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Tie ^Oberhessifche Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. Sejugsptei» monatlich

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toecfioitto: Nr. 5015 Lmt Frankfurt o. Main.

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W Amtliches VerWndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrheffifche) Oberhessen

*811 (, . I 1400 Mk. mit Zuftellungrgebühr. Für ausiaüende Nummern infolge Streits ooer

se|i ft. 34 elementarer Treignme kein Ersatz. Verlag von Dr. E. Sitzerath. Druck der A * llniv-Buchdruckerei von Job. Lug. «och. Markt 21.23. Kernwrecher 55, Poft»

den für: .6987.» 46;;0._ 705!),^.

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gegen bar, 25,1« weniger), vmtliche und eeim. Anzeigen 60 SRI Bei schwierige« ES Tflfcfa Satz 50(, Aufschlag. Spät einlaufende oder den Raum über Seite einnedmende du OUQlBe Anzeige« werden nach der Textspaltendreite berechnet. Reklame« der Zeilenmillimeter 180 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barradatt. Belege werden berechnet. Bet Aus­kunft durch die Eeschäftsft. und Vermittlung der Angebote 30 Ä, bet Uebersendung durch un» 50. Mk. ohne Port».

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Jeiittter eWwaifi lesen iit SeMnno deM» 6täile in Men.

< . Berlin, 8. Feb. Der deutsch« Geschäftsträger (ti Paris hat heute der französischen Regierung fol- tzende Note übergeben:Die französische Regierung hat in einer vom 2. Februar datierten und am t. Feb. h« deutschen Botschaft übermittelten Verbalnote der deutschen Regierung eine Verletzung des Vertrags von -LctsailleH vorgeworfen, die dadurch begangen sein sbll, baß die Reichsbahnverwaltung die Durchleitung der intirnationalen Züge ParisBukarest und Paris (Uiür-chenPrag eingestellt hat. Sie hat zugleich an« zrkündigt, daß sie alsSanktion" für diese angebliche Kertragsverletzung die deutschen Städte Offenburg und Lspenweier besetzen werde. Die Besetzung ist noch am tage der Uebermittelung der Note tatsächlich durch- zesührt Wochen«

Die deutsche Reichsbahnverwaltung hat sich infolge KohlenmangelS und anderer durch den französisch- belgischen Einbruch in das Ruhrrevrer verursachter

A# kerkehrsschwierigkeiten zur Einstellung einer großen | I Anzahl fahrplanmäßiger Zugverbindungen des inter- * t nationalen und innerdeutschen Verkehrs gezwungen

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-eichen. Es ist richtig, daß sich darunter auch die Heiden in der Note genannten Zugpaare befinden. Zeit und Umstände geben jchoch dieser Anordnung der

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Aeicksbahnverwaltung offensichtlich den Charakter einer torübergehenden Notstandsmaßnahme. Bon einer Vertragsverletzung kann daher keine Rede sein. Selbst Wenn aber eine formale Verletzung des Vertrags vor« läge, müßte eS als ein Zerrbild deS Friedenszu- ßsvdes bezeichnet werden, daß die französische Re­gierung eine Maßnahme von so untergeordnet« Bc- duitung. wie die Einstellung zweier Zugverbindungen, zum Anlaß nimmt, ohne weiteres ihre Truppen in deutsche (Stabte einmarschieven zu lassen. Allerdings hat die französisch« Regierung, um das schreiende Miß- wrffSltnts zwischen dem Beschwerdeerlaß und der von tzr verfügt:n Maßnahme zu verdecken, den Versuch ge­macht, noch weitere angÄiche Vertragsverletzungen Deutschland? heranzuziehen. Demgegenüber verweist hie deutsche Regierung auf ihren früheren Noteuwechs-l

