Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhessische) OberhesseH
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58 gtitl 1928
Kaoteni und lie IrmiWe Mit
/ Zn England wächst das Mißtrauen gegen das französische Vorgehen; man wird nervös. Die -Times" schreibt in einem Leitartikel, die Stellung 5et Engländer in Köln, die in gewissem Sinne ein Symbol des britischen Znteresies an de« «uro- Päischen Angelegenheiten geworden sei, stelle ein sehr ernstes Problem dar. Durch die letzten iLewegungen der französischen Truppen scheine Köly letzt vollkommen vom nicht besetzten Deutschland abgeschnitten worden zu frin. Die zunehmenden Schwierigkeiten der Eng- knder in Köln und die Notwendigkeit immer weiterer Kompromisse in jeder Richtung führten dazu, hoch die britische Politik den Eindruck der U n - »«tschiedenhett mache. Die» sei eine ernste Sache für die Regierung. Keine der unzähligen Fragen, die die Regierung jetzt zu behandeln habe, firnne an Bedeutung mit der Lösung der augenblick- Schen ernsten europäischen Krise vergliche« werden. Las Gefühl, das mitten im Laufe katastrophaler Ereignisse Großbritannien zur Passivität und p der Haltung de» Abwartens verurteilt sei, sei tief beunruhigend. Das Blatt fragt, wie lange Großbritannien auf Gnade oder Un- IHttt e den Ereignissen ausgeliefert fein solle.
Lord Robert Cecil erklärte gestern in einer Rede ß» Stevenage, die Zeit sei für England gekommen, p Frankreich zu sagen: Bis hierher und »icht weiter! Mr können euch bis zu einem pwissen Punkt unterstützen, wir können es uns aber richt leisten, ganz Europa in Verwirrung stürzen p lassen für irgend eine Sache, so gerecht sie auch ‘ fein mag. Wir und das Volk dieses Landes sind - wt allem für den Frieden. Wir müssen Frieden haben, was auch immer die Folge sein möge. Ze früher man die Fragen ' en den Völkerbund verweise, um so wahrschein- licher werde man ein endgültiges und befriedi- pndes Ergebnis erzielen.
j In die englische Kerbe haue« auch die Be- »Lhungen der englischen Arbeiterpartei, auf inter- parlamenlarischem Wege den Franzosen in die Arme zu fallen. Sie hat jetzt die Abhaltung einer Vorkonferenz beschlossen, an der Vertreter der gewerkschaftlichen und sozialistischen Bewegung aller Betracht kommenden Länder teilnehmen sollen.
y)ie Arbeiter und sozialistischen parlamentarischen Warteten Frankreichs, Belgien und Ztaliens sollen sfMlld wie möglich Vertreter «ach Loudon entsenden, um unverzüglich ein parlamentarisches Vor- gchen wegen der Lage im Ruhrgebiet sowie in der Frage der Sicherheit zu erörtern.
b In Frankreich fühlt man dieser Haltung Eng- lenb; gegenüber das Bedürfnis, das Vorgehen an der Ruhr zu rechtfertigen. Der Minister Loucheur Htt im englisch-amerikanischen Presseverein sogar Utter Berufung auf seine Tätigkeit als Unter- hindler in Versailles, ausgefürt, daß Frankreich ; NU! (Wilson!!) und Lloyd George folge. Diese Hütten stets gesagt, man müsse auf den guten Willen der Deutsche« Rücksicht nehmen. Dieser gute Wille Hebe sich niemals eingestellt. Er habe mit Rathenau enb Simons gesprochen. Jedesmal, wenn sie mit ihm einverstanden gewesen seien, habe es sich um Äe Feststellung gehandelt, daß man die Unterstützung durch den Deutschen Reichstag nicht garantieren könne. Frankreich seinerseits habe Thiers phabt, der stets ausgedrückt habe, daß die beste Möglichkeit, das Land zu retten, darin bestehe, Deutschland zu bezahlen. Deutschland dagegen habe es für die beste Politik gehalten, Frankreich nicht zu 1 bezahlen. Die Angelsachsen würden sicherlich zu- pben, daß die beste Politik darin bestehe, seine Karten aufzudecken. Warum hätten die Deutschen nicht ihre Bücher vorgelegt und erklärt: „Seht zu, i Was Ihr damit anfangen könnt?" Sie hätten das s sigar noch tun können, als die Franzosen in das Kuhrgebiet einrückten. Er sei gegen die Besetzung des Ruhrgebiets gewesen. Er kenne die industrielle Lage an Ort und Stelle; nun aber fei man einmal da und gehe bis zum jNeußersten. In zwei Monaten würden die Deutschen um Verhandlungen -litten. Die Franzosen seien ein vernünftiges Volk. Die Besetzung des Ruhrgebietes ffa kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel; po- iktische Absichten habe Frankreich dort nicht.
