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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurheffifchej Oberhessen

fieDberbeifildie Zeitung erscheint tetbsmal wöckientliL. Bezugspreis monatlirb

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105 U(l. mit ZusteUungsgebühc. Für ausiallenöe Nummer« infolge Streiks ooer elementarer (Eteigntfie kein Gtiat;. Verlag von Dr. L. Hiuerotd. Druck der Unio.-Buck>druckerei non 3ob. Sua. Äotb, Mar" 21 23. Retnjptetbet 55, Poll» itbetflonto: Nr. 5015 Lmt Frankfurt a. Main.

Mavburg Donnerstag, den 26. Waber «lbhardt.

Ter Anzeigenpreis beträgt für den Sgefp Zeilenmillimeter OjDO Mk- amtliche und ausw. Anzeigen 8.00 Lik. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Bet schwierigem Satz 50°/, Aufschlag. Spät einlaufende oder den Raum über Seite einnehmende zAn- zeiaen werden nach der Textspaltenbreite berechnet. Reklamen die Tol.-Zeile «0.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt Belege werden berechnet. Bei Aus unft durch die Eejchästsslrlle und Vermittlung der Angebote 5.00 Mk. Sondergebühr.

57.

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Der Krieg im Orient. Die Sriehenstonlerem.

Paris, 25. Ott. Nachdem Frankreich, Eng­end und Italien sich über Ort und Termin der Orientkonferenz geeinigt haben, hat Ministerpräsi­dent PoincarS die kemalistische Regierung ver­ständigt. daß Hie- ßdonferenz am 13. November in Lausanne zusammentreten wird. Das amtlich« Einladungsschreiben werde später erfolgen.

Paris, 25. Ott. Die türkische Abordnung, welche die Angora-Regierung auf der Friedens- dnferenz vertreten soll, besteht aus folgenden Mit­gliedern: Mustapha Kemal als Präsident, Culi Sei) als Sachverständiger für Finanzfragen, Sen Adstne Bey als Sachverständiger für die Frage der türkischen Nationalheiligtümer und Hamid Bey, der gegenwärtige Vertreter der Angora-Regierung in Konstantinopel.

Angora und di« Finanzabmachungen.

Paris, 25. Ott. Nach hier eingetroffenen Privatmeldungen aus Konstantinopel hat der Ver­treter der Angora-Regierung, Homid Bey, den verschiedenen Finanzinstituten, darunter auch der L>ttoman-Bank. mitgeteilt, daß die Angora-Regie- lung alle ohne ihre Zustimmung in Kon­stantinopel abgeschlossenen Verträge und Abmachungen für null und nichtig erklärt. Die gleiche Notifizierung wurde der Hohen Pforte und den fremden Regierungen überreicht.

Sie £me In Wen.

Paris, 25. Okt. Nach einer Havasmekdung «us Athen haben der griechisch« Minister des Meutern Poltti s und der serbischeAutzenminister Aintsch i t s ch am 1. November ein« Zusammen- fcnft in ilesküb.

Paris, 25. Okt. DieChicago Tribüne- mek- idet aus A t h e n, dort verlaute, die K e m a l i st e n begännen die christliche Bevölkerung a u s A d a l l a EU vertreiben.

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Dos neue «iglW Minell.

London, 25. Ott. Das neue Kabinett ist gestern abend folgendermaßen gebildet worden: Premierminister Sona« Law, Lordkanzler Viscount Pave, Lordprästdent des Geheimen Rates und stell- '«ertreter Führer des Oberhauses Lord Salisbury, Schatzkanzler Baldwin, Staatssekretär des Innern Bridgeman, Staatssekretär der Kolonien Herzog wn Devonshire, Staatssekretär für Indien Vis- tount Peel, Staatssekretär für auswärtige An- Zelegenheiten Lord Curzon, Staatssekretär des Kriegzamte» Lord Derby, Handelsminister Sir Philipp Lloyd Greame, Erster Lord der Admiralität Ämery, Eesundheitsminister Sir Arthur Boscawe», Landwirtschaftsminister Sir Robert Sanders. Einige Aemter sind noch zu besetzen. Auch die Anterstaatssekretäre sind noch nicht ernannt.

