Mr. 365
Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburgs
Msrbrrrg
SonnnSenü, den 38. ZezemSer der Zeilenmillimeter
Zulmoird.
57. Nm.
1922
Tie „Dbtrfteirütbe Bettung etlcbeint ie&stnal wöchentlich. — Dezugsvreis monatF.» 800 Mk. mit Zuftellungsgebühc. Für ausfallende Mlmmern inicige Streiks oder elementarer Ereignis,e kein Er,atz. — Verlag non Dr. L. Hiueiarh. — Trutf der Uuin-Buchdruckerei von?od. Lug. Kock. Mar't 21.23. — Kernjvrecher 55. Poll, ickeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
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Lle Holzvorräte im Rheinland beschlagnahmt werden. Rach einer weiteren Hivas-Meldung wird Poincar«? om 2. Januar die Forderung zur Sprache bringen, Frankreich auf Rechnung der Reparations- kommission Stickstofflieferungen zu machen.
Ottung würde in der Annahme deutscher Repara- lionsbsns — vielleicht solcher einer besonderen Ka- tegorrs, die denen der Serie (1 entsprächen — zum Zwecke der Bezahlung der 'Alliierten Schulde« au Großbritannien bestehen und vielleicht außerdem auch darin, daß ihm sein« Schulden teilweise erlassen würden. Mit Bezug auf die nichtgesteichenen Schulden könnte eine Abänderung des Grundsatzes der Balfour-Note, wodurch eine gewisse Beziehung zwischen Len Zahlungen an die Bereinigten Staaten und den Forderungen an die alliierten Schuldner lkergestcllt werde, zugestanden werden;
8. Frankreich müsse seinerseits ebenfalls bis zn einer gewissen Höhe die ihm von seinen europäischen Alliierten geschuldeten Summen erlassen.
Einige der hier angeführte« Vorschläge würden vielleicht noch vor der Eröffnung der Pariser Erörterung abgeändert werden. Außerdem könnten kich die Ereignisse in Paris oder in Washington •° entwickeln, daß der britische Plan überhaupt nicht zur Vorlegung gelangt.
Die Frage der amerikanischen Wallion.
London, 29. Dez. Reuter meldet Lus W a s h i n g- ton, Präsent Harding hübe in einem Brief an Senator Lodge den Senat au,gefordert, dkn Ärrtrag Vorah über eine neu- Abrüstungskonferenz Nicht anznnehmen, weil ihn dies bei den Berhandlun- g-il behindern würde, die bereits wegen einer internatio- na.en Wirr scha fts konfercnz gesührt würden. Lei Brref besage: Der Senat könne in angemessener Weise bezüglich internationaler Verhandlungen seinen Rat erteilen. aber ein Beschluh im Sinne Borahs könne bei den europäischen Mächten einen falschen Eindruck erzeugen. Die Regierung bemühe sich, bei der R'g-tnug der europäischen Lage, die seit vielen Monaten in ein- ncbercher wohlüberlegter Weis- erwogen lvorden sei, 6c» b i I f I i zu sein. Der Präsident erkläre w-iter. die Renarationsfrage' sei die Grundursache der europäisch',, Schwierie'eiten: die Vereinigten Staaten könnten aber nicht das Recht für sich in Anspruch nehmen, einer Nation zu sagen, was sie an Neparotonen bezahlen müsse, oder einer anderen, was sie annehmen müsse
ivcive In cndgüUiger Form erst unterbreitet wcc- d^n. uetchdem die Erörterungen unter den alliierten Vertretern gezeigt hätten, wie er in eine annehmbare Gestalt gebracht werden könne. Im Einzelnen sele er eine viel strengere Kontrolle der deutschen Zölle vor. Die britische Regierung bejinde sich in voller Urb« reinst immunes mit der französischen be- treffs der Notwendigkeit, weit wirksamere Schritte zu tun, um die deutschen Zahlungen ficherzustellen. Die Stabilisierung der Mark und die Ausgleichung des deutschen Budgets würden als wesentliche Vor- bsdliigungen angesehen. Wenn irgend ein weiteres Msralorium au Deutschland gewährt werde, so werde Großbrsiannien Frankreich bei der Forderung nach Sichcrherteu unterMtzen.
London, 2". Dez. Dem diplomatischen Be- lichterstattcr der „Daily News" zufolge sieht noch nicht endgültig fest, ob Bonar L a w im heutigen Kabinettsrat einen konkreten neuen Reparations- pjan auf_den Tisch legen wird. Es könne aber als s>eml!ch ficher gelten, daß Bonar Law einen solchen
SmtMeg in BkM.
