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Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrheMche) OberheW^M

Rr.285

Ti« .Dberbeiftutrt Hfttung etidseint iecbsmal wöckentlick. Stiugssrei« monathrti 400 Mk. mit Zustellungsgebühr. Für üustiillenhe Wummern infolge Streit» ooer eiementetet itretantiie teia Lrmtz. S'erlag von Dr. G.. $>18 e r o t b. Trutf »er U*tm»»u<66ni<tetti non 36b. »ea. Nock. War't 21 23. »ernivrecher 55, Pott» fibeiffonte: Rr. 5015 »mt Frankfurt a. Stain.

Marburg

Dienstag. dni 5. LrMn Julmoud.

Tet ülitieiqenptei» betre.it ffir 6ee Ogefp ZrUenmillimeter 12.00 ÄL.(Rlein* «. Familien» anzeigen 20^«weniger). Amlitme uns o«,w. Anzeige« 15.00 Mk. Ander« Spatlendretten entivreckend. Br ickwieri eei 6«l| 50 eetjtbleg. Spät eintausend« oder den -kaum über '-.Seite elnnehmrnde Anzeigen werdennack der lertioaltendreite derecknrt. Reklamen dl« Col.-lleilr 75.00 Mk. Jeder-iadott eilt al» Barradatt. Belege wer den berechnet. Bei Hu» turnt durch die (fceirfiäftiit. und Bermittlnnn der Angebote 10 Ä, bei Ueber-eadung durch un« 25. Mk. Eoudergedühr.

57. Sein.

1122

Mttr Äti6M

275. Sttzmr- Dom 4. Twrnbrr, 2 Uhr.

Das Hans etiebfgtt zunächst eine Reihe Fleiner BotlflorH durch Uevcrweilunci an die zuständigen Auötchüste und nimmt den sechste» RachlragSeiai zum IicichSbauShalt «der die Erhöhung der Beamtenge hR«er tn allen drei Lesungen aiu Sodann wird die Beratung der neuen MeschSslsoednuna des Reichs wcc6 Orfin Paragraohen 87 über die Beschränkung »er Redezeit aus % Stunden songeievl. Die Demo hüten und die Volkspartei beantragen eine weilere Lei Absetzung ans Y. Snmde, die ftommunisten da gegen unbegremt« Siedezeii.

Abg. Seyer (3.) tritt für einstündige Redezeit rin. Ad«. Schmidt» Dachsen (S.i dagegen aemäß den AuSschukdeschiüssen für eine ^stündige Redezeit. Dir Avstiimnung wird zurück gestellt.

Die Paragraphen 9t und 92 geben dem Prästdni- tcu die Ermächtigung Abgeordnete, welche die Orb hung gröblich verletzen, ans einer Sttznng anSzuscklte tzen. Fügt sich der ausgeschlossene Abgeordnete den Mnorbnungen des Prästdenten nicht, so kann der Ausschluß auf acht und bei wtederdolier Weigerung aus 20 SitzungStage ausgedehnt werden.

Abg. Eichhorn (ft.) siebt tn diesen Destiimnun- gen eine BersaffungSverietzung und fordert ©tret« chung der beiden Paragravlen.

Uhg. ftarl (D. Vv.) ist gegen lebe Milderung ober Aufhebung dieser OrdnunaSbestinimnngeu. Reichstag und Präsident müßten gegen Terror und Unarten einzelner Mitglieder geschützt tocrbeit In «nberen Ländern, auch tn England, seien wett schär­fere Maßregeln gegen OrdnungSstörer zuHisstg. Selbst der verstorbene Sozioltstenfsibrer Paul Singer habe eillärt, datz et für eine Erweiterung der Recistc des Parlaments gern eine verschärfte Geschäftsord« Wkug tn den Kauf nehme. Der Redner hält auch die Forderung der Abgeordneten Pfeiffer (Z.) und Braun <©.), für den Fall, datz ein gematzregelter Abgcord neter sich zu Beginn der nächsten Sttznng enifchuldtgt. eine Milderung der AuSschlusibestimmunzen etntteien zu lasten, für nicht angebracht.

