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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurheffifche) Oberheffek

9t. 51

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Die ReilhstWdeblltte zur Kunzlererklürung

Wo

Rubr und den Rdein auf ewig zu bebalten.

Berbandlun-

fetne aanze des Neübs-

mentsmitglied Wifel faßte, er stimme dem Vor­redner bezüglich der Stabilität bet deutschen Re­gierung nicht zu. Frankreich habe einige sehr tö­richte Fehler begangen. Wenn Frankreich Frieden und Sicherheit haben wolle, so muffe es weit we­niger für seinen Militarismus ausgeben. Wisel bedauerte, daß die Bereinigten Staaten nicht in den Antrag eingeschl^sen wurden. Das Arbeitermit­glied Wheatlq, einer der vier Glasgower So­zialisten, die vor kurzem dem Ruhrgebiet einen Be­such abstatteten und danach einen Bericht veröffent­lichten, erklärte, England habe fein Recht, die europäischen Rätroncn von der Zinne einer höheren Moralität herab zu belehren. England, das Frankreich darüber belehre, was es im Ruhr­gebiet tun soll, sei das Land, das dir deutschen , Schiffe beschlagnahmt und keinerlei Bedauern über ; diese Beschlagnahme au-gedrückt habe, unb- be»^ Deutschland»« Kolonien beschlagnahmt habe. Zum Schluß sagte Wheatly: Moralisch sind wir genau. ! so schlimm wie Frankreich, und wir müßten ihm als ehrliche Männer gegenübertreten. Dem franzö- ffschen Wunsche nach nationaler Sicherheit aber , muffe Genüge getan werden. j

dieses Unrecht anaetan wird, kann von gen fetne Rede sein.

Abg. v. Graefe (i>euttot*5rr.) setzt Hoffnung auf die Tat. die den Worten

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1923

nar.nt werden könne, sehr schwierig sei, einen Aus­weg zu finden. Unter Bezugnahme auf das von Macdonald vorgelegte Schreiben Banderveldes faßte Bonar fiat», es habe nach bet Pariser Kon« ferenz geheißen, baß Theunis nach bet Rückkehr stützen werde. Et sei jedoch nicht gestützt worden. Der Etund sei wohl, baß die belgische Kämmet bU Aktion im Ruhrgebiet sehr gern sehe und fie vor« läufig billige.

Englische Opposition gegen Bonar Lawr Inter« ventionsstandpunkt.

Paris, 8. März. Bon den englischen Abends blättern erklärt dieEvening News" die Ausfüh« rungen Bonar Laws über die Ruhrbesetzung für nicht zufriedenstellend. Eine größere Ermutigung tzätte Frankreich nicht gegeben werden können al» durch das Versprechen Bonar Laws, sich von jeder Intervention fernzuhalten und zwar deshalb, weil Frankretch darin einen feindseligen Schritt erblicket würde. Das genannte Blatt fordert eine stärker» politische Initiative in den auswärtigen wie in den inneren englischen Angelegenheiten.

Handlungen sei schon darum zwecklos, weil Frankretch erklSrt habe, es betrachte jeden versuch einer Verrnitt- tung als feindseligen Akt. Dar Ziel unseres Kamp­fes könne also nur das sein, bafj Frankreich gezwun­gen wird, seinen Wfderstand gegen die Fortsetzung internationaler Abmachungen über die Reparationen auszugeben. Poincarä hat neulich gesagt, Deutsch­land habe Geld für die Stützung der Mark, aber nicht für ^Reparationen. Jahrelang warf man uns vor, wir zerstörten unsere Währung. Aber setzt, da wir etwas für die Stützung der Mark tun, heitzt es, dafür hätten wir Geld, aber nicht für Reparationen. Die Parteiunterschiede kann man in einer Einheitsfront nicht aufheben, aber man kann und muß sie zurück- siellen. Das gilt in diesem Augenblick auch für den Gedanken des KlaffenkampfeS. Der Einheitsfront wird nicht damit gedient, da« Phantasten die Zähig­keit in dem schweren passiven Mbwedrkampf lähmen durch den Appell an Soffen, die garntcht vorhanden sind.

