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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg
Anzeiger für fdas früher kurheffifche) Oberhessen
1923
zweifellos in Kürze fertig sein. Frankreich wolle dadurch im besetzten Gebiet keineswegs die Industrie lahmlegen oder Arbeitslosigkeit Hervorrufen, sondern nur den Bestimmungsort und die ausgeführten Waren kontrcülieren.
Paris, 13. Febr. Die Abschlietzung des Ruhrgebiets vom übrigen Deutschland für Fertigwaren wird von der gesamten Presse mit wenigen Ausnahmen als eine Sanktion von ungeheurer Bedeutung bezeichnet. Den Standpunkt der französischen Arbeiter vertritt der „Populaire", der schreibt: Will man jetzt auch die Metallarbeiter zum Feiern zwingen, wenn man die Fabrikate ebensowenig herabsschaffen kann wie die Kohle? Selbst wenn es gelingt, sie aus dem Ruhrgebiet herauszubringen, welcher Markt sollte diese Fabrikate aufnehmen? Diese plötzliche lleberschwemmung mit Metallprodukten würde notwendigerweise ein gefährliches Sinken der Preise und die Proteste aller konkurrierenden Industrien zur Folge haben.
Berlin, 12. Febr. Auf die Note der deutsche» Regierung vom 30. Dezember 1922 wegen der Zuteilung des Dorfes Haats an die Tschecho-Slovakei teilte der Vorsitzende der Botschafterkonferenz mit. daß die Entscheidung der Grenz kommisfion, wonach die Linie Obschütz Deutschland und das Gebiet von Haats der Tschechv-Slowatei zug teilt wird, ausrechterhalten werden muß und daß die alliierten Oberkommissare nicht verpflichtet sind, den beteiligten Regierungen die Gründe anzugeben, Die zu der Entscheidung führten.
Sie SisWmt im IrtnrtitL
Die „Voss. Ztg." meldet, daß die französischen und belgischen Mitglieder der Rheinlandkommission gestern ein Ausfuhrverbot für Farbstoffe, Düngemittel und Samen aller Art erlaßen haben. Dieses Ausfuhrverbot soll ebenso wie die Ausfuhrverbote für Kohlen, Koks, Eisen und Stahl im att- und neubesetzten Gebiet Anwendung finden, tebodj soll die Ausfuhr nach Einholung von Ausfuhrbewilligungen und gegen Entrichtung einer Ausfuhrabgabe von 10 Prcqent des Wertes der ausgeführteu Waren gestattet werden.
Paris, 12. Febr. Wie der „Petit Puristen" berichtet, ist es wahrscheinlich, datz die heute einsetzende neue Blockade verstärkt wird durch ein System von Ausfuhrlizenzen, das die Industriellen des Ruhrgebietes verhindern soll, die Maßnahmen dadurch zu umgehen, daß sie über die auswärtigen Länder, für die die Ausfuhr durch das unbesetzte Deutschland zugelasien ist, weiter exportieren. Die Ausfuhr werde einer strengen Kontrolle unterworfen. Die Industriellen müßten mit den Besatzungsmächten arbeiten, wenn sie die ernstesten Angelegenheiten vermeiden wollen. Eine weitere Maßnahme könne darin bestehen, daß die Be- satzungsorgan« dazu geführt wurden, den Verkauf der Produkte des Ruhrgebiets in die Hand zu nehmen. Es fei noch nicht ganz sicher, datz dieses System demnächst als durchführbar erkannt werde. Für den Augenblick werde man sich zweifellos damit begnügen, durch die Reorganisation des Eisenbahn- dienstes nach der deutschen Seite hin das Ruhrgebiet hermetisch abzuschließen.
Paris, 13. Febr. Der „Temps" berichtet in seinem Leitartikel zur Erläuterung über die verschärfte Ausfuhrsperre im Ruhrgebiet, diese Maßnahme setze die Organisation einer besonderen Verwaltung zur Bewilligung von Ein- und Ausfuhrgenehmigungen voraus. Die Besatzungsbehörden hätten nicht die Absicht, Waren aufzuhalten, die nur nach dem nichtbesehten Deutschland gingen, um von dort aus nach dem Ausland weiter befördert zu werden. Dieses Ausfuhramt im Ruhrgebiet stelle nur eine Ergänzung zu dem schon bestehenden in Bad Ems dar. Die ganze Organisation werde
Die deutsche Botschaft beehrt sich, dem Außenminl- sterrum auf die Verbalnote vom 10. Februar, betreffend die Reisen deutscher Minister ins Ruhrgebiet, <ntf- tragsgemäß zu erwidern, daß bi« Reichsregierung witbi die Regierungen der deutschen Länder es ablehnen, Vorschriften über das Verhalten ihrer Mnisteer vv» fremden Regierungen entgcgenzunehmen.
