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Zweites Blatt

Nr. 29 tzonMbend, 3. Februar -or»««g 1923

MWstWe WMembkkßÄ.

Von unserem volkswtrtfchaftttchen Mitarbeiter.

Die französiscbe Regierung hat der deutschen mit- geteilt, daß vom 1. Februar ab keine Kohlen- und Kokssendungen aus dem besetzten Ruhrgebiet in das Adrige Deutschland ausgeführi werden würden. Da- r.it hat Poinear« seinen Gewaltstreich, der die wirt­schaftliche Vernichtung Deutschlands zum Ziel har, vollendet. Vorausgesetzt, daß' es den Franzosen gc- slngt, tatsächlich alle KohlentranSporte aus dem Ruhrgebiet nach dem unbesetzten Deutschland zu ver­hindern, so wird für die deutsche Industrie zweifellos eine recht schwierige Koblenlage entstehen. Aber es muß andererseits hervorgehoben werben, daß die Dinge zunächst keineswegs katastrophal liegen. Da in letzter Zeit die gesamte Kohlenproduktion des Ruhr- gebieteS infolge der Einstellungen der Reparattons- Uie-erungen nach dem inneren Deutschland abtrans- ' portiert worden ist, so dürften nicht unerhebliche Aohlenvorräte angehäuft sein, die zunächst eine not­dürftigste Kohlenbelieferung der Industrien sichern werden. So ist in einer B^ratun" -o.rdelsministeriums mit dortigen Wirtschaftsfichrern mitget.is worden, daß die bayerische Industrie für etwa 3 bis 4 Monate mit Kohlen versorgt sei. Na­türlich wird das nicht überall in Deutschland der Fall fein. Einschränkungen und größte Sparsamkeit im Kohlenverbrauch werden sich nicht vermeiden lassen. Die Reichseisenbahn hat mit Verkedrseinschrünkungen bcionders im Personenverkehr bereits begonnen. Aber andererseits ist zu bedenken, daß die Industrie ohnehin aus anderen Gründen, teils wegen der Schwierigkeit der Robstosfbeschafsung, teils wegen der Kavitalknappheit, teils endlich wegen Absatzmangels z» Einschränkungen der Produktton wird schreiten müssen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Folge der Ruhrbesetzung und ihrer zerstörenden Wirkung auf die deutsche Währung ein weiterer Produktions­rückgang sein wird. Dieser betrifft nicht nur den Jn- landsmarkt, der unter dem Versagen der Kaufkraft breiter verelendeter Bevölkerungsschichten schwer leidet, sondern auch dem Export. In der englischen Presse ist triumphierend darauf hingewiesen worden, daß der Rückschlag der französischen Ruhrpolitik auf das englische Wirtschaftsleben überaus günstig <et, weil die deutsche Industrie infolge der Besetzung den früheren Anforderungen nicht mebr gerecht werden könne. Infolgedessen sei eine große Anzahl der Be­stellungen, die früher nach Deutschland gegangen seien, der englischen Industrie zugefallen, und zwar in erster Linie den Elektrizitäts- und Eisenbahnmaterial- sabriken.