W. Dr. Dernbnr» (Dem.) rüvmt die TStta- keit deS Abg. Korea, der sich als ein unerschrockener Frontkämpfer an Ruhr und Rhein erwiesen habe. Frankreich verlangt Zahlungen von Deutschland, will aber gleichzeitig ein zahlungsunfähiges Deutschland schaffen. Die Unterschrift Frankreichs unter Wilsons 14 Punkte war eine ungeheure Felonie. lLebdafte Zustimmung.) Das nächste Ziel Frankreichs besteht darin, das deutsche Reich und seine politische und wirtschaftliche Straft zu vernichten. Wir wißen setzt, *"ohtn die Wünsche Frankreichs bei der Revision des Versailler Vertrages gehen. Poincare wünscht die

Bonar fiaro faßte zu Seßinn feiner Erklä- turg, die Angabe, daß beutfche Arbeiter ersucht worben seien, für bie Rheinrepublik zu wirken, habe keinen großen Eindruck auf ihn ßemacht. Dies sei nicht bie Politik bet französischen Regierung. Eng­land sei kriegsmüde, aber er könne dem Hause ver­sichern, daß, wenn die Sache, für die zahlreiche Red­ner eingetreten seien, angenommen würde, man, statt die Entente zu erhalten, weitergehen und sich auf die Möglichkeit vorbereiten müffe, seine» Willen Frankreich durch eine» Krieg aufzu­zwingen.

Das scheine eine unvermeidliche Schlußfolgerung zu 'ein. Es würde sich nicht im mindesten der An­nahme des Verfahrens, das die Franzosen ange­wandt hätten, widersetzt haben, wenn sie erfolgt wäre, um die Forderungen zu sichern, von denen er denke, daß Deutschland fie erfüllen könne. Deutsch­land könne diese jedoch nicht erfüllen. Daher sei er her Ansicht gewesen, daß er verpflichtet gewesen sei ich von bet französische« Regierung abzusondern. Die Regierung erkenne, daß es für die Nationen, die unternommen haben, was ein Abenteuer ge­

ben gerichtet: Auf Grund welcher Bestimmung de» französtschen Rechts oder auf Grund welche» Inter« nationalen Rechtsgrundsatzes darf unser Besatzung?«

tot Wttatte im ngMn Unterteils Bonar fiaro gegen die Intervention, die Krieg mit Frankreich bedeutet.

Zm Unterlaufe wurde gestern ber Antrag Ram,ay Macdonald verhandelt, durch interparia- mentarische Konserenzen die Ruhrfrage zu lösen. Zur Begründung jagte er, schon die Ankündigung einer VLraßrWn Zusammenkunft würde eine be- cuhigenoe Abiifunfl in der Wett haben. Es würden die französischen Befürchtungen bezüglich bet Sicher­heiten und Reparationen behandelt werden. Bel­gische und französische Sozialisten hätten ihm zu­gestimmt. fiorb Ee.il wollte alle derartigen Fra­gen an den Völkerbund verwiesen haben. Das englische Volk wolle alles von der Art eines Krieges vermeiden und wünsche eine ernstliche Freundschaft mit Frankreich. Es sei jedoch auch der Meinung, daß gewtffe Tatsachen in der deutschfeindlichen fran­zösischen Politik beunruhigend bis zum Aeußersten leien. Der Nationalliberale Mutrey erklärte, keine Aktion dürfe unternommen werden, bie die Stellung der augenblicklichen deutschen Regierung untergraben könnte. Das konservative Parla-

ranzlers folgen tolle. Die Illusionen vom BolkSfrie- ben feien durch die Greueltateu an der Ruhr htn- fällig geworden.

Ada. Frau Zetkin <Som.): Trotz des demon­strativen BeifallS, den die Reichskanüerrede gefun­den, fei festzustellen, daß sie sich in dem alten Schema bewege. Es werde forigewurftelt. Die ErfMnnaS- volitik fei leider unvermeidlich geworden, weil die Arbeiierfchaft eS verabsäumt habe, die revolutwnären Kräfte gegen »,en französischen Imperialismus eiu- znfctzen. Die Lasier der ErfüTungspolitik dürst-» aber nicht weiter nur von der Arbeiterschaft getragen werden, sondern müßten den Kriegs- und Balutage- wbmckern ÄufeflMhrbet Wetten. DaS flhmr ober nur dann gefck'eben, wenn das PrÄeiattat die Macht er­kämpft bade.

