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ObtlWsche Zeitung

Zweites Blatt sirTsä

Sonnabend, 10. März

1923

B.

raca»

(8trtfet**e Met)

öie Schokolade der Anspruchsvollen!

Seiten der Straße lagen, wurde rasselnd ein« Jalousie in die Höhe gezogen. Der Ton klan- schreckhaft in die Stille des Frühmorgens. UnroilU kürlich sah der Herzog zu dem Fenster hinauf, vor dem die Jalousie ausgezogen worden war.

Ist es nicht merkwürdig?" ftagte er nachdenk« lich.Sie wissen. Denninghaus. daß ich jeden Stein im Städtchen kenne. Heute ist mir's, al, ob ich diese Straße zum ersten Mal sähe. Oder als ob ich sie zum letzten Mal ginge."

Hoheit sehen sie zum ersten Mal zu dieser Tageszeit. Und mit übermüdeten Augen", ante wartete Denninghaus.

Das würde erklären, daß sie mir ftemd vor« kommt", sagte der Herzog.Woher stammt da« Gefühl, daß ich sie niemals wieder gehen werde?" Denninghaus lachte leise: .

Aus der Wahrscheinlichkeit, daß ein Auto a» Bahnhof Eurer Hoheit wartet, falls Eure Hoheit belieben faßten, noch einmal diese Straße um dies« Tageszeit zu passieren."

In Berlin Haden wir von allen Seiten gebärt, x»ß da« Unwahrscheinliche uns sicher ist ein Stiebe um jeden Preis", sagte der Herzog bedrückt. Warum spotten 6fe meiner Stimmung mit Wahr, cheinlichkeiten?

eine dauernde Besserung unserer Währung erzielt werden. Mit Recht hat die Berliner Handelskammer die Forderung erhoben, daß beim Preisabbau die öffentlichen Betriebe, in erster Lin« die Eisenbahnverwaltung vorangcben müßten. Wenn die innere Kaufkraft der Mark sich hebt, werden auch Arbeiter und Angestellte in einen Abbau ihrer Bezüge einwilligen. Ueber die Frage, wo mit dem Ab­bau begonnen werden muß, sollte man also nicht länger streiten, sondern ohne Rücksicht auf widerstrebende Kräfte dort den Anfang machen, wo der Staat direkten Einstuß besitzt. Das gilt nicht nur für die Tarife der Gütrrbe- föcherung, sondern auch für den immer dringender verlangten Abbau der Ko^enstcuer, der Umsatzsteuer und besonders der Ausfuhrabgaben. Der Reichswirt- schaftsminister wird sich gegenüber der Ressortpolitik in den einzelnen Ministerien weit stärker als bisher durch­setzen müssen Es müssen bald energische Taten folgen, sonst besteht die Gefahr, daß die mit so großem Erfolge begonnene Markstützung verpufft, weil sie eine isolierte Maßnahme inmitten von Gegenkräften bleibt, die alle unsere Währung weiter hinabreißen oder doch einer Aufwärtsbnvegung unüberwindbare Hemmnisse bereiten.

Marburg und Umgegend.

Marburg, 10. März (Lenzing).

* Strafkammer. Ein Einwohner aus einem Rachbarorte sollte sich des Dftbstahls schuldig gemacht laben. Das Gericht beschloß nach Prüfung der Sachlaqe die Einstellung des Verfahrens. Bei dem loggenden Falle erschien ein junger Mann, der wegen Körperver- f»äung von der Vorinstanz in eine Geldstrafe von 600 Mark genommen war. Es blieb bei dieser Entscheidung. - Eine Anklage wegen Betrugs bei einem Pferdehandel

Mitteilungen aus dem Leserkreise.

Zum Kampf um die Schale.

