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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

923

Anzeiger für (das früher knrheffifche) Oberhessen

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1923

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Neue Besetzung.

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tone- Vtat.eim lvung aus Lochum zufo Ze heben ;u unterwerfen, das finanMÜe, Wiederherstellungen von fconntnfi m cra.cn starke deig ijche Truppen abtri» Deulübland in etchalleii, Wv das pz^llschk, eisien

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Ivr.gen di« Lippebrücke bei Dorsten überschritten und die Bahnhöfe von Holsterhausen und Hervest-Torsten besetzt. Infolge der Besetzung dieser beiden Bahnhöfe ist nnnmehra uch die Eisenbahnstvecke HalternWesA

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für den Durchgangsverkchr gesperrt.

Berlin, 17. Fcbr. Wie den Blättern von

ch'ge Zeit oben egest iat« wir osseN- rigs« t4in» ich» euig,

ständig« Seit« milgeteilt wird^ ist JAich von befr gischen Truppen besetzt worden. ES handelt sich be­sonders um die dortgige Eisenbahnwerkstätt^ die wegen angeblicher Sabotage besetzt wird.

Zwischen Karthaus und Trier fahren die Franzosen eine Anzahl Kohlenwaggons andauernd im Kreise

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rie »Oberhelbilde Zeitung erscheint ledmnal wöchentlich. Scjitnteti nisnntlich 1400 SRI. mit Zusteüungrgebühr. Für anslnllende Nummern infelge Streit, »»et elementarer Ereignisje lein Ersatz. Verla, von Dr. 5. Hitzerottz. Druck der llniv^Buchdruckerei von Jod. Lu,. Koch. Markt 21M. lherns»recher 56, Post- scheikkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Mat«.

Ein deutsches Weißbuch über de« Rubr-EinfaS.

Berlin, 17. Febr. Die deutsche Regierung ver­öffentlicht soeben ein Weißbuch über den französisch­belgischen Gnmarsch in das Ruhrgebiet. Tie Tenk- schriftz die 56 Seiten enthAt, umfaßt alle diesbezüg­lichen Akt«rstäck^ anfangend von dem Beschluß der Reparationskommission vom 25. Dezember 1922 auf Grund der deutschen Nichterfüllung der Hvlzl'efenlng-n bis zur Mantelnote der deutschen Regierung an die französische R^g «u^z. vom 1. Februar 1923 betreffend die Zurückweisung der wiedecholten Besetzung des Ber- sailler Vertrages.

Berlin, 17. Febr. Der Reichspräsident hat an- IMich der Verurteilung der Oberbürgermeister Du Schäfer-Essen und Havenstein-Obechausen in einem Telegramm en die betr. Stadtverwaltungen seiner Em- vörur.g über diesen neuen französischen Willkürakt Aus­druck verliehen und den verurteilten Beamten seine be- sondere Anerkennung für ihr pflichttreues und man» hnites Verhalten ausgesprochen.

Berlin, 17. Febr. Di« vereinigten statischen Orchtster aus dem Ruhrgebiet, von Essen, Dortmund und Bochum, veranstalten, einer Einladung folgettb, am 4. März im großen Schauspielbause in Berti»' eine Musikfeier zum Besten der Ruhr'pende.

Berlin, 17. Febr. vom deutschen Städtetag erging ein Schreiben an die Städte des besetzten Ge­bietes, in d«m Verwahrung eingelegt wird gegen die schmachvoll« Bchandlung und Tank und Bewunderung für ihr mannhaftes Verhalten ausgesprochen wird.

Berlin, 17. gebt. 3 Berlin traten am Mitt- woch 100 Vertreter der 150 Verbände umfassenden Vereinigung Vaterländisch« Verbände" zu einer Be­sprechung der potitische« Lage zusammen. Es wurde endgültige Anspannung bei letzten Kräfte Deutsch­lands als lebensnotwendig bezeichnet, well Frankreich jetzt den deutschen Widerstand endgültig brechen will, um Deutschland als Kolon« Frankreichs z» unter-

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Die belgische Industrie Nagt.