Abg. Ledebour (Unab): Alle Parteien sind m«t der Verurteilung des verbrecherische« Rndrein?allS einverstanden. Redner bedauert, dass der Reichs­kanzler dagegen eine allgemeine Hetzrede gegen Frankreich gebalten und alle ««Handlungen abge- lehnt habe.

Abg. Leicht (Bahr.) begrützt die Einmütigkeit in der geschlossenen Abwehr der französischen Gewalt- polittk.

Vizevräsideut Dr. Bell fchlietzt die Aussprache mit der Feststellung, sie habe den schwer kämpfenden Brüdern an der Ruhr und am Rhein gezeigt, dass der Reichstag hinter ihnen steht in ihrem Kampf der FvecheU gegen die BerMavnng.

bleiben die Garantien der Haager Konvention und des Versailler Vertrages? Die Vereinigten Staaten sind doch für Recht -nd Freiüeit und die Ideale der Demokratie in den Krieg gezogen. England freitico bat sich nicht unerhebliche Mühe gegeben, Frankreich zurück,ubalte«, aber leid« ohne Erfolg- Solange uns

Jnnerpolitische englische Sorgen.

In den letzten Wochen hat daS englische Kabinett drei Wahlniederlagen erlitten, die seine Stellung stark erschüttern. Gestern ist ber Finanzsekretär im Schatz­amt Mator HiüS von der Arbeiterpartei geschlagen worden. Die Wahlniederlage Hills bat in politischen Kreisen riesiges Aufsehen hervorgerufen. Die ®lütter schreiben, «L fei allgemein angenommen worden, vah Edgehill ein sicherer Sly d« Regierung fei. In bet parlamentarischen Geschichte gebe es kein Beispiel, daß drei Mitglieder deS Ministeriums unmittelbar nach­einander bei Ersatzwahlen geschlagen wurden. Diese vage w«de etne endliche Prüfung durch daS Kadi- mtt erfordern. DaS Ergebnis von Sdgehiü wurde im Unterhaus bekannt, als üb« den Arvetteramtag avgestimmt wurde. Unter den ArbeitermitgUederir lenfdjte große Begeisterung, die sich in lauten Kund­gebungen Lust machte.

Die »Daily SteroS* bemerkt zur Niederlage Hill-, btefe habe bei ihrem Bekanntwerden im Unterhaus wie eine Bombmexploston gewirkt. Das Umnliege« des Finanzsekretärs deS Schatzamtes, d« einen der wichtigste« Posten ht der Regierung inne habe, zn- mal im gegenwärtigen Zeitpunkte, wo die Stabriw- gung deS Budgets nabe bevorstehe, habe bie Schwieriakeiten Bonar LawS bei ber Vervollständi­gung feiner Regierung noch benächtlich «höht. Augenblicklich feien bie Posten bei GesunbheitS- ministerS, beS FtnanzfekretärS beS Schatzamtes, deS UnterstaatSfekretärS beS Innern unb beS Lordadvo­katen von Schottland im Unterbaute nicht bertreten.

London, 8. März. Neville Ehamb«lain wurde anstelle de« zurückgettetenen Ministers BoSeave« zum Gefunddeitsminister ernannt: Johnson Heck- wird Ehambrrlains Nachfolger al- Postminist«.

Bit InnMA WM an kt M.

Pari-, 7 Mär».Ecko de Pari," teilt mit, daß die französische Regierung eine Erwiderung aus die deutsche Dxrtkschrist über de« von Frankretch und Belgien be- zanaenen Rechtsbntch im Ruhrgebiet ausarbeiten werbe.

Paris, 7. März. D:r Senat hat im Lause sfin« gefirigen Beratung, nachdem Ministerpräsident Poin- rtnre für die 18m»nat'ge Dienstzeit die Vertrauensfrage gestellt batte, den Artikels des Gesetzentwurf-, ber die Dauer der Dienstzeit auf 18 Monate festsetzt, durch öanda'rfbrben angenommen.