j Angesichts dessen, was in der letzten Zeit über dst Absichten Frankreichs durch die eigene französischer Presse gegangen ist, ist es ein starkes Stück, dir französischen Journalisten so einseifen zu wollen.
Ein englischer Protest.
*F London, 8. Mär;. .Evenlug Standard" tritt l tiWeu. „atz ein auf Rechlsgrürwe gestützt^ britischer
Protest an die französische Negierung gesandt worden sei. Er soll sich hauptsächlich mit der Besetzung der Gebiete zwischen den Brückenköpfen durch die Franzosen beschäftigen.
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Der Abgeordnete Erkelenz ist aus England zurück- g kehrt und hat nach seiner Rückkehr mit einem T. U.« Vertreter über seine dortgen Eindrücke gesprochen. Er bestätigt, daß man nwhl Interesse für Deuschlands Em- vicklung drüben habe, aber kaum ein zutressendes Urtal sich bilde. In einer Unterredung mit Barnay, der aus der Labour-Party hervorgegangen, in das Kriegskabinett Lloyd Georges eintrat, betonte Erkelenz, in wie weitem Matze manche Kreise Deutschlands sich aus die vielen Reden Lloyd Georges und die 14 Punkte W lsons verlassen hätten und wie wenig der Vertrag von Versailles all kn* entsprochen habe. Barnay war über diese Behauptung sehr erstaunt, da nach seiner Ansicht der Vertrag oon Versailles den 14 Punkten auss Saar -ntsprochen habe. Es bedurfte eingehender Darlea ungrn über die Verfälschung der 14 Punkte, um den deut ichen Standpunkt zu rechtfertigen. Sie machten au" äeu englischen Arbeiterführer zwar offensichtlich stark n Eindruck, doch sott man sich keinen übertriebenen Son- nn-ru darüber hi «geben, das solche Unterredungen, wrnv sie zum erstenmal g führt trx de , auch wirklich d uernb ibcrzcugen. Dor grosse Programmpunkt des englisch,', öffentlichen Lebens ist der Wiederaufbau nach dem Krug Die Erkenntnis, dass England den Krieg wirtschaftlich fei oren hat, führte dazu, die wirtschaftliche Wuderherstel- i'irfl rücksichtslos zu betreiben. Kein Opfer, sei es auch u d« Besteuerung des e.sernen Besitzes, wird geschont ([gemein hat man den Eindruck starker Einschränkung iberslüsftger Bedürfnisse. So fälll z. B. aus, daß trotz er bestehenden Wohnungsnot vielfach Wohnungen leer rchcu, weil das Bedürfnis, sich einzuschränkrn. gerad.> auch 'eiche und ioohlhabknde Krtese in starkem Mass? bestell
r gras ist die Wohnungsfrage eine der schwierigsten i-i "••g and und die drei letzten Niederlagen der Regierung lei Nachwahlen sind zum großen Teil aus dir unfidxre Haltung öer Regierung in der Wohnungsfrage zinüttzn mbren. Sie plante. nämlich den Mieterschutz zum l. In!, ■’bjubaucn. mußte aber dann der BolkSstiminung Rech- ,rung tragen. Trotzdem siegten bei den letzten drei Rach- -oahlen die Arbeiterkandidaten mit ihrem krassen fyefi- ralten am Mieterschutz. Man kann h»eMus zwar nicht lilg.inein Schlüsse auf die allgemeine politische Entwicklung Englands ziehen, doch b weisen derartige Rach- a >tt wie stark das innerpolitische Leben im Vorder- gründe des Mannes der Straße steht. Um Außenpoliu' "ümaurt man sich in England außerhalb da Kreise br Verusspolitiker beinahe noch weniger als in Deutschland sicher Einzelne überlässt dem Führer der Partei die Lei hing der auswärtigen Politik vertrauensvoll.
