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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifchej Oberhessen

J1L 249

Tie ^Dbetijeifitoe Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 105 Mk. mit Zustellungsgediihr. Zur ausiallenve Nummern iniolge Streiks ooet elementarer Ereigniiie letn Stiatu Verlag non Dr. L. Hinerotb. Druck der Univ^Buchvruckerei von Jod. Aug. Koch, Markt 2123. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Rr. 5015 Amt krranksurt a. Main.

Marburg

Ml, heu 23. ßltohei

Klbharvt.

Der Anzeigenpreis beträgt für den 9gesp. Zeilenmillimeter 6.00 Mk^ amtliche und ausw. Anzeigen 8.00 Mk. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Set schwierigem Satz 50°/o Aufschlag. Spät einlausende oder den Raum über *!., Seite einnehmende An­zeigen werden nach der Textipaltenbreite berechnet. Reklamen die Tol.-Zeile 30.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Auskunft durch die Eeichäftssttll und Vermittlung der Angebote 5.00 Mk. Sondergebühr.

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57. W

1922

Der Krieg im Orient.

Ne WensWrm.

Paris, 22. Olt. Die Vereinbarungen zwischen skonden, Paris und Rom über die Einberufung der prientkonferenz nach Lausanne sind nahezu abgeschlossen. Die Frage der Meerengen soll ge­trennt behandelt und Rußland, Bulgarien and die Ukraine sollen zu diesem Teile der (nt übrigen zwischen Großbritannien, Frankreich, glatten, Japan, Rumänien, Südslawien, Griechen- Jfltib und der Türkei stattfindenden Konferenz mit Ungeladen werden.

Sem SrltgsldraM

< Paris, 21. Okt. Nach einem Bericht aus Thra zicn griffen Türken einen Transport griechischer Flüchtlinge in der Gegend von Hairobolou an. ts wurden mehrere Personen getötet.

Paris» 23. Okt. Nach einer vom ,Lournal des kebats" veröfsentlichteib Meldung aus Saloniki läuft dort das Gerücht um,, von einer Zusammenziehung jugostawischer Truppen in der Nähe der griechifch- dilgarischen Grenze.

Die Lage in Men.

London, 21. Okt. Aus Athen wird vom 20. Oktober gemeldet: Die Kommission zur Untersuchung der Frage der Verantwortlichkeit für die letzten Er­eignisse hat ihre Arbeiten begonnen. Ein gesetzliches Dekret, das im Amtsblatt veröffentlicht wird, ver­leiht ihr sehr auSged« hnteMachtbefugnissc.

Sofia, 21. Okt. Nansen reiste gestern nach zweitägigem Aufeenchalt in Sofia nach Athen ab. Vor seiner Abreise wurde er vom König in Audienz empfangen. Gelegentlich des Empfangs bulgarischer Journalisten-erklürtr^Nansen, daß die Lage in Kvn- ßantinopel, ohne beunruhigend zu sein, nicht als günstig bezeichnet werden könne. Unter der grie­chischen und armenischen Bevölkerung herrsche heilloser Schrecken. Die Lage in Thrazien fand er au her- »rdentlich kritisch. Die Griechen und Armenier Krömtcn in sehr großer ZaP regellos nach Rodosto »nd Silivria in der Erwartung eines Schiffes. Tic Bemühungen der alliierten Offiziere, die Ruhe wieder herzustellen, seien vergeblich gewesen. Die Aufgabe Laufens besteht darin, die Frage der Flüchtlinge les türkisch-griechischen Krieges zu regeln und ihre Abreise und Ernährung zu organisieren, um sie vor km Verhungern zu retten. Bulgarien bewilligte zu diesem Zweck tausend Tonnen Getreide, doch ist das kiend groß. 500000 Auswanderer aus Kleinasien nb Thrazien warten auf Hilfe. Um zwischen der Türkei und Griechenland die'Frag« der Flüchtlinge Pi ordnen, wird Nansen sich nach seinem Athener Aufenthalt naky Brnssa begeben, wo er mit Mustapha temal zusammentreffen wird. Bei diesem wird er ßch ebenfalls für die bulgarischen Flüchtlinge und ihre kuckk.hr in die Heimat verwenden.

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Sie Stile in GsiM.

London, 22. Okt. Der Arbeiterführer fC r y n e s sagte in einer Rede in Bristol, das An­sehen der A r b e i t e r p a r t e i sei noch niemals so fUrotz gewesen und die Furcht ihrer Gegner noch nie- »als so stark wie jetzt. Die Arbeiterschaft selbst «bete nunmehr in den Wettebwerb um die Re- Oi erungsgewalt ein.

