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Um die Ruhr
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Ruhr- ganzen Sperre
ihr Objekt. Sollte sie einmal uns günstig erscheinen, so ist das nur scheinbar,' Entgegen allen sozialistischen Ideen, haben gerade die letzten Ereignisse klar gezeigt, daß alle Politik auch heute noch Machtpolitik und Machr- streben ist und nicht Wirtschaft, dir wohl eine größere Ralle svielt als früher, aber als Triebfeder nicht in Betracht kommt. Für UNS bedeutet die Rede Sonar LawS, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Einstellung zur ftan- zZsischeu und englischen Politik uns gegenüber, eine Entlastung. So gründlich wie er hat selten ein Staatsmann an Verantwortlicher Stelle den Franzosen das zweck- und rechtlose ihres Vorgehens klar gemacht «nd in die tieferen Gründe Frankreichs eingeweiht. Man kann verstehen, daß mau in Paris enttäuscht ist. Zunächst aber wird der Engländer von seiner Insel aus „neutral" znsehen was btt Franzosen machen. Von dem europäischen Geiste, von dem England «och in Genua sprach, vernimmt
5; Trocguer tn London.
Paris, 15. Fck. Nach einer HavaSmeldung aus London hat die Konferenz des englischen Kabinetts mit dem französischen Minister für öffentliche Arbeiten, Le Troeqner, um 11.30 Uhr begonnen und ist kurz vor zwei Uhr xu Ende gegangen. Englischerseits wohnten den Beratungen bei Bonar Law, Lord Garzon und Lord Derby. Tas englische Kabinett wird sich mit den auf der Tagesocknung stehenden Fragen heute nachmittag wahrscheinlich in einer besonderen Sitzung befassen. Die gemeinsamen Verhandlungen werden morgen vormittag 11 Uhr fortgesetzt.
Paris, 15. geb. Die Pariser Presse erwartet mit großer Spannung das Ergebnis der heutigen Verhandlungen des Ministers für öffentliche Arbeite», Le Trcqners. Man deutet an, daß die Kohlendurch- suhrfrage durch die englische Zone nur als Borwand dient, um einen weit wichtigeren Schritt Frankreichs zu markieren. In hiesigen politischen Kreisen neig, man zu der Annahme, daß Le Trocguer beauftragt ist, in London im Hinblick auf die Möglichkeit einer englischen Intervention zur Herbeiführung ein« Entspannung zwischen Frankreich und Deutschland zu sondieren.
Marburg gtfllai, tn 16. gtiron ♦ermmg
Die luge im HoMlel.
Essen, 15. Feb. Die Berkehrslage im gebiet ist gegen vorgestern im großen und unverändert. Ter Güterverkehr ist infolge der
£*e «Oberhelsische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis Monatlich 1400 Mk. mit Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streit» ooer elementarer (Etetgniiie fein Ersatz. — Lerlag von Dr. T. Sitzerath. — Druck der Univ..»uchdruckerei von Jod. »ug. R * Markt 21/23. — Kernfprecher 55, Bost, fchecktouta: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Koblenz, 15. Feb. In den letzten Tagen wird die Bevölkerung mit anonymen Flugblättern überschwemmt in denen die Franzose« und Belgier den willigen Beamten und Bürgern alle möglichen Ver- spcechungen ma^en und Schutz aegen die Maßnahmen bet deutschen Regierung zusichern«
Essen, 15. Feb. Gerüchtweise verlautet, daß sich auf der militarisierten Eisenbahnlinie Düsseldorf- Essen gestern ein großes Eisenbahnmnglück «eignet bat. Sei: gestern nachmittag ist Düsseldorf von den verschiedenen Fernsprechämtern des Ruhrreviers nicht mehr zu errufen. Man nimmt an, daß die Franzosen das Bekanntwerden des Unglücks verhindern wollen.
Die Lage tn Esten.
Essen, 15. Feb. Der Oberbürgermeister von Essen richtete an General Fournier ein Schreiben, in dem er gegen die in Aussicht gestellten schärfsten Maßnahmen Einspruch erhebt. Nach den deutschen Gesche» könne kein Deutscher das Recht in Anspruch nehmen, in einem Gafthause bedient zu werden ober in einem Laden Waren verabfolgt zu erhalten. Durch die Verordnung des Generals könne dieses Recht fremden Mil t är- und Zivilpersonen nicht eingeräumt werden.