£>?rmit zur Aussenpolitik übergehend, w>everholt Grefe- lenz seine schon von London aus geLnherte Auffassung, daß es vollkommen irrig wäre, von England heute eine Intervention in der Ruhr- fr LW« zu ettoaxtex Wohl üracken mit Bvsncihme bet Northeliffe-Prrsse dir englischen Zeitungen die Nachrichten ihrer Kvrresnondcnten über die ftmi-ösifcheu Gewalttaten an Ruhr und Rhein in weitem Maß- ab und -erbehlen auch nicht, wie sehr sie diese Gewalttaten mist- lill'grn: aber der Grund zu dieser Mißbilligung ist mehr »arht zu suchen, daß sie es sportlich unfair empfinden, daß Frankreich seinem knockout geschlagenen Gegner nun auch noch den Hals umdrehen will. D e Auffassung des Mannes der Stratze ist auch noch heute die, unsere Söhne sind in Frankreich gefallen, eine Intervention würde ein feindlicher Akt g-gen dasselbe Frankreich seilt. Außerhalb der Rorthclifst-Presst zeigt sich ein langsam fortschreitender Umschwung, aber England wird nur intervenieren, wenn ;3 Frankreich wünscht und auch dann nur, nm die schlimmsten Stöße Frankreichs gegen Deutschland etw.'s zubiegen. Abschließend kam der Abgeordnete Erkelenz mckmals daraus zurück, wie unendlich wertvoll es für deutsche Politiker und Presseleute sein müßte, das England der Nachkriegszeit aus eigener Erfahrung kennen zu -tuen. Besonders warm befürwortete er. daß auch führend« deutsche Presseleute sobald wie irgend möglich längere Studienreisen nach England unternehmen.
Gin Wer NM Irr deiWn UtgitM.
Berlin, 8. März. Gegen die jüngsten Strafverordnungen der interalliierten Rheinlandkom- misfion, durch die dem deutschen Eisenbahnpersonal die höchsten Freiheits- und Zuchthausstrafen, die Deportation nach belgischen und französischen Gefängnissen sowie die Todesstrafe angedroht werden, ist durch die deutschen Vertreter bei den Regierungen in Paris, London und Brüssel eine Protestnote überreicht worden. Die Rote verweist darauf, daß der Zweck dieser Strafbestimmungen, die von einer unerhörten Grausamkeit seien, lediglich darin liege, die deutschen Eisenbahnbediensteten zu zwingen, sich im Widerspruch mit ihrem Diensteid, ihrem Dater- landsgefühl und ihrem Gewissen aktiv an der rechtswidrigen Aktion Frankreichs und Belgiens gegen Deutschland zu beteiligen. Zn diesem Bestreben sieht dis neueste Verordnung der interalliierten Rheinlandkommission, die, wie die deutsche Regierung feststellt, gegen Deutsche einen selbst in Kriegszeiten verbotenen Zwang zur Dienstleistung gegen das Vaterland auszuüben sucht, ihr Mittel. Die Leichtfertigkeit, mit der die interalliierte Rheinlandkommijsion über Tod und Leben
verfügt, geht so weit, daß sie die Todesstrafe an Tatbestände knüpft, deren Dehnbarkeit der Willkür Tor und Tür öffnet. Daß in die Hand der Militärbefehlshaber auch die Bestimmung über di« Art der Vollstreckung der Todesstrafe gelegt wird, kann nur, so schließt die Role, dahin ausgedeutet werden, daß die Exekution von all den Regeln befreit sein soll, die Humanität und Gerechtigkeitsgefühl gegen den schwersten Verbrecher in seiner letzten Stunde gebieten.
