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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrheWche) Oberhessen

Mr. 273

TieCbetbemicbf Zeitung erlitte tr.t eLsmal »öchentlich. Bezugspreis monatlich 185 Mk. mit Zustellungsgebühk. Für ausiallende Wummern infolge Streits ooer elementarer (rreigniiie tetn irriatz. Verlag Mn Dr. L. Hiuerold. Truck der Univ.-Buchdruckerei non 3oh. Sua. Rodt, Warft 21 TZ. Rernipremer 55, Hort« t*e«ftonto: Rr. 5015 Smt Frankfurt «. Main

Marburg Msülsg. Den 29. November Siebe! mm.

Ter Anzeigenpreis beträgt für den Sgeso Zeilenmillimeter 8.00 IRL, amtliche und ausm. Anzeigen 10.00 Mk. Andere Spaltenbreiten eutjprechend. Bei ichwiert rem Satz 50e/, Hundilag. Spät etnlauientte oder den Raum über lk Seite einnebmenbe An. zeigen werden nach der Textipallenbreite berechnet. cKetlamen die Tol.-Zeile 50.00 Mk Jeder Raduti gilt als Barrabatt. Belege werben berechnet. Bei Auskunft durch die Geichäilsstelle und Vermittlung der Angebote 5X0 Mk. Sonbergebüht.

57. m

1922 r

Die 5Aittig!ei!e» in der MmettMimng.

StiilMitr MM

270 .Sitzung vom 18. November.

Der zunächst auf der Tagesordnung stehende Antrag »ller Parteien, die Gewerbeordnung cubin ab- zaändi'rn. daß bei örr l&ranftaltung von Messen Verwal- tungsbelträgc von den Messeieilnehniern erhoben werden können, wird in der Fassung des Ausschusses in zweiter xiu> dritter Lösung angenommen.

Der Antrag der großen Parteien auf Aendernng b"8 Prandw-elnmono Pots geht drbattcloS an den ßiueschutz Ter Antrag fordert, das- die Mittel au? den »Erträgnissen des Monopols für Wissenschaft uiti) VolkS- hroblwhrt erhöht werden.

Dann werd die Aussprache über die Geschäfts­ordnung des Reichstages fortgrs tzt. Bei der Besprech­ung der Sitzungen d»r Ausschüsse forderte der Abgeordnet' Uoenen (Komm.), daß auch der ausivärtige Ausschuß -sfentlich tagen soll, damit die viele» Vertrauenstzrüch cn^örten. Nach längerer Debatte wird jedoch der An- lag der Aussckmßmehrhrrt angenommen, wonach kür Den auswärtigen Ausschuß der Ausschluß der Oessentlich- kcit sich auch auf die nicht dem Ausschuß angehörendeu Abgeordneten erstrecken soll.

Die Beratung wird sodann durch eine längere Aus­sprache darüber unterbrochen, ob am Montag und Diens­tag Sitzungen stattfinden sollen ,da eine RegierungSerklä- -rung noch nicht zu erwarren sei.

; Im Verlaufe der recht bewegten GeschästsordnungS- ikbatte bezweifelte der Abg. Schultz- Bromberg die Mschlußsähigkell des Hauses. Der Hammel prung ergibt tatsächlich, daß das Haus beschlußunfähig ist.

Nächste Sitzung Montag Abend 5 Uhr: Fortsetzung der iEeschäffsordnungsdebattc. Schluß l1/, Uhr.

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Str Orient.

Die Friedenskonferenz.

Paris, 1& Nov. Hebet die gestern zwischen Uurzo« und Poincare in Anwesenheit des ita Penifcben Botschafters geführten Verhandlungen wird irjf Perlangen Curzons Stillschweigen beobachtet. iTrotzdem soll eine berufene Persönlichkeit dem diplo­matischen Mitarbeiter der Havasagentur gestern er- kart haben. Alles, was wir sagen können, ist, daß chic die Bedingungen, die in unserer Entschließung von 23. 9. enthalten sind, genauer gefaßt und die Be- Himmungen über deren Anwendung festgelegt haben, i Diesen Erklärungen will der Havasvertreter hinzu- fügcn können, daß das britische Memorandum gestern

Berlin. 18. Nov. Der mit der Bildung des Kabinetts tcmifiragte öcbcimrat Cuno richtete an den Reichspräsidenten in den Abendstunden foigenbcS Schreiben:

