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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Ä" W 57. Wkg.

1922 i

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Jlt. 231

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Die .Oberhesfiichr Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. Pezugsvreis monatlich 105 Mk. mit Zuftelluagsgebühc. Für ausfallende Nummern infolge Streits ooei elementarer Lreigniiie kein Ersatz. Lerlaa von Dr. L. Hinerota. Druck der lluiv^Buchdruckerei von 2od. Äug. Koch, Markt 21.23. Fernsprecher öS, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Ämt Frankfurt a. Main.

Marburg Msnlag. iien 2. Wer S lbhardt.

Der Anzeigenpreis beträgt für den 9gesp. Zeilenmillimeter 3.00 SRI, amtliche und ausw. Anzeigen 4.00 Mk. Andere Spaltenbreiten entsprechend. Bei schwierigem Satz 50°/, Ausschlag. Spät einlaufend« oder den Raum überI. Seit« einnehmende ~.v- -eigen werden nach der Tertspaltenbreite berechnet. Reklamen die Col.-Zeile 30.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barradatt. Bei Auskunft durch die Eejchäst,stelle und Vermittlung der Angebote 3.00 Mk. Sondergebühr.

Wofilttt MolheisiibkkUÄ.

Don unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

Der Kampf um die Eetreideumlage hat sich in den letzten Tagen in außerordentlicher Weise zu­gespitzt. Es handelt ft chdabei um einen Gegensatz bürgerlicher Wirtschaftsauffassung, die die Produk­tionsvermehrung in den Vordergrund stellt, und soziale Theorien, die ihr Ziel allein in der Preis- verbilligung für die Masten erblickt. Der Schnitt geht diesmal mitten durch das Reichskabinett, denn insbesondere der Reichsernährungsminister Fehr soll sein Verbleiben im Amt unbedingt oon einer wesentlichen Erhöhung des Preises des llmlage- getreides abhängig gemacht haben. Diese For­derung rechtfertigt sich ohne weiteres durch die in­zwischen erfolgte weitere Geldentwertung, die eine wesentliche Verteuerung der Betriebskosten, ins­besondere der künstlichen Düngemittel und der Kohlen mit sich gebracht hat. Allerdings ist die Differenz zwischen den beiden Parteien recht groß, venn während der festgelegte Umlagepreis für das erste Ablieferungsdrittel 345 M für den Zentner Roggen beträgt, befürwortet der Reichsernährungs­minister einen Mindestpreis von 1350 M. Aber selbst diese Preisfrage tritt weit zurück hinter das Ernährungsproblem überhaupt, das sich im neuen Erntejahre wegen des ungenügenden Ernteertrages ohnehin schon schwierig gestalten wird. Man wird darum auch eine sehr erhebliche Vrotnreiserhöhung notgedrungen in Kauf nehmen müssen, wenn da­durch eine genügende Ablieferung des Umlage­getreides erreicht wi'-d c> - - " : o

schäft zu den heute festgelegten Preisen entschieden wehrt, und zwar angesichts der Eesamtlage der t Preise mit einem -gewißen rnmalischen Recht.

Wir stehen asto, wenn es nicht gelingt, aus der inländischen Erzeugung herauszuholen was b:ro> zuholen ist, vor der Hungersnotgefahr. Denn die Erwartungen mancher Kreise, daß dis kleine Atem­pause, die inbezug auf die Reparationszahlungen erreicht worden ist, zu einer Befestigung der Mark führen und uns damit in gcwistem Umfangs den Bezug des nötigen Auslandsgetreides ermöglichen werde, hat sich, wie heute schon feststeht, nicht er­füllt. Vielmehr hat der Dollar eine neue Aufwärts- bewegung erlebt, obwohl eigentlich eine besondere Veranlassung hierzu nicht vorliegt. Aber cs bedarf einer solchen garnicht in Anbetracht der Tatsache, daß die fortschreitende Inflation ganz automatisch dem Entwertungsprozeß der Mark sich weiterent­wickeln läßt. Wie soll die Mark sich befestigen, so­lange die Reichsbank sich durch dringende Erfor- derniste der Wirtschaft gezwungen sieht, täglich für 4 Milliarden und nächstens sogar für 7 Milliarden Mark Papiergeld in den Güterverkehr hineinzu­pumpen, nur um wenigstens die äußerliche Zah­lungsmittelnot, die schon die Auszahlung der Löhne und Gehälter empfindlich behinderte, zu lindern? Die Kapitalnot dagegen besteht, wenn sie auch gegenwärtig scheinbar ein wenig zurücktritt, in Wirklichkeib'IBrt und wird sich sehr bald auch an den Börsen wieder stärker bemerkbar machen. Weder kann die Mark stabilisiert, noch kann die Kapitalnot gehoben werden, solange die deutschen Inlandspreise ihren rapiden Anstieg unaufhaltsam fcrtsetzen. Am 1. Oktober treten wieder wichtige und starke Erhöhungen der Eisenbahn- und Post­tarife in Kraft, die sich am 1. November noch weiter verstärken sollen und müssen. Gleichzeitig erleben wir neue Preisverteuerungen der wichtigsten Roh­stoffe, teils als Folge der Transportverteuerung, teils aus zahlreichen anderen Gründen. Am 1. Okt. erfolgt z. B. neben einer weiteren Kohlenpreis- rrhöhung eine entsprechende Heraufsetzung der Roh­eisenpreise. Dazu kommen bereits beschlossene Preissteigerung für Kali, Zement und andere Roh­stoffe. Diese Preisinflation muß notwendig auch auf die Kapitalnot ungünstig zurückwirken. Aus diesem Grunde weiß man auch nicht, wie lange die gegenwärtig in Gang befindliche Anpassung der Industriekurse an die Geldentwertung sich fortsetzen wird.

