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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

^Mnzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

ft. 30

Tte „OberhElche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 1^00 Mk. mit Zustellungrgediihr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer etementarer Ereigniffe kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ^Buchdruckerei von Jod. Lug. «och, Markt 21.23. — Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg MM, de» 5. Srtrnar

Körnung

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Weitere Besetzung.

Offenburg, 4. Febr. Heute vormittag iSdtc französische Kavallerie i« Stärke von meh- »eren Schwadronen hier ein. Der Bahnhof, das Postamt, die Kasern« «nd die gtofj« Eisenbahn- Drücke wurden mit Wachposten «nd Maschinen­gewehren besetzt. Auch ist Appenweier von fran- zösischen Truppen besetzt worden.

Darmstadt, 4. Febr. Der Bahnhof von Goddelau ist heute vormittag von französischen Truppen besetzt worden. Damit ist der Eisenbahn- urrkehr zwischen Frankfurt a. M. «nd Mannheim brzw. Worms völlig abgeschnürt. Di« Tr«pp«n be­gannen sofort mit der Verladung der auf dem Süterbahnhof aufgestapelten großen He«, «nd ktrohvorräte deutscher Firme« für die Besatzung»- ernte.

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Auf dem Rathaus in Offenburg hat^>eute vor- irittag aus Veranlaßung der französischen Be­satzung eine Konferenz mit Vertretern der staat­lichen und städtischen Behörden stattgefunden, in der von französischer Seite mitgeteilt wurde, daß Offenburg und Appenweier in den Brückenkopf Kehl /inbezogen werden sollten als Sonktion für die von deutscher Seite vorgenommene Beschränkung im internationalen -Zugverkehr. Die Gerüchte von einer Besetzung weiterer badischer Orte haben sich als unrichtig herausgestellt, doch ist auch die Station Orlenberg von französischer Infanterie besetzt worden; Orten­berg ist nach Offenburg Ausgangspunkt für die durch das Kinzig-Tal führende große Schwarzwald­bahn zum Bodensee-Eebiet.

Auf dem Marktplatz und vor dem Gebäude des Bezirksamts lagert zur Zeit ein Regiment fran- psischer Infanterie, das nach der Kavallerie ein- tzerückt ist; ferner steht man Panzerautos, Ma- Wnengewehre, Fouragewagen usw. Alles ist in durchaus kriegsmäßiger Ausrüstung. Nach einer französischen Bekanntmachung handelt es sich um eine friedliche (!!) Besetzung und nicht um eine militärische.

Freiburg, 3. Febr. Die für die Besetzung des Gebietes von Offenburg und Appenweier ver­sendeten französischen Truppen sind, wie wir er­fahren, bereits am Donnerstag und Freitag aus der Pfalz von Landau nach dem Brückenkopf Kehl geleitet worden. Es handelt sich also bei der Be­setzung weiteren badischen Gebiets urn einen wohl­vorbereiteten französischen Plan. Es ist möglich eeweicn, von Offenburg aus den größten Teil der dort vorhandenen Maschinen der Schwarzwaldbahn sbzubefördern. Die Industriefirmen im Kinzigtal lefördern ihre Lastkraftwagen ab. Das Kinzigtal aufwärts zieht sich eine ununterbrochene Reihe von Lest- und Personenwagen, die nach dem Osten und dem Südosten hin in Sicherheit gebracht werden. Ter Bevölkerung hat sich eine große Erregung be­mächtigt.

