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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

St. 272

Anzeiger für (das früher knrhessifchej Oberhessen

TieDbetbelfil<be Zeitung etidxtnt «bemal wöchentlich. Bezuosvreis meeatlt* 185 Mk. mit Zuftellungsgedühr. Für ousiallrnv« -lummer» tniolge Streits ooer elementarer Sreigniiie lern Lriatz. Setlag von Dr. T. Hinerotd. ?ruck ver U»iv.-Buchbr«iterei oon 3eb. Äeg. Koch, War" 2123. Nernjprecher 55, Sott» l&etffoeta: Nr. 5015 Amt Frankiurr a. Stein.

Marbuvq SomabenL, den 18. November Nebelung.

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57. Wo., 1922

DeetlHet WM

{ L69. Sitzung vom 17. November.

^Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des MutragS bergt (Deutsch«.) auf Ermäßigung der I n sc- «tensteuer.

Der Ausschuß hat einstimmig beschlossen, dir Steuer ^ftr die erste Million der vierteliährlichen Jnsetatenrin-1 Mbme ank V» Prozent zu ermäßigen, für die zweite Mil- 1 lion auf 1 Proz., für die dritte Million auf l1/* Proz. «ud für höher.-n Einnahmen aus 2 Prozent.

Abg Koenen (Komm.) beantragt die Aufbcbung tzer gesamten Umsatzsteuer, da dies- nur den Berbr.iu.her belaste, während die Besitzenden mit ihrer Einkommen­steuer noch um Jahre im Rückstand wären und schließ- tch mit dem entwerteten Gelde bezahlten. Redner be­antragt die Befreiung der Konsumgenossenschaften von her Umsatzsteuer.

Abg Bruhn (Deutschn.) tritt für den Antrag des Ausschusses ein.

i; Abg. Kahmann (Svz.) gibt zu, daß die Uwsatz- tuer in roher Weise wirke und beseitigt weiden sollte.

» nächster Zeit würden die Sozialdemokraten die Bc° freiung der Konsumgenossenschaften beantragen. Jetzt aber batten sie keinen Anlaß, dem kommunistischen Antrag zozustimmen.

y Der Antrag Koenen wird sodann abgelehnt tmd der Ausschußantrag in zweiter und dritter Lesung angenommen. Gegen den Antrag stimmen nur einige Kommunisten. Di- neue Vorschrift soll mit Wirkung ab 1. Januar 1923 in Kraft treten.

Die Novelle zum Gewerbe -und KaufmannS- »«richtsgesetz, durch welche die Zuständigkeftsgre rze ber Geldentwertung entsprechend erhöht werden soll, wird nach kurzer Aussprache in allen drei Lesungen «it der Maßgabe angenommen, daß die Gel-altsgrcntz- für Nc Zuständigkeit auf 840 000 Mark erhöht wird.

Alsdann wird die Aussprache über die neue Ge- ßch ästsordnu ng des Reichstages fortgesetzt

4. Abg. Ledebour (Unabh.) protestiert Hegen die fche «atische Verkürzung der Redezeit und beantragt Zurück- »ertocisung des Entwurfs an den Ausschuß.

! Rach unwesentlicher Debatte schließt die allgemeine Uussprache. Der Antrag Ledebour wird gegen die Sti'n- I»en bet Antragsteller und der Kommunisten abgelehnt. ' Abgelehnt wird ferner ein Antrag der Deutsch »ationalen. der auch von der Mehrheit der Bolks- >artei unterstützt wurde, wonach der ReichstagS- »räsident mit seiner Wahl aus seiner Kraktion auszuscheiden hat.

i Das Haus nimmt eine Reihe von Anträgen ohne wei­tere Debatte au, darunter einen Antrag der Volkspartri Bus Einsetzung eines Ausschusses für Verkchrsangc- Hegenheiten.

Rach längerer unwesentlicher Debatte wird bk Wei- »rberatuug auf morgen mittag 12 Nhr vertagt. Außer­dem kleinere Vorlagen. Schluß 6 Uhr.

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Aus den Ausschüssen.

