Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (Las früher kurhestische) ObMester^K
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Der Ulmmltmin eetWte.
Paris, 13. Jan. Die amtliche Mitteilung iber die heutige Sitzung der Repa rat ions- kommission lautet: Im Laufe der heutigen Pormittagssitzung wurde beschlossen, folgendes schreiben an die Kriegslastenkommission zu richten:
Die Reparationskommistion beehrt sich vritzu- teilen, Last sie Ihnen in einigen Tagen eine Entscheidung über di« beiden Schreiben zngehen lassen wird, die Sie am 14 bezw. 27. November 1922 na- »ens der deutschen Regierung an sie richteten. Sie 'beschloß, den provisorisch im Zahlungsstatut wm S. Mai 1921 auf 15. Januar 1923 angesetzten Zahlungsterman auf den 31. Ianuar zu verschiebe«.
gez.: Louis Bartha«. Delacrioix.
StsWr
Berlin, 13. Ian. Im Reichstag bietet sich heute Wicker das seit den Weibnack-tskerirn imgewohnte RE) eines großen Tages. In den Wandelgängen herrscht seit den späten Vormittoasitnnden ein lebhaftes Tr?i- fcen. Schon lang« vor Beginn der be?'t-gen 'Sitzung waren die Tribünen und die Lo--en üfrerfüflt. Biel beachtet wurde, daßder französische und der belgische Botschafter in der Diplom atenloge tticht erschienen waren Um 2,30 Uhr trat der Mei chskan zier an der Sih de der ««samt?« Kabi- (üetts» in den Sitzungssaal. Präs deut Loeb? eröffnete /kurz darauf die Sitzung mit kräftigen Borte«- es Pro- Mes gegen den französischen Rechtsbruch und 'en Efti Mw* fvanzösischrr Truppen in dei-tsche- Gebiet. ®.V Haus, das sich mit Ausnahme der Kommunisten erhole» hatte, lauschte ergriffen den Werten >>es Präsidenten. deuBrüdernander Ruhr zuries: „Haltet Euö- s», daß an dem Tage, an dem di« Fremdherrschaft von Euch genommen wird. Eur-' Kinder von Euch sagen können. Ihr habt den Frevel, beit man Euch angetan hat. »it Würde getragen Dec Präsident schloß feint Ausführungen mit einem Mohmvort an die Entente, da« Unrecht, das sic uns angetan, bald wieder gutzumachen, ehe es für sie und uns zu spät sei. Rach einigen geschäfts- rcknungsmäßigen Bemerkungen ergriff Reichskanzler Dr. kuno das Wort. Er führte etwa aus:
Vorgestern drangen französische und belgisch? Truppen in deutsches Gebiet ein. Die Truppen warm kriegsmäßig wisgerüstet. An der Spitze marschierten Kavallerie Abteilungen Mit gezogenem Säbel, Panzerwagen fuhr n tef, Maschinengewehre wurden in Stellung gebrach: ;8nb der Belagerung-zusta nd erklärt und das gegenüber itinem Land und einem Volk, das die Entwaffnung restlo- )durchgesührt hat und das nicht daran denken kann, 'Ltderstand zu leisten. Den eingeleiteien Maßnahmen sing eine Note der französischen uns belgischen Regierung botmig, in der angeküudigt wurde, daß die beiden R'- iitrungen eine Kontrollkommission von Ingenieuren zu entsenden ' gedächten, um fernerhin die Lieferung tou Holz und Kohlen von Deutschland zu überwachen. Der Kanzler skizzierte dann den Inhalt der Note des sran- Wchen Botschafters und belgischen Ecichä'tstrl'gerS an deutsche Außenministerium Er wies insbesondere «raus bin, daß bk französische Regierung an den ßukt Aillen der deutschen Regierung in dieser Note appellier:, dieselbe französische Regierung tue daö, die diese Note togeblich auf den Frickensvertrag von Versailles stützt, kt seinerzeit vor genau drn Jahren ratifiziert wurde, tot einen festen, gerechten und dauernden Frieden zu Kassen und bk Vorschriften des internationalen Rechtes ,^sch«r voll in Kraft zu setzen, desselben Vertrages, der seiner Einleitung betont, daß nunmehr in der Welt i^icher Gerechtigkeit herrschen soll und daß ein Pro- itecmm der Versöhnung eingeleitet werden solle. In Akseui Vertrag hat die deutsche Regierung schwerste Verrichtungen übernommen, die weit über das Maß dessen .«nausgehen, was in dem Borfticken vom 14 November J1918 übernommen worden war. Aber so schwer die l«st war, die Deutschland damals übernommen hat, so -silltrn doch die Leistungen Deutschlands nur entspreche-ch
