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lierhesßsche Mnntj

Zweites Blatt

Nr. 23

Sonnckbend, 27. Januar Sertmtg 1923

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Er hatte während dieser Tage wie ein Spürhund aus Sophie Adrianownas Fährte gelegen und sich endlich viderstre-rnd von der Fanhtlosigkeit aller seiner Be- irühungen überzeugen müssen. Die Gräfin war nicht ins Hotel zurückgekehrt. Das Dedektivbüro am Ste. Phansplatz hatte nirgends eine Gräfin So lupeff zu et- Mitteln vermocht.

Die Gräfin Solutzeff war verschwunden, war «tilge-

löscht.

Weil ich die Schalheit dieses Lebens nicht 15»- Ser zu ertragen vermag"

Mellenheim riß seine Augen von dem flammenden Himmel los und sah überall hilflose schräggeneigt, Buchstaben, di« in glühender Schrift auf die fleckig, Tepete gemalt waren.

Gegen 6 Uhr kam Meiner. Er wohnte jetzt am ^'üudelmarkt und erschien täglich um dieselbe Äunde i t der Glockengasse. Vielleicht wurden seine Besuch, zum Teil durch die Hoffnung auf die Einladung zum dirchunahl veranlaßt.

Dar Büro hat heute in der Frühe im Hotel an, kaufen", sagte er. Ich sollte dich zu fassen suchen ; L<M!"

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L Melle ichcim forschte unruhig ix MeinerS Gesicht.

WIrtlAstlIA MchmderM

Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbefter.

ip Das Ringen im Ruhrgebiet, das angeblich kein Krieg Ann soll, aber von französischer Seite mit allen Mit- ^[n militärischer Gewalt geführt wird, dauert unver- Lndert an, ohne daß der Höhepunkt schon erreicht ist Die Entscheidung dürste vielmehr erst fallen, wenn die Fran­zosen ihren Plan einer wirtschaftlichen Absperrung des Kuhrreviers und der Errichtung einer Zollgrenze nach dem vnbcsetzten Deutschland hin durchzusühren versuchen wür- fcn. Denn das ursprüngliche französische Projekt. Lurch den Druck des eingHrungenen Militärs die Ruhrzechen zur Auslieferung ihrer Kohlenproduktion an Frankreich zu zwingen, kann heute schon als gescheitert angesehen wec- ben. Die tapfere und geschlossene Abwebr der Industriel­len, der Arbeiterschaft und der Beamtenschaft hat dazu geführt, baß die Franzosen trotz ihrer Tanks, Kanonen und Bajonette auf Granit beißen mußten. Sie weroen jcht mit dem Mittel der Zvllabjchnürung das gleiche Ziel zu erreichen sich bemühen und der Kamps um die Kohlen muß fortgesetzt werden. Inzwischen ist es auch ganz klar geworden, wohin die Absichten Poincares und der ihn stützenden französischeü Großindustrien eigent­lich gehen. Diese wlll nämlich offensichtlich einen Teil der rheinisch-westfälischen Industrie in ihren Besitz brin­gen, und zwar in dem veKtzten lintsrh'inischen Gebiet sogar die Mehrheit der Anteile. Den deutschen Industrie! len und besonders der rheimsch-westsälischen.Großin­dustrie sind von französischer Seite mehrfach Anerbietun­gen gemacht worden, die auf eine Abtretung eines Teils des Aktienkapitals an Frankreich hinauslouken, wa- die Franzosen dannfranzösisch-deutsche Zusammenarbeit" nennen. Auch der neue Reparationsplan Poincares gipfelt in einer solchen Abtretung eines Teiles der deut­schen Jndustrieanteile. Die Absicht des Gegners ist also jetzt klar, aber die. deutsche Großindustrie ist entschlossen, ihre Unabhängigkeft mit aller Kraft gegen die französischen Raub-gelüste zu verteidigen. Sie darf oabei auf die ein Niütgie und kräftige Unterstützung der Arbeiterschaft rech­nen, deren Interessen ebenio oaec noch schwerer bcdrobr sind als oie der Industrie. Das ganze deutsche Volk, fast ohne Unterschied der Parteien, hat durch die Begeisterung und Opferwilligkeit. mit der es die Unterstützung oder Schadloshaltung de: Opfer der ftanzösischen Gewalt- ' tätig-eiten un Ruhrg biet auf sich genommen bat, bewiesen

