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GberhcWe ZeitM

Zweites VkalAZ

Nr. 283 H

Sonnabend, 2. Dezember1 3 xlmen* 1922

«IrtsMiA MWSKW.

Ben unserem volkswirtschaftliche« Mitarbeiter

in der gleichen Richtung wie die der Hetz« und Drvhreden Pvineares und der fortgesetzten ungeheuren Kohlenpreit- fleig-rung.

Währeiid das Gefühl der Abhängigkeit der eigenen

. I« dem Riederbruch der deutsche» Währung gPt er unten und kleine Rückschläge. Aber diese vsteq-n nr* meß lange anzudauern. Stets treten autzenvakitische »de' jnnervolitische Ereign'sse ein. die die Abw?rtsen'wiktel-ng schnell wieder in Gang bringen. Diesmal war es Herr $oincare, der durch seine, wie es scheint, absichtlich 'o »fsenkundig betrieben -n Vorbere l-maen. zu einem g kval- i tunen Vorgehen an Rbein und Ruhr einen neuen Mark- tiurz hervvrrief. Der Widerspruch, den d'esr brutale Er- zressungstaktik in der ganzen außerfranzäs'schen Welt f-er- , .triff, bat die Devisenhausse dann zunächst wieder »nm Liehen gebracht. Aber nunmehr wirken wieder inner-- N-irtschaitliche Vorgänge ungünstig auf die deutsche Valuta eit. D r Druck, der die Mark nach unten vrestt. ist auf die Dauer immer stärker als die vorüb-rq-hen- de, Windstöße der Hoffnung aus eine» Umschwung der gny. Denn rin solcher Druck wird dauernd ausgeäb' buich dir kaum unterbrochene innere VreSsteia^ung ans ndin Gebieten. Da bei ist es vor allem die Kohle, bi- haß aUgrmrine Preisniveau immer wieder nach oben bin itgiliftt. Am 1. Dezember wird schon wieder eine ielr erhebliche KvhlenvreiSrrhöhuug in Kraft trete». Sie beträgt durchschnittlich etwa 40ßO Prozent der irtzi- gen Preise. Dabei ist ausdrücklich bervorgehoben trorb-*». hakt das alle Befürchtungen übertrrsienvr Ausmaß der Previsteigerunge» mehr noch durch d>e Berteiirrnnq der Holz- und Materialienpreise, al» durch die LohnerbSl-- tttgtv. verursacht sei. Die Rückwirkungen einer erneu­te« IkvblenpreiSsteigerung von s» erheblichem Ausm.-.s aus unsere ganze Wirtschaft könne nicht hoch genug ein- geschäht werden. Sie müssen auch die Devisenkurs« in starkem Maße beeinflussen und wir werden uns «ich! wundern dürfen, wenn der Dollar in nächster Zeit toifxr einen neuen Aufstieg nimmt, ohne daß besondere Ur­sachen politischer Natur dafür vorliege».

Angesichts dieser Entwicklung ist die dauernde Kati- stwphenbausse. die unsere Börse beherrscht, nur all,, begreiflich. Da die deutschen Essekt.--.wrs' noch b i to i tem nicht der Markentwcrtnug angepaßt sind, so steigen sie zur Zeit sowohl bei hochgehendem wie bei fallend-m Do'larkurse. Insoweit haben sich b:e Esftktcr.böriei! vcm Devisenmarkt unabhängig gemack-t. wobei wir nicht verg'ssen dürfen, daß diese Unabbängiakeit, nur eilte scheinbare ist entstanden dadurch, daß aus der'Flucht Vo­der Mark die Devisen den Effekten allzu sehr vorausgeeilt waren. Jetzt erfolgt der Ausgleich in beschleunig! m Tempo, weil das Ausland noch immer ferne Auf'iu-- deutscher Wertpapiere fortseht und so allmählich erheb­liche Summen dem deutschen Geldmarkt zusührt frtyr. soweit es sich nm Markbeträge handelt, die int Ausl -nix- anqehäust waren, wieder zufließen läßt. D t das Aus­land nicht nur deutsche Wertpapiere, sondern auch deutsche Grundstücke in großem Umfange ouflaust, so ist c'ne Zähl­bare Entspannung auf dem deutsckien Kapitalmarkt vv'- Lberg'hend eingetreten. Dte Getdflüss gleit ist geg.rwäriw Überraschen- groß und sie trägt dazu bei. das Börieü- tz^schäst und die Spekulation aus allen Gebieten zu U' lebe». Auch die industriellen Aktierg'sellschait-n unr vor allem die sie mit Kapital speisenden Großbanken benutzen diese Gunst der Lage, um sich durch Kapitil- erhöhnna:» »ach Möglichkeit für kommende Be ten ui schlimmerer GeWentwertung zu rüsten. Denn wie ton.-!' die Kapitalnot sich wieder geltend mache» kann, wenn Industrie und Banken ihren Geldbedarf zu befrie>u beginnen, ist garnicht abzusehen.