Hilfsmittel» und der Leistungsfähigkeit Deutsch- *-^5 angemessen sein. Gleichwohl war Deutschland Irlich bemüht, bis zu den Grenzen der Leistungsfähigkeit wirtschaftlichen Reparationen zu leisten. _ Der Kanzler in kurzen Zügen auf, was Deutschland schon Ees geleistet hat und all dkse Leistungen sind durchführt worden fast ohne Rücksicht auf dk eigene Lei- tongsiähigkcft und bk eigene Wirtschaft unb haben ■St. wie allen klar vor Augen lkgt zu einem vollkomme- ir® Verfall der deutschen Wirtschaft geführt. «*b dieses Höchstmaß von Leistungen ist ■»llbracht worden nach vier Jahren un- »thörter Leiden des deutschen Volkes. Trotzet hat Herr Pmncare in seiner letzten Kammcrrtd: es ^*8 gebracht, davon zu sprechen, daß Deutschland nichts *srter als falsche Versprechen abgegeben habe und daß ■vte Aussicht bestände, daß Deutfchland irgendwelche ~tttrengungcn ohne Zwang machen mürd«, den Vertrag
Versailles zu erfüllen. Wie diese Behauptung aus- erhalten werden soll angesichts der deutschen Vor- wie sie in dem Brkf au den englischen Premier- ^nfter und in de» Vorschlägen nach Paris zum Aus
druck kamen, ist unerklärlich. Dabei sind diese deutschen Vorschläge gemacht worden, nachdem durch die prominentesten internationalen Finanzpolitiker die absolute Zahlungsunfähigkeit Deutschlands fcstgestellt worden war. Die Regierung Cuno hat gleich nach ihrem Regierungsantritt erklärt, daß sie ihre Arbeiten auf Grund der Rote vom 14. November anfnebmev. werde. Sie hat sie nach drei Gesichtspunkten durchgcsührt: finanziell imr sie darauf bedacht, den Gläubio-rstaaten sofort greifbare Mittel zur Vcrsügung zu stellen, wirtschaftlich hat sie danach gestrebt durch Berbandlungen zwischen Deutschland und Frankreich die wechselseitigen wirtschaftlichen Belange beider Stenten in geebnete Beziehungen zu bringen, politisch hat sie durch den Vorschlag des Rheinland-Paktes die französische Behauptung widerlegt, daß Deutschland dauernd kriegerische Absichten am Rhein habe. Der erste Schritt, das Schreiben an Bonar Law mit den deutschen Vorschlägen wurde abgelehnt. Zur Pariser Konferenz hat die deutsche Negierung neue Vorschläge gemacht. Aus der Hambur-xr Rcke des Kanzlers konnte auch die Oefsentlichkeit der Entcntlländer die Ziele dieser deutschen Vorschläge ersehen. Es sollte durch Anleihen sofort eine feste Summe dem Ausland zur Verfügung gestellt und wettere Anleihen sollten in Aussicht genmommen werden. Aehnliche Gedanken hat England auf der Pariser Konferenz vorgebracht. Sie wurden von Poincare mit den Worten abgelehnt, daß er nicht zulassen könnte, daß internationale Bankiers als Schiedsrichter Frankreichs austretcn. Die deutsche Regierung bat es durch Verhandlungen erreicht, daß Handel und Wirtschaft sich bereit erklärten, bk deutschen Vorschläge mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Die deutsche Regierung Hot »orgcschlagen, durch eine Kommission der Industrie- und Brnftvelt eine wirtschaftliche Verständigung zwischen Deutschland nnb Frankreich einzuleiten. Poincare hat dies abqelehnt. Die deutsch? Rkgierung hat unter Zuhilfenahme des d-aro- kratischen Mittels der Vvl-sabstimmung der sraurösischen Regierung den Rheinland-Pakt. Vorschlägen lassen, der Frankreich Sicherheiten vor jedwedem lleb:rf«ll durch Deutschland Lcqrzeben ^ätte. Poinesrö hat auch .dkstn. Vorschlag abgelebnt, dabei war keiner dieser V»c>ch'äge starr oder unbsv.'glich, sondern gab nach jeder Richtung bin Reum zu Verharcklunpen. Äußerlich sind dir Not' vom 10.1. und der Einmarsch vom 11.1. nicht an das große Problem geknüpft, sonder» an das kleinere Versagen Deutschlands in den Holz- und Kshtenleferungen, die wenige Prozent dessen auSmpchrn. was wer seit dem