! London, 22. Okt. Der ehemalige liberale kchatzkanzler, der bekannte City-Bankier Mac lenna, erklärte einem Berichterstatter desSun- M Herald", daß nach seiner Ansicht BonarLaw chri den Parlamentswahlen als Kondidat der City jtaf treten werden.

i London, 21. Okt. Der Parlaments- Berichterstatter derTimes" schreibt, vier heiler der neuen Regierung könnten mit Sicherheit hycichnet werden. Dies seien Bonar Law, Turzon, Lord Derby und Salisbury, ßie auswärtige Politik werde zweifellos aufrecht tchalten und die Stärkung der Entente mit Frank- krich zur Grundlage haben. Die Regierung werde £od) ihre weiteren Verpflichtungen im Auslande schränken, wo es ohne Aufgabe von Rechten oder le Prestigeoerlust möglich sei.

London, 21. Okt. DieTime s" schreibt in Ahrem Leitartikel, die neue Regierung müsse das Wien, was noch von den Ergebnissen des Sieges Mriggeblieben fei, und die Politik des britischen Reiches auf dieser Grundlage führen. Der nächste Verbündete Englands sei Frankreich ge­wesen. England müsse, da er mit Frankreich den Rrieg gewonnen habe, auch mit Frankreich den Sieg Mvinnen. Deutschland und seine Nachbar- tinder befänden sich in einer ernsten Wirtfchafts- Nie, deren Auswirkung weit über Europas Gren­

zen hinaus gespürt würden. Wenn Europas selb­ständige politische und wirtschaftliche Einheit wie­derhergestellt werden solle, so könne dies nur ge­schehen durch eine vereinte Aktion Eng­lands und Frankreichs.

Ein« Red« Lloyd Georges.

London, 21. Okt. Lloyd George erklärte in einer Rede vor der Versammlung der Koalitions­liberalen in Leeds, in der er die Politik seiner Regierung im Kriege, beim und nach dem Friedens- fchluh rechtfertigte und das Land vor den Gefahren einer extremkonservativen Regierung warnte, u. a.: Im Carlton-Club wurde das Banner der Partei­kämpfe gehißt. Die Kombination, die zum Siege im Kriege verhalf und die aus den Schwierigkeiten heraus allmählich, aber sicher zum Frieden führte, ist beendet, weil die Partei nicht genug dabei her­ausschlagen konnte. Das englische Volk mutz ent­scheiden, ob die Partei oder die Nation an erster Stelle kommt. Ich trete für das Volk ein. Ich arbeitete nie so schwer wie in den letzten sechs Jahren. Jetzt habe ich mehr Zeit, da ich zu den Er­werbslosen gehöre. Ich bin bereit, das Volk ent­scheiden zu lassen, ob ich ihm gut gedient habe oder nicht. Im Kriege hat die Regierung alles getan, was sie tun konnte, wenn die Heimat den Mut ver­liert, so wiederspiegelt sich das Bild auf dem Schlachtfelde. Das, wasim Znlande gesagt wird.wirktaufdieSoldatenimFelbe zurück. Dies ist einer der Gründe, wes­halb Deut sch land zusammmengebro- ch e n i st. Die Deutschen waren tapfere Soldaten, das mutz anerkannt werden,' aber die deutschen Sol­daten haben Berichte über Hunger, Entbehrung und Elend zu Hause erhalten. Das hat ihren Geist und ihren Mu. untergraben. Es war von vitaler Be­deutung für die englischen Minister, den Geist zu erhalten, welcher dem Frieden den Weg ebnete. Die Regierung hat im Kriege ihr Bestes getan, um die Einigkeit im Lande und unter den Streitkräften zu fördern. Lloyd George erklärte sodann, auch im Frieden habe er etwas geleistet. Der Vertrag von Versailles sei heute die Freiheits­urkunde für Millionen von Menschen geworden. Die ersten Bestimmungen des Versailler Vertrages hätten den Völkerbund errichtet. Eine Militärdienstpflicht in Mitteleuropa bestehe nicht mehr. Das Riesenheer, wohl das größte in der Welt, daß den Horizont in Europa wie eine Ge­witterwolke verdunkelt habe und Europa unter­wühlte, sei verschwunden. Obwohl Europa noch nicht ganz von den Lasten der Rüstungen befreit sei, so sei doch der Versailler Friedensvertrag der erste Att in dem großen Drama des Friedens. Die De­mokratien der anderen Länder würden nicht fort­fahren, die Lasten der großen Rüstungen zu tragen, wenn sie Mitteleuropa von diesem Drucke befreit sehen. Wenn der Vertrag von Vek'sailles auch Unvollkommenheiten und Kompromisse ent­halte, die unvermeidlich seien, weil man so viele Raffen und Nationen berücksichtigen mußte, so sei er doch ein großes menschliches Dokument, das 'in seinen Wirkungen reichen Gewinn bringen werde, nicht nur für Europa, sondern auch für die Menschlichen Rassen der gesamten Welt. In der Industrie herrsche jetzt Frieden. Wenn hier die Lag-« nicht sorgfältig angefaßt worden wäre, hätte alles Mögliche geschehen können. Die Regierung habe die Wiederherstellung des nationalen Kredites in die- Hand genommen, und England bleibe das einzige Land in Europa, das sein Budget vollkommen aus­gleiche. England beginne eben, dem Dollar auf gleichem Fuße ins Auge zu sehen, und England werde den Geldmarkt der Welt wieder gewinnen. Der englische Kredit sei so gut wie je und bester: England sei wieder hochgekommen. Dies sei in großem Maße der Staatskunst von Män­nern wie Chamberlain und Horne zu ver­danken. Die Zerstörung der Kombination, die den Handel und den Kredit Englands in der ganzen Welt wieder hochbrachte, sei ein Verbrechen gegen die Nation. Wenn Balfour nicht zu einem Rüstungsabkommen mit den Vereinigten Staaten gelangt wäre, so wäre ein Rüstungswettbewerb ent­standen und mit ihm eine riesige Vermehrung der Steuern, die erdrückend geworden wäre.. Die Re­gierung beschloß den Frieden mit der irischen Raste. Seine Anschauungen seien demokratisch und fort­schrittlich, das finde jedoch bei gewisten Leuten keinen Anklang. Bonar Law habe sich in die Lage eines Reiters gebracht, der das Pferd nicht am Zügel, sondern am Schwanz halte. Alle er­fahrenen Männer seien der Ansicht, daß, bis die Na­tion die Schwierigkeiten überwunden habe, es bester sei, daß alle stetigen Männer ohne Unterschied der Parteifärbung Zusammenhalten müßten, bis die Schwierigkeiten vorüber sind. Das Zusammenhalten sei jetzt vorsätzlich beendet, trotz des Rates aller

