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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische)

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Marburg Mwch, in 24. Smm -artunM.

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58. m 1923

Zur Lage im Ruhrgebiet.

Dtt Stwi gegen IW«.

Paris, 24. Jan. Havas berichtet au3 Mainz entgegen der gestern vormittag von einzelnen Blät­tern verbreiteten Meldung, daß die Verhandlungen Pgen die Zechendirrktoren heute vormittag beginnens -erden. Außer dem Advokaten Leclerq au- Nancy (eilen sich zwei Pariser Rechtsanwälte zur Verteidi­gung der deutschen Industriellen bereiterklärt haben.

Paris, 24. Jan. Der Sonderberichterstatter des Journal des Debats" schreibt über den bevoriiehrn- fcen Prozeß gegen die Zechendirrktoren, was Thsftn anbelange, so müffe darauf hingewiesen wer­ten, wieviel besser es wäre, das Verfahren beim Kriegs- pricht nicht zu überstürzen. Wohl habe es die Militär­justiz mit ihren scharfen Urteilen besonders eitifl, aber 6 tu vorliegenden Fall« handelt «s sich um eine beson­ders heikle Rechtsfrage, über die Rechtsanwalt (Stimm i aus Essen eine umfangreiche Denkschrift verfaßt habe, die wohl einer sehr gründlichen Widerlegung bedürfe. DftftS Argument allein schon müßte genügen, um die Aburteilung aufzuschieben. Der Aufschub hätte auch den Vorzug, daß man in der heutigen gespannjtenZ cit die Verhafteten nicht zu Nationalhelden mache und andererseits habe man sie als eine Art von Geiseln bi der Hand.

Mainz, 24. Jan., 8-45 vorm. Die auf 9 Uhr ««gesetzte Kriegsgerichtsverhandlung gegen die Jn- kftriellen und Zcchenbefitzer aus dem Ruhrgebiet zindet in de« großen Raumen des Schwurgerichts ; Ihrtt, in dem eine große Anzahl Pressevertreter, namentlich ans dem Ausland und insbesondere aus dem neutralen Ausland bereits eingetrsffen während mndere vergebens auf Zutritt warte». Der Prefscraum ist bereits überfüllt. Schon von 8 8hr ab hatten sich zahlreiche Zuschauer cingesunden, 5* daß der Zuschanerraum in wenigen Sekunden be­setzt war und ein großer Teil von Zuschauern nicht «ehr zugelasien werden konnte. Kurz nach 8 Uhr NS eine kleine französische Jnfatftrrie-Vch'eiluug «it aufgepflanztem Seitengewehr vor dem Jusüz- stbäude auf, die verteilt ausgestellt wurde.

Mk MWrnM.

Speyer, 23. Jan. Der von den F-o>^»sen «sgewiefene Regierungspräsident der Pfalz, Frrihr. »m» tNilfnaensperg, wurde Herne nachmittag 5 Nhr «n französischer Gendarmerie am Priisidialgcbäuve sbgeholt und über die Brücke nach Manuyeim ge= -kbrt. , Die Geschäfte des Regierungspräsidenten wer- nach derPfälzischen Rundschau" einstweilen vo« Stellvertreter EhlingenspcrgS, Regicrungsdirektor NatheuS, übernommen.

Düsseldorf, 23. Jan. Anläßlich der Ber- mngimg des verhafteten Präsidenten des Landes- wrnt-ftttttö SchlutiuS nach Mainz sind die Vertreter mtllichrr Verbände gleichzeitig mit der Jnftioberbe- «rve nach Mainz gefahren, um auch dort nachdrück- »ch gegen die Verhaftung des Präsidenten Ein'pruch * er',-eben.

Eise stavzWche DrsWte.