Diese Mitteilung entspricht zweifellos den Tat­sachen. Die Lage Deutschlands auf den Welttuärklen Ht durch die Ruhrbesetzung außerordentlich verschlech­tert worden. Die Hausse, die an den deutschen Essel tenbörsen in Jndnstrieakticn herrscht, beweist nur scheinbar das Gegenteil. Denn diese ist nichts als eine unvollkommene Anpassung der Aktienkurse an die « arkentwertung. Man darf sich um die Kurssteige Hingen um zehntausend; von Prozenten nicht täu scheu lassen. Seihst bei densentgen Industricwerten. deren Kurs am stärksten gestiegen ist, ergibt sich eine SbichwäLmtg des Kurses, wenn man Um in Gold berechnet. Man nehme nur das Beispiel der Harpe- ner, dre bekanntlich der Favorit der Börse und des ul'ienkansettden Auslandes sind. Am 7. Dezember Pior der Harpener Kurs 61 500 bei einem Dollarkurs von 7390. Am 31. Januar standen Harpener auf l«n ooo, der Dollar auf 48 000. Während der Dollar kurs sich fast verstebenfachi halte, sind Harpener nicht einmal auf den dreifachen Kurs gekommen. Dieses P-eirpiel veranschottlichr gut die Entwickelung der deutschen Industrie seit der Rubrbesetzung, wobei über ^berücksichtigt werden mutz, daß die Kohlen schwierigkeiten noch nicht einmal begonnen baden. F rner iss tu bedenken, daß auch die Krirsstet gerun­gen, die eingetreten sind, zum größten Teil auf Auf- r?u«e des Auslands zuriickzuführen sind, das nicht die Erträgnisse der deutschen Industrieunternehmungen, sondern nur ihren Sachwertbesitz bewertet. Wegen des Zusammenbrllchs der freu Wb en Währung, der n*fi dem Urteil des Auslandes offenbar immer nicht den Tiesvunkt erreicht hat, fahren die ausländischen «arkbesiher fort, ihren Markdesitz in deutsche Sach­güter oder Effekten umzuwandeln. So ist erst in die­sen Tagen wieder eine englisch-deutsche Gesellschaft gegründet worden, deren Aufgabe der Erwerb deut scher Realwerte mit Markbeträgen, die sich in eng- l.schem Besitz befinden, fein soll.

Ob sich der Stur; der Mark aushalten läßt, muß

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angesichts der ganzen politischen und wirttchastlichen Lage Deuftchlands durchaus bezweifelt werden. Man sollte sich hüten, den Erfolg einer Regelung des De- disenhandel z>l überschätzen, hat man sich doch erst jüngst entschließen müss-n, eine ähnliche Zwangs­maßnahme. nämlich die Aufhebung des Bankgeheim­nisses und den Depotzwang wieder zu beseitigen, weil sich ergeben hat, daß der Schaden größer war als der zweifelhafte Vorteil. Andererseits haben sich gewisse Ausschreitungen der Ouefutatton und ein Angst- fieber des aus der Mark flüchtenden Publikums ge­zeigt, die tmmerhtn eine genaue Prüfung erfordern, wieweit diese beiden Erscheinungen gesetzlich bekämpft werden könnten. --------------

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Sie UpM In Wer.

Von Augenzeugen hört man jetzt nähere Einzel­heiten über das wüste Treiben der Spahis in Trier, wah­rend der letzten Tage der vergangenen Woche. Mit verhängten Zügeln und geschwungenen Säbeln durch­rasten die Wilden mit ihren roten Burnussen und dem kriegerischen Aufputz die Stadt und hieben wahllos auf alle Personen ein, die friedlich ihrer Wege gingen. Ob Greis, ob Weib oder Kind, ob Radfahrer oder Schupo­mann. alles, was sich auf der Straße befand, wurde attackiert Was hat das französische Oberkommando ver­anlaßt, die Eingeborenen Afrikas auf die Trierer Bevölke­rung loszulassen und ihnen die Einwohnerschaft einer uralten Kulturstadt für "die Betätigung ihrer wilden Instinkte freizugeben? In Trier war für die Zeit von Donnerstag bis Freitag Mittag vergangener Woche eine allgemeine Arbeitsruhe proklamiert worden zum Pro­test gegen die Verhaftung zehn höherer Regierungsbeam­ten. Am späten Abend des Donnerstag erließen die ftaa- zösischen Besatzungsbehörden eine Kundgebung, in der sie vor Demonstrationen und Ruhestörungen warnten. Ein eigentlicher Belagerungszustand ist also, was ausdrück­lich festgestellt sei, nicht verhängt worden. Trotzdem durchrasten von Donnerstag Nachmittag ab die Spahis pn voller Karriere die ganze Stadt, die infolge der Ar- beitsrtlhe in sonntäglicher Stille dalag und hieben aitf alle Bürger ein, die sich vor der wilden Schar nicht mehr rechtzeitig in einen Hausflur retten konnte. Auch ein weißes Offizier, der an der Spitze eines kleinen Svahis-Trupps ritt, betätigte sich mit der Reiüpeitäche an dem Gemetzel. Handlungen von gleicher Roheit und Brutalität wie hier, sind selbst im Kriege selten gewesen und hon deutschem M'.l'tär jedenfalls gewiß nie geübt worden. Dte französische Presse, die an die erlogenen Berichte deutscher Kriegsgreuel früher so von Meral triefende Kommentare anzuschließen verstand, sollte jetzt wenigstens den Mut aufbringen, Protest zu erheben g-gen die Untaten des eigenen Militarismus und gegen Maä Loslassen wilder Völkerstämme auf ein weißes, wehrloses Kulturvolk. Noch aber hat man keinen Ton der Mißbilligung aus dem französischen Blätterwald gebürt, dagegen haben bereits erfreulicherweise englische Mütter die Vorgänge in Trier als das bezeichnet, was sie sind: Eine Infamie und eine Kulturschande, wie sie bisher die Welt noch nicht gesehen hat!

