ffiirtlWe WchembnW.
Bon unserem wirtschaftlichen Mitarbeiter.
Schwer lastet die französische Faust aus der deutschen A-lkswirtschast. Poincare leugnet zwar noch immer, das; g gegen das Waffen- und wehrlose Deutschland Krieg Hhrt. In Wahrheit ist ein Wirtschaftskrieg entbrannt, |tr bis zum Weißbluten durchgesührt wird. Das fränkische Ziel besteht darin, das deutsche äfcolt durch wirt- feaftliche Aushungerung aus die Knie zu zwingen. Man M den Deutschen dies mal nicht das Brot, sondern die Hahrung seiner industriellen Produktion, di« Kohle, entgehen. Mit erfreulicher Geschlossenheit wehrt unser Volk, ß^rrnehmer und Arbeiter in einer Front, unter Führung jrrttr Westsalenschädel, den Angriff aus sein Lebens- Mutrurn ab. Es ist den Franzosen bisher nid-* gelungen, iie Lieferung der Reparationskohle durch G«waltandrob- «gen zu erzwingen. Daher richten sie ihren Angriff i-tt vor allem auf die schwächste Stelle des deutschen [ Widerstandes, indem sie durch Sperrung der Kvhlenzufuhr «ch dem unbesetzten Deutschland auf dieses ihren stärk- |m Druck auszuüben versuchen. Erfreulicher Weise scheint * den Bemühungen der deutschen Wirtschaftssührer zu gelegen, diese Kohlenblockade durch Zuftihr englischer Kohle M durchbrechen. Wir können zwar bei den heutigen De- Bsenkursen sehr große englische Kohlenmengen nicht be- Mhlen: aber eS ist Stinnes bereits gelungen, das erste lohlen-Kreditabkommen mit einem englischen Finanz hnzern abzuschließen, durch das uns bereits der Einkauf fbe§ beträchtlichen Kvhlenguantums ermöglicht wird. Mtürlich -kann uns England die Zufuhr der Ruhrkohle sicht im entferntesten ersetzen. Vielleicht ist die Wirkung ter Kohlenkreditverträge mit den Engländern sogar in «Her Linie eine moralische, indem sie Panikausbrüchen wibeugen und den Willen zum Widerstande stärken. Das stuhrgebiet deckte bisher zwei Drittel des deutschen Kvb- inbedarfs. Ein Ausfall dieser Versorgung muß, wenn sie Iumzosen die Sperre mit aller Schärfe durchführen, was atr befürchten müssen, die deutsche Kvhlenlage bedrohlich Baken. Selbst die Versorgung der deutschen Eisenbah- « mit ausreichenden Kohlenmengen wird, obwohl die -orrätr hier nicht mehr so knapp sind, wie noch vor 6tem Jahre, erhebliche Schwierigkeiten bereiten Die Bische Industrie wird also erheblichen Einschränknn- V# sich unterwerfen müssen und dadurch erwachsen neue feinte und wirtschaftspolitische Probleme.
