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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheMfchej Oberhessen

»r. 238

Fte jDbethefftldie Zeitung erirtteint echsmo! wöLentliL. Bezugspreis monatlich 105 Mk. mit Zustellungsgediihc. Für ausiaUznDe Nummern infolgt Streiks ooei etem-ntater (Eteigntüe tetn trrtatz. Verlag von Dr. T. Hinerotl,. Druck der Univ^Buchdruckerei von 2od. Bug. Koch, Markt 21.23. Sttniptediei 55, Pof!» iüiecktontoc Nr. 5015 Amt Riantiutt a. Main

Marburg Dienstag. Ben 10. öfioOet «lbhardt.

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57. 3M

1922

Dir iMMWölk.

Im Preußischen Landtag hat man sich geschla- gene vier Tage über die Teuerungsnöte unter­halten. Dabei ist manches gute und treffende Wort gesprochen worden, aber neben dem Weizen nahm die Spreu einen leider nur allzu großen Raum ein. Wie man im Parlamente selbst die Aussprache wür­digte, ging am drnMichsten aus der andauernden, !gähnenden Leere des Hauses hervor. Man hat wohl im Parlament selbst die Empfindung, daß all dieses Reden im Grunde genommen nutzlos ist, solange man nicht mit den allein wirksamen, notwendigen Taten den Anfang macht.

Ein lehrreiches Beispiel bieten die Verhältnisse im Kohlenbergbau. Hier lautet die Losung, die von allen Seiten erhoben wird: Mehrproduktion. ;Tie Bergarbeiter aber lassen sich ein lleberschichtcn- !abkommen nach dem anderen mühsam ab^ingen, und sie lasten sich jede Ueberschicht mit einem recht statt­lichen Teuerungszuschlag bezahlen. Ein neues Ab- ' kommen, das die Ueberschichten im Bergbau regelt, iist von dem Arbeitsministerium genehmigt worden !«nb in Kraft getreten, und was ist die nächste iFolge? Nicht etwa vermehrte Förderung die t bestenfalls im Laufe der nächsten Wochen sichtbar iwird, sondern eine Erhöhung des Kohlenpreises. sDiese Erhöhung ist zwar für sehr viele peinlich, aber s sicher keine Ueberraschung. Denn es ist volkswirt­schaftlich ein natürlicher Vorgang, daß die Er­höhung der Löhn« die Preise in die Höhe treibt. DemVorwärts" und den Gewerkschaften aber s bleibt es, vorbehalten, die Lohnerhöhung als etwas ^ganz Selbstverständliches hinzunehmen, dagegen die zPreiserhöhung aufs schärfste, zu bekämpfen. Die ^Bergarbeiter, so schreibt derVorwärts", empfin- totn die Ankündigung der Preiserhöhung für Kohl« als eine Provokation.

Es ist wirklich sonderbar, daß derVorwärts" und die Gewerkschaften mit einer solchen Vogel- : Strauß-Politik sich und ander« zu täuschen ver- suchen. Dieselben Arbeiter, die ihre Löhne fort- zgesetzt von einem Schichtabkommen zum andern in bie Höh« treiben, empfinden es als eine Provo­kation, wenn mit ihren Löhnen auch die Preise der ^Förderung steigen. Damit will man offenbar Sand ftn die Augen der Bevölkerung streuen, die es mehr s«nd mehr am eigenen Leibe schmerzlich empfindet, !pi welchen Konsequenzen die rücksichtslose Lohn- : Poetik einer Arbeitergruppe führt. Im übrigen j liegt die Gestaltung des Kohlenpreises in der Hand !des Reichskohlenrates, in dem sowohl die Regie­rung wie die Gewerkschaften mitbestimmend find. ,Man wird ja sehen, wie die Dinge hier laufen. 'Eins aber ist sicher: der Fall der Bergarbeiterlöhne ^beweist, in welch verhängnisvollem Kreise wir uns s bewegen. Richt die Mehrproduktion, sondern das .Hinauftreiben der Löhne ist das Kennzeichen un- !ferer wirtschaftlichen Entwicklung. Treibt man eine 'solche Politik, so sollte man wenigstens auch die selbstverständlichen Konsequenzen hinnehmen. Und außerdem noch große Reden gegen die Teuerung zu halten, ist mehr als der gesunde Menschenverstand vertragen kann.

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3m Wühl Bes WWriWliten.

Zur Wahl.