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wit der französischen Regierung. Si« stellt fest, daß sie in jedem einzelnen Fall« den gegen sie erhobenen Vorwurf der Verletzung ihrer Verpflichtungen in ein» Sehender Begründung entkräftet hat, ohne daß die

französische Regierung auch nur versucht hätte, die deutschen Argumente zu unterlegen. Den Rechts­

titel, aus den si« ihr vermeintliches Sanktionsrecht stützen will, führt die französisch« Regierung nicht an. jS 'In der Tat handelt «s sich um einen Akt reiner Will-

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Kr und Gewalt, begangen unter Ausnutzung der Wehrlosigkeit des deutschen Volkes. Die deutsche Re- 1 gitrnng erhebt hiergegen vor aller Welt feierlichen

Protest.

Am Tage der Vermittlung der Verbalnote an bie deutsche Botschaft hat auch die Interalliierte Rhein- lavillommission in Koblenz dem deutschen Reichsko.n- missar für die beschien rheinischen Gebiete eine Note pgestkllt, in der sie mttteilt, daß sie unter Billigung itt von der sranzösischen Regierung eingeleiteten Be­setzung von Offenburg und Appenweier beschlossen hat, tiefe Gebiete unter das Gebiet des Brückenkopfes Kehl tzr stellen und die Befugnisse ihres Delegierten in Kehl entsprechend zu erweitern. Das Rheinlandab- kommen umschreibt ebenso wie den materiellen, so auch den örtlichen Umfang der Interalliierten Rhein­landkommission« Nach Artiktzl 1 umfaßt daS ihrer Anständigkeit unterworfene Gebiet nur diejenigen deut- stbeu Landesteile, deren Beschung im Artikel 3 des Ncsfenstillstandabkommens vom 1L November 1918 vnd im Artikel 7 des Zusatzabkommens vom 16. Ian. 1ST3 vorgesehen ist. Die «Städte Offenburg un- Ap- penneier liegen autz-chalb dieses Gebiets. Keine Be- slimmu ng des Rheinland abkommens ober des Vertrags ton Versailles gewährt der Interalliierten Rheinland- bmir.iffon Das Recht, das Gebiet ihrer Zuständigkeit kigenmächtig zu erweitern. Di« von ihr ausgespro­chene Billigung macht die vertragswidrige Maßnahme der sranzösischen Regierung nicht zu einem oertragZ- n fijj.gcn Recht und kann ebensowenig der Jnteralli- ikiten Rheinlandkommission den für ihre Anordnungen fehlenden Vertrags- und Rechtstitel ersetzen. Vielmehr teig! dieses Vorgehen erneut,, daß die Interalliierte Bbei-llandkommission sich zum Werkzeug der fran- 'ijchen Politik machen läßt. Auch gegen diesen Aechtöbnich legt die deutsch« Regierung Verwahrung ein.

Wegen bet Mitwirkung der Interalliierten Rheiu- laudkommission sind entsprechende Vorstellungen auch r bei der englischen und bei der belgischen Regierung s t^oben worden. . ,,

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t Rchern, 8. Feb. Gestern nachmittag sand h'er L fine Besprechung des Staatspräsidenten mit den 58er« | tfetern der verschiedenen Bevölkerungsgruppen des neu« I ^setzten Gebiets über bie a.:ge:-k>lickliche Sage statt. Eftaehend wurde dann auch über die Lebensmittel­

versorgung und die Kreditgewährung für die Bcschaf- ung von Lebensmitteln verhandelt. Durch die Still­legung der Eisenbahn und die Einstellung des Be­triebs der Banken ist der wirtschaftliche Verkehr außer­ordentlich gestört.. Die im besetzten Gebiet massen­haft vorhandenen Soldaten kaufen die Lchensmittel- geschäfte völlig auS. Ein von der Behölkerung an die Besatzutigsbehöche gestelltes Ersuchen, di« Soldaten auf die militärische Versorgung zu verweisen, blieb ignoriert. Infolgedessen sind die Preise für Lebens­mittel in einem Maße gestiegen, wie man das nirgend- wo feststellen kann. Die Brvtversorgung ist direkt in Frag« gestellt. Das Verhalten der Beamten- und Arbeitervertreter gegenüber den Franzosen wurde an­erkannt. Bittere Klage wurde von bet Bevölkerung über die fortwährenden Requisitionen geführt. Die Truppen ziehen in den Dörfern umher, um dort Re- auisitionen vorzunehmen und dabei werden die Land­wirte zum Tei»l sehr übel behandelt.