Vortrag im Landgrasenhaus.

Vor einem dichtgedrängten Zuhörer kreis, der sich au- allen Bevölkerungsschichten zusammensetzte, sprach Don­nerstag Abend der Hilfsarbeiter im Preußischen Finanz Ministerium. Herr Dr. Raab überTie wirtschaftliche No - läge Dnilschlands, feine Zahlung--, F'nanz- und Wirt- sckaftsbilanz". Nach kurzen Begrüßungswvrten seitens des Herrn Geh. Rats Prof. Dr. Troeltsch wies der Red­ner, ein noch jungu Mann, eingangs seiner Ausführun­gen auf die große wirtschaftliche Not hin, die jeder einzelne am eig-nen Leibe und der eigenen Seele verspüre. Vor allem komme es darauf an, die Ursachen dieser Not ken­nen zu lernen. Geldvermehrung, Preissteigerung und Geldentwertung seien die Anzeichen, aber durchaus nicht die 'Ursachen unserer-tfchastlichen Not. Er verglüh die Volkswirtschaft mit einem kranken Menschen, der da­durch aus dem Gleichgewicht gebracht werde. Um die Krankheit zu heilen, müsse man auch hier den Ursachen nachspüren. Als Störung des Gleichgewichts bezeich­nete es der Redner, wenn die Bedürfnisse des einzelnen, wie auch des Staates, der Länder und der Kommunen nicht mehr erfüllt werden. Beispiele seien die Fehlbe­

