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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurheUchej Oberhessen

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Tie£)beri>e|[iut)e Zeitung eijcheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 105 Mk. mit Zustellungsgebühr. Für ausiallenve Nummern infolge Streiks ooet elementarer (Eieigniiie kein Lriatz. Verlag von Dr. T. Hinerotd. Truck der Unte.»Bud)bni<fetei non 3 ob. Aua. Koch. Markt 21.LS. Hernjprecher 55, Post­scheckkonto: ät. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Ütasiiig. hra 3. Dttoier

»»Hardt.

Der Ameigenprei, beträgt fflt den 9 gesp. Zeilenmillimeter 3.00 Mk., amtliche und aus». Anzeigen 4.00 Mk. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Bei schwierigem Satz 50*/, Aufschlag. Spät einlause «de oder de» Raum über */. Seite einnehmende An­zeigen werden nach der Textspaltenbreite berechnet. Reklamen die Col.-Zeiie 30.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bet Auskunft durch die Geichäftsstelle und Vermittlung der Angebote 3.00 Mk. Sondergebllhr.

57. Mrs.

1922

Sie AMmsitrm en» Die SAMge.

EinJnterview mit demReichSkanzler.

Berlin, 30. Sept. Der Reichskanzler Dr. Wirth erklärte Vertretern ausländischer Zeitungen über d« S E uld frage folgendes:

In der letzten Zeit haben in Deutschland zahlreich! Kundgebungen zur Frage der Schuld am Weltkriege statt- gesunden. Eine große Bewegung geht durch alle Teile des Volke?, und immer wieder wird dagegen protestiert, daß Deutschland die Rolle des Verbrechers von 1914 spielen soll Die deutsche Regierung kann sich dieser Bewegung gegenüber nicht gleichgültig verhalten und hat dies auch nie getan, wenn sie auch aus politischen Gründen nicht immer so vorgehen durfte, wie dies temperamentvolle Kämpfer in der Schuldsrage forderten. Die Frage hat «ns aber ununterbrochen beschäftigt, und wir sind mit allen Kräften bemüht, soweit eS nur irgend in unserer Macht steht, zu ihrer Klärung keizutragen. Nur wenn die Wurzeln der Katastrophe von 1914 restlos ausgeLeckt werden, läßt sich ihre Wiederholung für alle Zeilen verhindern. Das ist die hohe ethische Seite des Prcb-- lems, deren Ernst sich niemand, dem di: Zukun i unserer Kulturwelt am Herzen liegt, verschließen darf. Die Vorgänge, die zum Weltkriege führten, können nur durch rückhaltlose Offenheit aller Beteiligten aufgeklärt werden. Deutschland hat diesen Weg gleich nach Be­endigung des Krieges beschritten. Zuerst brachten tvir die sogenannten Kautsky-Akten heraus, die all? deutschen Dokumente aus den Tagen unmittelbar vor Kriegsaus­bruch enthielten. Vor kurzem sind dann, wie Ihnen toohl bekannt ist, die errstcn sechs Bände der diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes erschienen, und diese Sammlung wird, weil» sie einmal abgeschlossen ist, der veffentlichkeit von den geheimen Schriftstücken der Wil- Helmstraße aus den Jahren 1871 bis 1914 ein vollstän­diges Bild geben. Während wir so unsererseits alles zur Verfügung stellen, um unseren Beitrag zu dn müh­samen Arbeit einer restlosen Aufdeckung der Wahrheit zu liefern, verfolgen wir natürlich mit gespannter Avs- merkfamkrit- eite anderen Publikationen, die neue Auf­schlüsse über die große Frage, von der wir sprechen, ent­halten. Daß durch sie ebenfalls bedeutsames Material zu Tage gefördert wird, zeigt nicht nur das von der Sewjetregicrung kürzlich veröffentlichte Aktenmaterial so­wie das in Paris erschieneneLivre noir", sondern auch eine soeben von dem früheren Gesandten Fre'herrn von Romberg herausgebcne Sammlung diplomatischer Doka- fnente über die Fälschungen des russischen Orangebuches. So enthält z.B. eine Depesche des russischen Geschäftsträgers in Paris vom 34. Juli 1914 in ihrer ursprünglichen Fassung einen Satz, der »» der offiziellen Ausgabe weggelassen wurde, ob­wohl oder besser, weil er ans di- Rolle DmtschlandZ e-n günstiges Licht wirft. Er lautet:Deutschland wünscht heiß die Lokalisierung des Konfliktes, da di- Einmischung einer anderen Macht auf Grund der bestehenden Ver­träge unberechenbare Folgen nach sich ziehen müßte." Hier zeigt sich also, daß man auch auf der Gegnerseite genau wußte, daß Deutschland die Entfesse­lung des Weltkrieges nicht wollte, son­dern danach strebte, den Streit zwischen Oesterreicki- Ungarn und Serbien einzudämmen. Sehr charakteristisch ist ferner, daß die Vermittlungsversuche, die Deutschland «nährend der krit-schcn Tage in Paris unternahm, in der offiziellen Ausgabe entstellt, die Schritte d-s deut­schen Botschafters vom 28. und 29. Juli sogar unter­drückt wurden, weil aus den Original-Depeschen Is­wolskys, des bekannten russischen Botschafters in Paris, hervorgeht, daß dies- Schritte an der ablehnenden Hal­tung der-französischen Regierung scheiterten. Zugleich läßt sich beobachten, daß von französischer Seite tat­sächlich auch nicht der geringste Versuch gemacht wurde, auf Rußland im Sinne der Nachgiebigkeit einzuwirkcn. Iswolsky Mite vielmehr an einer Stelle, die im Orangebuch" gleichfalls ausgemerzt ist, mit Genug- tuung fest, daß Paris jeder Gedanke an eine Einwirkung auf Petersburg durchaus fern liege. Ganz im Gegenteil gab man Petersburg immer wieder die Versicherung un­begrenzter Unterstützung. So meldet z. B. Iswolsky in einem Telegramm vom 29. Juli, daß der franzä'i'che Ministerpräsident Viviani sich sofort nach seiner Rückkehr aus Rußland zu ihm in diesem Sinne geäußert habe. Selbst als die Nachricht von der allgemeinen Mobilmach- «ng in Rußland einlief, wurde die bedingungslose Zusage erneuert. Denn in diesem Augenblick meldet ein Tele­gramm des russischen Botschafters:Die französische Regierung ist bereit, alle Bündnispflichten zu erfüllen." Sie sehen aus diesen wenigen Proben, daß auch das neue Aktenwerk bedeutende Beiträge zur weiteren Klärung der Frage nach der Geschichte des Kriegsausbruchs bringt. Widmet sich die Wissenschaft einer solchen Aufgabe, so leistet sie, der ganzen Menschheit einen Dienst, indem sie mithilft an dem Kampf um die Wahrheit über do? tra­gische Schicksal der Völker von 1914

Viviani gegen Wirth.

Paris, 2. Okt. Abg Viviani, der le< K rgs- ousbruch Ministerpräsident war. veröffentlicht durch Havas eine Erklärung gegen die Aeußorungm des R-'ichs- k-iuzlers Dr. Wirth vor Pressevertretern über die von dem ehemaligen Gesandten von Romberg veröffentlichten Dokumente über die Kricgsursache gemacht hat. Viviani beschäftigt sich zunächst mit der Erklärung Tr. Wirths, daß am 29. Juli Iswolsky der russischen Regierung wiigeteilt habe, daß Frankreich ihm unbegrenzten Lei­stend versprochen hätte. Viviani erklärt, er sei am 18- Jul: um 1 Uhr in Paris eingetroffennnd hätte den Dienst wieder übernommen und bei« Botschafter der Mittelmächte empfangen. In der Nacht vom 29. zum