Seit etwa einem Jahre berät der BilbungsauSschnß des Reichstag s über die Grundfragen des Reicksschul­gesetzes Bekanntlich bat her von der Regierung vorge­legte Entwurf keine Mehrheit im Ausschuß finden können. Rach vielfältig"» Bemühungen ist jetzt zwischen dem Zentrum, her D mokratischen Partei, der Bayerischen u.ft. der Deutschen Volkspanei ein Kompromiß zustande- gekommen, das die christliche Simultanschnl« (Gemeinschaftsschule) als g setzliche Normalschuft ftstzu- legen versucht. Voraussichtlich wird auch die Deutsch- nationale Partei diesem Vorschlag znstimmen, dem aller- dirigs die Sozialdemokraten mit einem eigenen Antrag bisher noch ablehnend gegenüberstehen. Es ist aber zu hoffen, daß nach weiteren Verhandlungen auch sie sich auf den Boden des Antrages der genannten bürgerliche« Parteien stellen und ihm dadurch eine überwältigende Mehrheit im Reichstage sichern weroen. Dieser Vorschlag bestimmt, daß die Gemeinschaftsschuleden Unterricht auf christlicher Grundlage ohne Rücksicht auf die Be- ionderheiten der einzelnen Bekenntnisse für alle Kinder gemeinsam, den Religionsunterricht nach Bekennt­nissen getrennt erteilt" ES wäre zu wünschen, daß diese Fassung des vielumstrittenen Schulgesetzes 'M Reicks- rage angenommen und damit ein Kulturkampf vermieden würde, der leider auch in unsere. Gegend durch Unter­schriftensammlung für die Bekenntnisschule schon vielfach eir.g?leit:t ist und der in seiner weiteren Ent­fesselung und Auswirkung zu einer furchtbaren Zer­spaltung unseres Volkes führen müßte, das doch nur in Einheit und Gemeinschaft seine Zukunft ausbaue" kann Die christliche Gemeinschaftsschule, die sich in Nassau, Raden, Hanau usw. seit Jahrzehnten vorzüglich bewährt hat und die wir auch in vielen dörflichen und städtischen

I Und jedesmal antwortete Denninghaus:Ver- I fluchte Situation, Müller."

Endlich war der Herzog der unerfreulichen Nach­richten müde geworden. Auch des Inkognitos.

Nach dem Besuch der Gräfin Schwanefeld fragte ler nicht mehr:Was sagen Sie dazu, Lehmann?", sondern sagte mit umwölker Stirn:Die Situation ist trostlos, Denninghaus. Kein Mensch weiß, was werden wird. Warten wir's ab! Der Umweg über Friedrichsborn hat keinen Zweck mehr. Wir fahren heute abend direkt nach Haufe. Und Schlafwagen, bitte."

Denninghaus antwortete:Wie Eure Hoheit befehlen!"

In der Morgenftühe des 8. November langten sie wieder in der herzoglichen Residenz an, nachdem der Herzog eine Nacht gar nicht geschlafen hatte, weil er es nicht gewohnt war, in einem Abteil zweiter Klaffe zwischen feldgrauen Offizier«,, Da­men und Reisenden fitzend zu schlafen, und die an­dere Nacht schlecht geschlafen hatte, weil ihn die trostlose Situation, von der er sich bei seinem Be­such in Berlin überzeugt hatte, nicht schlafen ließ, und weil Denninghaus schnarchte.

Der Stationsvorsteher starrte den Herzog an, der mit dem den Koffer tragenden Denninghaus an ihm vorüberschritt, traute seinen Augen nicht und riß erst die Mühe herunter, als der Herzog seinen Gruß nicht mehr bemerken und erwidern konnte. Denninghaus gab den Koffer bei dem Bahnhofsportier ab, und beide traten hinaus auf die Bahnhofstraße, die tn das Innere der Stadt führte.

Die Straße war zu allen Tageszeiten wenig be­lebt. In dieser Morgenftühe machte ste einen toten Eindruck. Die Schritte der beiden Männer hallten auf dem Eranitsteig. In einem der nüchternen Häuser, die in schlechtgepflegten Gärten zu beiden

Handels- und Marktnachrichten.

Vom Aebwaren.Geschäft. Die Onar»* treffe für eine Anzahl der wichtigsten Wedware« stellten sich nach dem MarNvreiSbericht der ZettfchrM Deutsche Konfektion am 6. März für Hemdentuch 8» Zentimeter breit 18/16. 86/42 der Meter ca. auf 28« b«S 2920 jK (gegenüber 26003800 M am 27. Februa« und 4500 am 6. Februar). Damast 130 Zentimeteg breit, gestreift 6765 (7500 und 13 500) *. Zephir 88 Zentimeter breit 46000 (46000 und 56000) JL Gabardine 130 Zentimeter breit, reine Wolle 16 bi» 23000 (16-40000 und 2745000) Jl. Inlett 8B Zentimeter, federdicht, säurefest 4959 000 (5500 6tl 10000 und 810 000) M, Rennacord 68/70 Zenti, Meter breit 10-12 500 (1214 000 und 20-22000) JL baumwollene Herrensocken, gewebt, Dtzd. 2430 00t (3045 000 und 30 000) Jl. Damenstrümpfe, baum­wollene, gewebt, nahtlos 3040000 (3348 000 un» 3018000) Jl, Damenstrümpfe, Flor, englisch lang 81125000 (90140000 und 50-90000) JK, Damen- bemd per Stück 7-12 500 (7-12 500 und 9000) JK, Herrenoberhemd mit zwei Kragen Stück 21280« (2128 000 und 3037000) Jl, Stehumlegekragen, 5 Zentimeter Dtzd. 10 000 (33000 und 60 Ort» f

