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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

57. Mg. 1922

Ttr Wnfeigenpreis betragt rar oen Ogeip Zeileninillimeter 12.00 Mt^i Klein» u. fomitiee« an,eigen All/, weniger j. AmtliN»» an» aus». Lnzeiuen 1-i.OO Mk, Andere Spaltenbreite« entwrerbenv. Be >«bn»<eri em Satz -"»<> % Anüchlag Spät einlanienb» ober den Ran» über '..Seite einnehmende Anzeiren werden aal» bet lertioaltenbreite berechnet. *eflamen die Tol .Zeile 7 >.UO Mk Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Lnslun't durch die Geichäits't. und Bermlitluns, bet Angebote IUM, bei Uebetienbung durch un» 25. Mk Sondetgebiihr

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Msrbuvg Freitag, üen 1. DezmZn Iulmon».

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IMiNkk LmdlW.

139. Sitzung Vom 30. Nov., 12 Ubt.

S« der gemeinsamen Beratung von Anträgen und Fnlerpellattonen der Deutsclknationalen und Kom- MUtltlten, welche sich mit der Turdifilürung der rrrm- Hlikaniichen Schutzgesetze veschüstigen, begründet Nby. v. Lindetner-Wtldau <Dn.) einen Ur mtnag. in dem verlangt wird, daß die Auslösung des gungdentschland-Ordens wieder rückgängig gemacht werde. TefOrdcn stehe aus dem Böden der Liersassung; somit sei sein Verbot unbegründet und unberechtigt. Ihm gehörten auch Mitglieder des Zen­trums, der Demokraten und der freien Gewerkschaf­ten an. Redner begründet dann die große Anfrage, die sich gegen das Verbot des Deutschen Schutz- und Trutzbundes richtet. Die Be­gründung des Verbots sei fadenscheinig und wider­spreche den Ausfübrungsbestimmungen, die der Mi- Mer selbst berausgegeben habe. Tie Mitgliedschaft der Brüder Küchenmeister, die das Auto w Ermordung Rathenaus gestellt haben, könne das Ver tot nicht begründen, denn der Obcrreichsanwalt habe Küchenmeister ja auf',er Verfolgung gesetzt. Auch dürfe die veutsch nölkische Bewegung nicht wegen ihres antisemitischen Charakters unterdrüekt werden, denn im Judentum zeige sich sich doch auch ein festes völ kisckes Zusammengehörigkeitsgefühl. Mit der Frei heil der Pflege des deutsch-völkischen Gedankens werde «iso nickst mehr gefordert, als was die südische Bc tttterung als selbstverständliches Recht betrachte.

Abg. Scholem (K.) begründet zwei große An­fragen nnd einen Urantrag seiner Partei, welche Nullösung all r Selbstfchutzorganisa'ionen und Ein­schreiten gegen alle Beamte und Offiziere verlangen, die sich an den Hindenburg-Kundgebungen in Cil= Preußen beteiligt haben. Die Praxis des Innen­ministers stehe im schroffen Gegensatz gegen die Kon- irollauSschüsse der Arbeiterschaft gegen den Wucher »nd zeige ein Unvermögen, die KlassenjuNtz gegen die Ärb-ifer zu Verbindern.

Minister des Innern Sevoring: Die Ausfüh- wngen Ltndeiners waren eine bedauerliche Wieder­holung der alten Unart der Konservativen. Patriotis »ms nnd VErlandsgekühl filr sich allein in Anspruch zu nehmen. Früher wurden schon die härmtosesten Vereine aufgelöst, wenn nur der Verdacht bestand, bak einige Mito'ieder Sozialdemokraten wären. Bei den setzt aufgelösten Vereinen kann aber nicht das Kefir oder weniger harmlose Firmenschild mostgebe"d sein, sondern die Tätigkeit der Vereine. Wenn die tzllitgkieder dort in engster Gemeinschaft mit illegalen Organisationen mobile Reoimenter ausgestellt baden, irar die Regierung zum Einschreiten gezwungen. Auch die Rechtsprechung des Staatso»rich'sbofs lästt stch Mit der aus der Zeit des SozwliNengesetzes nicht vergleichen; denn damals blieb die Sozialdemokratie immer auf dem Boden der Kesetzmästigreit. während setzt die ® erteilte vielfach Arbeiter verurteilen müss­ten. die von kommunistischer Seite zu Unaesetzlichkelten CMfaeretat waren. Wenn der Abg. Schalem von einem Feldzug gegen die Arbeiterschaft spricht, verwechselt er die Arbeiterschaft mit den Organen der kommuni- WftbeÄ Partei. Sachverständige ans kommuninfschen Kreisen zur Wlicherbekämpfung 'sind den Behörden erat zur Mitarbeit willkommen. KontroNansschosle Als kommunistische Parteiorgane in Preußen, gang Geich, ob es sich nm bewaffnete Arbetterwebren od>r um Se'bstschutzorggntsation-'n zum Schutze der Land- tvlrlschast und zur Durchführung des LiefeMreiks handelt, werden rücksichtslos aufgelöst werden.