Wie dieKöln. Ztg." aus Paris erfährt, hat eine Ab­ordnung belHscher Industrieller Theunis auf die gefahr­volle Lage Angewiesen, in die die Einstellung der deut­schen Kohlenlieferungen die belgische Industrie gebracht hat. Die Industriellen haben darauf hlngetoiesen. daß früher 200 000 Tonnen Kohlen monatlich aus Deutsch­land gekommen seien, daß seit der Besetzung aber die Bedürfnisse der Industrie nicht mehr gedeckt würden. Man müsse jetzt zu unerschwinglichen Preisen englische Kohle kaufen. Cosenll habe schon einen Hochoftn ausgeblasen, andere Fabriken feien von der Zeichen Gefahr bedroht. Theunts soll tue Prüfung 6er Lage versprochen haben, womit natürlich den Industriellen nicht gebient ist.

Paris, 1& Febr. DasJournal" meldet: Der belgische Mnisterpräsioent TH-unis arbeitet einen Nan des Verkaufs der Fert gfabnkate des Ruhrgebiets zu Gunsten der Reparationskommission aus. Er we»dr den Plan bei seinem Besuch in Paris, der Mitte dieser Woche etmartet werde, zur Annahme empfehlen. Das Mart bestätigt fernem daß die fr en 5 tsi-bchgischo Sah- m- ständiegenkommiision die Ei»ührung des rheinischm Talers Vorschlägen werden der durch eine Bank aus- gegeben würde. Die Bank müßte ernsthafte Bürg- leisten. Die So^rerstä dig nkomn i'sion beendigte die vorbereitenden Arbeiten in der Währungsfrage.

Essen, 17. Febr. Die Stimmung der franzö­sischen Eisenbahner im Ruhrgebiet ist schlecht. Die Leute sind zu einet militärischen Hebung eingezogen und zwar bi» zum 22. Feb.uar. Sie se en nun. d ß f e Eisenbahndienste tun müssen und fürchten, daß sie, zum mindesten nicht vor dem 22. Februar nach Hause kom­men werden. Bisher sind bereits 15 französische Eisen» bahne« von Spahis wegen Desertation verhaftet.

Cis, salz, btl- eues ' st< i, zu cuar.

Marburg Mill», itn 19. WkM

Ar WM Met im HOnedlet.

Nach einet Meldung betMontagspost" hielt flch, am Sonnabend der preußische Minister des Inneren/ Sevcring, ft, Dortmund auf. Er hiett Beivrechungeul. mit Vertretern der Industrie, der Gewerkschaften wnbj der Bchi rden ab. Der M nist« gab seiner Genngtw.ng , Ausdruck, daß die Widerstandskraft der Bevölkerung^ nach wie vor ungebrochen sei. Bon Dortmund ftchr» der Minister nach Solingen, um mit Geweht-kg ungl der englischen Besatzungsbehörde am Sonntag abend in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen.

Wie der Lokalanzeiger aus Essen meldet, hielt sich» auch de» Rrichsreckchrsminister Dr. Gröner in Essens auf und Hai« Besprechungen mit den Eisenbahnorga- mfotionen über die Lage deS Eisenbahnbetriebes im Ruhroebiet. Dem Reichsverkehrsminister wurde ein französischer Befehl an die Reichsbankstetten unter« bteiiet, wonach den Reichsbankstellen die Gehalts­zahlungen an Eisenbahnbedienstete verboten wird. Hft>- sichillch der bevorstehenden Urbergabe eines Teller bei Eisenbahn in der englischen Zone an frit Franzosen wurde von sämtlichen Organisationen eine Enischkie- ßnitg gefaßt, in der betont wird, der Betrieb werd« bis zum äußersten weitergesührt werden, jedoch fdnt* falls unter französischer Oberhoheit.

Paris, 18. Feb. Die Nachricht, daß beutkchk Minister twtz des ftanzösischenVerbote-" sich meh­rere Tage im Nnyrgebiet aufgehalten haben, hat in der hiesigen Preise Wutausbrüche ausgelöst« D« Aoenee Havas" begleitet die Meldung mit einem längeren Kommen tat, worin eS heißt, die französische« Behörden hätten von der Anwesenheit der deutsche« Minister zu spät Kenntnis erhalten» um «ingreifai zu können. Es sei leider nun einmal nicht möglich^ alle Wege, die ins Ruhrgebiet führen, zu überwachen.

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Der «auzler an England.

