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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (bas früher knrheffifchej Oberhessen

Jlt. 239

TteDbetbtifitoe Zettmitz er Weint ledismal wöchentlich. Lezngsvreis monatlich 105 Mk. mit Zustellungsgebühr. Für ausiaUenhe Slum mein infolge Streits ooet elementarer (Etetgniiie kein Eriatz. Verlag von Dr. T. Hi?eroth. Druck der llniv^Buchdruckerei von 3ob. Aug. Koch. Marli 21 23. Serniprecbet 55, Post- fcheckkonto: St. 5015 »ml Frankfurt a. Main.

Mavbuvg Mittwolh. Den 11. Moder «Ubhardt.

Ter Anzeigenpreis beträgt für den 9ge|p Zeilenmillimeter 4.00 Mk., amtliche und ausw. Anzeigen 6.0H Mk. Andere Spaltenbreiten entfprechend. Bci dnoiertaem Satz 50% »urichlag. Spät einlourenbe ober den Saum über Seite einnehmende An- jefqen werd en noch der lejtfpaltenbreite berechnet. Reklamen die Col.-Zeile 30.00 Mk. Jeder Rabatt atlt als Sarrabatt Bei Auskunft durch die ®e|d)äfts|"tefle und Vermittlung der Angebote 3.00 Mk. Sondergebühr.

57. 3M

1922

Der Krieg im Orient.

Die Mtrtni im Sntoni«.

Paris, 10. Oft. Nach einer Havasmeldung aus London veriautet aus Mudania vom 9. Oktober: General Harrington hat Ismet Pascha die mit bcn Generälen Eharpy und Mombelli ge­schlossene Konvention mitqeteilt. Di^se sehen die Wiederabtretung Thraziens unter gewissen Bc- bingungen vor. namentlich unter der Voraussetzung haß durch eine gemischte Kommission eine neutrale |8onc sestges.tzt wird, damit die Sicherheit der Trnpven gewahrt und die Freiheit der Meerengen gewährleistet 'ist. In einer Rede, die General Harrington gehalten hat, stellte er fest, daß die Türken im Begriff seien, ifljte nationalen Ziele ohne neues Blutvergießen zu 'verwirklichen. JSmet Pascha hat in seiner Antwort erklärt, er habe die Konvenntion in dem gleichen vcc- Ähnlichen und loyalen Geiste geprüft, den die Atli- irrten an den Tag legten. Er müsse jchoch wegen ge» Kiffer neuhiuzugekommeuer sowie wegen gewisser fort- tzefallener Puufte die Bedingungen der Regierung von Angora unterbreiten. Ismet Pascha habe versprochen, ihm seine Antwort am 10. Oktober um 5 Uhr nach­mittags mitzutrilen.

a 11 §, 10. Oft. TerMatin" meldet au? Lou­don, daß Telegramme an Mustapha Kemal abqesandt worden find, die iHv auffordert, sich sofort nach Mu- bsnia zur Teilnahme an den Verhandlungen zu be- tzeben, um deren «rjpaf zu beschleunigen.

Verkleinerung der neutralen Zone.

, Varis, 11. Okt. Im Anschluß an die Variier 'Verhandlungen Lord Curzons haben sich die englischen dnd französischen Experten gestern dahin geeinigt, daß bi? neutrale Zone zu beiden Seiten der Dardanellen enger begrenzt werden soll. Tschanak werde neutral bleiben und *sr. den Enländern besetzt gehalten werden: Dag-gen 'selten alle Punkte auf dem asiatischen Ufer, an denen türkische Truppenteile stehen, fteigegeben werden.

Die Sagt in Men.

Paris, 10. Okt. Nach gestern abend ringe- trossenen Telegrammen aus Athen ist über ganz Griechenland das Standrecht verhängt worden, da sich in der Bevölkerung große Unruhe wegen de- Ber. iustcs Ostthrazieus auSbreitet.