In der Besprechung tritt der Abg. R a b o l d IS.) vutächst den deutschngtionalen Anträgen entaeaen, Heren eigentliches Ziel die Aushebung der remtMlfa Rkchen Schutzgesetze sei, damit die deuischvölkische" Slordbnbcn ungeSindert ihrem scheustlichen Gewerbe »ochgeben könnten. Der Rathenaumord bade beWte- fnt. daß der deutsA)völkische Sckmtz- und Trntzbund dos organisatorische Kernstück der deutschngtionalen SiSr-erzentrale sei. Statt dem Mordbuben Acker- ivtann, der da? Attentat auf Harden verübte, sesizu- jtzebmen, habe ibm die Deutsctmationgle Volkspartei ifikfeaenfieft zum Verschwinden gegeben.

Abg. Dr. Pinkern eil (D. Vvt.> fordert eben­falls Aufhebung des Verbots des Iimadentscken Or­dens. Der Minister habe nicht den Beweis erbracht daß, das Verbot des Ordens nötig war. Daß im dtulfchvölkischen Schutz- und Trutzbund von einzelnen VersöuNchkeite» antisemitische Rüpeleien voroekom- i»cu, die seine Partei nicht billigen könne, glaube er. berechtigt sei nur der Antisemitismus, der sich be- Ikebe, tüchtiger nnd vaterlandstreuer zu sein als die Selben. Erfreulich sei, datz der Minister auch die hsttsivsichse d-r kommunistischen Betriebsräte- dewegung bekämpfen wolle.

Abg. Schwerins (Z.) häft eine Aufhebung des Verbots des Junadeutschen Ordens angesichts der isnervolltischen gegenwärtigen Verbälmisie nicht für Aöglich. Er hält den beutfdmattonafen Kreisen vor sie hätten unter dem alten Regime ein Ausnobmerecht '.»reu die katholischen Volkskreise gefördert. Auch da? iVerbot des Schutz- und Tnitzbllndes könne jetzt nicht üfoeboben werden.

Abo. Ruschke lDem.f bedanert die Methode, nach »et Hier das Parlament als Instrument der Uran- mige nnd groben Anfragen mißbraucht werde. Wenn ktzie radikale Oppositionspartei wie die dentschnatio- *«Ie solche Anträge stelle, so sei das begreiflich. Un« droreiflich aber sei es. wie Abg. Dr. Pinkerneil als «ebner einer Koalitionsvartei diesen Anträgen zu- "stmnen könnte. Redner Ickttdett die Bestrebungen «s Jungdentschen Ordens und legt Photographien- die in Oldenburg gefunden worden seien und bfnafimen aus einem deutschvöMschen Nacktklub ^sckgten. Den bewaffneten geheimen Organisationen -Jfifie ein Ende gemacht werden. Wenn von Hoben samten des Reichswehrministeriums durch An- «läge in diesem Ministerium für verbotene Organl- «tionell dieser Art geworben werde, könne man irre daran, ob die Organisation des Staates im «ll der Rot der Regierung zur Verfügung stehen

würde. Wer heute nationale Politik betreiben wolle, könne das nur im Rahmen der deutschen Republik.