Essen, 15. Feb. Heute mittag gegen 12 Uhr wurde die Reichsbankstelle in Essen von einer Abteilung Soldaten besetzt. Eine kleine Menschenmenge sammelte sich auf dem Platz vor dem Kaiserhof an. Durch eine in der Nähe berritgchaltene weitere Ab- tellung wurde daraufhin der Platz sofort geräumt. Obgleich die wenigen Pasianten der Aufforderung der Räumung sofort ohne Widerstand nachkamen, wurden sie von den französischen Soldaten mit Bajonett und mit Fußtritten mißhandelt.
Essen, 15. Feb. Seit heute mittag durchfahren zahlreiche Panzerautos die Straßen der Stadt. Tas Rathaus wurde in den frühen Nachmittagsstunden um« zuigel' und besetzt. Gegen vier Uhr fuhren Punzer- autos znm Theaterplatz. Eine ■ große Anzahl Mt- zösischer Soldaten drang in das Theater ein, wo ein Toppeiposten ausgestellt wurde. Der Zweck der /Bewegung ist unbekannt.
Berlin, 15. Febr. D'r Proteststreik bet städtischen Angestellten und Arbeiter von Essen gegen die Verhaftung des stellvertretenden Oberbürgermeisters Schäfer, dem
für Kohlen und metallurgische Waren sehr gering. Es werden nur Lebensrnittel, Kalk und Sand gefahren.
Amlliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
die gesamte Geschäftswelt Essens sich ««geschlossen hat. M heute vormittag 11 Uhr begonnen. Sämtliche Lechen- geschäfte und Büro? waren geschlossen und die Fenster verhängt. Durch den Streik ist Fremden jede Verpfleg- ungSmöalichkeit genommen. Etwa zwanzig französisch^ Offiziere drangen in die Küche des Hotels BerrinshauSl ein und nahmen dort das für die Familie des Direktor» und für die Angestellten hergerichtete Essen fort. Die Nervosität der französischen BesatzungStruppe» nimmt immer mehr zu. Es werden weiterhin schwere Mißhand-, langen von Straßrnpassanten durch französische Truppe» gemeldet f > ' , - ■ . ■ . j
Gelfer^irchen bezahlt keine Kontributionsgeld«.
Gelsenkirchen, 15. Febr. Dte Stadtverordneten beschlosten, die von der französischen BesatzungS- behörde der Stadt auf et legte Kontrtbutton von 1 Mtll. Mark auf keinen Fall zu zahlen. Die FrattwnSvor-! sicher, die gestern nach Düsseldorf zu General Degoutte! gefahren waren, um ihm ihren Protest zu überreichen,: und ihm den deutschen Standpunkt klarzulegen, wur-j den von zwei lüngeren Offizieren empfangen, die sich, nachdem ste das 23ort „Protest" gehört hatten, weigerten, die Herren vorzutaffm. So blied de» Setseite ktrchenern nchrs anderes übrig, alS das Protestfchret» bet für den General dazutaffen.
Elfen, 15. Febr. In Gelsenkirchen wurde bet Kaufmann Steinbach von einem belgischen Offizier auf der Straß: verhaftet, weil er dem belgischen Offizier auf sein Verlangen kein Feuer geben konnte. Er sollte gegen eine Kaution von 30 000 M auf freiem 'Bus; belassen werben, doch waren bte Belgier fchließ- ttch mit 10000 j* zufrieden. Steinbach toll autzerdem >toch vor ein Kriegsgericht gestellt werben.
Gelsenkirchen, 15. Febr. Heute mittag fan- btn sich aus Einladung der örtlichen Preffe Vertretet der ausländischen Zeitungen aus Effen und ©elfen» firchen ein, um dte von den Franzofen wührend ihre» Hicricins zerstörten Unterkunftsräume, vor allem da» völlig zerstörte Wohlfahrtsamt für Kriegshinterblte« bene und Sozial- mtb Kleinrentner zu bestchttgen. Durch r'lngen'chein und an Hand von Protokollen von Brannen und Ztvtlverionen wurden bte gemeldete« Vcrtoüsiuugcn und Mißhandlungen erhärtet.
