MerhtsWe Zeitung
Zweites Blatt
Nr. 35
Sonnabend, 10. Februar
1923
Wechselkredtt die Industrie-- und Handelskreise vielfach veranlaßt, an ihrem Devisenbesitz länger festzuhalten, als es ihnen sonst möglich gewesen wäre ober sogar Devisen auszuhäufen.
In unserer heutigen Lage hat dir Reichsbank die Pflicht, einen möglichst kräftigen Druck aus die Devisenkurse auszuüben. Ihre Weigerung, Devisen zu beleihen, zu der sie auch die Privatbanken veranlaßt hat, hat bisher größere Erfolge gezeitigt, als alle früheren Drviftn- verordnungen zusammengenommen. Ei» Erfolg der Reichsbankpolitik scheint es zu sein, daß die Berliner Devisenkurse sich heute nicht mehr wesentlich über der Nrwyorker Parität bewegen und daß wieder ein gewisses Angebot von Devisen auf dem Berliner Markt vorliegt. Letzten Endes wird der Kurs der Mark aber durch die internationale Finanz und Spekulation bestimmt, und wenn der Dollar, nachdem er vorübergehend mit über 60000 notiert wurde, sich heute auf einem wesentlich niedrigeren Niveau bewegt, so ist dies ein Beweis dafür, daß der deutsche Widerstand gegen die ftanzösisch-bel- gischv Vergewaltigung in der Welt seinen Eindruck nicht verfehlt hat. * ■
«i ift tos ffieltiewto?
Dem Ruf: Wo bleibt das Weltgewissen! müssen wir Lag für Tag, Stunde für Stunde erheben. In R cklinghausen haben franzSstsche Offiziere es fertig gebracht, Männer und Franen, als fle nicht sofort Ibren Anordnungen folgten, als sie sich zu einer sried- Irchen vaterländischen Demonstration auf der Straße zusammenfanden, mit Peitschenhieben auseinander zu treiben. Französische Offiziere sind weiter in das Recklinghäuser Stadttheater etngedrungen, haben dort während des Spidls die französische Nationlhymne gesungen und dann das Publikum mit Peitschen ans dem Hause getagt. Ein förmliches militärisches Schreckensregiment wird anfgerichtet. Die französische Armee, die im Weltkriege doch einiges bedeutete und der unsererseits die Achtung nie versagt wurde, befleckt sich Tag für Tag. mit Schmach und Schande. Es sprechen besttnnnte Anzeichen dafür, daß man ganz geflisscnMch daranf ansgebt, die Bevölkerung zu Ge- watttaten zu reizen, tntt einen Vorwand für wettere Verschärfungen, wie vielleicht die Erklärung des Kriegszustandes, zu haben. Dann freilich würde die Willkür der französischen Einbrecher keine Grenzen mehr kennen. Aber wie die Dinge jetzt liegen, ist auch heute schon das deutsche Volk vogelfrei. Jeden Tag ereignet sich ein französischer Mord. Die Kugeln sitzen den weißen und farbigen Franzosen sehr locker im Lauf. Das Leben eines deutschen Kindes wird mit acht Friedensmark aufge- lvogen. Ter geringste Vorwand genügt, um deutsche Beamte oder harmlose Spaziergänger über den Haufen zu schießen und französische Offiziere bringen es über sich, einen durch ihre Autoraserei überfahrenen Deutfchen in seinen Schmerzen liegen und ihn ohne Hilfe sterben zu lasten, ja, ihn auch noch mit Hohn zn überschütten während sie sich um die Ingangsetzung ihres Waoens bemühen!