Pari-, 7. März. Das Krieg-minlsterium wird die JabreSklaffe 1921 in drei Etappen entlassen. Am 25. April diejenigen, die an de» äußere» Overations» grlnzen gedient haben ob« bie auS b« ehemalige« Kampfzone stammen. Am 15. Mai biesenigen, bie a«S Nnberreichen Familien stammen, ob« bereu Söhne, Väter ob« Brsib« kriegsgefangen gewesen (tnb; ber Rest soll am 31. Mai entlassen werden.

Puri», 7. März. Der kommunistisch« Abge­ordnete fiafont hat an Poincarä folgendes Schrei»

Das 66, its UnslanöH.

Auf bie Kanzlerrede antwortete die Pariser Presse in der Mischung tru3 Gknchgüttigkttt und Hohn, wie man ermatten könnte:

Paris, 7.März. Zu bet Rede des Reechskanzlers erklättFigaro", fie sülze ber allgemeinen Linie einer Politik, bie gegenüber einem kriegerischen Frankreich nicht provozierend und umso geschickter fei je inhaltloser sie scheine. DerGaulois", der den maßvollen Ton der Rede au«kanut, siebt da- Charakteristische in Sen Ausführungen deS ReichSkanzlnS darin, baß sie eine Regelung bet Revarationsfrage vermittels eines loyalen, frei abgeschlossenen Abkommen- wünschen.Bet t Pari firn" unbPetit Journal" finden nichts Reue- iv der Rede und behaupten, die deutsche Reginrnng werde kwt ihr« Angabe, daß ihre Angebote vor der Ruhr» besehung verdient hätten, ernst genommen zu werden, immer Schwierigkeiten begegnen. Nach trrBictoire" dat die ftanzösische Regierung mit der Zurückbehaltung der Jahresklasse schon im voraus dem Kanzler geantwor­tet. DaS deutsche Volk müsse wissen, was diese Geste bedeute.Ere Rondelle" meint, die Rede werde die Hoffnung-» znnichte machen, die gewisse Lent? auf ein rasches Schwenken in der Haltung Deutschlands gesetzt bitten Das Blatt glaubt, daß Pvinrarö den ihm von der Kammer bewM'gten Kredit bereit? «schöpft habe und nun dadurch, daß er zu den Gewol'n besten unglücklicher ^cschästZleute seine Zuflucht nehme, den Versuch unter- nehme, wieder Boden zu gewinnen.

DasJournal des Debats" schreibt zur Rede des 'nmtfch.m Reichskanzlers, fk sei vor allem ein 'Appell an Harding u. Bonar Sato. Gestern ent aber habe er htt Unter« 'lüri'c r.Tdvt. ec «olle nicht eingreifen. Das Washins» tetter Samneti jci gkichfaUs entfchlosien, sich nicht ein-

zumischen. Wenn Cuno ein Staatsmann wäre, würde er unverzüglich die Schlußfolgerung ziehen: er würde einen Waffenstillstand nachsuchen bevor das deutsche Volk durch eigene Schuld in die allgemeine Misere geraten sei. Wk die .egienntfl Michaelis, so könne die Regkrung Cuno nur zum Nutzen d« Rechten den Burgfrieden predigen Wenn ber Reichskanzler sich bereit erkläre, zu verhandeln, dann behaupte er etwas, was in b« Domäne d« inter­nationalen Beziehungen keinen Sinn habe; er unternähme (amit nur eine Operation d« inneren Poliük. denn cv sei nicht mehr bereit, die notwendigen Garantien an» zubieten. Dieselbe Meinung vertritt, wie auf ein ge- si-benes Stichwort hin, auch berJntransigeant". Er sagt im übrigen, die Rede des ReichSkanzlerrS habe gar keine Bedeutuuz. D.eSibcrte" findet, daß die Rede deS Reichskanzlers n* d..-. de» englischen Premiermini­sters genau pawllel nebeneinander hergehcn, ob«, wenn man wolle, sich ergänzten. Keine von beiden bringe eine Lösung.