Berlin, 17. Nov. Der deutfchnationale Reichstags- Uchgeordnetr Her gl hat bem Reichstag folgenden An­trag zur Beschlußfassung vorgelegt:Der Reichstag hat das solgercke Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung dc§ Hkichsrats hiermtt verkündet wird. Artikel 1: Hinter iArtikcl 125 der Verfassung wird folgender Artikel 125a eingeschaltet: Die Wahlberechtigten sind ver- itz f l i ch t e t, bei den Wahlen zum Reichstag und zu den Lolksvertretungen der Länder ihr Stimmrecht auszuübcn. .Das nähere bestimmt ein Reichsgesetz über die Wahl- dsticht. Artikel 2: Die Reichsregiernng ist verpflichtet den Entwurf des in Artikel 1 vorgesehenen Reichsgesetzes -bis zum 1. Februar 1923 vorzulegen.

L DieGermania" meldet: Die ZentrumSfrak- jiton d«S Reichstages hat eine Interpellation ein» stzebmcht. worin eS heißt: Das sächsische Kultusministe- itium hat durch Verordnung vom 12. August bestimmt, Haß an staatlich nicht anerkannten Feiertagen den Leh- item und Schülern künftig in keinem Falle mehr eine iUnterrichtsbefreiung zum Zwecke der Teilnahme an reli­giösen Feiertagshandlungen erteilt werden Dürfe. Eine weitere Verordnung verbietet jede Art reli­giöser Beeinflussung außerhalb des Religionsunterrichts. Diese Maßnahmen totberfotedkn den Art. 135, 149 und 174 bet Reichsverfassung. Welche Schritte gebenft die Reichsregierung zu unternehmen, um der durch die Reichs- verkassung feierlich gewährleisteten Gewissen« frei- jheit im Freistaate Sachsen Achtung zu verschalen' jknb die Bekenntnistreue bet Bevölkerung vor einer Ver- lgewalrigung zu schützen.

L Berlin, 17. Nov. Im Reichstagsausschuß für Bolkswohlfahrt lag eia von den Abgeordneten Eingebrachter Antrag auf Abänderung des Paragraphen 68 der Reichsgewerbeoidnung vor. Paragraph 68 ter- fetet, den Marktverkehr mit anderen als solchen Abgaben le belasten, die eine Vergütung für den überlassenen Raum und den Gebrauch von Buden und Gerätschaften bilden. Einstimmig angenommen tourbe folgende Aende- tung der Fassung des Paragraphen 68: Bei Messen dür­fen Beiträge für bk im Interesse der Beteiligten not- tvendige Werbe- nnb Verwaltungstätigkeft gefordert wer­ben. Art und Höhe der Beträge sowie ihre Einziehung bestimmt mit Genehmigung der Landesregierung die Entlich rechtliche Person, bk Trägerin der Messe ist.

i Gesetz tritt mit Wirkung ab ILanuar 1923 in st ' i i'

Berkin, 17. Rov. Da Geheimrat Cuno erst nachmittags von Hamburg nach Berlin zurückkevren wird, erfutzr die Frage der Regierungsbildung kett gestern Abend im allgemeinen keine Veränderung.

Berlin, 17. Nov. Wie der .Voll. Ztg.* anS Hamburg gemeldet wird, bat Cuno an einer Auf- slcktsratssitzung der Hapag teilgenommen. Außerdem hatte et eine Unterredung mit Harriman. Um 12.31) Ubr ist er nach Berlin zurückgekevrt.

Berlin, 17. Nov. Generaldirektor Dr. Cuno wird heute nachmittag nach feinet Rückkehr ans Hamburg mit den Persönlichkeiten in Fühlung treten, die er zu feinen Mitarbeitern im künftigen Neichskabtnett in Aussicht genommen hat. Er bat die zu anspruchsvoll klingende Bezeichnung »Kabinett der Köpfe" ebeuio abgelebnt wie das andere hochtrabende Kennwort von dsn beherzten Männern und spricht be- fdKibcner oder auch farbloser von einem Kabinett der Arbeit.

Die AuSstrlften d r Kabinettsbildung.

