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Marburg

1922

Nk. 242

Vermittlung der Angebot« 3X0 Ml. Sondergebühr.

S lbharbt.

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhefiischej Oberhessen

yie Jjbetbeifilche Zeitung erscheint lecbsmol wöckenllick. Vezugsoreis monatlich 105 Mk. mit ZusteUungsgebühr. Für ausiaUenü« Nummern infolge Etr-iks oder elementarer Ereigniii« lein Lriatz. Verlag von Dr. L. Hinerotd. Druck der Univ.-Buchdruckerei do« 3ob. Lug. Koch. Mar't 2123. - Kerniprecher 55. P»!l- icheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Der Anzeigenpreis beträgt fflt den ggesp. Zeilenmillimeter S.00 Mk amtlich« und «v -

57. Ä

Sonnalitnh. hm 14. Mod« ©'"S'Ä «

der neue Ministerpräsident Z a i m i s angekommen ist: man nimmt an, daß dies in etwa 14 Tagen ge­

Der Krieg im Orient.

Ilu Wonwn oon TOuönnin.

Vatis, 13. Oft. Rach einer Meldung aus London verlautet aus Konstantinopel, daß die alliierten Oberkommissare und Generäle heute vor mittag im englischen Hauptquartier zusammen­getreten find, um über die Räumung Thraziens im Einzelnen zu beraten. Man glaubt zu wissen, daß zur Kontrolle der griechischen Räumung drei eng­lische. drei französische und ein italienisches Ba­taillon nach Thrazien beordert werden.

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Konstantinopel, 12. Oft. Die Oberlom- inissare der Alliierten haben dem Vertreter von An- gora zur Uebermittlung an den kemalistischen Kom- ntisiar für auswärtige Angelegenheiten eine Rote übergeben, in der darauf hingewiesen wird, baß ge­wissen Nachrichten zufolge die aus Anatolien stam­menden gefangenen griechischen Soldaten in besonderen Lagern konzentriert und als Hochverräter vor ein Kriegsgericht gestellt worden seien, weil sie als türkische Staatsangeböci" gegen ihr Vaterland gekämpft hätten. Die Sie >rückt, gestützt auf humanitäre und andere Erwägungen, die Hoffnung aus, datz int Interesse einet Wieder­versöhnung der in der Türken lebenden Rassen die Begnadigung erfolge.

London, 13. Oft. Nach einer Information des Neuterfchen Büros melden alle aus Indien, Persien und Afghanistan einlansenden Telegramme die vorzügliche Wirkung, die die Unterzeichnung des Abkommens von Mudania auf die Moham­medaner ausgeübt hat. Auch in den Vereinigten Staaten fei in der Stimmung gegenüber England und Frankreich ein günstiger Eindruck erzeug! worden.

Vom finmWiiM

London, 13. Oft. Reuter meldet aus Kon­stantinopel: Rach den heute abend vorliegenden Nachrichten hat sich die Lage etwas gebessert. Die türkische Reiterei, die die Daridja überschritten hatte, zieht sich jenseits der Demarkationslinie zu­rück. Bei Tschanak hat die allgemeine Rückwürts- bcwegung in Richtung auf die neue Demarkations­linie heute morgen begonnen. Aber nach den letzten Nachrichten aus Angora setzen die Kemalisten dis Organisation ihrer Streitkräfte fort. Wenn fich die Friedenskonferenz verzögern sollte, so sei es wahrscheinlich, datz die türkischen Truppen dazu verwendet würden, einen Druck auszuüben.

Die Türken besetzen die neutrale Zone.

