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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (das früher kurhesfifche) Oberhessen

Marburg

*.276

Rebel«,g.

Anfrage, für die Kommunisten Ab

53f»r

57.3M

1922

Ivmmen zu dem Schluß, daß es sich bei der Nichtbe- Kätignng um eine Verkümmerung des kommunalen Selb^v'rwaltnngsrechts handele.

Mmster ®r. B ö litz erklärt, daß die B'z'rksämter statt sich an die von der alten Sckm^eputdtion vorac- schlaqenen Kandidaten zu halten, lediglich aus politischen Gesichtspunkten und ohne in nne münd'ich? Prü'nng fit« zutrcten, neue Kandidaten gewählt haben, deren Eig­nung durch das Provinzia'schulkolleeium nachg'prüft wer­den mußte, zumal auch die Lehrerkammern gegen bi f ' Wahlen Protest erhoben. Bei der Prümng ergab f:«*, daß nur vier Lehrpersonen sich für das Rektorat gerig» i hätten. Die übrigen zeigten erhebliche, zum Teil völlig' Unzulänglichkeit. Daß dabei auch di» Ttatge der Nick-i- rngebörigteit zur evangolifchen Landeskirche geprüft wurde, ko zweifellos in der Kompetenz des Drovinzialschul kllegiums. Das Kollegium hat nach ritt sachlichen Er teäaungen gehandelt. Unter den st äolischen Rektoren befänden sich doch 7 Sozialdemokraten Die Prüfuna des Falles Lier hat ergeben, daß die Persönlichkeit des Kandidaten keine Gewähr für ein» ersprießliche Arbeit als Schuldirektor zu bieten vermöge.

StochOem in der Besprechung die Abg. Schwarz- Haupt (D. Bpt.) uni) Lutassowitz (Dentschn.) für kn Standpunkt des Ministers eingetreten sind, anderer­seits aber der Abg. B a h l k e (Soz.) den Minister wegen seiner Haltung gegen dissidente Lehrerschaft ang griffen hatte, da der Minister unter Bruch der Reichsverfassung dies» als vogelfrei erklärt habe, protestiert Kultusmini­ster Dr. Bölitz gegen diese Behauptung und stellt noch­mals fest, daß er als Minister mcht die Verantwortung dafür übernehmen könne, Dissidenten als Rektoren evan- Sklischcr Volksschulen zu bestätigen.

* Gegen 6 Uhr abends vertagt das Haus die weitere Besprechung auf Freitag mittag 12 Uhr.

TUDbetbelftltbe Zeitung erscheint letbsmol wötbentHtb. Seaugspteis monatlich 185 Mk. mit Zustellungcgebühl. Für ausiaHenoe Nummern infolge Streit, ooer elementarer ttteigniiie (etn tetiati. Setlag von Dr. L. Hinerotv. Truck oer llutv^Butddruckerei oen 3ob. lüua. Noch. Mar't 21 23. llernwrecher 55, SoK» übeckkonta: Rr. 5015 8mt Frankfurt a. Mair.

',1, den Ertentekommtssaren ge^er.über zugesüzig er- wiesen habe, findet eine bemerkenswerte Erzäiz'ing in fircnt Konstantinopler Bericht des ,,Jonrrd", der schor, vor vier Tagen geschrieben wurde, aber noch :,eirtitmcjj zu sein scheint. ES heißt darin: Die Lege in der türkischen Hauptstadt ist sehr ernst. T:.e Angararegieruug 'elit ohne jedes Maß vor. Mnstapha Kemal ist von den national ist,scheu He boomen überslüe^ l"-"4en. Rifet Bn'tfco, dessen kriegerische Grtlfnngen und Maßnahmen in Konstantinopel Entsetzen hervorgerufen haben, gilt be­reit- für sie zu schwache Die Türken wolen H-rren in ihrem Hause sein. Sie wollen keinerlei Kontrolle anerkennen und sind entschlossen, dre Fun den aus ihrem Lande zu entfernen, die Fran­zosen so gut rote die anderen. Was die Griechen und Armenier anbetrifst, erhören sie, daß die leheren Un» richt daran tun, auszuroaudern; da sie sie aber nicht überreden können, zu bleiben, wollen sie es mit Ge­malt verhindern und sie als Geisel zu behalten. Tie hohen Kommissare haben vor einigen Tagen nicht gedroht, den Belagerungszustand zu erklären ch ir Tür­ken hätten sonst mit einem Generalstreik ge­antwortet und Konstantinrpel würde ohne Gas und Elektrizität, ohne Wasser, ohne Telephon und Brot gtrorfen sein. Das Leben wäre zum Slillstand ge­kommen und wohrscheintichdas Signal zuernsten Geroaltätigkeiten gegeben worden. Im Falle eines Konslikies werden die alliierten Truppen nicht ausreicheu. In zwei oder drei Tagen wäre die ana- tolische Armee, die 200000 Mann zählt, an den Ufern der Dardanellen und des Bosporus und zwei Divisionen, bestehend aus je 12000 Mann, würden gebiibc* werden und Konstantinopel würde aus diese Weife zwischen zwei Feuer geraten. Ueberdies haben die Türken längs den Dardanellen Kanonen ausgestellt. Wruu die VerhAtnisse sich verschlechtern, fürchtet man in Kvtfstantincpel d e sch immsten Zwischenfälle.

