Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheffifche) OberheM
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Blindev Lärm?
Aus einer Flut von Meldungen über Verhand- lungsmöglichkeiten, von bevorstehenden Vermittlungsversuchen usw. schält sich jetzt heraus, daß es stch im wesentlichen um Fühler handelt, die nach Deutschland gerichtet sind. Bezeichnenderweise ging die erste Falschmeldung über ein englisches Vermittlungsangebot von Frankreich aus, und die halbamtliche französische Telegraphenagentur Havas wollte sogar wissen, daß ein entsprechender diplomatischer Schritt in Berlin seitens der englischen Regierung bereits unternommen sei.
Trotz der Dementis geht die Diskussion weiter, fast nur im Ausland. Man kann daraus ermesien, wie schwer di« wirtschaftliche Schädigung, die gan;, Europa durch de» plumpen Eingriff PoincarLs in das Getriebe der deutschen Bolkswirtfchaft erlitten hat, überall empfunden wird. Za, man scheint selbst in Frankreich einzusehen, datz die Methode der Gewalt nicht geeignet ist, „produktive" Ergebnisse zu zeitigen. Der wesentlichste Grund dafür, daß jetzt die Frage der Verhandlungen aufgeworfen wird, ist aber wohl in den innerpolitischen Schwierigkeiten der englischen Regierung zu sehen, für die diese Ding« eine wirksame Ablenkung sind.
In Deutschland wird man gut tun, alle Meldungen über Mrmittlungs- und Verhandlungsmög- lichkeite» mit größter Skepsis aufzunehmen. Poin- car6 hat sich in Brüssel mit der belgischen Regierung bekanntlich dahin geeinigt, daß das Ruhrrevier nur schrittweise nach Maßgabe der deutschen Reparationsleistungen geräumt werden solle. Dies zeigt, daß weder in Paris noch in Brüssel bisher der Stimmungsumschwung unter den führenden Politikern ist, der den Weg zu einer Verständigung erst bahnt. Erste Voraussetzung ieder Verhandlung ist die, daß die Räumung des Ruhrgebiets uns verbürgt wird! Eine etappenweise (!) Räumung ist Mr Deutschland unannehmbar!
Der Pariser und der Londoner PrrFe gegenüber muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen wer- .den, daß vorläufig keinerlei Anzeichen dafür vorhanden sind, die die Erwartung auf eine rasche Erledigung des Abwehrkamxfes an der Ruhr rechtfertigen könnten. Das deutsche Volk darf sich nicht 'durch grundlose Hoffnungen mürbe machen lassen. Selbst in Deutschland hat «an allmählich gelernt aus — schwerem Schaden? — Was in Buer und im ganzen Ruhrgebiet geschieht,, sieht nicht nach Frieden aus. Aber es ist — Tatsache.
Paris, 17. März. Die Pariser Matter gehen den Gerüchten über eine Vermittlung mit unverkennbarer Nervosität zu Leibe. Man fühlt sich stark genug gegenüber Deutschland. Aber man wird unruhig bei dem Gedanken an ein« Intervention von dritter, namentlich von englischer Seite. Dazu kommt die Stimmung der Welt oder zum mindesten di der Neutralen, die sich gegen die französische Ruhrpolitik richtet. „Journal des Däbats" schreibt: Die Neutralen, die sich während des Krieges ebenso schwach wie unvorsichtig benommen haben, würden klug daran tun, nicht in ihren alten Fehler zu verfallen. Es ist schändlich zu sehen, wie Leute, die 52 Monate lang den Kriegsgreueln gegenüber Dumm geblieben sind und daraus Nutzen zu ziehen suchten, jetzt ihre Stinlmen gegen die Opfer erheben, die von den besiegten Henkern (!) für die Wiedergutmachung ihrer Verpflichtungen gefordert werden.
i Dementis.