Noch von einer dritten Seite her wird am Ruin der deutschen Währung erfolgreich gearbeitet. Man soll b r Einfluß, den die Vermehrung unsere» Notenumlaufs au-i die Markentwertung ausübt. nicht überschätzen und ssiuz falsch ist es, wie es oberflächticbe kkrteikcr im Ausland ost tun, der Tätigkeit der Notenvresse die eigen!'! che Schuld an der Entwertung der Mark »»zuschiebe». Aber kenn Woche für Woche die Vermehrung be§ No en- Umlaufs im jetzigen Tempo sich fortsetzt in der dritten Nevemberwoche ist er weiter um 61.6 Milliarden Mar.' auf nunmehr 64-1 Milliarden Mari gestiegen so kann di- vteruar.'onale Betvertttng der Mark hiervon nicht «»berührt bleiben. Die Erhöhung des Banknvtenum- laufs ist notwendig, um den Zahlungsm ttelbedarf per deutschen SBirttoaft zu bchried'gen. Sie ist nicht die Ur- sache, sondern nur ein äußeres Symptom unserer Wäb- rungskrankheit. Aber ihre Wirkung erstreckt sich genau

(Nachdruck verboten.)

Die Abenteuer des Grafen Mellenheim.

Roman von Gertrud v. Brockdorff.

Copyright by August Scherl G. m. b. H. Berlin 1922.

10. Fortsetzung.

Am folgenden Morgen sagte t>efm:

Sedlmayr bat beute uui eine Verstärkung des Po- ttzeischutzeS gebeten. Es ist ihm abgeschlagen worden. Die Polizei bat setzt, tote es schelnt, wichtigere Dinge zu hin. Sedlmayr soll es auch abgelebnt haben, in Verhandlungen mit den Streikenden einzutreten. Er ichetnt zu der Ueberzeugung gelangt zu fein, daß es sich mit uns billiger arbeitete*

Sie stiegen die paar Steinstusen zu den Arbeils- sälen btnaus. Mellenbeim batte das unbestimmte Ge­fühl, vast stch ibm irgendein unvermeidliches Unheil schattenhaft entgegenwälzte.

$>elm fubr mit seiner farblosen Stimme fort:

Ich hatte es ttotzdem für eine Unfiucbett von Sedlmavr. Die Stimmung unter den Streikenden ist bedrohlich. Wen» die Leute hungern, werden fle zu Tieren*

Ja', sagte Mellenbeim und sah wieder den Sckwtten, der sich langsam und unerbittlich auf ihn iitlväi he. In diesem Augenblicke svblte er, daß er bas Brot eines anderen und daß dieser andere dicht anfhören würde, um sein Eigentum nt kämpfen. In diesem Augenblicke lah er, daß Mensch und Alen'ch stch mit fletschenden Zähnen gegenüberstanhen wie in der Urzeit. Die Zivilisatton versank. Hunger kimvfte gegen Hunger.

Ich werde mir mein Brot nickt wegnebmen lasten", dachte er in wahnsinniger Erbitterung.Ich werde mich zur Wehr setzen. Ick besitze meine Fäuste.