jener großen Männer wie Balfour, Chamberlain und Horne. Die reaktionären Meuterer, die im Carltonclub dominierten, würden, wenn sie bei den Wahlen die Stimmenmehrheit erhielten, und er s ei ernstlich besorgt wegen des Ergeb­nisses der Wahlen, wenn sie erst einmal bester im Sattel säßen, ohne Rücksicht darauf, was sie vor den Wahlen sagten, ihr extremes Pro­gramm durchführen wollen. Dies würde zu einer Stärkung der auf den Umsturz gerichteten Elemente führen und könnte katastrophale Folgen nach sich ziehen. Lloyd George schloß, er trete stets für einen geordneten Fortschritt ein und verspreche dem eng­lischen Volke, daß er keine Rolle sipelen werde, die des Vertrauens, das in ihm gesetzt worden sei, un­würdig fei.

Sie NkMülionOW.

Paris, 21. Ort. Der Plan Barthous, der gestern her Reparationskommission voratlegt wurde, wird von heute mittag ab, wo die osfiziöfeu Sitzungen der Mitglieder der Reparationskommission beginnen, geprüft werden. Man glaubt nicht, daß vor Mitte nächster Woche eine Entscheidung getroffen werden kann.

Soweit die Morgenpresse schon Stellung zu dem Plane nehmen kann, findet er, da es sich meistens um regieruilgs- und rechtsstehende Blätter handelt, rückhaltlose Zustimmung.

TosEcho de Paris" sagt. Zur gegenwär­tigen Stunde uird angesichts der Lage Teutschlands bliebe dem Gläubigerstaat ja doch nichts anderes übrig, als Pfänder zu erheischen und das Rh einufer für die Reparationen zu organisieren.

De:Petit P o r i s i e n" sagt, die vorgeschla- gegen Maßnahmen gestatteten in erster Linie, eine effektiv« Ko>ttr»Le über bte deutschen Finanzen auf- zuricbten. Anstatt, wie heute, sich mit dec Rolle des Beraters zu begnügen, würde dieses interalliierte Komitee das Recht haben, der deutschen Fi- nanzverwaltung Befehlezuerreileu: an» dererseits, wenn diese Kontrolle einmal organisiert sei, werde sie zur Hauptaufgabe haben, die Repara­tionszahlungen mit den tatsächlichen Mitieln Deusch- lands zu organisieren. Mit anderen Worten, die strenge Kontrolle, die Frankreich verlange, wolle daß die Ausgaben Deutschlands in ein Verhältnis zu seiner augenblicklichen Kraft gebracht werden.

