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Marburg

Mütas, den 4. DezewSrr

Zulmond.

AnEches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (das früher kurheMche) OberheW

Der Anreiaeavieisbeträgt kür de, Ogejp Zeilenmillimeier 12.00 Mk^lKlein» u. Familien«

anzeiaen Äl»,.weniger>. Amtliche unoeusm. Anzeigen 15.00 Mk. Andere opaltenoretien p*J 'TfiflFft entivtechend Be ndwieri em Bob hu*/. SuiHbleg. Spät etalaufende oder den Raum über Ji. si'iillifo

MMtzkk ÜOilöiafl.

191. Sitzung vom 2. Dezember. /

Auf der Tagesordnung stehen die ksmtnunisttsckcn gufnytn wegen Beschlagnahme derRoten Ha bn und anderer kommunistischer Blätter. Ein Vertreter der Staatsregierung erklärt, die ;,Rotc Fahne" geß eine Anzahl von Kopfblältern derselben seien aut jfl. 10. vom Berliner PcckzetprSsck-enten verboten worden, jjttl tn der Einladung, welche diese Nummer zu einet Giscnbahnervcrsammlung enthält, gesagt war:Der ^Hundsfott Gröue r will Euch forthnngern lassen. Darin Li eine Verleumdung des Rc ich-verkehrsministers und |a Keichsrrgierung mit Recht erblickt worden. Das tztoatsministerium habe demnach das Verbot des Polizei­präsidenten für richtig erachtet. Das gleichzeitige Berbv' _ fet Kovsblätter sei aus ein Versehen zurückzuiühren, das ' gfsbafö wieder ausg giichen worden sei. Aber auch diese Blätter unterständen dem Gesetz zum Schutze der Republik, da- sich nicht gegen bestimmte Parteien oder Volkskreise eichte. Die Beschlagnahme des Flugblattes sei zu recht «felgt, da es ei» tendenziöse Entstellung des tatjäch- sichen Vorganges enthalten habe.

f- Eine Besprechung der Anfragen fand nicht statt, . k nur die Kommunisten für die Besprechung einrraten.

Dhne Aussprache wurden die Ausschußantr ägc tzenehmigt, welche vor Eingehung einer Ehe den Unsiau sch von Gesundheitszeugnissen vor- jchreiben. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei aus kchafsung einer Bannmeile für das Berliner tlfl th aus wurde abgelehnt. Bei Beratung oes dimnuuistischen Antrags auf Verweigerung der Aus- fefctuiig des Kommunisten Ghezzi an btt italienische Kegienrng ergeht sich der Abg. Charpentier (ft.) bt heftigen Ausfällen gegen die preußische Regierung tob andere Parteien. Als sich auf der Rechten zunächst tätig: linruhe bemerkbar macht, fordern die Kommunisten fc erregter Weise zur Ruhe aus. Als die Rechte die tovischenrufc erwidart,-chrginnt auf Seiten der Kommu- pifteu ein soWkWDärm, daß vie AuS'ührrmgen des Lc?uers unv rständlich bleiben und Präsident Leirtert Ich minutenstrng bemühen muß, die Ruhe wieder herzu frßea. Narlchem Abg Heil'manu (Soz.) mit Rück Mt daraus, daß das Material über diesen Fall noch nicht zur Sickle sei vor überr'lt.m B'schr ls : r g warnt Ntte, welche unser Recht gefährden könnte, vom Aus- ftnbc die Auslieferung von Verbrechern zu verlangen, krird der Antrag dem RechtSausschuß überwiesen. Dcr Rest der Sitzung wurde mit Geschäftsordnung s- jk batten und der Erledigung von Ausschußberichteu i to-gesüllt.

Um 2'/< Uhr vertagt sich dann das Daus auf Diens­tes. den 11. Dezember, 12 Uhr mittags. Die Festsetz- drg der Tagesordnung bleibt dem Präsidenten überlassen.

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KM die fkmzWkA MMM.