Solche Schandtaten der Franzose» müssen wir in alle Welt binausrufen. Deutsche Zeitungen ins Ausland! Das Weltgewissen muß wachge rüttelt werden. Freilich könnte man beute schon ver zweifeln, wenn man sich die Greuel-Cbronik auch tu. eines einzigen Tages vor Augen führt, ob ne daß sich auch nur irgend jetnand vom Ausland dagegen ins Mittel legt. Die Dinge, wie sie sich jetzt in Deutsch land entwickeln, beginnen sich bald zn einer allgemeinen Kultur-Schmach aitszuwachsen. Wo ist insbesondere Amerika, das an dieser Entwicklung in Deutschland unschuldig ist? Amerika hat »nS verleitet, den Waffenstillstand abzuschließen, den wir im Verttauen aus die Erhaltung der Wilson'schen Punkte unterzeichnet hgben. Amerika hat dann geduldet, daß der Versailler Vertrag auf einer ganz anderen Grundlage geschaffen worden ist und daher das Gegettteil dessen dargestllt, was uns in den Vorbedingungen unterbreitet worden war. Wenn sich Amerika heute mit Ekel und Ahscheu von dem Wirrwarr in Deuttchland abwendet, dann brandmarkt es die Dinge gewiß ganz richtig, aber es kennzeichnet durch dies Verhalten seine eigene moralische Mitschuld nur noch um so deutlicher. Amerika hat die Pflicht, Deutschland aus dem Morast heraus zn helfen, in den es durch Amerikas Mitschuld hinein geraten ist. Das auszn- iprechen, ist heute Pfttchtl Wir appellieren nicht an
WlkWstliA WtnMiL
Ton unserem volkswirtschaftlichen Mitarbefter.
/ Der Druck, den Frankreich durch die rechts- und ver- kragswidrige Ruhrattton auf die deutsche Volkswirtschaft Iwisübl, h rinat allmählich alle Wirtschaftsgebiete in Uttlcüxr.schast zu ziehen. Er äußert sich zur Zeit nicht ;fe sthr in der Kohlenversoraung selbst, als in seinen Rück- ^arkuusien aus die Gestaltung der Balutaverhällnisse und Her Warenpreise. Im Januar sind aus dem Ruhrgebiet Fiehr Kohlen nach dem unbesetzten Deutschland tvanspor- jtiert worden als in dem Vormonaten, sodaß Kohlen- schwierigkeiten noch nirgends eingetreten find. Dagegen mußten die Kvhlenpreise abermals um 100 Prozent erhöht werden, nachdem im Ruhrbcrgbau die Lohnerhöhungen in Kraft getreten sind, auf Grund deren vom 1 Febr. »er Durchschnittstagelohn der Gesamtbelegschaft einschließ- Pch der sogenannten Abwehrzulage 13 522 Mark beträgt Auch im polnischen Ostoberschlesien sind die Kohlenpreise Heblich gesteigert worden und da infolge der schlechten Deutschen Valuta und der großen Nachfrage nach englischer Kohle auf dem Weltmarkt die englischen Kohlenimvotte «ir unter größten geldlichen Opfern dnrchzuführen sind, f» wird die deutsche Industrie sich noch mehr al» bisher tznf den Verbrauch vvn Braunkohle einstellen müssen, ißn Deutschland sind bereit» im Jahre 1922 neben 130 Millionen Tonnen Steinkohle 137 Millionen Tonnen Wraunbohlen gefördert worben. Hiervon entfallen 70 Prozent auf die Braunkohlengebiete Mitteldeutschlands !tzmd der Lausitz, die dem französischen Zugriff zunächst itnfjogen sind Der Heizwert der Braunkohle ist etwa lein Viertel so groß, der der Braunkohlen-Briketts zwei D-ittel so groß wie der der Meinkohle. Wenn eS also ifTöft möglich wäre. Sie deutsche Braunkohlenproduktwn !j« Verdoppeln, so würde sie die uns geraubte Ruhrkohlen- sprdenlng vvn 94 Millionen Tonne« Steinkohlen mir !»u reichlich einem Drittel ersetzen können. In Wirklichkeit erscheint aber nur eine Steigerung um 10 Prozent sofort erreichbar. Immerhin aber wirb durch verstärkte Produktion und beschleunigten Abtransport der Braun- tohle die Gefahr erheblicher Kohlennot für die wichtigsten industriellen Betriebe wesentlich tternnnbert werden können In -em wirtschaftliche« Abwehrkampft, der uns durch die französischen Gewaltmaßnahmen aufgenötigt worden ift, spielt die Braunkohle und spielt die Arbciter- fchaft der Vraunkohlenbergiverke eine wichtige Rolle.