' Folge,»schwerer Zusammenstotz ,wisch«, Polizei unb Kommunisten.
Hagen, 15. Febr. Von amtlicher Sette wirb berichtet: Gestern abend gegen 7 Uhr kam es tn Gevelsberg zu einem Zuiammonstotz zwischen Polizei und Kommunisten. Der hiesige Kriegerverein hatte gestern abend zu einer Versammlung aufgerufen, in der u. a. auch der bekannte Major Märker sprechen sollte. Die btcsigen Kommunisten hatten davon Kenntnis bekommen unb versuchten bie Versammlung zu sprengen. Dte Polizei sperrte bas Lokal ab, wobei es bedauer- licherweise zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei unb Kommunisten kam. Der hiesige Poltzeiinspektor Becker unb zwei anbere Beamte wurden durch Meffer-, stiche verwundet. Der von Hagen hinznkommenden Sckupo gelang es, atsbald bte Ruhe wieder herzu- stcllen. i
»schlagnahme von Kohlenfähne». \
Köln, 15. Febr. Rach der „Kölnischen Zetung" erschien am Montag Nachmittag plötzlich ein Polizei» dampftr unter ftanzösischer Flagge am hiesigen Ober»! ländcrufer und hielt neben den dort liegenden Kohlen- - kühnen, die mit einer Ladung Kohlen nach Italien be- fnmmt waren und infolge des Schifferstreiks feit ettor 14 Tagen festliegen. Die Franzosen verlangten Bn n- kerkohlen für den Dampfer und bemächtigte» sich, schließlich einer größeren Menge. Die herbeiqerustne englische Strompolizei erschien alsbald am Platze, sodaß die weitere Entnahme von Kohle ringe- {teilt werden mußte.
Holländische Milch fSt Deutschland. 4
Berlin, 15. Feb. Dar Reich-Ministerium fflt Ernährung und Landwirtschaft leitete zur Hebung der im widerrechtlich beschien Gebiet durch den Unfall entstandenen Milchwot die Einfuhr von täglich 50000 Liier» Milch aus Holland in die Wege. Da infolge des schlechten deutschen Wechselkurse- die Milch an die Bevölkerung zum Gestehungspreise nicht abgesetzt werden kann, strikte der Reichsminisher für Ernährung und Landwirtschaft im Einvernehmen mit dem Reichs- minster der Finanzen aus ben von den gesetzgebende» Körperschaften bewilligten allgemeinen Mitteln die Beträge zur Verfügung, die $ur Verbilligung der Milch auf den Inlandspreis erforderiich sind. Neben der Einfuhr holländischer Frischmilch wurde durch die Zu» toeisung von kondensierter Mich und Mlchpulver versucht, der imi-öer.bften Milchnot abzuhelfen. Die Milchznweisung beschränkt sich nicht auf das Ruhrze» biet, soichern umfaßt auch Städte des altbesetzten Gebiets, soweit chre MilchversovgungSlage ein Eingreifen des Reiche- notwendig macht.
SeueralftreU der franzSflfche» «mbenarbelter?
Paris, 15. Feb. In bei .Humanitö" kündigt eine kommunistische Abordnung der französischen Gru« benarbeite'. einen Generalstreik an, der morgen früh beginnen soll. Der Srubenarbeiterstreik im Saor- gebiet und in Lothringen dauert noch an. Einer Meldung der kommimistischen Presse zufolge sind die Eisenbahner und Metallarbeiter in dem genannten Gebiet bereit, in einen Sympathiestreik einzutreten. Die Folge« de- bisherigen Ausstoßes machen sich in großem Kohlenmangcl bemerkbar. Ende dieser Woche wird angeblich die ganze Groß-Industrie zum Stillstand verurteilt sein. Die französischen Behörden steh:» vor der Erklärung des Belagerungszustandes. Alle Vorbereitungen dazu sind bereits getroffen.
Tschechische Arbeiter für da» Ruhrgebiet.