Karlsruhe, 4. Febr. Die Pressestelle der badischen Negierung veröffentlicht heute abend eine Mitteilung, aus der kurz folgendes hervorzuheben ist: Die Franzosen haben in Offenburg mitgeteilt, daß von morgen abend 7 Uhr ab der gesamte Per­sonen- und Güterverkehr zwischen Appenweier und Offenburg unterbrochen wird. Es dürfen nur die Exckretzziige Holland-Schweiz passieren. Im übrigen bestätigt die Mitteilung der Pressestelle die bereits ron uns gebrachte Meldung über die Besetzung und ihre Gründe. Der Oberamtmann von Offenburg hat einen energischen Protest der badischen Regie- timfl gegen die Besetzung überreicht, die in dem Friedensvertrag keine Grundlage habe. Der gleiche Beamte hat auch dem Kommandanten von Kehl, dem französischen General Michel, erklärt, daß weder die Reichs- noch die Landesbeamten daran dächten, den Befehlen der französischen Besatzung Folge zu leisten.

Berlin, 4. Febr. Die Interalliierte Rhein­landkommission bei dem Reichskommissar für die besetztet Gebiete in Koblenz eine Note zugeleitet, in der sie Mitteilung von dem Beschluß der sranzö- stschen Regierung macht, Offenburg und Appen­weier wegen der von der deutschen Eisenbahnver- valtung bei der Durchführung der internationalen .'siige Prag-Paris bereiteten Schwierigkeiten zu besetzen. Im Anschluß hieran habe die Inter­alliierte Rheinlandkommission beschlossen, Offen­burg und Appenweier demselben Regime zu unter­werfen, unter dem der Brückenkopf Kehl siche. Demgemäß habe sie ihrem Delegierten in Koblenz

Vollmacht auch für diese neue Besetzung gegeben. Der Wortlaut der Note liegt noch nicht vor. Schon jetzt muß aber auf Grund der eingelaufenen Mel- dungen erklärt werden, daß von den Franzosen ein neuer schwerer Rechtsbruch begangen worden ist. Zu den französischen Gewalttaten im Ruhrgebiet tritt nun die Vergehaltigung weiteren deutschen Gebiets durch französische Truppen, durch die ver­mutlich der deutsche Kohlentransport auf der wich- tigei Strecke Frankfurt—Basel unter französische Kontrolle genommen werden soll.

Karlsruhe, 4. Febr. Die badische Regie­rung hat an das badische Volk einen Aufruf ge­richtet, in welchem sie gegen das unerhörte Vor­gehen der Franzosen schärfste Verwahrung einirgr. Die badische Regierung bestreitet der französischen Militärmacht jedes Recht, im neubesetzten Gebiet die Beamtenschaft des öffentlichen Dienstes der französischen Befehlsgewalt zu unterstellen. Sie hat somit die Beamtenschaft angewiesen, keinen Be­fehl der Besatznngsbehörde entgegenzunehmen und auszuführen. Von der Beamtenschaft erwartet die Landesregierung strikte Befolgung der an sie er­gangenen Befhele, den ftanzöfischen Anordnungen keine Folge zu leistet.

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Berlin, 4. Febr. Die Anwesenheit zweier Mit­glieder einer S'ttcntekommffsion in einer Sitzung des badischen LandtaaS rief einen Zwischenfall hervor: Der volksparteilicht ASgeordnett Weber bestritt den dwlomatischen Cbrakter der Kommission, auf Grund dessen das Prästdffnn den beiden Sntentevertterrrn Eintrittskarten zur Verfügung gestellt batte. Die Dcutschnationalen, die Mitglieder der Landbundes sowie mehrere Abgeordnete der Volkspartei verlieben de« Saal.

M Luge im JteMitL

Vormarsch ins Wuppertal.

Essen, 3. Febr. Die Besetzung Vohwinkels ist nur der Anfang der Wuppertalbesetzung, die von einem anrollenden neuen elsässischen Armeekorps vorgenommen werden soll. Es verlautet, daß am 4. Februar die Besetzung Elberfelds vorgesehen ist Anschließend sollen Barmen, Hagen, Unna bis Hamm besetzt werden.