Hand in Hand mit der Verminderung unserer Kohlendecke geht der in seiner allgememen Wirkung auf das W rtfchoftskeben roch viel schneller fühlbar werdende Areisdruck. Brachte der Januar in seinem Monatesendc ifcrcits eine Steigerung der Kosten des Lebensbedmss um 160 Prozent, sc wird die Erhöhung des Reichsteuerungs- index ;ür Anfang Februar auf mindestens 100 Prozent tzil schätzen sein. Da die Arbeitnehmer belieben, ihr C'ufommen, das ja vielfach nur ein Existenzminimum tz währteistet, der Teuerung entsprechend zu steigern, so ! muhte sich als nächste notwendige Folge eine gewaltig verstärkt? Inanspruchnahme der Notenpreffe ergaben. Die Reijhsbank tat alles, um sie zu befriedigen. Schon in b« letzten Januarwoche betrug die Vermehrung des Notenumlaufs 329,9 Milliarden Mark, während iv der ersten Januarwoche nur 50, in der zweiten 101 und in der dritten 217 Milliarden Mark neue Noten in den Verkehr g geben wurden. Das Tempo der Notenver- wfjrung war also fieberhaft. Aber es genügte dennoch nicht, der ungeheuer gesteigerten Nachfrage. Was bedeuten auch die mehr als 2 Billionen Mark papierne Zahlungsmittel, die in Deutschland jetzt im Umlauf, sind, da ihre wirkliche Kaufkraft an den internationalen Sfärft.in nur der von ungefähr 200 Millionen Goldmark entspricht, während die innere Kaufkraft im günstigsten Fall Vielt icht doppelt ober dreifach so hoch ist. T m Mangll an Zahlungsmitteln ist die Reichsbank durch Ausgabe von 50 000 Markscheinen und bald auch von 100000 Markscheinen abzuhelfen bemüht. Viel schwierig r ist es. der Knappheit der Betriebsmittel, die sich in unserer Wirtschaft wieder recht empftndlich fühlbar macht, abzuhelfen. Hier ist die Reichsbank leider nicht m der Lage, die Wünsche von Industrie und Handel, sie auf weitherzigste Kreditgewährung gerichtet find, zu erfüllen. Ihr Bestreben geht im Gegenteil dahin, ein noch stärkeres Anschwellen ihres Bestandes an Handelswechseln zu verhindern. Hat doch die Gewährung von
(Nachdruck verboten.)
Der Weg der Schwester Hanna
Roman von Viola Landt.
10. Fortsetzung
- „Und warum Hieben Sie bann nicht hüben, Herr Kommerzienrat. Trieb Sie das Heimweh wieder nach Tei-tschland zurück?"
Nein, nein, bin wenig empfänglich für Senti- wentalttäten. ES war die ganz ordinäre Protzen- frnkde, meiner ganzen Verwandtenbande mit dem Besuch des auf dem grünen Zweige gekommene« Onkels aus Amerika aufzuwarten.
„Was sagten denn ihre Verwandten pt ihrem plötzlichen Wiedererscheinen?"
„Nun, Gott, wie so Verwandte sind. Sie baten mir de- und wehmütig alles ab. Heckten plötzlich alle früher letzten Endes doch große Stücke von mir gehalten, meine Fehler nie so schwer genommen, mein Talent schon stets in mir schlummern sehn. Ra, wie solch eine süßliche Verwandtschaft und Bekanntschaft einen beweihräuchert, wenn er mit ein paar Spargroschen von jenseits des großen Teiches wiede c- kommt. Aber ich pfeife auf sie alle, „ich pfeife auch auf Geselligkeit", fuhr er unbekümmert fort. Früher kenn ich auf Reisen hier war, machte ich noch einige kichosen mit, siehe Gesellschaft bei Frau von Gerlach. Verdammt — ich wollte doch nicht mehr darauf zu- rückkommen. Aber bald nach meiner Uebersiedelung nach hier hatte ich von diesem blöden Betrieb übergenug. Na, und jetzt, wo ich Sie habe, Schwester, verzichte ich ja erst recht. Wir werden reifen, Bäder tünchen, vielleicht auch nach Rom fahren, wenn Sie wollen. Das wird die Sippe, die mich heimlich kontrolliert, auch wieder ärgern. Wenn ich nur wüßte, was ich ihnen sonst antun könnte, den Adel habe ich auch schon abgelegt."