8?e6en dem Kohlenkrieg schickt sich Poincore auch an. M von ihm schon lange erstrebten „produktiven Pfänder" i» dem von seinen Truppen besetzten Gebiet zu ergreifen. Ae sofortige Ausbeutung der Slaats'-rsten auf dem lin- B Rheinufer und die Erhebung der Kohlensteuer aus keparationsrechnung sind bereits angeordnet. Im Ruhr- Biet werden die Franzosen fteilich auch abgeseM Htt dem heldenhaften Widerstände der deutschen Wirt- stzastSträger. Unternehmer wie Arbeiter, noch manche harte Nuß*-zu knacken bekommen, bevor ihnen der Raub tat Ruhrkohte gelingen kann. Es handelt sich zunächst' taritm, mehr als eine halbe Million Ruhrbergseule zu atlöhnen und eine noch weit zahlreichere Bevölkerung M ernähren. Erhebliche Gelder zur Lohnzahlung werden feon in den nächsten Tagen erforderlich, da die Reichs- I Wirrung die von Frankreich rechtswidrig beschlagnahmte ^ohle nicht bezahlt und auch garnicht bezahlen kann. N werden die Franzosen die Lohngelder Herbeischaisen »össen. Auch die Lebensmsttelvorräte sind überaus knapp mb da eine Einfuhr aus dem Auslande schon wegen des zavaltig verschlechterten Markkurses nicht möglich ist, mdererseits aber die französischen Besatzungstruppe» noch RkMisitionen von Lebens- und Futtennüteln vorgenom- Sen haben, so muß die Nahrungsknappheit sich kata- Kpbal gestalten, wenn die eingedrungenen Mächte nicht Echtzeitig für Zufuhren sorgen, und zwar zu Preisen, die •t die Ruhrbevölkerung erschwinglich sind. Sind doch ke Rahrungsmittelpreife seit der Besetzung im Ruhr- Biet schon fetzt so gewaltig gestiegen, daß umfangreiche «hnerhöhunaSsmderungen der Bergarbeiter nicht aus- Reiben können. Vielleicht gestaltet sich dann die Ruhr- ^hle für die Franzosen erheblich teurer als sie gedacht Ben.
*■■^■—■^■11111 f in m iiauaa—mar
(Nachdruck verboten.)
Die Abenteuer des Grafen Mellenheim.
Roman von Gertrud v. Brockdorff. Eepyrigh* by August Scherl G. m. b. H. Berlin 1922.
48. Fortsetzung
Mellen heim betrachtete mit starrem Ausdruck das 8?arre Batikfutter des Mantels, der über einer Stubl- Une hing und fragte mit einer Stimme, die nicht Bbr di« seinig« war:
„Was kann es'sonst sein?"
L. Die Gräfin machte eine kraftlose Bewegung.
• „Es ist die Seele. — Ich hab« gelogen, als ich Ahnen fegte, daß meine Seele tot wäre. Meine Seele % nicht tot —"
Sie griff nach Mellenheims Händen.
Verzeihen Sie mir! Ich bin so töricht. Es ist f» wunderlich, daß mit jeder Hoffnung die Furcht in D>» aufsteht, die Hoffnung zu veüieren. — Nein! Ich hbe Unnfinn! Darf ich Sie bitten, heute abend mit Dir ins Schwarzenberg-Palais zu fahren? Ich möchte Rufi? und Lachen und viele Menschen." .
Mellenheim atmete aus. Eine Gefahr, die neben aus dem Boden aufgeschossen war, sank foieber »rück. '
Er fuhr mit Sophie Adrianowna ins SchwarM- Drg-Palais.
* * •
„Vor diesem Hause habe ich einmal an einem trau* $aen Winterabende gestanden", sagte Mellenheim, als etwa eine Woche später an Sophie Adrianownas 6eite durch die Ringstraße fuhr.
Es war ein milder Februariag und die Welt stand 'tastl strahlenden Sonnenscheins, der den Gedanken an . feurige Winterabende fern und unwahrscheinlich er* »chsinen ließ. Die Knospen der Ringstraßenbänme Dienen zu schwellen. Junge Mädchen hatten die Pelze *d«leat.mid lachten laralss dem Frühling eutaegen.
