Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberhessen
Ur. 244
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57. MU
1922
Der Krieg im Orient
Unterzeichnung des Mndania-Abkommens durch Griechenland.
Paris, 16. Ott. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der griechische Vertreter Simapulo hat das Protokoll von Mudania unterzeichnet cnb dabei die Erklärung abgegeben: „In dem Wunsche, sich der Entscheidung der Mächte zu fügen, sicht die griechische Regierung die Notwendigkeit rin. dog sie sich beugen muffe." Die alliierten Kom- «iffare haben dem Vertreter der Angora-Regierung die griechische Anerkennung des Mudania-Abkom- »ens übermittelt.
Angora, 15. Ott. Die Nationalversammlung hat A s s i m Bey zum Gouverneur von E i l l i- poli, Ihsap Bey zum Gouverneur von Ro- dosto, Tewfik Bey zum Gouverneur von Kirklisse und Rifaat Bey zum Direktor der Polizei in Konstantinopel ernannt. Die ersten Streitkräfte der Gendarmerie in Stärke von 2500 Mann, werden unverzüglich nach Thrazien abgehen. Im Ganzen sind 8000 Mann vorgesehen.
Nach einer weiteren Meldung der „Chicago Tridune" aus Athen hat V e n i s e l o s von London tus dem Kabinett mitgeteilt, er habe sich an die amerikanische Regierung gewandt, um eiue Erleichterung der Einwande-
. rungsbestimmungen für Griechen au einige Monate zu erzielen. Die Vereinigten Staa- trn sollen mehr als eine Million griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien, Thrazien und Konstantinopel aufnehmen, die in Griechenland nicht untergebracht »erden können.
Beschleunigung der Friedenskonferenz.
; «P aris , 16. Ott. Dem „Figaro" zufolge wird der Zusammentritt der Friedenskonferenz au: 6ru:ü) der von den alliierten Mächten mit Angora geführten Verhandlungen so beschleunigt werden, daß die Eröffnungssitzung noch in der ersten No- remberwoche zu erwarten ist. Ueber den Sitz der Konferenz ist noch nichts bestimmt. Einigkeit besteht augenblicklich darin, daß der erste Teil der Konferenz möglicherweise während der Dauer von 14 Tagen streng geheim gehalten werden sollen und daß in dieser Zeit auch keine offiziellen Berichte über den Gang der Verhandlungen aus- ßegeben werden.
Paris. 16. Ott. Der in Toulon angekommene Franklin Bouillon hat einem Berichterstatter des „Statin“ erklärt, daß die Haltung Frankreichs in der Türkei überall größten Enthusiasmus ausgelöst Hobe. Ueber die Rede Lloyd Georges und den Er- ^9 seiner diplomatischen Mission äußerte er sich: Frankreich allein verdankt es die Welt, daß ein Abkommen ^ustkkndegekommen ist, das den Frieden sichert. Frankreich allein hat es verstanden, mit der Türkei zu verhandeln.
London, 16. Okt. Die „Times" berichtet aus Kairo, es werde offiziell bestätigt, daß A e g y p t e n die Forderung gestellt habe, auf der kommenden F r i e d e n s k o nf e r e n z vertreten zu sein, da sich diese Konferenz mit Fragen befaffen werde, an denen Aegypten interessiert sei. Die ägyptische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß Aegypten eks unabhängiger und souveräner Staat zur direkten Vertretung berechtigt sei.
Französisch-russische Annäherung.
Paris, 15. Okt. Abg. Herriot, der heute vormittag in Lyon eintraf, erklärte dem Straß- dvrger Korrespondenten des „Petit Parisien", di« ?•? England in der Frage der Meerengen «folgte Politik bedeute für Rußland die drößte Bedrohung Nachdem die Ruffen Keva! und Riga verloren hätten, hätten sie »vr einen Zugang zum Meer, nämlich Konstan- «nopel, wenn sie nicht von der übrigen Welt iso- «nt werden wollten. Die Freiheit der Meerengen p also für Europa unerläßlich. Die franzöfischen I n r e r e s s e n in dieser Angelegenheit seien * eseIben wie die russischen.
Som MgrschauM.
Paris, 16. Okt. Der Berichterstatter der Chicago Tribüne“ in Adrianopel meldet, daß die »riecken gestern Abend ihre Artillerie nach ^aragatsch geschafft und versichert hätten, sie leiteten die Bombardierung Adria- *30eis vor, falls die Türken Christen nieder- *otzelten. Infolge dieser Drohung habe man sich "müht, die Ankunft der französischen Ka- ?°llerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu schleunigen. Untersuchungen in den brennenden Täfern hätten ergeben, daß die Ortschaften von j*» Griechen bei der Räumung in Brand gesteckt «»rden seien.