War» kenstillstand geliefert Halen: deswegen und wegen Nutzholz und T< legvavh-nstanAgn unternimmt Herr Voinrara eine militärische Aktion die Kojren von unabiebbirem Um- fange macht und geradezu verhängnisvoll dk Mfttel für unproduktive Zwecke bildet. Wo bleiben die wni- schaftlichen Gründe, auf di- sich Poinrare zu stützen glaubte. Ebensowenig läßt sich ein Rrchtkgruud qe'te. d machen. Nach der ausdrücklichen FaMetft-ng der Repa- rotionskomm ssion müsse eine FerkUun» bei den Holz- uud Ko.hl:ukief:rungsn Nichts anderes al» die Forderung non D-rrzahlung reck.tf.it:g--n Der gegenwärtige Einbruch von Truppen und Beamten in das Ruhrgebiet ist dir denkbar schwer st e Verletzung des deutschen H o heits re chtes. Im übrigen können neck dem Vertrag solche MoHnadmc n nur Von den b.'ieiligten Mächten tzeme.in.ssm gctrofstm werden. In dem amtlichen ! Bericht des iraurcsischen Kammer-Ausschusses über den Versailler Vertrag wird Vx der Erörterung der Von ser französischen Regkring jetzt berührten Vertra« beftimmung ansorücklich erklärt, daß die vorgesehenen Maßnahllren von den Alliicrkn in gemeinsamem Cinverständis getroffen werden sollen. Der Verfasser dieses Berichtes ist kein anderer als Herr B a r t h a u. der Vorsitzende ser Revarationsksmmission. Es steht fest. Recht und Vertrag sind mit dem Einmarsch der Truppen in das Ruhrgebiet gebrochen worden. Den Unterzeichnern des Friedeusverlrages und drn neutr^en Staaun haben wir unsere Auffassung dargeteat den Reg ernngen Frankreichs und Belgiens haben wir unseren Protest erklärt, unseren Botschafter in Paris und unseren Gesandten in Brüssel hoben wir -uriulbernf.n. Solange der vcrtrags- wkdrige Zustand andauert, ist Deutschland nicht in der Loge, Leistungen an diejenigen Mächte zu bewirken, die jenen Zu stand hrrbeigeführt heben. Es ist bitter wenig, was wir der Gewalt äußerlich entgegensetzen können: innerlich setzen wir Willen unb Entschlossenheit entgegen. Die wirtschaftlichen Reparationsvei Handlungen versprechen ohne eine grundsätzliche Umstellung unseres wichtigsten Gläubigers keinen Erfolg. Es handelt sich nicht um Reparationen, sondern um jenes alte Ziel,dasseitmehralsvierhundertJahren der französischen Politik eigen ist: das dentscheReöchundseine Exisie nzzuvernich- ten. Aber znm Siege führen konnte Frankreich ferne Politik doch nur dann, wenn das deutsche Volk in sich selbst versagte. Auf die Haltung des deutschen Volkes kommtesan. Es ist nicht einer unter uns, der sich von dem gemeinsamen Lcidensgefühl auszuschlic- ßen vermöchte Es gibt .aber auch ein Höheres, als bk Versenkung in das Leid: das ist der tätige Wille des Ueberwindens. Dazu gehört dir Macht der Besonnenheit, d.e Versammlung aller See- lenkräftc. Wir erfüllen die unabtveisbarc Pflicht, wenn wir mit stärkstem Nachdruck den Ruf zur Besonnenheit wiederholen. Die zu treffenden Maßnahmen sind in Bchondlung genommen worden. Aber auch an die kommende Not muß ich in diesem Augenblick erinnern. Alle Kräfte der H,erzen und Hände müssen wir unserem Volk und Vaterland zuwenden, allen Streit begraben. Die Reichsregierung ist bereit, diesen Weg zu gehen und zu führe»; des Vertrauens der Regierungen aab der Länder
ist sie sicher. Finden wir den Entschluß, die EinigkeitausdemWortrurTatzumachen, Stunde um Stunde, Tag um Tag, bis dem Recht wieder die Freiheit geworden, dann wird auch diese Generation und diese Freiheit ihre Ehre haben. Der Weg des deutschen Volkes sührüdurch Tiefen, aber er ist nicht zu Ende. Stolz bekennen wir uns ungebrochen und unveraltet zur Größe der uns gestellten Aufgaben und für die Men sch- heit fühlen wir uns als Träger eines Rechtes, das nicht stirbt. Unrecht, Not, Entbehrung: unser Schicksal heute! Freiheit und Leben das Ziel! Einigkeit der Weg! (Stürmischer Beifall bei der großen Mehrheit und andauerndes Händeklatschen.)