^.Berlin, 23 Jan. Der deutsche Geschäftti. "g c in ist beauftragt, der ftanzösischen Regierung fol- ftnbe Note zu überreichen:

Die französischen Brfthlshaber im Rubrgebiet haben [ Es verhafteten Personen, die ich in meinem gestrigen kstest genannt habe, zum Teil nach Mainz gebracht, sie dort vor -ein französisches Kriegsgericht zu stellen. E nleitung eines Verfahrens vor einem ftanzösischen Militärgericht würde jeder RechtsgruMage entbehren in keiner Weise geeignet sein, der Verhaftung den ^ratter der Rechtswidrigkeit und Willkür zu nehmen.

deutsche Regierung stellt deshalb die Forderung, daß 2® solches Verfahren nicht stattfindet, daß die Ver­kneten vielmehr sofort in Freiheit gesetzt werden.

, Im Ruhrgebiet sind übrigens noch weitere Beamte Arischen verhaftet worden. Es handelt sich um den ^rdoüdirektsr Jünger, den Telegraphendirektor Zehnte, Präsidenten der Eisenbahndirektion Jahn und den v^rbaurat Pusch, sämtlich in Esten. Die Verhaftungen erfolgt, weil die Beamten sich der Uas dem fron« Wichen Befehlshaber an sie gestellten Z»mutung toib-t« Wien, den vom Reichsverkehrsministerium erteilleu B?» N zu widerrufen. Die deutsche Regierung erhebt auch f^n diesen Gewaltakt Protest und verlangt die sofortige Fassung der Verhafteten, softrn sie nicht inzwischen erfolgt fern sollte, und behäü sich vor, volle

*,|gtuung zu fordern.

Berlin, 22. Jan. Die französische Regierung an den dentschen Geschäftsträger in Paris fol«

Vnbe Mitteilung gemacht:

. Die französische Negierung bestätigt den Emp- :a3 des Schreibens, womit die deutsche Regierung die Verhaftung gewisser Personen im Ruhr-

Mwt protestiert hat. Die französische Negierung diesen Protest zurück und ist entichlojsen, ihm

W keiner Weife Rechyunz zu tragen. Alle von der

vkknpationsbehörde getroffenen Maßnahmen find vollkommen rechtmäßig. Sie find die Folge der vo« der deutschen Regierung begangenen Verletzungen des Vertrages von Versailles. Die französische Re­gierung ist entschlossen, die Ausführung diese, Ver­trages durt^usetzen, behält sich vor, alle anderen Sanktionen anzuordnen, die die Haltung d»r d«ut- ichen Regierung, der deutschen Beamten oder der deutschen Staatsangehörigen notwendig machen sollte.

Dazu bemerkt das Wolff-Büro: Die französische Regierung hält also die Anführung sachlicher und rechtlicher Gründ« für ilire Gewaltakte nickt mehr für erforderlich, sondern sie versucht durch die bloße Behauptung die Dinge in ihr Gegenteil nmzu- tehren. Deutschland selbst soll an allem schuld sein, weil es die französisch« Aktion nicht unterstützt und es ablehut, gegenüber einem Vertragsbrüchige« Kontrahenten Leistungen zu tätigen, solange er den rechtswidrigen Zustand aufrecht erhält. Mit dieser Art zu argumentieren, könnte Poincars mühelos nachweisen, daß die deutschen Rückstände bei den Holz- und KoÄe»lieserungen den militärische» Vor­marsch bis nach Berlin, die Verhaftung aller wirt, schaftliche« und politische« Führer in Deutschland, und die beliebige Beschlag»ar«ne deutschen Ttaats- und Privatsigentums oder was d«n Franzosen sinst beliebt, rechtfertigen würde«. Irr in der «etuwrt btckundeten Sntjcklosienheit der fr» uzest scheu Regie, rnng, ihr Unrecht immer weiter zu treiben, wird auf deutsche, Seite mit nicht gsriuzerer Eutfchtos- ftnheit der moralische Widerstand des deutschen Volkes entgegentreten. Die Drohung mit »eiteren Sanktionen wird «ns nicht hindern, auf dem Stand­punkt u«seres guten Rechts zu v«h«,ren, der webet durch Umkehr»t^n des Tatbestandes, noch durch Willkür- und Gewaltakte entkräftet werden tun«.

