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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesfische) Oberhessen

Hr.M

5 leDberbeifurhe Seitung erscheint iediemal tnöfcentli*. Bejupsoreis monatlich 185 Mk. mit Zustelluugsgtbiihk. Rür austaüenbe Sinaiment tntolye Streit» oeer elementarer Gtetgnttie kein fr tat;. Betlag von Tt. E. Hinerotd. Trncf »et Unln^Butbbruderet non Job. *ua. «och. Mat" 2128. »etniptecher 55. Bost, f&etflonte: Nr. 5015 »mt Rranfiutt e. Main.

Marburg MtttWtz. Den 8. NMM-tt Rebelmng.

Der Anreiaennreis beträgt für den 9gefp Zeilenmillimeter 6.00 Wt, amtliche unh ous» An,eigen 6.00 B(t. Andere Soaltenbrelten entsprechend. Sei schwierigem Satz 5<i»/. Ausschlag. Spät einlauienve oder den Raum über *i. Sette ehutebmenbe An- ,eliell meta en nach der Tettipaltenbrefte berechnet, 'beflamen die Tol -Zeile 50.00 3BIL Jeder Rabatt atft als Barradatt. Belege werden berechnet. Bei «uskunst durch die Geichästssteae und «ermtttkung der Angebote 5.00 Mt. Sonder,edüdr.

57. m

1922

Ser Orient.

Sleue Verwicklungen.

Paris, 7. Roo. Nach einet Havasmeldung s Konstantinopel haben die aHiieetcn Ober- «^uniijttte in einer Unterredung mit Hamid Ben liefern mitgeteilt, die alliierten Regierungen Mnschten zwar in keiner Weise sich in die inneren Wigeli'genheiten der Türkei einzumischen, erklärten «^och, daß sie es während der Besetzung von Äon- Plntinopel für notwendig erachten, den jetzigen Zu- fanb aufrecht zu erhalten. Dies bedeute, daß die «Liierte Kontrolle sich auf sämtliche Verwaltungs- ipeige, das Gesundheitswesen, die Polizei usw. et» ßrecken müsse.

Paris, 7. Rov. Nach einer Havasmeldung WS Konstantinopel haben die alliierten Ober« kkmmisfare die Regierung ersucht.Sttafmatznahmen P bestimmen, die der Verhängung des Belage- rvngszustandes gleichkommen.

London, 7. Rov. Die Abendblätter weisen tzsrauf hin, dah die Kemalisten mit ihrer Aktion^ Men schweren Vertrau ensbruch began- yn haben und daß weitere Verletzungen des Mu- teniaabkommens in Zukunft drohen. Die For­derung auf Abzug der alliierte» Truppen aus Kon- ssantinopel ruft grohe Entrüstung hervor Die Blätter erklären, die Revoluttonsmatznahmen der Angoraregierung, besonders diejenige bezüglich der ktellung des Sultans und des Khalifen hätten in ter mohammedanischen Welt tiefen Eindruck her- »orgerufen. Die Mohammedaner in Indien seien dsdurch in Erstaunen gesetzt. Zn Aegypten herrsche »rotze Erbitterung. Die Blätter von Kal- futta erklären, die Angoraregierung habe die tndi- jße« Mohammedaner zum Besten gehabt.

Konstantinopel, 7. Rov. Die ftunb« gebungen in den asiatischen Vorstädten in Kon- ß« n t i n o p e l haben gestern eine e t n ft i Men­te« n g genommen. Die Fenster der von Lhristcn bewohnten Häuser wurde« eingeschlagen, vier grie- |i!the Soldaten durch Messerstiche verwundet, und türkische Polizisten sind verhaftet worden. Die Demonstranten schrien: .Mieder mit England, Frankreich und den Alliierten!"

Man glaubt, daß die Kemalisten versuchen, die Stellung der Alliierten in Konstantinopel unhalt- kr zu machen, um so der alliierten Besetzung noch wt der Friedenskonferenz ein Ende zu bereiten.

London, 7. Rov. Aus Konstantinopel wird Gemeldet, daß gestern zum erstenmal der neue Zoll- torrf für die kemaliflischen EDiete zur Anwendung gebracht worden ist. Dieser Tarif macht den fünf« Plchen Betrag der während des Krieges in Geltung ßervosenen Tarife aus. Gleichzeitig sind die Vestim- , Düngen der nationalistischen Regierung wegen der kuxu .artikel und der alkoholischen Getränke durch keführt worden.