daß es die Sache der Rubrzechenliesitzer und der Ruhr- terfl(eute als die seine betrachte. Milliardensumnirn werden von dem so rerarmten deutschen Volke für diesen Zweck aufgebracht werden, weil überall die Erkenntnis wach ist, daß ein Gelingen der ftanzösischen Anichlägc gegen den wertvollsten Teil der deutschen Industrie die ganze deutsche Volkswirtschaft in ihrer Existenz bedroieu dnd Etenjd und Hunger übet viele Millionen von Deutschen bringen müßte.

Es genügt natürlich nicht, daß die deutschen Ver­teidiger ihres Eigentums sich auf die passive Abwehr der ftanzösischen Angriffe beschränken, wenn diese auch bish r nicht erfolglos geblieben ist. Die deutschen Jndustrie- » führet sind vielmehr entschlossen, auch ourch aktive Ge- g.-nzüge auf wirtschaftlichem Gebiel den französischen Maßnahmen so entschieden wie irgend m.glich eru- g gcnzuarbeiten. Ein solcher Gegenzug war bereits der Abschluß eines Kohlenkrrditabkommens mit engiisch.w Finanzkreisen. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der deutschen Industrie würde nach der Abschnürung her Rubrgebiets mit deutscher Kohle versorgt werden könn" Die ostdeutsche Industrie, insl>esonüere die Schlesiens würde allerdings ausreichend Kohlen aus Oberschlesien erhalten. Ein Teil Sachsens kann aus dem Zwickauer Gebiet beliefert werden. Süddeutschland, Thüringen u:0- anderen Teilen Sachsens will man versuchen, tschechische Kohle zuzuführen. Das übrige Deutschland aber w'rc aus englische Kohlen angewiesen seien-, deren Preise in- solge der gleichzeitigen Kohlenaufkäuse Frankreichs uns einiger neutraler Länder in England sehr hoch sein wer­den. Die Versorgung der deutschen Eisenindustrie a»ß-r- halb des Ruhrgebietes in Oberschlesien wird sich aus- diesem Grunde recht schwierig gestatten, sodaß mit Be­triebsstillegungen gerechnet werden muß. Ein noch wich­tigerer Gcgenschlag der deutschen Industrie bedeutet der

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(Nachdruck verboten.)

Die Abenteuer des Grafen Mellenheim.

Roman von Gertrud v. Brockdorff, krpyrighi Hy August Scherl G. m. b. H. Berlin 1922.

54. Fortsetzung

Zu spät! Zu spät! Julie hatte vergebens ge-

hadeii Kuich it vep reiten, eint rzeich. [e an >r «it geb«

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fcartd. Mrs. Campbell würde ihr en Aufenthalt in r Wien nicht so lange verlängern, bis es dem Grafen I Mellenheim einfiel, seiner Braut Nachricht zu geben. 1 Ec setzte sich müde ans Fenster und blickt- mit oerschlri- \ rr-en Augen in das rosige Leuchten des Sonnennater-

Abschluß langjähriger Liefernngsverträge mft den schwedi­schen Erzgruben und die gleichzeitige Aushebung aller Verträge mit den lothringischen Erzgruben durch die rheinisch-westfälischen Hüttenwerke. Man ersieht hieraus, daß der entbrannte Wirtschaftskrieg auf beiden Seiten mit größter Erbitterung geführt wird.