Miu Wwttiii t« Maedel

Baris, 23. Jan. Milet schreibt imPetit Pa- tlsien", daß, ws«n Denftchiand feixen $Mterft<u» sottsetzt, es nun darauf ankomme, das Rxhrr-biet wirtschaftlich vo«ständig vom übriaen Dentschlond zu trennen. Diese Abtrennung sei ge«enwärtig durchaus noch «icht b-endet. R:U#e»en alle« anderen ckerdch- »»4» zobkreade Lohken^che «ach Deutsch, land. Allein tun 15. Jaxuar hatten sie noch viele Tausende Toanen Kohle» und etwa 20 fry T»a«o» ®*ta '»""*«». Aber bitte stolftenlenduusen uNb dem üSt^ea Deutschs«,»« totirtmt bei «er voAtzRabigeu Schließung drS Ruhrgebiets auftzäre«. Bor allen Dingen Tonune es jetzt d-wanf an datz Frankreich sich tttchi schwach zeige gegenüber der feit einigen Tagen bekorvers von der deutschen Regierung gewollten Absicht.

Die bisherige franzSstscheBeute".

Paris, 23. Jan. Die Pariser Abendblätter tet. le« mit, daß am 18. Jattnar 445 Statten Kohlen und 400 Tonnen KokS, nm 19. Januar 8767 Tonae« Kob- Wa und 2500 Tonnen «»13, am 20. Januar 40 270 Tonnen Kohlen und 2000 Tonne« Koks beschlag­nahmt worden sind. Hierbei handelt eS sich nicht um ttftch geforderte, sondern um beschwgoahmte Lohten, die entweder aus Ludwigshafen und Mannheim oder aus den Rubrhäfe» stammen, wo sie dann eiukmh be- schlallmütmi rind «ach Frankreich abtransportiert wor­den sind.

1800 feanzSsifche Ingenieur« tot Ruhrgebiet.

Parts, 23. Jan. Die Zahl der neuerdin« aus ganz Frankreich ins Ruhrgebiet beorderten In. gtnteurt wird mit 1800 angegeben.

Bor neuen militärischen Mahnuhmen?

Baris, 23. Jan. Gestern morgen vat hn Mi- ntfferium für auswärtig! Angelegenheiten die nun­mehr xut Gewohnheit gewordene Konferenz der an der Besebung des Ruhrgebiets besonders interessier- ten Minister unter dem Vorsitz PoinrarLS stattgefun­den Marschall Foch wohnte dieser Sitzung gleichfalls bei. Sie läßt vermuten, daß Frankreich besondere neue militärische Maftunhmen mit Rücksicht auf den deutschen Widerstand ins Anae gefaßt hat. Die Mi­nister hatten gleichfalls verschiedene Ingenieure ae- härt, die im Ruhrgebiet für die französische Re­gierung tätig gewesen sind.

Die wWoWen Loipen dn

Essen, 23. Jan. Dft Eirgrifft her Franzosen in das V"ef-br?w's?n rufen bere is erhebliche Stockung m hervor. Die Ankunft- van Ko-lm vez A"e in Rubr- ort, die bereits im starken Rückgang begriffen waren, haben heute so gut wie ganz oufgeSört, sodaß feiner!« Versgdttvg mehr statt finden kann. Einige noch fahrende Schifft s'nd von den Franzosen beschlagnahmt tro:5«n. Dach' ist ihre Wetterführung unmöglich, da die tusche Regierung das Schleppen und Dttrchschlenftn sämtlickter beschlagnahmte» Kähne verboten bat. Auch im all­gemeinen Verkehr nimmt die Verstocküng zu. Der Streik im Dortmunder Hanptbahnbof dauert an. Gestern Nach­mittag ist auch der Bahnhof. von Sterftade in den Ausstand getreten, um 5 Uhr nachmittags der Bahnhof Lsterfeld-Süd, weil die Belgier die Stellwerke mit Aasch iuc -tzrw chrru besetzt hatte».

