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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg. , W

Anzeiger für (das früher kurhessische) OherhessM

TieOderheisiiche Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 800 Mk. mit Zuftellungsgebiihr. Für ausiallende Nummern infolge Streiks »oer elementarer Ereignisse kein Ersatz. Vertag von Dr. L. Hitzeroti,. Druck der llniv.-Buchdruckerei von Jod. Lug. Koch. Markt 21.23. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg Sonnobeni). in A. 3mm Hortung.

Der Anzeigenpreis beträgt für den 9gesp. Zeilenmtllimeter 20.00 Mk. (Kleine Anzeigen gegen bar, 25»/, weniges. Amtliche und aus«. Anzeigen 30 Mk. Bei schwierigem Satz 50'/, Aufschlag. Spät etnlaufende oder den Raum übet/, Seite einnehmende Anzeigen werden «ach der Tertspaltenbrette berechnet. Reklamen der Zetlenmillimeter 70 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Aus­kunft durch die Geschästsst. und Vermittlung der Angebote 20 M, bei Uedersendung durch uns 50. Mt ohne Porto.

58. W 1923

«r. 17

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Die staatlichen Gvuben besetzt!

2 Butter darf «tcht. auch nicht zum Frühstück, abge­geben werden.

3. Eier börfen znm Frühstück nicht ^gegeben werden.

4. Jede Ausstellung von Lebensmitteln in den Schau­fenstern und unnStiges kaltes Büffet ist verboten.

Neue LerhaWge«.

E s s e n, 19. Ian. Nachdem die Ingenieur, kam Mission mit ihren Befehlen an die Zechen Näg- liches Fiasko erlitten hat. tritt jetzt mit voller Nacht die brutale militärische Gewaltanwendung gegen alle ein, die sich weiger», sich den französischen Gewalthabern zu fügen. Seit heute vormittag hat die Beschlagnahme der staatlichen Bergwerke be­gonnen. Militärkommandos haben die Buerschen ^staatlichen Zechen »Erdmannsglück" und »Wester­holt" besetzt und vom Bergwerksdirektor Obcrberg- rat A h r e n s verlangt, daß der Koks nach Westen verladen werde. Da er sich weigerte, wurde er verhaftet und alle weiteren Berladungen gewalt- i|em verhindert. Bei den Moellcrfchächten in Elad- deck-Rheinbaben und in Bottrop ziehen die franzö- ßschen Gruppe« vor die Tore, zögern aber mit dem Eindringen, weil die Arbeiter androhen, im Falle /des Einruckens der Truppen sofort, aus den Gruben sauszusahren. Der Präsident der staatlichen Berg- «erksdirektion in Recklinghausen. Geh. Oderberg- srat Raiffeisen, ist heute früh vor ein Militär­kommando geladen worden und nicht znrückgekehrt. Er ist, wie mitgeteilt wird, verhaftet worden Md »ach Düsseldorf unterwegs. Um 11 Uhr vor­mittags hat ein Kommando französischer Truppen, wie bereits gemeldet, die Düsseldorfer Reichsbank- hauplstelle besetzt und das gesamte vorhandene Geld .beschlagnahmt. Bom Kommando der Schifsspolizei erlangten die Militärbehörden ein Kommando von 40 Mana zur Absperrung der Straße», doch Wurde dieses Ersuchen abgrlehnt.

Essen. 19. Jan. Ueber die Beschlagnahme der staatlichen Bergwerke wird noch gemeldet, daß die Frimzosen in Stärke von einer Kompagnie anrück- trn und die Zecheneingänge mit Maschinengewehren /besetzte». Ingenieure unter militärischer Bedeckung ! begaben sich in die Zechen nnd verlangten die Ver- 'kodung von Kohlen »ach Frankreich. Wie das ^kommunistische »Urrecht" dazu meldet, herrscht über dieses Vorgehen unter der Arbeiterschaft große Er­regung. Dic Arbeiter erklärten, daß sie unter fran­zösischen Bajonetten nicht arbeiten wollen, so wie str auch gegen die deutschen Bajonette Streiks ge- Mrt haben. Um 12 Uhr mittags wurde die Be­setzung weiterer fiskalischer Zechen gemeldet. Mbcrall ist die Erregung unter der Arbeiterschaft wgerordenllich groß. Cie verlassen die Arbeits- Mten und verlangen die Freilasiung der ver­hafteten Beamten sowie die Räumung der Zechen «Her der Androhung, sonst sofort die Arbeit ein­stellen zu wollen.