Der Geschäftsträger ist angewiesen, bet bckgische» Regierung in Brüssel eine entsprechende Note zu übergeben.
Berlin, 12. Feb. Der deutsche Geschäftsträger in Paris überreichte der französischen Regierung folgende Not«:
Am 14. Januar, nachmittags, ist der Führer eine» berittenen Zuges Schutzpolizei in Buer^ Oberwachtmeister Kott, von einem Leutnant des französischen 14. Jägerregiments mit der Reitpeitsche in» Gesicht geschlagen worden, asts er eine Bescheinigung übe» ihm fortgenommeneS Heu und Stroh wünschte.
Ferner ist am 15. Januar, vorm. regen 11 Uhr bei Polizeiwachtmeister Plewka in Marl in bei Hochstraße von einem Offizier der 1« Schwadron bei französischen 1. DragonerregimentS in» Gesicht geschlagen worden, weü er den Offizier nicht grüßte. Die deutsche Regierung legt wegen dieser Auskchrei- tungeu Verwahrung ein und fordert die Bestrafung bec Täter. (
Mk WMlms btt mstdevtsrh-v 3nWe als Ziel -er irauzWrheu SLroerluMrie.
Man schreibt unS:
In der französischen Schwerindustrie kämpfen zur Zeit zwei Ansichten um dir Vorhand. Die eine wird vertreten durch die nordsranzösische Eisenindustrie unter Führung von Loucheur. die andere durch die lothringische, an deren Spitze hauptsächlich de Wendel steht. Mit der ersten Gruppe wäre eine Verständigung unter Umständen möglich; davon wll die letztere aber nichts wissen, solange nicht die deutsche Eisenindustrie so geschwächt ist, daß sie die französischen Bedingungen vorbehaltlos annehmen muß. Diese gehen in ihren Grundzügen darauf hinaus, die deutsche Industrie in engem Zusammenschluß mit der ioanzösisch-lothringischen bineinzupassen und sie dann in zwingen, einerseits die ständige Lieferung von westfäli scheu Koks, auf den die lothringischen Eisenwerke unbedingt angewiesen sind, ficherzustellen, andererseits den Vertrieb des lothringischen Roheisens zu sichern durch lleberlassung der w.ch'sisten Marktgebiete der Welt an die lothringische Industrie.
Die deutsche Eisenindustrie kann sich auf derartige Pläne nicht einlassen, da deren Berwirllichung ihren Untergang bedeuten würde. Während vor dem Krieg Frankreich eine ©ifeueijeugung von rund 5 Millionen Tonnen hatte, kann es jetzt infolge des Hinzutretens der -lsaß-totbring schen und der saarländischen Industrie mit 10 M> kl onen Tonnen ungefähr das Doppelte erzeugen. Aufnahmesäh g ist der französische Jnlandsmarkt aber nur für 3—4 Millionen Tonnen, so daß der Rest lws dem Weltmarkt untergebracht werden muß, wenn Absatzstockungen vermieben werden sollen. Bis »um Jahre 1925 haben gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages die lothringischen und die saarländische« Eisenwerke die Möglichkeit, ihre Erzeugnisse zollfrei nach Deutschland cinzufübren. Nach 1925 ist die zollfreie Einfuhr aber nicht mehr vorhanden, sodaß die französische Erzeugung dann in anderen Gegenden ihr Absatzgebiet suchen muß. Das heißt mit anderen Worten, daß die eigentlich französische, Die elsaß-lothringische und die saarländische Erzeugung nach 1925 fast ausschließlich auf den französischen In- stlndsmarkt angewiesen ist, da der ftanzösischen Wirtschaftsführung infolge ihrer kaufmännischen, technischen 'und organisatorischen Rückständigkeit Erfolge auf dem Weltmarkt nicht beschickten sind. Die Lage muß also nach 1925 geradezu katastrophal werden; »ie es jetzt schon aussiebt, mag zeigen, daß im Herbst 1921 in Frankreich nur 15 Prozent oer Hochöfen unter Feuer waren Wenn auch die rheinisch-westfälische Eisenindustrie in den französischen Esientrust 6ineiug?;»gen würde, wäre die stanzösische Industrie zwar von einem scharfen Konkurrenten befreit, zugleich aber der französische Inlandsbedarf