30. Jul- sei Iswolsky ins Ministerium gekommen und habe d. Margeiw die Depesche mitgrteilt, in der Safonow anm sichls de<- deutfch'n Ultimatums gefragt habe, was Frankreich zu tun gedenke. Viviani erinnert an seine Depefch« »01 in- Gelbbuch, in der er nach Pe^nsburg na) Lolche.1 gedrahtet habe, Frankreich ist entschlossen, alle Allianzverpslichlungen zu erfüllen. Es wird im übrigen nichts .vernachlässigen, um eine Lösung des Konfliktes im Interesse des allgemeinen Friedens herbei« zuführcn. Die zwischen den weniger interessierten Mäch­ten eingcleiteten Verhandlungen gestatteten noch die Hoff­nung, daß der Frieden aufrecht erhalten werden kann. Viviani erinnert ferner an die Depesche 100 des Gelb­buches, in der Palrologue mit geteilt habe, daß Sasonow ihm erklärt habe, daß gerade im Laufe der letzten Nacht der Generalstab gebeten worden lei. militärische Maß­nahmen aufzuschieben, um j-des Mißverständnis zu ver­meiden. Viviani erklärt weiter, daß Deutschland, was Dr .Wirth vergesse, bevor es die russische Mobilisierung kannte, den Zustand der drohenden Kriegsgefahr erklärt habe. Freiherr von Schoen, der den Auftrag gehab! hak-e, die Neutralität Frankreichs zu verlangen, habe es nicht gewagt, soweit zu gehen und sich damit begnügt, ihn, Viviani, zu fragen, was Frankreich tun würde. Daß Frankreich pazifistischen Geistes gewesen sei: werde da­durch bewiesen, daß es am 30. Juli feine Truppen um 10 Kilometer zurücknahm und zuletzt von allen am 1. August mobilisiert habe, einen Tag nach Deutschland. Viviani erinnert weiter an die D-pesche des Zaren an den König von Serbien vom 27. Juli, in der er ihm den Frieden anempfahl und daran, daß-die russische Regie­rung auch nach der Kriegserklärung au Serbien die englische Reg'erung g beten habe, in Berlin Schritte zu tun, damit Oesterreich die Verhandlungen wieder aus­nehme, wobei sie sich mit jeder vorgesehenen Form der Vermittlung einverstaudm erklärte und int Voraus ver­pflichtet habe, der Deutschland augenehmen Form zu-

:mmen. E'ne versöhnliche Formel, br dem deutschen Botschafter in P-tersünrg am 30. Juli mitg teilt worden fei und in der Rußland sich verpflichtet habe, die milil täriscken Vordere hingen einzustellen- habe Staatssekretär von Jogow weiter zu geben abgesehnt. Schließlich er-' innert Viviani an den Vorschlag des Zaren an den Kaiser vom 29 Juli, den Konflikt dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Viviani schließt, indem er auf bk in Aussicht stellenden Randbemerkungen zu den in den »ran« llll'ichen B ättern erfdrinenW Memoiren des Kaisers vettveist. In diesen Randbemerkungen werde man Ge­legenheit haben, die beabsichtigten Lücken der kaiserlichen Memoiren auszusüllen.

BmMtt LNdlW.

16 9. Sitzung vom 2. Oktober.

Dee Ausspra über die Anfragen und Anträge zur Teuerung wird fortgesetzt.

Abg. Dr. Hoffmann-Münster (Deutschn.): ES müslen Mittel und Wege gefunden toetten, für d'e Intellektuellen und die Angehörigen der freien Bernie u sorgen. Desgleichen muß für die kinderreichen Ar­beiterfamilien eine Staffelung der Bezüge erfolgen und für die Beamte Vorfchüss: und Be-stilfen gewährt wer­ben. Besonders bedürfe» die geistigen Arbeiter in* das Handwerk der Hilfe.

Abg. Oeser (Dem.): Mit parteipolitischen Agita­tionen werd die Not nicht behoben und keine Einigkeit unter den Parteien erzielt. Nur durch einen einheit­lichen nationalen Willen und die richtige Wirtschafts­politik ist eine Revision der Friedensvertrags möglich. Die auf Verlangen d'r Entente eingetretene Autonomie der Reicksbank bedingt schwerste Gingpfk in da? Wirt­schaftsleben. D.e Kr.dllerteilung ist eingeschränkt wor­den, und bei der Unterbringung der belgischen Schahwech- sel haben wir gesehen, daß sie auch Aufträge nicht mehr »hne weiteres aussübren fann. Mangel an Sachwerten treibt die Preise in die Höhe. Was uns aber an Sub­stanzen und Vermögen noch bleibt, re>ßt uns das 'Aus­land aus der Hand. Dazu kommt die seelische Be­drückung unseres Volkes durch den Friedensvertrag.