London, 18. Febr. Der Berlin« Korrespon­dent einer hiesigen Zeitung hatte eine Unterredung mit dem Reichskanzler Tr. Cuno. Der Kanzler fttbrtt an: England sKl einen Druck auf de Franzosen auS- gbkL, um sie zum^zng aus de n Ruhvz bi t zu be­wegen. Ich möchte daß man sich in England Rechen­schaft darüber ablegt, daß die bewaffnete Invasion der Franzosen vier Jahre nach Unterzeichnung de- Friedens die Negation des Rechtes beix-met Die fran­zösische Invasion ist der erste Schritt zu einer wirt­schaftlichen und politischen Hegemonie. Die bewaff­nete Besetzung des größten Kohlenlieferun-gsgebiete- dutch eine Macht, die auf Grund des Versailler Vev-, trage? das größte eisenerzeugende Laich geworden tfh hat die deutsch-französische Frage in ein Problem! verwandelt, dessen Folgen so schwer und imcrgrflntM i sich such, daß die' cfsenlliche Dieinung der ganze«/. Welt demgegenüb« nicht gleichgültig bleiben Ian«ij

Im iie mMe Zom um Wfn.

Twtz bet offenbaren Spannung zwischen Paris unbj London schrecken beide noch vor Haren Entscheidungen' zurück. Es wird aber sehr schwer fein, die englisch- französische Meinungsverschiedenheit schiedlich friebticfc zu schlichten. Die Engländer können nur dann daS ®a> iügungsrecht über ihre Besatzungszone an btt Franzose» abtreten, wenn sie zugleich aus j.oe Geltung und Beda» tung innerhalb der Entente verzichten. Bis zu etnar gewissen Grade steht dabei der Ruf als Nation auf be» Spiel. Sie wissen andererseits, baß sie mit deutsche« Gegenmaßnahmen zu «chuen haben, sobald sie die (Etfeo* bahnttnien ihrer Zone freigeben, damit die Franzosen die Früchte ihres RechtsbrucheS ernten könne«. Infolge­dessen bleibt ihnen kaum eine andere Wohl, als tut- wcket die ftanzösischen Wünsche abznweisen und damit einen offenen Konflikt am Rhein heraufzubeschwören, ober aber das Fell» zu räumen und damit den Bruch der La­tente zu besiegeln. Die letztgenannte Möglichkeit bat mimer noch die größere Wahrscheinlichkeit für sich.

Paris, 17. Febr. Den franz »suchen Morgenblät- tern zufolge kehrte Arbeitsminist« Le Troquer mit fol­gendem Ergebnis aus London zurück:

Die Engländer sind bereit, den französischen Forde­rungen aus Benutzung der Eisenbahnlinie DürenNeuß für den Transport bet Ruhrkohlen nachzukommen. lieber die Benutzury der Lirrien über Köln für die Verpflegung der französischen Truppen haben die Engländer Gegen­vorschläge gemacht und auch oiefeS erst nach langtoien* gen Verhandlungen. Diese Vorschläge gehen daraus hrnauS, daß oie Linien nur in demselben Make benutzt werden können, wie vor dem 11. Januar, d. h. also wie vor d« Besetzung des RubrgebieteS. Der Korrespondent deSPetit Partien" in London teilt mit, daß die eng- lisch« Regierung in einer Abweisung ihrer Vorschläge einen Beweis dafür sehen würde, daß Frankreich die Zurückziehung der englischen Truvvem ait? em Rhein­land« wünsche

Part-, 18. Febr. Die Morgenblätter bestätig«, daß in bet englischen Besatzungszone zwischen dem £ berfommanbkrenben ber englischen ~.utec «m, Rhein, General Gobley, unb ben französischen Gene­ralen Degoutte unb Paher Verhandlungen stansindeu werden. Nach dem .EÄo be Paris' kann bie fron» zSnsche Regierung Donar Laws Angebot nicht an») nehmen. Das minbesie sei, ber unbetoiäntte Ber-a kebr auf einet ber bret Linien. Tle Englänber häncnl sich für eveur. Ersatz ber beutscheu Eisenbahn« durchs

Ein Schießerlaß DegouttkS.