In einer Unterredung mit General Dangmer «klärt« gestern nach demB. T." der Regierungsvräsident von Düsseldorf Grützner, amerikanische Kaufleute hätten ihm mitgeteilt, sie müßten ihre gesamten Lieftrungen in das Ruhrgebiet abbrechen wegen der Gefahr, daß die an- gelieferten Waren von den Franzosen beschlagnahmt würden. Vor allem würden dir Lebensmittellieftrungen insbesondere Speck und Schmalz eiugestellt'werden. Bei einem Versagen der Transportmittel werde im übrigen jede Verteilnngsmöglichkeit aufhören. Auch würden die größten Stockungen in der Getreide- und damit in der Brotversorgung der Bevölkerung eintreten.

Essen, 23. Jan. Die französisischen Truppen herben die Kabesstelftn des hiesigen Telegraphenamtes erreicht und sind mit der Herstellung eigener Leitungen bcschrf- tigt Auch am Klinfennmschalter werden dauernd« Um­schaltungen vorgenommen, tcodurch der gesamte Tele­graphen- uiü» Telephonverkehr schwere Störungen er­leiden.

Berlin, 23 Jan. Rach Blättermeldungen leidet die Landwirtschaft in den besetzten Gebieten schwer. Seit und Stroh werden rücksichtslos requiriert, unge- broschenes Getreide wird als Streu verwandt, dft Ställe für die Pferde benutzt und das Vieh muß im Freien kampieren. Die Kavallerie häll gwße Hebungen, meist auf bestelltem Ackerlande, ab.

Süsse; fault Stahl in SnoInJi.

London, 23. Jan.Daily News" meldet, daß Herr Brrtbn, der Führ« d« von Hugo SttnneS nach England geschickten Abordnung, auch den Kauf vo» «tofrl in England und vielleicht auch in den Ber- eiulgif» Staate« beabsisichtige.

Rm Ikslelte.

Mainz 23. Jan. Dem französischen General- pabschef wurde heute vom Betriebsrat der Golfen- tirchener »ergwerk-Aktien-Gefellfchatt folgende Erklä- ratrg übergeben: Die Beauftragten der Arbeiter und Wageitettten der tvelfenkirtbeuer Berg»«rk-Akticn-Ge- fc»fchaft legen bieruttt feier'ichst Protest ein gegen die Verhaftung ihres technischen Leiters Herr» Berg- affessor Oelfe. Arbeiter- >md AngesteMenfchaft erhebt bar der gesamten zibllifierte« Welt schärfsten Protest, «atz durch derartige Einorifse fremder militärischer Gewatthackae unfer fo kompliziertes WitschoftSlrben aufs schärfste gek-äbrset und Leben und Gesundheit »an Millionen von Arbeitern ausS Sviel gefetzt wer­den. Arbeiter und Angestellte bekunden vor der gan- t*x Well, «oft sie euischloffen sind, mit allen ihnen zu »ebote stehenden Mitteln folche Eingriffe fremder TrntzNe« *utmef>rcB und fordern vo« bem Oberkom- imabtcren«en der französischen Besatziuig die fofor- ti-tt Freilassung ihres technischen Leiters, sowie der übrigen Herren.

Essen, 23. Jan. Im Hinblick auf die Verhaft tnng des Bsrstbendcn der BergwerkSdireltion Reck­linghausen und sechs Vertreter vrivafer Zechen erklä­ren hicmit Vie Leiter der Zechcn des Ruhrbe-iirkes falgendeS: Die Wei»ernna derentwegen die Verhaf­tungen vorgenommcn worden sind, ist. von der seitens «eS ReichSkob'nekonrnüffarS im Falle der Znwider- baadlung rnmehrobtttt Gefängnisstrafe abgesehen, l-digtkch in Erfüllunff' deS kateqorische« Jmv-riuivS der Pflicht gegenüber Detifstbland und seine« Gesetzen erfolgt Sallte sie entgegen den nnerka««t-n Regeln deS BSllerrechtS zur BernrteiNmg der Verhafteten sichren, fo wird nuS dies zu einer Aenderun« unserer cntsihieden ablehnenden Stellungnahme nW be­wegen. Auch wen» weitere Perhattunae» var^enam- men werde« sollten, werden uns diese vom G'kerfam gegen die Befehle «nferer Regierung und unf-rer »u- stcindigen Bebörden nicht abbrinqen und uns nicht «rrmilallen gegen unfer Baterland zu bandeln. Und a c«n selbst alle jetzigen Leiter ver Ruhrzechen ihrer Freiheit beraubt werden, so wifen wir, daß alSbann die an ihre Swlle Tretenden nicht anders handel« «sd in ihrer Trette gegen das Vaterland nicht wan­ken werden. Wen» die BefatzttnaSbehärdr gtevbt, tmS vnrch Einschüchterungen gefügig machen zu kön­nen. f-> wird sie mtf Granit britzen.