Eine große Anzahl Personen flüchteten nach den ksandtschaften mit der Bitte um Schutz und Hilfe, ktuit sie das Land verlassen könnten. Uebcr 700G kriechen haben sich aus bien Dörfern in der Nähe kr alliierten Linien geflüchtet und find unter eng« *^;em Schutz eingeschifft worden, um nach Salo« *iti geschafft zu werden. Der Abzug der Bevöl- kerung nimmt zu.

Paris, 7. Nov.Chicago Tribüne" meldet «ui' Athen: Die Zahl der kleinastatischen Flücht- stage in Griechenland beträgt jetzt 380 000 Männer. ^>1000 Frauen und 370 000 Kinder, darunter 'VßGO Waisen. Zn der von der amerikanischen ^nrerstützungsorqanisation angegebenen Ecsamt- i»hl von 810 000 Flüchtlingen sind zahlreich« Per- knen nicht enthalten, die genügend Mittel besitzen, subst für ihren Unterhalt zu sorgen.

Paris, 7. Nov. Nach einem Londoner Tele klamm desZournal" wird gemeldet, datz britische kreise, die über die Ereignisse im nahen Osten ein« tebenb unterrichtet seien, versichern können, datz ^elim Essendi, der Sohn Abdul Hamids, von »er Angoraregierung zum Khalifen gewählt wer­den soll.

Konstantinopel, 7. No». Zn Tschanak ® eine kritische Lage entstanden, da dort türkische »ebarmeiie gegen die griechischen Linien vorrückt kd das Vorgehen griechischer Patrouillen jenseits et Dreimeilenzone verhindert. General Har­bin g t o n wird am Dinstag die Lage mit Z s m l b ^"icha erörtern.

Paris, 7. Nov. Nach einer Reutermeldung I?5 Konstantinopel hat bet Sultan den englischen ^berkommissar Sir R u m b o l b gebeten, ihn zu be= D/dn. Der englische Oberkommissar ist gestern "^hmittag im Sultanspalast eingetroffen, bet seit Wern von englischen Truppen bewacht wird.

SB

Die M-WtisuMrhMlvWk in Berlin.

Das Ergebnis de« Kabinettsrats.

Berlin, 7. Nov. Rach einer Meldung des B. T." soll in der Kabinettssitzung heute vormittag beschlossen worden fein, der Repara­tionskommission eine Antwortnote zu übermitteln, tn bei bie ersten beutschen Vorschläge im einzelnen weiter ausgeführt werden sollen Diese Möglichkeit sei dadurch geboten, datz. wie das Blatt schreibt, positive Anerbieten aus Kreisen aus­ländischer Bankleute, die zur Zeit als Teilnehmer an den Sachverständigenberatungen in Berlin wei­len. vorliegen.

Berlin. 7. Nov. Die Reichsregierung ist sich in der heutigen Kabinettssitzung über die neuen Vorschläge einig geworben, die der Reparations- kcmmisston morgen früh überreicht werden. Auf Grund einer Vereinbarung mit der Reparations- kommisston wird deren gestrige Antwortnote über­haupt nicht veröffentlicht werden.

Die Antwort der Reparationskommission.

Berlin, 7. Rov. Sie Antwort der Nepara tionskommisfion ist zwar bisher noch nicht amtlich veröffentlicht worden, doch erfährt die Telegraplen- Union aus gut informierter Quelle, datz zwar in dieser Antwort bas WortFinanzkontrolle" ver­mieden worden ist, datz aber die Reparaiionskom- mission sich ausdrücklich auf die Zusagen beruft, die ihr in den Verhandlungen de» Reichsfinanzministers Herme» in Pari» gemacht worden sind und die sich auf die Gestellung von Räumen und Personal für Oos einzurichtende Garantickomitee über die deut» ichen Finanzen beziehen. Weiter wird auf die nicht innegehaltenen Zusagen bezüglich der schweben­den Schuld verwiesen. Im übrigen werden die bekannten Präzisionen und Erweiterungen ge­fordert.

Rene deutsche Vorschläge. Verschiebung der Ab­reise der Reparations'ommisfiou.