Nach dem Berichterstatter wird die Zahl der aus Thrazien ausziehenden Flüchtlinge aus 200 000 geschätzt, abgesehen von den 50 000 griechischen Soldaten Die griechischen Truppen sind nach seiner Darstellung völlig disziplinlos..
Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Tfchataltscha sollte eine Abteilung französischer Spahts, die in dem vorgeschobenen Posten Kabakodsch stationiert ist, geifern nach Adrianopel befördert werden. Sie werde in fünf Tagen dort Eintreffen und den Rückzug der griechischen Truppen überwachen. Ein ena- lisches Bataillon werde mit der Eisenbahn nach der Gegend von Adrianopel geschafft werden. Die Griechen hätten die Eisenbahnsttecke von Mais zur Verteidigung ausgebaut und legten alle paar Kilometer weit stark befestigte Punkte an.
Paris. 16. Ott „Petit Parisien" erfährt aus autorisierter Quelle, daß die alliierten Generäle mit dem Kommandanten der griechischen Truppen in Thrazien. General Rieder, in Rodosto verbandelt haben, und daß ein Einverständnis über die Bestimmungen der Räumung Thraziens mit den griechischen Truppen erzielt worden sei.
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Die M in EnglM.
fianbo n, 16. Okt „Evening Retos" jtt’ofae g:n,i brüte Nochmittap das Gerecht um. daß die Einbeit be nniomsthchen Portei ernstlich b.brohl lei Von Mas; gebender Seite wurde mitgeteilt, daß Chamberlain am nächsten Donnerstag dafür einte'ten werde, daß bir Regierung vor das Land als Koalitionsreginmng treten solle. Es sei äußerst zweifelhaft. daß auch nur.ftc geringste Einigkeit darüber erzielt werde, und es werd? für Möglich gehalten, daß Chamberlain die Führ.<ng der Pariei niederlege. Sollte sich diese Voravssane be stätigen. so stehe die Möglichkeit einer sofortigen Bildung einer Zentrumspartei mit Lloyd George, Chomberlcin. Winston Churchill und Sir Robert James als Führer bevor.
Am Donnerstag wird eine wichtige Konferenz t..i unionistischen Minister und Parlamentsmitglieder im Carltonklub abgehalten. Alle unionistischen Re gierungsmitglieder werden zur Teilnahme aufgesordert. desgleichen über 550 unionistische Parlamentsmitglieder Chamberlain wird, wie die Blätter melden, eine Er klärung über die politische Lage abgegeben, und es wird eine Abstimmung über die Politik der Partei hei den bevorstehenden Neuwahlen vorgenommen werden. D-e Ich resverfammlung der unionistischen Verbände wird, wie vereinbart, am 15. November stattfinden. Llovd George wird seine nächste politische Rede am Sonnabend in New castle Halle».
Stockholm, 16 Ott. „Stockholm D'gblad" führt aus: Die Rede des englischen Ministerpräsidenten hat, soweit sie aus die Politik des ehemaligen englischen Ministers des Aeußern Grey im Hochsommer 1914 anspie'! eine welthistorische Bedeutung, weil in ibr ein deutlichee Eingeständnis der englischen Mitschuld am Kriege liegt. Die Politik, die 1914 Deutschland in Unkenntnis bet Hal- tung Englands getrteben bat. war eine GeduldSprolie gewesen. D sbalb brach der Krieg in vollen Flammen aus. Es bedurfte erst einer innerpolitischen Erplosivn in England, damit dies Eingeständnis einmal gemach: worden ist. Aber nun ist cs gemacht,,die Menschheit, die im Versailler Frieden die Ursache der langen Leidenszeit erkannt hat. hat nun einen Grund mehr, die Revision des schändlichen Machwerkes za verlangen, das Deutschland allein die Schul» auferlegt, nachdem jetzt die Entente elber durch einen ihrer ersten Vertreter einen sehr großen Anteil an der Verantwortung am Kriege aus sich genommen hat
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3er Mail 6ts UtiMOieette.