Mainz, 23. Jan. Rcgier«ngspr»t»rnt Grütz­ner hat heut« vormittag nochmals versucht, gemein­sam mit Arbeitervertretern eine Bespreckvn-g n-'t franzöfischr» Generale« zu circi^tn, ist aber ab ^chlägig beschiede« worden. Mer Präsident hat als- hann mit dcn Arbeiterverfretern der ZecheBoni- kacins" und den staatlichen ?rch«n eine Protest­erklärung überreicht mtf da«, Hinrnc'- 089 000 Arbeiter ihm stünden.

Streiks.

Dortlnunv, 23. Jan. Die B-»--'rn vor RrichS- bank babrn eS nach mit vor «barlrhnt. bett nnngcn der BesamwgSvehörvc sofoc tu It'fttn da die 8im Widerfvrach mit tien Wct'vnaen h b-.-me- ntr.g siebt Sie haben llch bet"«' rrrü-> ;t» wiederauf ".nehmen, wenn Vie ReichSbauI frria-aeS-n und die Wachen. entfernt worden. H-«te inrntftion \ fanden Verhandlung n rwis«ben dem Mag-stt-at tut», der Sandelskanttnrr einerfei's »ttb v r Be'f-nngs-; bchörve andercrfeits statt, die die Wiederherstellung des normalen ZustandoS ve-wrckeu.

Mainz, 23. Ja». Sämtliche Beamten deS HauptzollamtS und der ihm unterstehenden Zollämter in Btoinz und GustavSburg haben heute vormittag

ihre Dienststellen verkästen. An den Generül Degontte bat di« Arbeitsgemeinschaft beulscher Zollbeamte« Mainz folgende Protestentfchlietzung gelangen lasten: Dir unterzeichnete Beamtenvertretung legt im Auf­trag der gesamten veamtenfchast de» HauptzollamtS Mainz dringendsten, schärfsten und feierlichsten Pro­test gegen die unrechtmäßige Verhaftung und Ge- fangensetzung deS AnttsvorstandeS des HauptzollamtS Mainz, Herrn Oberregierungsrat Dr. Offenbächer s>«ne» stellvertretenden Oberinfpektor» Hotu und de» KaffenaufsichtSbeantten Oberzollinfpektor Wißner ein. Wir erfuchen auf da» bestimmteste um fofortige Frei­lassung sämtlicher Verhaftete» und bitte» davon Kenntnis zu nehme«, daß im Falle der Nichterfüllung unseres Ersuchens die Verantwortung für die Folgen der Ablehnung voll und ganz auf die französische «e- satzungSuehSrde zurückfallen.

Essen, 23. Jan. Den Weisungen des ReichSvost« minist es entsprechend weigern sich sämtliche Telegra- phe »e-:.ckttedt«gsfteUen des RuhrgeLfttt, dft Verbiu- burgert. die von den französischen BesatzungSbehörden verlangt word-n, herzustellen.

Essen 23. Jan. Infolge ftanzösischer Eingriff« in die Betrieb« hab«» außer dem Bahnhof Sterftade auch noch die Beamten und Arbeiter der Bahnhöfe Oberhausen und Meiderich-Süd die Arbeit niedergeiegt. Die Arbeitseinstellung auf dem Bahnhof Oberhaufen dürfte die schwerwiegendsten Folgen nach sich ziehen,

Hamborn, 23. Ja». Da die B«mühnnge» der Thyssen-Betriebsräte um sofortige Freilassung Fritz Thyfiens ergebnislos geblieben find, ist heute früh die gesamte Arbeiter» und Beamtenschaft der Thysteuwerke in den Streik getreten.

