Zweites Blatt
Nr. 65
Sonnabend, 17. Mürz Lenzmg 1923
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RampeöiktLner
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untergeordnet wird. Selbst wenn einmal die Arbeiterpartei ans Ruder käme, würde sich an der
so mutz er z. B. auch einmal gegen Deutschland grob werden. So wird vom Regierungsti'sch (!) erklärt, man dürfe nicht vergessen, datz Deutschland das grösste Verbrechen gegen die Welt verübt habe. Welche verlogene Frechheit uns gegenüber! Vom englischen Standpunkte aber wohl berechnet auf
Volke als die kommende Bedrohung der englischen Weltgebung gezeigt werden. — Und so geschieht's.
Was Frankreich jetzt unternimmt, ist letzten Endes der Versuch, noch einmal die Entscheidung der großen Fragen in Europa mit der Spitze des Schwertes zu suchen, ungeachtet der Tatsache, datz die Wirtschaft einen wesentlich breiteren Raum einnimmt, als vor 120 Jahren. Daß die französische Schwerindustrie dabei auch glaubt auf ihre Kosten zu kommen, ist dabei nebensächlich. Frankreich ist heute der reine Gegensatz zu Amerika. England spielt das politische Spiel besser als beide, denn es weitz, datz das rein Politische eben nicht mehr möglich ist. Es vertraut auf die innere Entwicklung der Dinge und hält alle Kugeln in seiner Hand. Der politische Jnstintt und die Staatskunst eines ganzen Volkes werden auch der schwierigsten Lage Herr werden.
Bei uns will jeder Teil des Volkes die grossen Fragen aus einem andern „Gesichtspunkte" lösen, von dessen logischer, moralischer, ästhetischer Richtigkeit er überzeugt ist und andere überzeugen will. Die einen sehen in der rein politischen, die andern in der wirtschaftlichen Einstellung die beste Ea-1 rantie für die Zukunft. In England in beiden oder in keinem von beiden, immer in den Tatsachen und dem sicheren Instinkt für das Wohl des eigenen Landes, dem sich alles, auch Recht und Unrecht, unterzuordnen hat.
Wir aber können daraus ersehen, ob England — „uns helfen wird". ♦**
I die französische Politik bedroht und kennt die ganze Schwere dieser Bedrohung, die ja nicht nur seinen Einfluss in Europa, nein seine ganze Weltstellung, besonders auf dem Wegs über den Orient in Frage stellt.
Das heißt aber nichts anderes, als datz England seine Politik ganz auf diesen einen Punkt einstellt. Wie lehrreich ist die Debatte über die Luftstreitkräfte, die so deutlich Englands Sorge vor der grotzen Gefahr der französischen militärischen Ueber- legenheit offenbart. Es wird handeln, ftei- lich nicht dann, wenn seine Feinde es wollen, sondern wenn es glaubt, mit dem geringsten Risiko den Sieg zu gewinnen.
Zunächst wird es versuchen auf friedlichem Wege sein Ziel zu erreichen; daher die Beteuerung der englisch-französischen Freundschaft. Als Vergleich könnte man die Mission Haldanes von 1914 heranziehen, die auch den Zweck hatte die politischen Pläne Deutschlands auf friedlichem Wege zu unterbinden.
Was wir jetzt im englischen Parlament an Anfragen und Antworten erleben, bedeutet eine bewutzte Umstellung der englischen öffentlichen Meinung auf die kommenden Dinge, die ganz anders aussehen werden, wie die Vergangenheit. Aus
verstärkt werden mutz und man hat Grund, diesen starken Ton doch nicht aggressiv werden zu lassen,
Deshalb müssen wir die Frage so stellen, welches mutz die Stellung Englands gegenüber der französischen Eroberungspolitik auf dem Festlande sein? Die Antwort ist leicht zu finden, es wird sie auf das betterste bekämpfen. Darüber, datz die Engländer sich Lber Frankreichs Politik völlig klar sind, darf man sich nicht im Zweifel befinden. Eie kennen das Verschleiern der wahren Absichten zu gut, als datz sie sich irgendwie darüber täuschten. Nein, England weiss durchaus, worum es geht. Es fühlt sich durch
französische Ohren. Wir zählen noch nicht. Wie die Dinge treiben, kann auch der Engländer nicht wissen. Der wahre Politiker aber bereitet sich vor auf alle Möglichkeiten. Darum muh Frankreich, das Land der gemeinsamen Gräber, jetzt dem
Kurhessischer Kommunallandtag.
