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Zweites Blatt

Nr.5

Sonnabend, 6. Januar $«ui»ng 1922

eine sehr beträchtliche Steuerung aeüenüber bem Ns- vembeckurchschuitt außreist, nämlick: von 44,610 trui 68.506, also um wiederum 58,6 Prozent. Auch die Er- nährungskvfirn allein haben sich nach dieser Berechnung

SMMtitte StMMML

Von unserem volkswirtschastliche.n Mitarbeikrr..

Die Berichte der Industrie und die ArbeitSnmrkt- sstatistik stimmen darin überein, daß ein Rückgang der KeschLftsksnjunktar und ein: Verschlechterung der Arve-iS- Marktlage frstzustellen seien. Die Anzahl der Industrie- Weige, d ren Preise dir Weltmarktparität erreicht habrn, Wirb von Wache zu Woche größer. Aus den. deutsch- französischen Grenzgebieten twrb ein onkiälligcS Nach­lassen des Handelsverkehrs gemrlde», da» mit den euor- «en PrriSstrigerungen in Deutschland begrüi'det wird. Viele Waren seien heute in Frankreich schon billiger ein- pr kaufen als in Deutschland, wobei zu bedenken ist, daß ider französische Frank unter den Hochvaluten die -schwächste unt> daß daher im Vergleich ;nm Franken die Weltparität am leichtesten überschritten werden kann. Über gerade die französische Konkurrenz ist heute für manche wichtige Industriezweige, z.B. für die Eisen- tndvstrie. die gefährlichste, weil sie durch die bilSge deutsche Reparationslohle ohnehin künstl'ch gefordert wird. Ls unterliegt keinem Aveistl, daß eine schwere Wirt­schaftskrise immer näher rückt. De Zahl der unter­stützten Erwerbslosen, die bis auf 20 000 herunterae- ßangen war, betrug-bereits im Novernber wieder 42000. s» Berlin wird die Zisstr der unterstützten Erwerbs - losen für Ende November auf 5419, für Mitte Dezem­der aber schon auf 6146 angegeben. Es ist also sicher,- daß im ganzen Reich längst erheblich mehr als 50000 Erwerbslose unterstützung-berechtigt sind, während man t* Zabl der Arbeitslosen überhaupt auf nrehr als das Doppelte schätzen kann.' '

! Es scheint allerdings, als ob der geschäftliche Still­stand und die Ungewißheit der zukünftigen wirtschaft­lichen Entwickelung ein gewisses Abflauen oer Preist heim Einzelhandel auf manchen Gebieten zur Folg: ge­hübt habe. Di- Kapitalknappheit ist immer noch sehr groß und noch schlimmer als die Kred.tnot. Nachdem dst Diskontheraufsetzungen der Neichsbank sich als erfolglos «wiesen haben, weil die hohen Zinssätze unter den heu­tige» Verhältnissen Von der JnanstmrchnahStk des Reicks-