Si« letzte« Besprechungen über die deutsche« Vorschlüge.
Berlin. 29. Dez. Die Beratungen der Reicho- «eierung über die neuen deutschen Vorschläge find roch nicht vollständig abgeschlossen. Am Nachmittag findet im Neichrfinanzministerium noch eine Besprechung mit Vertretern der Industrie und Lanken statt. Die letzten Besprechungen dienten im Besonderen der Feststellung der deutschen Leistungsfähigkeit und der Frage, inwieweit die »eutsche Wirtschaft für Reparationszwecke nutzbar temo.cht werden kann.
Berlin, ZS. Dez. Die Reichsregierung ist sich lesier« abend über die Erundzüge der deutschen Barsch läge für die Pariser Konferenz !ßl«!stg geworden. Wie bereit sangekündigt, wer- ktr heute mittag Vertreter der deutschen Wirtschaft iochmals darüber gehört werden, lleber den Inhalt der deutschen Vorschläge ist von alle« Bet:l- figren strengsteCe eimhaltung bis zur Pa- »isrr Konferenz gefordert «nd zugesagt worden.
Plan mit nach Paris neunten werde. Dieser Plan habe noch keine endgültige Gestalt angenommen. Seine Hauptgrundzüge könnten jedoch mit einiger Sicherheit angedeutet werden:
1. Herabsetzung der Reparationsverpflich- tungrn Deutschlands auf eine Summe, die inner, halb der LeistungsfähiZkeit Deutschlands liege «nd energische Maßnahmen für deu Fall eines deutschen Verzugs;
2. Zusammenfassung aller deutsche« »erpflich- tunge« gegenüber den Alliierte« in einem ein- zigea Zahlungsplan;
3. Befreiung Deutschlands von allen Zahlungen während der ersten drei oder vier Jahre und Ermäßigung der Zahlungen wahrend einer wettere« kurzen Periode;
4. Diese Befreiung brauchte nicht ein vollständiger Erl ah zu sein;
5. Eine Summe vonüvMilliardenGold- mark, verteilt auf eine gewisse Zahl von Jahren, könne als angemessen gelten;
8. Deutschland müsse durch günstige Diskonti e r u n g s - Vereinbarungen, die möglicherweise den g-genWärtigen Wert der gesamten Summe auf die von einer bekannten französischen Finanz- autorität oorgeschlagcnen 30 Milliarden vermindern könnte, jeder Beweggrund gegeben werden, seine Verpflichtungen richtig zu erfüllen. Dies cörrne Deutschland natürlich nur mit Hilfe von
T' Frankreichs besondere Rolle bei der Ae-
Englands letzter Versuch.
London, 29. Dez. Der englisch« Premierminister wird heute vor dem Kabinett in große» Zügen die Politik entwickeln, die er in Paris vertreten wird. Er hofft mit voller Unterstützung der Minister nach Paris abrcisen z« können. Man hofft hier weiter, daß der Plan, den Bsnar Law mitnimmt, eine Grundlage liefern wird, um einen Akkord zwischen den Alliierten zu erreichen. Was diesen Plan anbelangt, so weist man hier darauf hin, dah das der letzte Versuch von englischer Seite sein werde, eine Lösung des eurspäischen Finanzproblems herbeizufüheen. Wenn Frankreich diesen Plan nicht annehmen sollte, so würde England feine Haltung dem Festland gegenüber einet neuen Prüfung unterziehen.' In diesem Falle müsse man damit rechnen, dah die englisch« Politik scharf in das Fahrwasser der Jsoliernngs- Politik getrieben wird, wir man es in den letzten Jahren bei der amerikanische« Politik feststellen konnte.