Paris, 13. Oft. Einer gestern abend in Lon- ban eingetroffenen Konstantinopeler Depesche zu­folge, haben die Türken wieder die neutrale Zone, diesmal im Norden von Daridja auf der Halbinsel Ismed verletzt. Eine Truppe von ungefähr 4000 Mann ist mehrere Meilen in der Richtung auf Tar- veunen vorgerückt. Die englischen Generäle haben das türkische Oberkommando darauf aufmerksam gemacht. Man hat den Eindruck, datz die Türken fich beeilen, Stellung >n zu erringen, von denen aus sie Konstantinopel beherrschen, um auf diese Weise noch vor der Konferenz den Abzug der fremden Truppen erzwingen zu können.

London, 13. Oft.Daily Telegraph" schreibt: Die neue Verletzung der neutralen 3one von Ismed durch eine starke türkische Truppenabteilung habe eine sehr ernste Lage geschaffen. Diesmal könne unmöglich angenommen werden, datz es fich nur um einen Irrtum handle.

Moskau, 11. Ott. Die russische Ausfuhr über Konstantinopel ist bis zur Klärung der Lag« an den Dardanellen eingestellt worden.

Die Lage in Mea.

Athen, 14. Oft. Die Regierung hat das Ab- frmmen von Mudania angenommen.

Athen, 13. Oft. Die griechischen Deko­rierten find gestern von der Konferenz in Muda b i a zurückgekehrt.

Paris, 13. Oft. Nach einer Havas-Meldung mis Athen hat der stellvertretende Ministerpräsi­dent K r o ck i d e s den Journalisten erklärt, die Konvention von Mudania sei nur von den Alliierten Vertretern und den Turf en unterzeichnet worden. Griechenland werd« fiH da­rauf beschränken, seinen Beitritt mitzuteilen, sobald K den authentischen Text kenne, den die aus Ma- dania zurückkehrenden Delegierten mitbringen würden.

Paris, 13. Ott. Nach einer Havas-Meldung Eus Athen wird wahrscheinlich eine Abstim­mung des neuen Kabinetts erfolgen, sobald

schehen werde.

Paris, 13. Oft. Nach einet Havas-Meldung aus Athen ist General D a n g l i s aus Paris zu- rückgekehrt, um dem Revolutionskomitee ein Expose über die Ansichten Veniselos' hinsichtlich der Lage zu geben. Es wird übrigens vom Journal" behauptet, Veniselos werde an der Friedens- konferenz teilnehmen, wo immer sie auch statt- jinde.

London, 14. Oft. Nach einer Meldung aus Athen vom 12. Oktober find 24 000 griechische Män­ner, Frauen und Kinder von den Kemalisten aus chren Wohnsitzen vertrieben worden und warten auf ihren Abtransport. Kemal Pascha habe ihnen eine Frist von einer Woche gegeben.

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Genf, 14. Oft. Nansen wird nach gestern eiv- gegangenen Meldungen in diesen Tagen mit Mu­stafa Kemal Pascha zufammentreten, um mit ihm die Maßnahmen zur Unterstützung der Flüchtlinge in Kleinasien zu besprechen. Hierauf wird sich Nan­sen nach Athen begeben, um ebenfalls mit der grie­chischen Regierung Rücksprache zu nehmen.

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Die Krise in England.

Paris, 13. Oft. Nutzer der bevorstehenden Rede Llovd Georges' legt die öffentliche Meinung Englands die grötzte Wichtigfeit der für heute abend angekündigten Rede Chamberlains bei, die für die Haltung der konservativen Partei zum Teil maßgebend sein wird. Chamberlain vertritt vor allem die Meinung der konservativen Regierung-mitglieder. Da aber die Eesamthaltung der konservativ-unionistischen Partei durchaus un­klar und wohl auch noch unentschieden ist, bekomm! iebe Aeutzerung von jener Seite Einfluß und Be­deutung. Lord Derby, dem derManchester Guardian" nachgesagt hatte, datz er der Regierung die Gefolgschaft zu kündigen gedenke, bestreitet diese Aeutzerung in einer Zuschrift an diePall Mall Gazette", wobei er bezeichnenderweise hinzusügte. feine Haltung hänge von den weiteren Ergebnissen üb. Am Freitag nachmittag, also noch vor feiner Rede, wird Lloyd George vom König emnfan- gen werden. Diesem Empfang wird in englischen politischen Kreisen große Wichtigkeit beigefegf. Schließlich sei verzeichnet, datz die Gattin Lloyd Georges in einer Ansprache an einen liberalen Pro­vinzverein erklärte, datz bet Zeitpunkt bet nächsten allgemeinen Wahlen nicht mebt so fern sei. Die Stunde, so fügte sie hinzu, für die Regierung sei ernst. Der erste Minister kann heute noch nicht so sprechen, wie et möchte. Aber wenn et das Wort ergreift, können Sie sichet sein, datz et die Anhänger einer Regierung nicht enttäuscht.