P a r i s, 7. Nov. Aus Berliner Meldungen der Pariser Blätter geht hervor, datz man tn den Krei ien der französischen Delegierten bet Reparations­kommission noch mit bet Möglichkeit rechnet, batz die Reichsregierung nach der heutigen Beratung mit den Fraktionssührern neue Vorschläge unterbreitet Barthou hat den französischen Pressevertretern gestern abend erklärt, die Abreise der Kommission sei noch nicht endgültig festgesetzt.

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Berlin, 7. Nov. DieB. Z." meldet: Das Reichskabine ti ist heute vormittag schon vor 10 Uhr zu einer Sitzung zusammenqetreten. heute mittag 12 Uhr tritt die auswärtig« Sachver - siändigenkonferenz au einer Schlußsitzung zusammen, um das Protokoll über bie Beschlüsse in der endgültigen Fassung zu formulieren und im

Lause des Nachmittags bet Negierung zu über« reichen.

DemBörsenkurier,, zufolge find bie Verhand. lungen der Reparationskommisfion über bie deut­schen Kohlenlieserungen heute mittag zum Abschluss gekommen. Die ''

darauf beschränkt, die Znformationen bet deutschen Sachverständigen über bie Lage bet deutschen Kohlenwirtschaft entgegenzunehmen. Beschlüsse seien nicht gesatzt worben.

Sie Bereitschaft der auslänbischin Bankkreise zur Mar Hebung.

Berlin, 8. Rov. Die ursprünglich ablechneuve Haltung der Negierung und des Reicksbankprast- denten gegen eine hrranzie' «ug des Goldbestandes der Reichsbank zur Stützung olkion ist aufgegeben. Es wird mit Bestimmtheit erllüri, dah sich auslän­dische Privatbankiers mit Zustimmung und mit zu- ^e^aqter Unter^Ltzung ic«r Reesserunsen zur Be­teiligung an einer Stützungsaliion für die Ma^k mit Bankkrediten und unter Mitwirkung der beul» tfwn Reichsbank bereit erklärt haben: pro risch also märe bie Erlangung von a«ständischen Bank­krediten möglich,-wenn die Frage des Moratoriums «n einem für Deutschland günstigen Sinne erledigt wird.

Die deutschen Halzlieferungen.

Wie basBerl. Tagebl" erfährt, sind die Ber- dandlungen der Reichsregierung mit der Repara- tionskommiision über die Holzliesernngen Deutsch- lcAb^an die (Entente zunächst vertagt worden. Die Beratungen sollen demnächst in Paris weitergeführt werden

Eine zweite Bankierkonferenz?

Nach einer Meldung desBerl. Tagebl." sind seit geraumer Zeit Besprechungen im Gange, eine rweite Vankierkonserenz unter dem Vorsitz von Morgan zur Diskussion der Reparationsfrage nach Paris oder Brüssel einzuberufen.

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London, 7 Nov. DieTimes" meldet aus Brüssel, die in den letzten Tagen über die Brüsseler Reporations-Schuldenksnferenz ver­breiteten Gerüchte feien verfrüht. Die bel­gische Regierung habe bisher keine endgültigen Be­schlüsse gefasst und werde dies erst tun, wenn fie fo gut wie sicher sei. daß die Konferenz in W Lage sein werde, praktische Ergebnisse zu erzielen. Sie werd« warten, bis bas Ergebnis der englischen Wahlen bekannt sei und die Erörterungen in Ber­lin zwischen der Reparationskommisfion und der deutschen Regierung weiter fortgeschritten seien. Die belgische Regierung habe keinerlei Mitteilung über einen bevorstehenden Besuch Bonar Laws in Brüssel erhalten -

Russland und die Türkei.