Paris, 22. Okt. Der diplomatische Mitarbeeiter .der Agentur Havas teilt mit, daß Bradbury im Laufe der letzten Vormittagssitzung der Reparatious- kommissiou an dem französischen Plan eine all­gemeine Kritik geübt habe. Die englischen Haupt k'nwendungen richteten sich gegen die Befugnisse, die der französische Plan dem Garantieausschuß geben wolle und die England als dem Zahlungsplan vom 26 Ma: widerstreitend betrachte, da dieser dem Aus­schuß nicht gestatte, sich in die deutschen Verhältnisse einzumischen. Die Besprechung über diese Einwen­dungen sowie die Abschätzung der deutschen Zahlungs­fähigkeit und di« Beratung der empfohlenen Kontroll­maßnahmen werden am Montag fottgcsetzt.

London, 21. Okt. Der Pariser Sonderbericht- erstatter derDaily C h r o n i c l e" schreibt, daß der neue französische Plan zur Wiederherstel­lung der deutschen Finanzen in britischen Kreisen in Paris als unmöglich angesehen werde. Es werde gesagt, daß diese Vorschl^e. die eine alliierte Einmischung in die deutschen Finanzen unfc deutschen Regierungsbefugnisse bedeute, allen bisherigen Vereinbarungen zuwiderlaufen und die Ueber.iahme der Verwaltung der deutschen Finanzen durch die Alliierten bedeuten würde.

Der Pariser Sonderberichterstatter desDaily H er ald" ermattet unverzüglich den Rücktritt B r ad- bur y s von seinem Posten in der Reparations­kommission als Folge der Antwort der französi­schen Regierung auf seinen Vorschlag, Deutschland ein Moratorium zu gewähren. Bcadbury sei überzeugt, daß die Ablehnung seines Vorschlags und die Annahme bvt französischen Gegenvorschläge so katastrophale Fol­gen für ganz Europa haben würde, daß er sich ver- pflichtet fühle, nachdrücklich jedeVerantwottung für das, was dadurch bewirkt würde, abzulehnen.

Wik rönnen nicht Mn.

Rom, 22. Okt. DieFranks. Nachr." erfahren von ihren Korrespondenten"Giornale d'Italia" bringt als Leüattikel ein Interview seines Sonder- korresvondeiiten E aburi mit dem Reichskanzler Dr. Wirth. Der Wett des Interviews liegt darin, daß Dr. Witth deullich aussprach, Deutschland können icht und werdenichtmehrbezahlen. Dr. Witth fühtte mit der ausdrücklichen Bitte um Veröffentlichung folgendes aus: Die Bekanntgabe des Romberg-Dokuments war eine moralische Pflicht, da Poincare mit feinen fortgesetzten Anklagereden die Wahrheit herausforderte. Ebenso falsch seien seine

Behauptungen über den künstlichen Markstnrz Die riesige Ausgabe von Papiergeld sei nicht di» Urlache, sondern die Folge des Mark-ZusammenbruchS. Fitzt haben wir feinen Pfennig mehr", sagte Witth, alle Quellen sind erschöpft. Der Winter stehl v«l der Tür und es ist kaum genügend Brot bit Jahresende vorhanden. Daher werden wir allen Tro. Hungen gegenüber ruhig antwonen: Zuerst 8rot, daun Reparation. Uebrigens wissen die Mächte genau, daß wir nicht mehr in der Lage sind, zu zahlen. Europa ist das Opfer einer Verrücktheit geworden^ denn es ist Wahnsinn, von einem einzigen Volke z« verlangen, daß es die Lasten eines Weltkrieges trage» soll. Ter Frieden, den wir von den verschiedenen Kon­ferenzen erwartet hatten, ist immer noch nicht da. Tie Lösung des Reparationsproblems muß von Ge­schäftsleuten und Industriellen gefunden werden. Nach Brüssel gehen wir, wenn wir ringeladett werden, aber wir erllären, nicht zahlen zu kön­ne n Tie Möglichkeit einer Rechtsrevolution erklärte Dr Witth für ausgeschlossen, da die Republik auf solider Basis ruhe, dagegen bestehe die Gefahr einex Revolution im wirtschaftlichen Sinn«, hrevorgerufen durch den Hunger.

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Rm imWWe öMMWN.