Die Erschütterung der deutschen Wirtschaft durch den von Poineare entfesselten Wirtschaftskrieg beschränkt sich natürlich durchaus nicht auf die Kohlenfragen. Furchtbar war vor allem die Wirkung auf die ohnehin so geschwächte und widerstandsunfähige Mark. Der Dollar ist von 6000 bis 7000 Mark vor dem Bruch mit Frankreich, aus mehr als 20000 Mark emvorgetrieben worden In Newhork hat die Mark den unglaublichen Tiefstand von 0,005 erreicht, was einem Dollarstande von 20000 Mark entspricht. Dabei ist ein Ende diele- Währnngszusammenbruchs noch nicht abzusehen. Die Folgen für unsere Börsen waren die üblichen: Nng-H'ure Katastwvhenhausse auf allen Gebieten, in die selbst die Werte der durch bi« französischen Gewaltmaßnahmen gefährdeten Ruhrzechen hineingezogen wurden. Die Spekulation. die wieder wilde Orgien feiert, bewertet nicht m?W die Ertragsfähigkeit der industriellen Unternehmungen, die ja in den heutigen Effektenkursen längst unberücksichtigt geblieben ist,-sondern nur noch die SubstanAverte, die in, die entwertete Papiermark umgerechnet, natürlich phantastische Kurszahlen ergeben. Aber die Nulten, bte die Börse den Kursen anhängt, sind nur wertlose Spielereien, Fiebergebilde einer todkranken Wirtschaft. Eine weitere natürliche Folgeerscheinung des Marksturzes sind die neuen gewaltigen Preissteigerungen auf allen Gebieten. Das deutsche Volk muß jetzt aber sich als moralisch stärker w'.e unsere Feinde beweisen, will es sein ferneres Dasein als einheitliches Volk und als einheitlicher Staat retten
Marburg und llmaeoenb.
Marburg, 20. Januar (Hartung).
♦ Hessischer Bolksschullehrerverein. Die Vertreter- und Hauptversammlung^ des Hessischen Bolksschullchrervereins findet voraussichtlich in diesem Jahre am 26. und 27. März in Hersfeld statt. Mit der Versammlung wird zugleich eine Vertreterverfmnm- lung der Hilfskassen abgehalten.
* Verbot. Es wird von bet Polizei nochmals darauf hingewiesen, daß alle Öffentlichen karnevalistischen Veranstaltungen in diesem Myrr, mit Rücksicht auf bv wirtschaftliche und politische. Läge des Vaterlandes, verboten sind. Das Einhergehen ~ ober Auftreten auf ö'fent- 'i-hen Straßen der Stadt in Karnevalkostümen ist also auch straPar, worauf besonders aufmerksam gemacht werden soll. (Wir haben auch nachgerade „Karneval" genug.)
Amönau, 14. Jan. An der heutigen Vollversammlung des hiesigen KriegervereinS wurde einstimmig folgende Kundgebung beschlosien: »Wir legen feierliche Verwahrung gegen die ruchlose, ge- walttäiige Besetzung des Ruhrgebietes ein. Treu tote die deutschen Brüder im besetzten Gebiet sich zu unserem Vaterland bekennen, ebenso treu und deutsch halten wir zu ihnen, bis ein besterer Morgen unserem bedrängten Vaterland tagen ton».* Dieser Beschluß wurde dem Vorsitzenden des Kretskrieger- verbandes Marburg übermittelt. Schart Euch zusammen, Deutsche, in Htnheit! Hierin liegt allein die rettende TatI
Ki rchhain, 17. Jan. Einem hiesigen Geschäftsmann Würbe aus seiner Wohnung eine Brieflasche mit 10000 Mark entwendet.
Helsen-Nassau und Nack'bargebiete.
Gießen, 18. Jan. Die städtische elektrische Stta- stenbahn verzeichnet für das abgelaufene Iaht ein Defizit von 5 Millionen Mark.
Frankfurt, 17. Jan. Seit Jahr und Tag hat der Postschaffner Ottomar Mein aus Bürgel bei Offenbach aus dem Bahnpostwagen der T-Züge zwischen Basel und Frankfurt, die er dienstlich fuhr, große Mengen von Wertpaketen unterschlagen. Die ihm dabei in die Hände gefallenen Sachen, sowie Stosse, Mäntel und auch Lebensmittel stellen Werte von vielen Millionen Mark dar. Tie geraubten Sachen hat Klein dann an die Gebrüder Willi und Hermann
„Es war der verzweifeltste Abend meines Lebens", fuhr Mellenheim fort. „Kannst du dir etwas Verzweifelteres vorstellen als einen Menschen, der in zornige Tränen darüber ausbricht daß ihm die Ge- tegenhett zu einer Demütigung erspart geblieben ifl?"