Innsbruck, 15. Feb. Wie die „Innsbrucker Nachrichten" melden, ümide ein Transport von 30 tschechischen Arbeitern, die größtenteils in Wien für das Ruhrgebiet von französischen Agenten angeworben worden waren, auf dem Bahnhof Innsbruck, von wo sie über die Schweiz an ihren Bestimmungsort gelangen wollten, an der Weiterreise dadurch gehindert, daß Eisenbahner den Wagen abhänjgten. Die Arbeiter mußten nach Wien zurückkehren. Nach einer Meldung des „Tiroler Anzeigers", die der obigen Meldung zum Teil widersprich^ hätten die Arbeiter ihre Reise schließlich doch fortsetzen können. Die Bundesbahndirektion habe wegen des unberechtigten Anhaltens von Fahrgästen eine Untersuchung eingeleitet.
Innsbruck, 15. Feb. Nach einem Bericht der „Jnnsbruöftr Nachrichten" rollen täglich Züge mit tschechischen Kommandos über den Arlberg und die Schweiz in das französische Jndustriegbiet.
Der StreU bn SaarMblet.
Pari-, 15. Febr. Sie die „Jmiruee Industrielle" aus Metz erfährt, dauert im Saargebiet und im Mosel- g-bietdepartemeni der Streik an. Im Saargebiet schließe» bereits zahlreiche Metallsabriken ans Kohlennmngel In Lothringen sind trotz des Widerstandes der kommunistischen Strrikpartouillen einige Fälle von Wiederaufnahme Arbeit »n verzeichnen. Zahlreiche Bergarbeiter, hauptsächlich polnische und tschechische, bekunden nach dem Blatt die Absicht, die Arbeit luieber aufzunehmen unter der Bedingung, daß ihre Sicherheit garantiert werde.
Parts, 15. Febr. <*-,» hier gestrigen Sitzung befaßte sich bte Rcparatt»,»-..Immission mit bem Programm bet von Deutschland Im Jahre 1923 zu liefernden Saalkartoffel- unb Sttckftoffmengen unb fern« mit ben Einzelheiten bet Frage der Verteilung bet österreichisch ungarischen Schulden auf bte Nachfolgestaaten.
Paris, 15. Febr. Der Senat trat heute tn ble Beratung des Mtlitärreformgefetzes etn. Der Berichterstatter General Fonrgeots fuchte nachzuweifen, wie Deutschland unter ben verschiedensten Maskierungen tote Schutzpolizei usw. feine Armee toicderauf- lichte. Ein Revanchegeist beseele ganz Deutschland, ein ausgesprochen« offensiv« Geist. Das deutsche Mtlttärreglement sei nicht für etn Seien von 100000 Mann, fanden, für eine starke Armee ausgearbeitet, dazu bestimntt, ble Offensive zu ergreifen. Der Hatz gegen Frankreich betätige sich vollkommen offen. Es sei also unerläßlich, daß Frankreich mehr Venn ;e Dentschlanv militärtsch beherrsche. Frankreich müffe in Friebenszeiten ein genügenb starkes Heer unterhalten, um bte Besetzung des Rheinlanbes unb der rheinischen Brückenköpfe durchzuführen unb ohne Einberufung von Rcferven zur Änsfuhrnng ber notwendigen Strafmaßnahmen schreiten zu können. Frankreich müsse ferner bte Sicherheit fein« Protektorate unb Kolonien gewährleisten. Für die Beratung beS Mitttärgesetzes sind etwa 10 Sitzungen vorgesehen. Verschiedene Senatoren traten für bie einjährige Dienstzeit ein unb werben bar auf bezügliche Anträge begründen.
Paris, 15. Febr. Die Kammer unb bet Senat baden heute nachmittag eine fchtiftliche Mitteilung des Kriegsministets zur Kenntnis genommen, wonach dte Regierung befchlossen hat, die zu Uebungsztoecken einberufenen EtsenbahEer unb Telegraphisten vorläufig unter ben Fahnen zu be'assen. Es handelt sich bekanntlich um ble nach bem Ruhrgebler entsandt.m Eisenbahn«.
Sl - wollen nichts höre».