wieder um 46,8 Prozent verteuert aber eS ist zweistl'.o-S, daß im Dezember und besonders in seiner zweiten Hälfte ein gewisser Stillstand der Preisentwicklung eingetreteu >st Irgendwo aber Muß der räpLen Jnflat'onsbe- wegung rinmal ein Damm entgegenaesttzt werden. So­lange dst Berkehrstarist und die Löhne oder Gehälter immer weiter steigen, könne» auch dst Preise trotz roch so rückgängige-r Koniuuktur sich n cht rückwärts entwick ln. Wenn daher von industrieller Seit« sowohl an die öfstnt- liche ll.uvrperschaften wst an dst Arbeitnehmer-Organi­sationen die dringende Mahnung gerichtet »röche» ist, mit den ungeheuren Tariffstigerungen wst mit den Lohn­erhöhungen nun endlich Schluß z» machen, so liegt e n verständnisvolles Eingehen. auf diese Forderung nicht -nur im Interesse der Industrie, fottbttu in dein der Gesamlwirtschaft also auch der Arbeitnehmer. Nur auf diesem SBey tonn dst herannahende Kufe aufgedarten oder abgeschivacht werden. Sie würde mit surchtbacer Bucht auf 'tiifrf Wirtschaft herniederstürzeu, wenn dst Ueberschreitnug der Weltporität durch dst deutichen Fulandspreise und die dadurch mit Notwendigkeit erzeugst Absatzstockung im Ausland und Inland, dst ihrerseits witder Betrstbseinschränblngen und verstärkte Arüeits losigkeit im Gefolge hat, zeitlich noch mit einer aufsteigen- den Entwicklung der .Herstellungskosten znsam inen fallen würde. Allerdings ist die gegenwärtige Panse in der Marken Wartung zunächst nur eine Forge der außen­politischen Unsicherhrrt gewesen. Wiw dst Hoffnung auf eine erträgliche Revision oer 8stparationsoedinguiig.-n jedoch auch diesmal wieder enttäuscht, so muß sich tie Lage in Deutschland verzweistlt gestalten. Erfülle» sie sich aber bis zu einem gewiisen Grade, so müsset, die Träger unserer -Wirtschaft. Arbeitgeber wst Arbei' - nehmer. bereit f-tn, die dann zu erwartende Wirtschafts­krise, dst den Anfang einer allmählichen Gesundung örl den soll, nach Möglichkeit anfzusangeu und ihre gefähr­lichen Wirkungen abzuschwächen suchen.

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bankkredits kaum abschrecken kannten, kurt dst Reichs Lankkeitung nunmehr angrkündigf, daß sst noch strengerr Maßnahmen als bisher ergreifen müsse, um die Kredite von Handel, Jndustrst, Ländern und Gemeinden, Hypo- toefeit und Genossenschaften nach Möglichkeit zu be­schränken. Die Reichsbank hat allerdings in einem ein­zigen Vierteljahr mehr als eine Billion Mark Kredite gewähren müssen, was ihre finanz-ellc Kraft auf dst Dauer bckenklich schwächen müßst. Der Notenumlauf der Reick-.slank trat ebenfalls noch im Dezember die Re?ord- zikstr von einer L.iion Mark überschritten. Auch das Üt ein tvanriges Wahrzeichen unserer Verelendung, daß Nir nun ansangen, anstatt mit Milliarden, mit Bit- .Lonrn zu rechnen.

11 Ein Stillstand in de« Preissteigerungen zri't auch

Äiarvum und Umgegend.

MarSurg, 6. Januar (Hartung)

«Die Einkommensteuer für 1922. Was uttiffen wir bezavlcn? Erst unmittelbar vor den Weib- na-btsferirn hat der -ftrickstag die endgültigen Steuer sähe für die Reichsetnfommerrs-.euer für das Jahr 1922. feftgefleüt. Dre früheren Tarife sind praktisch überhaupt nicht wirksam geworden. Rach dieser end­gültigen Festsetzung werden Einkommen bis zu 400000 Mark mit dem zebnprozenttgen Steuerabzug belegt. Tas wird praktisch davin hinaustomnten, vag bet der kommenden Steuererklärung nur diejenigen eine Tewneinschävung vornehmen müssen, die mehr als 460000 M Einkommen Int Fabre 1922 tjauett. Die

He Großhandelszifftr twm 23. Dezember auf» dst aus den 1439fachen Vorkriegsstand errechnet worden ist, wäh­rend sie am 15. Dezember auf den 1468fachen Bor- krieg.-stand angegeben imitbe. Aber es ist für den Ur­sprung dieses Preisrückgangs sehr bezeichnend, daß noch am stärksten die Einfuhrwaren verbilligt wurden, näm­lich um 4,6 Prozent, die im Inland erzeugten Waren Pu« lege» nur um 1 Prozent. Der Stillstand brzw. Rück­gang der Devisenkurse ist also dst Ursache dieser Ruck- entwicklung der Großhandelspreise gewesen. Nachdem laber im Januar wieder starke Steigerungen der Bei kehrstorife bei Eisenbahn und Post in Kraft getreten sind, ist anznnehmen, daß gerade dst inländischen H-rstellungtz- bflett bald wieder weiter nach oben gedrückt necken. In der gleichen Richtung wirken natürlich auch dst neue., Lohnerhöhungs'orderuilgen der Bergarbeiter .der Retchs- Sneats- uttb Gemeindebeamten und anderer A.keilnehmer- schanen. Alft.iiugs Wick von ArbeitnehMrseite zur Bcgründunr- w.iicrer Lohn- und EehaltserhLhangen auf dst RrickSückenz'ffer für die Lebenshaltung hingewiese»