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Parts, 3. März. Mr die .Republique Fran- tai[c* mttteilt, wtrv Potucarö morgen zum zweilen Mal vor dem Kammerausscvntz für auswärtige Angelegenheiten ertcyelnen, um feine vor vierzehn Tagen begonnenen Ausführungen über die Besetzung der Ruhr zu beenden und sich bauet über das Zollregime in den besetzten Gebieten aussprechen. Poin- care werde auch über die Folgen der Konferenz von Lausanne sprechen.
Paris, 8. März. Der Abgeordnete von Guadeloupe kündigte, wie Havas berichtet, dem Ministerpräsiden Poincarö eine Anfrage an wegen der Zurückziehung einer französischen Division aus dem Ruhrgebiet, in der etwa 200 farbige Soldaten, Kreolen aus Guadeloupe und Martinique dienten.
Paris, 8. Wtät). Der finanzielle Sachverständige Schweißgurh hat das Ruhrgebiet verlassen und ist endgültig nach Paris mrückgelebrt. Er bat heute einen Bericht erstattet über die Maßnahmen, die er- gitssen wordcn seien, um die Einziehung der Steuern e. iuitcnen, die die alliierten Regierungen in den besetzten Gebieten zu beschlagnahmen gedenken. Es tzondle sich um die Koylenileuer, um das Regime der üxportlisten, die Einziehung der Solleinnahmen, ine Beschlagnahme des Alkoholmonovols und die Tabak- ,'rb Wetnstcucr.
Zwei französische Rechtfertigungsversuche.
Berlin, 9. März. Die französische Regierung hat gestern zwei Noten veröffentlicht. Die eine kommt auf die jüngste Erklärung des Reichskanzlers Dr. Cuno zurück, daß amtliche Vorschläge der deutschen Regierung auf der Londoner Konferenz nicht berücksichtigt worden wären. Poinears versucht die Dinge so darzustellen, als hätte er nach einer entsprechenden Mitteilung des deutschen Botschafters Dr. Mauer die Mission Dr. Bergmanns in London als bloßen Besuch aufgefaßt, von einer beabsichtigten Unterbreitung schriftlicher Vorschläge keine Kenntnis gehabt. Die zlveite Note des Quai d'Orsep sucht die Sperre der Häfen von Mannheim und Karlsruhe mit der Notwendigkeit der Kontrolle der Rheinschiffahrt zu rechtfertigen und die Besetzung der Ersenbahnwerkstätten von Darmstadt mit dem Recht der Verbündeten (nicht aber Frankreich und Belgien allein'), nach dem Friedensver- trag in gewissen Fällen die 30 Kilometer-Zone zu besetzen.
Eine Zensurverordnung Degoutte«.
Düsseldorf, 9.März. General Degoutte bat eine V'rs'g-ing zur Regelung des Zeitungswesens, der Theater und Kinos erlassen. Diese neue Verordnung bedeutet eine völlig- Knebelung des geistigen Lebens des neubesetzten Gebiete»
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Holland protestiert.
London, .8. März. Der diplomatische Bericht- erstatier des »Daily Telegraph" erfährt, Holland habe Vorstellungen bei bet franz »tischen Regierung erbeben lassen bezüglich bet Einmischung tn die Rbelnschiffabtt infolge bet französisch-belgischen Blockade. Es wirb für außerordentlich bebaner- l'ct! angesehen, baß die Internationale Rbeinkom- mission und die internationalen Konventionen bezüglich bet Rheinschtffahrt vollkommen ignoriert würben.