. Berlin, 9. Oft. Wie dasBerk. Tageblatt" hört, nahmen in Konstanz die Vertreter der RegierungSpir- teien mit Reichskanzler Dr. Wirth über die Bildung eines Überparteilichen Ausschusses für die Kardi- Mtur Eberts zum MeichspräsLenten Rücksprache. Man O. dem Blatte zufolge, zu einem Einvernehmen gekom­men. und bat darauf mit der Deutschen Volkspartei isabhtng genommen.

i Wie derLokalanz." hört, schweben in rechtsstehen- jlttn Kreisen Verhandlungen über die Aufstellung eines ge- dieinsamen Kandidaten für die bevorstehende Reichs- hräsidentemoahl. Eine Korrespondenz will wissen, dast jbci Verhandlungen zwischen den Führern der Deutsch' ivationalrn und der Deutschen Volksportei eine Einigung Mhin erzielt worden sei. die Deutsche Volkspartei MH _ verpflichtet habe, Zentrum und Demokraten zur Aufjtellung eines bürgerlichen Gegenkandidaten in Ge­meinschaft mit den anderen bürgerlichen Parteien zu vcr- «nlassen und die in dieser Hinsicht begonnenem Verhand­lungen mit allem Nachdruck fortsetzt. Erst wenn Zen­trum und Demokraten ein gemeinsames Vorgehen mit «n beiden Rechtsparteien ablchnen sollten, würde die «rage einer gemeinsamen Mion der Deutschnatioaalen And der Deutschen Volkspartei akut werden.

9itut AemdmMN.

Berlin, 9. Okt. DerRcichsanzeiger" verössentlicht ^kine Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Maß­nahmen gegen die wirtschaftliche Notlage der Presse vom

7. und eine Verordnung über künstliche Düngemittel. MrrPreußische Staatsanzeiger" veröffentlicht eine Ver­ordnung über die Wahlen zum Reichstag, Landtag und »u dem Prov'nz'allandtag in Oberschlesien.

Der Krieg im Orient.

Sie Menns non Md«.

Paris, 9. Okt. Havas berichtet aus Konstan­tinopel, die französischen und die italienischen Ge­neräle hätten in dem von ihren Regierungen «rhal- tenen Tert der Instruktionen nach Vergleich mit dem englischen Text einige Abweichungen fest­gestellt. Sie seien deshalb nach Konstantinopel zurückgekehrt, um mit den Oberkommistaren zu ver­handeln. Sofort habe bei dem britischen Ober- kommistar eine Beratung statt gefunden, um die Texte zu vergleichen. Die französischen und italieni­schen Generäle würden alsbald nach Mudania zurückkehren.

Paris, 9. Okt. Havas meldet aus Kon­stantinopel unterm 8.: Ein Communiquä des englischen Hauptquartiers besagt, daß die Kon­ferenz von Mudania immer noch auf Weisungen von Paris warte. Heute morgen ist ein Zer­störer mit Weisungen an General Harrington ab« gegangen. Gestern abend herrschte im Schoße der Konferenz Einigkeit.

Paris ,9. Okt. DerTimes".Korrespondent in Konstantinopel meldet, daß General von Monbelli, von Mudania plötzlich nach Konstantinopel znrück- .icl'hrt sei, ohne dc-ß man den Grund dafür erfahren konnte. Die Verhandlungen haben gestern mittag nach Eintreffen der Instruktionen ans Paris wieder be­gonnen. Ein Komitee des britischen Generalstabes in Konstantinopel meldet, daß die neutrale Zone don Jsmed an-mehreren Punkten von den Türken beseht worden sei, was den Widerspruch der alliierten Generäle zur Folge hatte. Die türkischen Streitkräfte von Tschanak sind nicht verstärkt worden. General Jsmed Pascha hat sich zu Gunsten einer sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten ausgesprochen

Paris, 9. Okt.Daily Telegraph" meldet aus Konstantinop-l, über die Verhandlungen von Mudania: Aus der Basis der Instruktionen, die den britischen Bevollmächtigten zugingen, wird eine M i l i t ä r ko n. v e n t i o n ausgearbeitet und den Türken dorgelegt werden, die sie unterschreiben sollen.