' ' 3n bet deutschen Industrie gehen gegenwärtig die wichtigsten und bedeutungsvollsten Dinge vor. Die Konzentrationsbewegung macht wieder gewal­tige Fortschritte. Zn aller Stille ist durch die An- «äherung der Phönixgruppe an das Sachfenwerk Licht und Kraft ein neuer Elektromontankonzern jentstanden, der mit dem der Rhein-Elbe-Siemens- Kchuckert-Union manche Lberafchende Aehnlichkeit besitzt. Sein Prinzip ist ebenfalls die einheitliche jRontroöc der Produktion vom Rohstoff bis zum Weinsten Fertigerzeugnis.

! Auch in anderer Hinsicht scheint der Geist von Kugo Etinnes anfeuernd und vorbildschaffend zu Dirken. Dem Etinnes-Lübersac-Abkcmmey folgten

weitere auf ähnlicher Grundlage aufgebaute Sach- lieferungsverträge. Schon aber sind Pläne im Gange, die darüber hinaus ein systematisches Zu­sammenwirken der deutschen Montanriesen mit der französischen Hüttenindustrie zum Ziel haben. Ist die praktische Verwirklichung dieser weitreichenden Projekte auch noch keineswegs gesichert, so steht doch das Eine fest, daß die weitere Entwicklung der deutschen Industrie ungeheuer Kapitalien wird an stch ziehen und binden müssen, die die deutsche Volkswirtschaft in ihrer heutigen Kapitalnot ganz gewiß nicht ausreichend zur Verfügung stellen kann. Sicher ist, daß die Industrie in jedem Falle ihre so lange zurückgehaltenen Ansprüche an den deutschen Kapitalmarkt sehr bald in ungeheurem Ausmaß wird geltend machen müssen. Die Beschaffung des für die Fortführung und notwendige Erweiterung unserer industriellen Betriebe notwendigen Kapi­tals wird immer mehr zu den Hauptsorgen unserer an der Kapitalverwässerung leidenden Volks­wirtschaft.

16 8. Sitzung vom 30. September. Fortsetzung der Teuerungsdebatte.

Naclibem das Haus zunächst debottelos die Abgeord­netendiäten auf 25 000 Mark monatl-ck erhöht bah wird in die Besprechung der gestrigen Anfragen über die Teuerung eingetreten.

Abg. ß aas f©oi.) bezeichnet die gestrigen Ausfüh­rungen d"s deusschnativnalen Mgeordneten Becker als ^emagowsck. Von einer Not der Landwirtschaft könne keine Rede sein, wühlen doch die Landwirt? kaum, tote sie hctS niete Paperg-ld in Sachwerten anleg m sollten. Auch die Nage über die Kunfidüngcrpreise sei nur ein Schlag­wort, da ja für lanbwirtscbaftlichc Produkte das 120 'ncbe der Friedenspreise erzi-'lt werde. Redner fordert Aufbesserung der Sozialrentner und der Erwerbslosen- -.m'erstützuug sowie Einführung der Planwirtschaft.

Abg. Sprenger (Ztr.) verlangt schärfste Bekämpf­ung des Wuchers in jeder Form, auch bei den Kartellen und Syndikaten und besbalb Ueoerwachung der Preis­bindung. De Deutschnationalen hätten durch die syste­matische Untergrabung der Negierungsautorität vor dem Auslande eine gross? Mitschuld an der Bersch^-chteruua unserer Wirtschaft. Schrankenlose freie Wirtschaft sei letzt unmöglich: deshalb müßten unlaut-re überflüssige Elemente aus der Wirtschaft beseitigt und die Genossen­schaften gefördert werden.

