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EMnzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Ti« »Od«rh«sfische Zeitung ' erscheint iedjsmai wöchentlich. — Dezngspreir monatlich 1400 MI. mit Zustellung-gebühr. Für oueiaUtnie Nummern infolge Ctreils ooei elementarer Ereigniiie rein Ersatz. — Verlag von Dr. L. Hitzeroth. — Druck der Lniv.-Luchdruckerei von Job. Lug. Koch. Markt 21:23. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Sir. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
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Sie Seile hes Seiijsgtiilihtnlen.
Mannheim, 13. Fcbr. Der Reichspräsident, dir Aeichsminister Oeftr und Dr. Albert und Staatspräsi- Bent Remmele sind heute Vormittag 10 Uhr im hiesigen Nathans eingetrofsen, wo sich die Leiter der staatlichen tmd städtischen Behörden, die Vertreter von Handel und Industrie, der Berufsorganisationen, sowie der Handcls- , Hochschule und andere Persönlichkeiten versammelt hatten, gn feiner Begrüßungsansprache betonte Oberbürgermeister Putzer den festen Willen der Bürgerschaft von Mannheini, hie, ebenso wie sie vor 234 Jahren die Plünderung und Le'.störung der Stadt der Unterwerfung unter ftan- Msche Herrschaft vvrgezogen habe, auch heute gewillt jri, jedes Opfer zu tragen, um die feindlichen Angriffe hbznwehren und ihre Trerie zum Reich zu bekunde».
Der Reichspräsident erwiderte mit Worten des Mankes nnb der Urberzeugung, daß an dem entschlossenen Hub opferfreudigen Willen des badischen Volkes alle versuche einer Trennung von Nord und Süd zerschellen Würden, und Versicherte, daß das Reich mit allen Kräften heistehen werde, wo es nötig sei, Schäden und Wunden p heilen.
Rach einer Ansprache des b-Äscheu Staatspräsidenten sprachen die Vertreter des Handels, der Industrie, des Handwerks, der Rheinschiffahrt, der Gewerkschaften, der Angestellten- und Beamtenverbände und der Hande lshoch- sHule. In feierlichen Erklärungen bekundeten fit den ßsten Willen, zu opferbereiter und einheitlicher Abwehr Und in treuer Gefolgschaft hinter'der Reichsregierung zvsammenzustehen. Mit einer Ansprache des Reichs- ,Ministers Oeser fand die eindrucksvolle Kundgebung Hren Abschluß.
Rach der Bersam'.ulung im Rathause empfingen der Deichspräsident und die Reichsminister eine größere, alle Schichten der Bevölkerung vertretende Abordnung aus der Pfalz. Staatskommissar Wappes begrüßte namens Her bayerischen Regierung und des pfälzischen Volkes den Drichspräsidenten und gab unter lebhaftem Protest gegen |fe französische Gewaltpolitik der Ausweisungen, der ,Knebelung der freien 'Meinungsäußerung, der Absperrung > Jtob ber Bedrückung das entschlossene Treucgelöbuis deS ^pfälzischen Volkes zum Reiche ab: Deutsches Land, beut fsches Volk und Deutsches Reich für immerdar.
f p Der Reichspräsident erwiderte mft der Ver- ■ sichreung von Treue um Treue und mit Worten des Dan- ,-te an die mannhaft duldende Bevölkerung der Pfalz, der Beamtenschaft, der Berufsorganisationen, der Industrie, itzer ausg.wiesenen Beamten und Bürger sowie der Presse und eine Vertreterin der pfälzischen Frauen.
Reichsminister Dr. Albert erklärte namens der i Aeichsregierung unter Worten des Dankes an die Ber- , tretet die Bereitschaft des Reiches, nach besten Kräften Pt Helsen, um die Not im pfälzischen Volke zu lindern, c' Ziem Schließ empfing der Reichspräsident die Vertreter i ter badischen und pfälzischen Presse.