Darauf tritt das Hans in die Besprechung der Regierungserklärung ein.
Berlin, 13. Jan. Das von der bürgerlichen Slrbettk-gemrinschaft cingebrachte Vertrauensvotum in Form einet Antrages Marx hat endgültig folgenden Worlant erhalten: „Ter Reichstag wolle beschließen: Der Reichstag erhebt gegen den Rechts- und Vertragsbruch der Besetzung des Rulwgebietes feierlich Protest. Der Reichstag wird die Regierung bei der Slnwendung jeder zur entfchloffencn Abwehr dieses Gewaltaktes zweckdienlichen Maßnahme mit vollen Kräften unterstützen.
9k Wong.
Essßcn, 13. Jan. Henle nachmittag wurde der Stadtkreis Buer, der bisher von Truppen nicht besetzt war, mit vkr Schwadronen französischer Kavallerie belegt. In de iryenonnt?n Kreise befinden sich die siskalischen Bergwerke Bergmannsglück, Westerholt und Scholven. Auch im Süden bemerkce man eine lebhaft« militärische Bewegung. So zogen von Werden aus große Truppenmenzen Kavallerie, Artillerie und Maschineng«vehrabteilungen über Kupserüreh in der Richtungen aus Hattingen heran, wo sie in nächster Rahe dr rStobt Quartier bezogen.
Gefahr für Baden?
Karlsruhe. 13. Jan. Wie aus Kehl gemeldet wird, sind im Brückenkopf Kehl feit mehreren Tagen umfangreiche französische T^uppcn- bewegunHen bemerkbar geworden. Zweck und Ziel dieser Bewegungen sind vorläufig iricht erkennbar geworden, doch ist es klar, dah sie einem einheitlichen Plan der französischen Aktion folgen und im Zusarnnleirhange mit der Ruhrbesetzung stehen.
Berlin, 13. Zan.^ Zn den Bezirken Trier und Köln dauern nach Zcitungsrneldungen die Truppe i»bewegung»n an. Gestern wurden im Bezirk Esse» neun Militärzüge mit Truppen unb Verpflegung gefahren. Gestern wurdett 20000 Wa- f,en für Kohlen gestellt. Die Kohlenzüge für Ztalieir fahren weiter.
Essen, 14. Jan. Im Laufe des heutigen Tages haben wieder starke Truppenbewegungen stattgefunden. Ans dem altbesetzten Gebiet ist ein Infanterieregiment über Mülheim und Altenessen nach Stoppenberg gezogen. In Steele und Werden sind neue Truppenkörper eingezogen, die aber voraussichtlich für einen weiteren Vormarsch bestimmt sind.
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In Steele wurde die von den Besatzungstruppen aufgezogene französische Fahue bereits nach einer Stunde herabgerissen und zerfetzt. Der Bürgermeister entschuldigte sich bei dem Kommandanten und mtttzte einen Anschlag an die Bevölkerung an- lchlagen lassen, der vor Ausschreitungen warnt.
In Verhandlungen, die heute vormittag zwischen der französischen Jngenieurkornmisfio« und den Vertretern des Ruhvbergbaus in Essen stattfand, wurde, nach einer Meldung der „Voss. Zig." eine Vereinbarung erzielt, wonach einzelne Ruhrzechen die Brennstofflieferungen nach Frankreich wieder aufnehmen. Für die Lieferungen würden die Regierungen dieser beiden Länder vorschotzweife Zahlungen leisten.
Französische Annäherungsversuche <ra die Arbeiter- - schäft.
Dortmund, 13. Jan. Das Auftreten der Franzosen gegenüber der Bevölkerung und den Behörden des neu besetzten Gebiets steht in schärfstem Gegensatz zu dem Verhalten, dessen sich die neuen Herren den Vertretern der Organisationen der Arbeiterschaft gegenüber befleißigen. Das trat besonders bei dem gestrigen Besuch des Stabschefs der Besatzungstruppen bei der Bezirksleitung des deutschen Metallarbeiterverbande voll in Erscheinung. Während die Besatzungsbehörde am Vormittag durch Befehl an den Negierungspräsidenten die Unternehmer zuriickrief, hat der Stabschef mit einigen Begleitern sich vor das Büro des Metall- arbeiterverbandes bcgebrn. heranfgeschickt und an- fragcn lassen, ob et seinen Besuch machen dürfe. Bis er auf dies« Anfrage Auskunft erhielt, wartete
der Offizier auf der Strotze. Bei der Unterredung mit dem Bezirksleiter war der französische Offizier sehr liebenswürdig. Er versicherte, datz keine Matz- nähme gegen die Arbeiterschaft seitens der Be» satzungstruppen getroffen würden, sondern man werde sich im Gegenteil bemühen, ein« Besiernng der Lage der Arbeiterschaft herbeizuführen. Er er» bot sich auch, Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schlichten. Der Vezirksleiter lehnte dieses Angebot mit der Erklärung ab, er könne von diesem Versprechen nichts erhoffen, weil Erfahrungen aus dem schon besetzten Gebiet dagegen sprächen. Zum Schluh fragte ihn der Stabs* chef, ob er wiederkommen könne. Der Vezirksleiter erwiderte, er könne ihm dies nicht verwehren, würde aber auch in Zukunft keine Auskunft geben, da er wisse, datz dies nicht den Interessen der Arbeiterschaft entspreche.