I Cassei, 15 März. Dir zwrste Plenarsitzung deS 151. Kl'rhessischrn Kommi-nallandtages befasste sich in btt I Hauptsache mit der Erledigung zahlreicher Voranschläge I für die verschiedensten Anstalten Ein überaus erfreu- I liches Verständnis für die hohen Aufgaben unserer beut« I schen Jugendbewegung bewies der Kommunallandt. burch I den Beschluß, der „Vereinigung zur Erhaltung der Burg I Ludwigstein e. B." bas vom Landesausschuß gegebene I verzinsliche Darlehen in Höhe von 1 Million Mark als Geschenk zur Verfügung zu stellen. Im weiteren wucbe
I die Eingabe der mittleren und technischen Beamten oes Bezirksverbandes des Regerungsbezirks Kassel um Neuregelung ihrer Besoldungsverhäitnisse dadurch erledigt, dass die Versammlung den Landesausschuss ermächtigte, den berechtigten Wünschen der Beamten zu eptsprechen, falls dies ohne Durchbrechung der Beamtenöejotdungs-
I ordnung möglich ist. Auch der Echirbe der höherer» Provinziulbaubsamtcn, die Ausrückungsmöglichkeiten der Bez-rksbauräte von Gruppe 10 nach 11 wohlwollend zu prüfen, wurde durch Ueberweisung an den LandeSausschug zwecks Erledigung Rechnung getragen. In derselben Weise wurde mit zwei Eingaben betreffend Eingruppierung des Pstegepersonals der Landkrankenhäuser und Landeshospitäler in eine höhere Gehaltsgruppe Verfahren. Ferner sollen die prozentualen Bezüge der Anwärter beä im Krankenbienst stehenden Personals nach Möglichkeit erhöht werben. Aus den nachiotgenden Punkten heben wir hervor, oaß die Reisekosten und Tagegelder der Mitglieder des Kommnnallanbtages, -es Landesausschusfes und der Bezirkskommission, sowie diejenigen der Beamten des Bezirksverbandes neu festgesetzt wurden und beim Voranschlag der Verwaltung der Landesrentereien ein Antrag Annahme fand, den bei den Landesrentne- reien beschäftigten Hilfskräften Tariflohn zu zahlen. Die letzte Stunde galt der Verabschiedung der Voranschläge des Landesarmenvcrbandes. der Landesheilanstalt Marburg, der Landeshospitäler Marburg, Hainr und Merxhausen, der Landkrankenhäuser Eschtoege, Cassel, Fulda, Hanau, Rinteln und Schmalkalden, der Taubstuminenanstalt Hoin- berg. des Klembahnfonds und des Meliorationsfonds. Für den letzteren soll eine Anleihe von 30 Mill. Mark ausgenommen werden. Gegen 6 Uhr Vertagte sich der Kommunallandtag. Der Termin der nächsten Plenarsitzung wird noch bekanntgegebcn.
Für die Schriftleitung vcrantwortl.: Dr. C. Hitzerorh.
Für den örtlichen uno provinz. Teil: Wilhelm Wißner.
Sprechzeit der Schriftleitnng b's Vtll Uhr vormittag».
Unverlangt eingesandte Manuskripte werden nur zurückgeschickt, wenn Rückporto beiliegt.
loszuwerden. Dann tat ich's doch nicht. Denn alt I Sie sich zum letztenmal darin versteckt hatten, der Eina nicht zum Gehen zu bewegen war, ich schliesslich
I laut um Hilfe rief. Sie heraustraten mit flammen« den Augen, und ich mich in Ihre Arms stürzte -- das war der Höhepuntt meines Liebesglücks. Ich wusste, Sie waren bereit, mir alles zu opfern. Der Wandschrank wurde nicht zugemauert. Wenn Sie l ihn brauchen, Denninghaus — der Bühnenflitter, der darin modert, kann in den Ofen wandern."