Herr Reichspräsident! Sie erteilten mir den Auf­trag zur Bildung des Reichskavinetts. nachdem Ihre periönltche Fühlungnahme mti b n Parteiführern er­gab, das; sämtliche Parteien der Arbeitsgemeinschaft und der Sozialdemokratie ans dem Boden der an die Reparativnslummisston gefanbfcn Note vom 13. No­vember stehen und mir das Vertrauen cmgegenfirin­gen, das neue Kabinett zu b lden. Im Hinblick hier­auf hab- ich den Auftrag in der Absicht angenommen, ein Kabinett der Arbeit zu schaffen, das in seiner Zusammensetzung der No Wendigkeit sachlicher Fül> nmg der Geschäfte entspricht und vom Vertrauen deS ReichStagS getragen wird. Die hierfür erforderlichen Besprechungen mit den Führern haben ergeben, das- einzelne Parteien n'rtit nur Anr gnngen und Wünsche, sondern mich Anträge und Wünsche vorbrin"en. die die Zahl der einer Partei zu en nehmenden Kabinetts- Mitglieder und deren Person und Ressort, so sogar die Frage betreff n, ob ein Mitglied des bisherigen Kabinetts ein anderes R-siort übernehmen soll. Da mit entfallen die BorauSsetrungen. unter denen ein zu sach'icher Arbeit geeignetes Kabinett gebildet wer­den kann. So wenig ich die Notwendigkeit PerLnne. die Zufammenarsteit zwischen Parlam-nt und Ka­binett. auch durch dessen Zusammensetning. stcherzu- stcllen, so sehr truh ich eulschie>»"eS G wicht daraus legen, das; die Auswahl der Mitg'ieder und der Ressorts dem Ermessen deSteniorn überlassen bleibt, dem der Auftrag zur V'ldtma übertragen rouf'c. Da das zur Zeit nicht der Fall ist. bitt ich den Auftrag zur Bildung des Kabinetts in Ihre Hände zuriick- kegen zu dürfen, wobei ich nicht verh-blen milchte. für das Vr rauen zu danken das mir durch den Auf­trag zuteil wurde. Mit der V-rs'chernng ausgezeich­neter Verehrung und Hochachtung bin ich. Herr Reichspräsident. Ihr ganz ergebenster Enno.

Der Reichspräsident fmf die Par-eitubrer für abends 7 Uhr za einer Besprechung zu sich gebe en.

Berlin. 19. Nov. Im A'tfchlnsi an d-e lieber- r ichunq seines Schreibens hat G-'brimraf Gun« eine Un erredung mit dem ReickSvrä^venwn gehabt,! in der auf Veranlassung des Reichspräsidenten die Möglichkeiten erörtert wurden, unter denen Etmo noch einmal den Versuch zur Kabin»ttsbtkr>una machen se>ste. ES wurde beichsossen. die Parteiführer zu er­suchen den einzelnen Mitaltodern der Tarei-n, wenn daS Ersuchen zu einem Eintritt in das Kabinett an sie ergehen soll e ihre Stellungnahme frei ugeben. Diese Frage snielte dann bei den Besprechun"-n mit den Parteiführern eine beso-derc Rolle. Während

Euno. den Versuch, ein neues Reichskabinett zu VU> dc». fortzuführen.

Die .Germania" schreibt dazu, bte Bildung des Kabinetts .der Köpfe ober der Arbeit- ist gerotft ein vorzüglicher Gedanke, der aber nicht Wabrveii wer­den kann, ohne die Stimmungen und Anschauungen in den Parteien ihrer Bedeutung gemäsz in Rechnung zn stellen. Ebenso begrübt die .Deutsche Allge­meine Zeitung" die gefundene Lösung, indem sie daraus hinweist, dasi nun unternommen werden soll, was in Ländern mit älteren parlamentarischen Er­fahrungen der Brauch ist, die Kabinettsbildung nach freier Wahl des neuen Kanzlers unter Anlehnung an eine Anzahl von Parteien, die nachher um ihr Ver­trauen befragt werden. Im ©egenfatj dazu fleht nach dem .Vorwärts- der Ausführung dieses Planes der Umstand im Wege, bah die Bildung einer Regie­rung ohne Parlom"Ntariei wenn man nicht gerade­zu auf ein Beamtemninisierinm Fisteuern wolle eine UnmSgttchkeii ist. dost aber Parlamentarier ihre endgültige Zusage von der Zustimmung ihrer Frak­tion abhängig machen werden. Praktisch könne die Sache nur so geregelt werden, bah eine vorläufige Ministerliste ben Fraktionen vertraulich zur Kenntnis gebracht wird. Diese hätten bann zu entscheiden, ob diese Liste ihre Zustimmung fütbet.