M M! 65 DI-lMWkM.

Berlin, 13. Oft. Das parteiamtliche Organ der Deutschen Volkspartei setzt sich erie t für e'n< Verschiebung ber Reichspräsiden- wahl ein. Es schlägt vor, die Frage ber Präsidenten­wahl durch den Reichstag gesetzlich dahin regeln zu lassen, daß sie gleichzeitig mit den nächsten Reichs­tag-Wahlen im Sommer 1924 erfoloe. Damit würden wie es in dem Organ heißt, die Bedenken, die gegen ein toeitfrvs Provisorium der Präsidentenschaft Eberts sprächen, beseitigt.

Der ,Lokalanzeiger" erfährt, daß der volkspartei - lichr Abgeordnete Stinnes vor einigen Tagen in einer Unterredung mit dem Reichspräsidenten die Grunde geltend machte, die für eine Verschiebung der Wahlen sprächen. Heute wird der volksparteiliche Parteivorstand endgültig zur Frage der Präsidenten­wahl, und zwar sowohl über den Termin als auchüb er die Kandidaten frage, Beschluß sasien. Nach eine- weiter, t Meldung desLokolanzeigers" sollen von der Deutsch nation alen Volkspartei bereits Berha ndlungen und Sondierungen^arüber statt gefunden haben, ob die Kandidatur Hindenburgs auch bei anderen bürgerlichen Parteien in Frage kommt. Das bedeute, so schreibt das Matt, daß die Deutschnationalen nur bann Hindenburg zu einer Kan­didatur veranlassen würden, wenn er nicht als Kan­didat der Denlschnationalen, also nicht als Partei- kandstut, in Fr.ge käme.

Berlin, 1.3. Oki. Retchstnueuminister Dr. Kö­ster hat dem Relchstagspräsidenten Löbe folgendes Schreiben übersandt: .Der Neuwahl des Retcbspräsi- denten stehen rechtliche und tatsächliche Hindernisse setzt nicht mehr im Wege. Nach § 2 des Gesetzes über die Wahl des Netcbsprädcnten bestimmt der Reichs­tag den Wahltag. Zwischen dem Beschluß des Reichs­tags und dem Wahltag muß zur Vorbereitung der Wahi eine mehrwöchige Frist ligen. Namens der Reichsregterung schlage ich als Wahltag Sonntag den

3. Dezember 1922 vor und bitten hierüber alsbald einen Beschluß des Reichstags herbeizusühren."

Die RevmtionMge.