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ftge Kinder. Tie Hauptsache ist. daß sich bet den Säuglingen Knochen und Muskeln in normaler Weise entwickeln, und dies ist nur burcti eine Zweckmäßig« Nahrung wie .Kufele- zu erreichen. Mit .Ku« frte' ernährte Kinder zeichnen sich durch guten Kör­perbau und durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten aus, sie haben gesunden Schlaf, guten Appetit und gedeihen Überhaupt vorzüglich. 6936

(Nachdruck verboten.)

Der Herzog und sei« Flügel- Adjutant.

Roman von Paul v. Szezepanski.

I.

Am 6. November 1918 reiste Herzog Friedrich Inkognito nach Berlin. Nicht wie er sonst inkognito reisen pflegte, wenn er jedes Aussehen vermei, den, aber doch seinem Range entsprechend behandelt sein wollte, unter dem Namen eines Grafen Dietrich­stein, von seinem Flügeladjutanten und einem Kammerdiener begleitet, auf dem Bahnhof der Re- Dftnz vom Vorsteher respettvtil begrüßt und in das für ihn reservierte Abteil geleitet. Zum ersten Mal seit seinem Regierungsantritt wirklich inkognito. Richt einmal seine EemaWn, Herzogin Adelheid, ahnte Ziel und Zweck der Reise, als der Herzog sich von ihr verabschiedet«, um sich, wie er vsrgeschützt hatte, zwei Tage auf sein Jagdschloß Friedrichsborn zu begeben und einen Hirsch zu schießen. In Begleitung seines FlSgeladjutanten, des Majors Frei' t~~". Denninghaus. der ein Äenfa passionierter Jäger war wie er selbst. Beide im Jagdanzug. Ohne Bedienung. Ohne Gepäck. Der Oberförster In Friedrichsborn war telephonisch ihrer Ankunft verständigt. Sie fanden dort »lles, dessen sie bedurften. Kamen auch glücklich nach einer Stunde Autofahrt in Friedrichsborn an, wie der zurückgekehrte Chauffeur der Herzogin meldete.

Aber ste blieben nicht lange in dem einsam g-- Beflenen Jagdschloß. Sie nahmen sich nur die Z»it, sich hastig umzukleiden und einen gemeinschaftlichen Koffer zu packen. Dann fuhr der Oberförster Mai- doum selbst die beiden Herren tn dem bescheidenen Sagdwagen, den er für seinen persönlichen Gebrauch Hatte, an die nächste Bahnstation. Der Herzog und