S rndon, 23. Nov. Der türkische Befehls ober in Konstantinopel verösfentlichte eine Bekanntm ich rtg, in der das Tragen von Waffen und ?ie Be­hinderung des telegraphischen und tele­phonischen Verkehrs verboten wird. Per­sonen die g»aen di Ke Vorschriften handeln, würden vor ei« türkisches Kriegsgericht gestellt. Die Alli- irrtei. sehen nach einer Meldung Reuters diesen Schrit: eine Einleitung zur Proklamation des Be­la g e r u n gs zu st a nde» über Konstantino­pel durch die Türken an.

London, 23. No». Reuter meldet au- Kon- stc.nt'nopll, General Harrington sagte in einer Versammlung von Soldaten und Seeleuten, die Türken hätten die Stellung der Briten, die einen Teil der alliierten Besatzungsstreitkräfte bildeten, bedroht. Angesichts der Anwesenheit britischer Kriegsschiffe, Truppen und Fluglage wolle er die Türken roartenb darauf Hinweisen, daß die Geduld der Alliier­ten eine Grenze habe. Die Alliierten hätten groß' Geduld und Zurückhaltung bewiesen und ihre Minister seien auf die Konferenz von Lausanne ge­gangen, beseelt von dem Gedanken der Bersöhnnng und Gerechtigkeit und von dem Wunsche, eine billige Lö­sung zu finden. Aber sie feien auch nur Menschen und die Türken würden gut daran tun, roenn |ie auf- hürten, mit dem Feuer zu spielen.

Die Friedenskonferenz.

Lansanne, 24.Nov. Die Konferenz hat gestern nachmittag folgende amtliche Mi teilnng über die Vor- mittagssihuno des ersten Ausschüsse- berausgeg-ben. Der Ausschuß für territoriale und militärische Frrgen trat heute vormittag 11 Uhr zusammen. Js me t Pajcha enttoortete ausführlich ans die Erllärungen nd Vorschläge der verschiedenen Delegationen in den voranaeaangenen Sitzungen. Venizelo- entgeg­nete auf g'w'sfe Torlegongen Ismets. Der Ausschuß ernannte einen Unterausschuß zur Prüfung der Vor- fchläg: über die längs der westthrazischen Grerze zu rrich enden m'Ctnrre'en Rone. Der UnterauSichuß v" die Errichtung der Eisenbahn im Hafen von Tedeagatsch vrüf-n. d'e die w'tt'ckmftlichen Zu- :änge Bulgarien- zum ägäischen Meere '-chern soll. Dieser Unterausschuß tritt nachmittags

Kämmen. Bevor er seinen Bericht fertig hat, wird der Hai-ptau-fchuß sich nicht mehr versammeln.

Lausanne, 24. Nov. lieber die Verhrrdlungen i gestern oebilde'en Unterkommission des ersten Aas- " trurbe ob-nds ein Communique MiS^eg'ven, 'das außer den Namen der Mitglieder nur mitteilt, daß der Unterausschuß auch zwei bulgarische Mtt- gkjeder «rholten wird. Präll^eit deS Unterausschusses ist der sranzöllsche General Weygand.