Berlin, 17. Rov. Um di- Mittagsstunden konnte man noch nicht endgültig seststellen. ob das Kabinett Cuno als sicher gelten kann. Immerhin scheint die Gekamikage wesentlich ruhiger und die Kabinettsbildung günstiger zu sein als noch am gestri­gen Tage. Insbesondere liegen zuverlässige Anhaits- punk.e dafür vor, daß das Zentrum seine bisherige abseitige Stellung wesentlich gemildert habe. Was dle Personalfragen angebt, so ist die Uebernabme des Außenministeriums durch Dr. Hermes als sicher anzunehmen. Ebenso sicher ist der Rücktritt des Staatssekretärs Hirsch vom Reickswirtlchafts- ncinisterium. in das der bayerische Demokrat und ehe­malige bayerische Handelsminlster Hamm eintreten dürfte. Auch sonst wird die demokratische Desetzu"a des neuen Kabinetts die des alten sein, lieber die Stellung des ReicbswirtschaftsmiuisterS Schmidt, den die Sozialdemokraten unter allen Umständen zu halten gesonnen scheinen» ist nockt nichts Endgültiges zu erfahren. Fmmerbin beißt es. daß dle eine oder andere bürgerliche Partei die Kabinettsbi'dung an dieser Personensrage nicht scheitern lassen würde. Das Verbleiben des Relchslnnenminlsters Dr. Köster dürfte Wohl sichergestellt sein. 9(ucb der frühere ttnab hängige Sozialdemokrat Dr. H i l f e r d i n g wird im Zusammenhang mit den Verhandlungen Cunos ge­nannt. Es ist noch nicht ganz fteber, für welches Ministerium Dr. Hilserding In Betracht kommt. Einige nenne» für Ibn das Rrickssinanzministerinm. Die Vertreter deS Kabinetts, soweit sie der Deutschen Vo'ksvartet nahestehen, sind noch nicht genannt worden

lieber die Haltung des Zentrums gegenüber der ReichSkanzlerkandidatur Cunos schreibt die »Ger­mania", daß das Zentrum erst das Programm Ctt"os abwarten und bis dabin nur die Rolle ei-es abwar­tenden Beobachters spielen wolle. Für das Zentrum

komme allein ein Regierungsprogramm in Frage, das tn seinen Grund zügen nur dasjenige der bisherigen Regierung sein könne.

Parteien und Ministerwahl.

Berlin, 17. Nov. Tas Zentrum bat sich bis­her nick- geäußert und man glaubt aus diesen Zeichen eine gewisie Mißstimmung über das Fallenlaffen Wirths heraus mieten ote aber wodl zu überwinden sein wird. Die Hauptschwierigkeit liegt In der Be- rücksichtiguitg der Sozialdemokraten und der Deutschen Volkspartei. Die Sozialdemo- c.tcn icheftttn sich auch seht noch dagegen zu sträuben, daß die Deutsche Vo'ksgartei durch Exponenten ihrer parlamentarischen Politik im neuen Kabinett vertreten wtrd. Es heißt, daß sie als einzigen Parlamentäre icken Minister der Vo.'kspartei den Abgeordneten von Raumer ertragen würden. Im übrigen darf angenommen werden, daß die bisherigen Minister, vor allem der Neichswehrmiitister Dr. Getzler. der Justizminister Dr. Radbruch, der ArbeitSminlster Dr. Brauns und vor allem der Neichsschatzminister »n« Vtzetanz>er Bauer ihre Posten behalten werden.

Auch die Haltung der Deutschnatlonalen V o 11 s n a r t e t wird, tote der .Lokalanz." schreibt, in erster Linie durch den Inhalt des neuen Regie- rungsprogtamms bestimmt. Ta man in tbren Reihen tu der letzten deutschen Note einen wesentlichen Fort­schritt gegen trüber fette, dürfte der Gegensatz der Deutschnationalen Volkspartei gegen das Kabinett Cuno zum mindesten kein scharfer fein. Viel hänge allerdings ton der Fraee ab. ob Cuno die Tbeie sei­nes Vorgänoers: Ter Feind siebt rechts!" sich zu eigen machen werde.

Die Parteigegensätze.