London, 7.März. DeTimeS" schreibt, die gest- g 5t.be des Reichskanzlers Dr. Cuno habe keinen Hin- | -ns darauf gegeben, welche Vorschläge die deutsche r^emnz zu mach« bereit sein würde. Es scheine daher, als ob der Konflikt sich hinschleppen werde, trotzdem, ein» tat mftitrn B«han»lung n üte; e ne Regelung beginnen, und es scheine das Bestreben vorhanden zu sein, für eine rvüiüx-rung des Versailler Vertrags in einem für Frank­reich günstigeren Sinne einzuireien.

ip' ' SIS. Sitzung vorn 7. März.

jf Präsident Löb« verliest ein Schreiben d« Rhein- ftnidkommission, da- die Ausweisung des demokratischen Kbfleortmeten Korell auS dem besetzten Gebiet damit gegründet, dieser habe hort eine »«hetzende Tätigkeit «usgeübt. (Stürmische Enttüstungsknnbgebungen.) Prä- fibent Löbe knüpft an bkfe Mitteilung die Bemettung, diese neue brutale Gewalttat beweise nur, daß Abg. Korell seine Pflicht «füllt hab«. Dafür gebühre ihm der Dank deS Reichstages.

' Abg. Dr. David (Soz.) verweist auf die brutalen Gewalttaten im Ruhrgebiet. Frankreich komme es nicht K»f Reparationen, fonbern auf die dauernde Besetzung de« Gebietes an. Mit einem Frankreich, bas nur Repa- firmen unb Ruhe will, können wir uns verständigen. Mit finem Frankreich, bas deutsches Gebitt an sich reißen DA, ist eine Verständigung unmöglich. DaS im fran- gSsisch-russlsche« Vettrag von 1917 aufgestellte Annexions- Programm -ßokle jetzt v«toirklicht weiden. DaS «gebe sich auch aus der geheimen Denkschrift des französischen Deputierten Dattac. Die Masse bet französischen Klein­bauern unb Arbeiter sei mit bkfer imperialistischen Politik sicher nicht einv«stanöen. Das beutle Volk And bie deutsche Sozialdemokratie werde solchen Plänen entschlossenen Mderstanb entgegensetzen Du Erfüllnngs- Nlitif muß fortgesetzt werden. Wir begrüßen es, daß b-r Reichskanzl« gestern diesen Willen ausgesprochen hat. Deutschland muß im Sinne der Vereinbarungen auf den internationalen sozialistischen Konferenzen erklären, daß eS den Wiederaufbau ber Gebiete Nordsrankreichs und Bel­giens als moral.sehe Ehrenpflicht betrachte.

Abg. H e r g t (Deutsch».) wird von Kommunisten und dielen Sozialdemokraten mit höhnischen Zurufen empfan­den. Er sagt: Ich Bin gewiß berufen, zu dieser Frage zu reden, denn ich bin im Ruhrgebiet gewesen. lLantes Gelächter auf der äußersten Linken.) D> Ding? sind wahrhaftig nicht zum Lachen. Was nun im Ruhrgebi't bei den Franzosen sieht, ist reiner Sadismus (Laute Zurufe bei den Sozialisten. Es entwickeln sich Lärm- jzenen, in deren Verlauf der Ang. M'ttwoch. Komm., «ur Ordnung geruftn wird.) Wir danken dem Reichs­kanzler für feine gestrige mannhafte {Hebe. Das Wort Erfülllurgspolitik müßte heute eigentlich ourch die Tat fachen seine Existenzberechtigung verloren haben. Aber mit den Ausführungen des Reichskanzlers sind ntcht alle Unsere Wünsche «füllt. Wir hätten den Abbruch bet diplomatischen Beziehungen und Vergeltungsmaßrezeln hegen Frankreich und Belgien gewünscht Das hätte dem Völkerrecht entsprochen, und Deutl^lanhz Ehre ver­langt eine solche Maßnahme. Die Regierung hat dem Gegner schon fast »uvkl angeboten und -st damit eigen:» sich schon flirr den Nahmen unserer Seijbtnß5fa>igiei: hinausgegangen. Wir begrüßen die Erklärung des Kern? Io®, baß rnan mit dem Gerttw 5b« BerbarMnngen auf- hören müsse. Das müssen für das denlsche Bott SBort:. don Stahl sei». In bkfer schweren Zeit muß die Autor-- löt der Regierung unbedingr gestützt werden. Wir ver­lang?» daS schärfste Vorgehen gegen Landesverräter und Flanmacher. (Erneut« Lärm auf der Linken.) W-i müssen diese nie wicderkehrende Stunde benutzen zur Wie» beraufriefitung unserer Existenz und unserer Macht. Jetzt B'bt es kein Zurück mehr, nur noch ein Vorwärts l (Bei­fall rechts, Unruhe links.)