träge tont Staatsaushalt an bis zur kleinsten Gemeinde Es käme bann als Folge die zusätzliche Kauflrast, das heißt, die Vermehrung des Geldumlaufs ohne Vermeh­rung der Güter, die dann eine Preissteigerung und Ent­wertung des Geldes gegenüber dem Auslande bedinge, ohne daß an sich eine Störung der Wirtschastsbilan; vorhanden zu fein brauche. Wie der Redner in feiner, weiteren Darlegungen zeigte, könnten die Störungen der Finanzwirtschast aber auch noch tiefere Ursachen haben. Er meinte die erhöhten Zahlungen für Leistungen an das Ausland und schließlich die Reparationszahlungen. Auch die mutmaßliche spätere Zahlungsfähigkeit spiele bei der Bewertung unseres Geldes im Auslande, wie wir es ja täglich schmerzlich spürten, eine Rolle. Wenn ich dir Unterbilanz bis iuS Unendliche steigere, helfe nur die größte Sparsamkeit und allergrößte Vermehrung der Gütererzeugung. Schon im Jahre 1921 zeigte sich, so bewies der Redner an ziffernmäßigen Beispielen,-daß die Erzeugung von Gütern sich lange nicht den Bedürfnissen angepaßt habe. In 1922 sei es jedenfalls, die Abschluß- zifsern lägen noch nicht vor, noch viel schlimmer. Gerade wie beim einzelnen Haushalt eine Bermögensbilanz ge­macht werde «der festgestellt mürbe, ob die Einnahmen gegen die Ausgaben zurückgeblieben, so müsse es auch bei der Volkswirtschaft gehalten werden. Im Jahre 1913 bezifferte sich, so führte der Redner aus, das Ge­samtvermögen in Deutschland auf 376 Milliarden, der Arbeitsertrag auf 42 Milliarden Goldmark. So stellte sich damals das wirtschaftliche Gleichgewicht dar. Von 1914 bis 1918 hat sich nun das volkswirtschaftliche Ver­mögen ganz gewaltig verringert. Es betrug am Schlüsse des Jahres 1921 rund die Hälfte Goldmark. Auf diesem lastet dann noch eine Reparationsschuld von 132 Milliar­den Goldmark nur der Rest ist unser Eigentum. Der Gesamtwert der Arbeit läßt sich nach dem Kriege noch nicht feststellen; man berechnet den Ausfall auf zusammen 40 Prozent, also höchstens 22 Milliarden Goldmark. Die Ursache dieser Kapitalsverminderung liegt in den Kriegsausgaben, die zur Hälfte wieder hereingc kommen sind, den Beihilfen für unsere Hilfsvölker, die wir nicht wieder bekamen, der Kapitalstucht, dem Güterverkauf an das Ausland usw. Ein trübes Kapitel zeigte der Verbrauch des einzelnen Menschen in 1921. Aus den Ausführungen ging hervor, daß abgesehen von öen- jen'gen, die sich die Not der Gesamtheit zu Nutze machen, die anderen furchtbar einschränken müssen und die Ein­künfte der Festbesoldeten den 5. bis 10. Teil des Gold- ;tnb Kaufwerts ausmachen wie in 1913. Am besten sind noch die ung -lernten Menschen weggekommen. Heute sind die Verhältnisse bekanntlich noch ungünstiger. Als einz-'ges Mittel Abhilfe zu schaffen, bezeichnete der Redner die Erzeugung ins Ungemessene zu steigern und den Ver­brauch roch weiter einzuschränken. Daß dies bei der Masse kaum noch möglich fein dürfte, ist bekannt. An den fast zweistündigen Vortrag, der die gespannteste Aufmerksamkeit fand, schloß sich eine Aussprache.

Handels- und Marktnachrichte».

Berlin, 2. Febr. Produktenbericht. JiH Zusammenhang mit den SchwankMg.n am Devisenmarkt war die Unternehmungslust im Pröduktenhanoel gering. Die Preisforderungen zeigten teilweise Ermäßigungen^ die Umsätze waren ziemlich eng begrenzt. Für Weizen wurden etwas niedrigere Preise bezahlt. Roggen toat' wenig verändert. Von Gerste war Brauware gesucht; auch von selten der Graupenmüllerei zeigte sich Nach-, frage. Hafer stellte sich verhältnismäßig billig. Mai» hatte ruhiges Geschäft,' für den Märztermin war das Angebot größer. Weizenmehl war aus zweiter Hand dringend angeboten. Für alle anderen Attikel zeigte sich wenig Interesse. *

Frankfurter Börse vom 2.Febr. Die Börse er­öffnete heute infolge der leichten Entspannung auf dem Devisenmarkt uneinheitlich mit leichter Neigung zu Ab­schwächungen, vermochte sich aber später wieder etwas zu befestigen. Auf dem Msntanmarkt tagen oberschle­sische Werte fest, rheinisch-westfälische durchweg behaup­tet. Gelsenkirchen 94 000 (plus 3000), Buderus unverän­dert 45 000, ebenso Rheinstahl 80000 Phönix 80000, Luxemburger 85 000 (minus 8000), Der Kalimarkt ver­kehrte leicht abgeschwächr. Auch der Ehemiemarkt mußte sich vereinzelt zu nennenswerten Abgaben verstehn. Griesheim 35 000 (minus 6000), Elberfelder 35 900 (minus 7000), Scheideanstalt 50000, Höchst 33 000 (nun. 5000). Der Maschinenmarkt lag verhältnismäßig iest, wohl infolge der Gerüchte von bevorstehenden Verschmel­zungen in der südddeutschen Motorenindustrie (Benz- Baimler). Kleyer 22000 (plus 1000), Daimler 22000, Der Elektromarkt gab erheblich nach. Auch die Zucker- werten büßten merllich ein. Frankenthal 25 000, Rhein­gau 26 000. Schissahrtsaktien verkehren fest. Paket 86 000 (plus 2000), Llovd 50 000. Bankaktien schwächer Nur deutsche Effekten- und Wechselbank gesucht. Deutsche Fonds lagen zunächst schwach, später gebessert. Der Frei- verkehr neigte anfänglich zu Abgaben und war recht schwach. Auf dem Valutamarkt war die Sage unein­heitlich. Ungar Gold 49 000 (plus 9000). Zolllürten 43 000 (minus 3000), Bagdad II 40 00. Dev'sen: Brüs- cl 2000. Holland 15 090 London 186 500. Preis 2360. Schwei; 7500, Spanien 6150, Italien 1870, Dänemark 7537V», Norwegen 7400, Schweden 10 600, Newyor! 40 050.