Urtier die türkischen Forderungen erfährt man: Die Türken fordern 1. Wiederherstellung der Grenze von 191.3, 2. Einschluß deS Bahnhofs von Adrianopel- Korasau in diese Grenze, 3. Entmilitarisiening ter Rone zu beiden Seiten der Maritza unter voller Wahruno der türkischen Souveränität. Heber die tech­nischen Einzelheiten sollen besondere Kommissionen, ent» scheide^ 4. Ällgarischer Verkehrszugang längs der

9tr Orient.

Lcndon, 23. Nov. DerTimes" zufolge ist Reset Pascha seines Amtes als Gouverneur von Konstantinopel enthoben worden, weil er keine helleren Maßnahmen getroffen hat, um die Flucht des Sultans zu verhindern, und weil seine Haltung den Alliierten gegenüber zu entgegenkommend gewesen sei, Reset Pascha w rd j°tzt nach Ostthrazien gehen.

Die Panik in Konstantinopel.

Paris, 23. Nov. Tie Meldung, daß Rifet Pasche. von seinem Posten abberufen wurde, weil er

Vergangenheit und in der Gegenwan gerecht wurden, bewegten sick in b iben Fällen"in ernsten, sehr achtungs­vollen Formen. Der neue Minister äußerte von seinem scheidenden Kollegen u.a., daß dieser sich durch die Art der Führung der Amtsgrschäfte wohl sachliche Gegner, aber keine persönlichen Feinde geschaffen habe. Dem »er» sammelten Stabe der Beamten und Angestellten des Ministeriums rief dcr Minister zu. er werde bei feinen Mitarbeitern nicht aus parteipolttische Gesinnung, sondern nur aus Arbeitswillen und Arbeitsleistung sehen und bat, ihm mit dem gleichen Vertrauen entgeg nzukommen, das er den Beamten entgegenbringe. Er habe sich zu dem id,twerigen Amt nicht gedrängt, er habe aber geglaubt, in dieser Zeit tiefster vaterländischer Not, der Arbeit inh schweren Verantwortung nicht ausweichen zu dürfen.

Wie derLokalanz." hört, ist es noch zweifelhaft, ob rin Nachfolger für den bisherigen Pressechef Mütter er­nannt werden wird. Vorläufig habe der Direttor der Nc-chskanzlei Dc. Hamm die Geschäfte übernommen 3m Gegensatz dazu nennt derVorwärts" als zukünfti- ien Rrtchspr ssechef den biäbmgen Pressechef im Reich!» erväbrungs- und Rrickssinanzmiinsterium Eggbring

Den Blätter» infolge roiri» von zuständiger Stelle erklärt, daß das Rcichsarbeitsmimstrrium auf Forderung des Reichstages und der Landesregierung n die mcht mehr als wirtschaftlich zu bezeichnenden VersorgungsbcHörden auflösen bezw. mit anderen Aemteru zusammenl'gcn wird.

Wie steht es mit dem Vertrauensvotum für (Sune?

In einer mehrstündigen Sitzung am gestrigen Nach­mittag beschäftigte sich die sozialdemokrattsche Fraktion mit der Zusammens tzung des neuen Kabinetts, die all­gemeine Mißstimmung hervorzeruien bot. Es ist dem bleichen Blatte zufolge sicher, daß die Fraktion nicht daran denkt, einer positive» Vertrauens formet zuzust>'- men Nack demTag-bl." ist in den Kreisen der bür­gerlichen Parteien der Mitte beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, der die Erklärung der Regierung und den Fnbalt der Note vom 13.11. billigt.

Berlin. 23 Nov. In parlamentarischen Kreisen roiri) lebhaft darüber gesprochen, wie die Parteien nach Beendigung der großen politischen Aussprache ihre Stimme für das Vertrauensvotum abgeben werben. Sicher ist. daß die bürgerlichen Mittelvarteten für das Kabinett Euno stimmen weiden. D» Soziald mokraten werden sich roohl in ihrer Mehrheit der Stimme enthalten. Unklar ist bisher die Haltung bro Deutschnationalen G'e hrrben -oohl unter keinen Umständen gegen daS neue Kabinett Stimmen abgehen. Die Fraktion wrd natürlich erst den Fnlmlt der Regrirungserlläruug zur Kenntnis nehmen müssen, bevor sie ihre Stellungnahme in Angriff neh­men kann. Von parlamentarischer Seite wird dem Lokalanz." gegenübw nochmals ausdrücklich versichert, daß, wenn esirgend angängig fei, man das Kabinett > unterstützen ro rbe. Es ist daher durchaus denkbar, baß ein großer Teil der Fraktion der Deutschnationalen einen Ja-Zettel abgehen toirb.