EunoS Bedingungen und die Parteien.

Berlin, 19. Nov. Der .Berl. Lok.-Anz." be­richtet: Euno will mit dem fertigen Kabinett vor den Reichstag treten und dort fein Programm entwickeln. Vertreter des Zentrums, der Demokraten und der Tentfchen Volkspartei waren mit diesen Bedingungen einverstanden und stimmten ihnen zu. Der Partei- Vorstand der V. S.P. D. befehl oh bte Entscheidung darüber der Fraktion zu überlassen, die am Montag Zusammentritt. Aus Kreisen der Sozialdemokratie hört man. bah nunmehr auch für bte Sozialbemokra- ten bie .frauptfitmtierigfcben aus dem Weae geräumt zu sein scheinen. Cuno bat bereits mit einigen Män­nern der Wirtschaft verhandelt, die er tn das Kabi­nett übernehmen möchte. Die innervolttische Sage bat sich setzt also wesentlich gebessert, vorausgesetzt naiiMtdi. bah bie sozialdemokratische Fraktion nicht am Montag vormittag neue Schwierigkeiten bereitet.

Neue Schwierigkeiten tn der Kabinettsbildung

Berlin, 20. Nov. Die Bemühungen Geheimrat Ennos, ohne Verhandlungen mit den Fraktionen ein Kabinett zusammenzubringen. schein n durch die Hal­tung der Sozialbemokraien vor so großen Schwierig­keiten -u stehen, hast die Aussichten für ein Gelingen deS Versuchs gering geworden sind. Der Parteivor­stand der So-ialdemokraten hat, wie man hört, be­schlossen, die Mitglieder der Partei für die KahinettS- bildung auf bet von Geheimrat Enno versuchten

London, 18, Nov. Ten Blättern zufolge ttt* cnficHrten gestern etwa 25000 Arbeitslose hak Hydipark eine Kundgebung. 2000 davon waren! zu Fuß aus der Provinz eingetroffen. Es gelang den Manifestanten, beim Premierminister Zutritt zu er­holten, der sie an den Gesundheits- und den Arbeit-« minijlcr verwies. j i

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Sie Mischt« Md».

Die letzten Wendungen im Gang der RegierunjgKbfl» düng haben triebet einmal aejeigt. wie wenig man es versteht, in Deutschland nach dem varlamentartscheu System zu regieren. Man scheint immer noch nicht begriffen zu habeu, daß ein solches System eine regle» rungsfähige Mehrheit beschaffen muß. wenn anders es überhaupt einen Zweck haben soll. Das Parlament mast von sich aus imstande sein, dem Kabinett eine sichere Grundlage zu geben. Aber wie sieht es statt dessen vielmehr bei uns aus? Die Eifersüchteleien und Vater» landschädigenden Parteiiutrignen triumphieren und die Schwiertgkeitt», die die Sozia ldemokrL» einer Kabinetts­bildung im Sinne Cunos entgeaenstellt, scheinen in bet Tat alles wieder problematisch zu machen Dabei bleibt die Haltung der Sozialdemokraten vo!lkommen unklar. Nachdem sie das Kabinett Wirth gestürzt haben, müß­ten sie entweder selbst die Regierungsbildung überneh­men, oder aber sich entschließen, die Verantwortung für eine solche den Anderen zu überlassen. Sie will aber bin# von beiden, sondern hintertreibt mir allen Mitteln ernt klare Entscheidung, offenbar zu d-'w durchsichtigen Zwecke^ sich auch in der neuen Regierung ihre eigene Machtstellung z nßttoabren. Vergangene Woche erst, als der Dollar ratxbe stieg, hat derVorwärts" es bestätigt, daß nur durch eine Beteiligung der aktiven Wirtschaft-» kräste an der Regierung eine Wiederherstellung des deutschen Kredits möglich wäre und nun. da man eine, Zusammenfassung aller dieser Kräfte verfuckt, um endlich zu einer positiven Politik zu kommen, fetzt die Sozial», demokratie dem einen Widerstand entgegen, der die so Dringenbt Einigung wi.der illusorisch macht. Aber auch das Zentrum zeigt Ur.entsck'lostenheit und zieht sich, um den verflossenen Kanzler trauend, in den Schmollwinkel zurück. t 1