„Lassen Sie ihn ruhig hängen, Eussy", sagte Den« ninghaus. „Mir hat er nicht den Atem benommen, den Koffer wird er erst recht nicht beunruhigen. Fräulein von Wanner bringt ihn mit ihren Sachen aus dem Palais, sie ist auf unbestimmte Zeit beut, klaubt. Ich hole ihn »rachher herüber. Vielleicht ist er schwer. Benvenuto kann mit mir kommen und eventuell tragen helfen. Sieht mich das Lamm ihn hier hinübertragen, so schadet'» nichts. Sie denkt, ; ich lasse ihn von Ihnen abholen. Wenn Sie nut J Ihre Mädchen aus dem Wege räumen."
„Die eine hat ohnehin Ausgang, die andere schicke ich fort. Auch Benvenuto lassen wir in dem Glauben, datz der Koffer zu Ihnen weiterwandert. Ben kommt nur auf eine halbe Stunde. Zum ätzt. ; lichen Abendbesuch muss er wieder im Lazarett! sein." » " '
(Fortsetzung folgt.) i
Auf bet anderen Seite we gen: sich die Arbeitnehmer nicht nur, zu einem Lohnabbau ihre Zustimmung zu geben, sondern sie sind auch mit einem Stillstand bet Lohnentwicklung nach oben heute noch nicht einverstanden, indem sie daraus Hinweisen, dass die Löhne dem höchsten Dollarstande noch garnicht angepasst waren. Sie haben dabei ebenso recht, wie der Reichsverkehrsminister, wenn er dasselbe von den Berkehrslarisen behauptet. Und wie der Handel und die Produzenten, wenn sie für einen großen Teil der Waren die gleiche Feststellung machen. Aber man muß sich, wie Tr. Hugo mit Recht schrieb, darüber klar sein, daß die Devisenbremse nur halten kann, wenn nicht die übrige Wirtschaftspolitik in entgegengesetzter Richtung geht.
Gelingt es nicht, die Herstellungskosten der wichtigsten Zweige der deutschen Produktion herabzusetzen, so muß die Markstabilisierungsaktion der Reichsregierung geradezu verheerende Folgen für unsere Volkswirtschaft zeitig-n. Denn wenn die deutschen Produktionskosten die Wclt- marftpreise übersteigen, so muß der Export in verhängnisvoller Weise vermindert werden Nur durch bew Export erhalten wir aber Auslanosdevisen. Opfer müssen von allen gefordert werben, wenn wir in dem uns aufgezwungenen wirtschaftlichen Erschöpfungskriege durch- halten und siegreich bleiben wollen.
dem grotzen Zungen meine ich nämlich Sie, wie Sie vor zwanzig Jahren waren."
„Ach, Eussy, datz Sie noch immer tun, als ob ich damals eine Dummheit gemacht hätte", sagte Den- ninghaus mit einem komischen Seufzer. Und warm und ehrlich fügte er hinzu: „Ihnen, Eussy, danke ich das schönste Jahr meines Lebens!"
„Wie hübsch Sie das gesagt haben!" erwiderte die Zerboni glücklich. „Wie hübsch, datz wir uns so ruhig gegenübersitzen und uns gute Worte sagen können. Ich brauche es nicht auszusprechen. Sie sehen's mit an, datz mich die Erinnerung an dieses Jahr noch heute glücklich macht. Und nun denken Sie, ich hätte Ihnen nachgegeben, und wir hätten uns geheiratet — vielleicht säßen wir uns auch dann j
gegenüber. Vielleicht — ich glaube es nicht einmal. Aber Sie wären dann heute nicht Flügel- adjntant und der immer noch schöne Denninghaus. Sie wollten ja den Abschied nehmen und zur Bühne gehen. Sie wären jetzt beinahe ein alter Komödiant und fühlten mich längst als einen Felsblock an Ihren Füßen. Und Sie würden mit nicht mehr I 'Ugen, datz Sie mit das schönste Jahr Ihres Lebens verdanken, sondern mit vorwerfen, dass ich Sie eine Dummheit bis zum bitteren Ende habe büßen las-
tt0^bem 'ch Zehn Jahre älter war als Sie. Und um zwanzig Jahre verständiger. Denn ich wusste, mas ich tat, als ich das schönste Jahr meines Lebens genoß, und Sie hatten den Kopf darüber I verloren."
->?ch möchte den jungen Mann sehen, der in sol-1 diem Glück nicht den Kopf verlöre", sagte Denning-1 h"us, in Erinnerungen schwelgend.