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Berlin, 4. Feb. Der Regierungspräsident in Düsseldorf machte, wie das „Berlin« Tagcklatt" be­richtet, den augenblicklichen Essener Vertretern der deutschen unb ber r^ftfndischen Presse Angaben über die durch den wilb-rm^Ucchön Einmarsch ins Ruhr­gebiet stark beeinstntzte Ernährungs- und Berkehrs- lage. Er teilte mit, daß er angesichts der zuneh­menden Regnisitionen von Mehl und anderen Lebens­mitteln neue Schritte bei den Besatzungsbehörden un­ternehmen wolle. An eine geregelte Zufuhr von Le- bensm'ttÄn für das von mehreren Millionen bewohnte neubesetzte Gebiet sei unter den obwaltenden Verhält­nissen nicht zu denken» D« von der Regierung ein­gerichtete Zubringerverkehr für Lebensmittel sei äugen- scheinlich durch die Tätigkeit der Kohlenkontrollstel­len zu nichte gemacht. Die Versorgung.mit Milch fei z. B in Düsseldorf, wo für Säuglinge überhaupt keine Milch mehr zu bekommen sei, katastrophal. Fleisch komme als allgemeines Nahrungsmittel nicht mehr in Frage. Auch die Versorgung des Viehes, besond«3 der im Transportge:oerbe des Bezirks ein« große Rolle stielenden Pferde, begegnen großen. Schwierigkeiten Desgleichen fei bei ber Landwirtschaft Not an Frttter- urib Düngemitteln eingetreten, was aus die bevor­stehenden FelbbestÄlungsarbeiten von nachteiligem Ein­fluß sein müsse. Auch die Versorgung der Industrie mit Rohprodukten könne auf Schtvierigkeiten stoßen. Für die durch Stilliegen ber Verkehrsmittel arbeits­los Gewordenen soll durch «höhte Arbeitslosenunter­stützung, sowie durch Notstandsarbeiten gesorgt wer­den. Die Bevölkerung des Industriegebiets zeigt mu­sterhafte Disziplin, die auch von Fremden anerkannt wird, der Wille, die gegenwärtigen SchwierigLiten zu überwinden, ist ungebrochen.

Aus Essen wird dem „B. T." gemeldet, daß zahl­reiche bei B^.ern einquartierte Franzosen von ihren Quart'erwirten Bescheinigungen über an­ständiges Benehmen verlangen und im Wei- gerungssall: die Le te mit vorg haltenem Revolver zur l'.nier eichch^uarg des ver^efchrieb nen. Formulars zwin- aen.

Koblenz, 4. Feü. ?lls die Eisenbahner erfuh­ren, daß die Arbeit unter der Bedingung wieder ausgenommen werden sockte, daß das ftanzösische und sie gis se Eckeuöahnper'ona! auf den Bahnhöfen bleibe, bemächtigte sich ihrer eine ungeheure Erregung. Ein­mütig .erhärten jie, daß sie dir Arbeit nicht eher wie­

der aufnehmen würden, als bis bi« Franzosen unb Belgier vollkommen aus ben Betrieben herauSgenom- meit worden seien. Ter Streik geht heute noch weit«.

Koblenz, 4. Feb. Tie Franzosen haben in der Eisenbahnbetriebswerkst Str« bes Koblenzer Hauptbahn- Hofs fürchterlich gehaust. Alle Kisten unb sonstigen Behältnisse ber Eisenbahner wurden mit Gewalt er­brochen, die Kleider d« Beamten herausgerissen und in ben Dreck getreten, die Stiefel mit Kohle gefüllt unb angezündet, die Werkzeuge hinausgctoorfen, Die Geschäftsbücher zerrissen, das Bettzeug zerschnitten und die Ovbehältn zum Auslaufen gebracht. Der ganz« Raum ist vollständig mit Kot beschmutzt. Die Loko­motiven stehen ohne Feuenmg und sind zum Teil für lange Wochen unbrauchbar gemacht. Der Schaben, geht in bie Millionen.