Das Ringen im Ruhrgebiet beherrscht naturgemäß auch die deutschen Börsen. D> Devisenkurse schwanken, nachdem si« einmal durch die Nuhrbesctzung neue Rekord­höhen erreicht haben, hinauf und hinunter, je nach den Aussichten dieses Ringens und ihrer Beurteilung durch die internationale öffentliche Meinung. Aber nicht nur die Mark ist ein Spielball der internationalen Spekula­tionen geworden, sondern auch di- deutschen Eftetten unterliegm der gleichen Abhängigkeit. Gewinnen wir den. jetzt entbrannten Entscheidungskampf nicht, so ist für uns alles verloren.

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An Erlaß des ReichMrtMMMers.

Berlin, 25. Jan. Der Neichswirischaftsmtnister Hai heute folgenden Erlaß an den RetchSkommissar für Ein- und Nnsfuhrbewtlltgung ergehen lassen:

Durch die Verordnung 133 der Jnteralltterten Rhetnlandkornmtssion sind die aus Ausfuhrgeschäften stammenden D -vifen, welche auf Grund der Vor­schriften der Aussuhrbemilligungsstelle vom Expor­teur über die Banken des besetzten Gebietes an die Reichsbank abzuliefern sind, einseitig zugunsten der Besatzungsmächte beschlagnahmt worden. Unter Be­zugnahme auf den Erlaß der Reiclisregierung und der Landesregierungen Preußens, Baverns, Hessens und Oldenburgs vom 20. Januar weise ich darauf hin, daß diese Verordnung der Rheinlandkommtssion rechlsunwirksam ist. Demnach tritt keine Aenderung in der Verpflichtung der Exporteure ein. die Export depisen in der chrorgeschrieb-nen Höbe der Reichsbank in Berlin zuzuleiten, welche dieselben dringend zur Deckung des Dcvisenb-darfs des Reiches, insbeson- dcre zur Durchführung der für die Volksernöhrung unerläßlichen Getreide-Etnfuhrcn. benötigt. Werden die Pslichtdeviseu nicht der Rcichsbauk zugeführt, bleibt also die Debtsenablieferiuigspflicht unerfüllt, dann treten die an die Nichterfüllung der Ausfubr- bedingsngen Mkuüvften Folgen ein. Durch die gleiche Verordnung nimmt die Interalliierte Rhetnkandkom- misston das alleinige Recht zur Erteilung der Ein- i-nd Ausfuhrgenehmigungen für das alt- und neu- besetzte Gebiet in Anspruch. Sie behält sich ferner durch Verordnung 135 die Regelung der Außen­handelskontrolle nach eigenen Bestimmuugen vor. Auch diese Maßnahmen sind nach dem ovigen Erlaß ungesetzlich. Die aus ihrer Grundlage erteilten Aus- und Einfuhrbewilligungen sind unwirksam. Demnach wurden die Zollstellen des besetzten wie des unbe­setzten Gebiets angewiesen, alle nach dem 23. Januar 1923 erteilten Bewilligungen des Dussubramtes Ems oder einer anderen Bewilligungsstelle der Interalli­ierten Rbeinlandkommission nickt anzuerkennen. Be­rechtigt zur Erteilung von Aus- und Einfuhrbewilli­gungen, auch für Firmen des alt- und neubesetzten Gebietes, sind infolgedesien nur noch der Reichskom- missar für die Aus- und Einfuhrbewilligung und die ihm unterstehenden BeivilligungLstcllen, gleichviel, ob Ware aus dem alt- oder nenbeietzten oder aus dem unbesetzten Deutschland auSgeführt oder dahin etnge- 'ühxji werden soll.

Marbum und Umneaenb.

Marburg, 27. Januar (Hartung).