Berlin, 18. Nov. Die .Voss. Zig." führt .ans: Daß Dr. Wirth den ausschlaggebenden Einfluß in brir Zentrnmssraltion besitzt, geht am deutlichsten daraus h-rvor. daß das Zentrum nahezu einmütig be­schlossen bat, Dr. Hermes nicht zu gestatten, das 11: m vom Geheimrat Cuno angetragene ReickA- n-inir,eriunt des Ausivärtigen anmnebmen und sich mit überwiegender Mehrbeit dafür ausgesprochen bat. daß Dr. Hermes am besten überbauet dem nächsten Kabinett nicht angeböre. Das Blatt urteilt bann zu- lammenfassend. der Gegensatz bleibt der alte: Die Ablehnung der großen Koalition durch die So- c'aldemokratie. Ab'ebnuna einer inofstzlellen Nnter- stütznna eines nickt auS der großen Koalition gebilde­ten Kabinetts dnrck die deutsche Volkspartei, vor- lönftges Verharren deS Zentrums auf der von der aven Gemeinschaft ausgestellten Forderung nach der o-oßen Koali-ion. 6 s wird abz uwarten fein, ob und tote es Geb etmrat Cuno gelingt, diese Härten zu überwinden und zu einer Kabinettsbildung zu gelangen.

Der tont.

Warschau, 17. Nov. Nach demKurser Port nup' hat die posnifche Regierung an Frank reich. England und Italien No'en gerichtet, in denen sie die Teilnahme Polens an der Lau­sanner Konferenz verlangt. Das Blatt er­wartet, daß Polen ohne Stimmrecht zugelassen wird.

Paris, 17. Nov. In Brüssel haben die Ver­treter Englands, Frankreichs und Italiens der bel­gischen Regierung eine Einladung zur Entsendung einer Delegation zur Lausanner Konferenz überörach'.

Paris, 18. Nov. Lord Curzon traf gestern abend in Begleitung des Unterstaatssekrelärs Sir William Tyrrell, Harald Nicholsons und von Vertretern bet Admiralität und des Kriegsamtes, in Paris ein.

P aris, 18. Nov. Nach einer Havasmeldunz aus Konst antinopel dauert derAuszugdereng lischen Kolonie aus Smyrna an. Die Aus­länder würben trotz der Zusicherungen der kem alistischen Bchörden immer noch schikaniert. In Konstantinopel hätten sich die Beziehungen zwischen den Oberkommis- saren und Risat Pascha gebessert. In Bezug auf die Pol'zc'. und Gendarmerie sei eine Verständigung er­zielt worden, inbeffen seien gewisse Fragen, nament- hrf) die Regelung, die an die Stelle der Prohibitie- tärife treten soll, noch immer in dec Schwebe.

K c n st a n i i n o p el, 17. Nov. Havas meldet um 7.15 Ubr abends: Die Nationalversammlung von Angora hat einen Antrag Kemals ange­nommen, in welchem die gerichtliche Verfol­gung des Ministerrats und des Sultans gefordert wird. Sie hat sich gleichzeitig die spätere Durchführung der Entschließung Vorbehalten.

Athen, 17. Nov. Im Hochverratsprozeß machten einige Offiziere der kieinasiatischen Armee als Zeugen eingehende Angaben über die d ef aiti stif chje Propaganda und die schlechte Verpflegung des Heeres, die die Hauptgründe für die Demoralisierung der Armee gewesen seien.

Paris, 18. Nov. Nach einer HavasMeldung aus Konstantinopel haben die alliierten Ober- kommifsare in einer an Rifat Pascha gerichteten Note gegen die neue Entscheidung protestiert, die den Handel nötigt, für Warrn, dir im Transit

5tgriffen sind oder nach chrem Uriprungsort zurück- a führ werden, den gesamten Zollbetrag zu deponieren. Die Uebcrgabc bet ihrazischen Zone an die Türkei.

Paris. 17. Nov. Aus Konstantinopel wird nach Rom gemeldet: In Uebereinstimmung mit den gc trofftnen Abmachnungen ist die Uebergabe der dritten ihra,zischen Zone an die Kemaiisten abgeschlossen. Tt i f e t Pascha und die alliierten Generale haben den 1 ernt infamen Beschluß gefaßt, daß die Uebernahme ?ldr:anopels und Gallipoli durch die Türken am 22. November stattfinden soll. Ganz Oüthra- zien wiri. dann der Angoraregierung entsprechend den Abmachungen von Mudania übergeben worden s.iu. Die interalliierten Truppen und Kommissionen bleiben in Thrazien noch bis zum 30. November.

Flucht des Sultans.

