Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für (das früher kurheffifchej Oberhessen
Marburg
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Hornung
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prozentuate Beteiligung viel geringer.
ES erscheint in der Tat so. daß bi? Londoner Verhand- lungen mehr bedeuten, als die Erl d'gung der Frage der Engländer am Rhein. Es sickert so allerhand durch als ob die Franzosen die gemeinsame Front der Alliierten wieder Herflellen wollten, indem sie die Engländer durch neue Anerbieten zu sich herüberziehen. Di'se Anerbieten liegen natürlich im Nahen Osten. D?ß Bonar Law lest- gestellt hat, daß Frankreich nicht bezahlt werden will, so sucht man neue Wege sich mit England zu verständigen — natürlich auf unsere Kosten.
Sangen. Ter Minister wird heute abend 9 Uhr nach Paris zurückreisen. Nach Savas wird über daS Er-
Der Luzeigenpreis beträgt für den Sgelp. Zeilenmillimeter 40.00 5RL (Aktie gnieigti gegen bar, 25*1, weniger). —*-----“—‘•"* ■*
Sah 50 *1, Aufschlag. 6p
Di-
Berlin, 16. Febr.
Die .^Obertzeflische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 1400 Mr. mit Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streit» ooet elementarer Ereignifle lein e.tiatu — Verlag von Dr. T. Hitzerotd. — Druck der Lniv.-Duchdruckerei vonIod. Aug. Koch. Markt 21 23. — lkrnjprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Am! Frankfurt c. Mair.
der Arbeiterschaft am Streik
Heuchler.
Wie man auS Paris meldet,
London, 16. Febr. Unter der Ueberschrist „Poin- cares niederg:brv:hene Politik: Eine ernste Krise!" veröffentlicht „Pall Mall and Globe" eine Mitteilung chres Pariser Berichterstatters, in der es heißt, die französische Sisentliche Meinung scheine endlich dir Periode des Zweifels durchzumachen, ob die Besetzung des Ruhrgeb-cts und die von Poincare unternommene Politik tatsächlich das einzige Heilmittel für die Reparationsschwierigkeiten Frankreichs sei. Es könne kein Zweifel darüber herrschen. daß es in Frankreich ein Erwachen zu der grausam harten Wirklichkeit seiner verzioeiftlten Finanzlage geben werde.
Man darf diesen englischen Stimmen über den bevorstehenden Zusammenbruch der Poincareschcn Pol tik nicht allzugroßen Wert beilegen. Wer die französische Pr-ist verfolgt, sieht, von wenigen radikalen Ausnahmen wie etwa „Oeuvre" und einige andere, die ganz bedeutungs- los sind, mit seltener Einmütigkeit die nationale Politik unterstützen Wenn einmal die Ehre Frankreichs ang> tastet ist, so hält das Volk zusammen. Auch das Sinken des Franken, das vielfach in Deutschland politisch hoch bewertet wird, spielt für Frankreich, das vielmehr Selbstversorger ist als wir, nicht bk entscheidende Rolle, wenn gleich manche industrielle Kreise es schmerzlich empfinden. Es ist durchaus nötig, daß das deutfche Volk sich damit abst'ndet, daß es in Frankreich einen entschlossenen Gegner vor sich hat. Wir Deutsche müssen uns klar sein, daß der Abwehrkampf zähe stich schwer sein muß, an dessen Sieg wir nicht zweifeln, dessen Schwere wir aber auch erkennen wollen. - i ;L.
egen bar, 25'/» weniger). Amtliche und aus». Anzeigen 50 KL Sei fchwiertae« EO
_ , . „ . --atz 50 *1, Aufschlag. Spät einlaufende oder den Kaum über */, Seite einnehmende M HQ|iL
soimaoeuB, den 17. Februar tSO^r" werden nach der Tertspaltenbrette berechnet. Reklamen der Zeilenmillimeter |
unterbreitet habe, die Le Trocguer sofort der französischen Regierung übermittelt habe. Man glaubt jedoch zu wissen, daß der Grundsatz des französischen Verlangens hinsichtlich der Eisenbahnlinie Düren- Trier angenommen worden. Der Sonderberichterstatter des ,Temps' versichert im Gegensatz zu Savas, daß ein Einverständnis noch nicht habe erzielt werden können imit die Verhandlungen demnächst wieder ausgenommen werden würden.