Frankfurter Viehmarkt vom 1. Febr. Auf­trieb 8 Ochsen, 4 Bullen, 36 Färsen und Kühe, 420 Käl­ber, 246 Schafe und 418 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendg wicht: Kälber feinster Qualität 130 000 bis 150 000 Mark, mittlere Qualität 110 000 bis 130 000 Mark, geringere Qualität 90 000 bis 100000 Mark. Schafe 75 000 bis 130 000 Mark, Schweine unter 80 Kilo 150 000 bis 190000 Mark, von 80 bis 100 Kilo 190 000 bis 200000 Mark, von 100 bis 150 Kilo 290 000 bis 220 bOO Mark, über 150 Kilo 210 000 bis >30000 Start Der Marti verlief langsam, Schweine hinterließen Ueberstand.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Frankfurt a.M 31. Jan. Wie uns von der Eisenbahndirektton mitgeteilt wird, findet nach einem Abkommen mit dem französischen Obcrkommissar bei der Rheinlandskommission auf den P.rsonenzüg.n der Streck: FrankfurtDarmstadt keinerlei militärische Untersuchung der Reisenden mehr statt. Infolge Eingriffes der Be­satzung ist der Gesamtverkehr nach und durch Mainz ge­sperrt. Aus gleicher Ursache zur Vermeidung völliger Betriebsstillegung im Bezirk Essen sowie zur Verhütung der Verstopfung der Zufuhrstrecken ist die Annahme aller Güter nach und durch den Bezirk Essen vorübergehend gesperrt. Ausgenommen von letzterer Sperre sind Lebens­mittel sowie Kalk und Kalksteine für Hochöfen, soweit Empfangsstationen nicht stilliegen. Dienststellekt erteilen nähere Auskunft.

Cjlabt (Oberhessen), 31. Jan. Die hiesige Wald- jagd wurde zu einem jährlichen Preis von 5 700 000 Mark an einen Frankfurter Herrn verpachtet. Der bis­herige Pachtpreis betrug jährlich 4000 Mark.

Aschaffenburg, 31. Jan. Zur Anerkennung für die mustergültige Haltung des Industriellen Fritz Thyssen und seiner ganzen Arbeiterschaft wurde laut Beschluß des Stadtrates die an der hiesigen Zweigniederlassung der Firma vorüberziehende StraßeFritz Thyssen-Straße" benannt.

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Äuitt. Broich. S£r.25 gegen Einsendung von 500 Mk. ^8» Ippez. firzi Dr.Sollaencters I

Frank «rt a.M., Bethmannftrane 56. (8886

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Sauerstoff-Fratz, der gefährlichste Feind ver WSschel Unersetzliche Werte birgt gegenwärtig der Wäsche­schrank, desha'll ist die Hausfrau setze besorgt, dessen Bestand so Vie! wie möglich zu ermatten. Vor allem ist Vorsicht geboten beim Einkauf von Waschmtttcln, denn die sogenannten ^selbsttätigen- enthalten Bleich- und Sauerstoffsalze, welche nachgewiesenermaßen die Wäsche auf die Dauer zermürben und Löcher in die­selbe fressen Zur Reinigung der Wäsche darf man daber nur ein mild wirkendes und doch schinutzlSien- des Seifenpulver nehmen, welches frei von zersetzen­den Bleichmitteln ist; vor allem besitzt das ©elfen* Pulver Schn-°könig diese Eigenschaft. Folgende Be­

handlung wird empfohlen: Die Wäsche über Nacht in eine Lösung von Rotstern-Bleichsoda einweichen. Andern Tags löse man ein Paket Seifenpulver Schneekönig in 2 Liter heissem Wasser und giesse dann noch etwa einen Eiinel lauwarmes Wasser hinzu und ivasche die>che in dieser Löiung hernach warm uachwafchen und mit kaltem Wasser gründlich nach- spülen.