London, 17. Nov. Reuter meldet ans Kon- stanti nopel über die Flucht des Sultans, der Sultan habe General Harrington am Mitt­woch abend geschrieben, daß er sein Leben in Gefahr erachte und um britischen Schutz b'tten müsse. Er beabsichtige iedoch, den Palast vor Freitag nicht zu verlassen. Alle Vorbereitungen seien daher gestwu g'treffen worden. Heute morgen fuhr ein Kraftwagen mit dem steflvertretenden Dragoman der britischen Botschaft und dem Adjutanten des Generals Htttrin. - ton vor einem Seiteneingang zum Palast vor. Wäh­rend die Ablösung der Wache stattfano, begab sich sich der Sultan mit seinem Sohne Prinz Mehmed Ertrognl und sechs Mitgliedern des Palaststabes in einen Kraftwagen und fuhr zu dem britischen Ma­rinestützpunkt, wo General Harrington und der britische Oberkommissar Hendersen den Sultan empfingen. Der Sultan ging, ohne daß sich ein Zwischenfall ereignete urjb ohne, daß irgendjemand die Flucht überhaupt bemerfte, an Bord desM a - l a y a". Hier wurde bet Sultan vom Vizeadmiral Brock empfangen. Henderson bewillkommnete ihn im Namen des Königs. Der Suftan versicherte, daß er sich unter bem Schutze Großbritanniens sicher fühle und sagte nachdrücklich, daß er nicht abdankee. sondern sich nur aus der Gefahr begebe, die ihn unmittelbar bedrohe. TieMalays ging sofort nach Malta ab, wo Anweisungen bezüglich des Aufenthaltsortes für den Sultan eint ressen werden. .

3» Seit

Das Kabinett Wirth Ist gegangen. Den Anstoß tut Demission haben Parteilntriguen gegeben. So unverantwortlich auch solche Machenschaften (ein mögen, tn einem Augenblick, wo Deutschland stch nach außen hin tn einer derartig schwierigen Lage be­findet fle sind doch nur der Anstoß gewesen, bet eine feit langem vorbereitete Wendung zum AuS- trag gebracht bat Wir wollen den abgetretenen Kanzler gewiß nicht zu nabe treten. Aber ti mutz doch gesagt werden, daß bet allem Takt, den et in schwierigen Situationen oft bewiesen bat seiner Politik eine positive Note entschieden gefehlt bat. I* den 18 Monaten seiner Kanzlerschaft bat er nur passive Erfüllungspoltitk getrieben. Da­rüber kann auch die Behauvwng, er habe nur die unmäßigen Forderungen der Entente ad absurdum fübren wollen, nicht binwegtäuschen, ganz abgefebett davon, daß das Ergebnis dieses höchst gefährlichen Experimentes tn keinem Verhältnis steht zu den bitteren Leiden, die uns eine solche Nachgiebigkeit nur eingetragen hat. Tie deutsche Wirtschaft ist durch diese Politik bis zur Leistungsunfähiakeit geschwächt worden und die Einsicht datz wir mit einem unent­wegten Entgegenkommen der Entente gegenüber nut uns selbst das Wager ab graben, diese Einsicht ist Dr. Wirth leider zu spät gekommen. In demselben Augen­blick, da feine Haltung vor den Maßlosigkeiten un­serer Gegner zurückhaltender zu werden schien, (weil et weiter eben nicht gehen konnte) mußte er aus der durch die Schwäche seiner Kabinetsfübmng berborge« rufenen Kreditlosigkeit die letzte Konseguenz ziehen und abtreten.