Paris, 16. Febr. Nach Nachrichten, die aus London vorliegen, ist dem .Matin" zufolge gestern Abend nach Schluß des Kabinettsrats in politischen Kreisen das Gerücht verbreitet gewesen, daß die Fragen, die augenlicklich zwischen Le Trocquer und der englischen Negierung besprochen werden, sich in einem Umfang ausdehnen können, daß in kurzer Frist eine Aussprache zwischen Poincare und Bonar Law nötig machen werde. Im Forreign offtce habe man jedoch erklärt, daß man nicht in der Lage sei, diese Gerüchte ,u bestätigen oder ?u dementieren.
Zu gleicher Zeit wie die Londoner Konferenz sanden in PaM Besprechungen zwischen Poincare und dem bkitijchE-Votschafter Marquis de Creve statt.
ISO ML Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet. Sei Auskunft durch die SeschäftssL und Bermittluna der Angebote 30 M, bei Uebersendnng durch uns 50.— ML ohne Porto.
SWhMkWMilk.
Essen. 16. Febr. Vor dem französischen Kriegsgericht in Bredeney begannen heute. Vormittag die an- aekündigten Verhandlungen. Zunächst wurde gegen Oberbürgermeister Havenstein von Oberhausen verhandelt. Der ang^klagte hat am 7., 8. und 9. Februar dem Bahnhof Oberhausen das elektrische Licht verweigert und ist beschuldigt, dadurch den Verkehr gestört zu haben. Rechtsanwalt Dr. Grimm bestritt in längeren Ausführungen die Zuständigkeit des Gerichts. Der Gerichtshof erklärte sich jedoch nach kurzer Beratung für zuständig. Bei seiner Vernehmung gab Haveustein an, daß zwischen der Stadt Oberhausen und der Eisenbahnverwaltung ein Privat- verwog bestehe, der mit dem 2. seitens der Eisenbahn gekündigt worden sei. Darauf habe die Stadt den Strom nicht mehr geliefert. Der Aufforderung der französischen Offiziere, dem Bahnhof wieder Licht zu liefern, habe er nicht Nachkommen können, da da? Reich die Lieferung verboten. habe. Der franösische Staatsqnwalt zwies auf die Gefahren hin, in bk der Verkehr auf dem Bahnhof durch die Lichtverweigerung gekommen sei und auf die Möglichkeit großer Unglücksfälle. Er beantragte gegen Havenstein 10 Jahre Zuchthaus und betonte, von der Beantragung der Todesstrafe nur deshalb absehen zu wollen, weil die Stromverweigerung keinen Unglücksfall zur Folge hatte.
In der Nachmittagssitzung des Kriegsgerichts rvurde trotz überzeugender Ausführungen der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Grimm und Justizrat Niemeyer, die die Freisprechung des Angeklagten verlangten, Oberbürgermeist'r Ravenstein zu ZJahren Gefängnis verurteilt. Gegen » en Betriebsdirektor des rheinisch-westfälischen Elektrizitätswerkes, B n ß m a n n, der angeklagt war, iricht dafür gesorgt zu haben, daß die unterbrochene Licktversorgung des von den Franzosen beschlagnahmten Hotels ,, Kaiserhof" wieder in Ordnung gebracht wurde, lautete das Urteil auf 5Millionen Mark Geldstrafe. Bürgermeister Schäfer aus Essen, der sich geweigert hatte, die Reynisitonsbefehlr zur Lieferung von 72 Automobilen und bestimmter Kohlemmngen auszufüh-
Londoner AertzarAukW.
