soll Deutschland sämtliche Be­satzungskosten zahlen. Mit anderen Worten: Deutschland soll alles zahlen! Das wäre sreibch die einfachste Lösung! Die famosen Rechenkünstler haben nur ver­gessen, darauf hinzuweisen, daß Deutschland nichts be­zahlen kann, und daß sie selber es sind. die die bisher noch vorhandene Leistungsfäh-gkeit Deutschlands durch eim. wahnwitzige Politik vernichte: haben.

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Die Kousmüz her Entente-SoziM« im Reichstage.

Dieser Tags haben sich im Reichstag die Vertreter der sozialistischen Parteien Deutschlands mit den soziilisti- schen Vertretern aus England. Frankreich Belgien und Italien zu einer Konferenz zusammengefunden. Sie ift in eine ausgiebige Erörterung über die ganze Gestellung der Reparationsfrag? eingetreten. Die Entente-Sozia­listen sind vor allem der Auffassung beigelreten, daß eine endgültige Regelung der Reparationsfraze so lange nicht möglich ist, als nicht auf die militärischen Zwangs­mittel in wirtschaftlichen Fragen verzichtet wird. Die Entente-Soztalisteu haben den Wunsch ausge,vr»chen, daß in Verbindung mit den deutschen Sozialisten ein ge­meinsames Programm ausgearve.tet wird hinsichtlich des. stu, was Deutschland an Zahlungen und Leistungen übernehmen soll und sie wollten sich stark dafür machen in ihren Parlamenten für diese Forderungen cinzutrcken. Wunderschön! Wir wollen aber bei dieser Gelegenheit, um etwaigen voreiligen Erwartungen vorzubengen, bin- zufügen, daß die sozialistische Internationale bei allen Deutschland berührenden wichtigen Fragen wohl schone Beschlüsse gefaßt hat, aber bisher noch nicht einen ein­zigen Erfolg verzeichnet unb tote die Dinge liegen and? caum verzeichnen wird.

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kssksd Md KmkltlH.

London, 26. März. DeWestmlltster Gazette" schreibt in einem L>.itarkikel, es sei unmöglich, zuzu­geben, daß die Interessen Englands und Frank­reichs miteinander unvereinbar unb emander ent­gegengesetzt seien. England sei ebenso wie Frankreich vital an der Sicherheit Frankreichs und an der Bezahlung der Reparationen bis zur vollen Leistungsfähigkeit Deutschlands interessiert Noch weni­ger als ein bankerottes Deutschland wolle England ein bankerottes Frankreich sehen. De Interessen England? und Frankreichs seien dieselben, es sei denn, daß Frankreich andere Interessen habe, die g genwärtig jf erklären ihm seine Politik verbiete. Schließlich ll'gl das liberale Blatt den Franzosen nahe, ihre Interessen unter einem größeren Gesichtspunkt zu betrachten, denn wenn sie endgültig die Entente Preisgaben, wären sie es unb nicht die Engländer, die den Preis bezahlen müßten.

London, 28. Febr. Dom Parlamentsberichterstatter desDaily Telegraph" zufolge werden in der Unter. Haus-Debatte am Mittwoch auswärtige Ange­legenheiten erörtert unter besonderer Bezugnahme auf die Lage im Ruhr-Gebiet und die englisch-fran­zösischen Beziehungen. Es werde erwartet, daß Llyd George an der Aussprache teilnehmcn werde. Da die Erörterung«» wahrscheinlich einen besonderen Umfang annehmen würden, werde Sonar San» für die Regie­rung antworten. Dem Berichterstatter zufolge würde der Bericht der ins Ruhr-Gebiet entsandten Abordnung der englischen Arbeiterpartei nicht rechtzeitig ge­nau vorliegen, um von d m Wortführer der Partei in der Debatte verwertet werben zu können.