mindestens um daS 4—5fache überdeckt. Es ist ganz klar, daß bann Frankreichs Bestrebungen zunächst dahin gehen würden, den eigentlich französischen Werken ihr Absatzgebiet zu erhalten, und zwar wenn es nicht anders geht auch um den Preis des völligen Erliegens der rheinisch-westfälischen Industrie. Denn daß dicke, die bisher auf dem Weltmarkt einen großen Seil ihrer Erzeugnisse angrsetzi hat, auch in Zukunft dazu in der Lag' sein würde, erscheint ausgeschlossen. Dagegen spricht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, daß sich alle anderen Länder durch Schutzzölle gegen diese unerwünschte Konkurrenz abschließen würden, sondern vor alten Dingen auch die für die unter ftanzösischem Einfluß stehenden Getverbezweige immer wieder zu machende Beobachtung, M$ alles, waS französisch heißt, in industrieller Beziehung gleichbedeutend ist mit Rückschrstilichkeit; auch die rheinisch-westfälische Jrümstrie würde sehr ball» auf das Niv-au der Konkurrenzunmöglichkeit herabgedrückt werden.
Wir sehen, daß e8 unmöglich ist, ei« Wirtschaftsgebiet, dass ich im Laufe der Jahrzehnte ganz bestimmte Er- zeugnngs- und Absatzauellen geschaffen hat. ohne weiteres einem anderen Wirtschaftsgebiet anzugliedern. Der setzt ansgebrochene Kampf geht nicht um die Erhaltung der Selbständigk-it der rheinisch-westfälischen Eisenindn- Irie, sondern nm ihre Existenz. Er ist keine Frage der Prestiges, sondern eine Frage der Existenz.
Karlsruhe, 13. »ebr. Gestern abend fand auf bem Schießplatz vor dem Prästdialgebäude eine große Kundgebung für Deutschland und für den Rctchs- träfibenten statt, zu der sich eine nach vielen Tausenden zählende Menge eingefunden hatte. Im Prästdial- gebände selbst waren außer dem Reichspräsidenten und den Reichmlntstern Oeser und Dr. Albert bte Mitglieder der badischen Regierung, verschiedene höhere Beamte imb die Karlsruher LandtagSabgeorv- ncien versammelt. Das Sitngerkartell des Karlsruher Arbeiter-Sängerbundes leitete die Veranstaltung mit einem Gesang ein, worauf Bürgermeister Sauer in einer Ansprache erklärte, datz der Besuch des Reichs- iräfibenten beweise, weiches Interesse man ln Berlin an den Vorgängen in Baden nehme, durch die auch die Stadt Karlsruhe in eine schwierige Lage gekommen sei. Mit dem Bekenntnis, daß die Bürgerschaft von Karlsruhe treu zum Reich und zum Reichspräsidenten stehe, und mit einem Hoch auf unser Vaterland und auf den Reichspräsidenten schloß die Ansprache. Rach einem abermaligen Gesang erwiderte Reichspräsident Ebert, diese «mpulsivo Kundgebung zeige die Geschloflenheit der ganzen Bevölkerung, nachdem sich zu dieser Abendstunde alle Kreise vom Studenten bis znm Arbeiter eingefunden hätten. Teo Kampf, den wir gegen die brutale Macht sichren müßen, können wir nur gewinnen, wenn diese Etntg- kett staudhält. Die Meng» die bte Ausführungen de? Reichspräsidenten mt* stürmischem Beifall anf- nahm, stimmte mit Begeisterung in den Hochruf ein und sang dann das Denischlandlied. Rationale Lieder singend zogen die Menschenmassen durch die Straßen. Der Reichspräsident empfing dann die Ttvutationen der Karlsruher Studentenschaft und der Vereine. Heule D'enslag wird der Reichspräsident Mannheim und bann Darmstadt besuchen.
Rach der Kundgebung auf dem Schlotzvlatz zog die Menge zum Hotel Germania, wo die Mitglieder der inieralliierten Kommission wohnen. Tie Menge sang Vor dem Hotel .Deutschland, Deutsch'and über alles" und dle .Wachi am Rvein" und andere Baterlands- lieder. Auch wurden Rnfe laut, die nicht gerade Freundlichkeiten gegen Vie Franzosen emhtelten. Tie Menge zeigte aber soviel Besonnenheit, datz e» zu keinen Zwischenfällen kam. .