Frau Zerboni lehnte sich behaglich in den Stubl I
; „Ihnen kann ich's sagen — ich habe mich reitweise mit dem Gedanken getragen, den Wand-1 schrank zumauern zu lassen. Ich möchte nicht daran erinnert^ werden, wie Sie hineinschlüpften, wenn I Baron Sina überraichend kam, und ich alle Künste I der Lüge anwenden mußte, um ihn schnell wieder *
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D:r Reichstagsabgeordnete Dr. Hugo hat in bet „Zeit" recht lehrreich; Untersuchungen über die Frage des Preisabbaues ang'stellt und ist habet zu dem Ergebnis gekommen, daß bereits heute ganz erhebliche Preissenkungen in bet Produktion und im Großhandel, aber auch im (Ein- zelbandel zu beobachten find. Et hat bibei ans Grund von Angaben eines Einzelhandelskonzerns in der Textilindustrie Preisrückgänge von 1 bis 62 Prozent im Einzelnen festg"stellt, für Schuhwaren Ermäßigungen von 32 Prozent, für Haushaltungsgegenstände solche von 11,6 Prozent, für Lebensrnittel von 16,5 Prozent. Auf den Messen von Leipzig und Breslau ist nach einem kurzen Käuferstreik der Preisabbau fast auf der ganzen Linie znm Durchbruch gekommen, und bas Geschäft hat sich auf der Grundlage einer ermäßigten Preisdasis»einigermaßen belebt. Die Gwß!>andels:ndexziffern des Statistischen Amtes für den 5. März lassen allerdings diesen Preissturz bei den Jnbustriewaren noch nicht deutlich erkennen. Während vorn Januar- zum Februardurchschnitt sich nochmals eine Verdoppelung Cc3 Preisniveaus vo!lzog.'i, hat und Jndustriestoffe sich sogar um 126 Proz.
betrug «m 5. März- der Preisrückgang im allg meinen nur 14 Prozent gegenüber dem bisherigen Höchststand vom 5. Februar. Dabei sind Einfuhrwaren um 36 Prozent, Leb nsmittel um 25 Prozent, Jndustrie- "toffe aber nur um 1,4 Prozent bill g r geworden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß hierbei vor allem die Transportkosten und die Kohlenprcise hemmend wirken. Ebenso wie der Reichsverkehrsminister sich gegen eine Ermässigung der Gütertarife wehrt, will der Reichsfinanz- I Minister von einer Herabsetzung der Kohlensteuer von kill auf 20 Prozent, wie sie beantragt worden ist, nichts wissen. Wer wollte aber bestreiten, dass bte Kosten der Kohlen, der Transporte und der Löhne $u- ammen die Preisgestaltung der Jnbustrieerzeugnisie ent- (beibenb beeinflussen müssen! Avgeiichts der Ruhr- besetznng und der durch sie verursachien Koblenknappheit kann man natürlich den Kohlenpreis nur von der Kohlen- teuer her in der Richtung einer Verbilligung hinüber- I feiten. Geschieht das nicht, so wird die Hoffnung auf I einen Preissturz derjenigen Waren, deren Preis in tr-1 lieblichem Ausmass durch den Kohlenpreis bestimmt wird, I unb bas sind sehr viele und wichtige Warengattungen — I immer wieder enttäuscht werden müssen
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r Kürzlich wurde an dieser Stelle von einem • Kenner der Verhältnisse des weiteren ausgesührt, wie die amerikanische Politik Deutschland gegen« über eine Art Spielball widerstreitender wirtschaftlicher Interessen einzelner Gruppen in Amerika selbst ist. Für den Amerikaner ist eben Politik Wirtschaft; höchstenfalls gemildert durch die Wohltätigkeit des reichen Mannes. Es ist doch geradezu klassisch, datz man in Amerika den Plan, einen Kontinentalblock gegen England zu bilden, mit der ausgesprochenen Begründung drohend ablehnte, datz man in England amerikanisches Geld schützen müsse.