Wie eS gedacht ist.

Brüssel, 8. Febr. .Vtnstiöme Steele" schretbt: Die Besetzung Offenburgs in Baden ist eine neue Saktion, die die Verbindungen Norddeutschlands mtt dem bavrtschen, badischen und württembergischen Sü­den bedrobl. Das ist zweifellos die Einleitung zu dem Vormarsch der Franzosen nach der tschechischen Grenze, nach dem Maintal, Würzburg und Nürnberg. Eine derartige Besetzungslinie würde das Deutsche Reich in zwei Teile zerschneiden. Wir würden also hierdurch das gesamte katholische Deutschland in Hän­den halten, bet dem Preußen besonders verhaßt und das uns am wenigsten feindselig gesinnt ist.

Proteste der holländischen und Schweizer Regierungen.

London, 8. Febr. Die .Morning Post" be­richtet aus Düsseldorf, die Franzosen hätten Proteste von der holländischen und schweizerischen Regierung erhalten wegen vee Wirkung der französischen Sperre auf den Transport von Kohle nach Holland und der Schweiz. Dies bedeute eine febr schwierige Frage plr Vie Franzosen angesichts der Möglichkeit, daß die Koblenzüge über Holland itnd die Schweiz nach Deut unbesetzten Deuischland geleitet werden lömiten. Da­durch würde der ganze Zweck der Blockade htnsällig werden.

Berlin, 8.Febr. Die schweizerisch«' Gesandtschaft in Berlin teilt mit: Die schweizerische Regierung hat bie französische Regierung daraus aufmerksain gemacht, daß durch die Besetzung Offenburgs und des Ruhrgebiets einige für die Schweiz bestimmte Kohlenzüge festliegen Sie hat deshalb die französische Regierung ersucht, diele Büge freizugeben. Dies ist ihr auch von den Fran­zosen zngesichert Wochen. Gleichzeitig wurde erklärt, daß auch die weiteren Kohlenzüge, die für bie Schweiz bestimmt sind, Uon der französischen Besatzungsbehörde durchgllassen werden.

Weitere Truppen nach dem Ruhrgebiet.

Essen. 8. Febr. Im städtischen BesatzungSamt wurde vom Stab der 128. französischen Infanterie­division mitgeteilt, daß in 34 Wochen noch ein Ba­taillon aus drei Jnfanteriekompagnien und einer Ma- schtnengewehrkomvagnie von 500600 Mann und 80 Pferden aus Frantt-lch eintreffen würde. Für die Unterbringung im Bezirk Bredeey sollten Vorkebrun- gen getroffen werden. In Brakel ist eine Kompagnie Ellenbahntruppen eingetroffen.

Bochum, 8. Febr. Hier bat die Besatzungsbe­hörde neu angesordert: zwei Salons, ein vollständig ewgerichtetes Wohnhaus, vier Schlafzimmer, ein« Autogarage, zwei Ställe für fünf Offtzierspferde, eine Küche und Unterkunft für 50 Mann.

3ut Wustegt.