Ein ehrloses Anfinnen.
Nach einer Meldung der „Deutschen Allg. Ztg." ans Karlsruhe erklärte der Oberbürgermeister von Offen- bnrg in seinen Ausführungen hn Anschluß an die Rede •De» Reichspräsidenten, daß die lokale Behörde des nen hesitzten badischen Gebietes von den Franzosen den Befehl erkalten hat. von einem etwa beabsichtigten Besuch des Reichspräsidenten und des badischen Staatspräsidenten bet französischen Behörde Mitteilung zu machen. Für den Fall, daß der Reichspräsident daS neubesetzte Gebiet betritt soll die Besatzungsbehörde sofort davon in Kenntnis gesetzt werden. Der Oberbürgermeister hat dieses Ansinnen abgelehnt.
Marburg Dienstag, aen 13. Mim Hornung
M Mitt Mmdliimn.
Paris, 12. Feb. General Degoutte ist gestern abend nach Düsseldorf abgereist, nachdem er llntrv- ret-ungen mit Marsch«^ Fach, Poincare und Millerand gehabt hatte. Bor seiner Abreise erst arte Deznette einem Mitarbeiter des „Echo de Paris", daß er mit dem Ergebnis seiner Verhandlungen sehr zufrieden sei. Er fügte hinzu, unsre Arbeit wird vickleicht noch lange dauern, sie ist schwierig, aber ich habe volles Vertrauen zu ihrem Ergebnis. Darin ist kein ZweifA möglich. Ufber di« Ergebnisse in den letzten französisch-belgischen Verhandlungen erfährt das „Echo de Paris", daß die Verbündeten die Absicht hoben, mit ihrer nunmehr begonnenen Operation d. h. die Llokade des unbesetzten Deutschlands für die industriellen Produkte aus dem Ruhrgebiet, einen Druck aus die Grohiudustri- elltn auszuüben. In dieser Operation, so schreibt das Blatt, toerven wir in vernünstigen Etappen vorgehen. Wir werden die deutschen Großindustriellen hinoeru, die Erzeugnisse der Metallindustrie, also alles, was die Fabriken Stinnes und Tysseni erzeugen, auszu- sühren. Dabei werden wir die Tür zu Berhand- langen offen lassen. Falls die Grvßindustrielen in Ueberrinstimmung mit dem Reichskanzler Dr. Enno sich zu Verhandlungen unwillig erweisen, sollten, halten wir andere SanÜumen bereit. Deutschland muß erfahren, daß es alles verliert, wenn es in feiner bisherigen Haltung verharrt
Part», 12. Febr. Rach dem .Pettt Partsien' soll in Parts als weitere SanktwnSmatznahmen für bte Ruhr der verkauf der Ruhrprodutte in» Auge gefaßt werden.
Par ts, 12. Febr. Der belgische Eisinbahnminister ist gestern Nachmittag in Paris eingetrofftn. Nach dem „Matin" wird er eine Besprechung mit Le Troqurr über die Regelung des Eisenbahndienstes im Ruhrgebiet haben,
Der AeitzrvkiWnt in Karlsruhe.