- Abg. H»klein (ft.) vroiesttert gegen den Ber- sttch, mit solchen Vansknechtparagravhen die Opposi­tion gegen das tn der RevarationSnote aus daS Pro dtartat verübte Attentat zu unterdrücken. Aber seine Partei werde sich auch in Zukunft dnrch nichts hin­dern lasten, tn dieser Sebwatzbude von Reichstag in ihrer Art für das Proletariat zu kämpfen.

Nachdem Abg. ftopick sich nochmals gegen die Milderungsanträge gewandt Haie, wird tote Ablttm« mutig über diese Punkte ebenfalls vertagt, ebenso bk*« ftnige über eine« Antrag ftadl (D. Vpt.i. welcher fordert, daß bei Beschlüssen, welche eine Verfassungs­änderung betreffen, der Präsident regelmäßig sestzu- stelleu bat, datz bei dem Beschluß Zweldrtitel der Mit­glieder deS vaules gestimmt haben und datz der Be- sihlutz mit Zweidrittelmehrbett zustande gekommen ist.

In der Abstimmung wird schließlich die Deschrän« kuug der Redezeit gemäß einem sozialdemokrati­schen Bermittlungsvorschlag auf eine Stunde Mgesetzt. Die Ordnungsbesttmmnngen der Paragraphen 91 und 92 werden tn der Ausfchußfas- suug angenommen unter Ablehnung sämtlklwr Rilderuugsvorschläge. Angenommen wird ferner der Antrag Kahl wegen ausdrücklicher Feststellung der Zweidrittelmelirbelt zum Paragraphen 98. Auf Vor­schlag des Präsidenten soll eine »weite Lesung der Geschäftsordnung stattsinden.

Um %6 Uhr vertagt sich daS vauS <nif morgen nachmittag 2 Ubr. (7. Nachtragsetat und Ruhegehalt »es Reichspräsidenten.)

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Aus den Ausschüffen.

I Berlin, 4.D:z. Der Hauvtaussckuß des Landtags 'hat den Antrag Fröhlich (D Bpt.) wegen des Franl- ifortcr Gottbebmisis einstimmg angenommen und beschlos­sen, eine jährliche staatliche Beihilfe zur Erhaltung 'dieses Nationaldenkmals zur Verfügung zu stellen und das '«eich gleichfalls zu einer Beihilfe aufzufordern.

j Berlin, 4.Dez. Im HauptauSschuß des Land­tags wurde gin volksparteilicher Anivag für eine Ber- tzäikung der Grenzpolizei angenommen.

Berlin, 4.Dez. Heute trat der Untersuch- nngs ausschuß des Reichstags zur Prüfung der gegen die Reichswehr erhobenen Vorwürfe zu einer Sitzung zusammen. Bei den Fällen, die erörtert wurden, km der Ausschuß zu dem Erg-bnis, daß das Verhalten ,be3 Reichsnxhrministers ober die Art, wie er den vor- Igefommenen Ungebörigkeiten gegenüber Abhilfe geschaf­fen hat, zu einet Beanst andung keine Beran- lassu ng böte. Es handelte sich um die bekannten Fälle in Regensburg, Passau, München und Potsdam und den Fall des Kapitäns v. Löwenfekd.

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Aus dem Reichsrat.

! Berlin, 4. Dez. Der Reichs rot nahm die Er­hebung der Postgebühren zum 15. Dezember nach den Ausschußbeschlüssen an. Der Ausschußbericht­erstatter, braunfebtovigifdjer Gesandter Boden, betonte, daß.zurzeit das Destzit bet Postverwaltung sich schon aus etwas übet 120 Milliarden belaufe. Der schon ein­getretene Verkehrsrückgang zeige stellenweise erschreckens Zahlen, darum fei man jetzt nicht soweit gegangen, daß die volle Aufbürdung des Defizits gewährleistet würde, denn da» würde z. Bi. ein Briefporto von 50 Mark bedeuten.

LtMdMM.

Berlin, 4.Dez. DerReicksanzeiger" verösfent- ücht eine Verordnung über die Versicherungspflicht, Ver- MerungsberochLigung und Grundlöhne in der Kran-

Jient men Srantrtis Meinlnedinsns.