London, 26. März. Ein Teil der englischen Presse schenkt dem am Samstag im PariserFigaro" verösstnr- lichten Artikel große Beachtung. In dem Artikel wurde die Unzufrredenyeit Frankreichs mit der Ent­wicklung seit dem Waffenstillstand, namentlich auch mit der .Haltung BonarLaws, ausgedrückt uns am Schluß betont, Frankreich müsse seine Zukunft durch neue Bünd­nisse sicherstetten und zwar mit Mächten, die durch d« Gegenseitigkeit ihrer Interessen mit Fränkrnch verbunden wären. Zum Teil wird in der Londoner Presse der Artikel als ein Angriff auf die Entente betrachtet.Daily News" wirft die Frage auf, ob Poinrare der Verfasser sei Der Pariser Berichterstatter derTimes" schreibt, eS sei bemerkenswert, daß nach der Entmut gung. die in de» letzten Zeit das ganze Gerede über neue europäische Grup­pierungen erfahren habe, und nach den Versicherungen, baß die Entente die Grundlage jeder europäischen Politik bleiben müsse, einem unbekannten Publizisten in einem derartigen Blatte eine so hervorragende Stelle rinne, räumt werde, um die Unmöglichkeit eines französisch­britischen Einvernehmens darzillegen und offen bk Not­wendigkeit neuer Völkerverbindungen zu prüfen.

Der Kam! um hie Zeche«.

Nach einer Meldung desB. I. aus dem Ruhrgebiet besetzte gestern ein Bataillon Belgier die sämtlichen Anlagen der staatlichen Zeche Rhein­baben einschliesslich der Schachteingänge. Der Be­triebs: at erklärte sofort, dass di« Arbeiterschaft die Arbeit niederlege und erst wieder aufnehmen werde, wenn die Truppen das Zechengebiet ver­lassen hätten. Die Arbeit ruht feit heute morgen vollständig. Von den auf der Zeche beschäftigten 6000 Arbeitern gehören 60 Prozent der kommu­nistische» Partei an. Auch der Obmann des Be­

triebsrates ist ein Kommunist. Die Belgier treffen Borberertungen für den Abtransport des auf der Zeche gelagerten Kokses.

Essen, 27. März. Zu der Besetzung der staatlichen ZecheRheinbaben" meldet dasB. T." aus Bottrop, daß die Verladeapparate der Zeche von den Belgiern nicht gehandhabt werden können, sodaß die Belgier ge­zwungen sind, neue Anlagen unter großen Kosten zu schaffen. Die Zivilarbeiter, die die Belgier mitge- bracht haben, bestehen zu einem großen Teil aus Italienern.

Die Franzosen haben noch Arbeitslose aus Strassburg nach Offenburg gebracht zur Verladung der dort noch lagernden Reichsdienst­kohle. Die Kohlenzüge werden bann durch das El­sass nach der Pfalz geführt unb bann erst nach Frankeich gebracht. Damit wollen bie Franzosen bem Anschein nach einen regen Kohlentransport aus Deutschlanb nach Frankreich vortäuschen. Ausserbem Haden bie Franzosen aus der Offen­burger Reparaturwerkstatt mehrere Wirkmaschi­nen. Drehbänke unb verschiedene Kräne weggeführt, ausserbem eine Anzahl in Reparatur befindlicher Lokomotiven, darunter eine Schnellzugslokomotive.

Buer, 26 März. Die französischen Truppen haben die Zechen Schlegel unb Eisen in Langen­bochum besetzt. Die Arbeit ruht. Die Franzosen scheinen es auf den auf der Zeche lagernden Koks abgesehen zu haben.

Berlin, 26. März. Aus Karlsruhe wird ge­meldet, dass bie Franzosen bie Maschinen bei beutschen Reichsbahn werk statten, auch der grössten, nach Strassburg abtransportieren.

Nene Truppen für das Ruhrgebiet.

Paris, 26. März. Das erste Kokonialregi- ment erhielt Abreisebefehl; bis jetzt ist von dem Regiment ein Trupp von hundert Mann ab gegan­gen. Auch vom 24. unb 25. Linienregiment unb vom 136. Infanterieregiment werben heut« Mann­schaften nach bem Ruhrgebiet ab befördert werben.

Paris, 26. März. Der ,Mew York Herälb" meldet aus Düsseldorf: Die deutsche Eisenbahnver- waltunq traf mit der englischen Eisenbahmmter- -ommission in Köln eine Vereinbarung, dass zwei Ko^lenzüge mit je 4045 Tonnen-Waggons täg­lich für die deutsche Industrie in der englischen Zone gestellt werben sollen. Die ersten beibe» Züge sind gestern in Köln angekommen; bie Fran­zosen verhinbetten ihre Abfahrt von Hengstey nicht. Wie W. T. D. bört, handelt es sich hierbei nicht um eine Koblenbeförderung für bie beutsche Inbustrie, sonbern um bk^B-förderung von Eisendahndirnst- kohle für das Gebiet der englischen Zone.