Paris, 18. März. Havas ergänzt in einer Meldung aus Washington die vom »Rewyork Hetald" wicdergegebene amtliche ErNSrung des Staatsde- paAements über ein angebliches Ersuchen um Vermittlung zwischen Deutschland und Frankreich durch folgend- Bemerkungen: In amtlichen »reisen herrsche die Empfindung, datz Frankreich nicht geneigt sei, Vorschläge irgend einer fremden Macht entgegenzu- vthmen, insolgedessen komme zurzeit kein Vorschlag in Betracht. Indessen beobachteten die amtlichen »reise die Lage mit großer Aufmerksamkeit. Wenn stch eine passende Gelegenheit böte, würden fie versuchen, die Lösung zu unterstützen. Bisher fei der Regierung don Washington amtlich nichts von Verhandlungen bekannt, die angeblich zwischen Berlin und London schweben und die zum Ziele hätten, Frankreich eine Regelung vorzuschlagen.
PartS, 16. März. In französischen amtlichen Kreisen glaubt man, wie die ,B. 3.* meldet, weder an englische Vermittlungsabsichten noch an eine deutsche Verhandlungsbereitschaft. Poincare warnte die französischen Pressevertreter vor derartigen Gerüchten Mil dem Bemerken, daß der Abschluß der Ruhraküou Uoch nicht in Dicht sei. Er betont abermals, datz nur die Unterbreitung deutscher Vorschläge ZU Verhandlungen führen könnten. Nach französischer Auflassung Kehr es Deutschland frei, diese Vorschläge entweder yn_ Okkupationsmächten oder der Sleparationskom-' zu npterbrelre«.
Paris, 16. Mär^ PoiucarL empfing gestern nachmittag ben Vorsitzenden der Reparationskommis- ston.
"Paris, 16. März. Die Nachricht von dem Eintreffen eines englischen Vorschlags in Washington wird vom dortigen Staatsdepartement dementiert. Es handelte stch dabei um die Bermittlungsfrage zwischen Frankreich und Deutschland. Staatssekretär Hughes erklärte, die Zeitungsmeldungen über eine Antwort der amerikanischen Regierung auf einen derartigen Vorschlag Englands seien durchaus unrichtig.
Paris, 17. März. Rach einer Meldung des „91 ew York Herald" ist im Staatsdepartement er, klärt worden, datz Amerika nur auf französische, Erfuchenbereit sei, in der Ruhr, frage einzugreifen und datz England und Deutschland in diese« Sinnt nerständigt worden seien. 6s wird nicht geleugnet, datz di« diplomatischen Set» Mittelungen fortgesetzt werden und dah das Staatsdepartement daran teilnimmt. Man nehme indesien nicht an, datz Frankreich ein Berliner Angebot von 30 Milliarden Eoldmark unter der Bedingung der Zurückziehung der Truppen aus dem Ruhrgebiet annrhmrn würde, wenn n i ch t z u - verlässig« Garantien für di« französischen Sicherheiten abgeben würben.
Paris, 16. März. Der „Newhork Herald" schreibt redaktionell, nach hiesigen Informationen gutunterrichtzeter amerikanischer Knnse aus Paris seien Frankreich und Belgien ebenso besorgt tote Deutschland um eine baldige Ausnahme der Reparationsverhandlungen, ober der erste Schritt müßte von Deutschland kommen und werde auch natsächlich innerhalb 14 Tagen erfolgen. Staatssekretär Hughes sei bereits davon, unterrichtet worden, daß jedes Angebot von Berkin von den Französin in vollem Umfange aus das eingehendste einer Prüfung uMerzogen würde, vorausgesetzt, daß es die progressive Räumung des Ruhrgebiets in Betracht ziehe, die von Brussel augekünüigt worden fei. Den Franzosen heg«, ober sehr viel daran, daß das Angebot direkt an die französische Regierung und nicht an die Neparationskommll- sion gerichtet werde, denn wenn Berlin bet Reparation»« kommission einen Plan unterbreite, so müßte dies not- toendigerweis« England und Italien hinzuzieheu, was bestimmt neue Konflikte schassen wurde. Man halte es für wahrscheinlich, daß die Franzosen einer Herabsetzung der Reparationsschuld zwischen 12 und 15 Milliarden Dollars zustimmen würden, Vorausg setzt, daß England sein Angebot, die europäischen Kriegsschulden zu streichen, aufrecht erbäll und sein Angebot ergänzt durch eine militätische Konvention, die die Sicherheit Frankreichs und Belgiens garantiert gegen einen deutschen Angriff, dem auch BelKen sich anfchtiehe.. das sehr beforgt fei wegen der Opposition feinet sozialistischem Abgeordneten.