Berlin, 4. Dez. Wie die Blätter aus Köln melden, war der Andrang zu der gestrigen Proieji- versammlung der Deutschen Boikspartet gegen die Bedrohung des Rheinlandes so stark, datz Hunderte von Personen keinen Platz fÄben. Ab­geordneter Moldenhauer erklärte in einer Rede, datz seit den Tagen des Friedensschlusses keine gleich starke Erregung das rheinische Volk durchziztlerte wie heute. Auch der Hansabund veranstalt lete gestern vormittag in Berlin eine Kundgebung hegen die drohende Vergewaltigung der Rhein, lande. Die Protestreden der Reichstagsabgeord­neten Dr. Fischer und Rietzer fanden die stürmische Zustimmung der Versammlung.

ftöln, 4. Dez. Die Vereinigte sozialdemokratische Panel, die Zentrumspanel, nie deutsche demokratische Partei, die Deutsche Volkspartei und die deun'chnaiio uaie Partei ertasten einen Aufruf, wo sie gegen dte RdetnlandplSne Frankreichs protestteren. An dem Aufruf wird darauf dingewiesen, daß die potitischen Parteien des Rbeinlandes In den letzten Jahren wiederbolt fiat und unzweideutig ihre itnerWitter tiefte Willensmetnung, treu und unentwegt am deut­schen Vaterlande festzuhalten, öffentlich zum Ausdruck gebracht haben. Anläßlich der neuerlichen Panier Meldungen, dir auf eine weitere Beschlagnahme des besetzten RbeinlandS und der Ausdehnung der Br setmng auf das Rubrkoöleugcbiet hinauslaufen, er­neuern die Parteien das Bekenntnis der Zugehörig­keit zum Deutschen Reiche und Heben heiter, daß von den Franzosen nicht bewiesen werden könne, daß, Deutschland sich seinen Wiederberstellungsven'flichttin- gen absichtlich entzieht. Tie Parteien protestie­ren ferner gegen leglickzen Eingriff in die deutsche Rechtsprechung und die deutsche Verwaltung und be­rufen sich auf das von den Gegnern so ost im Welt­kriege proklamierte 3 e I b ft b e ft l m m u n g S r e cb t der Völker. Reich und Rhein feien nnzertr-mck>ar miteinander kulturell, Historisch und wirtschaftlich ver­bunden.

Die AmraliMrM.

Verschiebung der Brüsseler Konferenz?

London, 4.Dez. Von unterrichteter Seite ver­lautet. daß der grnaue Zeitpunkt des Beginn? der Lon­doner Vorkonferenz der alliierten Premerminiltz-r noch nicht festliche, und daß eS für Bonar Law unmög ich fei, die Konferenz vor dem 16. Dezember an einem anderen Orte als in London abzuhalten. Es wird ferner daraus htngnvws'n. daß eine Einigung zwischen den vier Alliier- ten in der Reparationsfrage vor der Brüsseler Konferenz von wesentlicher Bedeutung sei. In Lonoon glaubt man jedoch, daß man für den Fall, daß die Brüsseler Kon­ferenz nicht mehr in diesem Jahre stattfinden könne, eine sehr kurz befristete ze'Uveilige Vereinbarung bezüg­lich der nächsten deutschen Reparationszahlungen be­fürworten werde.

Das englische Kabinett ttfrö in dieser Woche das Repa- vationsproblem einer eingehenden Prüfung unter-irhen. Der Meinungsaustausch zwischen Frankreich und Beugten soll dazu geführt haben, daß die belgische Reg'ermig infofern von der französischen Sicßening abgeriidt ist. als fie fick nicht mit den französischen Vorschlägen in bezug auf D-utschland einverstanden erklären konnte. In Londoner politischen Kreisen entartet man noch vor Eröffnung der Ministerkonf-renz eine sehr heikle Luge. Man nimmt an, daß die Londoner Erört?runzn zu e'nem Versuch, neue W g? in der Reparatjo ns frage einzuschla­gen. führen werden.

Bonar Law Hai erklärt, daß er keinerlei Informa­tionen bezüglich eines französisihen Planes ü6er d e Be­setzung des Ruhrgebietes habe.

Trübe Aussichten.