* Von den Marburger Kriegerver­einen. Am 25., abends, versammelten sich die Ver- treter der sechs städtischen Kriegervereine, um die Ge­schäftsführung des Jahres 1923 vom Verein ehe­maliger Kavalleristen an den Krieger- und Landwebr- verein zu übergeben, der hiermit für vas lausende Jahr die Leitung der gemeinsamen Angelegenheiten übernimmt. Zilgleich wurde über den 3. Krieger- , abend am 18. Januar 1923 berichtet. Von der Ein­nahme konnten rund 23 000 .H den Kriegerwatsen- hätksern überwiesen werden. Sodann beschloß die Arbeitsgemeinschaft der städtifcken Kriegervereine 15 000 M zur Unterstützung der im Ruhrgebiet für deutsches Recht und für deutsche Arden ringenden

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Ec ist vor vier Tagen eine weibliche Leiche bei Nußdorf angeschwemmt worden"

Mellenheim begann zu zittern.

, M-s io!I das heißen? fragte er kurz und rauh.

Tic Leich ha einen schwarzen Pelzmantel an« gehabt, in dem Papiere auf den Namen Gräfin Sophie Solutzeff gesteckt haben.

Mellenheim sagte nichts, sein Gesicht war alt und grau.

Man meint, daß die Gräfin sich beim Spa­zierengehen vielleicht auf das Randeis der Donau hin abgewagt hätte"

Meiner vermochte nicht weiter zu sprechen.

Sag' doch ein Wort, Poldl!"

Mellenheim lächelte. Meiner erschrak vor diesem Lächeln und blickte scheu zur Seite.

Die roten Sonnenstrahlen verblaßten. Kinderstim-- meu riefen unten auf der Gasse.

Nach einer langen Pause sagte Meiner:

»Ich bin ja morgen früh um sechs Uhr mit meinem Dienst zu Ende. Wenn es dir recht ist, können wir dann nach Nußdorf"

Mellenheim schwieg noch immer.

Poldl!"

,Laß! Laß! Ihr meint es grftl. über was wißt Ihr? Was wißt ihr eße?"

Meiner fragte schüchtern:

Willst du lieber allein fahrend'

Sc ich will allein fahren! Allein! Allein!

Allein!"

Es Vang wie ein Schluchzen. Meiner ging schwei­gend an§ dem Zimmer.

Mellenheim fuhr im Morgengrauen zu der großen Blurnenhandlung in der Kärntnerstraße, deren Schei­ben an jenem Dezemberabende zertrümmert worden waren. Ein ungeheurer, weißer Fliederstrauß blühte hinter dem-erneuerten Kristall.

Mellenheim stand in dem soeben geöffneten Laden einem verschlafen aussehenden jungen Manne gegen­über und erklärte, den weißen Strauß kaufen zu wollen.

Arbeiter sofort zu spenden. Mit Snnnnenetnhett wurde solgendr Kundgebung angenommen: .Die beute abend versammelten Vertreter der sechs städti­schen Kriegervereine Marburg blicken mit Stolz auf die deutsche Arbeiterschaft des Ruhrgebietes und deren Fübrer. Sie tofffen sich im Geiste mit ihnen im mannhaften, unbeugsamen Widerstand gegen die Vergewaltigung durch die Franzosen und Belgier. Sie stehen geschlosien hinter der ReichSreglerung und sprechen thr das Vertrauen aus, deutsches Recht und deutsche Arbeit gegen rohen Eingriff nachdrücklich zu schützen. Den im Ruhrgebiet ringenden Arbeitern und deren Führern unseren kameradschaftlichen Gruß!' Diese Entschließung wurde dem anwesenden Vorsitzenden des KreiskrtegerverbandeS übergeben, der ste, zusammen mit den cingetroftenen Kundgebun­gen der ländlichen Vereine, dem Reichspräsidenten, dem Reichstag, dem Kriegerbund zustellen wird.

* Richtpreise für Zimmer für Aus­länder. Der Marburger Hausstauenveretn gibt im Anzeigenteil der beuttgen Nummer bekannt, daß Richtpreise für Zimmer für Ausländer eingeführt sind.