Paris, 13. Ott. De Havasagenttir veröffentlicht folgende offiziöse Mitteilung: Unter dem Vorsitz des Minv sterpräsidenten fand heute Bonn itag eine Konferenz statt, nt über die Haltung zu beratschlagen, die die franzö­sische Regierung anläßlich des Marksturzes und feiner Folgen auf die Reparationszahlun­gen «innehmm soll. An dieser Konferenz haben teilge- rommen die Delegierten in der Reparationskvmrmfsi.'U Barthou u.b Mauclere, der Finanzminister de Lastevrie, der Minister für die befreiten Gebiete Rai- bel, Ministerialdirektor Sehdoux und der Direkte"- m Quai d'Orsay, Peretti della Recca. Der Vorschlag den Sir John Bradbury der Reparations- iommiffion übermittelt hat, bildete den Gegenstand einer ingedenden Prüfung. Der Teil des Vorschlages, ber beu Plan einer Finanzreform enthält, sieht tat* ächlick umfangreiche Maßnahmen vor, deren Wirkung >an, besonders von dem guten Willen des Deutschen Reiches abhängt. Es handelt sich um ein Unternehmen uf lange Sicht, von dem man erst in der Zukunft Er­gebnisse erwarten kann. Der positive Vorschlag, >er den Antrag begleitet und der ein Moratorium für Deutschland auf fünf Jahre für alle feine Geldzahlun- _*n vorsieht, erscheint schon heute als u nannehm - bar für die französische Regierung, denn er greife der Zukunft und dem Gedeihen Deutschlands für einen zu ringen Zeitraum vor. ohne daß die Alliierten in dieser Beziehung irgendeine ernsthafte Grundlage der Beur­teilung besitzen

Paris, 13. Ott. Nach der avas-Agenkur findet beute Nachmittag in bet Reparationskommission eine -ffiziöse Sitzung statt, in ber di« Prüfung ber finanziellen Lage Deutschlands und ber Maßnahmen, um einer neuen Krisis vorzubeugen, fortgesetzt wird. Dos Dekret ber .rutschen Regierung, das den Verkehr mit ausländischen Devisen regelt, werde von den Alliierten günstig auPe- uommen. jedoch sei notwendig, daß noch andere Maß­nahmen ins Auge gefaßt werden müßten. Es bestätigt sich, daß eine Entscheidung heute wahrscheinlich noch nicht getroffen werden könne.

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MkM.

Berlin vor dem Zusammenbruch.

Berlin, 13 Oft. Den Fraktionsfübrern er* klärte ber Oberbürgermeister, datz bie Stabtgeschäfte so wie in ber letzten Zeit nicht mehr weitergesührt werben könnten. Berlin stände jetzt in der Kata­strophe. Die Stabt sei bemnächst zahlungsunfähig, wenn bie neuen Steuern unb bie Tarife, befand 's der für die Straßenbahn, nicht sofort erhöht werden würben.

Die Mehrheit des Berliner Stabtparlamcnks hat am Donnerstag ihre Zustimmung zu ber sofor­tigen Erhöhung des Etratzenbahntarifes auf 20 J*. erklärt. Da aber ber zweiten Lesung der Vorlage von kommunistischer Seite widersprochen wurde, kam es nicht zur Abstimmung. Für diese ist eine auherorbentliche Sitzung auf Montag einberufen, nach ber ber 20 -^-Tarif bereits am Dienstag in Kraft treten wirb.

Der Schiedssprutb im Bankgewerbe.

Berlin, 13. Oft. Unter dem Vorsitz des Mlni- ttertalrats Hausmann fanden gestern tm RetchSar- bettsmintsier<nm die Tarisverbandinngen für das Banka-Werbe statt, bei denen der Reichsverband der Banklettungen und die verschiedenen Angestelltenorga- nifationeit verrieten waren. Nacb längeren Beratun­gen fällte der SÄltckuungSansscbuß in den späten Abendstunden folgenden Schiedsspruch: Die Oftober- bczüge fetzen sich zusammen ans einer einmaligen Zablung an sämtliche Angestellten in Höbe von 30 % des Angustgcbalts, ferner werden die Gebälter für alle Angestellten vom 1. bis 5. Berufsjabr um 12%, vom 6. bis 10. BerufSsafr nm 14 % und von da ab um 16% gegenüber dem Sevtembergebalt erhöbt. Diese Steigerung tritt bei den Lehrlingen und Bilrobnrschen nickt ein. Die Hausstandszulagen bleiben unverän- bert. Die Kinderbeihilfen werden um 166 jK monat­lich erhöht. Die Erklärnngsfrtst der Parteien läuft bis zum 19. Oktober. Sämtliche Arbeilnehmerbeisitzer haben den Schiedsspruch abgelehnl, während die Ar­beitgeber ihn annahmen.