Paris, 16. Febr. Die Verbandlnnacn, die wanzösische Minister für össeutliche Arbeiten trocquer mit dem englischen Kabinett in London führt hat, sind um 1 Uhr nachmittags zu Ende
(Eine tedeulliime Rede les fionM
Berlin, 16. Febr. Im Rahmen der 52. Plenar- tckrsammlung des deutschen Landwirtschastsr.ftes ergriff ^Reichskanzler Dr. Cuno das Wort zu folgenden Äns- sühruvgen: „Die Tagung des deutschen Landiwrt- schaftsrates findet in der Zeit der höchsten innen- und «rßenpolitischen Spannung statt. Es gibt keine Schicht dlnferes Volkes, die nicht die Schwere des Kampfes un- »ittelbar empfindet gegen Imperialismus und Machthunger des Feindes. Wir schöpfen die Kraft für unseren Kampf aus unserem reinen Gewissen, sodaß nichts unterlassen wuttx, was.uns als Mangel an unserem Leistungswillen ausgelegt werden könnten. Unsere Waffen bestehen in dem einfachen, und natürlichen Mittel, dem Feinde die Hilfe bei der Ausführung seiner Pläne zu verweigern. Diese Mittel ruhen im Willen und Herzen unseres Volkes und sind unbezwingbar, iklnftr ganzes Volk ist für diesen Kampf. Es gibt keinen iPnterschied mehr. Jedes Einzelnen Schicksal ist mit
Wohl der Gesamtheit verbunden. Wo^ollte das Kcfühl hierfür lebendiger werden, als bei ihnen, die sie :eit der Licke zur Scholle ausgewachsen fttt& Jeder ;«n der Ruhr schützt nicht nur das eigene HauSsDudern das ganze Land mit gefunkeltem Hammer. Eine neue Volksgemeinschaft ist erwachsen. Jeder steht an seinem Platz, an der Front, sodaß jeder auch gleichmüß.g zvm Sieg', beiträgt, außerordentlich viel hängt von der Frage der Ernährung und Preisbildung ab. Die Keichsregierung weiß, daß sie auf die Landwirtschaft «chne» darf und alles daran gesetzt wird, die Lebens- ■rittti billiger zu gestalten. Alle Stände trifft diese Mahnung in gleeichem Maße. Jeder, der Wucher -treibt, ist ein Verräter am Vaterlande. Der Landwirt- schaf: gehört aufrichtiger Dank für ihr hochherziges Dpfer. Es gilt, in der Arbeit nicht zu erlahmen. Bereiten wir uns lieber auf eine lange Zeit des Turch- haltens vor, als eitle Äunde zu früh zu verzagen. Berauschen wir uns nicht an den feierlichen Proteste i, «kennen wir den ganzen Ernst der Lage. Stählen wir unsere Nerven zum Turchhalten. Hier und an der Lichr, bei Kampf wird für uns Opfer über Opfer hingt«. Tie Reichs reg iernng wird den geraoe» Weg, teett sie beschreitet, nicht verlassen. Wir kennen das knde des Weges nicht,. Nur das eine wissen wir, daß wir, wenn wir einig und stark fiitf), uns niemand bc- zwivaen kann. Ter Kampf entscheidet über Frnheil Arid Sklaverei des deutschen Volkes. Wenn Sie, meine Herren, Ihrer Verantwortung gemäß bewußt handeln, fteten Sie mit in "die vorderste Front des Abwehr -kvnp-fts.
Lag in diesen Worten des Reichskanzlers Aner'en- lung für den einmütigen Geist, der unser Volk beseelt, folgten ebenso berechtigte Worte des Tadels und der Verachtung für diejenige, die als Verräter am Vater- tande Wucher treiben und die Lebensmittel verteuern. Mi. volle-n Recht zollte der Reichskanzer der deutschen Landwirtschaft bewundernde Anerkennung für bas, wa-Z sie durch ihre berufene Vertretung, den tzieichslandbund, getan hat und Wettertun will, um ans ihre Weife zum Siege beizutragen. Es sind in der Tat gewaltige Mengen von Lebensmitteln aller Art, von Vieh, Fleisch, Fett, Kartoffeln, 'Gemüse usw. Juni Unterhalt der schwergeprüften Bewohner des be- sktzi«n Gebiets dorchin entsandt worden; weitere Sendungen sollen folgen. Der Reichslandbund hat sich für seine Mtgliieder verpflichtet, sich an dec Ruhrhilfe bis zur Grenze der Aufrechterhaltung des Airtschafts- beiriebes zu beteiligen und den im Abwehrkampf stehenden Frontkämpfern in Westfalen und Rheinland zur Seite zu stehen; es handelt sich dabei um Milliarden- teeite. Ferner haben sich die Mitglicker des Reichs landbuudes bereiterllärt, 500000 Kinder aus dem be- fttzier. Gebiet bei sich auf dem Lande unentgeltlich arif- Kinthmen. unjerzubringen und zu verpflegen. Auch das ist eine gewaltige Leistung. -
Weiter aber hatte der Reichskanzler völlig Recht, wenn er in sehr ernsten Ausdrücken auf die Gefahr hinwies, die darin liegt, daß wir uns an feierlichen, Protesten und dergleichen Kundgebungen berauichen und darüber das Wesenlliche vergessen. Wir dürfen vns nicht ablenken und den Blick trüben lassen, daß wir schön gefaßte Entschließungen Üwiehmen und dann tz'auben, unsre Pflicht erfüllt zu haben. Man koupite sich in den letzten Tagen manchmal des Eindrucks nicht erwehren, als ob hier in der Tat eine wirkliche Gefahr lorliegt. Ernst und deutlich klang di« Mahnung des Reichskanzlers, uns darauf vorzube.eiten, daß nicht nur die Bevölkerung vom Rhein und Ruhrgebiet, sondern daß das ganze deutsche Volk sich darauf einstellen müsse, Opfer um Opfer zu bringen.
Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." aus Essen itmrbe <p<5*« die gestern in Bredney gefällten Schreckcnsurteilo sofort Rcvison eingelegt.
Die Lage im Ruhrgebiet.
Paris, 16. Febr. Wie dem „Matin" aus London berichtet wird, begnüge sich Poincare nicht damit, die Besetzung de» Strecke Düsseldorf—Düren für die Koh- leutransporte aus dem Ruhrgebiet in Anspruch zu nehmen, sondern der meisten Eisenbahnlinien, die die britische Besatzungszone durchschneiden. Die Ptrhand- luuaen Le Trocquecs mit den englischen Kobiuettsmit- gliedern hierüber konnten gestern nicht zu Ende ge- ftihrt werden. Der „Matin" sieht die Lage nicht cis sehr hoffnungsvoll an. Er glaubt, daß die englische Regierung vor der Alternative stehe, entweder das französische Verlangen glatt abznlehnen oder aber die gewünschten Zugeständnisse zu machen und die englische Zone zu räumen, um Zwischenfälle zu verm -iben, die sich ereignen könnten und die englischen Truppen zwingen könnten, einzugreifen, wenn die französische Sickerhest bedroht wäre.
Elberfeld, 16. Feb. Neber die Betriebslage am 1. Februar wird uns berichtet: Die Lage hat sich rerschärft. Die Meldungen mehren sich, daß aus den Kontrollstellen überhaupt keine Güter mehr nach dem unbefetz'.en Gebet herausgelassen wrdn, bzw. daß die zurückgewiesenen Güter sich mehren. In Ludwigshafen Mtioe die Gütersperre auf Gepäck itud Expreßgut ausgedehnt. Für die militarisierten Strecken haben die Franzottn einen eigenen Fahrplan ausgestellt, worin 21 Züge für den Tag vorgesehen sind, darunter auch Frauzosenzüge für die Zivilbevölkerung und Züge für die Verpflegung der Bevölkerung. Tie Drohung, Denjenigen Bahnbediensteten, die sich weigern, un!er französischem Befehl auf den militarisierten Strecken Tieust zu tun, aus ihren Wohnungen zu weisen, ist fetzt euj einem großen Teil der Bahnhöfe ang schlagen. Tie Ausweisungen werden systematisch durchgesührt. Es sind bereits Fälle gemetbet, in denen oie Bahube- dieusteten innerhalb 24 Stunden die Wohnung räumen mußten. Weitere Verhaftungen sind verschiedentlich vorgrkommen. Obwohl kaum mehr Güter aus dem bt- fttztcn Gebiet hcrauskommen, werden Gü erzüge in der entgegengesetzten Richtung wesierg-sahren, insbefonoere Lebensmittel, Grubenholz und sonstige für die Aus- rechtechaltung der Arbeit erforderliche Materialien. Aus dem Bezirk Ludwigshafen wurde ein Wagen mit verhafteten Polizeibeamten nach Zweibrücken befördert. Im Gefängnis von Zweibrücken sollen sich 18 verhaftete P-liz-ibeamir befinden.
Essen, 16. Febr. In Brakes wurden Kohlen- zsige, die für Italien bestimmt waren, angehalten, ireü die Ausweispapkere fehlten. Ebenio wurden vie t>erct’ct>cne Züge augehalten. weil sie Thomas- urehlsendungen enthielten. Durch Dorsten werden täglich nur 6 Vettragskohlenzüge für Holland durchgelassen.
Entlassung der deutschen Zollbeamten.