München. 23. Nov. Die Bayerische VolkSpartei- korr'svondenz schr ibt zur Ernennung Geheimrat Sunes $um Reichskanzler: Trotzdem die Bayrische VolkSpartei dem neuen Reichskanzler mit aller Unvoreingenommenheit geoenübersteht. muß sie aus guten Gründen zunächst eine parlamentarisch: Bindung ablehnen. Nichtsdestoweniger wird si- Cuno bei allen seinen Arbeiten, insbesondere bei -inem Versuch eines großzügigen nationalen Rettung'w.r- kes unterstützen. Bei uns stehen zwar die wirtschaft­lichen Kräfte im Verhältnis zu anderen Ländern zurück, irit verfügen dafür aber über ar^r? roertfoltere Kräfte, Sie zum Nutze» der gesamte» deutschen Politik freigemacht werden müssen. D'e Bayrische Volkspartei setzt in den -.eufn Kanzler das Vertrauen, daß er als ein Mensch von Weitblick und großzügiger Auffassung, als der er in sei­nem bisherigen Wirkungskreis gerühmt toirb. bie wich­tigen inner» und außenpolitischen Probleme so lösen wird, daß eine Spannung zwischen Bayern und dem Reiche in Zukunft vermiede wird.

Der Neichshanshaltsplan.

Berkin, 23. Nov. Der NeichshauShaltS- vla n für 1923 toirb, wie der Telegraphenunion von zu­ständiger Stelle ipitgeteilt toirb, in diesen Tagen dem Kabinett vorgelegt und bann veröffentlicht werben. Wie wir weiter erfahren, hat ber Gesamthaushalt der Reichs- eisenbahnen anfangs des Jahres noch 100 Milliarden Mark betragen, Oktober 400 Milliarden Mark und roiro bis zur Stunde auf über eine Billion eingeschätzt. Eine Hauptursache dafür, die auch gleichzeitig eine große Schwierigkeit für die Sanierung des Reichsbahnbubst"t? bildet, ist die Schwierigkeit ber Kohlenbeschaffung. Die Reichsbahnen haben einen täglichen Kohlenbedarf von 4050 000 Tonnen. 60 Prozent der Gesamtsumme des Etats entfällt auf die Kohlenbeschaffung. Infolge unge- nügeicker Zuweisung inländischer Kohle ist die Reichs­bahn gezwungen, zur Sicherung der Aufrechterhaltung ihres Betriebes ausländische Kohlen in großem Umfange za beziehen.

Maritza. über beu «ich eine besondere Sommtfiion be- stimmen wird, fx Abstimmung in Westthrazien. i

Pari», 23. Nov. Der Sonderberichterstatter bte1 HataSagentur in Lausanne meldet, JSmet Pascha hab in der Sitzung bet Kommission für territoriale Frcgeu im Zusammenhang mit der Ablehnung de» Bolksc bftimmung in Westthrazien durch die Frieden»- kcnserenz feine Uederraschung zum Ausdruck gebracht daß die Mächte, die ertlärt hätten, sie kämpften für bie Freibe it und daS Selbstbestimmungsrecht der Völker sich heute der türk-schen Forderung wider» setzten. Die Türkei zeige sich weiter unzufriede» mit bet Wiebethetstellung bes Balkan- block- und etkläte, sie müßte gegenüber» tefe« Ei nheit- ftont eine ebenso eng zusammengo- jiloff ne eigene Front bilden. >>

Rußland aus bet Lausanner Konferenz. '

PcriS, 23. Nov. TerPetit Paeiften" meldet aus Lausanne, daß Jsmed Pascha von Kemal etlegta» phisch die Anweisung erhalten hat, unbedingt die An­kunft bei Sowjetvertre.er abzuwarlen, bevor er irgend- welche Zugeständnisse mache. W » ro w s k i, otc Sem» jetvrltrcte- in Rom. ist gestern in Lausanne ringe* troffen. Litwinow wird heute erwartet. Di» übrige russische Delegation mit Tschitscherin <m dcr Spitzc werden bis Ende der Woche eintreffen. Di» Sowjetvertretec werden den Besuch aus der Laus.iniiet Stonfcrcnj noch dazu benutzen, die Handelsbeu ziehungen mit oet Schweiz wieset anzu- k'-üpicn.