Er warf einen triumphierenden Blick zu den Fenstern der Lamezan'schen Wohnung hinauf. Zwei Fenster standen offen. Spitzeugardinen blähten im Winde.
Die Gräfin, die der Richtung von Mettenheims Blicken gefolgt war, fragte leise:
„Wer wohnt in dem Hause?"
„Meine Schwester Lamezan."
Es War das erste mal, daß zwischen chnen die Rede auf die noch lebenben Angehörigen der Melleuhe-m- schen Familie kam.
j „Bor. was für einer Demütigung sprichst du, Leopolds ...
Er sagte langsam, zwischen den Zähnen: '
„Ich wäre als Bettler in das Haus meiner Schwester getreten.
„Ist deine Schwester so bart?"
. Sie ist nicht hart Sophie Adrianowna! — Es ist etwas anderes. Es stand etwas zwischen uns."
Er dachte an Julie. Schatten legten sich über sein Gesicht. Seine Lippen preßten sich aufeinander.
' Tie Augen der Frau fragten:
„Was stand zwischen euch?" •
Mellenheim blieb stumm. Er hatte im Laufe dieser letzten Wochen wiederholt den Vorsatz gefaßt, zu Sophie Adrianowna von Jrrlie zu sprechen. Er vermochte es nicht. Sein Verhältnis zu der Gräsin Sol'.'tzeff hatte seit ihrer Ankunft in Wien irgendeine entscheidende Veränderung erfahren. Es war eine Veränderung, die sich mit Worten nicht umschreiben lnß.
Tie Gräfin War nicht mehr ruhig und hoheitsvoll wie im Anfänge. Sie war weich, hingebender, von einer Zärtlich leit, der fast etwas Mütterliches atu haftete, und die doch nicht Mütterlichkeit war. Manchmal dachte Mellenheim an jenen Blich in dem ihre Seesk hüllenlos vor ihm «eltgee hatte. Er wehrte
Strauß und Paul Heilemann von hier und einen gewissen Junker ans Braunschweig verkauft. Diese Hehler sind in den Zügknf in denen Klein die Post fuhr, mitgefahren und haben die jeweils unterschlagenen Pakte in Offenburg in Empfang genommen. Junker ist flüchtig, die anderen Hehler Wurden heute vormittag hier verhaftet. — In der Azetylen-Lichtanlage des Au sbesserungswerkes in der Jdsteinerstraße explodierte Mittwoch nachmittag der Entwickler, wobei der Schweißer Philipp Bauer, die Arbeiter Johann Reinhard und Josef Stumpf schwere Verletzungen oaoon- davoutrugen. — Diebe drangen in eine Billa der Forflhausstraße ein und stahlen hier viele sehr Wertvolle Silbersachen, die teilweise mit den Buchstaben S. R H gezeichnet sind.
Wiesbaden, 18. Jam In Liner der letzten Nächte des Dezember toittfce aus der evangelischen Kirche in Bleidenstadt durch Einbruch zwei weiße Altardecken mit Klöppeleinsatz uiid Klöppelspitzen gestohlen.
Worms, 17. Jan. Bei einem Ueberfalle feindlicher Flieger auf Worms am 28. Oktober 1918 wurde hier an einem Hause ein Schaden verübt, der auf 98 Mt 75 Psg. g.schätzt wurde. Damals hatte dieser Betrag noch einige Kaufkraft. Jetzt nach der ungeheuren GeW- entwertung in den letzten vier Jahren, wurde dem &■> schädigten mitgeteilt, daß er einen Vorschuß auf die Entschädigungssumme in Höhe von 49 Mark erhalte D rs Porto für diese Mitteilung erforderte 70 Mark.