W'a. Frau Lehma n-n (Deutschn.) schildert die Not der Kleinrentner und der Lehrerschaft an den Privat- ch ulen und tritt für die von Frau Christmann angegriffe­nen Hausfrauenvereine ein.

Abg. Raabold (Soz.) polemisiert gegen die deutsch, nationalen Reden und fordert auf. den Wucher an der Urouelle zu packen b»i der Großindustrie, beim Groß­grundbesitz und bei den Kartellen.

Abg. Frau Baches (Ztr.) schildert die sinanzielle Not der Sleinrenter, der eine unwürdige Schlemmerei gewisser Kreise im bes-tzten Gebiet gegenüberstehe. Sie appelliert an die deutschen Frauen, die Auslandsmoden zu verbannen und sich deutscher Arbeit zuzuwenden.

Abg. Grün dm ann (D. Vpt.) schildert die Woh­nungsnot und fordert Wohnungsbau im großen Stil. Die Zuschußwirtschaft habe versagt, und die Zwangswirt­schaft müsse planmäßig abgebaut werden.

Abg. Wester mann (D.m.) betont daS Bestwoeu der Landwirtschaft, die Produftion zu erhöhen Mau 'olle aber mit der Umlage diese Produktion nicht er­drosseln.

Abg. Schlange (Deutschn.) erflärt den Eintritt her Deutschen Volks Partei in die Koalition für einen wei­teren Schritt zum Verderben, wendet sich gegen den Acht­stundentag und schließt mit den Worten: Wir können den Stäotern keine Hoffnung machen, solange wir nicht von Versailler Friedensvertrag loskommen. Man sollte sich an den Türken ein Beispiel nehmen.

Landwirtschaftsminister Dr. »Wendorff weist darauf hin, daß ein Gesetz betreffend die Versorgung mit Stick­stoffdünger vorbereitet werde.

dlbg. Titscheid (Ztr.) tritt für den Mittelstand ein. '

Abg. Klausner (Soz.) tritt für entschiedene Durch­führung der Umlage ein.

Nach einer Erwiderung de? Landwirtschaftsministers tvird die Weiterberatung auf Dienstag Vormittag 11 Uhr vertagt.

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Aus den Ausschüssen.

Die Stabilisierung der Währung.

Berlin, 2. Oft. Ein Unterausschuß deS RetchS- wirtschastsrates bat in seiner Sitzung vom 2. Oktover d'.e Beratung der lierrfcOenben Währunqs- und Kre- ditnot begonnen. ES wurden zwei Arbeitsausschüsse zur Beratung der Maßnahmen die zu einer Stabiliste- rung der Währung führen können und zur Ausarbei­tung neuer Kreditformen eingesetzt.

Der Krieg tm Orient.

Friedensaussichten?

Paris, 2. Okt. Wie Havas mitteilt, hat P o i n - c o i e gestern abeitb zurrst den italienischen Botschafter - orra und dann den englischen Botschafter Lord H a r d i n g e empfangen und ihnen die Note Ke­mals zur Weiterleitung an ihre Regierungen über­geben. In französischen Kreisen fei man der Ansicht, daß diese erste Antwort der Türkei nichts enthalte, was die durch den Beschluß vom 23. September vorge- s hene Konferenz der Generale rerhindern könnte. Man sei überzeugt, daß England und Italien bereit sein würden, an dieser militärischen Konferenz teil',unehmen, die.am nächsten Dienstag mit der Regelung der aqs b!e Räumung der neutralien Zone und Thra­ziens bezüglichen fragen beginnen werde. Hnt'e diesen Umständen herrschte gestern abend der Eindruck, dost man einer Entspannung entgegengehe und ieht a.:f eine Regelung der so besonders erregenden Loge in der Gegend von Tschanak ohne Konflikt hoffen dürfe.