Paris, 10. Okt. Havas meldet aus London, Lord Curzon habe den ftanzösischen Botschafter em- pfangen und mitgeteilt, daß von General Harrington Instruktionen erteilt worden seien, die ihm die nötige Freiheit lassen, um sich mit seinem französischen nnd italienischen Kollegen über die Frage der Gendarmerie in Thrazien und über das neutrale Gebiet zu ver­ständigen.

Mm MMauM.

P^ri s, 9. Okt. Nach einer Meldung derNew Port Herald" aus Konstantinopel befindet sich ein kemalistischer General in^J s m i d. Bon ihm sei bereits einTribunal der Unabhängigkeit" in Brussa e'ngetroffen, dessen Vorsitzender Kilidsch Bey sei. Es handele sich um die Einrichtung einer außerordentlichen Kommission, ähnlich der russischen Tscheka, deren Tätigkeit in dem Aburteilen aller der­jenigen bestehen fcfi, die während der griechischen Besetzung türkisch« Patrioten denunziert hatten.

Paris, 9. Okt. Nach einer Meldung derChi­cago Tribüne" aus Konstantinopel sollen vorgestern abend die Engländer sämtlich? Waffen der Konstanti­nopeler Staats- und Straßenpolizei beschlagnahmt hoben. Die Wbeförderung der Frauen und Kinder dauere an.

London, 10. Okt. Reuter erfährt, daß das Ein­dringen einer türkischen Division in das Gebiet von Jsmid teilgenommen und infolge dieses Umstandes er­scheint die Verletzung des neutralen Gebietes um so ernster, denn die Türken könnten in diesem Falle nicht, wie im Falle von Tschau ah behaupten, daß sie die neutrale Grenze nicht gekannt hätten. Nach einer Meldung sind die Türken in das Gebift von Silesch an der Küste des Schwarzen Meeres in einer Tiefe von 45 Meilen eingcdrungen.

Ferner wird aus Tschanak berichtet, daß an- stelle der Kavallerie in der dortigen Gegend In­fanterie eingesetzt wurde. Um 3 Uhr brachte ein Adjutant Ismets ein Schreiben des Letzteren an den General Harirngton. Dieser hat jetzt die Insteruktionen der britischen Regierung erhalten; die Franzosen und die Italiener warten jedoch noch auf ihre Instruktionen. Die Sitzung der Konferenz, die auf 3 Uhr nachmittags angesetzt war, ist daher bis zum Abend verschoben worden. Es wurden Zerstörer nach Konstantinopel gesandt, um die fehlenden Instruktionen zu hrsten.

Paris, 10. Okt. Nach einer Meldung der Chicago Tribüne" aus Konstantinopel setzt der lürkischeEeneralftab trotz des jetzt in Mu­dania herrschenden Einvernehmens die Zusam­menziehung vo «Truppen im Gebiet von

Jsmid zum großen Verdruß der Engländer fort, die die Türken beschuldigen, sie drängen in die neutrale Zone ein. Die Türken erklären jedoch, sie stellten nur Truppen zum Eindringen in Thrazien bereit für den Fall, daß die griechische Armee es ab­sehne, die Provinz zu räumen.

London, 9 Okt. TieCatholic Time^ schreibt in einem Leitartikel, Mustapha Kemal habe auf das Telegramm des Papstes vom 21. September, in dem dieser ihn bat, im Interesse der Menschlichkeit seinem .Heer« strengen Befehl zu geben, um alles überflüssige Blutvergießen zu verhindern, erwidert, weder er noch sein Heer seien verantwortlich für die in Smyrna be­gangenen Gewalttaten.

Die Lage in Men. -

Griechenland räumt Ost-Thrazien.

Paris, 9. Okt. Das Athener Pressebüro ver­öffentlicht folgende Note: Der griechische Minister­rat ist gestern zusammengetne en und hat die Tele­gramme Venizelos einer eingehenden Beratung unter- zogen. Er hat beschlossen, einen neuen Beweis des versöhnlichen Geistes Griechenlands zu geben nnd dem Wunsche und dem Verlangen der Alliierten in größtem Maße entgcgenzukommen, das Opfer der Räumung Ostthraziens zu bringen. Der Ministerrat wird die Verhandlung nur bezüglich der Daten der Räumung des Londes fortsehen.

P a i i s, 9. Okt. Havas meldet ans Athen, die Abgeordneten von Thrazien hätten sich neuer­dings an Poincarä, Lloyd George und die Erzbischöfe von Paris und Canterbury ge­wandt und sie ersucht, man möge den Einzug der Türken in Thrazien vor dem Abzug der bedrohten christlichen Bevölkerung verhindern.