°i Re Hallux her ArbeitWast.

Recklinghausen. 20. Jan. Der Gesamwe- »iebsrat der staatlichen Gruben im Ruhrgebiet ist «ruern nachmittag zu einer autzerordenrtlichen Sitzung teiammengctrcten, um zu der neugeschaffenen Sage ; wDung zu nehmen, und faßte folgende Ent- Wte?iung:

Der G-samtbetricbsrat Hai am 19. Januar mit Vertretern der örtlichen Ginzelbetriebsräte und *r Beamtcnausschüffe zu der am Morgen vorgenon»- .eenen Beschlagnahme der Staatsbergwerke durch uranlreich und der bereits erfolgten Verhaftung von »eamte», die dort lediglich in Ausübung der Befehle ^rer Regierung und er in Kraft bcfinlichen deutsch » «esetze handelten, folgendes befchl- ffen:

Tie unter französischer Militärbedeckung vorge- «mn-ene Beschlagnahme der StaatSvergwerke im Mrektionsvezirk Recklinghaufen wird als ein Gewalt- s gegen die friedfertige Bergarbeiterbevölkerung be- ^tct. Die gesamte Belegschaft Protest,ert auf das ,«tzchiedenste dagegen. Es wird die Frellaffuug der - verhafteten Beamten gefordert und erwartet datz !*edcr die Sechenanlagen von französischem Miliiär ^ttcten noch datz irgendwelche militätische Hand- : ^>:gen gegen die Verwaltung oder gegen die Beleg- ;Wt sich bemerkbar niachen. Wird de« Wünschen der >Belegschaft nicht unbedingt sofort Rechnung getragen. ?knit die friedliche Weiterarbeit der Brvetter gesichert t*; so wird der Gefamtbetriebsrat im Einvernehmen der gesamten Arbeitnehmerschaft der staatlichen Bergwerke weitere geeignete Maßregeln ergreifen. ; «nter keinen Umständen wird die Arbeiterschaft unter "anzösischen Bajonetten arbeiten.

Heltogoolimt itr StifcJanf.

^Mannheim, 19. Jan. In Landau ist der Sektor der dortigen Reichsbankzweigstelle zur Ber- ^wung unter militärischer Bedeckung abgeführt J^rben. Der Direktor der Ludwigshafener Filiale **"e im Laufe der Rächt und am Vormittag mehreren ^ftorderungen. sich unter ftanzösische Kontrolle zu 2?EN, keine Folge geleistet und ist deshalb in der ">Utngsstunde verhaftet worden.

Paris, 19 Jan. Die Blätter teilen mit, datz «Üern nachmittag die Reichsbank in Mainz ihre Walter geschlossen habe. TasPetit Journal" er- ' QrI. man erwarte, datz diese Maßnahme auch auf

Köln und Duisburg ausgedehnt werde. Einige Blätter betonen, datz durch diese Maßnahme die Schaffung einer besonderen Währung für das Rheinland links- und rechtsrheinisch beschleunigt werden könne.

(Mt!

Köln, 19. Jan. Wie dieKöln. Zig." aus Speyer meldet, sind auf Befehl der Rheinland- kommisfion vom 18. ds. Mts. von heute an gesperrt: 1. die Akten und die aus Zolleinnahmen herrühren­den Bestände sowie die künftigen Einnahmen, 2. die Akten und die aus den Stadt- und Eemeindeforften herrührenden Bestände sowie die künftigen Ein­nahmen und das Holz auf den Stämmen und auf den-Lagerplätzen, 3. die ans der Kohlensteuer her­rührenden Bestände, lieber Zuwiderhandlungen entscheidet das Militärgericht. Kein deutscher Be­amter oder sonstiger Angestellter der beteiligten Dienststellen darf ohne Genehmigung der Rhein- la rdkommission seinen Dienst oder Wohnsitz ver- laffen.