Das reine politische Spiel der Kräfte ist dagegen den Engländern wesentlich mehr in Fleisch und Blut übergegangen. Das kommt von der in der insularen Lage begründeten jahrhundertelangen Gewöhnung des ganzen Volkes, sich als Nation zu fühlen und zu verteidigen. So hat sich ein politischer Instinkt und eine politische Tradition herausgebildet, die die beste Sicherheit sind für das Bestehen des Staates selbst. Es ist bekannt, wie diesem Ziel auch die ganze Erziehung in England
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I «Was soll das heißen: vierundzwanzig Stunden?" fragte Frau Zerboni. „Jedermann weiß, dass die Herrschaften in sehr glücklicher Ehe leben —, nrxb niemals hat sich der Herzog zu einem Schritt vom Wege verleiten lassen. Aber die Meister ist eine Gans die sich für unwiderstehlich hält."
I „Darum sagte ich: wenn es ihr glückt", erwiderte I Denninghaus. „Länger als vierundzwanzig Stunden würde ihr Glück nicht dauern. Sind Sie wirk-
I lich ahnungslos, Eussy? — Das Thrönchen wackelt I— in einigen Tagen gibt es--in deutschen Landen keine regierenden Fürsten mehr!"
I »Fritz!" rief Frau Zerboni erschreckt und griff I nach der Hand ihres Gastes, ließ sie sofort wieder los und fasste sich. „Das kann nicht Ihr Ernst sein!" „Der Herzog faßt die Lags nicht anders auf", sagte Denninghaus ruhig. „Ich bin beauftragt, wichtige Papiere in Sicherheit zu bringen. „Ich weitz nur ein sicheres Versteck. Ich selbst habe seine Sicherheit einige Male erprobt. Den Wandschrank in Ihrem Schlafzimmer, Eussy."
Frau Zerboni wurde rot. die Farbe gab ihren Zügen einen Anschein von Jugendfrische.
Denninghaus sah sie lächelnd an. Was war sie [für ein schönes Mädchen, dachte er.
Saut sagte er: „Ich habe doch unangenehme Erinnerungen geweckt!"
Frau Zerboni hatte die Augen niedergeschlagen Run erwiderte sie seinen Blick, mütterlich und zärt- lrch zugleich.
„Rein, Denninghaus", sagte sie eruhig, „ich war nur überrascht. Seit zwanzig Jahren, seit ich auf-
-l* *on?c”> ff* der Wandschrank in meinem «ch afzimmer nicht mehr geöffnet worden. Mein Bühnenflitter modert darin. Auch Ben habe ick, niemals einen Blick hineintun lassen. Tanzen M = ren, wie ich es lehre, ist ein ehrbares Handwerk. Tanzen, wie ich tanzte, ist eine Kunst- aber eine Kunst, die kleine und — große Jungen leicht nicht verstehen. Recht, daß S i e rot werden, Fritz, — mit
einem Freund in dem Kampfe gegen die deutsche englischen Politik nicht viel ändern. Man würde Gefahr, wird Frankreich zu einer neuen Bedrohung, vermutlich nicht einmal das Königtum angreifen Der Krieg ist weiter gegangen, als es in England oder die ganze Nation gegen sich aufbringen. Wir erwünscht war. Er sollte nicht mit einer so völligen Deutsche, die wir wohl die Geschichte kennen, aber Niederlage Deutschlands enden, das hat ja Lord nicht im Blute haben, können «ns davon schwer Grey im August 1914 dem deutschen Botschafter einen Begriff machen. Bei uns ist jede politische gesagt. In England weitz man, datz man den Krieg »rage eine prinzipiell moralische, und wenn nur politisch verloren hat. Nun gilt es rüsten. Zur ba alles stimmt, dann ist fstr uns alles in Ordnung, Rüstung gehört ober vor allem die klare Ein- ganz gleichgiltig, wie die Tatsachen selbst aussehen, stellung der öffentlichen Meinung auf die tatsäch- Das einzige politische Genie, das wir besessen haben, lichen Verhältnisse. Wenn auch einmal eine blutige tfismar^ hat keine Nachfolge gefunden. Auseinandersetzung mit Frankreich erfolgen müßte,