Dortmund, 17. Febr. Nach amtlichen Mel» bungen haben bte französischen Soldaten einen Be­fehl erhalten, leben an ben Telegrnphenlinten ange­troffenen beutschen Beamten unb Arbeiter oöne Anruf zu erschießen. Die Justcmhhaltung unb Fehlerbeset» tlgung an ben Tekegrapbenlinien ist damit unmöglich. Beim oberkommandterenden General ist fetten- ber Oberposthirettton sofort scharfer Protest erhoben wor­den. in dem bte sofortige Zurücknahme be- Befehl- geforbett wirb.

Um ble Offen« Polizei.

Berlin, 18. Febr. Nach einer Kottespondenz- meldnng aus Essen haben gestern zwischen Vertretern bet PKizeibehörde und dem General Degoutt« Ver« handlungeeu stattzsefunden, die zu dem Ergebnis führ­ten, daß die Schutzpolizei ben Dienst wieder ausnimmt und die Uniform beibcchält. Ein« Entwafsirnng ist nicht vorgesihe«. DaS Polizeipräsibium blciht vor­läufig noch mit zwei Kornpagnieen französi cher Sol­daten besetzt und für den Verkchr geschlossen. Die Kf'minalp»lizei darf keine Waffen tragen.

Et» neu« Mord bet Franzose«.

Bochum. 1. Febr. Auf btt ZechePtinzrezent" erschieuen heut« vormittag fünf Franzosen, um Hol; zu beschlagnahmen. Sie beluden einen Wagen, ber ab« von ber Belegschaft nicht herauSgllassen routbe. Di« Bergleute verhinderten die Ausfahrt, indem sie das Tor deS Zechenplatze- schlossen. Die Fr»n;«s<m entfernten sich, bchrten aber bild mit 83«ft5r*5M zu­rück und feuerten bliMings durch das geMosseue Tot. Dabei wurde ein 15 jähriger Junge n«men§ Sieghart so schwer verletzt, daß « kurz nach fei »er Ein­lieferung in das Krankenhaus gestorben ist. Dec Ar­beiter Scholz echielt einen Streiffchuß am Hals. D:x Markenkentrolleur Bergbäas«, der den Schlüssel zum Zcchcntoc nicht herausgeben konnte, weil er ihn nicht hatte, wurde feftgaiomme«. Ei« aoberer alt« Mann wurde mit Kolbenflößen aus der Markenkontrolle her- ausgcholt, wobei man ihn auch mit dem Baj»nett be­drohte. ' Die Kloppenschränke in der Markenkontrolle wurden von den Franzosen mit Pistolen verschossen.

Die Franzosen als Techniker.

Duisburg, 17. Febr. Ten Franzosen wat es gelu gen den Sch'e s nbe rieb des Rh« n-^ecu k.ina s zu übernehmen und in den letzten Wochen sind wieder- holl Kvhlenschisse mit holländischer Besatzung zum Rhein vktschleust worden. In der vergangenen Nacbt sank an dem wichtigsten Vetkehtspunft de- Kanals ein großer Lastkahn. Auch am StinneShasen sank ein Kohleuschisf, sodaß der ganze Betrieb auf dem Rhein-Hernekanal eingestellt werden mußte. Wie di« Fachleute annchnien, werden die Arbeiten zur Beseiti­gung der Veck hrsÄ .d-tnisse wen gKens drei Woche dauern Zwei Obecbeamte der Kanalverwaltung wur­den von ber Besatzungsbehörde zur Vernehmung ge­laden unb sind bis jetzt noch ußcht zurückgelehrt.

Rotterdam, 17. Febr. Di« Franzosen der- hindecten demNieuwe Rotte damschen Courant zu­folge in Mainz einen niedeUändischen Tanchs« am Löschen. D« n eblländ sche ©entcMbnjul ia Frank­furt a. M. reifte nach dem Haag, um mit ber Re­gierung über die politische Lage in seinem Bezirk zu beraten.

Paris, 18. Feb. Die Agentur Havas brachtet aus Düsseldorf über zwei Eisenbahuunfälle, die bel­gische und französische Militäreisenbahnzüge erlitten heben. Aus dem Bahnhof« KrefeldSinn stieß ein M<rf6er. Militärzug mit einem französischen Leben»- mittelzua zusammen. Ein Belgi« wurde getötet. In Dalhausen sichr ein französisch« Mflitärzug auf fünf zusammengekoppelte Lokomotiven auf. Zwei Personen wurden gerötet, drei schwer und acht leicht verletzL

Sie Muz Der AuhkbejetzWg.