Abg. Marx (Ztr.): In dies« ernsten Stunde siebt ans unsere Verhandlungen die ganze Welt. Auch die küm» .Pfende Bevölkerung au der Ruhr wirb kein Verstäub- vis siir die Szenen die sich soeben hi« abgespielt, haben. Den Optimismus aber, mit dem Abg. David die Stirn- ktung der Franzosen beurteilt, kann ich nicht teilen Wir stehen leid« tatsächlich allein. Abu wir haben weit mehr als im Weltkrieg diesmal einmütig bie Ueber- tnigung, daß bas Recht auf unser« Sette ift Wir haben bie sich für eine Verständigung bietet, wahrgenommen «nm Reichskanzler das Vertrauen, daß jede Möglichkeit, wird. Jetzt muß eMich Frankreich den Berstäudigungs- Millen zeigen. Ein großer Erfolg des Rnhreinfalls ist sestrustellen: Das deutsche Bott hat sich in feiner Ge­samtheit endlich toieberflefunben. Die Arbeiwrschaft im Rubrg-biet vudient den ganz besonderen Dank b« Nation.

Adg. Dr. Stresernann <D. vpt.) schließt sich dem Dank an die Ruhrevölkemng an und bezeichnet »»nächst die Behauptung de» Berit»« Vertret er 3 des Patts« .Journal', al» ob die sächsische Regierung fcm ein Nachgeben gegenüber Frankreich «sucht habe, als von Anfang bis zu Ende erfunden. Ebenso sei dir Behauv«ung erfunden, daß die Finna Krupp in Essen stch unter amerikanischen Schutz gestellt habe. Noch weniger wahr sei das Böttengerücht, daß et (Sebner) dem Reichskanzler entgegentreten und die Verständigung vettangen würde. Kein verständig« Mensch »vürde einer Buständigung mit Frankreicb widerstteben. Aber Frantteich habe ja alle Voraus­setzungen dafür außer acht gelassen. Wir wenden ans gegen jede Abttennung deutfchen Gebietes, auch drttchleierte Annexion. Die französische Aktion hat tatsächlich den Erfolg gehabt, einen berechfigten Has; »egen Frankreich zu «zeugen, von dem selbst im Kriege nichts z« spüren war. Daß Frankreich keinen Anlatz bat, ein heimlich bewaffnetes Deutschland zu fürchten, zeigt sich ja jetzt, wo die Regierung die schwer leidende Ruhrbevölkernng fchntzlos lassen mutzte. Redner weist dann die Behauptung über Deutschlands mangelnden Leisinngswillen zurück. Auch von einem wirtschaftlichen Ziel im Ruürkampf Arme keine Rede sein. Die Frage sei nur, in wei­tem Lande dnrw die Nnhrok-iou grötzue roirtidwil--

heer zur Zeit tm Ruhrgebiet mitten im Frieden ein« Anzahl von Akttonsmitteln anwenden, die bi» jetzt nur als die traurige Folge des Krieg-rechts allein oder genauer gesagt, des Mangels an Recht in Kriegszeiten, wo ausschließlich die Gewalt re­giert, betrachtet werden? Ach meine namentlich die Verhängung von Kollettivstrafen für individuelle Handlungen, Strafen, die die ganze Bevölkerung treffen.

Poinearö reift nach Brüssel.

Paris, 7. März. Nach einer f)aoa==9RcIbung aus Brussel wird Poincar<r am Montag den 12. März für einige Stunden dort eintreffen und an einer Konferenz im Ministerium für auswärtig« Angelegenheiten teilnehmen. DerTemps" gehl über diese Nachricht hinaus und behauptet, die Kon, ferenz werde zwei Tage in Anspruch nehmen und sei durch keine neuen Tatsachen veranlaßt, sonder« durch die ei»,vge Sorge, daß die französische und die belgische Regierung miteinander in Fühlung bleiben.

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