London, 4. Dez. DieTimes" berichtet aus Brüssel, Frankreich und Belgien seien über­einstimmend der Ansicht, datz auf der bevorstelren- den Londoner Konferenz eine Lösung des Repara- tionsproblems auf folgender Grundlage gefunden werden würde: Abschlutz einer ausländischen An lei he,, aus der Frankreich den Betrag seiner Reparationen erhalten solle und Belgien den- jenigen Betrag, auf den es kraft seines Prioritäts­rechts Anspruch habe. Wenn diese Lösung nicht angenommen werde, so werde Frankreich Handlungsfreiheit für sich in Anspruch nehmen und Pfänder ergreifen, insbesondere das Ruhr­gebiet besehen. Zn diesem Falle würde für Belgien die Frage entstehen, ob es an der Besetzung teilnehmen wolle oder nicht. DerTimes" zufolge war die italienische Antwort auf die Einladung zur Teilnahme an der Londoner Vorkonferenz, die am nächsten Samstag beginnt, bis gestern nachmittag noch nicht eingteroffen. Es verlaute jedoch von matzgebender Seite, datz Muffo- lint in London rechtzeitig eintreffen werde, um sich an den gesamten Erörterungen zu beteiligen.

Str Orient.

Die Meerengenfrage auf der Lausanuer Konferenz.

Lausanne, 4. Dez. Die Kommission der Friedenskonferenz befaßte sich heute mit der Meer­engenfrage. Der russische Vertreter Tschitscherin verlas eine Erhlärung über die grundsätzliche Hal­tung Rutzlands in dieser Frage. Der türkische Ver­treter Ismet Pascha schloß sich seinen Ausfüh­rungen vollinhaltlich an, ebenso der Vertreter Bul­gariens. Der rumänische Vertreter sprach sich für die Durchfahrt von Handels- und Kriegsschissen und die Entmilitarisierung der Meerengen aus. Lord Turzon erklärte, es habe den Ansäzcin, als wenn Nutzland nicht nur Georgien und die Ukrainer, son­dern auch die Türkei vertrete. Tschitscherin ver­langte darauf, datz auch die Alliierten ihre Auffassung über die Frage kundgäben. Die Alliier­ten werden sich heute abend darüber fchlüssig werden.

Eine neue russische Note.

Lausanne, 4. Dez. Die russische Ab­ordnung stellte heute dem Präsidenten der Kon­ferenz eine neue Note zu, in der es heitzt:

In Ihrer Antwort vom 27. November, die der russischen Delegation am 28. November überreicht worden ist, bestätigen dir Vertreter der drei ein- geladenen Mächte, ohne ein einziges der in der rus­sischen Note vom 27. November angeführten Argu­mente zu entkräften, ihren Entschluß, Rußland nur zur Beteiligung an der Debatte über die Meerengenfrage zuzulasfen. Die russische Abordnung-sieht in diesem hartnäckigen Bestreben. Nutzland und seinen Verbündeten die Beteiligung an der Regelung der Fragen, die ihre benachbarten oder nahestehenden Staaten und Köl­ker betreffen, vorzuenthalten und sie vor vollendete Tatsachen und Entscheidung»» zu stellen, einen ernsten Angriff -gegen ihre Lebens- inteiessen.

Tie Mächte hoben stet? das Problem des Nahen Ostens al- ein unteilbares Ganzes be­trachtet. Nickitsdestoweniger sehen wir. wie Sie heute auf unverantwortliche Weise mit dieser Hun­dertjährigen Tradition breck-en und zu dem Schlüsse gelangen, datz ein "dauerhafter Friede im Nahen Osten ohne Mitwirkung Rutzlands und seiner Ver­bündeten, der Ukraine und Eeorgicn. verwirklicht werden könne und datz die Meerengenfrage als ein unabhängiges Problem behandelt werden kann, das autzerhalb des grotzen Komplexes der Probleme des Nahen Ostens zu lösen wäre.

Die russische Delegation sieht sich daher gezwun­gen. nockttnol? Einspruch zu erheben und zu erflören, dotz Rußland und seine Verbündeten sich durch keine Entscheidungen, die in ihrer Abwesen­heit getroffen werden, gebunden erachtet und gleich­zeitig jede Verantwortung für den anormalen Zu­stand ablehnt, der sich hieraus ergibt. Andererseits wird die russische Delegation, um eine Unzuträg'ich- keit zu verhindern, die das völlige Fernbleiben Rutzlands von der Konferenz unvermeidlicherweise ^ckaffen würde, an den Arbeiten für eine Meerengenfrage teilnehmen.