1 London, 11. Oft. Aus Athen wird gemeldet: ißn Thrazien macht sich ein innerer stärkerer Wider­stand gegen die RSumungsbefehle der Regierung geltend, deren Autorität sich von Tag zu Tag verringert Die ^Verbündeten sind daher gebeten worden, die Räumungs- !frist von 30 auf 60 Tage zu verlängern. . t ' * -wr

London, 11. Okt. Venizelos hat gestern Lord vurzon davon in Kenntnis gesetzt, daß er den Posten eines außerordentlichen griechischen Bevollmächtigten in Europa angenommen habe. Gleichzeitig erklärte er, das; die Revolutionsregierung alle seine Vorschläge an« genommen habe. Instruktionen seien von Athen aus an die griechischen Delegierten in Mudania abgegangen, die sie auf'ordern, entsprechend den Wünschen der Alliier­ten zu handeln.

Sie Wahr im Mn.

Berlin, 10. Okt. Der Berichterstatter desNew Dort Herold" in Konstantinopel schreibt: Wenn nach All den Wochen fortgesetzter diplomatischer Kapitu­lationen der Alliierten die Türken die Engländer noch zum Kriege zwingen sollten, so würde das be­weisen, daß die Ratschläge der Russen und der Rationalisten in Angora die Oberhand erhälteu hätten. Wie der Berichterstatter erfährt, wurde in den letzten Tagen von Moskau aus und durch die Natio­nalisten aller unter britischer Herrschaft stehenden Länder des Ostens auf Kemal ein ungeheurer Druck ausgeübt, um ^hn zum Kriege zu^riben? Arg HP tische und indische Revolutionäre in Moskau und Angora hätten Kemal Versicherungen gegeben, daß in Aegypten und Indien Ansstlnde aus­brechen würden, wenn die Türken zum Kriege schritten Der afghanische Vertreter in Angora gab dis Versprechen, daß die afghanische Armee die indische Grenze überschreftetr würde. Auch die Araber in Mesopotamien und Syrien hätten alle An­strengungen gemacht, um ein» friedliche Regelung zu verhindern Die orientalischen Extremisten, die den Sieg Kemals in einen allgemeinen Aufstand des OstenS gegen die Herrschaft des Westens ttmzuwandcln hofften, stellten Sen Frieden als einen; Verrat der Türken an ihrer Sache dar Indessen seien Hie gemäßigteren Elemente unter ihnen zufrieden, daß der Rückgang des europäischen Prestiges schon soweit fortgeschritten sei, daß sie bimteml -kurzem ihre ßide verwirklichen könnten. In Konstantinopel, wo *er Rückgang' des Ansehens der Westmächte sich den flicken der Orientalen in brutaler Form enthüllte, Hümmes jetzt eine neue Leit für den Osten.

Som Kriegsschauplatz.

Paris, 10. Oft. Aus Gibraltar wird gemeldet, daß der amerikanische KreuzerJha", der sich auf einer Fahrt längs der spanischen Küste befindet, den Auftrag erhalten hat, sich unv-rzüglich in das Ge­biet des nahen Ostens zu begeben.

Paris, 10. Oft. Aus Smyrna wird gemeldet. Nureddin Pascha wird mit seinem Generalstab Smyrna verlassen, um das Oberkommando über die kema- ltstischc Armee zu übermchmen.

Sie Krise te England.

Parks, 10. Ott. In London wurde gestern augenscheinlich als Antwort auf die Angriffe ber letzten Tage der Geheimbericht über die am 2t. Sep­tember geführten Verhandlungen des Ministerpräsi­denten mit 30 Mitgliedern des Generalrotes der Ge- werkichaften veröffentlicht. Mit diesem Bericht sollte bewiesen werden, daß die Politik der engliseb-n Re­gierung im wesentlichen mit der Arbeiterpartei über, einstimme Im Anschluß daran wird erkört, wenn in den l-tzten Tagen strenge Maßnahmen ergriffen wurden, so geschah daS in der Neberzeitgung, daß diese Maßregeln zur Vermeidung eines Konfl-ttes dienen. Wenn man stch mit mündlichen Protesten hätte be- gnügen wollen, wäre l>er Krieg unvermeidlich mit allen Schrecken von Kleinasien nach Europa übertragen worden. Tie englische Regierung, so heißt es nxiterfyin, habe keine Kontrolle über Kleinasien, aber sie mülle verhindern, daß die Konslagration sich nach Europa au-breite. Man habe der Regierung vorgeworien, daß sic Griechenlano unterstütze. Bekanntlich habe sie den Griechen keinen Schutz und entgegen aadeÄ- lauteuden Berichtc.on nicht einen Pfenwig Geld ge- währt. Tie englische Regierung sei völlig damit ein- verstanden, daß der Völkerbund die ilebeiwachung's er Meerengen übernehme. Tie Freiheit dürfe nicht von den Worten der Türkei abhängen, sondern allein vom Völkerbund, der auch zu entsch.iden haben werd:, ob ide Meerengen zwecks Sicherstellung der frei-., Durch­fahrt zu befestigen sind ober nicht. M'es wgs die englische Regierung Zwolle, sei. daß die Türk'! genin so behandelt werde, wie Griechenland und dem einen so gut wie dem andern mülle der vorläufige hutriit zu den neutralen Ionen, die England warnens der Al­liierten besitzt halte, verwehrt werden.