London, 29. Dez. Die „Daily Mail" bsrickp ict, daß Donar Law, begleitet von dem ^Präsidenten des Handelsamtes Lloyd Kreame, Sir Eyre Crowe vom Foreign Office und Niemeyer vom Schatzamt, am Montag nach Paris abfahren rverdc. Es besieht kein Zweifel, daß der Premierminister auf HcraSsetzung der gesamten Re- paraiioussumme dringen werde. Der Plan Donar Larv-'fci vinent gewißen wxave r'ta,r,kch.unv'
tragstext unterschiedenen Sä'It nachträglich als Mchl<- deutend hinziiftellen. Es wirb auch ocn subtilsten Aus- legungskünsten nicht gelingen, diesen klaren Sachverbalt zu verdunkeln. Nun ist es zwar richtig, dag der Str- iruiur Vertrag di- Reparatiouskommisston zur Aus- legn n g der Bestimmungen des Reparationskaw'teis ermächtigt. Dies: ErmächiiKrttt» gibt der Kommission aber mch! dos Recht, drn Sinn der Vertragsbestimmungen in sein Gegenteil zu verkehren. Das wäre nicht mehr ein- Auslegung, solcher« eine willkürliche Aende- ru ng des Vertrages. Im übrigen muß mich bei dieser Gelegenheit ans das nachdrücklichste oarauf hingewies:n werden, daß, selbst wenn die Reparations'ommission formell vorsätzliche Richtersüllung festgestellk hätte, damit für die Anordnung von Sa n l tio ue n im besetzten oder unbesetzten Gebiet noch kerne Rechtsgrundlage geschaffen toäre. Von deutscher Seite ist wiederholt mit klarsten Gründen nachgewiesen und von der Gegensei:- ist niemals widerlegt worden, daß der Vertrag den Alliierten unter keiner wie immer gearteten Voraussetzung das Recht zu territorialen ©anlfoncn gibt. Alles, was die Alliierten im unbesetzten Gebiet tun oder was sie im besetzten Gebiet über die ihnen im Rheinlands- Abkommen gegebenen Befugnisse hinaus tun, wäre ein Eingriff in die territorialen Hoheitsrechte Deutschlands, der durch den § 18 nicht gedeckt wird. Nach dem § 18 würden selbst im Falle der Feststellung der „vorsätzlichen Nichtersiillung" nur Maßnahmen wirtschaftlicher oder finanzieller Art in Betracht kommen, die von den Allnerren ohne Uebergriff auf deutsches Territorium verwirklicht werden tonnten.
Zwangsweise Slblolzung des Wiesbadener Waldes?
Paris, 29. Dez. Der „Rcw Park Herold" will wissen, dah P o i n c a t d Den Verbündeten am 2. Januar die Slblolznng des bei Wiesbaden liegenden Waldes Vorschlägen werde, um die fehlenden Holzlieferungen Deutschlands zu vervollständigen. Der Wald würde, wenn Deutschland ihn selbst nicht abhslzen könnte, von französischen Soldaten oder englischen Arbeitern, die dazu herangezogen würden, abgeholzt werden. Vorher sollen aber zunächst
" Str Orient.
• Paris, 39. Dez. Havas erfährt auS Rom von Lckvöhnlich gut unterrichteter Seile, in militärischen »reisen herrsche eine gewisse Erregung, da man sich bi« Araae vorlege, ob jetzt die neugruvviert.n grie chischev Truppe« nicht versuchen wurden. neuerlich in Tbr-» lien eimubringtn. Die Maritzazrenze sei szzt dem Abfluß de» Waffenstillstandes von Mudania nur durch schwache alliierte Detachements bewacht. Man glaub.- ,'r Uom, dah, wenn der dem griechische« Gencralstab in- ^schriebene Plan verwirklicht werde, dir politische Lage Nu Orient davon tief berührt würde.
Angora gegen Lausanne.
Moskau, 29. Dez. Hier ist die Nachricht eiu- Mtroffe«, dah das Angora-Parlament infolge Un- ptfricdenheit mit der türkischen Delegation in Btu$an«e ihr die Unterzeichnung des Friedensvrr- trags ohne Zustimmnng des Parlaments untersagt habe.
Berschlechterte Lage in Lausanne.
Parts, 29. Dez. Aus Lausanne wird gemet- det, dah die Lage der Konferenz sich an, gestrigen Tage infolge der Kommissionssitzung über die Kapitulationen noch verschlimmert hat. Tie Türke« hätten die von ihnen selber vorgeschla- 6<««* Bedingungen, darunter die Bediugungeu Über dte Handelsverträge, zum Teil widerrufen. Die Unbeugsamkcit. der Türken habe in Sllen Kreisen einen schlechten Eindruck ,-macht, «an frage sich, was die TÜr.-ei bei einem Abbruch Net Konferenzverhandluugen gemimten würde. Die' Londoner Abendblätter bringen nur wenig Einzel- heiteu über die Lage in Lacksanne, die jedoch als sehr ernst betrachtet wird. Tie Zeitungen ver- Oeutlichen mit großer Titelausschrift die Nachricht »»« der Entsendung engltichrp Krkegs- sch i f f e nach dem Osten. Sie konstatieren glrich- tkitig, dah die diplomatischen Kreise Loudons im «Lgerneine« die Haltung der türkischen Rlwrdnu-ig i» L jatne mißbilligen. Man vertritt dir Ansicht, Nah nur Zeit zu gewinnen suchen,
,m i!ch.gr«nd der bevorstehende» Pariser Brinisier- konfere«) Verwicklungen hervorzurufen.