Es ist tief zu beklagen daß in einer Zeit, wo daS' Messer allen Deutschen an der Kehle sitzt, nickt einmal soviel Einigkeit unter ihnen zu erreichen ist, daß st« nach außen eine geschlossene Front giffkllfn können. Es scheint nach alledem, als ob auch denen, die das deutsche Volk vertreten wollen, das Drohende unserer augenblick­lichen Lage noch nicht zum Bewußtsein gekommen sei. Sonst bliebe es unbegreiflich, daß $artnpc$änf den Blick von der furchtbaren Gefahr ablenken könnte, vor der wir augenblicklich stehen. Ernste Ereignisse bereiten

bte Sperrtetet hsir"ersichen Part len tm aflg-meb

nen bamit efnve.'iitztben waren, wies Hermann Ni Ülker als Vertreter h»r Sf'a Demokraten auf ben bekannten FraktionSbeschlutzbin. nickt mit ber Deutscken V o I k S p a r t*e i zusam - menzugeh-n. Die EntfckeibM'a müsie her sozial- h,mn'r>'ltfmcn ^raffiott vorb-sial'en bleiben. Die Vertreter ber bürgerlichen Ar^e tsnem-infckakt mach- tert ihre enbgsil'ige S'esiungnahme von bem Pro- arantm ber netten Re"ieru-a und ber Politik, bie f>r tiefofee« rof-b. ahhö-aig. Die enheten

mit bem offiziellen Ersticken des ReicksprSsibenten an

BasiS nickt freizuaeben. ES bleibt abzuwanen. ob bie sozla bemokratiscke Fraltion, bte fsitMontaa nack- niittan telearavbisch zusammmenbemf n worben ist. diesem Beicklusi beitritt. Dagegen hat bet FraktionS- voiflanb des Zentrums, der gleickfalls am Sonntag hurmittaq im MeickSta.z tagte, im Gegensatz zu den ToZialbemokraien befchlosien. feine Mitglieder freizu- gehen. Das Zentrum hat aber gleichzeitig die Auf- faffuna vertreten, bah auch eine rein bürgerliche Re­gierung nicht möglich fei. falls Geheimrat Cuno feinen Auftrag zur KabinettSbilbung wieder zurück- geben sollte.

Äs Gnmdlage der Erörterungen gedient habe. Nicht :tile Teile seien geprüft worden, aber hinsichtlich der Vesamtheit des Inhalts habe sich keine tief greife >be Meiunicgsverschiederihe t g-z?igl, jedoch hätten gewiss- Fragen, wir bie Festsetzung der türkischen Grenze, daS Regime de r Meeresenqen, btt Ersatz de r Kapitulationen, das Sta­tut der ottoman ischen Schuld uws Aufhä- itungen ge,ordert. Curzon habe aus die Nvttveu- bigicit einer interalliierten Einheitsfront gegenüber der türkischen Tes'galion hingewiesen.

Gtgenübet diesen Versicherungen von Havas schreibt i, v re", er scheine nicht zweifelhaft zu sein, daß Pvineare und Curzon sich dah'N verständigt hätten, gewisse delikate und vernickelte Fragen von der Lau- saiinrr Konferenz sernzuhalten. Dazu gehören die Fragen der östlichen Grenzen der Türki, k h. alles, was Mesopotamien, den Peiroleiimbezirk von Mossul, die Frage der syrischen Grenze, bie Inseln des Dodokanes und daZ Statut von Westthrazien betreffe. Das sei die negative Seite be£ Abkommens. Tie positive Se'te umfasse bie Aufrechterhaltung der Besetzung Konstantinopels durch bte Alliierten, die voll- ko m mene Freiheit der Schiffahrt in den Meerengen unter Aufsicht der Großmächte, die Sicherheitder christlichen Minderheiten in Australien, die ebenes unter Aufsicht ge stkli't würde, und endlich die Verbürgung recht­licher und wirtschaftlicher Privilegien, bie sich aus den Kapitulationen ergeben. Bei vielen kieset Ftaaen würben die Alliierten auf den Wider­stand oer Türken stoßen, die auf Grund ihres natic Willen Paktes Forderungen stellen würben.