I endete mit einem Freispruch. Ein anderer junger Mann hatte eine günstig« Gelegenheit dazu benutzt, sich 38 Matt Silbepgelo in einem Hause anzueignen. Das Gerickt ettannte auf 6 Monate Gefängnis, bei Zahlung von 50 000 Matt in 5 Raten tritt Strafaussetzung ein. Ferner wurde ein junger Mann, der gelegentlich eint« Festes mit Landjägern einen Zusammenstoß hatte, wegen Mderstaich in eine Geü>strafe in Höhe von 10 000 Mk verurteilt. Die letzte Sache, die sich bis in die Nach» Mittagsstunden hiuzog, dürfte weitere Kreise intrrefiiere.r. Es handelte sich um eine Anklage gegen brr Landwirte wegen verbotenen LebenSmittelhandelS. Die Straftat sollte darin bestehen, daß sie Kartoffeln an einen Mann 'ttauft hätten ohne sich zu vergewiffern, ob dieser auch j die Erlaubnis zum Kartoffelauflauf besessen. Gegen das schöffengerichtliche Urteil, welches bei drei Angeklagten auf je 3000 Matt und bei einem auf 2000 Mark Strafe gelautet, hatten sie Einspruch erhoben. Sie schilderten die allbekannten schwierigen Witterungsverhältnisse und e vielen Unzuträglichkeiten, die im letzten Herbste die Erntearbeiten so sehr erschwerten und diese ost in Frage stellten. Sie beriefen sich aber auch auf die Tats.uA, daß die meisten Leute für sich oder hn Auftrage Kar­toffeln aufgekauft hätten. Bei jedem erst darüber Stach« Forschungen anzustellen, ob er zum Einkauf von Kar­toffeln die Berechtigung habe, sei wohl besonders unter den geschilderten Verhältnissen zu viel Verlangt. So sei es auch hier gewesen. Ein ihnen bekannter Mann habe bi' Kartoffeln in Mengen von 20 bis 50 Zentnern für einen Geschäftsfreund in Frankfurt aufgekauft und dazu sei doch keine Erlaubnis nötig, weil von irgend einem Handel dabei gar keine Rede sein könne. Der betreffende Vermittler hatte, wie sich ferner herausstellte, auch keinen -rennenswerten Vorteil dabei erzielt. Das Gericht schloß sich der Ansicht an, daß Zwischenhandel hier nicht in Frage kommen konnte und die Landwirte auch nicht ver­pflichtet gewesen seien, nach der Ankaufs-rlaubnis zu fragen. Das erste Urteil mußte deshalb aufgehoben und sämtliche Angttlagten freigesprochen werden.

Voranzeigen.

Morgen Sonntag, den 11. d. Mts., vorm. 11 Uhr treuen sick auf dem Sportplatz Casseterstraße zum Verbandsspiel Sv. u. SP. El. Dillenburg 18601. -

Ho ckey. Morgen Mittag 2 Uhr treffen sich bil 1. Hockey-Mannschaften des Sport-Cassel gegen 1860« Marburg D'e Casseler Mannschaft ist zur Zeit in guter Form und dürfte den hies gen schwer zu schaffen machen. Es ist deshalb mit einem interessanten Spiel zu rechnen. Das Spiel findet auf dem Kämpftasen statt. Am Der» f-ingenen Sonntag siegte die 1. D-menelf von 1860

Gemeinden unseres Bezirke- (wenn auch nicht deM' Name» nach) bisher schon hatten, würde dann die gefetzt liche Retzklschule für das gesamte Deutschland toettafa

Aus den Ausschüssen.

Berlin, 9. März. Am Schluß der heuttgen Sitzung des Haushaltsansschusses des Reichstages irandte sich die Diskussion der Gründung der Ge- trekdekredit - Aktiengesellschaft zu. Dabei erhärte Reichsschatzmintster Albert, daß das Reich an der ganzen Sache weder mit einer Attie noch überhaupt luit Sachwerten beteiligt sei. Auch hätte das Reich der Neugründung keinerlei Privilegien zuerteilt, oierauf wurde ein Antrag angenommen, wonach der Reichstag jede Beteiligung des Reiches an der Ge- treidekredit-Slkttengesellschast ablehnt und zwar sowohl jede finanzielle Beteiligung als auch eine Kreditge­währung sowie die Beteiligung von Beamten und Angestellten des Reiches an der Leitung oder Füh­rung dieser Gesellschaft.

Berlin, 9. März. Im Hausbaltsausschutz des Reichstags wtes der Retchsernährungsmtnister Dr. Luther an Hand eines reichen Zahlenmatettals nach, daß die Preise für Düngestofte, schwefelsaures Ammoniak und 40vroz. Kalisalz zurzeit im Verhält­nis zur Kaufkraft des Roggens ungefähr die gleichen seien wie 1913, dagegen die Preise für Thomasmehl und Superphosphate gegenüber 1913 erheblich gestie­gen feien. An dieser Tatsache fei durch die aus der Mitte des Ausschusses vorgeschlagenen Maßnahmen zur Ermäßigung oder Weglassung der Kohlensteuer oder der Fracht keine wesentliche Aenderung herbei-; zuführen. Zu der Frage der treten Wirtschaft über­gehend erklärte der Minister, daß aus keinen Fall gegenwärtig die Getreidewirtschaft dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden könne. Die Reichs- regierung müsse stber genügende Rejervrvorräte ver- ftigen, um unbedingt für die Notleidendsten der Ver- braucherschast durch einen erträglichen BrotpreiS tz-or- iorge treffen zu können. Es müsse nach einer pro­duktionsfördernden Lösung gesucht! werden. Heute sei jedoch durch das Wirrtal der allgemeinen Wirt- sLaftsgeftaltung das Finden einer endgültigen Lö­sung schwerer als je, eS muffe daher daS ganze Pro­blem sowohl vom Standvnnkt der Erzeuger als vom Standvuntt der Verbraucher sorgfältig vorbereftet werden.