Paris, 17. Febr. Der „Temps" erfährt aus Koblenz, daß auf Beschluß der interalliierten Oberkom- mission die D-l-gietten des Zolldirektionsausschusses mit Hilst der Militärbehörden das Zollweftn in den besetzten Gebieten übernehmen und sämlliche Zollämter besitzen kverden. soweit sie deren Ofstnhaltung für möglich und nölig halten. Di« deutschen Zollbeamten sollen entlassen und an ihrer Stelle alliiertes und rheinisches Personal verwandt werden, das von dem Zolldirettions- ausschuß angrworben wird.
Esse« ohne Polizei.
Essen, 16. Febr. Heute mittag wurde das Poli- ztipräfidium von einer Kompagnie Infanterie und an- zrrantos umstellt. Niemand kam aus dem Gebäude hermiS, niemand durfte es betreten. In Ser Stadt wurden sämtlich« Schupobeamte, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, verhaftet. Das Stadttheater wurde für den öffentlichen Verkehr geschlossen. Ein Doppelposten verhindett das Betreten des GebändeS. Die gestrig« Besetzung des Rathauses und des Stadttheaters ist nach Angabe der Franzosen als eine Repressalie zu betrachten. Tie Ursache der Repressalie konnte nicht angegcken werden.
Berlin, 16. Feb. Nach einer Bl älter Meldung aus Essen drang gestern abend eine Gruppe französischer und belgischer Soldaten in eine Wirtschaft in der Turmflraße und verschaffte sich mit Gewalt Getränks nachdem ihnen deren Verabfolgung verweigert wurde. Als zwei Schutzpolizeibeamte hinzu kamen, entstand zwischen ihnen und der Polizei eine Auseinandersetzung, kn deren Verlauf die Franzosen und Belgier mit dein Revolver drohten. Darauf zogen auch die Polizisten die Revolver. Es kam zu einer -Schießc- rei, wobei zwei Franzostn und zwei Belgier so schwere Verletzungen erlitten, daß sie inS Krankenhaus gebracht werden mußten.
Schwerer Etsrnbahmmkall.
Düren, 16. Febr. Hier ist es gestern wieder zu einem Etienbahimnsall gekommen, der durch einen von
schreibt der „Matinn": Die ftanzösische Regierung wolle g!>gen falsche Nachrichten nicht reagieren, aber einige seien so dumm, daß sie sich selbst denientieren. Kein verständiger Mensch werde glauben, daß Frankreich beschlossen habe, die deutschen Kinder unter fünf Jabren zu keseit'gen. wie man in Stuttgart verbreitet habe, oder die Häfen der Nordsee und Oflsec anzugreifen, wie das Wolffbüro bestätigte. D'ese Absurditäten kehrten sich übrigens gegen ihre Urheber und hätten in Berlin eilte seltsame Wirkung und Panik hervorgerustu, die indirekt auf deutsche Propaganda zurückzuführen sei.
Dazu bemerkt das Wolssbüro: „Da wir wiederholt He Erfahrung machten, daß der „Matin" ihm zug sandte Ve- rid't'gungcn grundsätzlich ignoriert, beschränken wir uns darauf, die albernen Erfindungen, die in ihrem ganzen Umfang eine Spezialmarke des „Matin" sind, niedriger zu hängen."
Rein französischer RSumungsbefeyl.
Höchst (Main), 16. Febr. Zu der Meldung der „Franksutter Nachrichten" betresiend Räumungsbefchl der Franzosen, di« wir übernahmen, liegt heute folgeiche Meldung vor: In der Presse und in der Oeffenllich- leit ist das Gerücht verbreitet, die sranzösischr Militär- bchöid« habe angeoidnet, daß bis Ende diese- Mo-uft- alle Angehörigen der Besatzungstruppen Vas besetzte Gebiet verlassen müssen. Auf eine Anfrage an zuständiger Stelle wurde dem „Höchster Kreisblatt" mit* geteilt, daß an dieser Nachricht kein wahres Wort fei. ;
Die Frage der Kriegsschulden. ’
London, 16. Febr. Die industrielle Gnippe de- ■ Unterhauses erörterte gestern Vorschläge bett, die s»« : sättige Fundierung der KttegSschulden aller Nattone» ttnschlietzlich der deutschen Reparationen. Die $3er« > sammlung sprach sich dahin aus, datz, wenn die politt» J scheu Schwierigkeiten überwunden werden könntet^ e‘«e derarttge Operation von großer Bedeutung für die kommerzielle und finanzielle Wiederherftellung fei« 1 würde. Der »Times* zufolge wurde die Ansicht au-« j gesprochen, datz die Fundierung der Kriegsschulde» der anderen Länder an Grotzbritannieu nicht länger ausgeschoben werden sollte, da die bereits ernste Wirt« lchastskrike in England sonst noch verschlimmert würde. Besonders wurde aus die herrschende Arbeitslosigkeit vettvtefen. Die Versammlung war ein# stimmig der Ansicht, datz die Wiederherstellung M Außenhandels nur durch die Stabilisierung der internationalen Finanzen möglich sei. Die weiteren Beratungen wurden bis zur folgenden Woche aufgeschoben, um die eingebrachten BorfchlLge näher z« t-rüfen. Dann toll der Regierung etn konkreter Plan unterbreitet werden.