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Die Lagern he« besetzten Gebieten.

Wiesbaben, 26. März. Die Franzosen haben heute morgen 5 Uhr zwanzig Beamte der Regierung in Wiesbaden aus den Betten heraus verhaftet, ausgewiesen und mittels Auto über die Grenze des besetzten Gebietes gebracht. Die Aus- gewieseuen kamen gegen 11 Uhr in Frankfurt an. In Wiesbaden sind nur noch vier Beamte der Re­gierung geblieben. Damit ist die dortige Provin- zialregierung völlig arbeitsunfähig gemacht. Ihren Zweck bürsten sie jeboch wohl nicht erreichen, benn nunmehr wirb wohl bie Verlegung der Provinzial­regierung von Wiesbaden nach Frankfurt, für die seit langen Jahren alle Zweckmässigkeitsgründe sprechen, akut unb wohl auch schnell durchgeführt werben.

Essen mit 260 Milliarden Geldstrafe bedroht.

Düsseldorf, 26. März. Wie dieB. Z. am Mittag" meldet, handelt es sich bei dem im Essener Hauptbahn Hof von unbekannten Tätern erschossenen Militärheizer um einen Lothringer, der vor dem Kriege bei Krupp angestellt und in Essen auch ver­lobt war. Nach dem Kriege hat er in Lothringen geheiratet. Auch seine Essener Braut hat sich wie­der verlobt. Infolge eines zufälligen Wieder- zusammentreffens scheinen Eifersüchteleien entstan­den zu lein unb man erwartet mit Bestimmtheit eine Aufklärung bet Tat als Eifersuchtsbrama. Der neue kommandierende General von Essen hat trotzdem der Stabt Essen mitgeteilt, wenn es sich boch noch Herausstellen sollte, baß bie Ermorbung ein politisches Attentat gewesen sei, so würbe bie Stabt Esten mit einer Gelbbuste von 200 Millionen französischer Franken (das siub zur Zeit 260 Mil­liarden Mark) belegt werden!

Buer, 27. März. Gestern wurde endnch der deutsche Dauplzeuge in der Angelegenheit der Ermordung der beiden französischen Offiziere, der Bergmann Winklig, stcig'lassen, nachdem elf Tage lang von französischer Seite ein Druck auf ihn ausgeübt worden ist, eine Erklärung zu unterschreibeu, in der er feine Aussagen widerrufen sollte

Berlin, 26. März. Nach eingegangene« Nachrichten sind die Zustände im Gefängnis in Zweibrücken, wo die Mehrzahl der mit Gefangen­schaft bestraften deutschen Beamten untergebracht ist, überaus unwürdig. Augenzeugen berichten, daß den Gefangenen alle Vorteile, die sonst den politte schen Gefangenen gewährt werden, verweigert find. Verboten sind Rauchen, Lektüre, Korrespondenz» Beschaffung anderer Kost usw. Die Behandlung ist die gemeiner Verbrecher, mit denen die Gefangenen auch zusammengesperrt find. Ferner wird bie schlimmste Form der Einzelhaft angewandt. Die Bewachung geschieht durch Turkos.

Oberhausen, 27. März. Ein von franzö­sischem Personal geleiteter Personenzug, der vo» Obcrhaufen-West nach Duisburg fuhr, entgleiste am 24. März vormittags 9.40 Uhr kurz vor der Ein­fahrt mit sämtlichem Achsen. Zwei Wagen führe» ineinander, während bie Maschine umstürzte. Wer bet diesem Eisenbahnunglück zu Schaden gekommen ist, konnte nicht festgestellt werden, weil die Unfall­stelle von der Besatzungsbehörde abgesperrt wurde. Es ist jedoch beobachtet worden, dass verschiedene Zivilpersonen, die den Zug benutzt hatten, davongetragen wurden.

Mainz, 26. März. Der kürzlich verhaftete Direktor desMattlzer Anzeigers", Will, ist gester« mit Familie ausgewiesen worden.

Frankfurt a. M., 26. März. In Bieberich a. Rh. wurde ein 18jährig«s Dienstmädchen oo» französischen Soldaten vergewaltigt. Man bedrohte sie, dass man sie in den Rhein werfen würde, falls sie kein Geld annehme. Die französische Militär« behörde hat eine Untersuchung eingeleitet.