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Von unserem volkswirtschaftlichen Mftarbeiier.

Deutschlands Halsader fei durchschnitten, sagte her englische Ministerpräsident Bvnar Law im Unterlaufe, ohne darüber freilich Aufllärung zu geben, wie diese wirt­schaftliche Abwürgung eines Niedlichen und wehrlosen Lölkes mit den Grundsätzen der Herstellung eines bauern» tzen Friedens und einer völkerrechtlichen Behandlung internationaler Streitfragen in Einklang zu bringen ist. Solange die Welt dieser systematischen Wirtschafts­zerstörung ruhig zusieht, muß das deutsche Voll sich weh­ren, soweit seine Kräfte ausreichen. Erfreulicherweise konnte der Reichskanzler Dr. Cuno in seiner großen Reichstagsrede seststellen, daß es vorläufig zum Fortgang der Wirtschaft int unbesetzten Gebiet weder an Kohlen inoch an Rohstoffen und Aufträgen fehlt, obwohl der Kamps schon in die achte Woche geht. Die schweren Fol­gen dieses Kampfes sind natürlich überall in unserem WirtschMsfthen zu spüren. Die Markstützungsaktion, die der Reichskanzler als eine notwendig? und erfolgreiche Maßnahme in unserem wirtschaftlichen Abwehrkamps I*= zeichnete, und die darum mit Nachdruck fortgesetzt werden soll, hat auch große schädliche Rückwirkungen auf den allgemeinen Geschäftsgang gehabt. In Erwattung wei­terer Preisrückgänge sind Verbraucher und Handel vielfach in. eine Art Käuferstreik eingetreten, der durch den allge- , «leinen Geldmangel begreiflicher Weise noch verschärft totnb. Aber auf der Leipziger Messe, die diesmal tn die Zeit eines scharfen Konjunftnrumschwunas fiel, hat sich dock gezeigt, daß die Zurückhaltung der Käufer nur sissange anbauert, als die Verkaufte an dem höchsten Pre's- niveau fefibatten, das aber zu ermäßigten Preisen immer» hin genügend Absatz vorhanden ist. Allerdings ist - und das hat auch Dr. Cuno im Reichstag ausdrücklich festgestellt eine aUgei. t.tte H- rads tinna de- Lebens­haltungskosten bisher nicht erreicht worden. Man wird abwarten müssen, ob durch die neue weitere Mark- bcsiernng, durch die der Doltarkurs bis auf 20000 her. pbg-drückt wurde, und die damit Vielleicht noch nicht ihr Ende erreicht hat, eine Verbilligung der Preise durch- gefetzt werdeu kann. Aber es muß auch schon als ein wertvoller Er so'M der MattstützungSaktton angesehen wer­den, daß die gewaltige Teuerungswelle, dft unsere Wirt­schaft zur Zeit der Ruhrbeftsung in den Abgrund zu treiben drohte, wcnWens zum Stillstand gebracht toor- den ist.