Er begann zu arbeiten, zäb, wütend und mit an« schwellender Energie, tote am ersten Tage. Niemals, pe fühlte er, hatte der Graf Leopold Mellenbeim Mne« ärgeren Feind beseflen als jenen t» der Masse Mg-henden Arbeiter, den et nicht einmal dem

Berufsinter.-sst» von der allgemein politischen uns wir:- sckafl'ichrn Gesamftnwicklung bei den' ausländischen Ar­beiter» recht lebhaft ist. ist es bri her deutsch » Arbeiter­schaft nur sehr marg lhakt auSavrägt. Sonst wäret* Borstäng-, Wie der soeben aus^el ro benewilde" Streck bri b.-r Badischen Anilin- und Soda-Fabrik, der zur Stil ' l'ssung dieses NiksmwerkS geführt hat. nickt möt'ick Dm» beider Bedeutung, die d''ef* Bckri t*e für bi« deutsche Farbenprodttktion und die Farbenausfnhr haben, muß ei» Prrdultionsanssalk nicht nur auf die deutsche Aah- lungsbi'anz und damit auf unsere g sckuvächtt Währung in ungünstigster Weise ritt wirft», sondern er gefährdet auch sjt Liefern ng-n aus Grund des Fr edensvertr rg.-s und be­schwört ang sicktl bet obig n tow erigeu außenvolttitoe" 9c ip neue erhebliche Gefahren für die Bolksgesamthest herauf.

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Marburg und Umpeueni).

Marburg, 2. Dezember (Iulmond).

*Wuchergericht. Am Donnerstag trat das Wuchergericht zu einer Sitzung zusammen. 2» einem Falle sollte ein Landwirt beim Verkauf von RübA sich der Uebervorteilung des betreffenden Abneh­mers schuldig gemacht haben. Das Gericht kam zu der gegentei'igen Ansicht und erkannte auf Frei­sprechung. Die folgende Cache, bei dem es sich um eine ähnliche Beschuldigung beim Butterverkauf handelt, mutzte vertagt werden.

«Polizeiliches. Die Klagen über das Be­nehmen halbwüchsiger Leute haben sich in der letzten Zeit vermehrt. Co wird z. B. von einer Anzahl aus der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule kommenden Lehrlingen allerhand Unfug und Lärm auf der Ctratze getrieben. Zn einem Falle wurde sogar eine große Dreppenhausfensterfcheibe tm Wert oon 100(1 -^zertrümmert, ohne datz die Täter gcsatzt werden konnten. Ferner wurden in letzter Zeit Be- towerden darüber geführt, datz größere Kinder ebenso wie schulentlassene Flegel mit Cchneebällen und Steinen nach den Spiegelscheiben vorübersah- render Autos werfen ohne natürlich zu bedenken, welches Unheil sie dadurch anrichten können, na­mentlich, wgenn zufällig, wie es vorgekommen ist, Kranke in einem gckchlossecktzn Automobil befördert werden. Die Polizei wird rücksichtslos mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zukünftig gegen solche Tseleien oorge^en und hofft dabei auf Unterstützung der Eltern und Schulleitern. Es wird noch bemerkt, datz die Eltern für Schaden, den ihre unmündigen Kinder anrichten, neben der Strafe haftbar bleiben.

* Deutsche Beziehungen in Süd- Ameri k a. Wegen dem besonderen Interesse an deutschen Universitäten, Museen, sowie bei Kunst­freunden usw. werden wir gebeten, folgenden Be­richt auszunehmen: Der frühere Kaufmann Adolf Diehl, elernal. Inhaber der Fa. Ioh. Dieb! in Kirch­hain und Marburg tat seit einigen Monaten in Euzco Peru ein internationales Reisebüro für Touristen, Dolmetscher und Führer nach den Ruinen der Incas in Verbindung mit dem Hotel Colon, Euszro, eröffnet und ist gleichzeitig tätig als Generalsekretär der internationalen Gesellschaft für Inkakultur. Zweck und Streben ist, da der Touristen­verkehr nach der Schweiz nachgelassen habe, zu ver­suchen, den Verkehr nach Südamerika, besonders Tuseo, mit feinen tausendjährigen Ruinen, sowie sväteren Inkaruinen aus spanischer Zeit, zu lenken. Herr D. unterhält in Sonderheit permanente Aus­stellung von Antiquitäten und Kunstgegenständen, besonders antike Malereien, ebenso die Leitung des Badeortes und der Luftkuranstalten Sap^. Auher- ordentliche Tätigkeit entfaltet schon jetzt die Vorbe-