* Das Verbot des Jungdeutschen Ordens aufgehoben. Die Nationalliberale Korrespondenz vom 22. Januar schreibt: Wie uns Herr Reichstagsabgeordneter Rechtsanw. Kempkes, der Vertreter des Jungdeutschen Ordens beim Staatsgerichtshof in Leipzig, mttteilt, hat der Staatsgerichtshof in seiner nicht öffentlichen Sitzung am 20. Januar das Verbot des Jung­deutschen Ordens aufgehoben. Wir freuen uns, daß durch die energische Mitarbeit des Vertreters der D. V. P. ein Verbot aufgehoben ist, das in weiten politischen Kreisen, nicht nur unserer Freunde, als einfach unverständlich angesehen tvor- den ist mit Rücksicht auf die gemäßigten Ziele und die durchaus nicht verfassungswidrigen Bestrebun­gen des Jungdeutschen Ordens. Hoffentlich zieht Herr Severing, der in der letzten Sitzung des preu­ßischen Abgeordnetenhauses noch das Verbot mit allen Mitteln zu verteidigen suchte, aus dieser Ent­scheidung die erforderlichen Konsequenzen und sorgt dafür, daß sein Ministerium und die ihm unter­stellten Organe nicht wieder in blindem ilebereifer derart bedenkliche Entscheidungen treffen, die nur geeignet sind, den inneren Frieden, dessen wir so dringend bedürfen, zu stören!

He^en-NaNau und Nack-bargebiete.

Siegen, 24. Jan. Vor einer Konditorei gerriet der 14 jährige Erich Jüngst mit seinem Freunde, dem ISicfrioen Al'red Bode in Streit, in dessen Verlaufe her jüngere seinem Kameraden mit einer Zaunlatte direkt übe' den Kopf schlug, daß der Verletzte kurz nach der Aufnahme in das Krankenhaus verstarb.

Dillenburg, 24. Jan. Bei Beil stein geriet der Fuhrmann Wilhelm Weber unter die Räder seines mit Steinen schwer beladenen Wagens. Er- wurde da­bei so schwer verletzt, daß er nach wenigen Augen­blicke: verschied.

Frankfurt (Main), 24. Jan. In der Börne- straße stieß ein Lastauto mit einem Straß nbaha- wagen zusammen, wobei der Wagenführer lebensgefähr­lich verletzt w-'rde. Beide Wog» wurden echeb'ich be­schädigt. Die Polizei nahm ht den letzten Tagen zahlreiche Verhaftungen von solchen Personen vor, die Me allgeaenstände, Hausfchlld-er, Dachrinnen, Tor- gitter. gnßeisesre Teckel usw. gestohlen hatten. So verhaftet-- sie heute früh am Ostbahnhof zwei Personen, die in bet vergangenen Nacht bedeutende Mengen von Dachrinnen geftohlm hirttnij. Hausnummernschilder­diebe wurden ihrer sieben festgenommen. Die Stabt- Verordnetenversammlung nahm am Dienstag einstim­mig einen Antrag an, der die Redezeit der einzelnen Fraktionsrednerr auf 15 Minuten beschränkt. Das war die Theorie. In der gleiche» Sitzung gesittete

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Es ist leider der einzige Weiße Flieder, den wir vorrätig haben, mein Herr. Darf es irgend etwas an­deres fein?"

Ich möchte den Strauß au8 dem Fenster!" sagte Mellenheim mit trockenen Lippen.

.Ich tue es ungern, mein Herr. Ich zerstöre die Dekoration"

Mellenheim zuckte die Achseln und warf dem An­deren einen gehässigen Blick zu.

Der juntze Mensch, der Mellenheim für einen Aus­länder hielt, lächelte nachsichtig und nahm den Strauß aus dem Fenster.

Dtelleuheim zahlte in Dollars, den Dollars der Gräfin Solutzesi.