Keine JnierventionSbemühungen von deutscher Sette.
Berlin, 16. März. Zu den gestern verbreiteten Pariser Gerüchten über deutsche Jnterventionsbemüh- ungen stellt die »B. Z.' nach Erkundigungen an zuständiger Stelle fest, datz von deutscher Seite weder eine amtliche noch private Demarche Weder in London noch sonst irgendwo erfolgt ist. Die ganzen Jnter- ventionsgerüchte geben anscheinend, wie auch der .Petit Partfien" zngtbt, auf einen Besuch zurück, den der deutsche Botschafter in London, Dr. Schämet, am Mittwoch im Foreign Osftce abgestattet hat. Hierbei Bat es stch um laufende Angelegenheiten gehandelt.
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Lord Robert Cecil über die Ruhrbesetzung. — Di« Frag« der Sicherung Frankreichs. — Für die Ausnahme Deutschlands in den Bölkervnnd.
London, 16. März. Lord Robert Ereil bat bei Gelegenheit der letzten Anträge über dir Besitzung des Rnhr- gebtets zweimal gegen die Anrufung d S Völkerbundes gestimmt. Diese Haltung Cecils ist hier viel bemerkt Wochen. Jetzt hat Cecil auf einer Versammlung der VSlker- bu nbSunion feine Anschauungen über die Aufgaben dcS Völkerbundes darg.legt. Er begann damit, daß er die Besetzung des Ruhrgebiets vor allem deshalb bedauere, weil sie Sus beiden Seiten eine scharfe nationale Erregung geschaffen habe.. Diese Erregung könne nicht lange ohne Parteinahme ang sehen werden.' Er sihc aber nicht ein, wie eine Lösung zustande kommen könne, bevor alle Parteien ihre Karten auf den Tisch gelegt hätten. Lord Cecil führte weiter aus. er glaube nicht daran, daß Frankreich bei der Besetzung des Ruhrgebiets annektio- nistische Absichten habe. Er könne sich irren, aber er habe es sich einige Mühe kosten lassen, um das festzustellen. Ein gcofjer Teil der Rede Loch Cecils war der Frage der Sicherung Frankreichs gewidmet. Was den Garantievertrag zwischen Frankreich und England betreffe, führte Loch Cecil ans. so glaube er wcht, daß England hieraus eingchen wache. Etwas größeres al? ein Treimächte- pakt sei nötig. Nur der Völkerbund könne die große Ausgabe dar Sicherung lösen. Loch Robert Cecil verwahrte sich dann ausdrücklich g'gen den Gedanken eines Pufferstaates. Kein Versuch bürte unternommen werben, die politische und wirtschaftliche Souveränität Deutschlands in diesem EebictSstreisen anzntasten. Das Land müsse deutsch bleiben. Nur militärische Vorberci- lnng'n dürften in der Zone, deren E-senbalmen zu ncutoi» lisieren seien, nicht erlaubt sein. Cecil ging darauf noch aus die ReparationSfraK! «in. ES sei die Hauptsache, Bit Atmosphäre zwischen beet Völkern wieder zu reimgpn.
Hierzu sei aber unbedingt nötig, daß Deutschland in sen Völkerbund ausgenommen werde.