Die Kenntnis der politischen Gedankenwelt des so soll das ganze Volk die Ueberzeugung haben, Engländers, deren Niederschlag wir in seiner Ee- datz wirklich alle Mittel erschöpft sind. Meisterhaft sihichte vor uns haben, ist notwendig, um die äugen- wird hier das Spiel mit einer öffentlichen Meinung bncknche Haltung des englftchen Volkes zu ver- gespielt, deren instinktmätzig gesunde Einstellung stehen Der Gedanke, daß England etwa aus mo-1 es freilich sehr erleichtert. Wie die Presse mit ver- talischem Gefühl heraus etwas Politisches unter- teilten Rollen bald deutschfreundlich, bald franzosen- uuhme, ist so absurd, daß ihn kaum ein Deutscher feindlich anklagt und entschuldigt, immer im Jnter- 1*°«) fassen könnte. Es wird kaum einer sein, der esse des eigenen Landes, ist bewundernswert. Das erwartete, daß in England über die Ungeheuerlich- Ausland mutz sich nur davor hüten, diese Prefi- keiten, die der französische Militarismus (von jeher erzeugnisse an sich als politischen Faktor zu bewer- der -einzige der ganzen Welt) im Ruhrgebiet pro- I len. Sie bekommen erst Bedeutung, wenn sie auf bu^ert, so etwas wie eine Volksbewegung ent- den Pfiff der Regierung, die wirkliche englische stände. Ganz abgesehen davon, datz wir Deutsche Politik mit Kraft vertreten. Dem Tasten und Su- ftlr England nichts anderes bedeuten wie etwa die chen, dem Hin und Her. dem „tant“ soll man zu
6 Äulukaffern nämlich Fremde und Objekt der Politik I große Bed^tung nicht beilegens Ebenso bervun- old Englands, würde die öffentliche Meinung nur dernswert fft das Frage- und Antwortspiel im Un- für die geschundene Ruhrbevölkerung sich einsetzen, terhause, das sich — echt englisch — wie das ganze wenn sie sich einen politischen Vorteil davon ver- Parlament den alten verknöcherten Formen frühe- spricht. (Das Geschrei über Belgien ist auch nicht rer Jahrhunderte bewegt, trotzdem aber ganz woanders zu bewerten gewesen.) Dann aber freilich mit dern jedem Unterton der politischen Schwankung welterschüttvrnder Geste. Es stört auch den Englän-1 gerecht wird. Wenn dieser Ton gegen Frankreich ber wie den Amerikaner in gar kein-r Weise, datz er -----
ben Versailler Vertrag mit garantiert hat, der jetzt von Frankreich so schmählich gebrochen wird.
eie Schokolade
der Anspruchsvollen! | ♦
(Nachdruck verboten.)
Der Herzog und kein Flügel- Adjutant.
Roman von Paul v. Szezepanski.
4. Fortsetzung.
„Sie können mich an nichts erinnern, was ich vergessen möchte."
„Wir werden sehen", schmunzelte Denninghaus. »Zuerst etwas Nebensächliches, was mir eben einfällt. Hilda Meister hat morgen um Audienz gebeten — in persönlicher Angelegenheit. Der Herzog hat gerade in diesen Tagen wenig Interesse für die persönlichen Angelegenheiten anderer Menschen. Seine eigenen nehmen ihn ganz in Anspruch. Er ist gern vorher orientiert. Was will die Meister? — Kammersängerin ist sie, die Goldene Verdienstmedaille hat sie, ihr Kontrakt läuft noch — und auf eine außerkontraktliche Erhöhung ihrer Bezüge kann sie unmöglich rechnen —, ihre Kompottschüssel ist voll. Autzeroem würde sie sich mit solchen Wünschen zuerst an den Intendanten zu wenden haben. I Was kann sie wollen?" I
„Vielleicht nut dem Herzog Augen machen", | sagte Frau Zerboni .Hoheit hat ihr vor acht Ta-1 gen nach bet Tannhäuser-Vorstellung ein paar freundliche Worte über ihreElisabeth gesagt —, die Meister ist dumm genug, sie mitzzuverstchen. Viel- leicht will sie dem Herzog Gelegenheit geben, sich I deutlicher auszudrücken."
„S o dumm ist sie?!" — Denninghaus zog die I Augenbrauen hoch. „Gibt s das wirklich, Gussy^ — Eine merkwürdige Heilige, diese Elisabeth? — Der, Herzog hat gerade jetzt Zeit für solche Alfan- Jetcienl Er ist auch in der rechten Stimmung für foldje Divertissements! Wenn die Meister Glück hat, kann sie vierunfzwanzig Stunden die Geliebte I rtnes regierenden Herrn fein!“ I