Namen nach kannte «nd der stch jetzt zum Kampf gegen ihn rüstete.

Die Maschinen sausten. Herr Sedlmavr ging langsam mit kalt-» Augen durch die von Arbeitseifer stimmenden Räume.

Mellenbeim führte sich an ein Bild erinnert, das er vor lancen Jahren einmal irgendwo gesehen hatte nnd das den Arbeitssaal eines Gefängnisses darstell'e. Es waren dieselben gekalkten und schmucklosen Wände, dieselben von einem auälenden Ernst über schatteten Gesichter, hinter deren geschlossenen Lippen man da? Knirschen der Zähne zn hören glaubte.

Mellenbeim spann das Di'd in sich fort.

Es ist noch nicht das schlimmste, in einem Ge fängnis zn sitzen", dachte er mit einem schwachen Ver­such zur Selbstironie.

Vom Fabrikbof bet klang ein sonderbares, murren­des Geräusch in das Summen der Maschinen.

Mellenbeim sa!,. wie der Fabrikant an ein Fenster stürzte und wie lein Gesicht sich verzerrte.

Im nächsten Augenblick verschwand Alois Sedl mayr durch die schmale Notpforte tm Hintergründe des Saales.

Mellenbeim griff mechanisch nach einem neuen Stapel von Welßblickdosen.

Er fühlte sich am Arm ergriffen. Helm stand neben ibm und stüsterle heiser:

Sind Sie wahnsinnig? Hören Sie nichts?"

WaS denn?"

Die Siecikenden fHlrmen die Fabrik!"

-Ich lasse mich nicht vertreiben!" sagte Mellenheim finster.

Er dachte:Fetzt beginnt der Kampf. Fetzt wer­den wir setzen, wer von uns beiden der Stärkere ist -*

Der gellende Schrei einer Fabrikpfeife war über ibm. Er zuckte verächtlich die Achseln. Er hörte, daß Schritte aus den Steinstusen laut wurden, und dann die raute, ruhige Stimme des Prokuristen Waidlinger:

M-ine Herren!"

Geschrei und Gelächter antworteten. Mellenbeim glaubte Frauenstimmen zu unterscheiden. Nach einer Weile wurde eS ruhiger. Waidlinger sagte etwas Unverständliches. Zwei oder drei dünne Stimmen riefe» Beifall. Rings um Mellenbeim 6er war die Arbeit verstummt. Die Maschinen summten itoeO*

Teilung für den internationalen Inkakongretz in Euzeo im Jahre 1924. Freunde arifcher Weltan­schauung werden besonders auf diesen Kongreß auf­merksam gemacht

* Rückerstattung gewahrter Unter« stützungen. Vom Etadtfürforgeamt wird uns geschrieben: In den Kreisen der Kleinrentner in der Stadt Marburg herrscht noch große Unklarheit über die Kleinrentnerfürsorge. Rach dem Erlaß des fterrn Ministers für Volkswohlfahrt wird nur de» Kleinrentnern eine monatliche Unterstützung ge­währt, welche eine Rückerstattung der ihnen zu ge­wahrenden Unterstützungsbeträge aus dem Nachlaß sicherstellen. Das Ctadtfürsorgeamt schließt zu diesem Zwecke mit den zur Vertragsschlicßung be­reiten Personen Verträge ab, nach welchen letztere ihr Vermögen, Grundbesitz. Wertpapiere, Einrich- tungrgegenftänbe oder einen Teil derselben an die Stadt abtreten. Die Nutznießung des übertragenen (Eigentums verbleibt jedoch nach wie vor dem seit­herigen Besitzer, erst nach seinem Tode tritt der An­spruch der Stadt in Kraft. Sind Angehörige im Haushalt, so kann unter bestimmten Voraussetzun­gen der Vertrag auch auf diese erweitert werden Den Kleinrentnern ist auch die Möglichkeit gelassen, bei Eintreten besserer Verhältnisse die ihnen ge­währten Unterstützung -betrüge zurückzuzahlen.