Karlsruhe, 12. Febr. Heute Nachmittag versammelten sich im Festhaltensaal die Vertreter der staat- fichen und kommunalen Behörden des Landes, die Füh- eer der Gewerkschaften, der Industrie, sowie die Vertreter des geistigen und kulturellen Lebens des Landes, insgesamt etwa 500 Personen zur gemeinsamen Aussprache mit km Reichspräsidenten und den Vertretern der Reichs- nnd Landesregierungen. Nach einer Begrüßungsansprache des Staatspräsidenten Remmcte, in der er dem einmütigen -Bitten der badischen Staatsregierung und des badischen Polles Ausdruck gab, wie stets, so auch in diesen Tagen unerschütterlich zum Reich zu halten, hielt der Reichspräsident folgende Ansprache:
„In dieser Zeit neuer schwerer Nöte unseres Vaterlandes und unserer gemeinsamen engeren Heimat habe ich das lebhafte Bedürfnis empfunden, hierher in bas Badener Land zu kommen und gemeinsam mit dem Herrn Reichsminister des Innern und dem Reichsschatz- Minister mit Ihnen als den berufenen Vertretern des rfftntlichen und des wirtschaftlichen Lebens dieses Landes Fühlung uno Aussprache zu suchen. Unter dem Deck- wantel der Ausführung des Friedensvertrages haben «ns unsere Gegner trotz unserer durch di« Tat bekundeten guten Willens die Jahre seit dem Waffenstillstand zu einem analvollen Leidensweg gemacht. Was Frankreich und mft ihm Belgien ober jetzt unternommen haben, ift eine beispiellose und schnöde Gewalttat, die den Frie- dcnsvertraq offen verletzt, die Rechte der Völker wie der Menschen mit Füßen tritt und mit allen Mitteln militärischer Gewalt Krieg führt gegen wehrlose Männer, Frauen und Kinder. Deutsches Land, vor deutschem Volke bewohnt und bearbeitet und benutzt seit Taufenden von Jahren, ist von fremden Truppen in willkürlichem Mißbrauch der Macht besetzt worden; das Ruhrgebiet Unter dem Vorwand, Deutschland sei mit einigen Prozenten der uns dittierten unerfüllbaren hohen Kohlen- Eeferungen im Rückstände, badisches Gebiet mit der seltsamen Begründung, Deutschland habe zwei internationale Luxuszüge eingestellt. Kann man sich einen schärferen Hohn auf das Völkerrecht denken, als diese B-> grünbxng? Um einige Tausend Tonnen Kohlen mehr zu bekommen, setzt man gegen die Bergarbeiter der Ruhr ein kriegsmäßig ausgerüstetes Heer in Bewegung, das Gewalttat und Bedrückung in ein friedliches und fleißig jchaffendes Land trägt; wegen zwei Luxuszügen, die nu5 Gründen der Kohlenersparnis ausfielen, wird das schöne und fruchtbare Land am Hange des Schwarzwaldes unter ftanzösische Bajonette gebracht! Wo bleiben da Recht find Freiheit; wo bleiben Menschen- unb Völkerrecht?, von beiten jenseits des Rheins wahrend und nach des Krieges so viel die Rede war. Ist das der Sinn des Diktates von Versailles, daß jede der Siegermächte daS ohnmächtig gemachte Deutschland wlllkürllch vergewaltiget' trnb knechten kann? Gegen diesen Gewaltatt erbeben wir hier erneut vor dem deutschen Volke und vor der ganzen Welt feierlichen Protest. Voll Empörung protestieren teil gegen das, was an der Ruhr geschehen ist und was in den jüngsten Tagen über badisches Land herringebrohei iß: Wir legen Verwahrung ein gegen die Bluttaten, die körperliche und geistige Bedrückung und Bedrängung einer friedlichen und arbeitsamen und hart duldenden Bevölkerung Wir rufen die Well zum Zeugen dessen an, v»S täglich an Handlungen der Brutalität, au Akten Unmenschlicher Willkür in dem besetzten Gebiet geschieht. Uns Deutschen aber, die wir alle Söhne eines Vaterlandes und einer Muttererde sind, ist es heilige Prficht »usammenzustehen mit unseren unterdrückten Brüdern und Schwestern, ihnen Hilfe zu bringen, wenn sie es ablehnen, den Eindringlingen Sklavendienste zu leisten, ihnen zu helfen, die harten Tage der Fremdherrschaft zv überwinden. Mit Gefühlen tiefer Dankbarkeit gedenken wir der Beamten, der Arbeiter und der Unter- nehmet,' die in aufopfernder Treue ihre'Freiheit und ihre Existenz eingesetzt haben und täglich neu einsetzen, um bie gegnerischen Anschläge zu vereiteln. Was sie damit für das deutsche Volk getan haben, wollen