Die Reichstagstagung ist müder in eine Span« nungStoelk geraten, deren Ausläufer sich noch nicht mit Sicherheit erkennen lassen. In der Frage her Präsident» fckaftswahl war der ktttische Punkt überwunsen, als die Sozialdemokratie den guten und fachlichen Gründen der Deutschen Volkspartei nachgab und lich mit einer <<et» schicbung der Wahl einv rfianden erklärte. Trotzt-em ist gerade aus dieser Frage ganz unerwartet ein v.-: z 3»an» nungsmrment erwachsen. Ob die Regierune. . V ei sehr glücklich, verfahren ist, erscheint uns einigermaßen srag» lich. Die K.uicde von einem neuen Attentat, die sie End« voriger Woche in die Oefsentlichkeir warf, hat den Aus­einandersetzungen über die Präsioentschallstvah! eine un­verkennbare Schütte gegeben. Deshalb hätte man eS sich an führender Stelle überlegen iollen ob es wohl angebracht war. Andeutungen in du' Oesicntlichkeit zu werfen, für die sich bisher eine wirklich greifbare Unter­lage noch nicht ergeben zu haben scheint. Man braudjt die Haltung nicht zu vertreten, die der Abgeordnede Hergt in Sachen der Präsidentschastswahl angenommen hat und man wird doch finden, daß die Art und Weise, toi« der Reichskanzler die ganze Angelegenheit ang-'kaßt hat. leider nicht zur Beruhigung der Parteileidenkchaft und der ölsentlichen Meinung beigetragen hat. In der schweren Zeit, die vor uns liegt, darf die politik.be Lag« nicht unnötig durch die Nervosität führender rionlidj feite» aus dem Gleichgewicht gebracht werden

Der Reichstag und der Preußische Landtag sollen 11 dieser Woche wieder eine Pause machen. Die Erregung, di« in den Parlamenten erweckt worden ist. wird aber leider weiter wirken. Im Preußischen Landtag hat di« Aussprache über die kommunistischen Ausschreitungen ein Schlaglicht auf außerordentlich ernste und drohende Ge­fahren unseres inncrrolitischen Lebens geworfen. Die par­lamentarische Aussprache brachte kein Heilmittel und wir müssen wohl darauf gefaßt sein, daß die kommri- niftifdje Bewegung weitere Erschütterungen versucht, na­mentlich wenn ibr durch die Lage günstiger Boden be­reitet wird.

Bei der verzweifelten Lage, in der wir uns politisch wie wirtschaftlich befinden, müssen alle innerpolitischeu Schwiettgkeiten auf das Ausland zurückwirken und letzte» Endes sich im Dollarkurs ausdrücken, was sie am SamS- tag denn auch schon getan haben. Man flieht vor deut Zahlungsmittel eines Landes, dem man nicht vettraue» kann, man flieht draußen und drinnen, wie die sprung- basten Kurserhöhungcu und die Umsätze an oer Börse zeigen.

Was bis jetzt über die Attentatsvläne an greif­baren Nachrichten vorliegt, ist sehr dünn. Daß es trotz­dem von der sensationslüsternen Presse der Linken bereit! $u dicken Ueberschristen und den tollsten Betrachtungen über Mörderzentralen der Rechten benutzt wird, ist selbst­verständlich. ebenso wie daß Parteien der Rechten dir bisher doch wahrlich nicht nachgewiesenen Dinge ja man glaubt es nicht an die Rockschöße gehängt werden. Man darf jedenfalls gespannt sein, auf das Material nicht sofort herauszugeben: jeher Mann, gleichviel welcher Parteü hat ein Interesse an einer nicht durch Attentats- und Putschatmosphären gestörten Entwickelung. Es ist am einsachsteu die Geister durch Anrufen zu beschwören.

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Die gtltinnisootafflientalsplöne eii iti Mslwrln.

Berlin, 22. Okt. Zu dem geplanten Attentat gegen den Reichskanzler berichten die Morgenblätrrr. daß Oberreichsanwalt Dr. Ebermaher, der gestern in Berlin eingetroffen ist, die Leitung der Untersuchung in die Hand genommen hat. Der in Hagen Verhaktet« ist auch vom Oberreichsanwalt vernommen worden, wobei er die Angabe wiederholte, daß er von anderen Persoiceu zur Ausführung eines Attentats auf den Reichskanzler angestistet worden sei. Die Beamten der pol-ikc^n Polizei sind noch mit der Prüfung dieser Angabe be­schäftigt, die keineswegs zweifelsfrei

Der Oberreichsanwalt, der nach Informationen Der<* Mg. Zeitung" hauptsächlich zur Teilnahme an der Ta-