Paris, 18. Nov. Nach einer Havasmeldung aus Lausanne findet die interalliierte Vorkonferenz zwischen Poinrare, Lord Curzon und Mussolini heute abend in einem Hotel in O u ch y statt.

.Paris, 18. Nov. Tie Eröffnung der Lausanner .Friedenskonferenz ist auf Montag Nachmittag fünf Mr festgesetzt worden. Poincare wird dieser Sitzung als Zuschauer beiwohnen. Nach einer Mit­teilung der Havasageittur hat er die Absicht, Lau- scnn: am Dienstag Abend zu perlassen. Ter zweiten Ditzung der Friedenskonferenz, die auf Dienstag an« veraumt ist, toirb Poincare nicht beiwohnen. Nach 6aca3 tritt der französische Ministerpräsident in Lau- Ai« ne auch mit Vertretern der alliierten Balkmrstaaten berhandetn.

Paris, 20. Nov. Nach einer Havasmeldung ans Konstantinop-l werde in muselmanisck'eu Kreisen erklärt, daß ber Sultan nach den Vorfchriiteu des Kotau »wonach jeder Khalif. der den muselmanischen Boden verläßt, um auf christliches Gebiet zu s'üch ten und der ausländischen Schuh sucht, ohne wciteres als alg'setzt anoesehen werden müsse.

London, 18. Nov. DieTimes" meldet aus Konstantinopel, daß He Familienmit­glieder des Sultans unter ben Schuh ber ol liierten Truppen gestellt wurden. Die alliierten Ge­nerale und die stelltertretenden Oberkommiisare hattm gestern nockmals ein« Unterredung mit Reset Pascka über die Frage der Aufrechterhaltung ber Ordnung. Reset bestritt nicht das Recht ber alli­ierten Truppen, in Konstantinop"! zu bleiben, erklärte aber, sie dürsten sich nicht mit der Aufrechterhaltung der Ordnung unter bt Ziv'l'evöl e-ung befassen. Wie tftfoutet wurde ein Kompromiß getroffen, wonach die alliierten Truppen sich auf den Schuh ber nicht- türk.sckci: Einwohner beschränke fcKen, während die Türken für die Aufrechterhaltung der Ordnung unter der türkischen Bevölkerung sorgen werden.

Pari?, 18. Rav. Nach einer Havasmeldung aus Konflantinep'l hat die Nationalversammlung von Angara den Thronfolger Abdul Med sch id Efsendi rum Kalifen gewählt. Tie offizielle Bekanntgabe der Wahl so" pnvrrzüglich »erfolgen. Die Einsetzungs- zeremonicn werden morgen stattfinden.

P aris , 18. Nov. Ein Berichterstatter ber .^In­formation" hat von einer Persönlichkeit aus der Umgebung Jsmed Paschas folgende Erklärung über die Stellungnahme ber fliegt erung von Anarra tn der Frage der türkischen Schuld erhalten. Fnfolge der Schwierigkeiten, die die Türkei gemacht habe, Hecke der Zinsdienst der Schule nicht gesichert werden tonnen. Sobald aber die Türke: einen wirklichen Frieden geschlossen hab^

Iverbe es möglich sein, das Budget auszugleichen und sämtlich- früheren Verpsiich'unaen wieder auszuneh­men. Um die Türkei wieder herzusiellen, werde es ber Unlersiühung des ausländischen Kapsials bedürfen und die Türkei wolle ihre ehemalige Unterschrift nicht versiugven.

Konstantinopel, 20. Nov. Auf Verlangen der T>clegierten Angoras haben die alliierten Ober- kommisiare mit Wirkung vom 19. November ab die interalliierte Zensur abgeschaift.

London, 18. Nov. Reuter meldet aus Alexan- drien, der frühere Großvezir Tewfik Pascha, der frühere Sckeick-ül-Jslam Mustapha Cabri und 11 andere hervorragende türkische Persöitlichkeilen sind aus Konstantinopel hier eingetroffen.