* Unversiegelte Wertpakete bet bet Post. Die Wertgrenze für unversiegelte Wertpakete wird mit Wirkung vom 1. Dezember von 1000 .M auf 10 000 M erweitert.

* Warnung für Zimmervermieter. Aus Gießen wird gemeldet: Ein Schwindler, der sich als Student ausgibt, sucht Ctudentenwohnung.n auf und fragt bei den Vermietern an, ob der. Stu­dent, dessen Namen er auf dem Schildchen gelesen bat, zu Hause sei. Im verneinten Falle stellt er sich als Freund des Mieters vor und ersucht die Vermie­terin um U'berlafatng eines Buches, Wenn ihm Einlaß gewährt wirb, sucht er sich ein sehr wert­volles Buch heraus und verschwindet. Auf diese Weise hot er verschiedene sehr wertvolle Bücher er­schwindelt. Die Vermieter werden hiermit vor dem Schwindler gewarnt. Er wird wie folgt beschrie­ben: Etwa 1.751.85 Meter groß, schmale Figur, hageres, blasses Gesicht, trägt vereinzelt Kneifer, hat schwarzes f>aar und ebensolchen Schnurrbart, dunklen Anzug, grauen Ueberzieher und Rucksack. Vielleicht kommt derHerr Student" auch hierher.

ye^en-Na^au und Na^barneknete.

-Alsfeld. 29. Nov. Herr Jakob Bamberger au'S Nrtotzork übermittelte der blesigen Vüraermeisterei eine Svende derQuarter Eolleetion" tm Bettage von 160 000 .«. Davon sind 60 000 .N für den Kinder­garten und 100 000 .« für eine Wettznocktsbefcherung der Annen unterer Stadt bestimmt.

Hungen. 27. Nov. Im benachbarten Slein- (ctm wurde heut eine kleine, nicht in bestem Zustand t-iitnbitdje Hosreite zum Prelle von 1300 000 M ver­lauft.

JeSberg, 29. Nov. Am Sonntag Wurde hier das Denkmal für untere Gefallenen in feierlicher Weite enthüllt. Unter Glockengclänte bewegte sick ein unabsehbarer Zug zum Denkmal, wo Pfarrer Span­genberg die Weiberede hielt. Nack einer Antvracbe des Bildhauers Pfläatng ans Fritzlar nnd Ueber- gabe an den Bürgerineister Stteng dankte dleler ersterem und allen Beteiligten für dte Scköptnng des Denkmals und verfvrack. es In Cbbut zn nehmen. Nach einer Ansprache des Krtegerveretnsvorsiyenden, Amrsgertcktsrat Zuschlag und dessen Kranznieder- 'eanng namens des Vereins wurde eine Gewehrtalve abgegeben. Dann lieben ave übrigen Vereine ihre Vertreter Kränze niederlegen. Die Ansprachen wechselten mit Vorträgen des Sänger- und Schüler- ckors unter Leitung des Hanptlehrers Sauer in d.ät'rÄc- Welle ab.

Wetzlar, 29. Nov. Am Vormittag des Tot» tonntaas sand die feferltl'e Einweihung des Etzren- friedtzoss" statt, den die Siadt Wetzlar den hier be-

ios. Die Leute standen mit fahlen Gesichtern und lauschten.

Hören Sie ?" fragte Helm.Hören > Sie, daß er sich auf Verbandluttgen einlassen will"

Mellenbeim hielt in feiner Arbeit inne.