(Nachdruck verboten.)

Ter Meq der Schwester Hanna

Roman von Viola Landt. .-r-'

4. Fortsetzung - ?

3. Kapitel

Pünktlich um sechs Uhr trafen sie sich vor einem Seiteneingang. Herr von Rosenow trug Zivil; auch Hanna hatte ihre bürgerlich« Kleidung angelegt, sie er­schien in einem leichten, meerblauen Batistkleid und einem dunklen Schäferhut mit einer weißen Rosen­ranke. Es war den Schwestern untersagt worden, sich in ihrer Tracht in einem Tbeater zu zeigen.

Joachim von Rosenow erkannte sie anfangs kaum wieder in der Zivilkleidung, schließlich löste sich sein Staunen in heißer Bewunderung auf; sie sah bezau- bernd aus in der duftigen Sommerkleidung. Er hatte Karten besorgt für die Oper.

Es wird Carmen gegeben,^ kennen Sie die Oper, Schwesters

Sie schüttelte langsam den Kopf.Ich bin ia arm, Herr von Rosenow", sagte sie in rührendem Freimut, für teure Theaterplätze kann ich kein Geld erschwingen. Ich verdiene jetzt 29 Mark im Monat, davon werden uns noch die Steuern abg^ogen." Jetzt lachte sie fröhlich.

Ec lachte mitDas ist ja ein fürstliches Ein­kommen."

Im Theater hatte « Gelegenheit, sich ihrer nn- verdorbenen Frisch« und Aufnahmefähigkeit zu er­freuen. Hingerissen verfolgte sie die dramatische Hand­lung, berauschte sich an den prickelnden Märschen am sausten Fluß der Melodien, betrauerte den tragischen Untergang des Helden, in jeder Fiber ein aufmerk­sames und dankbares Publikum. Er staunte, welch« hold? Naivität

Wo ei w.r i gend.vo essen?" fragte er nach Sch b der Vorstellung. .

Sie sah ihm zerstreut noch ganz betäubt ins Ge­sicht Nach einer Weile sagte sie hastig:Nein, atb nein, um 11 Uhr muß ich im Hospital sein, sonst gibt es einen Heidenkrach."

Er brachte sie heim. Mtt herzlichem Händedruck trennten sie sich. Von jetzt an sahen sie sich an jedem Mittwoch, und ihre freundschaftlichen Gefühle mit­einander blühten immer wärmer auf, und schließlich, als Joachim von Rosenow von dem bepoirstehenden Abschluß seiner Uebung spracht da verstummten sie beide in Trauer und Trennungsweh, da wußten sic plötzlich von der Wandlung dieser Kameradschaft in Liebe. >

Sie werden mir öfters schreiben, Schwester Hanno, nicht wahr?" bat Joachim in weichem Ton. Ich kehre nach Rosenow-Berenberg zurück.

Ich weiß nicht... wenn ich Zeit habe..."

Natürlich haben Sie Zeit Anfangs erwartet mich viele Arbeit, später, denke ich, werde ich zuweilen in die Stadt kommen können."

Plötzlich hob sie jäh den Kopf.Nein, ach nein, kommen Sie nicht wieder. D'eser Frühling war schön, nun ist er zu End«. Vergessen Sie mich,,! Leben Sie wohl!" Sie rang sich los itnb lief davon

Mit ein paar Sähen holte er sie ein. ,Holla... so gebe ich Sie nicht frei. Was ist das für eine Art und Weise, Sie Schwester, so hören Sie doch. Sie wissen doch, daß ich Sie lieb habe."