London, 25. Ott. Der politische Bericht­erstatter desDaily New s" schreibt, von unio- «istischer Seite verlaute, daß zahlreiche koalitions- Merale Parlamentsmitglieder sich bereit erklärt .haben, die Regierung Sonar Catos im neuen .Parlament allgemein Unterstützung zu gewähren, mb daß in einem solchen Falle die Konservativen cher Wiederwahl dieser Parlamentsmitglieder sich widersetzen würden. DieTimes" schreibt, der Allgemeine Eindruck des Kabinetts Vonar Laws werde gut sein. Als unvermeidliche Nachteile der «euen Regierung nennt das Blatt eine große Zahl Mitglieder des Oberhauses, die hohe Aemter in der Regierung einnähmen.Daily ßhronicle" schreibt, auf der Frontbank der Opposition würden nur erfahrene Staatsmänner «nd Parlamentarier wie Lloyd George und Churchill fitzen, hinter ihnen Leute wie C h a m- b e r l a i n und H o r n e. Es werde eine große Arbeiterpartei geben und so gefährliche Kämpfer Eie Lord Robert Cecil. Das Blatt fragt, ob bei einer solchen Kombination die neue Regierung die Mehrheit bei den Wahlen erhalten könnte und schließt mit den Worten:Armer Bonar Law!" DieDaily Mail" führt aus: Der Nebel, der die Wablausstchten verhüllt habe- als die Kaolition kusammengebrochen sei, beginne sich zu klären. Es iitige sich, daß die Aussichten des neuen Premier- '«ninisters, eine arbeitsfähige Mehrheit zu erhalten, Keineswegs so groß sei, wie zuerst angenommen wor- ,ken sei. Die NaBon wolle den Geist der Koalitions- sbalitik loswerden, die verlange, daß die nächste Re- i-icrung ein neues Blatt beginne. Es besteht nicht .diel Wahrscheinlichkeit, daß das kommende konser­vative Ministerium dies tue.

In Schottland, besonders in Glasgow, seien Anzeichen einer Auflehnung gegen Bonar Law und seine Regierung vorhanden. Man frage sich, wes- halb Lloyd George überall mit so riesiger Begeiste­rung begrüßt werde und weshalb er im Augenblick seines Sturzes die Liebe der Meng« völlig wieder­gewonnen zu haben scheine, insbesondere unter den stimmberechtigten Frauen. Die Antwort sei nicht zu schwer: Der Lloyd George in der freien, un­abhängigen Lag« sei grundverschieden vgzt dem Lloyd George an der Spitze der Koalition. Seine Irrtümer schienen vergessen. Der einfache Mann der Straße sehe in Lloyd George die Gestalt, die seine Phanatsie anregt und noch immer große Dinge tun könne. Vor den Wahlen könnten selt- lame Wendungen in der politischen Lage eintreten. - London, 25. Okt. Die nationalistische Arbeiterpartei veröffentlicht ein Manifest, das die P o l i t i k der Liberalen und Konservativen innerhalb der Koalition verurteilt und in dem erklärt wird, di? Liberalen treten für Frie­den, Abrüstung im Geiste des Völkerbundes, Rege­lung bet Reparationsfrage und der interalliierten Schuld, energische Herabsetzung der Ausgaben und jeden Verzicht auf eine Politik militärischer Aden teuer sowie für eine Politik des Freihandels und der Reform de: gegenwärtigen Verhältnisse des Grundbesitzes ein.

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Die Revmtionckagk.

Berlin, 25. Okt. Das von den Vertretern des Reichs ausgleiichS amteS mit den Vertretern der alliierten Ausgleichsämter am 21. Oktober unter Vorbehalt der Ratifikation vereinbarte Ab. kommen über die künftige Regelung der Zahlungen im Ausgleichsverfahren hat im wesentlichen folgenden In­halt: Deutschland ist bis zum 10. Juli 1 923 von sämtlichen Barzahlungen im Aus­gleichsverfahren befreit. Zur Begleichung der noch ungedeckten deutschen Debetsalden, deren Um'anq vor­läufig im Wege des Kompromisses auf 21.2 Millionen Pfund Sterling geschätzt wird, verpflichtet sich die deutsche Regierung Schatzanweisungen in Höhe dieses Gesamtbetrages aus zu st eklen, die vom 10. Juli 1923 an bis zum 10. Oktober 1928 in monat­lichen, von 300 000 Pfund allmählich bis 500 000 Pfund ansteigenden Teilbeträgen fällig sind. Tie Schatzanweisungen werden bei der Reichsbank hinter­legt, die als Treuhänder der alliierten Ausgleichsämter die Beträge der Fälligftiten einzieht. Stellt sich hn weiteren Verlauf des Ausgleichsverfahrens heraus, daß das deutsche Gesamtdebetsaldo 24,2 Millionen Pfund Sterling übersteigt, so werden über den Rest­betrag weitere Schatzanweisungen ausgegeben, die vom 10. Nov. 1928 ab in Monatsraten von 500 000 Pfund fällig sind. Erweist sich dagegen der Gesamtbetrag des deutschen Debets als geringer, so werden die zu seiner Deckung nicht erforderlichen Schatzanweisungen Deutschland zurückgegeben und etwa zu viel ge. leistete Barzahlungen in bar zurück er­stattet. Eine Bürgsjchaft für die Schatzan- «weisungen oder eine anderweitige Garantie ist nicht vorgesehen.