wir ihnen wie vergessen. In diesen Tagen, wo fremde Gewalt in Unser Land hereingebrochen ist, muß alles zurückstehen, was an Weltanschauung und politischer Ansicht uns trennt. Die Opfcrwilligteit, die sich in den Spenden zur Rnhrhilfi so glänzend bekundet, soll auch unser Handeln und Denken beherrschen; wir müssen persönliche Gefühle und Interessen unterorbnen dem Großen unb Ganzen, dem deutschen Schicksal. Dem badischen Volke, gegen das sich der jüngste Einbruch unb neue Bckiwhung unserer Gegner richtet, gilt heute im besonberen unser Gruß. Wir vertrauen, baß es in bei gleichen besonnenen Ruhe und zrelbewußten Festigkeit tote unsere Brüder am Rhein Und an der Ruhr dem Unwetter Trotz bietet. Der Schlag der hier gegen unS geführt wird, richtet sich gegen b.,s Höchste, was wir ans dem Krieg und dem Zusammenbruch gerettet haben, gegen die Einheit des Reiches.' Auch er wird, dessen sind wir gewiß, zerschellen am fisten Villen und der sicheren Treue des badischen Volles. Die Zeiten, wo man Nord und Süd in Deutschland trenn-n konnte, sind vorbei. Unerschütterlich ist allen Deutschen das Bewußtsein, Söhne eines Voltes und Glieder eines Reiches zu sckn, nie wird fremde Gewalt das trennen, was Rasse, Sprache und Kultur in harter Geschichte zusam- Mengeschmiedet hat. Jeder Deutsche ist sich heute des Ernstes der Stunde bewußt; jeder von uns weiß, es sieht wn die Zukunft des Reiches, um den Bestand der deutschen Republik. Wenn wir in diesen Schicksalstagen alte Kräfte zusammenschließien, werden wir auch dtefer Anschläge auf unser nationales Leben Herr werden. In dieser entschlossenen, zähen Abwehr erhoffen und erwarten -Wir — trotz allem — eine besondere Zukunft unseres ;dhwergeprüften Voltes im Bewußtsein unserer Einigkeit _ und »njeres Rechtes im Kampf um unsere Freiheit l
Eine -euW Antwort.
Berlin, 12. Feb. Der deutsche Geschäftsträger kn Paris ist beauftragt worden, der französischen Re- giamng folgend« Role zu überreiche«:
Ster Mnjeijenprete betragt für den 9ge|n. Zeilenmillimeter 4M0 Ml. (Kleine Anzeige«
aee«« vor, 25*/, weniger). Amtliche unb «man». Anzeigen 60 Akk. Bei IchMiertge« EO <rAM Satz »0 •!, Aufschlag. Spät eintausenbe oder den Raum über »/, Seite einnehmend« nUfluL Anzeigen werden nach der Textfpaltenbreit, berechnet. Reklamen der Zeilemuillimeter 180 18t Jeder Rabatt gilt al» Barradatt. Belege werden berechnet. Bet ins» kunft durch die ffieidjäftsit und Vermittlung der Angebote 30 K, bei Ueberiendang durch un» 50.— Ttt ohne Porta.
Paris, 12. Feb. ,HavaS" meldet aus Düsseldorf: bet Direktor für das Eisenbcchnwefen im Ministerium für öffentliche Arbeiten unb der zweite Direktor für die Staatseisenbahnen seien heute vormittag ins Düsseldorf angekommen und General Payot beigegeben worden, um als technische Berater zusammen mit den belgischen Sachverständigen die endgiltige Inbesitznahme der deutschen Eiseenbahnen im besetzten z Gebiet seitens der Alliierten durchzuführen und für die! betreffenden Bezirke einen regelmäßigen Betrieb sicher- zu stellen. Die vorgesehenen Maßnahmen würden unverzüglich den deutschen Eisenbahnern und der interessierten Bevölkerung bekanntgegeben werden. Da» deutsche Eisenbahnpersonal werde dann vor die Wohl gestellt werden, entweder endgiltig aus dem Dienst aus- zuscheiden ober für Rechnung und unter Kontrolle der Besatzungsbehörden weiterzuarbeiten. Das Wirtschaftsleben des befehlen Gebietes werde in dem Maße gewährleistet werden, in dem die deutschen Eisenbahner« (Ober- und Unterpersonal) um Wiederemstellung nach-' suchen werden. '
Dee Führer der vorige Woche in das Ruhrgebieti geschickten Kommission zum Studimn her Orgaui-^
:Tte „£»ed)emitoe Zeitung erscheint iedwnal wöchentlich. — Le,ugsvrei« monatlich Oi an 1400 ”U Zufteüungsgebühr. Für auniaüenve Nummern infolge Streite »oer Jlt. 57 elementarer Ereignis,« krin Eriatz. — Verlag von Dr. T.Hi«eioth. — Druck der llniv^Buchdruckerei von 2oh. »ug. Koch. Markt 21,23. — Nern,precher SS. Post. / Icheckkoitto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Katia