Wassers» und Hungersnot und Pest in Athen.

Paris, 9. Okt. DieChicago Tribüne" meldet ans Athen, daß dort eine große Wassers- und Hungers­not sei. Auch einige Fälle von Pest seien auf- getreten.

M* Haltung. /

London, 9. Okt. DieTimes" meldet aus Riga, einem Bericht von zuverlässiger Seite zu­folge habe der Vollzugsausschuß der Sowjetregie- rung die Sowjetvertreter in Angora und Änrlow angewiesen, der dortigen Regierung rnitzu- ! eilen, daß jedes Uebe reinkommen zwischen den Kemalisten und Großbritannien sowie den an­deren Mächten über die Dardanellen, das ohne Rußlands Kenntnis abgeschlosien werde, als Verletzung des russisch-türkischen Kurs­abkommens angesehen und zu den ernstesten Folgen führen würde.

Lloyd Georges Stellung eWttert.

Paris, 9. Okt. DasEcho de Paris" meldet aus London, in den dortigen Klubs sei die Rede von einer politischen Krise erster Ord­nung. die als eine Folge der vollständigen Nie­derlage der Orientpolitik Lloyd Georges betrachtet werde. Als Nachfolger Lloyd Georges würden Curzon, Chamberlain und Bonar Law genannt.

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Eine neue. Rede Poincaräs.

Poris, 9. Okt. Poincare hat am Sonntag bei der Einweihung eines Denkmals in Vaucouleurs eine Rebe geholten, in der er die Reparationen und die Orientfrage behandelte. Einleitend sprach er von den Reparationen. Er führte aus, daß niemand in Frank­reich daran denke, die Friebensbedingungen noch härter $ii gestalten. Alles, was Frankreich verlange, sei, das. diese Bedingungen erfüllt würden. Es sei eint Ver­leumdung des gesunden Menschenverstandes, wenn men Frankreich irgendwie böse Absichten unterschieb«, inb-m es darauf ausgehe, die unterschriebenen Verpflichtungen erfüllt zu sehen. Im zweiten Teil« feiner Rede sprach Poincare über die Orientfrage. In den letzten Tagen sind wir nahe an dem Abgrund entlang geschritten. Ohne Zweifel können wir nicht zugeben, daß die großen jahrhundertalten Interessen, die wir im Orient haben, vernachlSssigt merken. Frankreichs Pflicht ist es, darüber zu wachen, daß sie wie in der Vergangenheit geschützt wer­den. Frankreich ist natürlicherweise bereit, seine Inter­essen mit denen der anderen in Einklang zu bringen. Andererseits ist Frankreich eine grofje muselmanische Nation. Es ist während des Krieges von Hunderttauscn- den von Muselmanen verteidigt worden. Viele von ihnen ind für Frankreich gefallen. Sogar jene muselmanischen Truppen, die sich gegen die Türken schlagen mußten, haben eine wunderbare Disziplin und ausdauernden Mut an den Tag gelegt

Die ReMalionMge.

Nachdem der Direktor des französischen AusgketchS- amts A l p h a u d am Sonnabend in Berlin etnge* troffen war. folgte ihm gestern der Letter de» en* llschen AuSgletchsamtcs Grey.

Beginn der Berliner Verhandlungen.

Berlin, 9. Okt. Die Verhandlungen über eine Neuregelung der Ausgleichszahlungen haben heute be­gonnen, nachdem bie Leiter des französischen und des englischen Ausgleichsamtes, sowie ein Vertreter deS ge­mischten Schiedsgerichtes in Berlin eingetroffen sind.

Die engltfchen Arbeiter zur Reparationsfrage.

London, 9. Okt. Der Arbeiterführer C l y n t S bat in einer Rede in Buxton über die Haltung der Arbeiterpartei gegenüber der Nepara- t t o n s s r a g e er Hart, die Arbeiterpartei hätte fett Fahren den Standpunkt vertreten, wenn die Repara­tionen nach den Bedingungen des FrtedenSvertrages bezahlt würden, würde dies bett Handel der Ausfuhr­länder tote von Großbritannien vernichten, aber für Teutschiand große kommerzielle Expansionen trotz fei­ner finanziellen Schwierigkeiten sichern. Die eng­lische Politik bezüglich der bcutfdKit Kohle und der deutschen Schisse sei für btefe beiden Groß­industrien Englands v erb ivngniisv o 11 gewesen und je mehr die Neparationspolitik Deutschland zwinge, über die normale Grenze hinaus zu arbeiten, umsoweniger Aussicht bestehe auf die Bermtnbei ttifl bet Rrwerbsiosigkett in England.