Steuersätze für das Einkommen 1922 ffnv endgültig die folgenden:

Für die erften 400000 X 10 % __

Für die nächsten 200 000 , 15 ,

Für die nächsten 200000 , 20 ,

Für die nächsten 200 000 25

Für die nächsten 400 000 , SO

Für d'e nächsten 600 000 , 35 ,

Für di,- nächsten 1000 000 , 40 ,

Für dto nächsten 1000 000 , 45 ,

Für die nächsten 1500000 , 50 ,

Für die nächsten 2 000 000 , 55 ,

Für die weistr-n Betrage 60 ,

Für die Werbung»- und sonstigen Kosten dürfen für das Jahr 1922 1080 .« von der Stenersnmme ab­gezogen werden und zwar als Abgeltung. TnS kommt praktisch auf die Steuerfreiheit eines Einkommens Von 10800 M hinaus. Wetter dürfen an Beiträgen für LebertSdrilickeruitgsprämien eine Stimme bis zn 1600 X und an Beiträgen zn Sterbekaffen bis zu einer Jahressumme von 2000 M ab gesetzt werden. Für über 98 Jahre alte Leute oder Erwerbsunfähige Rem-

dst für den Durchschnitt des Monats Dezember wie«-.

ner ist. bestimmt, daß die gezahlte KaptmlSertrags-

fteitcr bei einem Kapttaleinkommen bis zu 100 000 X vollständig und bis zu 200000 X zur Nälfte in An-' rcchnutig gcbraclu wird. Bei Einkorn::en bis zu 800 000 ,Ä können besondere wirtstt-aftliÄe Verbält- ntffe bet Borltege» entkvremeuder Umstände berückffch- ttgt werd-n. Für das Jahr 1923 ist zunächst nur be­stimmt, daß die zehnvrozentige Steuergrenze anf eine Million Mark Jahreseintontmeil ausgedehnt wird. 2tz diese Bestimmu 'a in Straft tritt, erweitert oder

feste Stimmung. Die PreisbUoegung nach oben machte aber verhältnismäßig nur geringe Fortschritte. Das Geschäft blieb im allgemein«» ruhig. Roggen wurde wei­ter für Deckungen auf frühere Abgaben an die Reichs- gel'.eid«stelle zu höheren Preisen gekauft. Im Weizen-- geschäft konnten die wesentlich erhöhten Forderungen nicht immer durchgesetzt werden. Auch für Gerste stellten sich die Preise höher bei mäßig großen Umsätzen. Hafer war

tncefif räiift wird, hängt ganz vo» der Entwicklung a». die nufere Gelvlage im kommenden Jahre nehmen wird.

He^en-Nassau und Nack bargebiete.

Attendorn, 4. Jan. Der Uebergang zum neuen Jabr bat sich hier in hergebrachter Weite vollzogen. Der Janhagel hat sich hemmungslos austoben können. Unter Verübung eine? Höllenlärms nicht nur tn der Silvesternacht, sondern auch vor- und nachher wurde Sawe auf Salve, darunter febr viel scharfe, abgegeben. Ten Höhevunti der .Feier' bildete cht Sprengstofkaiientat gegen das Haus eine- Fabrikanten nach bewStznem. voriährigenr Muster. (Sauerläud. Votksv,.)