DaS Abkommen soll zunächst der Reparationskom- mission mitgeteilt werden. Für den Fall ihres Ein­verständnisses ist eine Frist von sechs Wochen für die Ratifikation der Seiber eifgen Reg erungeu vorgesehen. Ob deutscherseits ratifiziert werden kann, wird davon abhängen, ob die Regelung der Repa­rationsfragen die Möglichkeit der Erfüllung des Ab­kommens offen läßt.

Die Reise der ReparationskommiMon nach Berlin.

Paris, 25. Oft. Havas zufolge sind für den Aufenthalt der Reparationskommission in Berlin 10 Tage vorgesehen. Außer den ersten Delegierten Barthou, Bradbury, Salvago, Raggi Delacroix reisen die zweiten Delegierten sowie der Generalsekretär der Kommission und einige Be­amten, im ganzen etwa 15 Personen, am Sonntag Abend nach Berlin ab.

Die neuen Kohlenförderungen.

Den Blättern zufolge ist vor einiger Zeit Bei der Reichsregiernng eine Note eingetroffen, in der die Reparationskommission eine ©teige« rung der deutschen Kohle nlie fe rungen ver­langt. Die Regierung hat mit Sachverständigen die Note eingehend beraten und will, wie die«Germania" schreib, versuchen, mit den Alliierten zu Verhand­lungen zu kommen, um dabei ihren Standpunft zur Gltung zu bringen. Trotzdem die deutsche Regierung nut mit äußerster Anstrengung imd durch empfind­liche Schädigung der eigenen deutschen Interessen die bisher gemachten Kohlenlieferungen ausführen konnte, foiderr fetzt die Reparationskommission eine Mehr- foidcrtjl i e fe ru n g von über 200000 Tonnen Kohlen monatlich. Sämtliche Blätter erklären die Forderung

für unerfüllbar. Die weiter fortgeschrittene Ent­wertung des deutschen Geldes habe jetzt die Einfuhr englischer Kohle unmöglich gemacht. In den letzten Monaten habe Deutschland für 89 Milliaroen Mark monatlich ausländische Kohle einsührrn müssen. Samstag wird die Regierung erneut mit den Indu­striellen über die Kohlenfrage beraten.

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Die internationalen Finanzsachverständigen in Berlin.

Nach demB. T." sind zur Teilnahme an der Berliner internationalen Finanzsachver­ständiger.-Konferenz le eils Prcfefsor I. M. Keynes aus London, Professor Gustav Cassel aus Stockholm und der Präsident der Niederländischen Bank Vissering in Berlin eingetroffen. Laut

Zeilg." hatte der Reichskanzler heute vormitlag eine längere Unterredung mit Vissering.

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Die Berliner Besprechungen. _

Nach demVorwärts" dienten bei den gestrigen Verhandlungen der . Sozialdemokratie mit der Reichsregierung die Beschlüsse der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraktion vom letzten Dienstag als Grundlage. Als wichtigste Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaftsverhältnisse sei eine planmäßige Aktion zum Schutze bet Mark erforderlich. Zu diesem Zwecke soll ein De­rr s e n f o n d bereitg"stellt werden, um den tatsäch­lichen Bedarf der deutschen Wirtschaft innerhalb ver nächsten drei Monate zu befriedigen. Dafür soll ein Teil des Goldbestandes der Reichsbank in Anspruch genommen werden. Tie Sozial­demokraten sind für die Aufrechterhaltung der Devisenverordnung. Dem weiteren Fallen der Mark könne aber nur Einhalt getan worden, wenn auch die Devisenkontrolle verschärft wird. Um den Kapitalbesitzern Gelegenheit zu geben, ohne in fremde Devisen flüchten zu müssen, ihre Kapitalien gegen Entwertung zu sichern, wird die Ausgabe einer wertbeständigen An­ke i h e durch die Reichsbank verlangt. Neben den eigentlichen Währungspolitischen seien auch finanz- und wirtschaftspolitische Maßnahmen notwendig. In diesem Zusammenhang verlangt die Fraktion erneut beschleunigte Steuereinzieh­ung und Unterbindung der Luxusein­fuhr. Es dürfe nicht zugelassen menen, daß Kar­toffeln und Getreide für die Erzeugung von Trink- hreanntrvein verbraucht werden. Auch die For­derung auf vollständige Erfassung der wichtigsten Lebensmittel wird die Frak­tion erneut der Regierung gegenüber vertreten. Eine endgültige Ordnung und Gesundung unserer Wirtschaft könne nur herbeigeführt werden, wenn die Verhandlungen mit der Reparationskommisfion zu einem günstigen Abschluß führen.