ori8, 10. Oki. Gestern Abend Hai d.r der- einigte Nationalrat der groffbritischen Arbeitecvartei, bestehend auS dem Generalrat der Gewerkschaften so wie der ParlamentSgntppe und dem Arbeitsansschaß der Laborry. Partei die Veröffentlichung einer Kund­gebung beschlossen, in der mit klaren Worten der so- fertige Rücktritt des Kabinetts und die Ausschreibung neuer Parlaments», ahlen gefordert wird. Die Arbeiter­partei ist überzeugt, so heißt eS in dieser Kundgebung, daß die Ereignissr der letzten Zeit auch nicht den Schalten der Berechtigung zur Entfachung ein»s Krieges enthielten. Tie Kriegspartei innerhalb der Regierung verfolgt ihre eigenen Ziele, nämlich durch Mitteilungen an die Presse, durch die sie das Land in Unruhe erhält. Die Arbeiterpartei verurteilt diese Manöver.

London, 10. Oft. Der politische Berichterstatter desDaily Chwnicle" schreibt, Lloyd George be­absichtige, sehr bald eine Gelegenheit zu ergreife», um eine öffentliche Rede im Lande zu halten, in der er den Verlauf der Ereignisse im Nahen Osten darlegen und auf die Kritiken antworter werde, die seine Politiker falsch auslegten. Tie Rede werde, wie man glaube, einen bedeutenden Einfluß aus die politische Lage haben. Die Möglichkeit die sich manche vor Augen hielten, seien baldige Ne>r- wahlen. Da von Feinden der Regierung ver- suckft worben sei, die Politik der Regierung als kr'e- gerisch darzustellen, so werde die Herausforderung dieser Leute durch den Premierminister möglicherweise die Gestalt von Neuwahlen annehmen.

Daily Erpreß" führt aus, wenn in der Frage deS Nahen Oster.? und anderer auswärtiger Fragen während der nächsten Tage alles gut gehe, sei ein Appel an das Land sehr wohl möglich. Einige Kollegen deS Premierministers seien entschieden bet Ansicht, daß jede Verzögerung gefährlich fei Cham- berl ai n Ijkite dafür, baff, wenn Lloyd George zurück» träte, eine konservative Regierung nicht ohne Neuwahlen gehilbet werden könnte

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Aus dem Reichsrat.

Erhöhung der Umsatzsteuer.

Berlin, 10. Oft. Dem Reichsrat liegt, tote bir D 91. Z." hört, ein Entwurf der Reichsregierung vor zur Aenderung des Landesstcuergesetzes, dessen Art. 7 eine Erhöhung ber Umsatzsteuer von 2 auf 21/» Prozent Vor­sicht Die Durchführung bicser Erhöhung zum 1. Jan. 1923 hängt vollkommen von der Entscheidung des Reichs­rates und Reichstage- ab.

DtnlWr MM.

DaS Programm der ersten Sitzungen des Reichstage».