Auf Verhandlungen?"

Wissen Sie, was das bedeutet. Grak Mellen­beim?" Mellenbeim gab keine Antwort. Er blickte starr durch das F-nster. Dranben war der Himmel' rott dicken, dnnke'grauen Volken verhängt. Scknee 'tel nnd verwandelte sich auf dem Ast-halt des Hose» in schmutzige Lack-en. Es befanden sich viele Men- icken auf dem Hofe. Mellenbeim sah sie wie durch einen dünnen Nebel. Er bemerkte eine Frau, die. In ein dürktiees Wolltuch gehüllt, ans einem umgestülv- ten Fasse kauerte und auf zwei Burschen mit tmTelftn Destclnern und schlaffer Haltung einredete. Ihr Ge sickt war sehr mager und erhielt durch die grasten, dunklen Auaen. unter denen Schatten lagen, etwas Totenkopfartiges.

Mellenbeims Blick wurde gläsern. Diese Fratt auf dem Fasse war tote ein Svmbol. Eine lange -iftihe von Gräbern fiel ihm ein. durch die er einmal geschritten war. Er vermochte sich aus die Gelegen beit nicht mehr zu besinnen. Er wußte nur, daß es nnmöglich lein würde, gegen die Frau auf dem Fasse zu kämpfen.

Neben «vn» sagte Helm:

Einem gesunden Menschen stehen heutzutage die Tore der Welt offen."

Mellenbeim riß feinen Blick von der F-on los und sagte, beinahe mit einem NuSdntckc von f ritssigkestt:

Sie sind sehr optimistisch für andere, lieber Helm!" lieber das Gesicht des Schwindsüchtigen brei­tete sick eine feine Röte:

Verzeihen Sie, Graf Mellenbeim. Fch meine mir: ein Gesunder kann Holz fällen oder hinter dem Pfluge geben."

Mellenbeim lächelte erbittert. Er stand wieder am Fenster nnd wartete. Er wartete mutlos und fast ohne Wunsch. Tie Frau unten auf der Tonne saß jetzt ganz regungslos und schien den Scknee nickt zu fühlen, der von Minute zu Minute dichter wirbelte und ihre Kleider durcknähte.

Nach einer endlosen Stunde kam die Nachricht, *3 die streitende» Arbeiter der Sedlmayrschen 8ot>*

stattete» KriegSi-ilnehmem errichtet hat. tüa Ei» gonge, z» dem die den allgemeinen städtische« Fried» ros durckschneidende Baumallee führt, siebt men zwei große Figuren aus Sandstein, den zusammengebrs-t d-euen sterbenden Krieger und das fdmtfnetfflate, klagende Weib: von hier kühn ein breiter Sang tM etnem Riesensarkovbag, über dem daS errressionisttftd gehaltene Granittelief eines betenden, verzückt nach? oben blickenden Fünalings, alS Svmbol der Au^ crstebung angebracht ist. Rechts und links vom Gang«! liegen t» Reib nnd Glied etwa 90 Gräber der it» Wetzlar gestorbenen ttnd der tm Weltkrieg gefallener^ nack Wetzlar übersühnen Krieger. >

Frankfurt. 28. Nov. Bei der Kriminalvoltzet^ laufen letzt täglich etwa 25 Anzeigen wegen Ein» brucksdiebstähle ein.

Siege», 27. Rov. Fm Kreise Siegen ist d-r Kartoffelkrebs amtlich sestaestellt worden. Bei b-._ groben Gefahr der Weiterverbreitung und damit der. ernsten Gefährdung der ohnehin sckon nur zu einem Bruchteil des Bedarfs der Kreisbevölkerung deckenden! heimischen Kanofselerzeugung. ist es Pf'ickt der B«» völkerung. die Behörden in ihren Abwehrmaßnahmen zu unterstützen, insbesondere iedes Aufttelen des Kar» toste'krebieS, auch in Nachbarkreisen, zur Anzeige $tt. bringen. \

Berliner Broduktenmarkt.