Dortmund, 4. gmt. Die Dortmunver Zeitung schreibt: Ern iragilomlscher Borsall auf dem Weiü- nachrsntarlt wirv demnächst am Gericht sein Nachspiel beben. Kommt da ein Bäuerlein mit einem Wagen, der mir Cdriffbäumen beladen war, auf ven Markt tn der Erwarmng eines glänzenden Handels. Svaum aber erbttckt die Menge den Christbaummann, .als fie sich, tn, der Furcht, daS diesjährige Christfest ohne Weihnachtsbaum feiern zu müssen, wie Deieffen auf den Wagen stürzt, und sofort, ohne nach dem Preise zu fragen, die Bäume vom Wagen rettzt und das Bezahlen zum Teil anderen überläßt. Das Bäuerlein schreit Mord und Brand, allein umsonst war seine Abwehr gegen die baumsüchftge Schar. Mir der Zeit wurde das Gedränge am Wagen immer be­ängstigender. Aber während die Menge ihr Augen­merk unuttwegt darauf gerichtet hatte, einen Baum zu erwischen, warten dunkle Gestalten in ihrem Sinnen und Trachten darüber aus, das Gedränge zu benutzen, um sich der Geldtaschen ihrer Mitmenschen zu bemäch- :«gc«. Kewer sielen etliche Leute den Mantel- und HefenkaschewInspektoren $um Opfer und mutzten ge­kränkten Hebens, ohne Geld und ohne Baum, nach

Hause wandern.

Handels- und Marktnachrichten.

Berlin, 5. Jan. Börsenstimmnngsblld. Die Verschlechterung deS Markkurses im Ausland« ist nicht in so starkem Maße erfolgt, wie nach dem Sck'eitern der Pariser Konf^tenz vielfach befürchte: wurde. Immer- bin stiegen die Devisenpre'tse schon vormittags recht erheb­lich und in Rückwirkung hiervon setzte auch bei vermehrten Käufe» am Effektenmärkte eine kräftige AusivärtsbeWeg- ung ein. Allerdings war das Geschäft nicht gerade stürmisch, weit von einigen Seiten zur Vorsicht wegen der Ungewißheit der weiteren Entwicklung der poltttschen Lage gemahnt wurde. Schwere Papiere des Msutui- marktes, ferner besonders Kaliwerte und einzelue chent sche Papiere, tute Th. Goldschmdt, Köln Rottweiler, Ober» schl. KokÄvrrke, Elektrizitätswerke wie Felten tt. Guil­leaume und Siemens u. Halske, ferner von Maschineu- fabrikaktien namentlich Berlii: Karlsnther Industrie er­fuhren mehrere 1000proz. Steigerungen. Valutapapierr Warden naturgemäß recht beträchtlich höher bewertet, Mexikaner z. T. 4000 Proz. Türkische Lose gewannen (übet 8000, auch ungarische Anleihen stiege» teilweise um 1000 bis 2000 Prozent. Schtftahrts- und Bank­aktien schlossen sich der Auftvärtsbewegung an; Hatn- burg-Südarnrnkantsche Dampfschiffahrt erzielten bitte Besserung um 4500 Prozent. Jin Verlaufe nahm das Geschäft eher an Lebhaftigkeit ab. D'e Kursbewegung gestaltete sich nicht ganz gleichmäßig. Im allgemeinen st'ieben die anfänglichen Erhöhungen bestehen. Deutsche Anleihen Wiesen nicht unerhebliche Aenderungen nach oben und unten auf.

Bet lin, 5.Jan. Am Produktenmatkt erhielt sich wegen der weitere» Steigentng der Devisenpreise die

gleichfalls teurer, doch lo-inten gegenüber den auf De- zemberftacht k-ezogenen Warenmengen die Prooinzforde» tun gen kaum durchgesetzt werden. Mais sttez weftntlich kni Preise. Mehl stellte sich ebenso wie die andere» Artikel höher.

8f>BWBBKBBMMMMMMBMI

Berliner Produktenmartt.