Berlin, 10. Oft. Der Reichstag tritt bekannt­lich am Dienstag, den 17. d Mts zu seiner Herbsttazung znsammeu Aul der ersten Tagesordnung fleben eine Reihe von Ansagen von gerringer Bedeutung Der Aeltestenausschuß tritt am IS. Oktober zu einer Sitzung tufamnieit, um bann die Arbeitsfolge für die nächsten Sitzungen sestzulegen. Da die beiden Sozialist-nirak- tionen sich vereinigt haben, wird auch eine Nene-nteilung ber Kommissionen notwendig. Es wird auch gcprüi, werden müssen, ob die bisherige Zulammensetz-ing des Präsidiums beibebalten werden kann Der Reichstag triff zunächst nur etwa 8 Tage zusominenbleiben. um bas Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten zu verabschieden. Am 25 Oktober soll wegen dos Dentschnationoien Partei­tages in Görlitz eine mehrtägige Pause eintreten. -

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Zm MlllkMtz'dil-st.

Berlin, 10. Oft. In einer Kablnettssitz- una wurde die vom ReiwSsinanzmintslerinm ausge- arbelteic Besold nngsvorli 4- beraten und an­genommen. In der Vortage find die bisherigen Teue­rungszulagen In Grundgehälter und OrtSznsebläge eingebaut. Die Qrfs, ufchläge wurden mi! 3i !ct- sicht auf das inzwischen tu llrast getretene ReichS- mfetengesetz und als Erfah für die bisherigen wider ruflich'n Wirtfelmftsb-ibilfen entsprechend erbSüt. Dem wiederbolten Wunsche des Reichstags nach ver­mehrter Beriicfsichttauna der sozialen BesoldungSde- ftandtefle gemäiz sind die Kinderzuschläge (tar­ier erhöht worden als die Grundeohälter. Wer­bern ist für die verheirateten Beamten die Ge­währung eines um 3 Prozent höheren Teuerungszu­schlags vom Grundgehalt und Ortszuicklag in Aus­sicht genommen worden. T'le stinderzufchläae bleiben nach wie vor für alle Begmiengruvveii gleichmäßig doch, ^tir bk Pensionäre sind die entsprechenden Fol aejunaen gezogen worden. Das gesetzliche Witwen­geld soll von Vlerzehmel aus Secl>szchni<-I des Rude gebalts des Mannes erhöbt werden. Dani sollen die Witwen zukünftig nnr den allgemeine^ Tenerungszn- schlag zu ihrem Wiiwenaeld erhalten. Die Vorlage gebt noch heute dem Ve'chsra« z» und foll dem Reichstag bei feinem Zusammentreten am 17. Oktober bereits vorliegen.

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Ans den Parteien.

Berlin, 11. Oft Aus eine vom Reich sgenecal- sekretariat ber Zentrumspartei an das Reichsmini Üerinm des Innern gerichtete Ansrage, ob katholische ReichS- beamte von der vorgesetzten Behörde fordern können, an besonderen ftrchlicheu Feiertagen zwecks Erfüllung ihre, religiösen kirchlichen Pflichten vom Dienste benceji zu werden, ist derGermania" zufolge folgender Deiches eingelaufen: An nicht staatlich anerkannten ksttchlich-en Feiertagen ist den Beamten des betressenben Religions- bekenntniffes Gelegenheit zur Befriedigung ber religiösen Bedürfnisse zu geben.

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Paris, 10. Okt.Tentps" weist darauf bin, daß das außerordentliche Anwachsen ber deutschen schwebenden Schuld innerhalb der Reparationskommission' zum Ge­genstand einer Aitssprache gemacht worden ist. Nach bet Entscheidung der Reparationskommission vom 31. Mm sei Deutschland für 1922 ein Teilmoratorium unter ge­wissen Bedingungen bewilligt worden. Eine davon sei, daß die schwebende Schuld Deutschlands nicht den Be- troa von 281 Milliarden Papiermark überschreitendürfe Der Mehrbetrag müsse durch Steuern oder innere An­leihen gedeckt sein. Von der Erfüllung dieser Bedingung hänge die Aufrechterhaltung des Moratoriums ab. Auch Libertä" bespricht die gleiche Frage. Die Entwertung der Mark werde alle Abkommen, wie das des Senators d' Lubersae. unwirksam machen. Die Reparationssrage sei eine politische Frage, bevor sie eine wirtschaftliche werde Wenn man sie lösen wolle, müsse man Pfänder ober die Kontrolle Deutschlands fordern, wa- vor allem eine Regierungsangelegenheit fei.