Abg. Schultz-Neukölln (St.) verlangt ein energi­sches Einschreiten des Ministers in der Angelegenheit des Stet tin er Wa s s e n I a g e r s. Als er bei diesen Ausführungen von einer OsfizterSbande spricht, wird er zur Ordnuitg gerufen; edenio ein zweites Mal. als er erklärt, die Vorredner Hanen sich ouegeichleimi. Als er nach Ablauf seiner Redezeit weiterwrcchen will, erhebt sich ein groster Lärm. Sktzlletzlich benäh' er das Pult.

Abg. Kock- Ovnhaufen <dn.) bezeichnet die Ant Wort des Ministers als nichtssagend. Tas Verbo» der beiden Verbände lei nnbeariinbet und aufzuh-ben. cbenso tote die ganze republikanische Dchutzeese"oe bnng. Vielleicht sei der Taa sehr nabe, an dem die renub'ikanische Regierung wieder den Schutz der na tianalen Kreise brauche, die sie schon einmal herauSge Hauen Hätten.

Um 6i Um wirk die WeUerberatung auf morgen mittag 12 Uhr vertagt.

Iie

Zur Vorbesprechung in London.

Pari s. 30. Nov. Nach demPetit Partfien" sei es ziemlich sicher, baß die Ministerpräsidenten non England, Frankreich, Italien und B e l g i e n , die direkt an der Konferenz ton Brüssel interessiert seien, kommende Woche in London Vor­beratungen abhaltcn würden. Gestern abend f-nbe die englische Negierung Einladungen an Musso­lini und THeunis ergeben lassen und es unter­liege keinem Zweifel, daß die beiden die Einladung annehmen würden. Der zweite Delegierte Italiens bei der Reyarationskommission d A m e l i o sei vor­gestern bereits nach Nom abgerei't. Es scheint, dasi die italienische Regierung den Wunsch habe, einen aktiven Anteil an den neuen Reparation r-verhand- lungen zu nehmen und baß sie an eine Aenderung des Verteilungsschlüssels denke, der seinerzeit In Epaa angenommen worden, sei. Unter diesen Um­ständen hab« man gestern abend in London ge­glaubt, dasi die Vorberatungen geg^n Ende b-r kom­menden Woche beginnen. Ihnen werde eine Be­ratung unter den alliierten Sachverständigen folgen, die sich bis zum Beginn der Brüsseler Konferenz hinausziehen würde. In London werde man vor allem über die Frage eines Deutschland zu gewiife renden Moratoriums verhandeln, die bis zum 15.12. entschieden werden müsse. Tann werde es sich da, rnm bandeln, ob man nach Brüssel geben solle, nm über die Cesamtbeit der deutschen Schuld zu beraten und ob es opportun sei, dort auch eleichzeilii das Problem der interalliierten Schuld zu prüfen. Schließlich werde die Frage der Zwangsmaßnahmen ober der Pfaudua^me besprochen werde«, falls Deutschland sich seinen Berpflichtungen entziehen werde. Zn allen diesen Fragen habe die französische Regierung noch keine Entscheidung getro'fen. Die Zusammenkunft von London werde es zweifellos ge­statten, festzust'llen, ob ein interalliiertes Abkom­men über die Reparationsfrage möglich sei oder ob es bester sei, darauf zu verzichten, die Konferenz In Brussel stattfinden zu lasten.

London, 30 .Nov. DieTimes" schreibt in rnetn Leitartikel zu der bevorstehendem Zusammenkunft her Alliierten in London, natürlich sei der Zweck her gl- planten Unterrcdim-wn di- Erwä.p-na der Grärteritngen Her für die Brüsseler Konteren, be^immten -Tragen. Während Italien und Belgien ernstliche Intercsstn an den Reparationen hätten, rufe die Last und die föan*-t verantwottung auf England und Frankreich. Wieder ein­mal, wie zur Zeit des Besuche- Po'icrr6s in London im Sommer, sei ihnen eine große Gelegenheit g^ofn Sie hätten es von neuem in ihrer Macht, eine umfassende und Lvirksame Regelung der u n ter t r e n n 1 i di er Frage der Rep aratiouen und der inter­alliierten Schulden in allen ihren Punkten zu­stande zu bringen. Die Bedingungen seien wenige- günstig als vor 4 Monaten, sie gestalteten sich von Woche Vi Woche schwieriger und eine Gelegenheit werde vielliecht nicht wied-r^mm-n Wenn sich die @r9rterunnen au" ' vtergerrdnete Punkte beschränk en, auf kebcHten über mi längeres oder kürzeres Movawrium für Deutschland ober über die Pfänder, die von Deutschland gefordert werden selten, oder auf die Methoden der Bollstreckung, die g g-n Deutschland angewandt werben sollen, falls es sich weif r- bin weigere, angemessene Anstrengungen für die Be­zahlung feiner Schuld zu machen, so könne die Zn- ,u n f Hornig Gute» ergeben. Die Regelung könm nicht die Reparationen allein behandeln, sie müsse fick auch auf die alliierten Schulden erstrecken. Sie msissc rir.e wirksame Uefenvachung der deutschen Finanzen ein» schließen und sie müsse das Kapital erfassen, das dis Deutfchen inbetrügerischer Weise nach dem Ausland geschafft haften."