Rom, 11. Febr. Der Berliner Berichtetüatt« de- ,,Mondo", Paolo Mantica, faßt sein Urteil übet bie Er­gebnisse der französischen Ruhlbefetzung etwa in folgen­dem zusammen:

Frankreich verfolge in der Ruhr drei Ziele, ba8

vanchekrieg zu v«hmdern. In allen dreien habe eS Fiasko gemacht. Wed« Amerika noch England würde auf die Dau« dulden, daß Frankreich durch Bereinigung von 'Kohle und Eise» zur größten schweriudustrielieu und damit größten milltärischeu Macht würde. D« Ruhr- einfall habe für Deutschland jede ZaMng von Wieder- Herstellungen unmöglich gemacht. Frankreich müsse heute bte Ruhr kohle bezahlen und alle Kosten der Besetzung tragen. ES müsse die Sorge für die Ernährung der Be­völkerung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung auf sich nehmen. Politisch habe Frankreich den Revanchegeist durch den Einfall erst geweckt. Um den in­dustriellen Organismus d« Ruhr in eigene Verwaltung zu nehmen, fehle es Frankreich sowohl an geschulten Organi­sationen, wie an Arbeitern, da die Kohlenförderung der Ruhr dreimal so groß als die französische vor dem Krieg sei. Auch di« Einschüchtcrungsversuche hätte« sich als bcrgcblid; heransgeflellt. Die Verhaftungen seien g«adezu kindisch und Vermehrten nur ben Geist des Widerstandes. Auch Loslösung der Ruhr vom Reich werde sich als ein Schlag ins Wasser erweisen. Der weitaus größte Teil bet Ruhrwble weide durch die Ruhrindustrie an Ort und Stelle verbraucht, und nur 90 Millionen Tonnen seien nach Deutschland ausgeführt worden. Für diese könne Deutschland durch bessere Ausnützung der ihm noch verbllebencn Kohlenlager und durch Ankäufe in England Ersatz schaffen. Die Bllanz btt Ruhrbesetzung sei allo nach dem Ergebnis der erften Monats verheerend zu nennen.

Der Siqeigenoiet» betrügt für be« Sgesp. Zeilenmillimet« 50.00 Ä. (Äleiee »«zeige« «egen bat, 25/, weniger). Amtliche unb «»». Anzeigen 60 SH. r .' "

Satz 50(, Aufschlag. Spät etelaxfenbe ober ben Raum übet 's, Seite ____________,

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Berlin, 17. gäbt. M« die AStter aus Gck- ifvikircheu melden, wurde an der Spitze der heute vor- Mttag i« die Stadt eingerückten französischen Truppen Pvischeu zwei Offizieren att Geisel bet vor einigen Logen verhaftet« Kommandeur der Gelsenkirchener Lchntzpolizei, Kunow, geführt. Uebec zwanzig Tanks Wihmen auf verschiedenen Plätzen Aufstellung. Sämt- Me öffentlichen Gebäude und ber Bahnhof sind Hqetzt. Ebenso alle Banken. Die Geschäftsläden haben pfchlossen. D« Oberbahnhofsvotsteh« Kaufmann und röt Eisenbahninspektor, der die Hauptkasse deS Bahn- ^fs verwaltet, wurden festgenommen. Die in der Kafft befindlichen Geld« in Höhe von neun bis zehn Millionen Marih die für die heutige Lohnauszahlunz teftimnti waren, wurden weggenommen.

Nach ein« Meldung derVojsifchen Zeitung" schlug gestern nachmittag ein französisch« Offizier einen Schutzpolizeibeamten, her ihn nicht gegrüßt hatte, mit der Reitpeitsche ins Gesicht. Der Beamte zog darauf feinen Revolver und verwundete den Offizier durch einen Schuß schwer. >

Der kommandierende Gerwtal der 47. Division teilt durch Straßeuanschlag mit, die Besetzung bet Stadt Eelsenk'tchen soll erfolgt sein, weil Gelsenkirchen wegen des Nebersalles auf die beiden französischen Gendar- Vt.ie-Off z ere mit d er Geldbuße von 101 MiN on«n Mark belegt rourbe. Die Stadt bleibe so lange besetzt, dis das Geld bezahlt sei. Bis dahin treten scharfe Be- jHmmungen in Kraft. Die Kinos und andere offen!» iich« Lokale wurden geschlossen und alle sonstigen Lust- kitciten wurden verboten. Der Straßenverkehr ist ist sieben Uhr morgens und nach sieben Uhr abends verboten, wertere schärft Maßnahmen behäft sich der ftmmaüdierende General vor. Tie Franzosen besetz­ten d« Post, die Eisenbahn und das Finanzamt.