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Paris, 10. Oft. Nach einer Havasmeldung aus Newvork erklärte der Washingtoner Korrespondent der ,9letootf World', bk amertfontfdre Regierung fei iiberzeugt datz der Zeitpunkt zu einem ernsten Versuch gekommen sei, die WelMnanzen wieder auf eine ge­sunde Grundlage zu stellen. Die Regierung sei im Begriffe gewiste bestimmte Schritte hn Hinblick auf die Regelung der Kriegsschulden zn tim, bevor sie mit den europäischen Rationen zusammen an der Wtrt- lchaftskonferenz tetlnebme. Die Regierung faste auch ins Auge.'der Einladung zur Teilnahme an der Lon­doner allgemeinen Finanz und Jndustriekonferenz nachzukommen, die ihr wahrscheinlich zngeben werde. Der amerikanisSe Bertrerrr werde stch an den Be­ratungen und Abstimmungen beteiligen, allerdings immer unter dem Vorbehalt, daß alles waS er tue. der Genehmigung des amerikanischen Kongrestrs be­dürfe. Zur Zett beabstSttge man erstens, stch zu ver- gewistern, in welchem Zeitpunkte der englische Schatz­kanzler Sir Robert Herne etntreffen werde und was Grotzbritannien hn Hinblick auf die Schuldenregelung zu tun bereit sei und zweitens, falls die englifchen Vorschläge mtt den der amerikanischen Fundierungs- kommission auferlegten Beschränkungen unvereinbar seien, den Kongreß um Abänderung einer dieser Be- ichränkunsen zn ersuchen, damit die Kommission einen gewißen Spielraum für die Verhmtdlungen habe.

M km Htm RMIlM itMl tneröen ?

Unter den ungünstigen wittschastlichen Berhältnifsen ber letzten Jahre hat wohl kein Bevölkerungskrei« so zu leiden gehabt, wie gerade ber Mittelstand. Mit Recht ist behauptet worden, daß der Mittelstand heute das Proletariat von einst verkörpert. Versuche sind unter­nommen worden, um dem Mittelstände Hilfe zu bringen. Aber alle Versuche wurden von den Verwaltungsstellen im Reich, in den Ländern und in den Gemeinden unterbunden, die berufen gewesen wären, dem M't« telstande Hilfe zu bringen. Unter den Mitteln, die in letzter Zeit zur Linderung der Not des Mittelstandes vorgefchlagen werden, scheint eine,Anregung der bür^r* liehen Sllchtverordnetensraktion in Breslau beson­ders beachtensw'rt zu Hn. Sie hat beim Magistrat dir Errichtung eines städtischen Mittelstandsdezerna« be­antragt , ,

D es-r Gedanke b'barf der Vertieft, ng und des weiteren . Ausbaus. Zwar ist diese Anregung in Breslau noch nicht verwirklicht, es läßt sich daher über den Erft>?g 1 eines solchen Dezernats in der Praxis noch nichts raqen. Fest steht indess n, daß die Errichtung von solchen De-er- naten mehr ein öffentliches Interesse hat. De-?halb Muß man fick in Kürze mit diesem Plaue beschäftigen.