London. 30. Nov. Im Unterbaute verlangte Ramsey Maedonald eine Information bezüglich der Pläne der französischen Regierung für den Fall eines Miherfotges bei den Verhandlungen über ein Finanzabkommen mit Ver deutschen Regterung. 8i< nar Law erwiderte:Ich erhielt keine Mitteilung über Vorschläge der französischen Regierung unter den angegebenen Bedingungen. Gegenwärtig findet eine Er­örterung bezüglich einer Borte nierenz unter den alliierten

chrennerministern statt." Macdonakd fragte, ob diese Borkonserenz in naher Zukunft abgehalten werden soll Sfonai Law erwiderte:Ick glaube ia. Ich habe Mit- icilungcn erhalttn, aber g beten, womöglich die Zn- f.immenhmft zu verschieden, bis die Parlümentssestlion .^geschlossen ist.

$«t Orient.

Die Friedenskonferenz.

Lausanne, 30. Nov. Die Antwortnote der Entente wurde heute Nacht von Rakowski an T s ch it s ch e r i n telegraphiert, der am Donners­tag in Berlin erwartet wird. Man vermutet, dah die russiiche Delegation die Einladung zur Sitzung über die Meerengenfrage am Freitag annehmen, aber gegen ihren Ausschluß von der Beratung der anderen Fragen protestieren wird.

Berstimmung gegen Veniselos.

Paris. 30 Non Der Sonderberichterstatter des ..Echo de Paris" berichtet aus Lausanne, die dort vorherrschende Meinung fei ziemlich streng gegenVeniselos, der, wie man annehme, den Gewalttätigkeiten der revolutionären Ofsiziere, die gegenwärtig Herren der griechischen Regierung sind, kein genügend energisches Veto entgegengesetzt habe, dagegen haben sich derselbe Veniselos. der e» gestern nachmittag vermieden habe, in der Kommission für Sie A-gäischen Inseln zu erscheinen, stark eingenom­men gegen die Erklärung gezeigt, die von Seiten dos Königs Konstantin in einer noch nicht weit zu­rückliegenden Angelegenheit weit geringere Aus- chreitungen geduldet habe. Der Berichterstatter zieht aus diesen Tatsachen folgende beiden Schl u tz- folgerungen- 1 der Tag sei ferner als je, selbst wenn man den Abschlusi des Orientfriedens als pabe bevorstehend betrachten könne, wo die Kleine Entente Griechenland den Eintritt in diese Gruppe gestatten und ibm territoriale Sicherheit gewahren würde. 2. zwischen der englischen Politik und Veni- felos scheine jetzt der Bruch vollständig zu sein. Dieser Vorgang könne für die Konferenz von Latt- ianne günstige Folgen haben, denn die Wortführer Angoras würden jetzt vielleicht in die Konferenz mehr Vertrauen setzen als in der Vergangenheit.

Die ägyptischen Schwierigkeiten in Lausanne.