Essen, 19. Jan, Die Franzose» haben in Esten eine Ueberwachung des Postverkehrs ein­gerichtet. Bon der ein- und abgehenden Post wer­den Stichproben entnommen, die abgeholt und nach etwa 12 Stunden wieder zurückgebracht werden.

Wie weiter gemeldet wird, ist die Beschiag»abme von 17 Kohlenzügen mit 15 000 Tonnen Kohlen er- folgi. Der größte Teil hiervon liegt noch im Duis­burgRuhrorter Hafen. Ein Teil der Schiffe wurde wieder in die Richtung Mannheim beordert.

Berlin, 19. Ja». Wie den Blattern von zu­ständiger Seite mitgeteilt wird, wurden in Wester- fiolt Kohlenexpedienten von franzofi'cheu Truppen inhaftiert und ihnen befohlen, ihr Zimmer Tag und Nacht nicht zu verlassen.

Auch die Pfalz Coste unterstellt.

München, 19. Jan. Wie bekannt wird, bat b*e Kohlenstelle Ludwigshafen von der Inter­alliierten Rbeinlandkommission Befehl erhalten, daß sie nicht nur von der bayerischen Landeskohlen­stelle, sondern auch von der Interalliierte» R'ein- landkommisfion Befehle entgegenzunehmen habe.

3»5 ©eföngnis geworfen.

(Sffe n, 20 c^n. Polizeipräsidenten wurde» bc, der 47. französischen Division Schritte zur Freilassung des vorgestern in Haft genommenen Schutzpolizeib-am- unternommen. Die Division teilte gestern mit, oiß der Beamte zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt wor-

!e!' weil er sich geweigert habe, einen französischen Dssiz-er zu grüßen.

föegwrorhnnng der ReirhrregierW.

55erltn, 20.^an. Die Neichsregierung und die Landesregierungen Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs haben folgende Anweisung erlassen: Dft Aktion der französischen und belgischen Regierung im Ruhrgebiet stellt eine schwere Verletzung des Völker­rechts und des Vertrages von Versailles dar. Infolge­dessen sind Befehle und Anordnungen, die in Verfolg dieser Aktion an deutsche Beamte ergehen, rechlsun- wirksam. Es ergeht daher seitens der Regierung des Reiches, Preußens, Bayerns, Hessens un> OldenbuM bie Anweisung, Anordnungen der besetzenden Mächte keinerlei Folge zu geben, sondern sich ausschließlich an die Anweisungen ihrer eigenen Regierung zu halten. Dies gilt auch für Beamte im altbesetzten Gebiet und allen Maßnahmen gegenüber, die in Widerspruch zu den Bestimmungen des Rheinlandabkommens stehen. Cuno, Braun, v. Knilling, Ulrich, Tautzen.

Berlin, 19. Jan. Der Reichsfinanzminister hat die ihm unterstellten Behörden im besetzten Gebiet angewiesen, de» Anordnungen der Rheinlandkom­mission über Beschlagnahme deutscher Steuern und Zölle und sonstigen Eingriffe» in die deutsche Finanz­verwaltung unbeugsamen Widerstand entgegenzu- setzen. Für hieraus erwachsende Nachteile würden die Beamten schadlos gehalten werden.

Durch eine weitere Verordnung wird verfügt, datz die Beamten und Arbeiter der Reichsbahn und der Nrichswasierstratzenverwaltung sich bei allen nicht ver- nteidbaren Berührungen mit der französischen und belgischen Besatzung im Ruhrgebiet ausschließlich der deutschen Sprache zu bedienen haben.