Die Berhandlungen mit den Parteiführern.

Paris 25. Ott. Die vorgestern unter­brochenen Besprechungen des Reichskanzlers mit den Fraktionsführern dürsten schon heute fortgesetzt werden, doch steht der Zeitpunkt zur Stunde noch nicht fest. Jedenfalls ist nicht damit zu rechnen, daß diese Verhandlungen zu einem raschen Ende gelangen und man kann sich vorstellen, daß auch die Besprechungen mit der Reparationskom­miMon und den Sachverständigen des Auslandes noch auf die endgültigen Beschlüsse einwirken.

Beratungen über dir Stabilifiernng der Marl.

Berlin, 25. Okt. Heute nachmittag versam­meln- sich hervorragende deutsche Finanzsachverstän­dige beim Reichskanzler, um die Maßnahmen zur Stabilisierung der Mark unter Hinzuziehung aus­ländischer Sachverständiger zu beraten. Das Be­finden des Reichsfinanzministers Dr. Hermes ist immer noch derart, daß er feine Kur in Kissingen infolge strenger Weisung des Arztes nicht unter­brechen darf. Er wird deshalb von StaatssettetSr Schröder vertreten werden.

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181. Sitzung vom 25. Oktober.

Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Gesetzentzvurf. der den KohlfahrtSminister ermächtigt, neue Bestimmungen über da- Dispensierrecht der homSapathischen Aerzte und über die Bedin- gunaen ,u erlassen, unter denen Aerzten daS Haften von HaitSavotbeken gestattet werden kann.

Nach kurzer Debatte ging die Vorlage an den Ausschuß für Bevölkerungspolitik.

Sodann wich die Besprechung der Großen Anfrage über den Berkaus städtischen HauSbestzeS an Ausländer fortgesetzt.

Abg. DominiruS (Dem.) sieht die Wurzel de» llebels darin, daß der Hausbesitz durch die Wohnung«« Politik unrentabel geworden ist, und beschwett sich darüber, daß Gemeindebeamte, welche gegen den WohnungSver« laus an Ausländer Vorgehen, noch Schwierigkeiten durch ihre Behörde erfahren.

Wohlsahttsminister Hirtsiefer weist diese Be- schweche zurück, da es nicht möglich sei den in Deutsch­land ansässigen Ausländern die international gewähr­leisteten Rechte zu verweigern.

Abg Henni ng (D. Vpt) bezeichnet die bisherige Wohnungspolitik als eine unverschämte und ungerechte Auswucherung des Hausbesitzes. Auch mit der unsozialen Bauabgabe könne das WohnungSeleiü» nicht beseitigt weiden. Redner beantragt Uebenvenung der Anfrage an den Ausschuß für Handel und Gewerbe.

Abg. Ladendorf (Wirtschastspartei) sckli-ßt sich diesem Antrag an und polemisiert gegen die WohnunstS- politik des Ministers. Angesichts der verzweifelten Lege des Hausbesitzes sei es'begreiflich, wenn sie den Ver­suchungen valutastarker Käufer nicht widerständen.

Wohlfahrtsminister Hirtsiefer bestreitet, daß der Hrusoerkaus an Ausländer auf die Wohnungszwangswirt« schäft zurückzusühren sei. Tatsächlich sei der Grund nur die Dollarentwicklung. Er sei nicht einseitig ja -Gunsten der Mieder eingestellt, lehne es aber ent- schnHen ab, der Büttel der Hausbesitzer zu sein Bei freier Mietspr.isfestsltzung irÄien die Mieten schon längst verhundertfacht. Das sei aber unerträglich.

Nack weiteren Bemerkungen der Abg. Hirsch (Sen), Doininicus (Dem.) nnd Kilian (Komm.) wirft die Anfrage dem Siedlungs- und WohnungsbauauSschuß überwiesen.