Offenburg, 8. Febr. In der Lage ist seit Diens­tag Nachmittag keine Aeuderung eingetreten. Die Ver­bindungen sind nach wie vvr unterbrochen. Die Beamten­schaft des Offenburger Post- und Telegraphenamts sowie der Stationen Offenburg und Appenweier verharrt weiter­hin in ihrer passiven Resistenz, da die französische Be­satzung der Forderung auf Zurückziehung der Wacht­posten nicht nachgekommen ist. Die Haltung der Bevölke­rung, insbesondere der Arbeiterschaft ist zurückhaltend, aber auch zuversichtlich. Der von den Franzosen am DienStag verhaftete Postdiveftor Krieg ist nach Landau verbracht warben. Wo sich der gleichzeitig verhaftete Oberpost- sekretär Frey befindet, der dem verhafteten PoWrektor zum Abschied einen Gruß zugerufen hatte und deswegen verhaftet worden war, ist nicht bekannt. Der Redakteur namens Libko, früher bei derOffenburger Zeitungl, der festgenommen worden war, weil er den Festgenommenen Nur Mut!" zugeruseu hatte, wurde nach mehrstündiger Hast wieder frrigetaffen. DieOffenburger Zeitung" war von den Franzosen verboten worden, konnte aber heute bereits wieder erscheinen. Weiter wird berichtet, daß französische Kavallerie in den Orten Legelhurst und Schut­terwald Quartier genommen bat Es hat sich noch nicht feststellen lassen, ob diese Besetzung nur vorübergehend oder eine dauernde ist. Mit der Besetzung von Schutter­wald und Legelhurst würden die Franzosen Über den bisher innegehabten Bezirk hinausgehen.

Essen, 8. Febr. Die Franzosen haben die Eileu- ahnv'rkehrskontrolle jetzt auch auf den internen Verkehr des Ruhrgebiets au?gebebnt. An Brakel und Aplerbeck Trrben g wohnliche Gütertransporte und Lebensmittel- -üg> ungehalten. Vor allem f(Seinen die Franzosen es anf die Sperrung des Verkehrs von und nach den fiskalischen Gruben abgesehen zu haben, woraus die Besetzung ber Blo-lstellen Bau kau und Julia hi nw'ist.

Berltn, 8. Febr. Französische Kontrollstellen werden, wie den Blättern milgeretir wird, auch au dem von den Engländern befetzren Gebiet eingerichtet

In Köln sind französische Eisenbahner unter Führung eines Obersten eingelrosscn. Heute morgen find die Baßnhöse von Wanne und Herne besetzt worden. Kohlenzüge nach der Schweiz und Italien gehen noch nicht, wohl aber solche nach Holland.

London, 8. Febr. Die »Time" berichtet, bte Franzosen hätten sich berett erklärt, die Züge mit Re- varattonskohle ans dem Ruhrgebiet nicht durch die britische Zone geben zu lasten.

Düsseldorf, 8. Feb. Am Rheinuser in Düssel- borf liegt feit voriger Woche der neue große Rhein- dampser Düsseldorf der Hapag-Linie mit einer großen Ladung hochwertiger rheinischer Erzeugnisse Am Sonnabend, als der Dampfer bereits ausreisefectig war, erschienen bi« Franzosen an Bord und verlangten die Lädiingspapierc. Nach kurzer Durchsicht erklär­ten sie, eS sei zur Prüfung zu spät, das Schiff müsse bis Montag liegen bleiben. Am Montag forderten bie Franzosen dann bie Vorlage ber Ein- und Ausfuhr- chein«. Außerdem wünschten sie die genauen Maße des Schiffes zu erfahren und machten den Kapitän persönlich dafür haftbar, daß das Schiss (legen bleibe,

Paris, 8. Feb.Daily Mail" berichtet, daß nach einer offiziellen Feststellung in Paris dir Fran­zosen in kurze» Zeit 10000 Ersenbahnarbeiter aus den alliierten Ländern im Rhein- und Ruhrgebiet zur Ver­fügung haben werden. Sie werden damit in oer Lage ein, st ie angehäuften Kohlen- und Koksmengen, die ungefähr eine Million Tonnen betragen, zur Abfuhr noch Frankreich und Belgien zu bringen. Dasselbe Blatt berichte^ daß die französische Regierung den deutschen Reichskanzler gewarnt habe, ins Ruhrge­biet zurückzukehren, da er in diesem Falle Strafmaß- nahmen zu gewärtigen batte.