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Saarbrücken, 26.*März. DerNeue Saar­kurier" meldet, dass am letzten Samstag abend 7 Uhr der Platzkommandant von Neunkirchen, Ka­pitän Deschamp, von Personen angegriffen worden sei, die ihn zu Boden warfen und auf ihn los- schlugen. Es ist dies das erste Mal, daß im Saar, gebiet ein Anschlag auf einen französischen Offizier ausgeführt wurde. Der Präsident der Regierungs» kornrnifsion hat über die Gemeinden des Kreises Ottweiler, bem Neunkirchen angehört, folgende Po» lizeimaßnahmen angeordnet: Schließung der Wirt­schaften unb aller öffentlichen Etablissement» abenbs %9 Uhr, Verbot aller Versammlungen und Verbot von Ansammlungen von mehr als zwei Per» sonen in den Straßen.

Bit MWMr.

Berlin, 26. März. Laut .Bett. Lage«.- erhol die thüringische Landesregierung bei bet Reichs« regierung ernste Vorstellungen wegen bet rechtsradi­kalen Umtriebe unter Vorlegung von Material übet diese Treibereien.

Die vom preußischen Minister deS Innern ange­ordnete Alarmbereitschaft der Schutzpolizei wird dem gleichen Blatt zufolge noch einige Zeit aufrecht erhal- ten bleiben.

Der »Vorwärts"' meldet aus München, daß dort am Sonntag früh aus Berlin, Nürnberg, Augsburg, Regensburg usw. Trupps von Hakenkreuzlen» eiw» trafen. An mindestens vier Stellen wurden Feld« dienstübungen ab gehalten. Ein Parademarsch vor Hitler unb v. ftabt schloß die Hebungen. Wie der .Vorwärts" schreibt, wat zweifellos am Sonntag mehr geplant al5 ein Generalappell (und der mutz ei wissen!) Der Putsch sei im letzten Augenblick durch das Zupacken in Norddeutschland verhindert worden. Nach einet Meldung der »Voss. Ztg." haben sich au beut Aufmarsch bet Httlerleute auch die Vereinigten vaterländischen Verbände beteiligt. Erst als gegen Abend die Nationalsozialisten demonstrativ durch den Bannkreis des Landtages ziehen wollten, trennten sich die Angehörigen der Vaterländischen Verbände von ihnen. . ?

Ueber die Absichten und Einrichtungen der Ra« ttonalsozialisteu Weitz auch die.Münchener Post' Mel­dungen zu machen. In Nürnberg sei von den Na« tlonalsozillsten ein Kommando errichtet worden, unter der Bezeichnung .Treuschast'. Es habt die Aufgabe, unter der Parole .Bruch des Widerstandes, wenn bte Retchsregierung schlapp wirb', Geiseln festzumhmen. Als solche gedacht sind die Gewerkschaftsführer und die sozialistischen Parteiführer.

Berlin, 26. März. In der HochverratSsache Roßbach und Genossen sind in Berlin am Montag drei weitere Personen polizeilich sestgenommen wor« den, Maior a. D. v. Stephani. Oberleunant a. D. v. Bülow und der frühere Privatseftetär RotzbacvS namens Pelz. Alle drei werden am Dienstag dem Richter zngesührt. Die in der Provinz von der Bet­onet Polizei Fcstgenomrnenen sind inzwischen sämt­lich den zuständiaen Gerichten vorgeführl worden, Gegen 10 Vor geführte wurden richterliche Haftbefehl« erlassen, nämlich gegen Mafor a. D. v. OelSnitz, Hauptmann a. D. Brinkmann, Schriftleiter Cutnbet in Haniwver, Schriftleiter v. Salomon in Stolp, Arckitett Spinder, Landwirt Hermlcbcn, Rafchiuen« nwister Zimmaas, Kaufmann Gtcbnumn in Naum­burg. Kaufmann Eekvardt in Gaffel und Landwirt Haerte in Bad Käsen.

Die Vorfälle in Rotthausen.

Esscn, 26. März. In Rotthaufen ist es Jtt schweren Ausschreitungen gekommen. Rotthausen, bar an bet Grenze des Gebietes von Essen und Gel-