Prelle tüt IM Md. as Station:

Beet kn. >ei 5 . gtwwar '92$. tuflrrerMe» ' '>irferh»btten

Welse»

Noaaeu Soi.imeraersle. Wintergerste Hafer Wals Weizenmehl

oi «»mehl Roggenllele flau« Men Veiniaat

1650016900 151«0 - 1^f«O »i- 14100

-14690 1T91O179 1 ??250-245.W 20500- 22750

9000 27000-27500

''infen "tzicken VitDlttta blaue

gelbe öetnbcda ölte

.. neue froefenirtmUei ümikelriiden

180002000$

26'W>0-29GOO 170001800$ 1100024086 .86000 - 41000

6300 -6501

7000- 7201

'Reis

Praiillan. Solltet»

ftattoffeln 600 630

5peheerb|en, Sltlotini

erbten «MWm-S'W

Spet|eetbJ.n«lnere27000285C0

Wöhren, rote gelbe

Wohn fotfmelaüe Wietenheu, los« ttieeheu

Stroh brahtgepregi 6700 - 7O.< .. gebündelt 6700- 70l(

Der Wert der Mark ün Auslande.

Rrmttfnrt, den S. Januar 1922.

Kirchliche Nschrichie».

Für 100 Mark wurden gezahlt:

E» werden

in

heute:

oor dem Krieg:

gezahlt tüt :

Zürich

0.06

125.42 Fr.

I Fr. .

Mt.l642L0

Amsterdam

0.02

59.20 Kuld.

1 ffilb.1

3525.

Kopenhagen

88L0 Kron.

1 Kr.

1777.50

Stockholm

.

88.80 Kron.

1 Kr.

. 2125.

Wien

» . 1

115.80 K*ou.

1 Kr.

Prag

117.80 Kron.

1 Kr.

" 2*135

Vondon

0.05

97.80 Schill.

1 Sch

2037.-

New Park'

0.01

2X80 DoN.

iDll.

, $587.50

Paris

0.17

125.40 f$r.

IFr.

«0150

Sattbeifitibl. Gemeinschaft Marburg-Süb, Schwanallee 51. Souumg, norm. 8 Uhr: Morgen­andacht. Vorm. 101/. Uhr: Soantagöschule. Rachm. 41/» Uhr: Jungkrauenverrin (Ailhelmstr. 8). Abends 8 Uhr: Allianzgebetsstuude. Von Montag, den 7. bis Sonnabend, den 13. Januar jeden Abend 8l/i Uhr: AllianzgebetSsmndr im Gemeinkchastssaale.

Für dir Schris'leitung verantworil.: Dr. Carl D v r k s e tt. Für den örtlichen und prov:nz. Teil: Wilhelm Wi ß n : r.

Sprechzeit der Schriftlettung b's '/Jl Uhr vormittag». KHBBennaMBaBaHaBKEBnBa EeschiisUiche Mitteilung.

Zum ersten Frühstück ein oder zwei Taffen ,Ru- feke'-MUch, das ist das richtige Getränk für die Her­anwachsende Jugend. Es ist nahrhaft, bekömmlich, übt teilte schädlichen Nelzwirkungen aus und schmeckt vorzüglich. Man kocht zuerstStufet«" im Wasser auf und mischt <3 dann mit der wannen Milch. Man hat dabei noch einen nennenswerten Prelsvorteil ge­genüber einer Milch, denn dieK n f e t e" - Mttch- inischung ist wesentlich billiget als unverdünnte Milch, obwohl besser verdaulich und trästlgend.

-111; 41'.7; Sonntags 101?.

Geschlechtslerde« US 4Hr Kein Ctetetfp.lb,, eliete Beruj,stSt.Blutn«,;-^7H gST Mufti. Broich. Sh.25 gegen Sinjenbung von 200 Ml. gSpez. Arzt Dr.BoIIaenders

3r«*tfert e.®?^ Bettzmannfttatze 56. (8886 a

(Nachdruck verboten.)

Die Abenteuer des Grafen Mellenheim.

Roman von Gertrud v. Brockdorff.

Dcpyright bh August Scherl G. m. b. H. Berlin S 1922.

\ 87. Fortsetzung

« Ter Zuschauerraum war groß und in den jchreieud- Ien Farben eines nmartigen Geschmackes ausgestal- M. Bauern, Kleinbürger, Soldaten und heißäugige Hngc.tintifn drängten sich auf den Bänken.