Essen, 8. Febr Der Präsident ber Reichsbahn- dircktion Esten, zurzeit in Hamm, erhebt tn einem Schreiben an bte interalliierte Felbeisenbahn-Unier- kommisston in Esten Einspruch gegen die den aner- kamrten Regeln ves Völkerreckits und ber Menschlich­keit widersprechende Mißhandlung und Bedrohung des Lokomotivfübr-ranwärters Baer, sowie des Re- skrvelokomoiivfüorers Jmort und des Etsenbahn- ingenieurs Momberg, sämtlich in Recklinghausen, bie lediglich den Weisungen ihrer vorgesetzten Behörde ge­felgt seien.

Berlin, 8. Febr. Die Blätter veröfientlichen ietzt bi« enbgültigcn Zittern ber beutschen Kohlen- Ueferungen an Frankreich unb Belgien für Dezember. Deutschland war verpflichtet, im ganzen 1600 000 Tonnen zu liefern. Geliefert wurden 1515 307,5 Tonnen. Die nicht gelieferte Differenz, deren Ursache in der Einstellung von Nebersichten und bett Feier­tagen liegt. Betragt also 84 692,5 Tonnen.

Wttten-Rnhr, 8. Febr. Die Belatzungsbe- hörbe verfügte auf Vorstellungen verschiedener Be­triebsräte bte Freigabe beschlagnahmter Dcputatkohle unb versprach, vast keine Weitere Beschlagnahme er­folgen so«. Zigaretten, bte man ben Betriebsräten anbot. Würben ab gelehnt.

Paris, 8. Febr. Wie der ,Lemps" mitteilt. Wird morgen eine Abteilung von 4500 französischen Eisenbahnern, sämtlich Freiwillige, nach bem besetzten Gebiet abgehen. Ferner ziehe bet Minister für bte Qeffenilichen Arbeiten in Erwägung, eine Anzahl ber anläßlich des Streiks im Jahre 1920 entlassenen Eisen­bahner wteber einzustellen unb sie bei bem Betriebe in ben besetzten Gebieten zu verwenden.

Neve ZwUevsaSe und Unruhen.

Essen, 8. Febr. AnS Recklingbausen kommen Mel­dungen über schwere Unruhen. Da der Telephonverkehr zwischen Recklingbausen und Elftu unterbunden ift, muß man sich auf die von ftanzö^chen Stellen ausgegebenen Meldungen verlassen. Sicherlich ist seit gestern nach­mittag. als bie Schließung bet Geschäfte angeordnet wurde, das Pubfikum in große Erregung geraten, weil es unmöglich wat, Lebensmittel einzukcmftn. Die Franzvien sind schließlich mft gefälltem Bajonett vorgegangen, um die Ansammlungen zu zerstreuen. 68 wurden Massen- verbattungen borgenommen.

Auch in Essen ist es beute mittag zu Zwischenfällen gekommen. Die Stimmung des Publikums wird immer erregter und namentlich der weibliche Teil ber Bevölkerung gerät durch bie stündlich erhöhten Lebeusmittelpreiser- höhungen in begreifliche Erregung. Die Franzosen haben in der Nacht Propagandaplakate ankleben lassen, die von der Bevölkerung heute früh abgerissen wurden. Ein Kom­mando, das von zwei Offizieren geführt wurde und etwa 20 Manu stark war, unb b«5 durch die Straßen gesandt wurde, um die Attentäter sestzunehmeu, die sich an den Plakaten vergreisen, nahm unter anderem auch sechs Mädchen fest, die auf der Wache aust schwerste mißhandeft wurden.