Reichsbefehl an bie Eisenbahner.

Berlin, 19. Jan. Den Beamten »nd Arbei­tern der Reichseisenbahn ist, ben Bestimmungen bes Reichskohlentommistars entsprechenb, nntersagt wor­den, Kohlen für Frankreich unb Belgien zu beför- derun ober bei der llmlenkung beutscher Kohlenzüge »ach biefen Länbern mitzuwirke«.

Streit m MkWet.

Dortmunb, 19. Jan. Als Antwort auf bie heute erfolgte Verhaftung de» Bergwerkbirektors Raiffeisen unb bes Zecheubireltors Arendt burch bie Befatzungsbehörbe haben Angestellte »nb Ar­beiter brr betreffenben Zechen im Bezirk Reckling­hausen »nb Gelsenkirchen bie Arbeit nieber­ge le g t unb sind in den Streik getreten.

Sine ffiatnuno itr Msttgittm an

Berlin, 19. Jan. Die Reichsregierung hatte durch ihren Geschäftsträger in Paris unterm 12. Januar bie französische Regierung vorsorglich darauf aufmerksam machen lasten, baß bie franzö­sisch-belgischen Truppen bei einem weiteren Vor­marsch über Dortmunb hinaus in das Gelände deutscher Garnisonen kommen würden. Darauf ließ Poincarrf dem deutschen Geschäftsträger folgende Rote zugehen:

Ich habe bie Ehre, Sie zunächst baran zu er­innern, baß bie von ber französischen unb belgischen Regierung getroffenen Maßnahmen, um Deutsch- lanb zur Lieferung ber an Frankreich geschulbeten Kohle anzuhalten, in keiner Weife den Charakter einer militärischen Operation tragen. Ich kau» mich in dieser Hinsicht auch auf bie Worte meines Schreibens bezieen, das ich am 10. Xaitutrr an Dr. Mayer richtete. Ich bin ferner verpflichtet, barauf aufme.rkfaM z» mnüi.n, baß die auf Weisung ber Reichsregierung eingenommene Haltung ber In­dustriellen es den alliierten Behörden unmöglich macht, auf gütlichem Wege vorzugehen unb sie viel- melr zwingt, die zu liefernde Kohle zu requirieren »nb Umleitungen im erforberlichen Maßstabe vsr- zunehmen. Die Alliierten haben augenblicklich bie Pflicht» vor allem vor bie Abwickelung ber fälligen Reparationsleistungen unb für bie Bedürfnisse bes Ruhr- unb bes linksrheinischen Gebiets zu sorgen. Den anberen Teilen Deulschlanbs wirb lebiglich der danach verbleibende lleberschuß zugeführt werden können. Sollte also durch die Schuld der deutschen Behörden ober ber Jnbustrielle» bie Förderung unter bie gegenwärtige Ziffer herabsinken, so wür­ben baburch möglicherweise alle (Kohlen)-Senbun- aen nach Deutschlanb verhinbert werben. Ich bitte Sie, bie deutsche Regierung für alle Fälle hierauf aufmerksam machen zu wollen.

(gez.) Poinear^.

Der deutsche Geschäftsträger v. H » e n e n würbe daraufhin beauftragt, Poincarö folgende Antwort <?u übermitteln:

Die deutsche Regierung hält -jede weitere Er­örterung über ben französisch-belgischen Einmarsch für überflüssig. Sie kann nur ihrer Verwunberung Ausdruck geben, baß bie französische Regierung vor aller Welt ben offenkunbigen Charakter ihrer Aktion auch jetzt noch ableugnen zu könnne glaubt. Die beutsche Regierung muß sich jeboch bagegen ver­wahren, baß bie französische Regierung mit ihrer Scgrünbung ber geplanten Requisitionen unb an­deren Zwangsmaßnahmen einen neuen Versuch macht, ben wahren Sachverhalt zu verschleiern. Die Unmöglichkeit, Kohlen für Reparationszwecke unb für ben Bedarf des besetzten Gebietes auf ord­nungsmäßigem Wege zu liefern, ist nicht bie Folge des Verf allens der deutschen Regierung ober an­derer deutscher Stellen, sondern bie Folge bes rechtswibrigen Einmarsches. Die französische Be­gründung läuft auf bie Behauptung hinaus, baß Frankreich beshalb zu immer gröberen Formen bes Unrechts befugt fei, weil bas zuerst begangene Un­recht bes Einmarsches i» beutsches Gebiet von Deutschlanb nicht unterstützt würbe. Uebrigens meist bie deutsche Regierung barauf hin, baß bie Ausführung ber Drohung für Deutschlanb lebiglich ben verbleibenben Rest ber Kohlenproduktion frei­zugeben, ein neuer Rechtsbruch sein würbe, weil "ach bem Vertrag von Versailles ber notwenbige Bedarf Deutschlanbs ben Vorrang vor be» Repa- rationsforbernngen Hai.

MiislW 8er FraiMn mi8 Miet aus 8et Miner Hotels.

Berlin, 20. Jan. Der Ver»n Berliner Hotels und verwandter Betriebe hat aus freien Stücken in Ver­folg früherer Beschlüsse geftern Abend folgenden Beschluß gefaßt:

1. Es darf an icbett Gast nur ein Hauptgericht aus Fleisch abgegeben Werde«. __

5. Französische und belgische Gäste werden in ben Hotels nicht ausgenommen.

6. Französische und belgische Zeitungen dürfen nicht ausgelegt werden. - - J

7. Französische und belgische Werte und Noten Werde» nicht in Zahlung genommen. »

< 8. Französische und belgische Weine, Liköre und Lkbcnsmfttcl iverden weder gekauft noch verkauft.

9. Die Lieferanten werden dringend aufgesvrdett, sich anzuschließen und keine ftanzösischen oder belgische», Waren mehr zu führen.

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LndM bleibe dort!

Nach allem, was sich bis jetzt int Ruhrgebiet er­eignet hat, kann kein Zweifel mehr darüber sein: Wit leben mitten im offenen Krieg. Wenn schon nach Elemenceans Ausspruch, der Versailler Frieden nur ein Mittel war, um den Krieg auf andere Weife fort­zusetzen, so wurde doch bislang immer noch der Schein wenigstens gewahrt, als wandele man, mit ollen Schikanen und Gemeinheiten, die das deutsche Volk Über sich ergehen lasten mutzte, .friedliche" Bahnen. Im Dienste der .Gerechtigkeit" versuchte man die Forderungen durchzudrücken, die .Heiligkeit" des Friedensvertrages sollte gewahrt werden und wenn schon die endlosen Konferenzen und Beratun- gen lediglich der Verschleierung brutaler Gewalt dien­ten, so blieb doch durch alle diese Komödien nach außen hin zum mindestens die Souveränität eines Volkes gewahrt, das nach ausdrücklichen Beleuerun- geu des Herrn Poincars nur für Schäden haftbar ge­macht, aber nicht vernichtet werden sollte. Mit dem Einbruch ins Ruhrgebiet hat man nun auch diese letzte, fadenscheinig gewordene Reserve fallen lasten und ist zur offenen Gewalt geschritten. Mitte» imFrieden", ohne jede Kriegserklärung ist ein Voll überfallen worden, das unter schwerster Frohn buch­stäblich sein Letztes hergegeben hat, um Schäden wie­der gut zu machen, die es nicht verschuldete. Krasser und brutaler kann der Imperialismus nicht auftreten. Unter Mitzachtung leben Rechtes vergreist sich Frank reich an deutschen Bürgern und deutschem Eigentum Das Austreteu der Gewalthaber im widerrechtlich be­setzten Gebiet spottet jeder Beschreibung. Das unbe­herrschte Benehmen der sranzösiscl)en Führer den Ein- wohnern gegenüber, die Unverschämtheiten, die sift bie .Herren", gestützt auf ein lächerlich grobes Mili- tärausgebot, erlauben, treibt bie Erregung aus ben Siedepunkt. Die Verhcistn>gen, Reqniricrnngsbcsehle, Erhebung von Kohlensteuern, Beschlagnahmen vot> Forsten und Wäldern sind Matznabmen, die nur durch einen offenen Krieg zu rechtfertigen sind.