Prell« rßr ina Bld m Station: Berlin, den i Dezember 922.

149nn1 l-egn i t H11« terb'en 130« 1330» lhf«rhol)ne«

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6200 - 6300

3600 - 4000

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Der Wert der Mark im Auslande.

tanflnrt.

den 1. Dezember 1922.

Für 100 Mark wurden gezahlt:

E» werben

in

heut«:

vor dem Krieg:

gezahlt >ür: !

Zürich

0.06

125.42 Nr.

t Fr.

lKt.1372.50

Amsterdam

59.20 Kuld.

I Gld.

2» 0.

Rortnhnfltn

0.07 -

8R.RO Kron.

1 Nr.

r>oi;.

Stockholm

0.H5

88.RO «ton.

1 tzr.

_ 1990

Wien

115.80 Kron.

1 str.

_ 11.01

0.43

117.80 Kron.

1 tzr.

2 t 8. -

Vonho«

0. 5

97.80 Schill.

1 6rt).

_ 1875

New Park

0.01

23.80 Doll.

1 Ptt.

7462.50

ckari»

0.17

125.40 Nr.

1 3r.

. 622.50 j

Brieffaften der EÄtttuetiunfl.

Hessenstnd. Die Verbandtttng über die Beraubung des Sarges der heiligen Elisabeth land in den ersten Septen-bertagen statt. An den damaligen Nummern derDberbelsischeu Zeitung" finde» Sie auch einen ausführlichen Bericht.

?ür dte Lchris .--ttung verannoortl.: Tr Carl D » r l I e n. 'ür den örtlichen und vronmz Teil: Wilhelm Wtßner. SB|

Suppenarükel:

6488

MAGGI5 Würze in Flaschen, MAGGI5 Suppen in Würfeln, MAGGI5 Fleischbrühwürfel.

Praktisches Weihnachtsgeschenk I

MAGGI8

................. -»uv- ' :

servenfabrik die Arbeit am folgenden Tage wieder aufnehmen würden.

Die Ansbilfskräste wurden noch am gleichen Tage ennohnt und entlassen.

Als Mellenbeim neben Helm über den Fabrikhof ging, sah er, daß die Stelle, auf der die Frau gelessen hatte, jetzt leer war. Eine dünne Sckneeschickt brei­tete sich über das umgestürtte Faß.

Helm sagte:Sedlmavr ist ein Feigling. ES ist traurig, daß nur das Geld und die Angst die Welt regieren."

Mellenbeim schüttelte den Kopf.

D--r Hunger regiert die Welt!" antwortete er laut und hort.

Hetm erwiderte nichts. Sie gingen die kahle Straße hinunter, um deren Neubauten der Scknee rieselt». Trübes, ö'iges Laternenlicht bavn-e sich tag»' haft seinen Weg durch die Dämmerung. Das Wasser der Donau rauschte. Eine kleine, speiunkenbaste Kncive stand tote ein dunkler Schonen jenseits des Fusses.

Während sie die Brücke überschritten, fragte Helm zaghaft:

Haben Sie schon irgendwelche Pläne für die Zu­kunft. Graf WieOenheim?"

Nur Sckieber und Ausländer können sick bentzn« tage den Lurus gestatten. Pläne für die Zukunft ;» macken, mein lieber frelm

Mellenheim freute sick darüber, daß es ihm gelang, in vielem Augenblicke einen leichten, ironischen To» anzulcklagen.

Nur nicht mutlos werden! Richt denken nicht denken!

Helm schwieg wieder. Nach einer langen Pause bat er schücktern:

Wenn Sie die Zeit übrig haben, belucken Sie mich doch einmal des Sonntags, Graf Mellenbeim« Es ist so ttaurig. einsam sterben zu müssen."

Mellenbeim suckle nack irgend einem Trostworte nnd fand keins. Er versprach, daß er kommen wollte. Helm nannte seine Adresse. Dann trennten sie sich ohne besondere äußere Herzlichkeit «nd fast ob»«. Worte. ;

(Fortsetzung folgte J