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MllkWlmig de; Mtttchle;.

Ein Gesetzentwurf über Mieterschutz- und Miet- einigungsämter steht z. Zt. im Wohnungsausschuß des Reichsrates zur Beratung. Der Entwurf ist ein .mfangreiches Werk unb erstrebt eine grundlegende Neuregelung der Materie, die durch die vielfachen Zwangsgesetze auf dem Gebiete der Wohnun^s- wirtschaft immer schwieriger geworden ist. Es hat sich eine weitgehende Rechtsunsicherheit entwickelt und scharf stoßen die Ansichten aus Vermieter- unb : Mieterkreisen aufeinander. Die Generaldebatte ; wurde durch den Abgeordneten Beythien (T i D. P.) eröffnet. Der Redner gab zu, daß der jetzige Rechtszustand unerträglich geworden fei unb daß der Gesetzentwurf hier und da fich mit Erfolg be­mühe, etwas Besseres zu schaffen. Zu begrüßen sei die Vereinfachung des Perfahrens (die allerdings

durch manche Bestimmungen wieder illusorisch ge» macht werde), die Einordnung der Entscheidung des ordentlichen Gerichtes, die Schaffung von Einfpruch- instanzen ufw. Den Vorzügen stehen aber die schwersten Nachteile gegenüber. Der Entwurf bricht mit alten Grundrechten unb stellt bie Mietrechts, bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches auf den Kopf. Die Abschaffung des Kündigungsrechts des Vermieters ist ideell und materiell ein schwerer Rechksnachteil. Ebenso muß die im Gesetz fesi- gclegte Vererbung des Mietobjetts bezeichnet wen den. Dadurch wird der natürliche Wohnungs-' wechsel verhindert und die Wohnungsnot verschärft anstatt gemildert. Dies wenige mag zunächst ge­nügen, obgleich noch die zahlreichsten weiteren Be­denken bestehen. Die Verhandlungen werden zu­nächst bis heute einschließlich Im Ausschuß fort« geführt.

D« Mewoitii.

Leipzig, 13. Ott. Vor Beginn der Sitzung h:r* 'Didete der Vorsitz"nde den Gerichtsbeschluß bezüglich der AngeNagten Schütt und Dieüel. Der Oberreichsan- walt batte seinerzeit beantragt, bie beiden wegen Berdall-tS -er Beihilfe zum Morde außer Verfolgung zu setzen. Der Staatsgerichtshof beschloß nunm-ht. die Kosten bei Ber­ührens in diesem Punkte ber Staatskasse aufzuerkeaen. Die Anttoge gegen diese beiden Angeklagten lautet daher nur nych auf Begünstigung. Der Verteidiger Hahn beantragte, den früheren Vorgesetzten Kerns, Kot- vettenkavitän v. Zinsewitz vorznladen, ber ein län- -eres Telegramm sandte, in dem er nach feiner genauen Kenntnis ber Natur Kerns bie klebet,eiwnng anSsvricht, Saft die Aussage Techows, er sei durch die Drohung KernS, ihn nieder,uschirßm, veranlaßt worden, ihm rein Ehren­wort znr Mithilfe zu geben, aus Wahrheit beruht Hierauf 'ührte Dr Alsberg in seinem Pkaidoner als Ver­teidiger Schütts und Diestels aus. Schütt nnb Dieüek 'eien von rein menschlichem Mitgefühl mit Personen, bie sie für verfolgt hielten, und denen sie Mvlrecht gewahrten, , i eine Sache hineingezogen worben, bie ihnen voll tisch und menschlich ferngelegen. De Verhandlung hab: 5c» wiesen, baß sie von ben Absichten, die Kern und ~Wer in ihr Haus getrieben, nicht das Geringste ge­wußt haben. Daß Techcw nach der Tat zu Schütt eurückgekehrt sei, sei zu verstehen. Da habe sich aber "ät Schütt der furchtbare Gedanke der Mitwisserschasi 'boben. Die Drobung Kerns, Verräter gingen um die Ecke, fei vor seine Seele getreten. Er habe befürchtet, sich der Rache der Rechtsbolschewisten auszusetz-w. Gegen die Mittätertheorie des OberreichsunwaltZ erhebe er Ein­spruch. Mittäterschaft erforberte. baß die Tat als seine eigene gewollt sti. Diese Tätigkeit könne aber nur eifSHifb nnb mit Bwußtsein auSgeübt werben. Nach der Rechtsprechung beS Reichsgerichts erfordere eS auch esikipes Tun und könne nicht durch Unterlassung be­gangen werden. Er erwarte für Schütt und Diestel einen Freispruch.