Oberursel, 18. Jan. Kommerzienrat Löwenstein, Inhaber der Firma „Neue Industrie-Werke" hier, stiftete der Arbeiterschaft seines Werkes den Betrag von 21'» Millionen Mark, zur Anschaffung von Naturalien.
Heldeiberg, 17. Jan. Der bekannte Deutsch- omerifantfehe Großkausmann Edgar Heßlein in New- vork, der bereits vor einem halben Jahr der Heidelberger B--bliotbek eine Hrrößer« Zuwendung g Ana tot hat. hat jetzt der Notgemeinschast Heidelberg die Summe von 1000 Dollar (zurzeit über 10 Millionen Mark) für Notleidende der Stadt Heidelberg überwiesen. Ihm bat sich «in anderer Amerikaner E. SS. Wartens mit der Stiftung von 100 Dollar für den gleichen Zweck auge- schlofsen.
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5>ochsckulnack>richten.
X Verliehen. Dem Ordinarius der Philosophie an der M ün ch e n e r Universität Geh. Hofrat Dr. Phil, et htr. h. c. Clemens Baeumker ist der Titel Geheimer Rat verliehen toorden.
X Ernannt. Der Hilfsarbeiter im preußifchen Kultusministerium, Lehrer Runge aus Düsieldorf, ist zum Kretsschulrat in Geldern, Reg.-Bez. Düsseldorf, ernannt toorden.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 21. Ianuar.
(Erziehungssonntag.)
Pfarrkirche. 10 Uhr: Pfarrer Heermann. 11'/. Übr: Kindergottesdienst. 2 Uhr: Pfarrer Fokken.
Elisabethkirche. 10 Uhr: Pfarrer Waltemath. 11*/« Uhr: Jugendgottesdienst. 2 Uhr Pfarrer Metz In kviden Kirchen Kollekte für Gemeindezwecke.
Ockershausen. 8Uhr: Jungfrauenverein.
Im ElisabethhauS und Julienflist von 4—7 Uhr ^lngsrauenverein.
Ref. Stadt- u. Univers.-Kirche. 10 Uhr pünktlich: Pfarrer Effenberg. IF/e Uhr: Kindergottesdienst, Pfarrer Eisenberg) 8 Uhr: Pfarrer Heermann
Dia konissen-Mutterhau« Hebron, Wehrda. Sonntag, vorm. 10 Uhr: Gottesdienst, Missionar Eckart.
Katholische Kirche. Gottesdienste um 61/,, 7’,'?, 91/, und 11 Uhr: 2 Uhr Christenlehre und Andacht mit Segen. i
Selbst, evang.-l«th. Gemeinde, Ridlaistr. 1. Sonntag 21. Januar, vorm. 10 Uhr: PredigtgotteZ- dienst.
Neuapostolische Gemeinde, Heusingerstraße 5. Gottesdienste: Sonntag, Dorrn. 10 Uhr: abends 8 Uhr. Mittwoch, abercks 8*/, Uhr. Die Kapelle ist geheizt.
den Gedanken von sich ab. Man durste Sophie Adrianowna nicht beleidigen. Blicke konnten, täuschen.
„Woran denkst bu?" fragte die Frau.
An nichts. An Vergangenes."
„Wir wollen nicht von der Vergangenheit sprechen, Sophie Adrianowna —"
Unruhe schimmerte in ihrem Mich
„Nein, wir wollen nicht von der Vergangenheft sprechen. Du hast recht. Mr sind wie Genesende, u-cht wahr?"--
Sie hielt inne.
„Ich bin als junges Mädchen einmal krank geirrten und durfte zum erstenmal aufstehe», als der Park blühte. Ich hatte noch nie zuvor eine Ahnung taten gehabt, wie schön das Mühen fein Nnnte. —"
Sie lächelte verloren. Ihre Lippe» waren wie roter Wein. .
Mellenheim dachte: Wie schön diese Frau ist!