„Den 81..bei..?"
„Jawohl, Schwesterchen. Äus dem hochwohlgeborenen Friedrich August von Rosenow-Berenberg ist ein simpler Fritz Rosenow geworden. Klingt schn i- btger, was? Wissen Sie, das sind die Konsequenzen meines Lebens drüben. In Amerika kann man sich für das Wörtchen „von" noch weniger eine Semmel kaufen, a!5 h er,ulonde. Se schn mich mit so großen Augen an. Glauben Sie das nicht?"
„Doch schon..sagte Hanna zögernd und spielte nervös mit ihrem Teelöffel. Ihre Blicke schweiften mit leerem Ausdruck durch daS tr«ruliche Medermeier- zimmer und blieben dann an der zierlichen Zuckerschale auf dem Teetisch hängen. Unverwandt ruhte« sie da.
Warum so nachdenklich, Schwester? Wolle« Ste noch etwas Portwein? Stimmen Sie, geben Sie ihr Glas her."
„Nrftr, vielen Tank, Herr Kommerzienrat. Sagen Sie." Sie jvrach jetzt ganz leise und stockend — „Ihre Verwandten — sind sie hier alle in der Nähe?"
„Nun, die Tante Exzellenz hat sich hier zur Ruhe gefetzt. Wir sehen uns gottlob niemals. Und der Herr Bruder, der Herr mit den kollosial feudalen Ansichten und dem halbler-n Portemonnaie wohnt auf Rosenow-Berenberg. Was ist Ihnen, Schwesters
„Nichts, Herr Kommerzienrat, ich glaube, ich kann keinen Alkohol vertrage»."
10. Kapitel
Nun war alles wieder wirr und vevvühlt in ihr, die kaum vernarbten Wunden brachen auf.
Einen Heldenkampf hatte sie gekämpft gegen ihre Lieb, und ihre wehen Erinnerungen, tapfer, mit frischem Mut sich in ein neues Leben hineingearbeitet, entfliehen wollte sie dem ©eliefcien und seiner Sippe, und war ihm jetzt so-nah ... rannte wohl gar ihrem Schicksal in die Arme...!
Ich kann nicht hier bleiben, dachte sie im erstem Impuls^ ich gehe fort, bitte um meine Entlassung.
Gnade. Es liegt tmS auch ganz fern, um Mitleid z« betteln. Wir fordern unser Recht! Wir sind betrogen worden!
Wo ist bei Weltgewissen, wo ist Recht und wo ist Moral? Wenn diese Worte überhaupt noch einen Sinn haben sollen, bann muß sich jetzt die Wett rühren!
Was Deuttchlmid heute passiert, kann von einem größeren wahnsinnigen Frankreich morgen jedem anderen Staat widerfahren. Wo sind die Neutralen, bie sich über diese Situation wobl klar sind! Darum geht der Abwehrkampf, den Detttfchlattt» heute führt, nm viel mehr, als um Deutschland allein! Er geht um die Wohlfahrt der Menschheit, um die Rettung bet Kultur! Wird Deutschland in diekem Kamps unterliegen, bann gibt es kein Hatten mehr.