Nachdem die Plaidopers beendet waren, erftärte der Vorsitzende, daß die nächste Sitzung zur Urteilsver­kündung auf Samstag 12 Uhr mittags an- gesetzt wirb. Es ist aber mit der Möglichkeit zu rech­en. baß bis bahin bie Beratung noch nicht zu Ende ze- 'ührt werben kann. Kn diesem Falle erfolgt die Urteils» .kündung um 3 Uhr.

Dr Verteidiger Goldstücker beantragt ebenfalls 'ät die Angeklagten Schütt und Diestel Freispruch Der '-Tfeib'gcr Dr. Bloch spricht für Tillessen und Plans: Dsi Verhandlung hat keinen Beweis erbracht, daß Til­lessen am Komplott beteiligt gewesen ist. Ich bitte nicht m milde Auffassung, sondern um bie flirre Erkenntnis: ^reifpruch. Nach einer Pause ergriff OberrrichS.rnw.rlt Csbermahcr bar Wort und sagte in einer Revlik, die Drohung Kerns an Techow, ihn zu erfch-eßen, fei nicht ir dem Anschlag, sondern nachher erfolgt. Zu dieser Zeit habe die Mittäterschaft schon feüne^tiben.

Ein Dokument edler Menschlichkeit.

Berlin, 13. Ott. Am Schlüsse ber heutigen Vor- 'iittag?fi. ,.:g des Rathenau-PtozesseS verlas Justizrat Hahn einen Brief von Frau Rathenau an die Mutter Techows, ber folgenden Wortlaut hat: In .m-mlosem Schmerz reiche ich Ihnen, Sie ärmste aller Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohne, baß ich ifm tm N.....:n und llllisies des Ermordeten verzeihe,

wie Gott ihm verzeihen möge, wenn er vor ber irdi­schen G:r:chllgknt ein volles und offenes Bekenntnis ab* i-gt und vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Soim gekannt, ben cd l?.:n Menschen, den die Erde trug, so hätte er eher die Mordwaffe auf sich selbst gerichtet als ff ibn. Mögen diese Serie ihrer Seele Frieden geben!! Die Verlesung des Briefes wirkte auf die Richterbank, die, Verteidiger und das Publikum erschüttemb.

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S« Ko^mMrozch Wkidllh. . f

München. 13. Ott. Anschließend an die gestrige» "rafanträge des Staatsanwalts führte Justie.rat B e r ne in, ber Verieidiger bes Angeklagten Lembke, aus, et, de es außerordentlich bedenklich, im vorliegenden Falle

Strafbestimmungen für Landesverrat anzuwenden. < iie Anklage habe nicht bewiesen, baß bie von Lembke, eitergegebenen Nachrichten bet Art waren, daß sie int! sinkeresse des Reiches und ber Bundesstaaten geheim ge­halten werben sollten. Was Lembke berichtete, war u» wesentlichen schon bekannt, und damit fällt die Anklage! ohnehin in sich zusammen. Von tiuct tngj&rc.nbta