Berlin, 16. Okt. In der gestrigen Nachmit- iagssitzung des Neichsausschuffes der Zentrumspartei wurde zunächst weiter über die Organi- ations- und Preffefragen verhandelt, wobei auch Ministerpräsident a. D. Stegerwald das Wort et- griff. Weiter besprach man den Programmaufrus der Partei, der seinerzeit bei der Bildung der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft erlaffen worden ist. Das Hauptinteresse beanspruchte jedoch eine mehr als halbstündige Rede des Reichskanzlers Dr. Wirth, der einen lleberblick über die Politik in den letzten Wochen gab und sodann auf die bevorstehende Neichspräsidentenwahl hinwies. Er stellte als Hauptforderung auf, daß der Deutsche sich bei der kommenden Wahl nicht in parteipolitischem Kampfe zerfleischen dürfe, sondern nach Möglichkeit die Einheit gewahrt werde. Nach der Rede des Reichskanzlers wurde in die Beratung der Frage der Präsidentenwahl eingetreten, die jedoch noch nicht zu einem Abschluß kam. Immerhin scheint es, als ob auch im Zentrum die Meinung für die Verschiebung der Wahl um 2 Jahre immer mehr an Boden gewinnt.
Berlin, 16. Okt. Heute vormittag fand eine Besprechung der Fraktlonsführer der Koalitionspar-
teien, dec Deutschen Volkspartei und der Bayerischen ‘Soffspartet beim Reichskanzler über die Wahl des Reichspräsidenten statt. An der Sitzung nahmen auch Vizekanzler Bauer, der Reichsmintiter des Innern Köster uno ReichStagsprästdent Löbe teil. Der Vertreter der Deutschen Volkspartei, Stresemann, machte in längeren Ausführungen die Bedenken geltend, die seine Bartet gegen die Vornahme der Wahl an dem vorgesehenen Termin hat. Die Vertreter der übrigen in der Sitzung anwesenden bürgerlichen Parteien schlossen stch entipredienb ihrer Stellungnahme in früheren Beratungen des Gegenstandes diesen Bedenken an. die zurück zustellen sie sich nur bereit erklärten. wenn eine Verschiebung der Wahl aus verfassungsmäßigen Gründen unmöglich wäre. Der Vertreter der Sozialdemokratie lehnte es namens seiner triaftton ab, dem Vorschlag auf Verschiebung der Wahl und damit einer Verlängerung der provisorischen Stellung des Reichspräsidenten zuznstimmen. Seine Partei sei nach wie vor für die Vornahme der Wahi an dem vorg^,ebenen Terntin. Nur ein versa i s u n g s m ä ß i g e s Gesetz, das die provisorische Stellung des Reichspräsidenten in ein verfassungs- mä'iges Tefinitivum umwandle, könne, da die Cntlchetvnng dem Reichstag zustehe, die Lage ändern.
Aus dem Reichsrat.
Beriin, 16. Okt. Der amtliche preutzifche Prcsie- diensl schreibt: Dte preußische Regierung beantragte beim Reichsrat die Erhöhung des Preises für das U in i o g c g r t r e 15 e an die Landwirte in Form von Chilesalpeter auszuzahlen. Das Reich soll die Sliclstoisounaer von, Ausland beziehen, wo er in Form von Chilesalpeter in fast unbeschränkter Menge iur Versuvgng stebe. Rach dem Vorschlag würde dadurch schon die 1923er Ernte nm 3 bis 4 Millionen Tonnen Getreide -rhöht. Nur dieser Weg dürfe nach der Begründung des preußischen Antrages eine Verbilligung des Brotpretses für die nächste Zukunft ermöglichen.
Berlin, 16 Okt. Der Neicbsrat bat beute u. a. den vierten Nachtragsetat für das Jahr 1922. der zu nächst im Lause des SotnmerS und Herbstes gewährte T e » e r.'t n gs z u sch l g g e legalisieren sott, angenommen und die Krediiermücbiianng für den Reichsfinanzminister itnt 120 Milliarden Mart erhöbt, die zum überwiegenden Teile wegen etuhlungen ans dem Friedensvertrage nötig sind Während aus Grund des Moratoriums vom 21. März 1922 7.M Millionen Goldmark an Barzahlungen und 1450 Millionen in Sachleistungen zu bewirken waren, die nach dnn Umrechnnngsverhältnis von 1 zu 70 zusammen 151.9 Papiermilliard-n ausmachten, muß btute ein Umrechnnngsverbättnis von 1 zu 700 zu- grundegelegt werden, wodurch die Ansätze stch auf 1519 Paviermilliarden erhöhen. Wie der Berichterstatter bervorbob, sind das Forderungen, die jedes vernünftige Maß übersteigen und denen man eigentlich nut noch fassungslos gegenttberstehen kann. Ein weiterer Kredit von 120 Milliarden ist für die ReichSgetreide stelle zur Bezahlung des UmiagegeireioeS nnd des ausländischen Getreides vorgesehen, wird jedoch durch die späteren Verlause wieder einkommen. Die bisherigen Rentensätze für K r t e g ö i n v a l i d c n sollen verdoppelt werden. Gegen die Stimmen Sachsens, sowie der drei Hansastädte wurde ferner eine Regierungsvorlage über Die Verminderung der Lasten des Reiches aus der Gesetzgebung über die Entschädigung im Aus- aleichsverfahern aus Anlaß des Vertrages von Versailles angenommen. Der Reichsrat erklärte sich wei tcrhin mit einem Gesetzentwürfe einverstanden, wonach der Betrag des nnpfändbaren Lohns auf 100 000 und die weitere bewegliche Grenze auf 300 000 Jt erhöbt werden. Tie Regierung fall ermächtigt werden, zukünftig Erhöhungen im Verordnungswege vorzu- nehmen. Angenommen wurde fclstießiich ein Gesetz, wonach die Gebühren und Tagegelder für Zeugen und Sacktversländige erhöht werden.