Neber diese Tatsache herrscht eine Stimme im be setzten wie im unbesetzten Deutschland bei allen denen, die nicht etwa wie die Kommunisten das natur- liche Gefühl der Zugelchrigkelt zum deutschen Boder und zum detttfchen Geiste verloren haben. Wir wollet heute mit biefen Rittern von der ttaurigen Gestalt nicht rechten. Die hervorragende Haltung der Ar­beiterschaft im Ruhrgebiet wird ihnen vielleicht ehw Ahnung gegeben haben, wie wenig sie hier zu hoffet haben. Es. kamt wirklich nur unreifen Burschen passieren, batz sie noch heute nicht merken, .wie fit samt ihren Brüberlichkeitsibeen ein verächtliches Werkzeug werden für eine Politik, die, wie die fran- zösifche so ganz andere Ziele verfolgt.

Die deutsche Regierung hat mit unzweideutiger Bestimmtheit bas Bestehen bes wiberrechilichen kriegsmShigen Zustanbes hervorgehoben. Die offi­zielle ErNSrnng des Friedcnsbniches, den Poincare begangen, die Abberufung der Botschafter, die Ein- tellung der Reparationslieferungen bringen zum Ausdruck, datz durch den französischen Einbruch esi Zustand geschaffen worden ist, der mit einem regu­lären Frieden nichts mehr gemein hat. Freilich, bei Krieg ist nur einseitig, beim wir haben fa keim Waffen, keine Mittel, uns zu wehren. Wir könne« nur passiven Wiberftcmb leisten unb müssen im übri­gen die Gewalt über uns ergeben lasten. Es ist als« m. a. W. kein ehrlicher Krieg, es ist gemeine, zynische skrupellose Gewalt, der wir wehrlos zum Ovsei fallen. Richt ^emig damit, datz man uns so ehrlos Hebande8» -tzast es jüngst erst noch der französische PrSsibent wagen konnte, di«-" deutsche Regierung h. Gegenwart des denttchen Boftchafters vor aller Welt zu beleidigen, nicht genug damit, daß man durch ver­logene Abstimmungsmanöver uns Stück für Stück vom Boden des deutschen Vaterlandes losgeriste» hat, man erklärt uns zu alledem noch für vogelfreii Man führ' mitten tn einem angeblichen Friede» durch eine umfangreiche Milttäraktton einen entschei­denden Schlag gegen das Herz der deutschen Wirt­schaft!

Es ist klar, datz sich ein solcher brutaler Gewaltakt keineswegs mehr in den Grenzen des Reparations- Programms b5.lt. Das Ziel der französischen Aktto» ist nicht die Erfastung rückständiger Koblenvorräte sondern eine kriegerische Matznabme, die die wirt flsiaftlick« Erdrostelung D-nts<ttl«mbs bedeutet. Die Abriegelung des Rbein-Hemekanals lStzt hierüber keinen Zweifel. PoincarsS gegenteilige Beteuerungen sind nur dazu angetan, diefen Vcrnickitungsvlan noch zu unterstreichen. Wir wollen und können biet nicht untersuchen, was Frankreich zu fofehern Vorgeben ver­anlaßt. Es ist ober auch ganz gleichgültig. Rur der deutsche Michel bringt bas Kunststück fertig, in einem Augenblick, wo es um fein Leben geht, bie .Gründe" keines Mörders zu untersuchen, statt sich zusammem- zurasfen und dem Gegner die Stirn zu bieten. Wir brauchen, mich wenn wir waffenlos sind, nicht so zag­haft zu fein. Mögen die gegenwärtigen Verhältniste tm Ruhrgebiet uns auch für die kommxude Zeil <taf_