München, 2. Dez. Wie die Korrespondenz Hoffmann meldet, reist der bayerische Ministerprä- ßdent Dr. v. K n i l l i n g am nächsten Montag nach Lerlin, wohin der Reichskanzler die Ministerpräsi­denten der Länder für den 6. Dezember zu einer Aussprache eiygeladen hat. Der Ministerpräsident wird am Dienstag die Angelegenheit der S ü hne- forderungen der interalliierten militärischen Kontrollkommission mit den zuständigen Reichs- frtk-n besprechen, nachdem er hier die notwendige Uhlung mit dem Landtag bereits genommen hat. *$ie Entscheidung der bayerischen Regierung wird «fort nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten ge­messen und der Oeffentlichkeit mitgeteilt werden. iL München, 2. Dez. Zu den Vorkommnissen in iveriau und Ingolstadt wird amtlich gemeldet: Ge- ^gentlich der Kontrolle der hiesigen verbandsstaat- Achen Distriktskommission wurden am 24. Oktober in Passau und am 22. November in Ingolstadt die Mitglieder dieser Kommission von Teilen der Be- - Ackerung schwer beleidigt und teilweise mit peinen beworfen. Diese Vorkommnisse wurden pen den zuständigen Staatsbehörden sogleich ein- ^l-end untersucht und dabei festgestellt, daß den Polizeibehörden keinerlei Schuld beizumessen ist, wn deswegen nicht, weil sie über das Eintreffen ,l_ verbandsstaatlichen Kommission nicht unter- ^let waren und daher rechtzeitig polizeiliche Massnahmen nicht treffen konnten. Die staats- ^awltlichc Untersuchung gegen die Täter ist noch I» Gange. D:e Städte Passau und Ingolstadt rich- nn die hiesige Kontrollkommission wegen der Vorkommnisse besondere Entschuldigungrstbreiben.

hinaus war es der Regierung auf Erund sSachlage jedoch unmöglich, die von der inter- 1 ""erteil Militärkontrollkommission noch weiter- i verlangten Strafmagnahmen (Versetzung des ^rantwortlichen Polizeichefs) vorzunehmen. Trost- M machen nun die Verbandestaatcn die örtlichen u> ^^ibehörden scierlich verantwortlich und ver- ^BSett von ihnen und von den beiden Städten die ckallnng drückendster Verpflichtungen und autzer- s Hohe Eeidbusten und Strafversetzungen

bei Nichterfüllung bis zum 10. Dezember

schärfste Sanktionen in Aussicht. Das Verhalten der Bevölkerung und ihre zunehmende Entrüstung über die dauernde demütigende Kontrolle ist für jeden national empfindenden Deutschen verständ­lich: dennoch verlangt das Gebot der Stunde kluge Zurückhaltung und Beherrschung der inneren Ge­fühle. Es mutz den Verbandsstaaten auch der Schein des Rechtes genommen werden, uns immer wieder drückende und gänzlich unberechtigte Opfer aufzuerlegen. Wegen der Fälle in Passau und Ingolstadt ist die bayerische Negierung mit der Reichsregierung in Verbindung getreten.

Berlin, 2. Dez. Wegen des Zwischenfalls in Passau hatte General Rollet, wie den Blättern mitgeteilt-wird, eine Entschuldigung durch den die Verantwortung tragenden Ortsbeamten in Passau, die Abberufung des Polizeichefs und die A b - berufung des Bataillonskommen­de u r s gefordert. Die letzte Forderung ist bereits erfüllt, ein schriftliches Bedauern des Bürger­meisters genügte nicht in der Form und die A b - berufung des. Polizeichefs hat die bayerische Regierung abgelehnt. Den Vorfall in Ingolstadt hat Rollet bisher nur zur Sprache gebracht. Forderungen sind noch nicht gestellt. Die bayerische Regierung untersucht den Vorfall.

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6ln? RMMzlenkde.