Wiesbaden, 8. gebt. In der vergangenen Nacht wurden hier Plakate angeschlagen mit einer Kund­gebung der Behörden und Körperschaften, in der u. a. erklärt wird, daß für die deutschen Beamten nur die Anordnung der preußischen Staats- und der Reufis- rfgienrng maßgebend sein können und daß sie ihre Pflicht tun würden. Sm Laufe de» beuturn Vormittags fan­den vor diese« Plakaten große Menschenansammlungen statt, di» französische RadfabrerpaNMnillen sie entfernten und die Meuscheuansammlnngen »n zerstreuen suchten. Auch mehrere Trupps berittener Spahls wurden mobil gemacht und ritten teilweise auf dem Fußsteig der Straße, um die Menschenmenge zu jerrftreurn. In der Schwal- ba>herftraße kam ein junyr Mann mit einem Franzosen in einen Wortwechsel, der damit endete, daß der Franzose einen Revolver zog und den Deutschen durch einen Schuß

verwundete. In ben Nachmittags stunden herrschte in der Stadt wieder Ruhe.

Wie die Blätter melden, kam «8 gestern kurz nach der Besetzung des Bahnhof» von Wanne durch die Franzosen zu blutigen Zwischenfällen. Ein D-Zug unb ein Per- onenzug wurden von ben Franzosen angehalten unb bei, «irische Eisenbahnpersonal wurde zum Verlassen der Zöge gezwungen. Tin 64jähriger Zugführer wurde dabei von einem ftanzösischen Soldaten von hinten mehrmals mit dem Kolben auf den Kopf geschlagen. Der Zugfüb«r brach zusammen und erlag ball» darauf seinen Verletzun­gen. Die Reisenden der beiden Züge, die ausgestiegen waren, wurden fcton französischen Offizieren, die ihre Revolver gegen die Menge richteten und von den Solda­ten, die rücksichtslos mit ihren Bajonetten auf die SSti» enden, unter denen sich viele Frauen und Kinder be» anben, einstachen, vom Bahnhof getrieben. Zahlreiche Personen, darunter Frauen und Kinder, erlitten Ver­letzungen. Unter Zurücklassung des Gepäcks, flüchtet« £>ie Menge und bis weit in bie Stadt hinein wurde sie von französischer Infanterie mit aufgepflanztem Bajonett *xrfo'gf. Ein Postbeamter des Zuges würbe durch einen Baionettstich schwer verletzt als er sich weigerte, die ihm übertragenen Selber herauszugeben. Die Franzosen io- chlagnahmten drei Kisten mit mehreren Mlllionen Mark.

In Recklinghausen wurde einem Arbeiter durch eine» Kvlbenschlag eines französischen Soldaten die Kinulad« zerschmettert. Die Gewerkschaften haben darauf rinen 24ftünbig?n Proteststreik porflamiert.

Wegen der Besetzung des Bahnhofs von Wanne rich­tete der Amturann Waider einen scharfen Protest «n be» französischen Kommandanten mit dem Hinweis daraus, baß durch die Besetzung des bedeutenden Eisen bah uknoten- .mnktes die Lebensmittelzufuhr gefährdet sei. Der Bahn­hof wurde darauf gestern von ben Franzosen wieder ge­räumt.

Wie die ftanzösischen Blätter au8 Essen melden, wurde gestern vormittag dir große Schaufensterscheibe der anzösckchen Buchhandlung am Hauptbahnhof zertrüm­mert. Eist französischer Offizier stellte einen in der Nähe stehenden Schutzvolireibramte» jur Netze unb wollte ih» Ohrfeigen. Eine rasch zusammengeströmle Menschen- mc 7 entwaffnete darauf den Offizier.

Esse». 8. Feb. In Datteln haben sich scanzö- fische Bcsatzungstrnppen geweigert, gegen deutsch« Zi- vilisten vorzugehen. Es blieb der Besatzungsbehörde nichts anderes übrig, als die betreffende Schwadron zurückzuzichen.