- Aus der Leinwand suchte eine schlanke, blonde tarne, in der Mellenheim Vegerndorssers Begleitürin Von der Kärntnerstraße wiedererkannte, sich be:t Ver- fefgingen eines ungeliebten, diabolisch ausseheiiden <5a toit durch die abenteuerliche Flucht mit ihrem Iielhaber zu entziehen.

Mellen he im sah gelangweilt zu und gab sich keine Mühe, die Begeisterung des Publ-kums zu teilen. Alle diese Menschen schienen es selbstverstättdlich zu jiitbeu, jöoß eine Frau ihren Gatten verließ und mit ihrem Lübhaber floh. Alle diese Menschen würden ohne Bweilei den Mann, der einer fremden Frau nachreiste.

sich eines Bündels von Dollarnoten zu entle­digen, für einen Verrückten oder für einen Verbrecher Erklärt haben.

Mellenheim stand m der ersten Pause aus und derließ den Saal, dessen wilde Facken ihn peinigten. Er ging sofort ins Hotel und verfiel in einen Schlaf bleierner Erschöpfung.

Am Morgen deS folgenden Tages Begab er sich die ungarische Zentralbank und deponierte zehn Millionen Kronen auf den Namen des Grafen Leopold Mellenheim.

I kam ihm vor, als ob der Bankbeamte einen verwunderten Blick über seinen Mantel g'eiten li:ß-, CBnc Zweifel konnte der abgetragene Mant.-l etncn derdächiiz machen, sobald dir Nimbus des Amerikaner- MMZ von einem abgefallen war.

Mettenheim verließ die Banl^ trat in ein Geschäft Leopold ring und fragte nach Herrenmänteln, ©in

junger Mann mit einem trainierten Sporisgesicht führ­te die neuesten Modelle vor.

Mettenheim dachte:Vielleicht ist dieser Mensch auch einer von den Entgleisten,d!e noch töricht ge­nug sind, von Brot und Arbeit zu träumen."

Er wußte nicht, warum er sich Plötzlich vor dem jungen Manne mit den harten Zügen und dem leeren Ausdruck in den Augen schämte.

Er kaufte mit einem Gefühle des Schuldbewußt- seins einige Gegenstände zusammen, von oeneni er meinte, daß sie zu einer vollständigen Ausrüstung neööttt-t, und f.-Jjr wieder ins Hoc-L. Er n-arf siw auf den Diwan, schloß die Augen und be suchte zu schlafen. Die bleierne Erschöpfmtg, die ihn gestect- abeud überfallen hatte, lag noch immer in seinen Wiedern.

Aber der Schlaf Wollte nicht kommen. Mellenheir.' Lachte an Vecert dorifer, an die Vaniui uttb an die Mitreisenden im Eisenbahnabteil, die sich über die Erd ölguellen von Nagy-Eised unterhalten hatten.

Von einer sonderbaren Unrast in die Höh: getrieben. Warf er einen Mick auf die Uhr und überzeugte sich davon, daß die Banken noch geöffnet waren.

Ec fuhr auf die ungarifche Zentralbank studierte die lchikn Börsenberichte und verhandltce mit dem Bank­beamten, dec sich jetzt um vieles enigegeutommetWer zeigte, über westungarische Erdöl-Aktien. Der Beamte empfahl bett Kauf, obwohl die Aktien ganz außer- orbenilidt hoch ständen. Tie Ausschließung immer neuen Terrains spräche für ein weiteres Steigen.

Mettenheim gab den Auftrag, für acht Millionei: Kronen Aktien zu kaufen.

! Alk er die Bank verliest, befand er sich in einem Zustande angenehmer Erregung, der an ein sanftes, Renufieber von ehemals erinnerte. Seine Müdigkei: war verflogen. Er berechnete den Gewinn, den die Erdöl-Aktien bei einem weiteren Steigen abwerfen könnten, und war nahe beton, eine lustige Melodie vor sich hinzupfeifen. Er dachte:Wenn mir das Glück hold ist. werde ich bem Seiner, dem armen Kerl, mit ein paar Zehittausendern unter die Arme greifen, bamit er bie grüne Livree ausziehen kann"

Tann besann et sich, schüttelte bett Kopf, und schäm­te sich feines LeichtsiimL.