Wie lächerlich das Leben war! Sophie Adrianowna hafte ihren Hochzeitsschmuck verkauft, damit Leopold Mellenheim weißen Flieder auf ihr Grab legen konnte.

Sophie Wrianowna mußte sterben, damit ein an­derer lebt.

Mellenheim schüttelte den Kopf. Er begriff es jetzt, daß Menschen durch Herumgrübeln auf einem einzigen Punkte zum Wahnsinn gelangt waren.

Er fuhr nach Nußdorf hinaus und trug seine blühende Last durch dünnen Schwee, der vom jäh der« dunketten Himmel wehte.

Ein Mann war am Ufer des Flusses mit dem Hacken des Randeises beschäftigt.

Mellenheim näherte sich und fragte nach der Frau« euleick-e» die vor fünf Tagen angetrieben sein sollte.

Der Mann wurde gesprächig. Tie Leiche hätte am dritten Tag auf den FrittVos geschafft werden müssen. Sie wäre zuvor photographiert worden.

Er betrachtete die frierrenben Blüten in Mellen­heims Arm, auf denen weiße Schneesternchen lagen.

Ob der Herr ein Zugehöriger wäre?

Es scheint mir, daß ich ein Zugehöriger bin", meinete Mellenheim mit einem grüblerischen Lächeln und schlug langsam bie Richtung zum Dorfe ein.

Der Mann blickte chm verwundett nach.--

Mellenheim schritt über ben schmalen Dorskirchhof unb suchte zwischen moosgrünen Steinen und ärmli«

sich die Praxis aber wescnüich aickers. Denn die Sit« zung dauerte von 5 bis 10 Uhr, also geschlagene fi*| Stunden und gar mancher Redner überschritt bie ihm festgesetzte Zeit um das Mehrfache. Dabei wurden iM bet Sitzung ganz belanglose Sachen verhandelt.

Handels- und Marktnachrichten. ;

Frankfurter Börse vom 26. San. Infolge der wachsenden AuslandSaufläust, namentlich von franröfi- scher Seite, setzte heute die Börse ihre AufwärtSbewe- tzung in großem Ausmaße fort In erster Linie sind hieran der Montan- und der Chemiemarkt beteiligt Ans dem rheinisch-westfälischen Montanmartt überstürzten sich bie Kurse förmlich. Gelsenkirchen 76 000, BuderuS 36 000 (plus 7000), Phönix 66 000 (plus 16000), Mannesman» 63000 (pl»S 24 500), Luxemburg 57000 (plu» 15000), Oberschlesische Werte mäßig gesteigert. Caro 30 200, Obertxbars 34 500. Kaliwerte gut behauptet West- ergeln 50 000. Auf dem Chemiemarkt war die Anüiw- ^ruppe führend. Anllin 29 000 (plus 5500), Griesheim 29 500 (plus 5000), Höchster 28 500 (plus 9500), Scheide« anstatt 40 000 (plus 7400) Der Maschinen- und bet Clektromarkt waren in ihrer Gesamthett fest. Daim« ter 9300 (plus 800), Stehet 11000 (plus 1500), «. E. S. 20 000 (plus 3000), Schlickert 48 000 (plus 8000), Sah« meyet 20 000. Bon großer Lebhaftigkeit war bas Ge­schäft auf bem Zuckermarkt. Frankenthal 14 200, Wag­häusel 15000, Rheingau 15 000, Schiffahrtsaktien läge» weiterhin fest. Bankaktien verkehrten ruhiger. Lokal« Bankaftien teilweise abgeschwächt. Deutsche Fonbs fest. Aus dem Freiverkehrsmartt schwankten die Kurse bei starten Steigerungen in großem Ausmaße. Dem hohe» Dollarstand entsprechend gingen Valutawerte erheblich in die Höhe. Bagdad II 33 700 (plus 10 000), Anato­lier I 45 000 (plus 5000), Oesterr. Ctedft 6500 (»In» 700), Otavi 156 000 (plus 28000). Devisen: Brüssel 1365, Holland 9300, London 109 500, Paris 1492V« Schweiz 4325, Spanien 3672V,, Italien 1104, Däne­mark 4525, Norwegen 4290, Schweden 6162V,,