Frankfurt a. M., 16. Oft. Tie Hauptfürforge- üeffe für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene der Rhcinprovtnz teilt mit: Dem Reichsrat liegt zur- ’elt eme Vorlage der Retchsregterung vor, dte nach dem Gesetz über Teuerungsmaßnahmen für Mtlitür- rentner zu zahlenden Beträge mit Wirkung vom 1. Oktober ab um zwei Drittel der bisher gezahlten Sätze zu erhöhen. Danach erhalten an Teuerungszuschuß: etn voller Erwerbsunfähiger, der nur auf die Rente angewiesen ist. stait bisher 2400 M jetzt 4000 ,H monatlich. Der Kinderzufchlag erhöbt stch von 525 Ji auf 900 di? Zulage für die erwerbsunfähige Witwe von 1800 M auf 3000 M und für die vaterlose Waise von 600 auf 1000 M. Die Sätze für die anderen Kategorien der Bezieher von Teuerungszulagen sind enifpre»end erhöht. — Weiter fallen die Teuerungszulagen nach § 87 des Reichsverforgungs- gesetzes für alle Kriegsopfer ebenfalls ab 1. Oktober erhöht werden und zwar von 35 Proz. auf 170 Proz.
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IMkW.
Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hielt gestern in Berlin eine Versmnmlung ab, die sich mit der Frage der Gestaltung der Beamrengebäl- ter beschäftigt. Nach einer längeren Erörterung wurde eine Entschließung angenommen, in der die Versammlung die Erhöhung der Grundgehälter, eine gleich hohe Teuerungs- und Frauenzulage für alle Beamten, eine Erhöhung des Kopszuschlages sowie eine gerechte Besoldungsreform bis zum 1. April 1923 fordert.
Das wertbeständige Cotdmarkpapier.
Das Reichskabinett beschäftigt« sich gestern laut „Vorwärts“ mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Schaffung eines wertbeständigen Eoldpapiers. Wie das Blatt schreibt, handelt es stch um ein ZatzkSngs-
mittel, das im Inlands zu dem jeweiligen Werte des Dollars in Zahlung genommen werden soll. Die Beratungen des Reichskabinetts sind noch nicht abgeschloffen.
Die Industrie und die Devisenverordnung.
In einer Eingabe an den Reichskanzler beschwert sich der Reichsverband der deutschen Industrie .darüber daß vor Erlaß der Devisenverordnung industrielle Sachverständige nicht gehört worden sind. Da die Verordnung alle Erfordernisse der praktischen Wirtschaft gänzlich unbeachtet laffe, richtet der Reichsverband der deutschen ~*’>nr+tie an die Regierung das dringende Ersuchen, vor Inkrafttreten eines endgültigen Gesetzes zur Bekämpfung der Devisenspekulation die industriellen Sachverständigen gutachtlich zu hören.