Pa r i s, 7. Nov. Die Moskauer Zeitungen ver- effenilichen eine am 3. November von Tschi­tscherin an die Angoraregierung gerichtete Bot- schaft, in der der Cowjetminister die türkifchrn Ml nister dazu beglückwünscht, datz fie die b 'polische Ge­waltherrschaft von Konstantinopel zu stürzen ver­mochten, die das Ottomanische Reich so lange gegen cie Interessen des türkischen Volkes regiert und das Land in einen Zustand der Unterdrückung gegen« über den Westmächten gebracht habe. Tschitscherin spricht fernerhin sein Vertrauen dazu cus, dah das türkisch« Volk sich seines Rechts, seine Bestimmung selbst zu treffen und seine Souveränität auf seinen Gebieten zu Wasser nud zu Lande wicderherzu- stellen, bewutzt sein werde. Gleichzeitig wird aus Riga gemeldet, bah Tschitscherin die bedingungslose Zulassung Russlands, der Ukraine und Georgiens für die Lausanner Konferenz mit größter. Ent­schiedenheit forderte.

Di« türkischen Forderungen für Lausanne.

Paris, 7. Nov. Reuter meldet, datz die An­gararegierung ihrem Delegierten Zsmed PHcha rorgefchrieben habe, folgende Forderungen aus der Friedenskonferenz zu vertreten: 1. Die Festsetzung der Grenze der Türkei übereinstimmend mit den Bestimmungen der nationalen Verfassung. 2. Die Bezahlung einer Kriegsentschädigung durch Grie­chenland. 3. Unterdrückung der Kapituia 'tonen 4. Die Aenderuns der Zra kgrenze in Mesopo­tamien. 5. Vollständige politische, finanzielle und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Türkei.

darunter der ooflnalige Scheich-Ll-Zslam, i« der britischen Botschaft Zuflucht gesucht haben.

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Mussolini an bie schweizerische und spanische Regierung.

Paris, 7. Nov. Mussolini bat an b*c f'ftoeijr» "'sche und spanische Regierung BcqrÜssungStele'r.rmm« --srndt. Das erstere Telegramm ist an den Cbef der schweizerischm voliüschen Departements. Herrn Motta qcrichtü. Es drückt den Wunsch und die Ueberinignan ms, bass die Beziehungen Italiens mst der Schwei; tot* bisher, auch weiterhin von Gefühlen herzlicher Freund­schaft bks-»lt f«n werden.

Italien und da» 12 Insel-Problem.

Paris. 7.Nov. Die Athener Zeitungen verZ^ni- lichen ein Telegramm des Präsidenten der 12 Insel-Aus schösse Dr. Ikevosueroos an Mussolini, worin die Hoffnung ausgedrückt wird, daß Italien so wie es selber seine Freiheft den Grundsätzen der nationalen Freiheit verdank, auch dem 12 Jnselgebiet seine Freiheit der- schassen werde.

8« nMe MWW.

London, 7. Nov. Reuter: Amtlich wird bekannt gegeben: Das Kabinett setzt sich aus 16 Ministern zu­sammen und ist somit kl ei ner als irgendein andere? Kabinett der letzten Jahre äusser dem Kriegskabinett. Eine Anzahl der Minister, die das Kabinett bilden, wech­sel t die Portefeuilles. Nachdem die verschiedenen Unter­ämter besetzt worden find, ist das Ministerium nunmehr vollständgi.

London, 7. Rcw. Reuter berichtet aus Kon-

8 Minister der gegenwärtigen

London

7. Nov.

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stantinopel, dass viele hundert Mohammedaner, I Regierung» nb der Sprecher des bisherigen Unterhaufe»

wurden ohne Gegenkandidaten gewählt. Bemerkenswert st, daß Lloyd George, der früher ntemal» ob« ^liderstand in das Parlament gewählt wurde, feinen Gegenkandidaten hatte, während allen anderen Partei­führers wie Bonar Law. Asquith. Chambertain, Seien» Kandidaten gegenüberstehen. Bon den 613 Wahlkreisen sind nicht weniger als 242 zu verzeichnen, für die 3 oder mehr Kandidaten ausgestellt sind.

l>Ie Mr ter MmliMkist.

Aus Berlin wird uns von einem parlamentari« scheu Mitarbeiter geschrieben:

Die Reparationskrise, die seit Zahr und Tag schon unser gesamtes politisches und wirtschaftliches Leben beunruhigt, inzwischen zu einem förmlichen Deharrungszustand ausgewachsen ist, ist nun auch ihrerseits in bas Stadium der Krise gekommen. Wenn nicht alles täuscht, so stehen wir am Beginn nicht nur neuer Teuerungs- und Preiswellcn, die t« allgemach zur gewohnten Erscheinung geworden sind, sondern auch am Beginn einerWelle von nneren Krisen. .