Berlin, 3. Dez. Der Verein Berliner Presse veranstaltete heute in den Räumen des Reichstages einen Empfang, zu dem nutzer dem Reichspräsi­denten Ebert, dem Reichskanzler Cuno und den meisten Mitgliedern des Kabinetts die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, die Präsidien der Parlamente sowie eine grosse Anzahl nam­hafter Parlamentarier und Mitglieder der Gesell­schaft erschienen waren. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Chefredakteur Georg Bornl>ardt, die Anwesenden begrüßt hatte, ergriff Reichskanzler Cuno das Wort. Er führte u. a. aus: An den Richtlinien des neuen Kabinetts in der inneren und äusseren Politik, die er vor genau 9 Tagen von diesem Platze aus besprochen habe, habe sich nichts geändert. Die Verkennung der von uns gegebenen Erklärungen, Geist und Wortlaut der neuesten Rote über Passau und Ingolstadt wie die zum Teil wie­der dementierten Absichten und Stimmen, die aus Beratungen im Elysee-Palast zu Paris herüber­dringen. das alles klingt nicht danach, als ob überall wahrer Friede und förderndes Verständnis für eine Zusammenarbeit der Völker schon ein- gezogeu wäre. (Sehr richtig!) Was der Rote ge­genüber zu sagen ist, das wird von der Regierung im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung geprüft, die Tatsachen werden festgestellt und wo tatsächlich Unrecht geschehen ist, wird das Unrecht wieder gutgemacht werden. Den Einmarschdrohun­gen gegenüber aber und den besonderen Maß­nahmen, die im Elysee-Palast besprochen worden Zu fein scheinen, die im Rheinlande beunruhigen, einem Lande, wo jeder Stein von deutschem Wesen spricht, all diesen Drohungen gegen­über wollen wir mit einem Worte nur erneut erklären, daß das Rheinland fest zu Deutschland gehört und Deutsch­land fest zum Rheinland steht. (Stürm. Beifall und Händeklatschen.) Wir können und werden es nicht zulassen, dass die Rheinlande, die Nheinprovinz, die Pfalz, Rheinhessen und das Saargebiet jemals prcisgegebeir. ihre Befreiung gefährdet oder hinausgeschoben werde. Darauf können sich unsere deutschen Brüder und Schwestern am Rhein, die so Schweres schon jahrelang über sich haben ergehen lassen müssen, on die wir voll tiefen Gefühls in diesem Augenblick benken, fest verlassen. (Wiederh. stürm. Beifall u. Händeklatschen.) Werden die Hemmnisse endlich überwunden, die einer fachlichen Regelung der Re­parationsfrage entgegenftehen, dann wird endlich auch der feste Punkt gefunden sein, die Wirt- 'chafts- und Preisfragen mit sicherem Er­folg der Gesundung enigegenzuführeu. Mehr fast als irgendein anderer Beruf leidet die Presse. Aus Hunderttausenden von Häusern schwinden Zei­tung und Buch. Soll wirklich zur materiellen Ver­armung die geistige Verkümmerung kommen? Mag die Welt ein armes Deutschland sehen, ein seelisch verarmtes Deutschland, ein Deutschland, das we­niger geistig und weniger deutsch ist als das Deutschland voriger Zeiten soll sie nicht sehen. (Bravo!) Elfte und Würde kann niemand von aussen geben und nehmen. Unser Volk selbst hält sie und wird sie halten und mehren. (Bravo?) All die ernsten Sorgen, die uns hier erfüllen, schliesse ich ein in der Kundgebung: Dem deutschen Lande, unser aller Mutterland, das

daß die deutschen Vertreter in den beiden letzte» Zusammenkünften mit der Kommission Erklärun»

Tausenden von Wunden blutet, dem deutschen Volke, das 4 Jahre nachdem d i e Waffen ruhen, noch ,heute das schwerste Schicksal eines Volkes zu er­tragen und noch heute die Ungewiß­heit auf feinen Schullern la ft en hat.

jetzt niedergedrückt, beherrscht und ausTagen in der Frage der deutschen Holz- und 1 Kohlenlieferungen adhielt, meldet derFigaro,

diesem deutschen Land und Volk gelte unsere gemeinsame Arbeit!

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Me MW gegen öle ksnziWk Müland- WU.

Berlin, 2. Dez. Der Reichsverband c*er Rheinländer, Sitz Berlin, richtet folgen­den Aufruf an die rheinische Heimat.

Wir im Reichsverband der Rheinländer zu- iammengcjchlossenen Landsleute rufen in dieser ernsten Stunde, da neue schwere Gefahren der

gen für die Verzögerungen der deutschen Kohlen» lieferungen beigebracht haben und daß im Anschluß daran ein Programm für die Holzlieferungen im Jahre 1923 vorläge. Zn der Kohlenfrage habe die Kommission gestern vorläufige Maßnahmen be­schlossen. die bis zu der in etwa 14 Tagen zu er­wartenden endgültigen Entscheidung Anwendung: finden sollen. Gestern nachmittag wurde die Holz- frage behandelt. Dem genannten französischen, Blatte zufolge wurde ein Lieferungsrüastand von 50 Prozent der geforderten Mengen festgestellt. Die deutschen Vertreter hatten Versprechungen für bessere Lieferungen abgegeben und die Kommission habe die Entscheidung vertagt, da man zunächst die Ergebnisse der Brüsseler Konferenz abwarten wolle.