An das Weltgewissen ergeht unser Rus! Versagt dieser Ruf, dann verdient die Welt nichts Anderes, als daß sie in grenzenlosem Chaos zugrunde geht!
dvn Messer eine solche Verletzung beigebracht zu habe«, baßdieserrttnen Finger verlor und ferner mit der Schuß- mafte geschlagen „ haben. Der Angeklagte entW. bitte sich bmmt, daß er schon lange mit seiner Stiefmutter durch deren Verschulden in Unfriede« lebe und von dieser schwer gereizt worbe« fei. Er wurde wegen der drei Körperverletzungen zu je IJahr und 3 Monaten, wegen unbefugtem Waffenbesitz ,« 6 Monaten und wegen Hausfriedensbruchs zu 2 Wochen Gefängnis verurteil. Die Strafe zusommengezogen ergab 2 Jahre Gefängnis. wovon 3 Wochen durch die erlittene Untersuchungshaft als Verbüßt gelten. Alßerbem wurde auf Ein- ziehung der Waffen erkannt. Der beantragten Straf- aussttzung konnte nicht stattgegeben werden, ihm wurde jedoch anheim gegeben, nach 6 Monaten ein dieSberüg- licheS Gesuch einzureichen, das bei guter Führung Aussicht auf Genehmigung haben kann. Einige wettere Fälle mußten vertagt werde«.
-------------•
Marburg und Umgegend.
Marburg, 10. Februar sHornung).
•+ Raabe-Abend der Marburger Bühne. Die Lesergemeinde, die Wilhelm Raabe bei Lebzeiten fand, blieb trotz des Erfolges seines Erstlingswerkes, der „Chronik der Sperltngsgafle" verhältnismäßig klein, und trotz der Fruchtbarkeit seiner Feder sand er eben nur schlecht und recht sein Auskommen; er bezog nach seinen eigenen Angaben aus seinen Werken ein durchschttitUicheS Jahreseinkommen von 4000 jft. Run ist die Raadegemeinde zwar inzwischen gewachsen^ hat aber noch bei weitem nicht den Umfang angenommen, den dieser Dichter, der mehr als andere als ein echt deutscher Dichter ange- fprochen werden kann, beanspruchen dars. .Gib acht auf die Gasse' und .Sieh auf zu denSternen!' das ist die Losung dieses liebenswürdigen Erzählertalentes. Die Liebe zum Kleinen, die verklärende Darstellung des Unbedeutenden, des alltäglichen, verbindet sich mit dem tapferen Kampf für das Ideal, mit einem Kampf, der freilich neben dem Sieg auch die Möglichkeit des Kompromisses und der Resignation offen läßt; hnm<r aber handelt es sich darum ans irgend eine Wette mit dem Leben fertig zu werden, wobei das Leven freilich mebr als Feind des # enschen erscheint, denn als Knecht, den der souveräne Mensch mit beroHchen Kräften in seinen Dienst zwingt.. Was Raabe aber vor allem zeitgemäß er- foctnen läßt, ist keine hingehende Liebe zur deutschen Heimat, wenn diese auch mehr einem romantischen Deutschland gilt als dem induftrialistischen. Der Kunst Raabes zn ihren alten Freunden neue zu gewinnen war der Raabe-Abend der M.B. gut geeignet. In Dr. Castelle, durch seinen Lönsabend vom vorigen Jahre bestens bei uns eingeführt, war ihr rin ausgezeichneter Interpret gewonnen. Dr. Castelle besitzt, in keinem Vorrraa durch ein absolut zuvcr- löisigcS Gedächtnis unterstützt, ein gut diszipliniertes Organ, dessen Registratur zwar nicht allznunifangreich ist, aber die Register, über die er verfügt, standhaft er meisterhaft. Er bot in sich abaeschiossene Stücke aus: Der Junk-r von Denow, die Chronik der Sperlinas- gasse, die Innerste und di- Gehurt des Hans Unwirsch sHungerpaftor). Ein paar knappe bloaravbische Rottzen brachten die Periönkichkeit des Aittors dem R-uli"- ’ '• r: die Zusammenstellung Goe-ste. Beethoven dürfte freilich mehr dem Zeuauis der Verehr!; Sprechers für seinen Autor zu werten sein, als daß sie affacmehte Zustimmung finden könnte. Lebhafter Beifall rief Dr. Castelle am Schluß seiner Darbietungen noch einmal vor die Rampe.