Miltet Eanhlag.

183. Sitzung vom23. Novembee

Auf der Tagesordnung stehen dir Großen Anfragen der Sozialisten wegen Nichtbeflätigung von 12 Berliner Gemeindeschulrektoren durch dv Provinzialschulkollegium und die kommifvistische Anfrage über die nicht bestätigte Wahl des kommunist schen Stu» txenrats Dr. Lier zum Direktor einer Berliner Real schule.

Für die Soziaidcmokiatcn begründet Abg. Leid die

LkMll 3Wco.

272. Sitzung vom 2 3. November.

Da» Haus setzt die Gcschäftsordnungsberatung fort. Zunächst wird der Antrag der Linksvart-ien, die Unter Mungszahl der Abgeorirneten für Interpellationen von |0 aus 15 herabzusetzen, gegen die Stimmen bet Links­parteien abgelehnt Der gleiche Antrag für die Unter­stützung der tleinm ^Anfragen wird dagegen mit großer Mehrheit angenommen. An die weiteren Bestimmungen her insgesamt 122 Paragraphen umfassenden Ge'chälls- ocknung knüpft sich eine sehr eingehende Anssprach-e. in welcher die Ausschußfnssung besonders von dem Abg. Lede baut (Unabh.) und den Kommunisten scharf kritisiert wird.

Um 7 Uhr abends vertagt sich das HauS auf Freitag Wittags 1 Uhr: Entgegennahme einer Regic- tungsetklürung. 1

Hit mt Stiitnmc.

Die Reichsrrgierung Hal in einer Sitzung am gestrigen Nachmittag nach längerer Beratung der vom Reichs­kanzler vorgelegten Regierungserklärung zugestimmt Un- Viittclbar nach Eröffnung der heutigen Reichstagsfitzung 6t cb Reichskanzler Dr. Cuno die RegierungSerllämng abgel»en. Es ist beabsichtigt, darauf eine zweistündig -Pause antreten zu lassen, während der die Fraktionen I über ihre Stellungnahme zur RegierunASerklärung be­traten sollen. Nach der Pause wird die politische Ans- ^svrache durch den Redner der Sozialdemokratie eröffnet werben. Man hofft, daß bte politische Aussprache noch etn Sonnabend zu Ende geführt werben kann, worauf bann eine achttägige Pause der Beratungen des Reichs­tages der neuen Regierung Gelegenheü geben soll, sich in .ihre Geschäfte einzuarbeiten.

In Erkenntnis ihrer schwierigen Lage wird die netu ,Regierung, wie der Vorwärts wissen wlll, auf rin positives Vertrauensvotum verzichten; sie will sich mii einer Billigungsformel begnügen, bie daS WortVer- ! trauen" nicht enthält und auch der Sozialdemokratie eine Zustimmung ermöglichen soll. Diese Formel s,l! tu einet Parteiführerbesprechung heute Vormittag ge­sucht werden.

Berlin, 23. Nov. Wie den Blätter» mitgetrilt itoirb, wird heute Nachmittag eine Kabinettssitz- >»ng abgehalten. Morgen Vormittag finden Besvrechun- 8en des Reichskanzlers mii den Parteiführern statt. Die Erklärung der Rcichsregiernng im Reichstag erfolgt morgen um 2 Uhr.

Berlin, 23. Nov. Die55.'S." metoet: Morgen toirb im Reichstag ein positiver VertrauenSantrag Mellt, und Murr nicht von der Arbeftsgemeinschast als solcher, sondern von deren Parteien.

f Berlin, 24. Nov. Der Ministerwechsek im iNeichswirtscho stsministeri»m hat sich gestern ^ci mittag in beiderseitige» längere» Ansprachen des Leidenden Ministers Schmidt und de- neuen Ministers Becke r-Hrssen vollzogen. Die Ansprachen, welche jchtmerige» AufgabeukroS des Ministerium- i» der

Wmg,' " leitet!