England.
London, 29. Dez. In Dublin wurden gestern bei einem Ucberfall auf Regierungstruppen drei Persouev verwundet. •
Die irische Eisenbahnerkrisis dauert an. Tie Vertreter der Arbeiter erklärten, 90 Prozent der Eisenbahner würden die vorgeschlagenen neuen Bedingungen ab lehnen. Die Regierung erwägt eine seiim eilige Regelung bis zur endgültigen Feststellung ihr.-r Etz'cnbahnpolitik,
L 3er „üfltoiiM* HNnli
Berlin, 29. De». Ban zuständiger Seite mw uns mitgeteilt:
In der heutigen Mvrgenpresse wurde ein aus Paris kMck>etes Kommunique der Reparations- »mmiffion Vervsfentllcht, wonach diese beschlossen lafe, daß das Wott „Nichterfüllung" im §17 rr zweiten Anlage zum Reparationskapitel des Ver- «iller Vertrages denselben Sinn habe wie der Aus- riick „vorsätzliche Nichterfüllung" im § 18 dieser Inlagc. Weyn dieses Komnnmigud authentisch sein Er, fo würde damit der Borwurf erhoben werden, aß Deutschland mit den Holzlieferungen absichtlich mter seinen VerpNicktungeu zurückgeblieben wäre. Daß «ser Vonvurf sachlich eine völlige Entstellung et Tatsachen bedeuten würde, kann nach den gestrigen «sführlichcn Darlegungen als Mannt vorausgesetzt wer en. Ganz abgesehen hiervon müßte jedoch gegen den Schluß aus allgemeinen Gründen Venoahning mgelegt werden. Wenn in zwei unmittelbar aufeinaud-t llgende» Bestimmungen einmal von Nichterfüllung und onn von vorsätzlicher Nichterfüllung gesprochen wird »ch wenn baba für den Fall der vorsätzlichen Richter-, illung brsonderS sckaveve Maßnahineu vorgesehen wer- eu, so würde rS nicht nur den element-rrsten Regeln 6 Auslegung von Vertragsbestimmungen, sondern über- »upt jeder Logik widerspreche«, die beiden im Ber-
Sshrmnit—öWikmsdk?
Der Beginn des neuen Jahres wird politisch ernge* leitet durch die Beratung in Poris. Daß diese Beratung lediglich die Fortsetzung oder Wicderaufnabme der im Dezember so brüsk abgebrochenen Londoner Konferenz ist, kann nicht gerade als ein gutes Cnwn für uns angesehen werden. Man hätte die „Pwjette". die man in London verbrachte und die sich im Lause der Diskussion als unzureichend erwiese«, was das englische, alS kulturgesährlich aber, war das französische anlangte, kurz entschlossen lnn- ker sich werfen sollen, um Brauchbares aufzugreifen. Denn eS handelt sich doch darum, de« Frieden Europas und damit der Welt »« gewährleisten. Statt dessen soll eS nur eine „Fortsetzung" geben von einer Unterredung, die schon einmal wegen ihrer Aussichtslosigkeit bat vertagt werde« müssen. DaS «st gewiß kein sehr ermunternder Anstatt für da» ue-te Jahr.
Auf Seiten der Alliierte« wurden btt Borbereitungen zu der Pariser Tagung schon seit dem 17. Dezember betrieben In Anwesenheit des englischen Kriegsminister« Lord Dtrbh Händen an diesem Tage Vorbesprechungen in Pari- statt, die einen französisch-englischen Koinvronnh jum Gegenstand hatten. Darin sollte «n ZahlungSau^ schub von zwei Jahren für Deutschland gebilligt werben, unter der Bedingung, daß da» Reich ben Verbündeten die Kontrolle seiner Finanzen übertragen «uh außerdem alle Re so rme n durchführe, die die Alliienen für unerläßlich hiellen. Eine innere ZwangSan- leihe zur Festigung der Mark und für btt Enteutt Die Erlaubnis zur Beschlagnahme der Staatsbergwerke, Ttaotsforsten der besetzten Gebiete und oie Zolleinnahmen. Dafür sollte die französische Regierung ausdrücklich verzichten auf die B.setzuug d-s öiuhrgeöictes, vorausgesetzt, daß Englaird dieser Besetzung znstimine falls Deutschland dir auferlegten Bedingungen nicht einbielte.