Lausanne. 4. Dez. In der heutigen Sitzung der Konferenz gab Tschitscherin zur Meer­engenfrage eine Erklärung ab, in der es u. a. heitzt: Die Abordnungen non Rußland, der Ukraine und Georgien werden sich bemühen, in den Fragen, an deren Lösung sie teilnehmen, folgende beiden grund­legenden Gedanken zu verwirklichen:

1. das Gleichgewicht der Stellung und der Rechte Rußlands und seiner Verbündeten mit der Stel­lung und den Rechten anderer Mächte,

2. Wahrung des Friedens und der Sicherheit im Gebiet Rußlands und der verbündeten Republiken sowie ihrer freien wirtschaftlichen Beziehungen zu allen anderen Ländern.

Autonomie in Westthrazien.

Paris, 4. Dez. Nach einer Meldung betChi­cago Tribüne" aus Sofia haben die türkischen Revolutionäre in Westthrazien die Provinz für autonom erklärt.

Prinz Andreas geht in die Berbannung.

London, 4. Dez. Reuter meldet aus Athen: Prinz und Prinzessin Andreas sind heute nach­mittag a b g e r e i st. Sie haben sich in Phaleron an Bord eines englischen Kriegsschiffes eingeschifft. Prinz Andreas wurde zu lebensläng­licher Verbannug und zum Verlust seines militäri­schen Ranges verurteilt, aber nicht, wie fälschlich gemeldet wurde, auch zur Degradation.

Freilasiung der griechischen Generäle.

Athen, 4. Dez. Die Generäle Busmanis, Pallis, Exdaktylos und Balettos find wieder in Freiheit gesetzt worden.

»reges oder »reten?

( Bon unserem politischen Mitarbeiter. ' " Der außenpolitische Horizont ist wohl noch nie so btm*

M verhüllt g wesen wie im Augenblick. Dir Möglich» (eit, daß schwere Gewitter losbrechen können, drangt sich immer wieder auf. Aber dabei herrscht doch noch dir Ungewißheit, ob wirklich ein Unwetter berausziebt. oder ob sich nickt am Ende doch noch die Wolken zerstreue« können. Nach dem ersten Bericht über die außerordent­liche französische Kabinettssibung, ließ sich die fran­zösische Politik explosionrg: fährlich an. Dann wurde wieder abgttviegelt und es gewann den Anschein, als ob Frankreich doch geneigt wäre, etwas einzulenken. Die letzten Ereignisse aber lajfeu w eder das schlimmste befürch­ten und g.-swtten kaum noch einen Zweifel daran, bag die Entente-Politik in der nächsten Zeit den Weg der Ge­walt einschlagen wird.

Die Note, die btt französische Botschasterkonferentz wegen der Vorfälle in Passau und Ingolstadt an die deutsche Rcichsvegierung gerichtet hat. schlägt wieder von neuem den Ton des Ultimatums an. Sie stellt kategorische Forderungen, bfc bis zum 10 Te ember er­füllt fein müssen, wwrg'nfalls mit Gewalt eingei'chrib» ten werden soll. Bayern wird von dttser Rote am w mittelbarsten getroffen, nicht nur deshalb, weil btt Vor­fälle sich in bayerischen Städten ereignet haben, fonber» auch deshalb, weil die Drohung des Ultimatums sich gegen die bayerische Pfalz richtet. Der neue bayerische Ministerpräsident kommt heute nach Berlin, um mit der Regierung zu beraten. Die nächsten^Tage sind also wieder m-t einer starken außenpot'lischen Lpannunft erfüllt. Dazu treten neue Forderungen, die das Maß ver deutschen Ztoangslieferungen an Lwlz derartig über­spannen, daß die Unmrglichkeit der Erfüllung auch dem oberflächlichsten Kenner unserer Verhältnisse in dte Augen springt. Auch diese Forderung bedeutet für unsere Auß.npolittk eine schtvere Belastung und fie erweckt in Verbindung mit der neuen Note ganz den Anschein, als nh die Entente wieder einmal die Absicht hätte, basl ueuische Poll mürbe und für weitere Forderungen ge* tägig zu machen. I|