* Strafkammer. Ein junget Mann ans der Homberg-r Gegend hatte in Gemeinschaft mit noch dr-i anderen Männern dem Gänsestall eines Londw-rts einen B-snch akg"statt-t. nachdem ihnen andere Unternelmtuna-n nicht «glückt waren. - Alle Btt-ftiate wurden vom Scköf- f-ng-richt bestraft unh gaben sich auch bis auf den ersteren damit zvft'chen. Di- hon diesem eingelegte Beruinna a-g-n die erkannten 15 Monate Gefänan's wurde schlicß- kich verwo-fen. — Bei einer weiteren Sache bandelte es fich um einen Familienzwist in einem Dorf- südlich unfc- Tet Stadt. Ein junger verheirateter Manu wurde l-rschulttigt in die Wohnung seiner Stiefmutter mit Gewalt eing -drungen zu se-n und die Fran zunächst mit einer Schußwaffe bedroht und sie schließlich durch einen Schuß in die Hand verletzt zu haben. Außerdem wurde ihm zur Last gelegt, einem ihm entgegentretenden Mann m?
I Sterzhansen, 8. Febr. Gestern abend hielt der hiesige Krtegerverein im großen Saale der Wirtschaft Kappeller eine von mehreren hundert Zuhörern besuchte Kundgebung gegen die Rnhrbesetzung, verbunden mit Sammlung für die Zwecke vaterländischer Notstände, ab. Kameraden aus Goßfelden und Michelbach, sowie alle hiesigen anderen Vereine waren eingeladen und erschienen. Kamerad Lehrer Beck, der saft 36 Jahre seines Amtes waltet, hielt die Eröss- nttngs- und Schlutzansprache. Im Mittelpuntt der Veranstaltung standen zwei Reden unseres Kreis- krtegerverbandsvorsitzenden, Kameraden Immanuel, der über die Ausgabe der Kriegervereine in der Gegenwart, und über den Versailler Frieden bis zu den jetzigen Untaten der Franzosen sprach nnd den Anwesenden treues Zusammenhalten warm ans Her» legte. Der Posaunenchor unter Kamerad Schmidt und der Gesangvereiu unter Kamerad Lehrer Herrmann trugen zur Erhebung bei, Kamerad Pepin sprach ein schönes selbsiversaßtes Gedicht. Die ernste, wür- dige Feier, um die sich außer den genannten Kameraden der 1. Vorsitzende Engel, der Schristsührer Werner, der Kassenwart Bamberger verdient gemacht hatten, ergab eine Spenoe von säst 17000 M, von denen Zweidrittel der Ruhrbevölkerung, der Rest den Rotftänden des KrtegervereinSwesenS zu Gute kommen.
Kir ch h ar n, 8. Febr. Neben der vom Kreisbarrern* Verein vorgmommenen Sammlung von Naturalien sind in der Stadt Kirchhain zur Ruhrspende bisher 660 826,50 Mark in bar gesammelt und an das Kreiswohlfahrtsamt abgeliefert. Worten.
---♦--- Aif*
Mr Haus und Küche.
Wichtiger Wink für sparsame Hausfrauen. Bei bei heutigen Preissteigerung wird es vielen angenehm sein, zu erfahren, wie man sich selbst billige H e s e Herstellen kann: man nehme 10 Gramm Hefe, vermenge diese gut mit 5 bis 6 gekochten und geriebenen Kartoffeln, 1 Lössel Weizenmehl und 1 Lössel Zucker, lasse diese Masse 16—18 Stunden stehen, stelle daraus mit drei Vierteln dicker verlängerten Hese den Tel« an, um anderen Tags zu backen. Das Restviertel bcbe man auf und verlängere es bei Bedarf wieder mit Kartoffeln, Zucker nnd Stehl. Ab nnd zu setze man mit neuer Hefe an. S., Elnyatisen, Kr. Marbg.
Seinlte MWrUiMn,
Für d>e Schriftleitung oerantroortl.: Dr. C. Hitzeroth. 'fir fen örtlichen tino Provinz. Teil: Wilb-lm Wißner.
schmackhatt« ffier.ÜRe, vorzügliche
Setzen bereitet man rasch und billig WH mit Vlaqgi'o zieischbrLb-WSrsel» JM
w
AM Geschlechtsleisen B| Äefot Quecksilb., ohne Beruiustör. Blntunters. Suftl. Brosch. Nr. 25 geg. (Einienbwng von 1500 Ml.