Essen, 8. Febr. Die Milchltefenmg ist in den letzten Tagen mißerorbentlich zurückgegangen. Der französifchr Einbruch Wirkt sich tn einer für bte Be­völkerung autzerorbemlich bebückenben Weise durch ongesetzte ganz beb utenbe Preiserhöhungen aus. be­sonders aus dem Lebensmittelmarkte. Bet Fetten z. B stellt sich bie Verteuerung bis zum 7. Februar auf über 400 Prozent, was Nch tn ber Leben-Haltung bet Jndustriebevöikerung, bte vor allem auf bie Fettver- kcrgung angewiesen sei, mtt äußerster Härte bemerk- bar macht. Aber auch in ben Kreisen beS Handel- schaffen diese fortgesetzt scharten PretSsteigernngrn eine bedenklich.- Lage, Weil bie Händler hinsichtlich bes Betriebskapitals Anforberungen gestellt Werben, benen sie aus eigenen Kräften nicht mehr genügen können.

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-Verhaftungen und AuSwcifnnsen.

Essen, 8. Febr. Hier liegen zahlreiche Meldungen über neue Verhaftungen vvr. In Herbede wurde ein Post­meister unb ein Postsekretär ohne Angabe von Gründen ausgewiesen. Dem Postmeister wurde angcküudigt, daß feine Ausweisung auf zwei Jabre gelte.

Bochum, 8. Febr. Ein PoltzeibetriebSassistent Würbe von einem französischen Offizier verhaftet und schwer mißhandelt, Weil er Kindern verboten hatte, von der stanzöstschen Feldküche Esten entgegenzn- nehmen.

Ludwigshafen, 8. Febr. Außer dem Präsi­denten der Reichsbabndtrektton Lieberich haben bie Franzosen ben AmtSvorstand des Bezirksamtes Kirch« beimbolmrben, OberregternnflSrat TbomaS, ben Re­gierungsrat DuthWeiler vom Bezirksamt Lanbau, ferner ben Bezitksarntmann Hauptmann, sämtlich mtt Familien, unb ein Fräulein Thoma tn Speher ausgewiesen.

Barmen, 8. Febr. Der Obervostmeister Sesten- brop tn Hamberg am Nieberrb-tn ist Beute morgen von ben Belgiern verhaftet Worden, Wett er sich wei­gerte, der BesatzungSBebörde die Namen von den Be- zieBern einer Bestimmten politischen Tageszeitung mit» zmetlen. ES ist dies ein Verlangen, daS seitens der Beamten nicht einmal den Behörden des eigene» LarrdeS gegenüder erfüllt wtrb.

Französische Urteile gegen Studenten.

Ein Freund unseres Blaues schreiBt aus Bonn: In der letzten Woche Wurden vom hiesigen ftanzöfl- fchen Mtltlärgertcht eine Anzahl Studenten ver­urteilt, Weil sie vatertändtsche Sieb# gepfiffen Hanen.' Die Strafen fchwanken zwischen 10 Tagen Ge­fängnis nebst 10000 M Gelbstrafe unb 6 Mo­naten Gefängnis unb 100 000 X Gelblttafe. Dabei Wurde z. B. das Vorftnden eine- festsleheiv» ben Jagdmesser? als Besonders straferschwerend an­gesehen. Die Geldstrafen mußten innerhalB 4 Tagen Bezahlt setn. Dar Mittagesten Wirt» ihnen Im Wakchgeschierr gereicht; Bewacht Wetbeit st« von Braunen.

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Der Streik im CaatgeBiet

SaarBrückeu. 8. FeBr. Der Streik bet Loth« tnge Begatbeiler m heute zur Tan'ach« geworben, nachbem bte gestrigen Vervanblungen ergebnislos verlaufen stnb. In ganz Lothringen liegen bte Bero» werke sttll.

Saarbrücken 8. Febr. Die Lage im @aar* revier pat sich verichärft. Den Organisationen war