Lausanne, 30. Roo. Dir englische Regierung wandte sich gestern früh mit einer dringenden De­pesche an den Chef der gegenwärtigen ägyptischen Regierung Z a r u a t Pascha mit der Aufsorde- rung. sofort eine besondere Delegation.auszusuchen nnd nach Lausanne adzusende». Gegen Abend traf hier aber die Drahtantwort Zaruak Paschas ein, die erklärte dasi er gegen den ausgesproche­nen Willen des Volkes eine Delega­tion. die ein willenloses Instrument in den Händen der englischen'Delega­tion fei, nicht au ssuchen und entsen­den könne. Gleichzeitig gab Zaruat Pascha seine Demission als Cbef der ägyptischen Regierung be­kannt. Die Engländer batten, um die Konferenz zu becinflusien, hier die Nachricht verbreiten lassen, dasi der in Gibraltar gefangen gehaltene Zaglu Pascha auf feine fernere politische Tätigkeit ver­zichtet habe. Gleichzeitig mit der Depesche au- Kairo lief aber eine auf Umwegen hierher gelangte Nachricht Zaglu Paschas ein, die besagt, dasi an dieser englischen Behauptung fein wahres Wort sei und dasi er sich nach wie vor als Ches der ägyptischen Volksvertretung fühle. Der ägyptischen Delegation wurden hier ebenfalls heute abend Nachrichten aus Kairo eingeliefert, wonach das Volk in den Städten gegen England demonstriere and Zaruat Pascha zum Nationlhelden ausrufe.

Wie die griechischen Minister starben.

Paris, 30. Nov. Nach einer Athener Mel­dung desJntranfigeant" find die verutteilten Mi­nister alle mutig gestorben. Sie wurden gefragt,! ob sie ihren letzten Willen aufnotiert haben wellten, schwiegen aber alle. Kounaris, der gerade von einem Fieberanfall genesen war, hatte nur wenige Stufen herunterzusteigen, um zu der Mauer zu ge­langen, an der die anderen Verurteilten ausgestellt waren. Alle waren gut gekleidet und sehr bleich. General Stratos sah bittet lächelnd auf die Sol­daten. die auf das Kommando warteten, und rich­tete bann seine Blicke auf das gegenüberliegende weiße Haus. Dott wohnte seine junge Gattin, der seine letzten Gedanken galten. König Georg, der die Schüße in einem in der Nähe befindlichen Hause hörte, wurde sehr erregt, denn et wußte, daß diese Misietat seinem geliebten Baterlande schweren Schaden zufügen werde.

Auch Italien bricht die Beziehungen ab.

Paris, 30. Nov. Nach einer Meldung des »Pettt Parifien" aus R om vvlautet dort gerücht-

weije, daß bet italienische Gesandte iw Athen abberufen worden i{L

Weitere Verhaftungen ia Athen.

Paris, 30 Roo. Nach einer Havasmeldung aus Athen ist die Verhaftung des General» Pa» p u l a s und des ehemaligen Generalstabschef» der kleinafiatilchen Armee, Valetta, angcorbnet war» den. Nach einer weiteren Meldung aus London sind die Generale Valetta und Dusmenie verhaftet worden.

Busstandsbewegung in Weftthrazien?

P a r l s , 30. Nov. In Ergänzung der heutigen Meldung derEhicago Tribüne über eine gegen Griechenland gerichtete Aufstandsbewegung in West» thrazien meldet eine Nachrichtenagentur au» Lon­don. dasi bie große Eisenbahnlinie iw der Nahe von Adrianopel aufgeriffea worden und derOrienterpresientgleift ist. C/b das Unglück mit lokalen türkischen Erhebungen an der trazischen Grenze im Zusammenhang steh«, sei noch nicht festgestellt worben. Ferner verlautet, daß die Wirren in Thrazien einen ziemlich ernsten Charakter hatten. Die Gegend von Deden« gatsch soll von einer 5000 Mann starken bewaff­neten Bande beherrscht lein.'bie für Thrazien eins Volksabstimmung verlangt.

Anerkennung de» neuen Kalifen.

London, 30 Olt. DieTimes" meldet eww Konstantinopel, her Stellvertreter des briti­schen Oberkommifiars habe dem neuen Kalifen seine Aufwartung gemacht. Dieser wurde als« offenbar ojjiziell anerkannt.