Paris, 18. Nov. Nach einer Meldung berChi­cago Tribüne" aus Athen hat sich die südslawische Regierung mit Sofia in Verbindung gesetzt und dic bulgarische Negierung auf die Zusammenzie­hung von bulgarischen Komitatsckis in der Nähe der thrazischen Grenze hingewiesen. Tie griechische und die rumänische Regierung werden vor­aussichtlich ebenfalls deswegen in Sofia vorstellig werden. . i i .1. ; L.

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Set mlW MlkM.

London ,18. Nov. DerTimes" zufolge hat Bon ar Law k»lgenbe Bctsck^cht an die Nation ge- r'ch^et: ,,Tas Land hat der neuen Reatenrv.g das Vertrauen ausgesprochen. Es wird unser erstes Be­streben sein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen."

London. 18. Nov. Der .Lliures" zufolge hat der Verband englischer Seeleute den einzigen Vertreter im Unterhaus, Havelock Wilson, bedorrn. Dieser erhielt in South Shields von etwa 40 000 abgegebenen Stimme» nm etwa» fihg ätXXL. Ä

sich vor. !

Der Ausfall der englischen Wahlen kann keinen Zweifel mehr darüber lasiea, ba> England Poincare nicht mehr in die Zügel fallen wird und was uns In diefem Falle bevorftetzt, kann jeder etudeuttg aus der Rede leien, bte bei frarrzösische Mtnisterpräsibcut am 17. d. M. in ber Kammer gehalten hat. Danach tritt letzt uiiBerfeunbar bte Revarattonsfrage tn baS Zeichen ber Pfänbervolitik. Poincare Weitz zwar, batz Deutschlanb nichts Bares bezahlen kann aus eigene» Mitteln. Aber er verlangt, ohne Rücksicht herauf, ob wir bte zur wirtschaftlichen Erholung nötige Ruhe haben ober nicht, bah Deutschland sich Anleihen ver­schafft und will es durch Zwang und Kontrolle fre» bttfähig machen. Muh denn immer erst wieder auf das Beispiel Oesterreichs bingewicsen werden? Ist eS beim nicht enblich an ber Zeit, bah wir uns seihst auf bas Emfcheidungsfchwere unterer jetzigen Lage besinnen. Wir sind unrettbar ber fron» AöfIfcben Faust verfallen, wenn es uns nicht gelingt, uns burch eigene Ära ft wirtschaftlich tmb finanziell wieher aufzurichten. Wir wollen und können nicht glauben, bah tn btefer furstbaren Zwangslage des Vaterlandes es wirklich Deutsch« geben könnte, die verantwortungslos genug sind, bem Allgemeinwohl ihres Volkes bas Parteiimeresie vor» anzusteüen, C, D,

-----ch-----

Die RematiEM.

Die krunzSsifcken Ravikaleu zur RevarationSkrage.

Paris. 18. Nov. In ber Reparationsfrage bat bet in Marfeive tag-nbe französifche radikale Kongreß gestern eine Entfchliehung angenommen, tn her cs leiht: Mit Rücksicht darauf, batz Frankreich breiein- Imlb Jahre nach der Unterzeichnung deS Veriatllcr Vertrages von Deu^fckland noch keine ReparalionS- AGhlungcn erhalten bat und mit Berufung auf bte Tagesordnung dcS Lvoner KongresieS zuguuft n einer Mitarbeit DeuttcklanbS am Wiederaufbau burch Sach« lirfcrungen. spricht ber Kongreh ben Wunsch auS. batz die Regierung ohne Rücksicht auf Etnzcltnicrcsien end- sich zu einer Politik ber BcrrotrHitflung und deS Handelns in oer Frage der SjWieferunnen schreitet und duft zwischen den kranzösifchen G schädigten und den dcutickru Lieferanten vor allem die Vertreter sozialer crganitationrn, bte persönliche Profite auS» schlietzen, unterstützen möge.

Berlin, 19. Nov. DaS .Berl. Tgbl^ schreibt: Pierpont Morgan, der in Paris u. a. Besptechun» gen mit PoincarL hatte, trifft heute ober späte­stens morgen in Berlin ein. Seine Reise sei amt­lich nich angerünbigt DaS Blatt begrübt es, batz Morgan sich an Ort unb Steve ein Bilb von ber Lage Deutschlanbs machen will, warnt aber vor besondere» Hoffnungen, da eS sich vermutlich nur trat perf<»» liche Jssormatt»««» harckcUr wird.