Das Wort war gefallen. Sie sah ihn an mH einem unbeschreiblichen Ausdruch dann schüttelte sie schwei­gend, ganz ((infam und abwehrend den Kopf.

Er schob seinen Arm in den ihrigen und zog sie in die Schatten einer Kastanienallee. ,Hanna, meine süße Hanna."

Si: rang mit Himmel und Hölle, bis ihre Vernunft siegte.

,^>ch bin ein kleines BürgerinDchen. ,. kaum ein­mal das... und Sie ein hochgeborener Herr."

Ein Kugel bist du... Was geht mich dein«

Herkunft an. Ich werde dir ein Brokatkleid anziehen, dann bist du die allerschönste Prinzessin."

Was sind das für unvernünftige Sieben?" Sie lächelte schwach. Und dann duldete sie es doch, daß er ihren Mund küßte, diesen süßen, schwellenden Mnnd...

Mein Lieb..."

Joachim!"

Es siegte die Uebermacht der Liebe. E i NtMsck'lun- ggen standen sic Beteinanber. ♦eriHmmt. l»e'strickt in Weh und Glüch Zwei ratlose, jtoci selige junge Men­schenkinder«.

4. Kapitel

Herr von Rosenow auf Rosenow-Berenberg durch­blätterte die Morgenpost, Zeitungen, Offerten, Rech­nungen, BettlbriefL...

Mötzlich leuchtete sein Äuge auf. Ah, da war der Umschlag aus Büttenpapier mit der Grafenkrone Er öffnete bedächtig, lchnte sich zurück in den Korbsessel und las aufmerksam, mit Spannung und freudigem Interesse. Dann klingelte er den Diener herbei.

9(6 lasse meinen Sohn zu mir Bitten."

Jawohl, gn obiger Herr."

In diesem Augenblick kam Joachim die Stufen zur Terrasie herauf. Er war im Reitanzug und kehrte gerade vorn Morgenritt heim, ein Bild von Frische und Kraftbewußtsein. Glutende Röte lag auf seinen Wangen.

Ah, das ist gut, ich habe mtt Dir zu reben. Setz dich. So. Wir werden morgen Gäste haben."

Morgen? ... Ach, das ist dumm, Papa. Ich wollte gerabe auf zwei Tage in die Stadt fahren."

Ein Unmutsschatten flog über die Stirn des alten Herrn.

Schon wieder? Das geht nicht. Was gibt es nur immer in der Stadt zu tun? Höchst merkwürdig.

Einige Regimentskameraden werden abgeleiert. Die Herren gehen ins Ausland, Papa."

Wichtigtett, Nee, mein lieber Junge, diesmal bitte t& sich meinen Wünschen zu fügen. Die Gräfin von

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der Lüthe kommt morgen auf einige Tage zu Besuch mit der Komtesse Olga."

Unb du glaubst, mich nicht entschuldigen zu kön­nen bei den Damen?" Joachims Stimme Lang plötz­lich müde und gepreßt.

Ausgeschlossen, mein Junge. Du bist doch die Hauptperson."

Wer... ich?"

- Der alte Herr strich mehrmals seinen dunklen Voll­bart, der chm wie ein Rechteck auf die Brust herab­fiel und drehte die mattrofa Perle im Selbstbinder. Da wären wir bei dem Punkt angelangt, über den ich mit dir sprechen möchte." Sein sonst so strenger Ton-j fall erhielt einen Schimmer von Wärme, von ruhigem väterlichem Wohlwollen.Du bist jetzt achtundzwan­zig, lieber Joachim. Es ist Zeit, daß du an eine Ehe denkst. Wie?... Sagtest du etwas?"

Nein, nichts, Papa."

Warum diese abweisende Mene? Scheinst wohl keine Lust zu haben, tote?"

Offen gestanden, Papa... und mir scheint, b* willst auf Komtesse Olga hinzielen."

Allerdings."

Langes Schweigen.

Dann erhob sich Joachim hastig.Nein Pap<^i gib dir keine Mühe, das wäre ganz ausgeschlossen." (Fortsetzung folgt.)

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cie Schokolade

der Anspruchsvollen! |