Mg. Eng berding (D. Vpt.): Falsch ist die Be- bm'vtuua, h-'ß der Dollar künstlich in die Höhe getrieben wird. D e Mark geniesst im Ausland so wenig Ver­trauen. weil unf~rnt Papiergeld jede Deckung fehlt. Wir wollen den Achtstundentag nicht beseitigen, wend-en uns aber gegen seine schematisch? Durchführung. Wir können die Mark erst höher bewerten, wenn unsere Pro­duktion gesteigert unb unsere Zahlungsbilanz aktiv ge­worden ist. Der Handel kann für die Preistreiberei nicht verantwortlich gemacht werden. Hilfe kann erst kam men, tvcnn die Reicbsregiernng zu ein'tn energischen -Ms hierher und nicht weiter" sich aufrafft.

Abg. Meyer- Bielefeld (D-utschn.): Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produftion bedarf einer Um­stellung der industriellen Rohstosserreugung für die Land­wirtschaft Vor allem muß mehr Anbaufläche durch Ur­barmachung von Oedland geschaffen werden. Es ist vu- tvoechtigt, den Landwirten Wucher vorzuwerfen. Die Reichsgeireidestelle trägt sehr zur Verteueruna des Brotes bei. Selbst sozialistische Landwirte geben zu, daß mit dem Umlaaepreis nicht auszukommen ist. Alle Lebens- und Düna-mittel sollten zu einem besonders ermäßigten Tarss aus der Reichsbahn befördert werden.

Wg. Frau Arendsee (Komm.) macht die Sozial­demokraten dafür veranttvortüch, daß sich die Macht der Grossagrarier und Industriellen so gewaltig zum Sch-.rden der Verbraucher fr-hern konnte. Mit dem ganzen System müsse Schbrß gemacht werden.

Abg. Frau Cbristmann (Soz.) schildert die furcht baren Wirkungen, welche die Teuerung der Milch und anderer Nahrungsmittel für den Gesundheitszustand der Nnder im Gefolge habe. Sollen die deutschen Kinder dem Profttinteresse der Aussauger und Händler geopfert wer­den? Die Regierung müsse endlich die Großagrarier fest anpacken, bei denen die Wurzel alles Nebels" liege.

?lbg. Jacoby- Rauffau (Ztr.) nimmt die Land­wirtschaft vor dem Vorwurf des Wuchers in Schuh Klein- und mittlere Bauern könnten schon jetzt den Kuust- irünaer nicht mehr bezahlen und mit dem Umlagepreis könne die Landwirtschaft unmöglich auskommen.

Abg .Graf Stolberg-Wernigerode (D. Vpt) ücht ebenfalls nachzuweisen, daß die Preise der landwirt- schaftlichen Erzeugnisse keineswegs wucherisch hoch seien. Gegen den wirklichen Wucher sei aber mit Gesetzgebung wenig zu machen. Die Mißachtung vor den Gesetzen und das Schwinden der Staatsautorität sei darauf zu­rückzuführen, daß die Linke ftüher jahrzehntelang dien Autorität untergraben habe und daß auch jetzt noch manche Kreise der Rechten nicht den Geist von Potsdam bewiesen, den sie immer im Munde führten.

Abtz. Dr. Bredt (Wirtschastspartei) beklagt! bc8 traurige Los des Mittelstandes Konsumvereine könnten keine Besserung schaffen; wichtiger wäre es, den Groß­handel durch Genossenschaften der Kleinhändler abzu­lösen. An Wohnungen fehle es nicht, aber bei dem Versagen der Wohnungsgesetzgebung seien sie leiier zu einem teure» Handelsartikel Mworden, ix» sich in erjär

Sinte die vielen Tausende von Ausländern leisten könn­ten, die Berlin und Deutschland überschwemmten und auskauften. Hier müsse der eiserne Besen angesetzt werden. -

Um 5 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 11 Uhr.

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Der Krieg im Orient.

Die Loge in At m.

Athen, 1. Okt. Der König empfing gestern morgen den leitenden Ausschuß der revo­lutionären Bewegung. In dessen Namen hielt Oberst E o n a t a s eine Ansprache, in der er erklärte:Der Ausschuß stellt das Gewissen der Na­tion dar, die über das Mißgeschick der letzten Jahre und über das neue Unglück in Kleinasien empört ist, und verkörpert ihren Willen, nicht zu sterben, sondern emporzu streben. Heer und F l o t t e, die seit Jahren für den Ruhm des Vater­landes kämpfen, empfanden besonders unmittelbar Schmerz über die große nationale Katastrophe. Sie haben sich erhoben mit der Forderung, daß alle die­jenigen von der Regierung entfernt werden sollten, die zu dieser Katastrophe beitrugen, und daß jedes Hindernis beseitigt werde, das uns der Unter­stützung unserer mächtigen Verbündeten vom großen Kriege beraubte. Wir sind glücklich, dieses Ziel ohne Blutverlust erreicht und der Na­tion Vertrauen in die Aufrichtigkeit unserer Ab­sichten eingeflößt zu haben. Die politischen Par­teien, die sich bis gestern gegenseitig zufleischten, treten heute vereint vor Sie, um zum Heil des Vaterlandes Entschließungen zu treffen."