Frankfurt a. M., 25. Jan. '(Frankfurt« Schlachiviehmarkt vom 25. Januar.) Aufgetttebe» waren: 33 Rinder (10 Ochse), 32 Färsen und Rinder, 590 Kälber, 198 Schase, 316 Schweine. Marttver­lauf: Gesckäst ruhig, bet Schweinen Ueberstand. Be- zahlt wurden für ein Zentner Lebendgewicht: Kälb« 100 bis 120 000 90 bis 100 000 M. 80 6il

90000 M, Schafe 100 bis 110000 M, 85 dtS 95 000 M, 60 bis 80000 M, Schweine 160 bis 170 000 M, 190 bis 200000 200 t>:« 210 000 X, 160 Mi

190 000 X. ______________

Der Wert der Mark im Auslande,

ben 27. Januar 1921.

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Rein Quecksilb., ohne Berussst3r.Blntnnt.rj.

Auskl. Brojch. 3ir.25 gegen Tinjendung von 500 Mk.

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Frank urt a.M., Bethmannitraße 56. (8886 5111; 41!7; Sonntags 1014 f

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Stockholm

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88.80 Ären.

1 Kt.

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Wien

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115.80 Kron.

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Prag

16.50

117.80 Kron.

1 Kt.

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London

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Geschäftliche Mitteilung.

Für »ranke. Schwache und ©enefenbe gehört z» jeder Mahlzeit eine Tafle .Kufeke'. Wenn man ftufefe in Wasser aufkocht und auf besonderen Wunsch vielleicht noch etwas Milch hinzufügt, fo er» gtvt dies ein Getränk von feinem Wohlgeschmack, das kräftigend wirft, leicht verdaulich ist und gern genommen wird. Schon ein »Kufeke'-Getränk über­trifft an Bekönnnlickkeit Kaffee, Tee, Kakaoz felbst bie Milch, und ist billiger. 6934

chen Eisenkreuzen nach dem Grabe der Gräfin Sophie Solutzeff. Er fand einen frisch aufgeworsenen> namen­losen Hügel, über den der Schnee stäubte. Ein großes, roh geflochtmes Kreuz aus Tannicht und roten Winter­beeren streckte sich über daS Grab. <

Mellenheim löste ben Flieder aus seiner durchfeuch­teten Seidenpapierhüüe und steckte Stengel neben Sie»« gel neben Stengel in die braune, schmucklose Erd«. Fremd und seltsam stände« di« weißen Blumen in­mitten der rieselnden Flocken.

Ein hagerer, vornübergebeugter Mensch, der wahr­scheinlich der Totengräber war, trat aus ihn zu und sagte mit halblauter Stimme:

Die nachgelassenen Sachen der Tote» besinde» sich im GemeirLebaust. Wenn Sie sie vielleicht in Augen­schein nehme: wollen"

Ich will nichts i» Augenschein nehmen." -

Dec hagere Mensch, der vielleicht aus ein TrintzeH gehofft hatte, zog sich verwirrt zurrück.

Es ist nur, weil -- sind gestern und heute schon einige Herren von der Polizei dagewesen"

Mele heim schüft It: abv.hr ») te.i Kvpf un) tzanßi stumm vor bem Hüg-l, bet unter den weißen Blume« verschwand.

Seb wobt, Sophie Adrianowna! Freundin!

Äan.etabir'"--

Ec trat durch bäl knarrtende Friedhofspsörtche» und wanderte auf der pockenwirbelnden NußdorseH Landstraße der Saiserstadt entgegen.---

lSchluß folgt)

oie Schokolade

der Anspruchsvollen!

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