Berlin, 15. Febr. Der Reichskommissar der besetzten Rheinlandc Fürst Hatzfeld-Wildemburg hat gegen eine Reihe von Maßnahmen der Rbelnlandkom- niilsion Vettoahrnng eingelegt und insbesondere Vorstellungen erhoben wegen- des. Verbots des Läutens der Kirchenglocken an den Trauersonntagen, das von einzelnen Delegierten der Rbelnlandkommission den hohen Kirchenbehörden in einer Form mttgcteilt toor- dcn sei die keineswegs der sonst üblichen Art des Verkehrs in solchen Füllen entspreche. Fern« hat et sich gegen die Anttöentietzt-ng des Landrats und des Bür- germeisters von Mörs und gegen die Verhängung des Belagerungszustandes über den Bezirk Mörs ge- wandt. Die Rh.insändkon,Mission bat darauf die bet« schiedcncn Noten des Reichskommissats mit einem kurzen Schreiben Sahli, beantwortet, daß sie es ab« lehnt, betätige Proteste gegen ihre Anordnungen zu erörtern und daß tünjtig solche Schreiben nicht beantwortet werden.
Pari», 15. Feb Wie 6er „Rewyork Herold - au» Washington berichtet, erflärte Senator Borah. er sei Anhänger der Streichung der Schulden, wenn hierdurch^ die lRi'he in Europa Wicker hergesstllt wecken könnte
Repräsentantenhaus unb bk Ruhrbesctzung.
Washington, 15. Feb. Ter Republikaner Vcigl brachte im Repräsentantenhaus eine Entschließung ein, in he.- gegen die Besetzung des Ruhrge^ biets protestiert und gefordert wird, daß Präsideur tzardinz eine WeltwtrtschaftZkonferon; cinbemfe. Fern eg heißt es in t<r Entschließung, Frankreich möge Maß^ nahmen treffen, m» seine Kriegsschulden zu bezahle»,'
M ImijiWe tiütmrt.
- •- „Petit Parisien" beschäftigt sich mit der Stellung Englands zur Frage des Ruhrabenteuers. Der offen - ,iat beeinflußstte Artikel hat folgenden Wortlaut: । Wenn die Intervention, an die der englische Mim- fürvräsident denkt, darin bestehen soll, daß dem Vor- ßehen Frankreichs und Belgiens Unterstützung zuteil werden soll, so wäre sie selbstverständlich willkommen. Lenkt er dagegen eine Vermittelung einzulciten, so ist es sicher besser, man warnt ihn, daß er die Psychologie Frank- «chs ebenso wie die Belgiens verkennt. Kein unterrichteter Engländer kann künftig übersehen, dajß der französisch-deutsche Konflitt anläßlich der Rnhrbefetzung tat Charakter eines Kampfes bis zum äußersten angenommen hat. In diesem Kamps >«, dem nicht einmal das Schicksal der Reparationen, sondern dasjenige des Bersailer Vertrages ab« jöngk, können Frankreich »nd Belgien nur auf einen kr^lg zählen, wenn sie mit der Zeit rechnen !än- »en. Ein Vermittelungsangebot in mehr ober minder ttrzcr Frist erwarten zu müssen, würde für Frankrüch um. Belgien schon jetzt eine Schädigung in doppeller Beziehung bedeuten. Erstens wücken die Blockade- und Reorgani- fationsmaßnahmen, bie im Rheinland jetzt grtrofftn wurden, nicht bk Zeit haben, ihre volle Wirkung <uf Deutschland auszuüben wie auch auf bie l0nsl änbischen Märkte, unb auf der anderen Seite könnte die Aussicht ans etwaige Hilft von außen Lmtschland dazu ermutigen, in seinem Widerstand zu beharren. Wie skeptisch auch bie öffentliche Meinung und Bonar Law über btt Wirksamkeit der französisch-belgischen Bktöoben denken möge, das mindesft, das man von ihr »erlangen könne, fei, daß sie nicht durch eine Rettnngs- dstion Operationen verhindert, bei benen eS sich ;fcm bie Zukunft ihrer btibe-n ehemalige» Alliierten auf dem Kontinent handele. Voui ftanz-fisch-belgischen Standpunkt wäre eine Polittk des Knsammenwirkens glücklich gewesen, die es