Mk es Michl wiri.
AIS bie Friedenskonferenz in Paris zusammentrat unb ben Staatsmännern von jenseits bes großen Teiches bie europäische Geographie nabe gebracht werben mußte, bemühte stch Herr Clemenceau eifrig um bie Hcrbetschaffung von Aufklärungsmaterial. WUfon würbe auseinanbergefetzt, baß bas Saarge- biet von rechtswegen französisch werben müßte, benn bte gesamte Bevölkerung des Saargebiets empfinbe die stärksten Sympathien für Frankreich und habe bies in einet Abresse an bte Friedenskonferenz zum Ausdruck gebracht. Elemenceau wies ein Schriftstück vor mit zahlreichen Anlagen, die mit tausenden und aber* taufenden von Unterschriften bedeckt waren, und in diesem Schriftstück wurde der Anschluß deS Saarge- bietS an Frankreich verlangt. Erst nach Inkrafttreten des Versailler Schandvokuments erfuhr man, daß diese und ähnliche Ergebcnyetisadressen von französischen Schreibern in mühevoller Arbeit in verschwiegenen Kammern hergestellt worden war. Ein weiteres Beweisboknment Clemenceaus waren die Fälschungen des meineibigen Miigliedes der vom Dölkerbund eingesetzten Saarrcgierung Dr. Hektor.
Clemenceau ist aus seinem Amte geschieden, Poincare steht fevt an feiner Stelle. Die Mischer» Methoden sind aber bte gleichen geblieben. Augenblicklich ist man badet, eine Unterschriftensammlung für die .Nbetntfch-französtswe Republik" herzustellen. Unb bas wacht man fo. Die d-unche Bevölkerung protestiett im besetzten unb int Einbruchsgebtet be
kanntlich burch ben Boykott gegen bie Militarisierung bet Eisenbahnen und die Vertreibung der Etsenbahw- beamten. Nur Wer ganz unanfschiebliche Geschäfte hat, stürzt sich in die Lebensgefahr, einen von ftan« zöstschem Personal gefahrenen Zug zu benutzen, beim mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mutz bet Stet» fenbe mit einem Eisenbahnunglück rechnen. Die Franzosen haben nun auf verschiebenen Bahnhöfen feine Fahrkarten verkauft, fonbent ein Buch zur Eintragung auSgelegt uttb bann Freifahrt gestattet. WaS steht aber auf bet ersten Seite des BncbeS, bte natürlich kein Mensch lieft? .Unterzeichneter erklärt stch hierburch als Anhänger bet rheinisch-französischen Republik!" Run wirb wohl Hen Polncarä bemnächst mit einem dicken Buch unter btm Arm bte Rebner» trlbünc bet französischen Kammer besteigen und et- Nären, die ftiedltcve Jngenieurmission habe auch di« Aufgabe, die unicrbtüdien Rheinland« vom deutschen Joch zu befreien. Ctemencean aber wird gelb werden vor Neid. Er fälfchte wie ein gewöbnltcher Verbrecher mit unechten Unterschttsten, Poincare aber ffr gar mit echten!
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Einstellung des Hector-Prozesses.
Saarbrücken, 8. März. Das «ft'maüge ländische Mtgüed der Regierungskommission, Dr. Sott* tor, hat den Strafantrag gegen den SRebahem Dr. Franke von der „Saarbrücker Zeitung wegen Beleidigung, begangen burch den Vorwurf, Hector habe schmählichen Landesverrat begangen, zurückgezogen. Das Verfahren ist daraufhin eingestellt worden. Di« Msten des Verfahrens wurden Hector auferlegt, einschliesslich derjenigen des Angeklagten.
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Die Doge io den befetten Bedielen.