Gelsenkirchen, 19 Febr. Auch während des Irrigen Sonntags gingen die Versuche der Franzosen tf.irr. bte 100 Millwnen Mark Kontribution zwangs- Lufig betzutreiben An btu Straßenkreuzungen strhen lröterhiu Posten und kontrollieren alle Passanten aus Lew. 2-i: [ icliefen gehen mit rücksichtslos« Schärfe und Schikane gegen die Bevölkerung vor, wie es selbst im Krl'pebict bisher noch nicht üblich war. Sie haben Lfenbar ein Schirßverbot erlassen und drehen bei jeder harmlosen Gelegenheit sofort den Gewehrkolben um und Wagen aus die Menge ein.

' Der strllvertret. Oberbürgermeist« Arens hatte für Mcrn Nachmittag zu einer außerordentlichen Stadtver- Dchmtensibung geladen, da ihm der Oberkommandierend, «klärt hatte, daß er bisher 70 Millionen Mark durch Be- §t!2gaahme zusammenbekommen habe. Dazu gehören iiO Millionen Notgeld, die die Stadt gesammelt hatte, ^wt sie an die Sanhbanl abzusühren, da die LÄrszeit der Scheine bald zu Ende ist. Aus^rdem fanden die Fran- 'psen die Scheckbücher der Stadt, die Reichsbank- und ?«äscheckkontos mit 21 Millionen. Die Franzosen Ver- Wgten. daß der stellv. Oberbürgermeister diese Summe ^erweis- und außerdem noch die restlichen 29 Millionen ®5rf. Dann würden sie wieder abziehen.

Die Stadtverordnetenversammlung hat nun gestern Obsttag in einer mit einmütiger Entschlossenheit ange- ^nmenen Entschließung das französische Ersuchen ab- kl-'hnt unb erklärt, daß sie trotz der angedrohten Maß- vehmen die Quote nicht bezahle

Unter dem Druck bet Arbeiterschaft hat ber fran- h^ she Gen«al Schul« nicht gewagt, die angeocd- pte Verkehtssperte von abends 7 Uhr bis morgens p Uhr am Sonnabend durchzuführen. Sie tritt erst fett abend in Kraft. Gestern sind Wied« mehrere ^rtrsille an* Fra en vetg k m - ei. Auch wurde b r '«chlenraud in den Jndustr.ewetken der Stad, orga-i-

Tie Franzosen nehmen sich einfach die Kahlen fet Gewalt. Gin« Zeitungsverkäuferin wurde die Geldtasche entrissen, bie Extrablätter beschlagnahmt unb 'He arm' kränkliche Frau mißhandelt.

l. Berlin, 18. Febr. D« .Lok.Anz.' berichtet zu französischen Vorgehen in Gelsenkirchen, datz die L^uzosen um 8 Ubr morgens die Räumung des ?^fsonbauses v«kangten. Die Schwestern unb Rtn= J? wurden auf die Straße gejagt. Biele davon wa- nur notdürftig bekleidet und barfuß. Die Kind«, ISJn dem fnßtiefen Schnee sieben mußten, sanden, "^rik möglich, bei der Bevölk«ung Aufnahme.

.Aus Sprockhoepel wird dem gleichen Blatt gemel- 2- daß ein Franzose auf eine Frau schoß und sie £}«r verwundete. Die Frau sand im dortigen Kran- ^hause Aufnahme.

Bottrop, 18. Feb. Obetbürgnmeistet Dt. Bauet fede »orntitlags aus seinem Tienstzimm« von Fran* Truppen vechaftet und in einem Lastkrast- J^gen ftngeschafft. D« Grund der Berhaftunr ist [ ^ischriEch darin zu suchen, daß d« Sberbürrer- i\ gemäß den Wesuicg--- d r Rdch-rcg'e.ung ke-ne _ c"I«n an die Besatzungsb h t'jt g l ef rt hat. Fetner Er einet Vorladung vor das Kriegsgericht in Ste-'k»