Sie stihren schweigend bis zum Prater, wo Mettenheim schon am zweiten Tage ihres Wiener Aufenthaltes eine Villa in der Baleriestraße gemietet hatte.
Es war ein zurückgezogenes, freundliches HauS, das der Witwe eines höheren Beamten gehörte. Die alte Dame führte in zwei Zimmern des Erdgeschosses ein armseliges und schueckenhaftes Dasein. Mellenheims Räume lagen im unteren, diejenigen der Gräfin im oberen Stockwerke. Praterbäume winkten durch alle Fenster. Vom oberen Stockwerke aus konnte man das Dach der Rotunde schen und die Wasserlust spüren, die vor: der Donau heraufstrich.
An diesem Februartage war die Lust so warnt, baß Sophie Solutzess die Balkontür geöffnet hielt. Reiter galoppierten die Prinzenallee entlang. Ans irgendeiner der Praterwirtschaften klang Musik.
Mellenheim lauschte mit gesenkten Lidern und sab buntgelleidete Mädchen, die sich in einem stauberfüllten Saale drehten.
Er erinnerte sich seines einsamen Abends in Bukarest und lächelte.
Wie seltsam halte fein Leben sich seit jenem Abend verändert! — Oder war es nicht einmal eine entschei-
Zweites Blatt
Nr. 17
E I HN abend, 20. Januar
Hartung
1923
Methodistengemeinde, Wönhstraße 15a. Sonntag, vorm. */810 Uhr: Predigt, Setter. Abends 7.9 Uhr: Predigt. Mittwoch, 7,9 Uhr: Bibelstunde.
Stadtmission, Rotergraben 5. Sonntag, morgen« 87, Uhr: Frühstunde. Nachm. 3V» Uhr: Versammlung ä»/, Uhr: Jungfrau »stunde. Montig. alxr.ds . 87, Uhr: Chorstuud«. Mittwoch, abends 8 Uhr: Jungfrauenstunde. Freitag, abends 87, Uhr: Bibelstunde.
Landeskirchl. Gemeinschaft Marburg-Süd, Schwanallee 51. Sonntag, vorm. 8 Uhr: Morgen- andacht. Bonn. 107, Uhr: Sonntagsschule. Nachm. 47, Uhr: Jungfrauenverein (Wilhelmstr. 8). Abends 8Uhr: Evangelisation. Montag, nachm. 41/. Uhr: Frauenstunde. Abends 87, Uhr: Chorstunde. Dienstag, abends 81/, Uhr: Jugendbund für junge Mädchen. Mtttwoch. abends 8 Uhr: Jungmänner-Bibelstunde. Freitag, abends 87, Uhr: Bibelstunde..
Christ.!. Verein junger Mädchen. Inllenstift. Sonntag, 2—4 Uhr: Konfirmänden. 4 Uhr: Bereins- stunde. Dienstag, 8 Uhr: Vereinsstunde. Donnerstag, 8 Uhr: Chorstunde.
Evangel. Gemeinschaft, Frankfurterstraße 8 (im grauen HauS). Jeden Freitag 8 Uhr abends: Versammlung.
»«ritllcher •enntegSNinH.
A»r <tr Notfälle von mittag» 12 Uhr bi« Mont«« früh 7 Uhr.)
Am 21. Januar: Dr. Trenkmann, Marftgasse 18/20;
San.-Rat Dr. Schröder. Fran'fi-rf'r^r. 28.
ZUhnRr»tUchr, •«wwt«i»t".tnX.
Am 21. Januar: Zahnarzt Corel!. Universitätsstr. 17.
Sprechstunde von 10—11 Uhr.
•onnt«g»»ienH mt» »ochennachtblen» vor «pochttm, Vom 20.—26. Januar: Adler-Apotheke.
Handels- und Marktnachrichten.
Kirchhatn, 18. Jan. Der Schwetnemarkt am Dienstag war nur sehr mäßig mit Tieren befahren. Käufer hatten sich tn größerer Menge eingefnnden. Die Prelle Waren febr hoch und schreckten viele Kauflusttge ab. Für Saugferkel wurden laut .Kirchh. Zig." 80-100000 jK gefordert für das Paar.