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JetrtMw W
D r Reichstag tritt beute zu e.. g zu-
sammen, die nach den ursprünglichen < irn nur nanz kurz sein sollte. Man rechnete mit tuenden Tagen, dn es fick anfangs nur darum handelte, die Erhöhung be8 Preises für das Umlagcgetrride durch das Parlament Mnt'aen zu lassen. Es sind dann nock> zwei wichtige Gegenstände hinzugekammen, die ebenfalls dring-nd erledigt werden Müssen. Der eine betrifft gesetzgeverisch» Maßnahmen gegen D visenspekulat'on und Markstnrz. d-r andere die Wahl des Reichspräsidenten. Die inner» politische Lage sieht sich im Hinblick auf diese Verhand- lungsgegenstände iri öet recht gespannt an. Wollte man der sozialdemokratischen Presse in vollem Umfanae Glau- ken 1 dienten, so müßte es über die Frage der Getreide« nwlaa» abermals zu einem harten parlamentarifchen Kamp' kommen. Die Sozialdemokratie begnügt sich ober nfienCxir in diesem Punkte mit einem Scheingefecht. Sie muß auch wissen, daß die Erhöhung des Umlagepreifts den Brotvreis nickt wesentlich beeinflussen kann und sie wird aus allen diesen Gründen wahrscheinlich auch keine ernsthaften parlamentarischen Schwierigkeiten macken, wenn sie sich auch heute in ihrer Presse noch ziemlich wild geberdet.
Auck die wirtschaftspolitischen Maßnahmen toetbeu kaum zu einem Zankapfel der Parteien werden. Bim der Sozialdemokratie bis zur Deutschen Volkspartei hin lind Maßnahmen gegen die verderbliche Spekulation gefordert worden. Es herrscht ab-- "Eaend? Zweifel darüber, daß ein negatkves Verba- oirfungSfol
bleibt, als nicht für die Sicherna uijtben Währung auch praktisch eine wirksame Stuv gefunden worden ist. Und hier kommt es eben einzig und allein darauf an, den fachmännischen Beratern das Wort zu lassen.
Auch in der Frage der Reichspräsidentenwabl scheint sich eine Entspannung anzubahnen. Innerhalb der bürgerlichen Koalitionsparteien gewinnt man mehr nnd mehr Verständnis dafür, daß wir zur Zeit tüt Wahl« kämpfe und für die Entfesselung parteipolitischer Leidenschaft nicht den mindesten Bedarf haben. Diest Frage läßt fick durchans im Sinne der Venaftung und auch in einer für bett Präsidenten Ebert erträglichen Weift fo regeln, daß der Reichstag einen ferner liegenden Termin — etwa in Verbindung mit der nächsten Reichstags- wabl — anscht Auf dem Gebiete oer Anßenpolitil werden wir trotz der deutsch-be!gi»chen Zahlungsverein« frirung in bett kommenden Monaten Schwierigkeiten! genug zu überwinden haben. Die Revaratwnskommiffion I regt sich wieder und daß Barthou anstelle von Dubois, an ihrer Spitze steht, eröffnet von unterer Seite aus keine " günstigere Perfpektive auf ihre Tätigkeit. Die Streitfrage des Moratoriums ist innerhalb der Kommission wieder aufgerollt worden und wenn auf der einen Seite von einer fünfjährigen Zahlungspause die 9kbt ist, so steht auf der anderen Seite das drohende Ge,penst einer ähnlichen Finanzkontrolle, wie sie Oesterreich i:: tiefster Not über sich ergehen lassen muß.
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Ak M jnm Urteil in AMemMM
Berlin, 15. Ott. Die Morgenblätter bringen Besprechungen des Urteils des Leipziger Staats- gerichtshofes. Die „Deutsche Zeitung“ nennt die Strafen ungeheuerlich; die Techows gehörten in eine Besserungsanstalt. Die „Kreuzzeitung“ schreibt, absolute Klarheit sei darüber geschaffen, daß die Deutschnationale Volkspartei und andere verdächtige nationale Vereinigungen in keinerlei Beziehung zu dem Morde ständen. Der „Tag“ äußert sich ähnlich. In der „Germania" werden die Beteiligten als unchristlich und undeutsch charatteri- tert. Deutschland komme aus der Mordluft nicht heraus, wenn nicht das „Liebe deinen Nächsten" Gewicht erhalte. Zn der „Voff. Ztg.“ heißt es, der PriHeß habe erwiesen, daß es Mordorganisationen n Deutschland gäbe und Anstiftung zum Mord bei uns gefahrlos sei. Di« Fäden des planmäßige» Kampfes gegen die Republik seien unentwirrt. Das „Berliner Tageblatt“, spricht die Hoffnung aus, daß durch das gerechte und würdige Urteil de« Staatsgerichtshofes das Unkraut, das den Bode» der Republik mit Unfruchtbarkeit bedroh«, entrour* iielt werde. Der „Vorwärts“ vermißt die Enthüllung der Mordorganisation und hält das HrteU nicht für eine republikanische Tat, dte man