Clhnes führte anS: Die Frage der Sicherheit habe ausgehört, nur eine Frage der Sicherheit für Frankreich |u fein. Kein einziges Land könne sich auf die Dauer gesichert haften. Diese Frage der Sicherheit sei eine Frage der Sicherheit deS gesamten Europa und der Welt. Er bedauere tief den Weg. den die Franzosen eingc- schlagcn hätten. Diesis Verfahren müsse scheitern. Anoe- verseits würde er gern eine baldige Erklärung Deutschlands sehen, was es tun zu können glaube und zu tun bereit sei. Eine Entschließung wurde einstimmig ange- nommen, in der die Notwendigkeit bekräftigt wurde, den Gedankenkomplex der internationalen Fragen, deren Mittelpunkt die Reparationsfrage bilde, einschließlich der Frage der internationalen Sicherheiten, sobald wie möglich vor den Völkerbundsrat, wenn möglich mit Unterstützen ng Deutschlands und der Vereinigten Staaten zu bringen.
Die R-parattonstommlssion und die Goldanleihe.
Paris, 17. März. D.e Reparativ nskomnus,ion hat sich gcstern Vormittag mit zwei Deutschland betreffenden Fragen beschäftigt, zuerst mit der von der deutschen Regierung aufgelegten Goldanleibe. Die französische Delegation bestreitet dem Deutschen Reich das Recht, diese Anleihe aufzulegen, da die Alliietten ein allgemeines Vorrecht in Deutschland besäßen. Aus Vorschlag des italienischen Delegierten d'Ameglio wurde die Frage wegen ihres Zusammenhanges mit anderen Fragen dem juristischen Beirat der Reparatwuskommifsion überwiesen.
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Bas M in StralretifL
Paris, 16. März. Was von den großsprecherischen Rede n, von den in Fanfarentöneu gehaltenen Zeitungsartikeln der Regierungspressi zu halten ist, darüber klärt heute in ganz überzeugender Weis: das Organ der französischen Schwerindustrie, „Joutnee industrielle", die ögenttichc Meinung in Frankreich aus, und man muß sehr bedauern, daß dieses Blatt nur eine beschränkte Zahl von Lesern in der breiten Masse der Bevölkerung hat. Ueber die Lage der französischen Schwer- indust rie schreibt das Blatt: „Auf den Halden der Ruhr liegen 400000 Tonnen Koks, auf die Frankreich Anspruch hat. Sie würden genügen, um zwei Monate in gewissem Gvade die Tätigkeit unserer Hochöfen zu sichern, von denen 80 bis 90 Prozent gestoppt sind. Bis setzt haben die Deutschen altes getan, um die Abbeförderung zu hindern. Die ztoangsweisi Arbeitslosigkeit unserer Metallindustr« ist in der Tat eine der besten Waflen, über die sie gegen uns verfügen. Das Blatt betrachtet dann die Ruhrfrage von folgenden zwei Gesichtspunkten:
1. Seit Beginn der Rnhropcration seien nach Frankreich aus Deutschland nicht mehr als zehn Waggons Koks henruSgekommeu Di- Franozsen haben dadurch bis jetzt etwa 20 Millionen Franken verloren, da die Industrie ttotzallede» ihre Arbeiter habe beschäftigen wollen. Ausschlaggebend sei aber nicht dieser Verlust, sondern die Tatsache, daß künftig Tausende von französischen Arbeitern zum Feiern gezwungen fein würden, daß der Metallpreis steigen werde wie alle anderen Preise und daß gcraor die in her Pariser Gegend so zahlreichen Jndustrsizweige von der Arbeitslosigkeit scharf bedroht würden Das In» teig en der Preise, die Arbeitslosigkeit und der Wirrwarr, der daraus entstehen würde, sei gcraoe im gegenwärtigen Augenblick für die Sozialisten wün- chenstoett.
2. Während die französischen Hochösen stMegen und bie alliierte Industrie Arbeitslosigkeit und Teuerung herannahen sähe, rühmten sich die Industriellen im nicht besetzten Deutschland, daß die Kohlenvorräte oder Import- kohle für drei Monate hätten. Wenn man das so weiter gehen lasse, müsse die Ruhrbesetzung zu einem zweck- flo sen Unternehmen werden.. .Wenn die.Besetzung eine Zwangsmaßnahnrc sei, so müsie der Zwang wirksamer durchgeführt werden. Wenn die Industriellen heute ihre Stimme erheben, so deshalb, weil es sich nicht mehr um ihren Gew nn oder Verlust handelt, sondern «m Arbeitslosigkeit. Teuerung, soziale Wirren »na um die nativ nalen Gefahren, bie daraus entstehen würden.