- - TgyTadsr' t—
Der Wert der Mark im Auslande.
a
Für 100 3 in
Zürich Amsterdam Kopenhagen Stockholm Wien Prag London New Port Paris
Tentfnrt, den IS. Januar 1923.
Karl wurden gezahlt:
heute: vor dem Krieg: gezahlt für:
0.02 125.42 Fr. 1 Fr. 9Jtt.36fi2.50
—59.20 (Bulb. 1 Gib. „ 7775.— 0.02 88LÜ Kron. 1 Kr. „ 3900.-
0.C2 88.80 Kron. 1 Kr. „ 5400.—
3.55 115.80 Kron. 1 Kr. „ 0^2
117.80 Kron. 1 Kr. „ 535.-
0.02 97.80 Schill. 1 Sch. „ 45fiLS0
0.05 23.80 Doll. 1 DL ! .19650.-
0.08 125.40 Fr 1 Fr. ! . 1305.-
'/.II—l: 4'!.—7; Sonntags tO—12.
JHI Geschlecht sleiden Mftk Kein Quecksilb., ohne S*rut»ft3r.Slntnei«j.
Aufkl. Brosch. Rr.25 gegen Einsendung von 200 5x1 jSpez, Arzt Dr.BoIlaende^s S
Frankfurt o.M., Betdmanastraf,» 5«.
Eeschäfillch« Mitteilnag.
Wichtig beim Einkauf ist rt. ttir Dnatitltb- wäre als solche zu erkennen und sich mcht täuschen ,» lassen. Wir machen daher besonder« auf das heutige Inserat der Firma Wllh. Siegte, G. m. 6. H.. Stuttgart aufmerksam, wo auf die Echtheitsmerkmate bet feit Jahrzehnten so glänzend bewährten Bteyte'« ffna- benanzüge und Bleyle's Sweater für Knaben und Mädchen hingewiesen wird. Vorsichtige und aus wittschait- liche Vorteile bedachte Mütter und HauSsraven werden den Inhalt dieser Erllärung in ihrem eigensten Interesse beherzigen.
dende Veränderung? — Stand die Zukunft nicht genlau f» ungewiß und drohend vor ihm, wie in jener Stunde, als der liebenswürdige Kaufmann aus Staat ihn für «inen Verbrechet oder für einen Verrückten erklärt hätte? Ein gespannter mmd grüblerischer Ansvruö trat in seine Züge.
Gab eS in seiner gegenwärtigen Lage überhaupt irgendeine Möglichkeit, aus bet sich eine Zukunft ent- Wickeln konnte? War es ein eines Mannes würdiger Beruf, der Reisebegleiter und VetmögensverWalter einer schönen und verfolgten Frau zu fein’ Konnte dieser Zustand überhaupt Äs ein dauernder bezeichnet werden? \
Mellenheim hatte Falten auf der Stirn.
Sophie Adrianowna ging mit sanften, gleitenden Bewegungen durchs Zimmer und Wiederholre leise u»d glücklich wie ein Kind, das sein Gehirn mit einer einzigen Vorstellung sättigt:
„Es ist Frühling! — ES ist Frühling!"
Sie setzte sich zu Mellennheim und fragte zärtlich:
„Du bist so ftnster? — Hast du Verdruß gehabt?"
Er antwortete, beinahe gegen seinen Willen-
,Jch denke an die Zukunft!"
Sie stand wieder auf, ging bis zur Balkontür und warf einen schnsüchtigen Blick auf die sonnenjbcglänMn Bäume.
„Genügt dir die Gegenwart nicht mehr", fragte sie nach einer Pause. Ihre Stimme war sehr sanft,
Er hob gequät die Schultern.
(Sortierung folgt.)
die Schokolade $ der Anspruchsvollen! |