. 8 Sehr. Der Äernünet&betrieb in Esten tübtr beete hem Silbe mittaas bis 61/. Uhr abends DoIIflänbtiL Die S^rdniofeh (tfcticitn die Batterien aus. wett btt «»pnschten Verbindungen nicht hergestellt wurden.

Essen, 4. Feb. Heute abend 7.50 Uhr kam c? iir Essen zu Schießereien. Nach kommunistischen Ver­sammlungen im Saalbau zogen starke Gruppen nach dem Bahnhof, wo sich auf dem Bahnhofsplatz ein stärkerer Menschenauflauf bildete. Obwohl die sraazö- sis hen Posten durch die Polizei vollkommen freigehal- ten winden, brachten sie doch ein Maschinengewehr in Stellung und gaben einige Gewehr- unb Maschinen« gewehrschüsse ab. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, sind Menschen nicht verletzt worden.

Essen, 4. Feb. Der französische General ließ durch feinen Stabschef den Polizeipräsidenten auf- fordern, bie Zurückziehung bes an bie Polizei ergange­nen Grußverbotes zu veranlassen. Der Polizeipräsi­dent hat bies verweigert unb die ihm gesetzte Bedenk­zeit' von zwei tagen als zwecklos bezeichnet: feine Weigerung fei endgültig.

Berlin, 4. Feb. Wie dem ,Lokalanzeiger ans Recklinghausen berichtet wird, wurve ein Lokomotiv­führer von Offizieren der Besatzungtruppen mit einer Reitpeitsche schwer mißhandÄt, well et sich geweigert hatte, bie Wasseren in ahm tstclle für Lokomotiven zu zeigen.

Saarbrücken, 4. Feb. Me zuverlässig nnt- geteüt wirb, lassen bie Franzosen mit Saarkohle be- laden« Eisenbahnwagen ans dem Saargebiet nach Frankreich leiten.

Bochum, 4. Feb. In Stiebe! bei Bochum ha­ben bie Franzosen schwere Artillerie eingebaut.

Reichskanzler Oune tm Eiubruchsgedikt. -

Essen, 4. Febr. Der Reichskanzler Dr. Cmw bat heute vor- und nachmittags in Esten, Bochum und Dortmund tm Streife von Vertretern d« verschie­denen Bevlktrunasgrupptn eingehende Aussprache ge- pslogtn. Abends verlieh bet Kanzler wieder das Ge­biet. Die Besprechung ergab volle Uebneinstimmung über bie Notwendigkeit des geschlossenen gewaltlosen Widerstandes gegen den Einbruch des sranzSstschen Imperialismus sowie üb« die wirtschaflltchen und sozialen Maßnahmen, die zur Ueberwindung der in­folge des Einbruchs drohenden Schwierigkeiten ge­boten find.

Franzosen schiehen aus ftiitbet.

Düsseldorf, 5. Febr. Gestern schätz ein franzS sttcher Korporal in der Vorhalle des Badnhofs Bttk ohne einen erkennbare« Anlatz in eine Anzahl Kin­der hinein, wobei ein SHnb schwer verletzt, ein an­dere« leichter verwundet wurde. Da schwerverletzte Kind ist kur, daraus gestorben. Der Kommandeur ber BesatzungStrupptn teilte mit, der Korporal iotrde vor ein Kriessgericht gestellt werden und bot den Eltern des «schostcnen Kindes eine Entschödigung von 100 000 Papiermark an. Der Regierungspräsi­dent hat dte BesatzungSbtdörd« darauf htngewiesen, daß das Angebot ein« folchen EntschSdlgungfummt ungehörig fei.

Kette Verhaftungen.

Essen, 4. Febr. Heute vormittag sind von bet staatlichen Bergwerksditettwu in Recklinghausen ber stellvertretende Präsident Obet&erfltat Gartet und der Leiter der Handelsabteilung, Cberbergiat Tegel« von d« DesatzungsbehSrde verhaftet und in Richtung nach Hallern tveggebracht worden. D« Grund hier- für ist die Derweigetuttg von KokSsendungen nach dem Westen.