Mit gespannten Erwartungen wendet sich daS Interesse dem neuen Manne zu. Schwerste Aufgaben erwachsen ihm aus der gegenwärtigen Situatton. Die kommenden Wintermonate werden eine jede Re­gierung, gleichgültig wie sie zusammengesetzt sein mag, vor Ernädrungssorgen stellen, die zu meistern eines ganz ungewöhnlichen Geschicks und einer starken Hand bedürfen wird. Die Möglichkeit eines neuen Dik­tats der Entente ftebt als drohendes Gespenst vor der Tstr, im Volke gäbrt und brodelt es infolge der Teuerung. In Süddeutschland und im Westen regt sich eine unterirdische Wühlarbeit, die nichts Gutes kiindet. Das tft die Lage, in der eine neue Re- atftitng die Erbschaft des Wirtbschen Kabinetts an- jutrefen bat Cuno, der bisherige Direktor der Hamburg-Amerika Schiffahrtsgesellschaft ist der Mann, den der Reichspräsident dazu au8(rieben bat, uns besseren Zeiten entgegmufübren. lieber die Politik dieser dem Zentrum nabestehenden Persönlich­keit ist eittstweilen nur zu sagen: Enno neigt wirt­schaftlich zu den Aufsagungen der deutschen Volks­pariei. Mebr aber fällt noch Ins Gewicht, daß Cuno a i- tz e n p o l i t i s ch mit der Linie wie sie das Kabi­nett und der Kanzler leibst namentlich durch den Ra­pallo-Vertrag im Sinne einer Anregung nach Osten geführt haben, sich nickt immer einverstanden erklärt bat ES ist von tbm bekannt, daß er ebenlo. wie der Finanzminister Hermes gegen den Rapalloverwag war. Cuno vertritt, wenn man das Scklagwort ge­brauchen darf, mebr die w e ft 11 cb e Orientierung. Man mag Über Deutschlands Stellung zum Ausland denken, wie man will, sicher ist, datz diese vor allem von den augenblicklichen wirtschaftlichen Rot- ivendlakeiten diktierte Orientierung nach Westen auch dem Bestreben des Auslands begegnet, das durch den Mund Bradburys und Bartbous nnzweidenttg nach einer vosittven.sich vorwiegend auf die Gesamtheit der deutschen Wirtschaftskräfte stützenden Führung der deutschen Po'itik verlangt bat. Der präsumtive Kanz­ler bat den Fraktlonsftibrern gegenüber es denn auch a's die nächste und wichtigste Ausgabe des nächsten Kabinetts bezeichnet, Deutschland aus den fttutttrieften und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Auaenbticks tzerauszubelsen, eine Aufgabe bet der et sich vor allem auf das in der Note an die Revko vom 3. 11. ausgestellte innen- und außenpolitische Programm zu stützen gedenke.

Bei allem Vertrauen, das matt der neuen Periön- lirt-Mt entgegen bringen kann, besonders au* im Hinblick auf die große praktische Erfahrung in Wtri- Ichaftssragen. die die bisherige Stellung Cunos ge­währleistet. darf man sich dock den Ernst der Lag« nickt vorentdatten, in der wir uns befinden. Zunächst sind innerpolitilck noch keineswegs alle Scktoteria- rdtett beseitigt, die der Bildung des neuen Kabinetts entgeaenfteben und es bleibt immerhin noch zu be­denken, ob und tote der neue Kanzler die brennendste Frage der Mehrproduktion löten wird, die durch den schen.atilchen Achtstundentag und die Lobn- entwickiung aus ein totes Geleise geschoben worden ist. ES wird wesentlich an der Sozialdemo« kratie liegen, ob es hier zu befriedigenden Resul­taten kommen kann. Tie Bereitwilligkeit mit der sie sich zu einer Kandidatur Cunos stellt, bedeutet an sich nock keine positive Mitarbeit und tckeinl ledcnsalls, lo wie die Dinge liegen, lehr vorbehaltlich zu lein, jedenfalls dürfen wir uns nickt verhehlen, daß der Gedanke deS Klasienkampls. der in tbren Reiben wieder die Oberhand zu gewinnen Ickeint der Sieg ihrer Linken und die darmis entstandene Kabinettskrise ist dafür nur ein Zeichen die schweren Wolken, die am außerpolitilcken Horizont« droben, nur noch dichter zusammen sieben wird. Wie gespannt unsere innere Lage ist. willen wir alle zur Genüge und die Unruhen tm Reick sind dafür nutz ein beredtes Zenanis. Nickt allein die Abbröckelunas- tendenzen, die sich in Hannover, am Rhein, in Ost­preußen bemerklick macken, beweisen den Mangel einer zentralen Gelcklollenheit nach außen bin; auch die verbrecherischen Umstnrzpläne, ganz gleich welche« Richtung, verlangen nach einer festen Periönlickkeit« die den Bestand des Reiches zu sickern vermag und' uns nicht nur wirtschaftlich sondern vor allem auch polittlch stabilisiert. ____

Der deutsche Kredit tft erschüttert nicht »nn» wenigsten durch unsere momentane innerpelttN

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