Es braucht kaum darauf hingewiesen z« werden, daß lin solcher Plan zu einer wesentlichen Förderung bet RiMMlll, Hck ßähintn>m?"pslangen, roToare damit die politische Situation nur verschärft. Den« bei Lichte besehen, wäre mit einer solchen „Lösung" weiter nichts erreicht, als die restlose Anerkennung des Programms, das Pvincare bereits im August vergangenen Jahres in Vorschlag gebracht hatte und das damals» von Lloyd George abgelehnt wachen war. Mit anderen Worten England würde damit endgültig vor Frankreich kapitulieren. In Erwägung dieser Sachtage arbeitete denn auch dar englische Schatzamt gleichsam auf indirekte» Wege an einer Modifizierung dieses Plaues, indem sie mit der weiteren Durcharbeitung des britischen Projekte» Ar John Bradbury beiuftragte. Inwieweit allerdings diese mildernden Abänderungsbestrebunge« Englands greifbare Gestalt gewinnen werden, siebt noch dahin. Es ist kaum anzunehmen. daß Bonor Law Bor- chläa- von der Art, wie sie Bradtmrp gemacht hat, die er silbst nicht «ur im Ksullrcnzzimnwr, sondern auch vor dem Parlament als „verhängmZv«tl" bezeichnet hat, mm plötzlich als annehmbar erkennt. Wenn sie aber nrch einem Sinne ausfallen, dann werden sie jedenfalls ür Deutschland nicht allzu viel Gutes enthalten. Immerhin aber darf nicht verkannt werden, daß di« eng* lisch-rseits ausgesprochene Hoffnung, neue deutsche Bor* chläge in Paris vorzufinden, dir eine etwaige Unter* i handlungsbasis bilden könnten, für un» einen flrinex ‘ Lichtblick bedeutet, wenngleich wir uns hüten müsset^, daraus übcrsvannte Folaerunaen zu »ieheu.
Während man sich solchergestalt aufseiten der Entente ür die kommende Auseinandersetzung rüstete, suchte die Berliner Regierung durch Besprechungen mit Sachver- iändigen und Wirtschaftst^rtr-tern sich ein klares, fest» urnrissenes Bild zu machen von den gegebene« Bedingungen. unter denen wir in der Lage sind, in der Wieder* hersteklungsfrage erfolgreiche Schritte zu tun. Im M t* celpunkt aller dieser Erwägungen stand auch «nsererseit» die Frage des Moratoriums. Aber man war doch zn gleicher Zeit sich darüber klar, daß über da» leidige Kvischenstadium hinaus eine »Mdgültige" 83* ung der Reparotionsangelegeuhett dis Hauptziel bleiben müsse, damit vor allem der unhaltbare Zustand, daß immer noch kein fester Entschädigungsbetrag genannt war, eirdlich einmal beseitigt würde. Aber so wünschenswert eine solche Festsetzung zweisel* los wäre, so darf doch nicht Dctknnt werden, daß gerade dieser Punkt bet heikelste in der ganzen Wftdrr* berstellungsangelegenhelt ist. Denn gerade diesen Punkt wird Frankreich am eillerletzten erledigt wissen wollen, weil es in der.! selben Augenblick, wo eine vermin feige, der tatsächlichen Wirtschaftslage Deulscklands Rechnung tragende Summe festgesteilk würde, Deutschland aus den Finger« ließt. Frankreich würoe sich im selben Augenblick, wo Deutschland zahlen könnte und würde, seines hauptsächlichsten Bcachtmittcls zur Verfolgung seiner Rmtbpolitik begeben. Und das w ll es bis heute jesen- mlls ganz offensichtlich nicht. Die Stimmung, mit der die bis heute noch in ihren ersten Anheutungen stecke» gebliebene amerikanische Intervention in Paris aufge* rammen wurde, kommt einer emschiedenen Ablehnung gleich. Die Fixierung einer zahlbaren Summe — uni das ist die Bedingung, die Amerika für sein Eingreifen gestellt Hot — ist für Frankreich ebenso undiskutabel, wie es jeder Vorschlag sein muß. der geeignet ist. die Vor* wände, die für die Ranbzelüste nötig sind, zu entkräften. Uno es muß b'tont werden, daß zu dieser Art Vorschlägen auch der eines militärischen Garant'.eab- kommeils mit Deutschland gehört, durch das Frankreich vor den Angriffsabsichteu seines im übrigen ja völlig entwaffneten Nachbar« „geschützt" werden sollte. W« wenig man überhaupt an eine wirkliche „Einigung" denkt, beweist dir neuerlich unter dein Drucke Frankreichs er»