gestatten würde. Frankreich wirksam« zu unterstütz:», ohne das sich Eng- land i» die Verantwortung für das RheinlandunftrneZmen »«wickele. In dieser Hinsicht scheine man in London tz-neigt zu sein, ben Minister für öffentliche Arbeiten Se Trocauer günstig aufzunehmen, b« über ben Kanal ipsangen sei. nm über die hrikle Frage der Eisenbahnen i» der englischen Zone von Köln zu verhandeln. Obwohl tte englische Regierung auf den Rat des Generals Gvdley die Schienenwege dieser Zone den ftanzösifch-belgifchcn veganen nicht zur Verfügung glaubte stellen zu können, dürfe man nichtsbesroweniger annehmen, daß sie jit Srenzberichtigungen bereit sein werde, die für ben inter- Eierten Verkehr eine wichtige nördlich von Köln gelegene Eder frei machen würden. Diese Art Zugeständnis wie ülrigens auch die wohlwollende Neutralität, bk die eng- ksche Regierung unb die englischen Behörden im beschien Gebiet ausübten, würben Frankreich eine indirekte Unterstützung bieten, deren Bedeutung $u verkennen un- -crechi wäre. Was man in der Rede Bonar Laws mit ««em alles übersteigenden Bedauern vermisse, fei eine Warnung an die Ad resse Deutschlands. Anstat» daß ein Premierminister ungewollt bte Illusion 6ner Vermittelung entstehen lasse, wäre es besser ge- toefen, wenn er klar unb unwiderruflich gesagt hätte, baß Aentschlanb in keinem Falle darauf zählen könne, baß England eS vor der Gefahr des Ertrinkens retten werde, der es sich hartnäckig aus setze. Eine derartige Erklärung fti auf alle Fälle die einzige Formel für eine Intervention, fcie sie Frankreich und Belgien zur Stunde zu wünschen fc der Lage seien. i ' .
Diese Antwort gibt offenbar bft Ansicht der ftan- lös'schen Regierung wieder. Nach einer Meldung der »Bos! Ztg" erklärt man außerdem am Quai d'Orsay: E:oji der Rede Bonar Laws sei man der englischen Re- Dierr:ng völlig sicher. Dies werde in der nächsten Zeit «nders als durch Worte bestätigt wecken. Man ent- sihnldigt bie Rede Bonar Laws in amtlichen fron» rösischen Kreisen durch die Behauptung, daß b« Pre- »ierm-.nister nicht die Freiheit hat, seine wahren Ah- sicht-n zu enthüllen. Man bemertt weiter, Bonar Law sei offenbar bemüht gewesen, etwaigen Einwänden keiner Gegner, besonders Lloyd Georges, von vornherein die Gpitze abzubrechen.
Es darf demnach nicht überraschen, daß da- Echo Segeuüber der scharfen Kritik Bonar Low so gelind. »iSfällt. Im Grunde ist man sich völlig einig. Es hon- sich um die Zerstörung der stärksten Machtquelle Dcutschlands, ben Behüt« von Stahl und Eisen, da? ^uh-gebiet. Uns davon zu „befreien" ist sowohl frau- »üfische wie arich englische Absicht. Wie man fick später über bett Braten einigen wird, werden sie nute- luh ausmachen. .Frankreich möchte das Ruhrgebiet mög- nchst unzerstört mit .unseren Kräften als spätere Krafl- ritefle für seine Auseinandersetzung mit England, deshalb «det man uns gut zu, daß der Widerstand nutzlos sei *• f- f England hat das größte Interesse daran, daß »löglichst durchs kriegerische Ereignisse und so'- 8cnde kommunistisch: oder bolschewistifche Auseinanderfgtz- dngen das Ruhrrgrbiet, seine größte Konlürrenz, wir! «haftlich und militärisch, soviel als möglich verwüstet ^>rd. Um so sicherer kann es sich fühlen, auch vor «rankreich. Diesem Gesichtspunkt ist st ine Engltnds- Mlitil bis heute gefolgt. Wir Deutsche sind durchaus
D« betragt ffc ben Sgeft. Zeilenmilllmet« «U*> Ät (Xltixe Anzeigen
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