Sfsrn, 23. Jan. Eine Abordnung der Ar­beiter- und Beamtenschaft der Stinnes-Zechen war gestern nach Düsseldorf gefahren, um gegen die Set« Haftung des Direktors Spindler Protest einzulegrn. Sie wurde trotz wiederholter Bitten des Regie, rnngsprästdenten nicht empfangen. Heute ist tu« folgedeffen die gesamte Arbeiter- und Beamtenschaft in den Proteststreik getreten. In Frage kommen die Zechen Matthias Stinnes 1, 2, 3 und 4, Fried­rich Ernestine, Vereinigte Welheim, Siktoria Mat­thias, Graf Beust und Earolus Magnus.

6e#HmcMmto der beuten Segierung.

Berlin, 23 Jan. Am 23. Januar nachmitt isik faub in der Reichskanzlei unter Borsitz des Reichs« kanzftrs eine Besprechung mit den Spitzenorganisationen fti Gewerkschaften statt, die bi» in die späten Abend­stunden dauerte. Vertreten Warrn der Mg-meine Dr»t- sche Gewerkschaftsbund, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Gewerkschaftsring, der Allgemeine freie Anqestell- teul'und. Die Organisationen hatten Abgesandte oni dem Ruhrgebiet zugezogen. An der Besprechung nahmen weiter der Reichswirtschaftsminister, der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft und der Reichsschatz­minister teil Der erkrankte Reichsarbeitsminister war durch den StaatSftkretäi und durch Beamte seines Mini­steriums vertret:n. I n engehender Erörterung wurde die gesamte durch die rechtswidrige Gcwaltaktion Frank­reichs und Belgiens hervorgeruftne Lage durchgesprochei. urb dabei volle Einigk-it über dft zu ergreiftnden Maß­nahmen ftsigestellt. Seitens der Gewerkschaften war. den noch Anregeingen gegeben, die von den zuständ'.zen Ressorts verfolgt werden. Die einmütige Auffasiuna der Teilnehmer an der Besprechung g'ng dahin, daß in der ersvlarcich begonnenen.Abwehr des Recht und Frie­den brechenden, mit militärischer tzöewalt unternomme­nen Einbruchs mft allen zweckdienlichen Mitteln fort- glabten werden muß.

Berlin, 23. Jan. Gestern fand unter Vorsitz des Reichswütschastsministcrs Becker eine Besprechung mit den Führern der Gewerkschaften und der Kor.snm- g-nossenschaften statt zur Erörterung der durch bm Getvaltaft und Rechtsbcuch der Franzosen und Belgier g schafienen wirtschaftlichen Notlage. Es trat einmütig die Auffassung zu Tage, daß den bedrängten Volksge­nossen im Ruhrgebiet mft allen Mitteln das Ans- harren erleichtert werden müsse. Als Mittel hier»» würbe in erster Linie die Sicherung der Ernährung an­erkannt.

Mainz, 23. Jan. Die ReichSbahndlrektio« Mainz hat o-sier« a» vie Hanbclskammern in Bin­gen. Darms^* . Mainz. Wiesbaden, WormS. Frank­furt a. M, Koblenz, Mannbeim unb Heidelberg fo- wie Vie HandelSkammervereinig.ung Oppenheim rin Scbr^ben gerichtet, in ver sie erk ärt, daß sie die in Widerfttnch zu den Beftimmunacn des RbcintandaS- kommeuS erfa^ene Bcorvnuua 136 über die Errich- tting einer Uebenvachungslinie an der Ostgrenze des veietztcn Gebiets von der EifcnSakuiverwaltung gr- viäs; Weisung der Re^.ck?Zregieriing als rechtsungültig n>cht beacbte» werde. ES fei in die Wege geleitrl worden, dass Sendungen aus dem befrvlen Gebiet nach dem unbesetzten Gceici. die bisher durch das unbesetzte Gebiet geleitet wurden, künftig nur inner­halb des besetzten Gebiets brsgrvxrt würde» und daß Sendungen vom unbekellten Gebiet nach dem unvc- $e<iieu Gebier hic biSi-r« du-ch das befette tteHid