Umso schärfer tritt in dieser Lage das Bestreben der neuen deutschen Regierung herbor. einen Ausgleich auf einer Grundlage zu suchen, der Von jeder (slewalt und jeder Dwhung weit entfernt ist. Reichskanzler Dr. Cuno hat in seiner letzten Rede das Z-el seiner Politik deutlich bezeichnet. Er toill auf dem Boden der intce» nationalen Vertrauensstellung, die er sich durch ferne bisherig.' Tätigkeit erworben bat, über das wirtschaftlich Mögliche verbanden, und zwar von dem alltäglichen^ aber darum doch durchaus richtigen Standpuntte au?, daß Gläubiger und Schutoner beige ein Interesse daran haben, sich zu verständigen. Auf diesen Gesichtspunkt i hat der Reichskanzler schon in seiner Negierungs rlläriing biug wiesen. Der Tatsache, daß Deutschland den Krieg \ verloren hat, muß Rechnung getragen werden. Und wem»! diese Berettschaft auf deutscher Sette vorhanden ist,! jo müßte bei gleichgutem Willen auf der Gegenseite wohl eine Verständigung darüber möglich fein, was Deutschland wirklich leisten kann und wie eS em besten sur beibe Teile zu leisten ist. Daß Dr. Cuno bei feinemj Amtsantritt dies.'s Ziel im Auge gehabt hat und daß et feine persönliche Vertrauensstellung an oie Erreichung oirses Zieles setzen will, hat er auch in feiner Rede am vorig.» Sonntag deutlich burchllinzen lassen Das neue Kabinett beschäftigt sich schon sci-t mehreren Tagen ein», dringlich mit ber Vorbereitung bestimmter Vorschläge,! die nach dieser Richtung weisen. *

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Sos neue Wien.

Aus Mussolinis ecnntSrebe.

Die »ftöln. Zeitung- erfährt:

Rom, 28. Vov. Aus bet gestrigen Senatsrebe Mussolinis sind für feine Persöntlchkett unb Politik fo.genbe Stellen charafterlftiic!': »Wenn bas Votum des Senats einmütig ist, ko wirb die Sache mir sicher» lich Freube machen. Ader il>r dürft nicht glauben, datz diese Einmütigkeit mir übermäßig schmeichelt. Für viele, die tn btefen Tagen mehr ober weniger gut mit mir gehen, habe ich eine lebhafte Verachtung. ES Handelt sich Häufig um Seelen ober Seelchen, bte nach ber Richtung gehen, von ber bet Wind günstig weht, um bann, wenn ber Wind gewechselt bat. sich nach bet andern zu stur;en Diesen zweifelhafte« Freunden ziehe ich bte leben igen und ehrlichen G g- ttet vor. . . Ich habe keine Furcht vor Worten. Wen» es morgen notwendig ist, erkläre ich mich zum erste» der Reaktionäre. Für mich sind alle Jtcfe Termino­logien lediglich leere Schaiausdrü^.-, bte ba$« dienen, um uns manchmal auseinander-«chatten und noch öfter zu verwechseln . . . Aus nationale«, unb keinen anbern Gründen wollen wir bas Prole­tariat nicht unterdrücken; wir wollen es im Gegenteil geistig unb materiell heben, nicht weil wir dächten, daß die Zahl, die Qualität besondere Tvven der Ziviitfation schaffen hönnte. Wtr .' en diele Ideo­logie denienigen, die Priester dieser mysteriösen Re­ligion sind . . . Unsre Arheiterpolitik, antidemago-, gftch, weil wir kein Paradies versprechen können, ba* wtr nicht besitzen, wirb tum Schluß für bte Arbeiter-j Nasse viel günsttger sein als bteientge, bie bte Av» leitet mit bet vergeblichen unb unnützen Erwartung crtentalifetter Wunber bezaubert unb belogen bat. .« Ich beabsichtige eine auswärtige Politik zu mache«, die weder auf Abenteuer ausgeht noch Verzichte $n» läßt . . . Unsre Politik wird nicht bte Potttik box Imperialisten sein, bte das Unmögliche erstreben, aber sie wirb auch keine Potttik sein, bie notwendigerweis«' von bem negativen Grundsatz, datz man niemals zur Gewalt greifen dürfe, ausgebt. Es ist gut, diesO Möglichkeit sich gegenwärtig »u Halte», «an »mut W|