Mr müssen freilich auch diesmal dft Erfahrung Wachen, daß in Zeiten wachsender Inflation jeder Still­stand auch etne Stockung des allgemeinen Gesckäftsaanges bervorbringt. Wir sehen, daß dec Export erheblich zu- rückgcht und daß die Arbeftslosenzifftrn steigen. Ar beiterentlass^ngen größeren Umfangs haben jedoch bisher nickt stattgefunden, auch nicht int Ruhrgebiet, wo Kohlen« bergbau und Eisenindüstrft auf Vorrat arbeiten. E-' wird auch von den dort.gen Jndnstriefübrern versichert, daß man durchzuhalten in der Lage sein werde, auch w-nn die jetz-gm Zustände noch monatelang anb.utern. Aller­dings muß die auf Lager arbeitende Industrie deS Jn- vasionsgebietes die Kredfte der Reicksbank in erheblichem Umfange in Anspruch nehmen, um die Lohngelder auf- »ubringen. So erklärt es sich auch, daß trotz der Markbcsserung der Notenumlauf der Reichsbank in un­geheurem Ausmaß gesteigert werden mußte. Der Noten­umlauf ist inzwischen auf mehr als 3 Billionen Mark ge- ftitfleu. Kredite und Handelswechsel vertreten dabei immer mehr die Stelle des Bargeldes. Man darf an die Tat fache, daß ein immer größerer Teil der Produktton mii geborgtem Gelbe zu arbeiten gezwungen ist und zu arbeiten sich gewöhnt, keinesfalls achtlos vorübergehen. Aber man wird andererseits mit dieser Sachlage als einer Folge der gegenwärtigen Krise, bei der es um Leben und Tod unserer ^Lroduftiou und damit aller Produzenten gebt, sich abfinden müsftn. Die Markbesserung ist ja über­haupt nur künstlich und stellt sich dar als eine Kampf- waßnahine, die unter ungeheuren Opfern herbeigesühri ist. Eine Gesundung der Wirtschaftslage kann nur durch

Kirchliche Nachrichten.

Selbst, evang.-luth. Gemeinde. Nikolaistr. 1« Sonntag, 10. März, vorm. 10 Uhr: PredigtgotteSs bienst. Christenlehre.

Methodistengemeinde, WSrthstraße 15a. Sonn- lag. vorm. VelO Uhr: Predigt. 11 Uhr: Sonntag»- schule. Abends l/»9 Uhr: Predigt. Mittwoch, abend« Vi.9- Uhr: Bibelstunde.

Für d-e Schristleitung verantwottl.: Dr. C. Hitzeroth,

->"<r den örtlichen und Bronin» Tess: Wilhelm M i ß ner.

sein Adjutant hatten die Paletotkragen hochgeschla­gen, nannten sich gegenseitig Herr Müller und Herr Lehmann und wurden von dem Oberförster ebenso genannt. So glückt* es ihnen, da der Herzog nie­mals die Bahn benutzte, wenn er nach Friedrichs­born fuhr, unerkannt in ein Abteil zweiter Klaffe des Schnellzuges nach Berlin zu steigen. Als Herr Müller und Herr Lehmann stiegen sie in Berlin tn einem Hotel ab, das der Herzog bis dahin nicht ein­mal dem Namen nach gekannt, und das Baron Denninghaus aus der Zett, da er als Leutnant zur Kriegsakademie kommandiert gewesen war, in guter Erinnerung hatte. In der Königgrätzer Sttahe.

Denninghaus. immer knapp in Worten, hatte es empfohlen:Nähe der Wilhelmstrahe, keine Fürstlichkeiten, keine Wanzen, gute Küche."

Und der Herzog hatte gelächelt.

Sie treffen immer den Nagel auf den Kopf, lieber Lehmann. Kein« Fürstlichkeiten, keine Wan-1 zen, die Rebeneinanderstellung klingt refpettlos. In diesem Falle ist das alles, was ich wünsche. So­gar di« gute Küche schenke ich Ihnen."

In der Morgenfrühe des 7. November kamen sie n Berlin an. Cie frühstückten in Eile und waren !>anach den ganzen Tag unterwegs. Sie waren im ! leichskanzlerpalais, bei dem Gouverneur von Ber- n, bei Herrn von Mendelssohn, dem Bankier des Herzogs, bei ein paar Abgeordneten, die dem Herzog bekannt waren, bei dem herzoglichen Gesandten, bei der noch immer schönen Gräfin Schwanfeld, die bei des Herzogs Mutter Hofdame gewesen war und seit i srer Verheiratung in der Berliner Hofgesellschaft I eine tonangebende Rolle spielte.

Nach jedem dieser Besuche traten sie nachdenk­licher auf die Straße hinaus.

Nach jedem dieser Besuche fragte der Herzog! Denninghaus:Was sagen Cie dazu, Lehmann?"!

über Kurbcsssn Cassel mit 1 :0 in Caffel. (1167)

Dicke Kinder sind nicht immer zualeich auch kräh

ersparen AM U. F-tt.

Nur mit kochendem Wasser übergossen, geben jie krallige Nlesschbriihe »um Trinken und Kochen zum Verbessern ober Verlängern von Suppen und Soßen aller Art.

Nur echt mit dem Nam»« Maggi auf der rotgelben Pa-lltng.