Essen. 4. gebt. Prokurist Westhelle von den SttnneS-Zeche« ist vott bei BeiatzungsbehStde »er« hattet worden, weil « di« Lieferung von Kohlen v«- toetgert hat.

Bestialische Mitzhaudluttg eine« Schutzpolizisten.

Offen, S. Febt. Sin Augenzeuge,berichtet uns: Auf d« Sttatze zwifchen Hatttngen und Bochum wurde ein Schutzpolizist wegen Richtgtützens eines vorbeikommenden ftantvsisckten Offfizi«s fchwet mitz- i,ändert. D« französische Offizier wrang wie ein wil­des Ti« von hinten auf den Beamten und fchlug ibn mit der umgekehrten Relweitsche von hinten über den Kopf. Der Polizcibeamle taumelte nach dem ersten SMag; fein Gesicht wat bluttibetsttömt. Gleichwohl schlug der Offizier in ber rohesten Weise weitet aus ihn ein. Gleichzeitig tief bet Offizier einen vorhei- kommenden Trupp von 4—0 stanzösischen Soldaten Heran, die sich gleichfalls auf den Polizeibeamten stürzten, ihm Koppel, Settengewebt nnd Pistole ent­rissen und Ihn dann mit Fäusten und Stiefeln be­arbeiteten. Der Beamte wehrt« sich, wurde ad« fchließlich von der Uebermacht zu Boden geworfen und

weiter In der oben an geführten Weise mißhandelt. Schttetzlich zwang tnmt ihm Handfestem an und schleppte den fast Sebtofen fort. Der Bedauernswerte wurde etwa 50 Met« weit geschleift.

Berlin, 2. Febr. Rach BMttermelbungen sind neue französische Kontrollstellen eingerichtet worden, sodatz die Linie Ekberfeld-KSM unt« Kon- ttolle steht. Die Franzosen werben Arbeit« zu einem Tageslohn von 40000 JC zum Kippen. Bisher habe« sich deutsch« Arbeit« nicht gemeldet. Im Bezirk Mainz Ist d« Betrieb noch nicht Wied« autzgcnomme» worden, da eine Entlastung deS verhaftete« Personals noch nicht «folgte. In Tri« ist d« Schieb Wied« aufgenommen worden, nachdem die Besatzung zurück- gcnommen wurde. In Köln wird d« Bettieb all- mäh-ch ausgenommen.

In Hattingen sollte gestern eine Berteilung für mind«bemittclte SozialrenM« und d«gleichen erfofr gen. Die Kohlen wurden von den Franzosen beschlag- uahmt.

In Dorsten w«den die Kohlenzüge für die Schweiz, Italien und Holland zurückgehalt«i Zm Zeit stehen dort 181 für Holland bestimmte Wagen.

G ü s se l d o r s, 3. Febr. Die Besatzung richtet« auf dem Bahnhof Hengsti nördlich von Hagm ein« Kontrollstatton ein und entfernte das deutsche Per­sonal. Sie hält alle, nicht nur die Kohlenzüge, an. Tcr Bahnhof ist infolgcdesten verstopft. D« R«je- ttmgspräsidcnt von Düsseldorf hat bei den Befatzuttgs- behörden Schritte getan, um eine Lockerung des Ver­kehrs auf diesem für die Lebcnsmlttelfcndungen au3 Südwestfalen unb Mitteldeutschland wichtigen Bahn- hof v-'bci,i'füüren. In Hagen unb Wittm M«bU die Kohlenttansporte auf Lasttvagen von b« Be­satzung angehalteu und gezwungen, aus »er Stoib« stratze zu entladen. In Bochum wurden einig« Sol- doten von einem Tänkgeschwader in ein« Wirtschaft Getränke verweigert. Auf d« Stkatze zogen die Sol­daten blank und verletzten zwei Knappschaftsbeamte schwer. In Recklinghausen ist der schriftliche Befehl an die Schutzpolizei ergangen, die Besatzungsofftzi«« zu grützen. Der Kommandeur d« Schutzpolizei lehnt« die Ausführung des Befehls ab.