Von Dr. Karl Mehrmann, Toblenz.

Die Aeutzerungen Mullollnls In Lau« - 6-* saune gegenüber dem Benreter deS «Ma­tt»' bewettert, datz Italien unter seiner «er neuen Regierung Frankreich freie Han» tm Rvetniand gewährt, was leider auch von der neuen englischen Regierung zu be­fürchten ist. Da der nachfolgende «rtttel zeigf. daß diesen Bestrebungen tm Rvein- lanbe selbst eine fietne aber rührige Gruppe emgegenkommt, so wird die Frage deS Rheinlandes eine der dringendsten Sorgen ber neuen Regierung fein müssen.

Politische Ungewißheiten machen neroös, und zweifellos herrfcht in bet reichs- unb pteußentreuen Bevölkerung bes Rheinlandes augenblicklich wieder eine starke Spannung. Da ist bie Konferenz in Lausanne, bet bie Brüsseler folgen wirb. Jnwie« weil bet biesen Gelegenheiten bie Orient- und die Rheln-Ruht-Ftagen miteinander verkoppelt wer­ben, bes ist noch etn Rätsel, dessen Lösung unbekannt '.st. 3* welchem Sinne sie sich bie französische Aktionspartei wünscht, beruhet hat Loucheut in feinet Kammettebe keinen Zweifel gelassen, wenn er sagte:(Es müßte am Rhein eine internationale Aufsicht unter bet Kontrolle bes Völkerbundes vor- gesehen werden, in der die französischen Soldaten bie Mehrheit hätten." Es ist also im Großen unb Gan. ;en etwa bet Zustanb, wie er im Saargebiet burch den Versailler Friedensvertrag geschaffen worben ist, ben Loucheut für Frankreichs Interessen für dienlich hält. Es ist der kleinen Gruppe von Dorten« Anhängern vorbehalten geblieben, zu erklären, daß Die Schaffung eines ähnlichen Verhältnisses, wie es Loucheut herbeisehnt, auch im Vorteil des Rhein« lande« und des Deutschen Reiches liege.

Am 11. November veröffentlichteRhenanus", also sicherlich einer der viel belachtenUrrheiner", imRheinischen Herold", der zugleichDer Rhein« iänber mit anderem Kopfe ist, einen Slufsatz, bet sich mit Loucheut« Kammerrede beschäftigte. Zn tiefem Artikel wurde bet Franzose als Retter bes Rheinlandes gefeiert. Denn, so heißt es da:Wit Rheinländer haben allen Anlaß, Herrn Loucheut für diese programmatische Rede dankbar zu sein. Umsomehr, als sie den Anlaß dazu gab, daß bie französische Regierung und das französische Parla­ment burch ihre einmütige Zustimmung ihre Ge­neigtheit an ben Tag legten, auf biefet Basis mit Deutfchlanb zusammenzugehen."Rhenanus" ging noch einen Schritt weiter; er verpflichtete auch die Reichsregierung zur Dankbarkeit mit den Worten, daß Berlin diese unverhoffte Staatssiigung mit beiden Händen ergreifen werbe, um aus der unhalt« baten Situation herauszukommen und für Deutsch­land eine günstige Regelung des Reparations, Problems zu erreichen."

Rhenanus" hat mit dieser Auffassung die ganze Gruppe der Dorten und Konsorten, so klein sie ist, hinter sich gehabt. Denn am 11. November fand, in Boppard eine Sitzung des Direktoriums der: Rheinischen Volksvereinigung" statt, in der eine Erklärung angenommen wurde, die dann in den beiden Blättern ber Dorten-Nichtung in Fettdruck und an leitender Stelle bekannt gegeben wurde,; Diese Erklärung lautet:Das heute den 11. No« , vembet 1922 zu Boppard tu Rh., dem Gründungsorts

Ter «nieiaenpret» beträgt kitt den 9gtfp Zeilenmllllmeter MO Mk_ amtlich« uu*> aus» Anzeigen in.«, Mr. Ander« Spaltenbreiten eatfpr«ch«ad. 8«i ichwieri -tm Satz . _ . __ , »I. »utidilai. Spät elnlauiende oder den Ranm über *f. Seit« einnehmend« An-

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