Eine Tarne stieg an? einem Wagen und näherte sich langsam in steifer Haltung bem Eingänge eines großen Mvdegeschästs.

Mellenh.im blieb überrascht st h n. Er erkannte sein«)!vester Therese. Was tat Therese in Budapest? Es war seltsam, daß die Menschen sich einem immer ungerufen in den Weg drängten, fobalb man sie nicht mehr brauchte und «jemals da waren, wenn man sie nötig hatte.

Er grüßte höslich und zurückhaltend. Die Gräfin Lamezan zog die Augenbrauen in die Höhe.

.Welche unerwartete Begegnung, Leopold! Ich UrwLle dich in Wien. Wir sprachen noch gestern bem Hlüßonkel Lajos gegenüber von dir"

Ist OE Lajos in Pest?"

Wo lenkst du hin? Onkel Lajos ist auf Somogy srstgcwachsen. Wir sind einige Tage auf Somogy Castell gewesen, wett cs Onkel Lajos nicht gut gehen -»Ute."

Ich habe Smogy-Castell seit zehn oder elf Jah­ren nicht wiebergefchcn", sagte Mellenheim mit einem Seufzer

Theiese hatte wieder ihren kühlen, forschenden Mick 2hr Gesicht erschien unter dem großen Pelzhute noch bleicher und abweisender als gewöhnlich.

Wie ist eS dir inzwischen ergangen, Leopold? Lrdst du jetzt dauernd in Budapest?"

Mettenheim lächelte. Er sah sich an einem wegen Winterabende vor Thereseus HauS stehen und im vor­aus eile Qualen der Demütigung hinabwürgen, die in dem schönen, vom Wanze Wohlsundierten Reich­tums umstrahlten Glauben aus ihn warteten.

Welch ein Wüch baß Therese bamalS im Süben ge- trefen war! Man wäre sonst vielleicht in die Leuteküche gewiesen und mit einer warmen Suppe be­dacht worden. Therese übte eine ausgedehnte Wohl- Tätigkeit gegen hungernde Bettler.

Mellenheim konnte es nicht verhindern, daß er pkktzlich in ein lautes, befreiendes Gelächter ausbrach.

Verzeih', liebe Therese! ES geht mir gut. Es geht mir augenblicklich sogar ausgezeichnet. Ich bin lächerlicherweise ebenfalls auf der Durchreise in Budapest Ich habe mich nämlich ein bißchen da unten in Rumänien «MeschantN . U . r 2

die Schokolade der Anspruchsvollen!

'M./

Me Gräfin betrachtete ihn mit Wachsender Hn- ruhe.

,^Ach Treue mich von Herzen, baß es dir gut geht, Leopold

DaS Forschen wich nicht aus ihrem Blick.

WaS für mtbeoueme Augen sie hat, dachte Mel- lenheim.$

« Ick habe während bet vergangenen Monate so

Viel an bich denken müfsin

Sie sprach zögernb, gleichsam gegen ihren Willen und hatte eine schwache Röte an den Schläfen.

Wirklich", fragte Mettenheim mit einem vergebli­chen Versuche, seiner Stimme einen spöttischen Klang zu Verleihen.

Sie giugen beide vor bem Geschäfte auf unb nieder.

Ich hatte dar Gefühl daß ich dich damals nicht so schnell hatte fortlassen dürfen"

Nachträgliche Gefühle täuschen immer, liebe The­rese" >

w* Ich hätte öir meine Hilfe nicht versage« dürfen" tt

Mellenheim schwieg, tote hellsichtig waren Frauent

Er schämte sich seines Gelächters von vorhin. .,

Ich hatte dich nicht um deine Hilfe gebeten,

Therese l" -

,Drotzdem!" Xs-: *

Sie blieb stichen und sagte vorsichtig forschend r

,Lch bin vor toenigen Tagen deinam FräuleiO

Braut begegnet." 4.; y , . - i iA

- L tSortsetznng folgt.)