Darmstadt, 13. Febr. Reichspräsident Ebert H heute Nachmfttag gegen 4 Uhr von Mannheim tom- .Wnb in Begleitung des Reichsministers Oeser and des Neichsschatzministers Dr. Albert in Darmstadt eingetroffen. Dee Herren wurden am Bahnhof vom bcssi- schen Staatspräsidenten Ulrich empfangen und fuhren ' daraus nach dem Staatsminisierium, wo eine Besprechung i ßettfand, zu der die Vertreter aller staatlichen und städtischen Behörden aus dem ganzen Lande, insbesondere auch aus dene besetzten Gebiet, der Industrie, des Handels, ki Geistlichkeit sowie zahlreiche Abgeordnete, zusammen etwa löu Personen erschienen waren. Staatspräsident i Ulrich begrüßte den Reichspräsident und die geladenen Haste, worauf dec Reichspräsideiet eine Ansprache hielt, I die mft einem Appell schloß, zusammenzustehen ohne Unterschied der Weltanschauung. Stürmischer Beifall . ivlgte den Ausführungen des Reichspräsidenten. Eine £oß: Anzahl Redner aus allen Teilen, besonders aus dem setzten Gebiet sowie zahlreiche Abgeordnete brachten Ü>re Wünsche und Klagen über die gwße Bedrückung und tie brutale Behandlung durch die Besatzung, teilweise an drastischen Beispielen vor. Der hessische ArbeftSminister Raab machte dann Mitteilung über die bisher getroffenen »nd noch ix Aussicht sichenden Schritte der hessischen R-> Sterling, worauf Reichsminister Oeser in scharfen Zügen l tas ganze Bild zufammensaßte und die getroffenen I Maßnahmen besprach. Er sicherte die Hilfe der Reichs- wgierung zu und forderte zu Mut und Ausdauer in dem Existenzkampf aus, da mir hierdurch der Kampf um unser Sie±t und unsere Freiheit zu einem guten Ende geführt totrben könnte. Darauf fand in einem kleinen Kreise ein Abendessen statt. Die Rückfahrt des Reichspräsidenten und der Minister nach Berlin erfolgte um 9,15 Uhr.
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:: Helllicht Stete.
Berlin, 13. Febr. Der deutsche Geschäftsrrä- ttr in Part« wurde beauftragt, der französischen Regierung folgende Note zu überreichen:
Die deutsche Botschaft beehrt sich, im Auftrage 'tret Regierung des Ministeriums des Auswärtigen. «Us die Verbalnote vom 11. Februar folgendes zu [ nwidern: Die französische und belgische Regierung wollen vom 12. Februar ab die Ausfuhr der in den besetzten Gebieten hergestellten metallurgischen Er- ^ugntffe mW sonstigen Fabrikate nach dem übrigen Deutschland sperren. Sie begründen 1 ese Maßnahme Wit dem Hinweis aus die von der Reichsregierung »en deutschen Beamten im Ruhrgebiet erteilten Be- fthle mit der Behauptung, daß die Reichsregierung in diesem Gebiet Unruhen aller Art hervorzuruscn ü'chc. Die Begründung der neuen Maßregel keun- i Zeichnet sich selbst als ein Vorwand und bedarf keiner Widerlegung. Sie ist ein ossenes Eingeständnis der .Tatsache dstz die Besatzungsmächte, mit de«^ bisheri
gen Gewaltakten und mit dem durch die Ruhrbefetz- ung begangenen Unrecht sich nicht zum Erfolge verhelfen konnten und daß sie sich deshalb zu einem immer schwereren Unrecht getrieben sehen. Nachdem zunächst die Versuche der Requisition von Kohle und die alsdann angeordnete Sperre der Kohlenausfubr nach den unbesetzten Gebieten nicht zum Ziele führten, scheuen die Besatzungsmächte letzt nicht mal mehr vor Maßnahmen zurück, die mit der angeblich äugest rebten Sicherung der Revaraiwnslieserungen in keinerlei Zusammenhang gebracht werden können, sondern lediglich di- Folge haben kann, das deutsche Wirtschaftsleben weiter zu zerstören. Die deutsche Regierung lveiß. daß es den Besatzungsmächten auch mit vielem Gewaltakt nicht gelingen wird, sich die Bevölkerung des besetzten Gebiets gefügig zu machen, sie Protestiert gegen das neue Unrecht -und macht die französische und belgische Regierung verantwortlich, daß die Fähigkeit Deutschlands zu Reparationsleistungen zum Nachteil aller alliierten Mächte in immer höherem Maße vernichtet wird. Der Geschäftsträger in Brüssel ist angewiesen, eine gleichlatttende Rote zu übergeben.
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Sie tat im Wen (Miet.
Reue Bcsclpmgcn.