London. 16. Febr. Bonar Law teilte «ester»\ im Unterbau- auf verschiedene Anfragen über bU j Schulden Frankreich-, Italiens. Belgien- und bet an« ‘ deren Länder an England mit, er habe der Pariser • Konferenz einen Plan unterbreitet, worin die brttifch« Regierung eine allgemeine Regelung bet Frage bet Reparationen urb internationalen Schtttben empfehle. Was die Zukunst betreffe, so könne et nur sagen, bat die britische Regierung vollkommen freie Hand behalte, um eine dieser Fragen oder beide wieder aus- luroDeit, wenn sich eine geeignete Gelegenheit ba» dick». Abgeieh»« von dem Wiederaufvaukredtt do»
belgischen Eisenbahnern gefahrenen Zug hervotge- rnsen wurde. Mehrere belgisch« Soldaten sind bet dem Unfall ums Leben gekommen. Eine gröbere Anzahl Personen ist verletzt worden. Im Anschlutz a« dieses Unglück und im Hinblick aus die zahlreiche» ht den letzten Tagen vorgekommenen Eisenbahnun* fälle aus den mtlitattflerten Strecken wird di« Bevölkerung zu ihrer eigenen Sicherheit nochmals dtt«- gend vor der Benutzung der von landstemdem Per« ional gefahrenen Züge gewarnt.
Ausweisungen.
Berlin, 16. Febr. Die französische Besatzungsbehörde Im Ruhrgebiet hat wieder eine große Anzahl von Beamten und Privatpersonen verhaftet und aus- geiviesen. In einer in Paris überreichten diesbezüglichen Note der deutschen Regierung werde» die Namen von 18 Verhafteten und 26 AuSgewicseuen aufgeführt. Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist angewiesen worden, gegen diese Gcwaltatte bei de: französischen Regierung zu protestieren.
Dortmund, 16. Febr. Hn- . ;g wurde Oberbürgermeister Dr. Eichhoff aus dem Rathaus heraus verhaftet und int Auto tv'gg.'sührt. Außerdem wurden der rteklvertrctende Landrat des Landkreises Dottmund ReFie- rungsassessor Bitter und Rerchsbankdirettor Müller Verhaftet. Um die Verhaftungen durckzuführen, untren drei Kompagnien Infanterie mit acht bespannten Maschinengewehren und drei Schwadronen Kavallette mit Minen- Werfern in die Stadt eingerückt.
Eintr ifeettaubnts der Minister durchbrochen.
Dstsse'dorf, 17. Febr. Reichspostminister Sttngl bat die von den Franzosen und Belgiern gegen detttsche Minister gerichtete Einreisesperre durchbrochen. Ter Minister weilte am 15. und 16. im Rubrgebiet. Sein Besuch galt den Städten Düsitt- dorf, Duisburg, Bochum und.Dortmund, wo er 6k Post- und Telegraphenämter besichtigte.
Essen, 17. Febr. Der preußische Kultusminister Dc Voelitz weilte gestern in Essen zu Besprechungen fiter Sck»:l- und andere Fragen.
Der französische Bergarbeiterfircik.
Paris, 17. Febr. Der französische Bergarbeiier- ftreif bat gestern tu de» vettchicdenen Depattemcnts begonnen. Im Norddepartement streiken etwa 20 Prozent der Bergarbeiter, im Becken der Loire 75 bis 80 Prozent, in den anderen Departements ist die
gebnis der Besprechungen sowohl auf französischer aßtiräk wurde zu 2Fabre n Gesänanis unh 10 Mil- a-'ch auf englischer Sette das absolute Stillschweigen ,™0
aewahrt. Man Mndigt an, daß die britische Regierung'^ftrofe - **™c*«Ö- im Lause der heutigen Beratungen Gegenvorschläge
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