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, .. Sri ÄM MN

Von Ernst von Wlafenapv

Rock niemals war dir Lage der eurnnSifAtn Welt so 'rnst und gcfabrw'lt wie jetzt nach drin Wrltkrirge. Trotz« fem schon »ter Jahre seil dem Kriege rganstrn find, trotzdem er dvrck eine Reihe von focienannten Friedens- Verträgen beendipr sein sollte, gefih er tatiächsick doch weiter. Diese Tatsocke ergibt sich fckon darmis. d>si die Türkei, ohne bi-rher Frieden <u schießen, trotz Völ­kerbund nnd Schiedsuerickt. noch tüecl'ch wieder fi'r eg heführl bat dasi der Lrr-gs,ustond im Südosten EnronaS noch jetzt fortdauett. und doh sogar die Erfahr e>nes neuen Wellbraiides in dem ollen Welteewinke! des Bal­kans btolienb ihr Hauvt erbebt Aber mehr noch als bet Krieoszustcnid auf her nhtilbinfel ist die w rt- 'ckoftliche N»l fast aller europäischen Länder ein Bcn^:s leifttr, boft der Wellkriea noch nick! beendet ist Der Wahn, dasi man Mitteleuropa ebne fdiroeiv Foinen ür bie andern Läufer in wirtschaft!-che Fesseln lenen 'önue, bat sich setzt bittet gerächt. Die steigende Ar» feitslosigkeil in Enp'and, d,e sinkende Finnn,ckrnft Frank» eeichz, die wirtschaftliche Zerrüttung Italiens find dir folgen der wirtschaftlichen iftiegiühnjng des Feind» ' undeS, bie Folgen der Versklavung Deutschlands. Das Stört vom Unter gang des Abendl.ivfeS ttntb Sßafirfeü eriitlt, wenn mit diesem unwirtschastticken und unfitt- ichen System ,ber Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln" nicht bald und endgültig g brocken wird Dies ttbftem wirb auf bt# Dauer gant Eurova ruinieren: die 6rfrnntni8 hiervon muß sich endlich Balm brechen und damit auch der Witte, daß eS beseitigt wird. Womnf aber beruht die» unhaltbare System? Aus den feaenannten Fnedcnsverlrägen. für Deutschland auf dem Diktat von Bersaitte».

Das unerträgliche und uncrfttt'bare Diktat von Ber- sailles ist »um Perhängni? d-S d-nttcken Bolles und auch jitm BerhängniS der anderen Böller Europas gewor­fen. Das haben auch einsichtige und roeitfdiauenhe Politiker im Auslände immer mehr erkannt und mit überzeugenden Gr stufen nackgewiesen Tie lotsen« Hgfeit ber politischen und wirtschaftlich en Revision des Versailler Vertrages baden

England vor allem Männer wie KevneS und Mo­rel, in Italien N i 11 i. in Amerika Bruce und Lan­sing betont, und selbst in Frankreich wächst die Zahl fet weißen Raben. Die Hanvisache aber ist, daß in Deutschland die Ertz-untnis dieser Notwendigkeit all» Greife unseres Volkes durchdringt, und daß in unserem ".tterlande bald niemand sich mehr findet, bei von bet Notwendigkeit der Revision nicht ßterieujt ist und nid* auch den Mut hat, diese Uebcrteugung zu verraten. Daraus kommt es jetzt an unb jeitfem am 1. Oktober d. Is in Berlin sogar eine Versammlung der Kommu­nisten die Revision des Friedensdiktates gdorfert bat, kann man auch ohne fifertrirfenen Lvrimismus an der Hollnung festhatten, daß es trotz aller innervolitische» Uneinigkeit und Verbitterung dock noch getinaen wird« eine außenpolitische Tinoeitsfront in ote» fet Schicksalsfrage unserer Zukunft zustande zu bringen. Unterbem ZeichenGegen Versailles" mutz sich ein fester, unüberwindlicher Block bei deutschen Bolles bilden, bat leben niU and sich in diesem Wiltevan d ie"g an »e Wett wendet. s

Unter dem Joch von Versailles können wir nicht aU freies und geachtetes Voll leben. Das hat uns bene bei Versailler Diktat gebracht? Schmach tn£> Schänd«. Ros und Eierck. DaS erpreßte und unwahre Anerkenntn»U der deutschen Kriegsschuld ist betonntlüb daS Fundament, auf dem da» KaedenSdiktat ausgebaut ch eeb ntt M