Der Staatssekretär im Retchsflnonznu i ertönt Schröber arbeitete vor kurzem eine ausführliche Denkschrift über bte brutschen Reparationsleistungen aus. und legte bas Schtrftstück u. a. mich Professor Keynes vor. Keynes kommentierte bte Darstellung mit folgcnber Bemerkung: Die Tatsachen, ble Smats- <e' ct'ir Sckn öder auf geführt hat, sollten ausr eichen ti',3 Märchen zu zerstören, baß Deutschland seit dem Waffenstillstände nichts getan bat als zu verfneben, sich feinen Verpflichtungen zu entziehen. SebrSder weist in der Denkschrift darauf bin, baß Deutschland schon jetzt zehn mal so viel bezahlt bat, tote Frank­reich nach dem Kriege 1870/71. Er kommt zu bem Er­gebnis, daß ble GesamtabNeseruugen und Ablretun- cr Deutschlands einschließlich des Reichs- und Sir nseiaentnms tn dem verlorenen Teile Cberfdtle- fiens einen Gesamtw-'rt von nahem 41 Milliarden Goldmark repräsentieren.

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Sie KaMenuimlhen.

Der Terror in Südtirol.

Wien, 10. Oft. Der Fazistenterror in SüdtirrÄ geht weiter. In Brixen wurde eine Anzahl beutsch-r Firmenschilder zertrümmert. Infolgedessen sind da« Rathaus und andere ösfentliche Gebäude militärisch bewacht. In Trient soll wieder Ruhe herrschen. Dir Zivilbehörden haben die Gewalt wieder übernommen. Der von den Fazisten geforderte Rücktritt des Iivil- kommissars für Südtirol, der fein Demifsionsanerbieten bereits überreicht hat, steht bevor. Als sein Nach­folger soll General Badotl oder General Adamo in Betracht kommen.

Italienische Drohung an Oesterreich.

Rom, 10. Oft. Facta hatte ein- eingehende Be­sprechung mit dem Generalsekretär der Fazisten, bet namens der Parteileitung bie schleunige Kammerans- lösung und Neuwahlen verlangte. Obschon der Seite» ralfefretär seine ganze Beredsamkeit answandte, ge­lang es ihm nicht. Facta zu überzeugen. Vielmehr trug Facta die Angelegenheit bem Ministerrat vor, bet beschloß, bie Frage bet Kammer vorzulegen unb sie am Monatsende zusammenzubecuseu. Mussolini rich­tete an den Ministerpräsibenren und den Außen­minister sowie den Finanzminister die Aufforderung, angesichts der heftigen italienfeinblichen Sprache bet Wiener Presse bie Auszahlung bet zweiten Rate beS Hilfsgeldes an Oesterreich einzustellen. Ter Außen­minister antwortete, er habe sich mit dem Schatzminister in Verbindung gesetzt und den italienischen Gesandten in Wien angewiesen, gegen den Ton der Wiener Presse energisch zu protestieren.

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Aus dem besetzten Gebiet.

Eine deutsche Beschwerdenote an Belgien.

Die Zeit" schreibt: In der Oberkasscler Ange» legenheich an der bekanntlich nur belgische Militär­personen beteiligt waren, aber Maßnahmen gegen bie deutsche Bevölkerung unb bie deutschen Behörden er­griffen Würben, hat der deutsche Geschäfts­träger in Brüssel dem belgischen Ministerium des Aeußern eine Note überreicht. Darin wirb inSbe» besondere Beschwerde geführt über die dem Beige- ordneten Dr. Obenkirchen unb dem Polizeibeamten Blasius zuteil gewordene Behandlung.

Stu neuer Zwischenfall in CberTafikL

Berlin, 9. Oft. Nach einer Mrtdttng bitt Deutschen Allgemeinen Zeitung" aus Düsseldorf ist in der Nacht vorn Samstag auf Sonntag in Ober - kassel, bas von den Belgiern besetzt ist, ein beut» chrr Zivilist von einem bdgifdjen Soldaten beuch, ciflto £tal 1 Idutfc lebenGLläLkliL. verletzt.