Havas berichtet aus Konstantinopel: Man fänb.tfe im Dreibund der Pforte an, die Regierung von Kon- stautinopel habe sich entschlossen ihren Vertret'tu in Paris und London hie Instruktion zu erteilen, <e Ge- schäfte den Vertretern der großen Nationalversam-n- lung zu übergeben. Die Delegierten von Konstanti­nopel wurden wegen der finanziellen Lage der Regie- rung abbernsen.

Paris, 2. Okt. Die französische Regierung veröffentlicht setzt die Rote vom 29. September, die der Außenminister der Angoraregierung, Iussef Pascha, gesandt bat. Iussuf Pascha schreibt: Im Vertrauen auf die Versicherungen, die Herr Frank­lin Bouillon soeben dem Chef der türkischen Trup. pen gegeben hat und im Einverständnis mit den Vertretern der Entente in Paris sowie überhaupt, daß man unverzüglich Verhandlungen zur Herbei­führung eines direkten Friedens einleitcn werde, haben wir Order gegeben, unsere militärischen Operationen mit der Richtung auf Konstantinopel und Tschanak zur Verfolgung der griechischen Armee sofort zu unterbrechen. Die Versickzerungen Frank­en Bouillons haben die gerechte Gesinnung der Entente gegenüber den Ansprüchen der Türkei dar­geboten. Hingegen sei es gefährlich, Thrazien auch nur noch einen Tag Länget unter der Venvaltung und Besetzung-der griechischen Armee zu belasten. Cs ist unbedingt notwendig, Thrazien bis zum Westufer der Maritza einschließlich Adrianopels sa- fort. von den Griechen räumen zu lasten und der Regierung der großen türkischen Rationalv-rsamin. luna zu übergeben. Die Einberufung einer Kon- ferenj der Alliierten und türkischen Generale zum Zwecke der Oefsnung aller Fragen im Einklang mit bcn Wünschen der Entepte wird für den 3. Oktober oorgoschlagen. Von türkischer Seite wird der Kom­mandant der türkischen Westtruppen. Ismed Pascha an de rKonferenz teilnehmen. Die Entente wird gebeten, die von ihr für diese Konferenz bestimmten Generale namhaft zu machen.

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Paris ,3. Okt. Havas berichtet aus Konsianti- nopel am 1. Oft.: Obschon der Gesundheitszustand des Sultans ihn zwingt, sich von der Regierung zurück- zuzieben, ist die Nachricht von seiner Abdankung ver­früht.

Die Wrem m MMnia.

Paris, 2. Oft. Nach einer Haoas-Meldung aus Konstantinopel hat Kemal seinen General-" stabschef beauftragt, auf der Konferenz von Mu- rania am kommenden Dienstag die Sache Angoras zu vertreten, da er selbst sich nach Angora begeben müsse. Durch dir Abwesenheit Kemals verlieren bi» Konferenz stark an Bedeutung. Aber tlsmat Pascha sei im Besitz von Vollmachten, über die Räumung von Thrazien, die Frage bet neutralen Zone und di«

Einstellung von Truppenbewegungen auf beiden Seiten' zu verhandeln.

Parks, 2. Ott. Frankreich wird auf der Kon­ferenz von Mudania, die bereits morgen beginnen soll und die Einleitung zu einer etwa am 15. Ott. zusammentretenden Friedenskonferenz bildet, durch General C h a r p i, England durch General H a r - r i n g t o n und Italien durch General Morn- p o l l i vertreten sein, während die Angoraregie» rv.ng den General Ismed Pascha, den Ober­befehlshaber der westlichen Heeresgruppe, zum Be- auftragten ernannte. Franklin Bouillon ist bereits an Bord des KreuzersMetz" in Konstantinopel eingetroffen und wird sich von dort nach einer Rück­sprache mit General Harrington nach Paris zurück-. begeben.

Die Balkanstaaten für den Status quo.