SSpez.flrzfDr.Bonaender’s”^*
Franklnrt a.9l., Betdmannttrane 56. (8886
Aber Herr Fritz Rosenow sah sie bei der ersten zaghaften Andeutung dieses Wunsches so entgeistett an, daß sie kaum wagte, Wetter zu sprechen. Und ihre Begründungen waren ja auch alle so halttoS, tfange ' so matt und unwahr. Denn waS entbehrte sie? Worüber hatte sie sich zu beklagen? Sie lebte ja eigentlich da- Leben einer Prinzessin.
Im Saufe der nächsten Tage fand sie allmählich ihre Seelenruhe wieder. Der jtommerzcienrat war ja verfeindet mit seiner ganzen Verwandtschaft, es bestanden tetnerfet gesellschaftliche und familiäre Bezie- ffUrctn zwischen ihm und seinen Angehörigen. Jahrelang würde sie in diesem Hause leben können, ohne ihnen jemals zu begegnen. Unb im Sommerhalbjahr würde sie mit dem Kommerzienrat auf Reisen sein. Diese Gedanken beschwichtigten nach und nach ihren GefüblSaufruha.
Aber das Schicksal toottte eS anders.
Es war en einem trüben, friWunklen Dezembernachmittag- Herr Rosenow saß mit seiner Pflegerin im persischen Zimmer und zeigte ihr eine Mappe mit aften Stichen unb Bildern aus Venedig und Rom, wohin er tm Frühjahr mit ihr reifen wollte; da erschien btr Dieners uf der Schwelle mit der Mitteilung, daß Herr von Rosenow auf Rosenow-Berenberg den gnädigen Herrn tnn eine Unterredung bitten ließe.
Der Sommerzienrat sah ftüchtig auf. „Mcht zu sprechen", sagte er kurz. Dann schien et sich eiwes Belferen zu besinnen, rief den Diener zurück nnd sagte; „Führen Sie den Herrn hierher" Mit verstecktem Schmunzeln wandte er sich an Hanna. „Der vornehme Herr Bruder. Er kommt, mich anzupumpen. Na, weil er mich einst den Schandfleck in der Familie genannt hat, wollen wir chm den Gefallen tun und ihn ernt» rangen."
Hanna erhob sich hastig. „Da will ich «ich empfehlen. Ich möchte nicht stören."
„Bleiben Sie ruhig, wir haben keine Gcheimnifse
miteinander. Ich lasse ihn gar nicht zu seinem schönen Bekenntnis kommen, den hohen Herrn.", Es irijte den Kommerzienrat, die liebliche HauSgenossin dem Bruder vorzuführen.
Aber Hanna stand schon in der Tür und war nicht zmn Wciben zu bewegen. Fritz Rosenow deutete ihre Verlegenheit als Taktgefühl. Na, da würde et sie eben später rufen lassen, entschied er. Sehen mußte ver Bruder sie unbedingt.
Herr von Rosenow-Berenberg trat ins Zimmer.
„Ah, du bist eS, Mrich. Sehr erfreut, womit kann ich dienen? Nimm Platz. Hier in dem Sessel sitzt man bequem. Bitte."
,Lch wollte mich einmal n«h deinem Befinden erkundige«, lieber Fritz."
„Sehr gütig, sehr verbunden. Es gcht mir gut. Eö geht mir ausgezeichnet. Rauchst bu?"
Herr von Rosenow nahm eine Zigarre und setzte sie in Brand. Eine Weile saßen sie beide schweigend ntfenetnanber.
Der Gast hatte wohl eine Gegenfrage ermattet, aber sie blieba uS. Mit unbefangener Mene ergriff bet Kommerzienrat wieder die Mappe mit den Stichen und reichte sie dem Bruder. »Last du Interesse dafür? Schr schön, nicht wahr? Ate englische Stiche."
(Fortteßung iclgt.t
die Schokolade
o o o o o o o
o »
o o o O o o o o
| der Anspruchsvollen! | ? r