Lud« MM im MrgM.
Berlin. 16. März. Lady Asquith, die sich gegenwärtig im Ruhrgebiet aufhält, hatte, nach einer Meldung der „Bchs. Ztg.", eine längere Unterredung mit General Degoutte und dem Chef der Zngenieurkommiision. Nach den Aeußerungcn der Dame hätten diese Herren in unzweifelhaft prjfi- mistischer Weise von der Zukunft gesprochen. Aus ihren Worten sei hervorgegangen, daß sie sich die Sache doch viel einfacher gedacht hätten, und daß sie sich jetzt vor der schweren Aufgabe sähen, den durch den Einbruch verursachten wirtschaftlichen Wirrwarr wieder in Ordnung zu bringen. Auch beim Bergarbciterverband in Essen war Lady Asquith. Nach den Unterredungen mit Gewerkschaftsführern ließ sie sich einen Bergmann holen, der praktisch unter Tag arbeitet und unterhielt sich mit ihm etwa eine Stunde über alle Arbeitsverhältnisie und Zustande auf den Zechen. Auf die Frage, warum jetzt die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen denen doch sonst schwere Gegensätze bestanden hätten, in einer Front ständen, antwortet« der Bergmann, in
der gegenwärtigen Zeit gäbe esnureineFronl und die richte sich gegen die Eindringlinge. Der Ar, beiter war der Ueberzeugung, daß die Franzosen kaum einen irgendwie rationellen Betrieb auf den Grikben bewerkstelligen könnten.
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Mage in den besetzte« Gebiete».
Paris, 17. März. Rach dem „Journal In, duftrielle" soll stch di« Beschlagnahme von Kohlen und Koks im besetzten Gebiet nach folgendem Plan vollziehen: Für den Abtransport «erden verschie, bene Gruben vorgesehen, deren Ramen aber nicht genannt werden. Man könne aber sagen, daß dies« sowohl auf der rechten wie auf der linken Rhein, feite liegen. Im Anschluß daran «erde mau zur Beschlagnahme der Grube« am Rhein—Herne, Kanal schreiten. Es sei bekannt, daß dort seit Januar 1923 mehr al, 600 000 Tonne« Kohlen und 200 060 Tonnen Koks angekäuft seien. Tie Kohle« sollen in der Hauptsache aus dem Wasserwege ab» transportiert «erde«. Rach de« Grube« am Rhei» —Herne-Kanal würden diejenigen i« der Nähe von Esten an die Reihe kommen. Die Einrichtungen stutz so getroffen, daß von Frankreich etwa 750 009 Tonnen Kohlen und 450 000 Tonnen Toks abgefahren werden können.
Münster, 16. März. Die Bahnhöfe Düffeldorf. Gravenbetg, Düffeldors - Lebrenfeld, Düffeldorf - Eller find gestern von den Franzosen besetzt und daS deut- che Eisenbahnpersonal versagt worden. Die Amtsge- büube sind von den Franzosen in Besitz genommen; das Betteten derselben wird den deutschen Beamten verweigert.
Im Lause deS gestrigen Nachmittags find franzö- stsche Kavalleriepattouillen tm Bergischen Lande über Gummersbach nach Ründeroch und Osberghausen vorgestoßen und haben stch dort cinquarttcrt. Gummersbach ist nicht besetzt, «uf de« Landstrabe« sind Kontrollstellen eingerichtet. Tie Besatzung von Lindlar und Engelskirchen wurde am 14. März zurückgezogen.
Köln, 16. März. Die Stadt Krefeld erhielt von der Bcsatzungsbehörde ein Schreiben, in dem unter Androhung von Zwangsmaßnahmen die Einreichung eines namentlichen Verzeichnisses aller Gewerkschaftsvertreter bis Montag Mittag 12 Ubr verlangt wird. Die Gewerkschaftsführer lehnten das Anfinnen einstimmig ab.