Französische Schikanen.
Essen, 14. Jan. Der Befehlshaber der 47. französischen Infanteriedivision hat bei deutschen Polizei Befehl erteilt, die öffentlichen Anschläge mit den Beschlüffen der französischen Kommunisten gegen die Ruhrbesetzung von den Plakatsäulen zu entfernen. Wegen angeblicher Vernichtung zweier französischer Plakate hat der kommandierende General der in Altenessen stehenden Infanteriedivision angeordnet, datz die Plakate sofort ersetzt wer. den unb datz als Strasmatzncchme ein deutscher Polizeiposten ständig Tag unb Nacht bie Stelle, wo die Plakate vernichtet würben ,zu bewachen hat. Gleichzeitig wirb für bie Wiederholung derartiger Fälle bie gleiche Strafmatznahme angeordnet nm bie Polizei mit strengen Matznahmen bebroht, fMg ihre Nachlässigkeit festgestellt werden sollte.
Weitere Syndikatsverlegungen ans dem «en» besetzten Gebiet.
Bochum, 13. Jan. Im Augenblick der De- sctzung wird die Exportabteilung des Zementsyn* dikats ihren Sitz von hier nach Bremen verlegen. Ebenso wirb, bem Beispiel bet Ammoniakverkaufs* Vereinigung folgenb, auch ber Benzoloerbanb sein Büro verlegen unb zwar vermutlich nach Hannover ober Berlin.
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So ist'5 M!
Hamburg 13. Ian. Angesichts des Bor, gehens ber französischen unb belgischen Regierung empfahl ber Borftavb des Vereins ber 6e» treibehänbler an ber Hamburger Börse besten Mftgtieber« eufs bringendste, keinerlei Geschäfte mehr mit französischen ober belgischen Firmen direkt oder indirekt z» machen, keinerlei Waren mehr mit französischer »der belgischer Währung zu kaufen und mit keinerlei Waren mehr zu handeln, bie in französischen »bet belgischen Häfen liegen, nach solchen unterwegs ober bort abgelaben st«b.
Rotterdam, 13. Ian. Nach einer Blätter* Meldung ans Brüssel berichtet der „Standard^, man sei in Belgien besorgt, Deutschland könne btt Besetzung des Ruhrgebiets mit wirtschaftlichen Re« oregalien erwidern. So soll eine deutsche Schiff» fahrtsgesellschaft bereits mitgeteilt habe«, datz ihre Schisse »orlänfig nicht mehr Antwerpen, sonder« Rotterdam anlaufe» werde«.
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Bit Wen Ber ntnen Wm.
Die Kosten der «e«en Besatzung stehen, wie den Blättern mitgeteilt wird, in schreiendem Mist» Verhältnis zu den Rückständen, in denen die deutsche Regierung bezüglich Holz unb Kohlen geblieben ist. Durch bie Besitzlos des Ruhrgebiets erwachsen mo. natlich 7 Millimten Goldmark Eesamtkosten, von denen etwa 6,5 bei den beteiligten Ententestaaten, 0,5 bei den deutschen Stellen anfallen werden. Dazu kommen die Koste« für de« Transport bet Truppen, bie auf ungefähr 1 Million Goldmark ge» schätzt werben. Wir finb im Rückstvnbe mit Holz« lieferungen im Werte von etwa 2% Millionen Goldmark unb von Kohlen im Werte von 23 Mil. Honen Eolbrnarkt im Ganzen, so batz also schon breimonatige Besetzung ungefähr ebensoviel kosten würbe, wie unsere Rückstände noch betragen.
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3nm Abtransport -er AmMnn.
Paris, 13. Jan. Rach einer Meldung der „Thicago Tribüne" aus Essen wurde den französischen Offizieren in Diarnz von bem General Allen initgetcilt, bah die amerikanischen Truppe« am 21. Januar Koblenz unb am 23. Januar Btt» men verlassen werden.