Es folgen die Großen Anfragen der Sozialdemo­kraten nnd Deutschnationalen zum Fall Stubenrauch.

Aba. Wegscheider lSor.l begründet die sozialistische Interpellation. Es wird darauf hingewissen, daß Han» Stnbenrauch noch immer Primaner des staatlichen Real­gymnasiums in Steglitz sei. obwohl er wiederholt Mord­absichten gegen Rathenau geäußert und Msrdvlänr ent» ttorfen habe. Es wird gefragt, wer die Schuld daran trägt, daß gegen diesen Heinz Stubenrauch nickt einmal im Wege der Schulzucht eingeschritten wirb. Ferner tfenbet er sich gegen die Politisierung der Jugend und kritisiert den Deutschen Jugendbund Bis­marck, den Bund der Aufrechten und den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund. Wenn Scküler und Lebrer sich heute noch der Republik feindlich gegenüberstellen, so liegt das daran, daß sie sich in dieser Haltung sicher suhlen. Dafür trifft den Mini­ster die Verantwortung, der offenbar nickt mit dem nötigen Nachdruck der Politisierung der Schüler entgegen« tritt

Abg. Oelze (Deutsckuss begründet die Interpellation seiner Freunde, welche sich gegen die Aeußernng Febren- bachs ror dem Leipziger Staatsgerichtsbos ncktet. daß der Fall Stubenrauch bezeichnend fei für die Zustände <» manchen Schulen, die geradezu aemeinaefäbrl'ck füt Deutschland zu werden drohten. In Steglitz habe Inn Lehrer und Scküler gewußt, was Stubenrauch in ge­heimen Konventikeln getrieben. Auch müsse die Be-- banvtung zurückgewiesen werden, daß in den höheren Lehranstalten der Staatsgedanke erörtert werde. Seine Partei beantrage. Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren die Zugehörigkeit zu politifchen Vereinen über­haupt zu verbieten

Kultusminister Dr. Boelitz: Seit dem Pro^ß vor dein Staatsgerichtshof hat Stubenrauch die Schule nicht mehr besucht. Solange er sich in Untersuchungshaft be- fanb, lag kein Anlaß vor, ihn von der Anstatt zu verweisen Daß aber ein Schüler, ton dem erwiesen ist, daß er Mordpläne gefaßt oder auch nur geäußert hat, nicht länger auf der Schule bleiben kann, ist selbstverständlich, auch wenn er strafrechtlich nickt zu fassen ist. Zweifellos sind in der Regelung der Ange­legenheit Fehlet gemacht worden. ES wird mit aff<m Nachdruck gegen da» Provinzialschulkolle­gium und den Direktor disziplinarisch ein­geschritten werden. Der BeschlußdesLehrer- kollegiums der Anstalt, der sich gegen die Ver­weisung CtnbenrauchS von der Anstalt, aber für seine stille Entfernung ausgesprochen hat, kommt selbst­verständlich überhaupt nicht in Frage. Ein Schüler, der solche Mordpläne äußert, kann unter keinen Umständen auf der Schule bleiben. (Beifall.) War die deutscknattonale Frage angeht, so kann ein vreußisches Ministerium zu den Aenßerungen eine» Beisitzers Mm Staatsgerichtshof nicht Stellung nehmen. Für die furchtbaren Erscheinungen det Rathenau« Prozesses sind jedenfalls nicht die höheren Schu­len verantwortlich zu machen. Der ster­bende Mfttelstand bringt Existenzen her­vor, die zu Verzweiflungstaten neigen. Solange die Schülervereine unter der Aussicht der Schate standen, konnte die politische Hetze in ihnen nicht gedeihen. Jetzt nach dem Erlaß vom März 1920 ist daS ander» aewocken. Der Staat muß aber in der Lage jetn, Jugendvereine in verbieten, in denen gegen ibn gearbeitet wird. Redner bedauert, daß auch Weg­scheider ihn alS verkappten Monarchisten hinstelle. Jetzt stehe Größeres ans dem Spiel als die Staatsform. Es gehe um den Bestand.

Das Haus tritt sodann in die Besprechung der Inter­pellationen ein.

Abg. Wildermann (Ztr.) polemisiert gegen üt Angriffe bei Abg. Oelze ans den Abg. Fehrenbach und protestiert dagegen, daß Stubenranch uugejHet * Steglitzer Gymnasium bleiben durste.

Abg. Dr. Steffens (D. Vpt)

Rathenanmord, nimmt aber die höheren Lehranstalten