iMtgeprüsten Heimat drohen, Euch Treue u m Treue zu! In tiefstem Mitgefühl für alle Eure schwere seelisch« und wirtschaftliche Bedrängnis und stolz auf Eure unwanelbare, nicht zu erschüt icrnde kerndeutsche Gesinnung, erheben wir mit Euch vor aller Welt flammenden Protest gegen die beabsichtigte Vergewaltigung des freiheitsliebendsten aller deutschen Stamme! Landsleute am Rhein: Wir stehen Schulter an Schulter mit Euch zur Abwehr solche». Machtgelüste, lieber Millionen von Rheinländern soll nicht wie über Figuren aus dem Schachbrett verfügt werden, das Rheinland darf nicht als Vasallenstaat kul­turell und wirtschaftlich zugrunde gehen und zu einem Herenkessel für Europa werden. An den starken Felsen der einigen beut ch e n Ra­tion müssen alle französischen Eroberungspläne ^schellen!"

Ferner richtete der Reichsverband der Rhein­länder an die Reichsregierung folgendes Telegramm:

Vier Jahre lastet auf dem kerndeutschen Rhein­land der seelische und wirtschaftliche Druck der frem­den Besatzung. Niemals fühlten sich die Rhein­länder i nniger mit dem Reiche und seinen Län­dern zu einer Schicksalsgemeinschaft ver­bunden als in der Stunde der Gefahr. Gegen die fremden Eroberungspläne erheben sie entschiedenen Widerspruch, dem sich anzuschließen ihre im besetz- ten Deutschland lebenden Stammesbrüder als ihre Ehrenpflicht betrachten. Wir Rheinländer im Reiche, vereint im Reichsverband der Rheinländer, danken der Reichsregierung, daß sie dem Ver­langen auf Loslösung der Rheinlande ein entschie­denes Niemals! entgegengerufen hat. Wir er­warten von der Reichsregierung, daß sie getreu dieser Erklärung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln sich besonders jetzt schützend vor das durch Kultur, Wirtschaft und Geschichte dem Reiche u n - löslich verbundene Rheinland stellt, wonach Frankreich unter neuen unerhörten Drohungen die Arme auszustrecken versucht. In dieser Erroartung wissen wir uns eins mit allen deutschen Volks­genossen."

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Die WWW DeMlü Lr.

Berlin, 2. Dez. Wie die Blätter mitteilen, sind die Bezüge der Mitglieder de, inter­alliierten militärischen Kontroll­kommission wieder einmal erhöht worden. Ms 1. September erhielten neben de« Heimat- lezügen und freier Wobnung: der Vorsitzende Ge­neral Rollet 310 800 Jl, die Generale 229 425 M, die Obersten und Oberstleutnants 163 875 -R, die Majore 147 525 Jt, die Hauptleute und Leutnants *39 275 M, die Unteroffiziere 75 750 «0, Gemeine 15 900 M monatlich. Die Botschafterkonfereuz be­schloß nun, daß diese Bezüge mit Rückwirkung vom 1. Oktober zu verdreifachen sind.

Die MmtioMW.

Die Londoner Vorkonferenz.

London, 2. Dez. ES steht numnedr fest, daß die Vorbefpreckmng der alliierten Ministerpräsidenten am 9. Dezember tn London statisinden wird. Theunis und Jasper haben ihr Rommen endgültig ange- riindigt, ebenso Mussolini. Poincar« wird vom Ftnanzrntnister d e Lastehrte begleitet sein. Neben Sonar Law wird für England Schatzkanzler Baldwin an der Besprechung teilnehmen. Die Konferenz wird der Darlegung der verschiedenen An­sichten dienen, wobei der ReparationSplan Potnear4s den größten Raum einnehmen dürst«. Der zweite Tag dient der Diskussion. Am dritten Tage sollen dann Beschlüsse gefaßt werden.

Di« Holz- und Kohle nlieserungssrage.