Emmerich, 13. Febr. Heute morgen 7& Ubr setzten die Belgier über den Rhein und besetzten das Hauptzollamt und den Hafenkopf. Die Hauptstraßen am Rhein wurden mit Maschinengewehren abgesperrt. Augenblicklich finden Verhandlungen über die Unterbringung der Besatzungstruppen statt, die ungefähr hundert Mann und fünf Offiziere stark sind.
Wesel, 13. Febr. Heute früh um 8 Uhr wurde das Zollamt von den Belgiern besetzt. Zollrat Bulle und Oberzollinspeftor Nebbe wurden interniert. Das Rathaus und der Bahnhof wurden ebenfalls besetzt. Tie Stärke der Besatzung beträgt anderthalb bis zwei Kompagnien.
Gelsenkirchen, 13. Febr. Heute morgen drangen Lette französischer Kavallerie und Artillerie sowie Tanks von Recklingvausen kommend in die Stadt Gelsenkirchen ein. Die Hauptwache am Polizeipräsidium wurde unter Anwendung von Gewalt emwasfnet. Die Polize'.beambm wurden abgeführc und unterwegs bintig geschlagen. Sie mußten im Parademarsch gehen. Es war sicherlich darauf abgesehen, sie so schmachvoll wie möglich zu behandeln. Man nimmt au, daß eine Besetzung infolge des gestrigen Zwischuesalles erfolgt ist.
G e l s e n k i r ch e n, 13. Febr. In einer außerordentlichen Stadtverordnetensitzung teilte der dienstälteste Bn- geordnete Baurat Arerckt mit, daß der französische Major heute Vormittag von der Stadt die Zahlung von _100 Millionen Mark bis morgen Mittag forderte als Sühne für den Zwischenfall mit den beiden Gendarmericosfizierrn. Dies wurde von der Stadt abgelehnt. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, morgen eine Abordnung zu General Twoutte nach Düsseldorf zu entsenden, um wegen der Freilassung der Verhafteten zu verhandeln.
Seite Brutalitäten.
ei <itj.lL Feb. Axj der Zeche Prosper 1 in Essen Telwlg, den Rheinischen Stahlwerken geh^riz. erschien gestern tim belgische Kompagnie mit Ma- schinengcwchre:i und verlantzte Kohlen. Die Trzel- arbcftcr, die sich .retqerien, bei der Berlckmng >n tzu- heft'en, itiiiitti körperlich mißhandelt und mft Kap- it Bajonetten und durch Schreckschüsse vertrieben. Die Soll-ctteu l-»dei daun selbst in mitgebrachte >ou> Aeckeft atz fitncmnun- Wagen Kohlen. Die Betriebs- rrät: protestierten wegen des Ueberfalls und de - Miß- Handlungen dein Kommandanten. Unter den glichen Umständen wurden von der Zeche Prosper 2 in Bottrop acht Fuhrwerke^mit Kohlen fortgenommen. Unter den entführter. Fuhrwerken befinden sich zwei Zechensuhrwerke mit Bespannung. Die Menge der dort gestohlenen Kohlen beträgt 123 Tonwen. Aus der Zeche Prosper 3 erschien ebenfalls eine starke belgische Lrup- penobteilung. Das Zechentor wurde geschlossen. Im nee halb weniger Minuten fommette sich jenseits desselben auf dem Zechenplatz die gesamte Tagesöeirg- schaft der Zeche, die den Betrieb sofort stillgelegt hatte. Die Belegschaft begann vaterländische Lieder zu singen, worauf die Belgier unter den Hurrarufen» oei versammelten Belegschaft wieder abzicheu mußten, ohne ihren Zweck erreicht zu haben.
Essen, 13. Feb. Die Erregung, die infolge der letzten Vorkommnisse besonders des ausgiebigen Gebrauchs von Reitpeitsche gegen wehrlose Zivilisten sich der Bevölkerung bemächtigte, veranlaßte den Polini« Präsidenten, einen Aufruf zu erlassen» in »em er mit Rücksicht ans den Ernst der Lage das Publikum ermahnt, Ruhe und Besonnenheit zu zeigen und oie Polizei in ihrer schweren Aufgabe zu unterstützen. Heber die letzten Vorgänge in der Stccht wird noch bekannt, daß durch einen Schuß aus der Post heraus, der von den Franzosen abgegeben wurde, der jugendliche Walter Nulhokf am Schenkel schwerverletzt wurde.