Man mutz sich darüber klar sein, dah die gegen« iiartig schwebenden Erscheinungen in ihrem letzten Urgrund« zurückgehen auf das Reparationsproblem -mb seine Basis, den Versailler Vertrag. Für un* C'*rc inner- und wirtschaftspolitische Einstellung ging die grundlegende Frage dann aber dahin, welch? Einstellung wir zu den Dingen nehmen, welche Politik wir also führen sollen.

Innerhalb des Reichskabinetts find starke Ge­gensätzlichkeiten hinsichtlich der Behandlung des Re« paralionsproblems, die zur Schicksalsfrage der gan>. ?en deutschen Nation geworden ist. aufgetreten. 8s «st auch f in Geheimnis, datz ein Zwiespalt zwischen beftuHurteis Regierungsämtern, namentlich beÄ' N ichswirtschafts- und dem Reichsfinanzminisier besteht.

Hinter den Dingen, bie sich anfpinnen, fte'ien aber viel grössere Znteressen: Es Haubelt sich nm nichts geringes als barum, ob 'ife zanze, bis jetzt eingeschlagene Linie verlassen und eine neue eingeschka. gen und mit welchen Kräften die Fundierung und Führvng dieser reuen Politik bewerkstelligt wer­den soll. Es gibt Kreise, die der Auffassung Raum geben, dass gerade das Stinnes-Lu^ersac- Abkommen in seinen politischen Zielen auf nichts anderes hinausläuft, als einerseits in Frankreich, andererseits aber auch in Deutschland die Führung der politischen Geschäfte in industrielle Hande ans- zuspielen. Man will auch wissen, dass zwischen französischen und deutschen Wirtschastskreisen be­stimmte Fäden laufen, die stch offenbar auch fetzt knüpfen. Man will ferner wissen, dass bei gegen­wärtige Reichsfinanzminisier Hermes, bet Ver­trauensmann dieser Kreise sei, und dass er wegen spiner Auffassungen, die ihn nicht nur in Wider­streit mit der Meinung des Reichskanzlers, sondern auch des Reichswirtschaftsministeriums bringen, alle Aussichten habe, al; Vertrauensmann der eben bezeichneten Kreise an eine als Ergebnis dielet Krise erwachsene neue Regierung zu kommen. Es ist schwer, diese Dinge bei ihrem jetzigen Entwicke- lungsstadium näher zu umschreiben. Es ist kenn­zeichnend, datz die ausländische Presse und vor allem die Pariser Blätter sich recht unverblümt übet diese Tinge aussprechen, und man wird nicht fehl gehen in der Annahme, dass sie sich dabei auf Znforma- kionen bet Mitglieder bet Reparationskommission stützen, bie babei offenbar nach ihren Einbrücken, die sie in Berlin gewonnen haben, urteilen.

Wir müssen uns jebenfalls herauf vorbereiten dah eine innere Krise sich entwickelt, bis schon lang, berumschleicht unb bie vielleicht über Nacht zu einer übetraschenben Lösung führen wirb. Wie schon seinerzeit bei den Pariser Verhanblungen bet Reichsfinanzminister Hermes, steht blefe Persönlich­keit neben bet bes Reichskanzlers zur Debatte. Es ist autzerorbentlich auffallend, dass Pariser Blätter ganz offen davon sprechen, dass Hermes dem Wunsche der Reparationskommisfion viel welker entgegenkommen wolle, als der Reichskanzler Wirth. Man deutet an, dah das namentlich auch bezüglich der votzunehmenden innerdeutschen Matz- nahmen und nicht zuletzt hinsichtlich bet Ausfüh­rung bet von bet Entente geforderten Finanzkon­trolle bet Fall ist. Nun bürfen wir ja freilich nicht, wie bas leibet so vielfach schon geschehen ist, auf bet» artige auswärtige Machenschaften hereinfallen. Sie dienen oft genug bazu, um uns im Innern uneinig unb mürbe zu machen. Aber es kommt zu allem noch hinzu, batz eine ganz auffällige Spannung zwi­schen dem Reichskanzler unb den Soztaldemokraten eingetteten ist und dah die Sozialdemokratie u> plötzlich ihre Aufmerksamkeit und ihr Zntereffe aaf