Paris, 2. Dez. Zu den vertraulichen Sitzun­gen, die die Reparationskommissü» in den letzten

Mr!Mr Mtzwk

Vor dem Kriege erschien ein Buch von Angell, einem englischen Pazifisten, mit obigem Titel, das nachzuwcisen suchte, daß die Kriegstreiber aller Länder (bekanntlich haben die Pazifisten immer stark übertrieben) eine falsche Rechnung aufmachten, wenn sie von dem Krieg für ihr eigenes Land sich Vorteile versprächen. Er begründete das etwa da­mit, daß die Störungen des wirtschaftlichen Zusam­menhanges der Länder so gewaltig seien, daß all« darunter leiden würden. Unter der Herrschaft des Geldes fei ein Krieg ebe nnicht möglich. Wir wollen die »nage dal ingestellt sein lassen, ob Herr Angell recht gehabt bat oder nicht, sie ist nämlich ganz gleichgültig. Die führenden Persönlichkeiten der mäcktljtßen Staaten haben sich um seine Beweis­führung eben nicht gekümmert. Der Krieg ist doch gekommen, hat wesentlich länger gedauert, als Herr Angell geglaubt hat, und es gibt Völker, die durch­aus davon überzeugt sind, daß ihre Rechnung stimmt. Was geht daraus hervor? Vor allem eins, wie ungeheuer weltfremd die Leute sind, die uns immer wieder beweisen, was das Vernünftigste und Praktischste in der Welt wäre. Sie ziehen nämlich eins nicht mit in Rechnung, die nationale Leiden­schaft und gewisse Urtriebe der menschlichen Natur, Zu- und Abneigung, sie halten, wie das Leben des Einzelnen, so auch das Leben von Gesamtheiten für eine Art BLtsenspiel von Angebot und Nachfrage, mit einem Wort: Wirtschaft. Die Imponderabilien Bismarcks eriftiertn für sie nicht.

Man sollte «einen, dass die Lehr« des Kri-aes gewirkt hätte. Leider ist das nicht der Fall. Drehe theoretischen Erörterungen der Pazifisten find chre^ ganzen Art nach auf fruchtbaren Boden gefcX-n bet uns Deutschen. Daher ist auch nicht verwunderlich, daß der pazifistische Schematismus nur bei u*3 Orgien feiert, bei uns, die wir wahrhaftig das fT^*V fertigste Volk der Welt sind. Aber lassen wir etlÖ mal Pazifismus Pazifismus fein, die Anschauunf., als ob jeder berufen wäre, die Welt nach feiw m Ge­schmackvernünftig" einzurichten, ist nur bei un« so verbreitet. Es bat mir mal ein Ausländer gesagt, die Deutschen wären garnicht so verhaßt draußen, menn sie eins ab legen wollten, nämlich den andern Leuten zu sagen, was sie tun müßten, wenn das Sagen nicht helfe, dann versuchten sie es sogar durch ihr Beispiel. Der Mann hat recht. Nur, daß wir uns früher diese Art leisten konnten, oder glaubten, leisten zu können, während heute jeder Irrtum uns ins eigene Fleisch schneidet. Wer ein­mal unbefangen zuhört, wie zwei Deutsche sich darüber unterhalten, was England oder Frankreich setzt tun müßte, wenn es vernünftig wäre, der kann sich manchmal des Lachens nicht erwehren. Was Eng­land tut, sieht jedenfalls ganz anders aus, auch Lloyd George hat einer deutschen Vierbank nicht den, Gefallen getan, für uns einzutreten. Er ist feit der! Zeit zwar keinmoralischer" Politiker mehr ge-' wesen, hat die Billigung der Herren I. y. Z nichts mehr gefunden die er schmerzlich vermissen wird1

sein Volk wird jedenfalls anders darüber denken. Besonders verhängnisvoll ist diese Art aber in der augenblicklichen Beurteilung Frankreichs. Frankreich soll, so will es der deutsche Politiker, ht denselben Ruin verfallen wie wir. wenn es nicht endlich nachgibt. Fällt ihm garnicht ein. Vor dem berühmten Bolschewismus hat Frankreich gar keine Angst. Die französischen Sozialisten gebärden sich zuweilen ungeheuer radikal. Das ist aber bloß et« Zeichen, daß sie durchaus keinen Einfluß haben. In einem Land, das sich so stark selbst ernähren kann, von der Natur so begünstigt ist, daß es seine Industrie garnicht braucht, ist das auf Ruhe bedachte, Nein, bürgerliche Element so stark, daß die bolschewistische Gefahr für Frankreich saft ausscheidet. Infolge»