Essen, 13. Feb. In Honnef bei Troisdorf sind Franzosen untersuchen auch die Wagen mit StüHut. Der Personenzugverkehr wird durch die Kontrolle außerordentlich behindert.
In Brakel ist eine Protestversammlung gegen die Verhaftung von Schupobeamten von den Franzosen rrit cufgepflanzirm Bajonett auseinandergetrieben worden. , _
In Blankenstein ist Deputatskohle fortgenommen worden.
Am Buraplah in Essen ist ein 15 jähriger Ober» stkundanec von der sranzöfischeir Satzung weggeführt worden, wobei ihm der Unteroffizier einen Revolver tn die Schläfe hielt. Am Eingang der Post hat der Sekundaner mit der Reitpeitsche einen Schlag auf die Hand erhalten und ist später in einem Zimmer durch Fußtritte und Schläge mit der Reitpeitsche über den Kopf mißhandelt worden. Ein Offizier der Schupo hat schließlich die Freilassung des Jungen wieder erreicht.
Essen, 14. Febr. Gestern Nachmittag gegen 1'25 Uhr erschienen im hiesigen Geschäftshaus« der Eon- ttnental-Hannover drei fmnzösische Offiziere und mehrere Soldaten und verlangten Pneumattks. Auf die Frage nach Bezahlung zeigte ein Offizier seine Pistole Die beiden Geschäftsführer wurden verhaftet. Einer von ihnen wurde vor seiner Abführung schwer mißhandelt.
Dortmund, 13. Febr. Das Postamt in Herdecke ist heute Mittag von 4 Offizieren und etwa 24 Soldaten umstellt worden. Die Offiziere drohten Strafmaßnahnre.i an, wenn nicht geöffnet werde. Schließlich gingen die Soldaten vor. Ein Offizier schlug eine Fensterscheibe ein, ließ die schwer bewaffneten Mannschaften eindringen und wies das Personal aus den Raumen. t
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Recklinghausen, 13. Febr. Gestern Nachmittag 5 Uhr fuhren vor dem Gebäude der Schupo drei srin- zösische Automobile mit etwa 50 französischen Soldaten vor und forderten die Herausgabe sämtlicher Waffen. Nach Verhandlungen mit den Führern der Schupo begnügten sich die Franzosen mit der Mitnahme der Karabiner nnd der Munition. Die Pistolen wurden der Polizei gelassen.
Frankfurt a. M., 13. Fcbr. Etsenbahninspekwr Schroth aus Cronberg (Taunus) und Stattonsmetster Braun vom Bahnhof Eschborn sind seine verhaftet und wahrscheinlich nach Königstein (Taunus) über« führt worden, angeblich» wek? auf dem Bahnhof das Plakat für Ruhrbttfe angeschlagen war. Außerdem ist der Oberregierungsrat Dr. Stegner von der Reichs- lahndtrektion Trier aus Trier ausgewiesen worden: leine Frau bat tn vier Tagen zu folgen.
Wiesbaden. 13. Febr. Die Franzosen haben den Bürgermeister Travers ausgewiesen. Aus diesem Anlasse legten die städtischen Beamten ihre Arbeit helft? um 11 Uhr vormittags nieder. Sie wird morgen früh 6 Uhr wieder aufgenommeu werden. Die Ausweisung erfolgte. weil Bürgermeister Travers die Erklärung unterschrieben hatte, daß Weisungen der deutschen Regierung auch entgegen anderslautenden Verfügungen der Interalliierten Rheinlandskvmmission für deutsche Beamte verbindlich seien. Aus dem gleichen Grunde wurden ausgewiesen: Oberregierungsrat Voelker, Landrat Schlik, Regie- rungsrat v. Goeben und der demokratische Parteiführer Direkwr Höfer. Die Parteiführer der übrigen Parteien, die die gleiche Erklärung unterschrieben haben, wurden n iht gimaßregelt. Oberzollsekretär Fuchs wurde uegeu Nichtanerkennung der Ordonnanz 140 ebenfalls ausgewiesen. Die städtischen Körperschaften halten morgen eine Sitzung ab, in der Stellung genommen werden soll gegen die weitere Dezimierung der städtischen Beamten- sck ast. Die Beamten der Post haben ihre Tätigkeft wieder ausgenommen, nachdem ihre Forderung auf Zurückziehung der Wachen aus dem Postgebäude erfüllt worden war
Stegen, 13. Fcbr. Am Samstag Abend trafen aus dem Bahnhof Siegen etwa 60 Arbctter ein, die im Ruhrgebiet mit Ausweisung bedroht worden waren. Sie wurden im Kaiscrgarten verpflegt und suh- r-m gegen 8 Uhr abends weiter, anscheinend nach Schlesien.