P a t { s, 2. Ott. Der Korrespondent desMa- ün meldet aus Belgrad, daß er aus authentische, Quelle erfahren habe, daß die jugoslawische Regie­rung auf der bevorstehenden Orientkonferenz die Aufrechterhaltung des Status quo auf dem Balkan und die Internationalisierung von Konstantinopel und den Meerengen beantragen will. i

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Pari-, 2. Okt. Nach einer Meldung beäiNew- York Herold" aus Konstantinopel beabsichtigt Kemals eine VolkSab sttmmung inWestthrazienM verlangen. Diese Frage werbe jedoch der künftigen Friedenskonferenz überwiesen werden.

Paris ,2. Ott. DieChicago Tribüne" meldet, Kemal habe Franftin-Bouillon mitgeteilt, daß seine Hauptforderung in Mudania die Zurückzie­hung der Engländer aus den Zonen von T s ch a u a k n n d I s m i d sein werde, und daß er üben den Frieden nicht verhandeln werde, bevor die Räu­mung dieser Gebiete durchgeführt sei.

Paris, 2. Oft. Hava« berichtet ans Konstaa- tinopcl: Mau erfährt aus autorisierter Quält; daß di- Türken bereit seien, die Entsendung alli­ierter Truppen nach Thrazien für die Dauer der Verhandlungsperiode zuzustimmen.

Die Kämpfe.

Paris, 2. Oft. Die Türken fahren fort, sich die diplomatischen Verhaildliingen zu Nutze zu machen, um ihre militärische Lage zu verbessern. Die Sage bei Tschanak ist in höchstem Grade ungewöhnlich. Die in der neutralen Zone angelangten türkischen Strcitkrästr werden heute bereits mik 30000 Mann geschätzt. Sie haben die englischen Stellungen von ollen Seiten einge- schlossen, und die Vorposten der beiden Parteien stehen sich so nahe gegenüber, daß sie sich miteinander unter halten können.

Paris. 2. Okt. DerIntranstgeant" meldet aus Konstantinopel, daß 300 kemalistische Kaval- IctUlen den Bosporus in bet Nähe von Beikos in der neutralen Zone überschritten haben. Gleich­zeitig wird gemeldet, daß Kemal Pascha bas An- stcbot der Sowjetregierung, seine Truppen auf ruf, iiichen Schiffen von Asien nach Thrazien zu Lber- iühren, angenommen habe. Die Negierung von Moskau habe den Kcmalisten Dampfer zur Ver­fügung gestellt, die von einem russischen Hafen des Schwarzen Meeres auslaufen und einen Hasen von Ostcisien, wahrscheinlich Midia, anlaufen sollen. Die Truppen Kemal Pasckzas würden an bet Küste des Schwarzen Meeres znfaminengezogen. Sie könnten auf diese Weise übe rdas Schwarze Meer nach Thrazien gelangen, ohne dabei mit britischen Truppen in der neutralen Zone, oder mit Schiffen der britischen Fotte, die die Meerengen bewachen, zusammenzustoßen.

Paris, 2. Okt. DasJournal" meldet aus London, daß der TransportbampferEorsican" den Hafen von Southampton gestern mit 1500 Offi­zieren und Sodaten, die nach dem Orient abgehen, verlassen hat. Der Dampfer selbst habe große Men- gen Kriegsmaterial an Bord.

Belgrad, 2. Oft. Aus Italien kommende Nach­richten über Kämpfe in Albanien sowie die Aufstellung eines albanischen Streitkotps für Kemal werden von der hiesigen albanischen Gesandtschaft als Erfindung bezeichnet.

Paris, 2. Okt. Havas meldet aus Konstante nopel: In den griechischen Kreisen in Konstantj, nopel herrscht starke Aufregung. 10 000 Griechen itaben bereits ihre Pässe verlangt. Die Schiffe rei­chen nicht mehr aus, um alle die zu transportieren, die die türkische Hauptstadt verlasien wollen.

$it finge in Mn.

Paris, 2. Oft. Zur Lage in Athen toitb ge­meldet, baß die Generäle Eenatas und Plastiras zu- am men mit dem neuen Kabinett die Regierung führen werden. Weder vom Ministerpräsidenten Zaimi-, nochs vo» Politik dem Außenminister, die beide