Mannheim, 8. Mürz. Di« Franzosen hab«.« um 2y2 Uhr nachmittags in Stärke von 120—130 Mann von Altrip aus bei der Rheiusähte den Rhein Übertritten. Sie besetzten den Hafen von Rheinau, ein Boeoet von Mannheim, und find jetzt im Begriff, gegen den Ort Rheinau zu marschieren.
Dortmund, 8. März. Die Franzosen haben gestern den Bahnhof Dornap b. Elberfeld besetzt.
Bochum, 8. März. Zm bergischen Lande find weitere Strecken südlich von Wipperführth unb Engelskirchen durch die Franzosen besetzt worden. Die Besetzung von Lünen wurde 3 Kilometer weiter nördlich verlegt. Zn das.neubesetzte Gebiet fallen die Schachtanlagen der Zeche Preußen 1 bis 3.
Die Besetzung Dortmunds.
Dortmund, 8. März. Heute früh rückten starke Truppenmassen aus der Richtung Dorstfeld unb Herten in bie Stabt ein. Hier umstellten sie die Schule, in bet bte Schutzpolizei untergebracht ist unb entwaffneten die Beamten. Dau« würben Beamte unb Offiziere mit unbekanntem Ziel ab. transportiert. Das Stadthaus unb bie Polizeiwache in bet Steinstraße finb von ben Franzosen besetzt. — Mit bet Besetzung bes Hauptbahnhofs Dortmunb würbe bet wichtigste Eisenbahnknotenpunkt, bei für ben Verkehr von unb nach bem unbesetzten Deutschlanb noch in Frage kam, stillgelegt. Heute mittag zogen bie in Dortmunb eingebro» ebenen französischen Truppen in Richtung Scharn- horst wieber ab. Nach Vertreibung unb Fest- nähme bet Dortmunbet grünen Polizei ist bie Stabt ohne jeglichen Schutz.
Dortmunb, 8. März. Bei ben Verhanb. lungen mit bem Bürgermeister erklärten bie französischen Offiziere, baß bet Einmarsch in Dortmund der Entwaffnung unb Verhaftung bet Schutzpolizeibeamten gelte. Die Fran«, zosen suchen im Stabthaus einen bestimmten Schutz« polizeibeamten, bet sich angeblich bort versteckt hält. Vor bem Stadthaus steht ein Panzerwagen, an der nächsten Straßenecke find mehrer« Maschinen, gewehre aufgestellt.
Dortmund, 9.Marz. Um 41/, Uhr nachmittags ist das Stadtbaus wieder geräumt worden. Ein Teil der Truppen ist wieder abgciückt. Der Bürgermeister wurde in seinem Amtszimmer festgehaltrn, bis btt Truppen da« StadtbcmS räumten. Mittags wurden das Amtsgericht und das Landgettcht vorübergehend besetzt. Gegenwärtig befinden sich noch Truppen m der Kreuzschule und im Gymnasium. Die Zahl der verhafteten Schupoleute beträgt 430. Die Polizeioffiziere Röst, Schäfer und Böscher wurden in einem französischen Massenguartier gefangen gesetzt. Die Polizeiwachtmeister wurden auf Lastkraftwegen, begleitet von Tanks nsw und ftanzösischeu Kinoopcrctteuren. teils in Asstl ausgesetzt, teils in bet Richtung Stockum abgefahren. Sie sind um I/$5 Ubr in Unna eing-krosk-n Nach einer anderen Melduna befinden sich noch 15 Polizeioffiziere, darunter der Kvmmondeur, in Haft.
Dortmund, 8. März. Der Hauptteil der ftan- zös schen Truppen ist gegen Abend wieder obgeröckt Ter stegiemngstat Kielborn und der Bürgermeister Fiscker, die heute morgen von ben Franzosen verhaftet wordcn waren, sind auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Teil bet Weggefährten Schupomauuschasten ist h«l« Brakel au* gesetzt worden.