Zeitungsverbote.
Essen, 13. Febr. Heute mittag erschienen drei Oftiziere und 30 Mann vor dem Gebäude der »Rhet- nifcp-Weslfälischen Zeitung". Zwei Oftiziere begaben sich zum Verlagsdtrettor und teilten ihm mit, daß die ..Rheinisch-Westfälische Zeitung' auf 14 Tage verboten sei, und daß außerdem eine Wache tn dem Hause untergebracht werde. Vor dem Gebäude ist darauf etn Doppelposten aufgezogen.
Französische Polizei für da» Ruhrgebiet.
Paris, 13. Febr. Dem „Matin" wird aus Slraß- bura gemeldet, daß gestern Abend eine größere Anzahl französischer Polizeibeamter aus verschiedenen Städten Lo:hring?ns nach dem Ruhrgebiet abgegangen sind.
Die deutsche« Eisenbahner im Ruhrgebiet werde« verabschiedet.
Paris, 13. Fcbr. Dem „Matin" zufolge, wird morgen im Ruhrgebiet durch Anschlag bekanntgegeben werden, daß die deutschen Eisenbahnangestellten nicht mehr zur deutschen Eisenbahnverwaltung gehören, daß sie verabschiedet sind und die notwendigen Eifenbahndienste durch die alliierten Behörden sichergestellt werden. Gleichzeitig wird den deutschen Eisenbahnangestellten anheim- gestellt, sich bei den alliierten Behörden zur Wiedereinstellung in den Dienst zu melden, doch werden sie in diesem Falle nichts mehr mit der deutschen Direktion zu hm haben.
Bit MktznlW.
Frankfurt a. M., 14. Febr. Die Lage im hiesigen Eifenbahndivektionsbezirk wie auch in den besetzten badischen Bezirken fist unverändert. Im Eisenbahndireftions- gebände in Ludwigsyafen scheinen die Franzosen ein Werbebüro für Eisenbahner eingerichtet zu haben. Soweft feststellbar, meldeten sich gestern Leute aus Elsaß-Loihttn- jen uns aus dem Saargebiet. Aus der Pfalz kommen
über die Utbeigönfle Mannheim, Germersheim «ab, Maxau keine Güterrüge mehr. Um die Wirtschaft i» der! Psa!; nicht zum Erliegen zu bringen, sind einige Güter- \ züge dorthin abgelassen worden. Im Mainzer Bezirk find | die beschlagnahmten Millionenbeträge noch nicht heran-« j gegeben worden Desgleichen befinden sich auch die bei/ dieser Gelegenheit gefangen gesetzten Beamten nvch ia, Haft. \ • t ।
Berlin, 13. Feb. Da- „B. T." meldet mil Essen, daß der Bahnhof Essen heute mittag von Bo« amten und Arbeitern ftillgelegt wurde, weil die Franzosen auf der Forderung der Besetzung des Bahnsteiges 6 beiden, der bi« Verbindung über Kettwig nach den sMich milftarisietten Linien herstellt. Auch der Bahnhof in Gelsenkirchen dürste in wenigen Stau* den den Betrieb einstellen.
Essen, 13. Fed. Der von den Franzose» durch Gcwaltmaßnahmen stark eingeschränkte Telegraphen^ verkehr ist im Verlaufe des gestrigen Nachmittag- gänzlich stillgelegt worden, nachdem di« Fraazosertz die letzten Stromzuführungsleitungen unterbunden hatten. Telegraphendivektor Zehme übernahm nach der Anweisung des Oberpostdirektors Jünger die Leitung des Essener Telegraphenamts. Bor dem Postamt war den infolge der steigenden Erregung der Bevölkerung gegen die französischen Besatzungstruppen die Posten verstäikt. Die Bahnhofshalle wurde im Lauft de- gestrigen Nachmittags zweimal von den Franzose» geräumt. In den Abendstunden tourbe ein Schupo? Wachtmeister von ben Franzosen ohne Grund schwer mißhandelt und in ben Postkeller gebracht, wo et sich zur Zeit noch befindet. Wie weiter mitgeteilh wird, werden die Zivilisten auf der braße von den franzö>ischen Offizieren blindlings mit der Reitpeitsche bearbeitet. So sind aus der Polizeiwache gefteni wieder allein zweiundzwanzig Anzeigen über Mißhandlungen deutscher Zivllisten durch französische' Offiziere eingegangen.