Nach einer Meldung der „Soff. Ztg." aus Recklinghausen g'ht die Besetzung der Kohlenzechen durch die Franzosen weiter. Bei Bottrop sind drei dicht am Rhein- Herne-Kanal liegende Schächte von den Franzosen besetzt worden. Ob es sich bei dieser Besetzung um Zwangsmaßnahmen der Ingenieure wegen Nichtzahlung der Kohlen- fteuer handelt, oder ob die Franzosen Kohlen und Koks Von den Halden abtransportieren walten, konnte noch nicht testgestellt werde«. — Aus der gedte Wesierholt find den Franzose« etwa 50000 Tonnen Koks in die Hände gefallen, beten Abtransport jedoch bei dem jetzige« Primi- tiven Verfahren Monate dauer» wird. Das ist übrigens noch nicht einmal das Quantum, das vor dem Einbruch der Franzosen in den regulären Reparationslieferungen täglich abgcliefcrt mürbe.
Paris, 16. Mär,. Havas teilt aus Düsseldorf mit, datz die Erhöhung der Ttuppenzabl Im Rubrge- bict, von ver kürzlich in der Preffe die Rede gewesen sei, nur vorübetgehenb in Betracht komme. Anlatz dazu gebe die demnächstige Rückkehr des zu enilaffen- deu Kontingents. Bis die entlassenen Mannschasteu durch andere ersetzt seien, müfle die Truppenstärke erhöht werden. — Kernet bestrettet die Agentur, datz dt« Essener Jngenieutkommisswn ihren Sitz nach Düffeldotf verlegen werde. Die Mission werde zum größten Teil bet dem interalliierten Aussubramt in Este« bleiben, und nur die leitenden Persönlichkeiten würden aus BequemlichkeitSgrÜnden und um die Beziehungen zu den militärischen Komrnandos ju Vereinsachen, nach Düffeldorf übersiedeln. Ihren interalliierten Eharafter würde die Mission beibebalten. — Entgegen der unmittelbar nach der Brüsseler Rotte erntj verbreiteten Blültermeldung erklärt Havas, datz dcr Setter der Ingenieukommtlsion, Softe, auf seinem Posten bleiben werde und datz er nur aus Gesmrdbetts- erünben einen regelredrten Urlaub nach Paris genom- men habe, und datz der alS fete Nachfolger genannte Ingenieur Kran'sen ihn nur vertrete.
Münster, 16. März. Am 14. März wurde in Recklinghausen in der Sähe der Zeche Blumenthal der Bergmann Hofsmann grundlos von stanzöstsche« Soldaten etschoffen.
Heute morgen wurde in Recklinghausen die Zechenanlage Hibetnia der Zewe Blumenthal von stanzöst- «chem Militär vcsetzt. Die Belegschaft trat tu den Protcstiireift.
In Buer wurden beute nachmittag infolge eines beute morgen bet Stadtverwaltung gegebenen Befehls, nach dem die Brieftauben an die Franzosen ab-' zultefern find, sämtliche Brieftauben abgcschossen.
Wieder ein französischer Militärzug verungtückt.
MSrs, 17. Mär. In bet Räbe von FrtemerS- "eim tm; rlch ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Ein französischer Trnpventransportzug. in dem stch llapalletisten mit Pferden befanden, stieß mit einem leeren Güterzug zusammen uns zwar mit solcher Gewalt. daß sich die Wagen acht Meter hoch übereinander mtfifttmten. Ein großer Teil der ftanzösisch-'« Soldaten, sowie einige dcut'che Arbeiter, die in landeS- i'erräierifcöer Weile den Franzosen Dienste leisteten, tf$ schwer verletz: worden. Viel- Mannschasten und auch Pferde sind gelötet worden. In den Kruvpschen Baracken bet Rbcinahanlcn sind Ne Daten und Verletzten nnt?»gebracht. Tie Unsallöstekle ist in großem Umfange abg-sperrt, sodaß «S schwer ist. Näheres zu crja-rcn,