Artikel 164 der Reichsverfassnng bestimmt:Der selb» . ständige Mittelstaird in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel ist in der Gesetzgebung und Verwaltung ,« Ordern und g^gen Ueberlastung und Aussaugung z« schützen" Aus diesem Artikel ergibt sich für die ®e» meinde die Pflicht zur Mittelstandssürsor-ie. Die Für­sorge für den Mittelstand ist doppelt. Der Mittelstand soll nach Aiissassuna des Gesetzgebers gefördert und vor der Zerreibung g schützt werden. Wie dieser Schutz aus- sieht, das hat der vor einigen Wochen in Braunkchwrig staitaesundene, sät zehn Jahren znm ersten Male wieder abgehaltene Mitt lstondst^g gezecht, auf dem ein langes Klao-lied über di- Mißachtung des Mittelstandes durch Parlamente und Ges tzgeber gesungen wurde. D-r Mit­telstand hat seit der Revolution in allen Formen gegen eine Unterdrückung in Entschließungen Protest erhoben. Jetzt heißt es. anstelle dieser Prot-ste die Tat treten zu lassen Ein Mittel zur Tat ist die Errichlur.g von städtischen Mittelstandsdezernaten als Nebenabteiliing in der Stadtverwaltung. Welche Aufgaben hätte ein solch-s Dezernat zu erfüllen? Vor allen Dingen käme cs daraus an. daß der Mittelstandsdezernent immer i« ständiger Fühlung mit den beteiligten Bevölkerungsgrup- veu und ihren Interessenvertretungen steht. Der Dezev» nenf hätte Verbindung-n zu suchen m t den Organisatio­nen von Handel und G werbe, den Jnnungsausschüsscn, - den Vertretern freier Berufe, den Beamtenausschüssen sw Unter Fühlungnahme mit dem gesamten 8f?ent- lichen Leben und unter dessen Beobachtung wäre er seine Ausgabe, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um die schwere Last von den minder trogfähigen Schultern oeS Mittelstandes abzubürden. Aus dem Gebiete der sozialen Steuervolitit wird sich dem.Mittelstandsdezernat ein weites Arbeitsfeld erschließen. In der Haupttache wird es sich bei der Errichtung von solchen Dezernate« nur darum handeln, die bereits in den Verwaltungen bestehen­den Abteilungen für Mittelstandsftagen zusammeuz-rittisen und ihr ein von jedem Bürokratengeiste befreites Arbcits- vrogramm zu geben. Das ist überhaupt die Voraus­setzung für solche Stellen, wenn sie nicht von vorn­herein zur Zwecklosigkeit verdammt werden sollen. Ein« weitere Voraussetzung für ein gedeihliches Arbeiten im Interesse des Mittelstandes wie auch im Interesse des ganzen Gemeinwesens ist es, daß die Führung kineS solchen Dezernates durch eine Persönlichkeit erfolgt, die es verstehr, durch kluges, umsichtiges Arbeiten, diolo- matisches Gesihick und Organisationstalent cui deut Tätigkeitsbereich des Mittelstandsdezernats das zu machen, waS sich weite Kreise deS Mütelstandes von ihnk versprechen.

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Oberschlefien.

törutbttt, 11. Ott. Gestern Nachmittag 414 Uhr fand in der Aula der Gewerkschaftsschule fn Kanowitz bte Eröffnung deS 4. schlesischen Sejm statt. Minister- vräsidenr Rowack verlas eine programmatische Eröff­nungsrede. in der er hervorhob. daß Polen Cberfcble* sien als eine Perle in feinem Staatsverband bewachte und eifrig bemüht fei, den wtrticbaftltchen Nöten Ober» fchiestenS abzudelfen. Im wetteren Verlaufe wurde« fämtitche Verösfentlichungen deS vorläuftgen Wolwod« fchaftsrateS. bte noch der Sufttmmung der Versamm­lung bedürfen, zur Verlesung gebracht. Verhandelt wurde auSfchlief-lub In polnisch« Sprach«, Die nächst« Sitzung' Hübet Freitag statt,

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Mährisch'Ostsrau. 10. Okt. Unter Be« teiligung von mehr als 400 Mitgliedern der Be­triebsräte und Ernppenvmfitzenden fand vorgestern im Arbeitshaus ht Lizy eine Revierkonferenz statt. Nach dem Bericht der Funktionäre des Revier« wurde fast ohne Debatte die Entschließung des Re« vifionsausfchusses, am 9. Oktober in allen Grube» die Arbeit einzustellen, einstimmig angenommen. Obwohl noch nicht aus alle« Teilen des Revier« Berichte eingetroffen find, ist es bereits offenkundig, datz der Streik ein allgemeiner ist. Zur Zeit haben sich Arbeiter nur für die Notstandsarbeiten ein* gefunden. Die Polizeibehörden trafen autze« ordentliche Maßnahmen. Namentlich wurde d«r Berkaus non geistigen Getränken verboten. Die Sperrstunde« füt^ alle öffentliche« Lokale. w»rde«