Frankfurt, 13. Feb. Im Bezirk bet Reichs- bahndirektion Frankfurt haben die Franzosen gestern bei Wörsdorf den Packwagen und den Postwagen! eines Personenzugs untersucht und sämtliche Pakete entladen und beschlagnahmt.
Im Bezirk Ludwigshafen ist seit gestern nachmittag itfrer Güterverkehr auf den Bahnen und Straßen nach dcm unbesetzten Gebiet auf sämtlichen Uebergängen, von den Franzosen gesperrt worden. Der Bahnhoss- vorsießer Golnheimer, der Vorsitzende des OrtsbetriebS- rats, Werner, beide aus Speyer, und Regiermrgscat Rüffel, Vorstand der Betriebsinspektio« 2 in Lrrd- nigkhafen, sind wegen angeblich en Verstoßes gegen die Verordnung 140 ausgewiefen worden.
Im Bezirk Mainz wurde gestern der Betrieb auf ben Strecken Alzey—BiÄesheim, Alzey—Gonsenheim und Alzey—Pfifflisheün allmählich triebet aufgemmv» men.
Im Bezirk Karlsruhe ist bie Lage unverändert. Der Güterverkehr aus der Pfalz ist durch bie Franzose» eingestellt wordem
Im Bezirk Trier versuchen die Franzosen noch immer, einen kleinen Militärbetrieb einzurichten, bisher alfirtzings mit schlechtem ©dingen.
Essen, 13. Feb. Heber die Milchversorgung Es- ftns treiben folgende Mitteilungen gemacht: Wen bat 22 000 Kinder unter zwei Jahren, rund 45 OOO i Kir.de: bis zu sechs Jahren, 82 000 Schulkinder. In ben Tagen des Monats Februar 1923 sind an Milch, hereirgekommen zwischen 5800 und 7000 Liter. Tas bedeutet, daß auf ein Kind bis zu zwei Iahten täglich etwa ein Viertelliter Milch entfällt. Tatsache ist, daß viele Kinder tagelang Zuckerwasser bekommen haben. Durch Verkehrsstörungen infolge des ständigen Aus- enthalrs der Züge kommt daS oft geringe Quantum Milch in saurem ober stark angesauertem Zustanoe an, sodaß sie für Säuglinge nicht mehr zu verweri-n ist. Die Monate Januar und Februar sind überhcwpt. schlechte Milchmonate, aber es ist ftstzuGllen, bag in ben gleichen Monaten des Vorjahres durchschnittlich täglich Milchmengen von wenigstens 35000 Litern nach Essen gekommen sind.
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Das Eisenbahnwesen tm besetzten Gebiete.
Der .Oessentltche Anzeiger' tn Kreuznach der 11 Tage lang von den Franzosen verboten war, ist setzt!' zum ersten Male nach dem Verbole wieder erlchlrnen. lieber die Zustände tm Eisenbahnwesen der Umgegend von Kreuznach berichtet das Blatt: >
Die Bavnvöfe unserer ganzen Gegend liegen still; und ver'asien da. Die Eingang- sind abgeschloffcnjs neben der Tür sieben tn Kreuznach und BiNgerbrüch sranzösische Wachtposten. Ave Signalmasien zeige» durch ihren hocherbobenen Arm .Freie Fahrt« an — aber es kommt kein Zug. Rur aus der Strecke Wiesbaden—Mainz 7^-- Bingerbrück — Kreuznach — Saarbrücken letzen die ftanzösikcken Militäreilenbahneri rägltch einige wenige O-Züge für ihre Zwecke tn Bewegung. Sie fahren sehr langsam und -cyr vorsichtig. denn alle Babnschraiftcn iind geöffnet Zur Verhütung von Savomge gehen sranzösifche Boßen die Strecken ab, siellenweile wurden auch Ansichtußschtenen! fiufeertfien, nm jede Einwirkung von außen unmöglich zu machen. So haben die Franzosen die Ver-, btndung der Psalzbahn mit Münster a. St durchs