Der Bahnhof Höchst a. M- ifr zum Zollgrenz­bahnhof gemacht worden. Die Franzosen habeit einen aus bem besetzten Gebiet kommenden Güter« zug angehalten und die Herausgabe der Begleit­papiere von dem Eisenbahnpersonal verlangt. Dar Personal hat geschloßen bas Ansinnen bei Fran­zosen abgelehnt. Durch hohe Gelb- und Gefängnis, strafen ließ sich bas Personal nicht einschüchtern.

Am späten Abend, nach Abgang des letzten Zuges, besetzte eine starke französische Wache den Bahnhof, sperrte den Zugang zu den Bahnsteigen und entsandte Wachen mit aufgepflanztem Seiten­gewehr nach den Stellwerken und anderen Be­ck riebsstellen. Heut« ftüh wurde dem Personal der Zutritt zu den besetzten Diensträumen von den Franzosen untersagt. Im Laufe bes heutigen Vor, mittags hat beshalb bas Personal bes Vahnhoss Höchst beschlossen, ben Bahnhof um 1 Uhr stillzu­legen. Voraussichtlich wird bei Bettieb Frankfurt» Nied unb von Kriftel in Richtung Limburg auf­rechter halten.

Der OSerprSfident der Rheinprovinz ausgewftlen.

F r a nk f u r t a. M., 3. Febr. Der Oberpläfi- bent bet Rheinprovinz, Fuchs, ber gestern nachmit­tag beim Verlaßen bes ObeipiSsibiums von len Franzosen verhaftet unb in einem ftanzöMen Auto mit unbekanntem Ziel weggeführt Worten war, ist von den Franzosen bis nach Frankfurt worden. Wie wir hören, wird sich der Oberprcsi- dent noch im Laufe des Tages nach Berlin begeb' n.

Koblenz, 3. Febr. Aus Anlaß der V r- hastund und Ausweisung des Oberpräsidenten ler Rheinprovinz fand heute mittag von 11—12 Uhr ein einstündiger geschloßener Proteststreik statt, «n dem sich sämtliche Behörden, Angestellten unb Ar­beiter von Koblenz beteiligten. Jeglicher Verkeil ruhte. Alle Geschäfte waren ohne Ausnahme g"- schloßen. Eine Deputation aus Vertretern btr Beamten- unb Arbeiterorganisationen begab fitz zur interalliierten Rheinlandkommission, um gegen bie Ausweisung Protest einzulegen, wurde aber von französischem Militär am Betreten des Gebäude- verhindert. Die gegen den neuen Gewaltakt bemon- stiierende Menge wurde durch französische Truppen, bie mit gefälltem Bajonett vorgingen, zerstreut.

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Ein Beweis, wie wenig sicher man sich auch an den leitenden Stellen fühlt, liefert nach der „Zeit" ein Aktenstück aus der aufgefundenen Tasche eines hohen französischen Offiziers. Es ist ein Befehls- enlroutf, ber ben Rückzug regeln soll für ben Fall, daß dieser erzwungen würde oder durch größere Aufstände veranlaßt würde. Der Befehl sieht die Sprengung von Eisenbahnlinien und Brücken vor. Es ist'bezeichnend, leint das Blatt, daß die Fran­zosen, die bei jedem Dorf, das während des Krieges von unseren und ihren Geschützen zerschossen wurde, die Welt zum Zeugen deutscher Barbarei aufriefen, jetzt mitten im Frieden die Zerstörung eines der wichtigsten europäischen Industriegebiet« planmäßig vorbereiten.