Athen, 1. Okt. Wie über die Zusammen­setzung des neuen Kabinetts' ergänzend ge­meldet wird, wird Ministerpräsident Zaimis, der sich gegenwo-'ig in Wien einer Augenoperation unterzieht, bis zu seiner Rückkehr vom Innen­minister K r o k i d a s, der Außenminister Politis bis zu seiner Heimkehr aus Paris durch den Wirt- schafksminifter Kanellopulos vertreten wer­den. Minister für soziale Fürsorge wurde Doxiavis, Unterrichtsminister Siotis, Verkehrsminister und provisorischer Landwirtschafisminifter Kalligas, Er­nährungsminister Embiricos. Wie dieAgence d'Ath^nes" bemerkt, macht die Zusammensetzung des neuen Kabinetts in allen Kreisen einen aus­gezeichneten Eindruck, da die Minister wegen ihrer starken Sympathie für die Entente bekannt sind. In der diplomatischen Vertretung Griechenlands im Auslande stehen einige Aenderungen bevor.

Adrianopel, 1. Okto. Das revolutionäre Mi- litärdirektorium tagte inr Parlament und bildete Frei­tag Mittag ein neues Ministerium. Premierminister ist Zaimis, Außenminister Politis, General Harmkampis hat das Kriegs», Admiral Pap a- aristo das Ministerressort übernommen. Harmkam- pis ist der bekannte Premierminister aus der Kriegs- zeit, eine unabhängige Persönlichkeit. Die übrigen Minister sind alle Senizelisten. Das revolutionäre Direttorium habe Benizelos alle Vollmachten, das Land zu vertreten, gegeben und ordnete an, daß alle Mitglieder des Vniglichen Hauses außer Prinz Paul das Land verlassen müssen. Das Direktorium wird »cp nach den 0 eur l.l-n zurücktveten.

König Konstantin Exil.

P ar i s, 1. Okt. Nach einer Meldung einer hie- ,lgen Nachrichtenagentur will sich König Konstantin mit seiner Familie zunächst nach Korfu und von da nach Palermo begeben, wo er vorläufig Wohnung zu nehmen gedenkt.

Kemals Antwort ungenügend.

London, 30. Sept. Die Antwort Mustapha Kemals auf die Note des Generals Harrington wird von der englischen Regierung als ungenügend betrachtet. Der englische Ministerrat, der gestern eine zweistündige Sitzung abhielt, machte dem eng­lischen Oberkommissar in Konstantinopel Sir Nom- bold sowie dem General Harrington die Mitteilung, daß sie die volle Unterstützung der Regierung hät­ten, wenn sie den sofortigen Rückzug der kemali ti- chen Truppen aus der neutralen Zone forderten. Die von Harrington ursprünglich gestellten For­derungen sollen wiederholt und von den verant­wortlichen Stellen zu ihrer Durchführung geprüft werden.

Die Kämpfe.

Haag, 1. Okt.Daily Croneicle" gibt folgendes Mld von der militärischen Lage in der neutralen Zone: Die britischen Truppen bei Tschanak sind ganz von den Türken eingeschlossen. Diese haben sich an verschiedenen Stellen den Drahtverhauen genähert. Türkische Patrouillen befinden sich auch am Ufer des ägäischen und beS Marrnarameeres. Englische Flieger haben berichte^ daß sich hinter den türkischen Pa­

trouillen starke Artilleriedetachemenls befinden. Auchs bei I s m e d nähern sich die Türken immer mehr dem Marmarameeve. Bei Jsmeik stehen aber noch nicht ssi'cs viele Truppen wie in den südlich gelegene» Be­zirken.

London, 1. Okt.Morning Post" meldet aus Helsingfors, daß die Sowjetregierung beschlossen habe, für den Fall, daß die kemalistischen Truppen mit den Engländern zusammenstoßen, den Türken Unterstützung zu senden.

Athen, 1. Okt. Ein militärische- Konnte« von 12 Mtgliedern unter Borsitz von Munotvs wird die Vorzeidigung von Thrazien neu organisieren.

Kemal zu Verhandlungen bereit.

P a 11 s, 1. Oft. Nach einer Havasmeldung au« Konstantinopel vom 1. Oktober soll int Laufe der Unterredung Franftin Bouillons mit Kemal Pascha eine am 3. Oktober in Modania abzuhaltende Kon­ferenz vorgeschlagen worden sein. Die diplomatische Konferenz müsse die Friedensklauseln feststellen, die Konferenz in Modania aber die Bedingungen mili­tärischer Art festlegen. In türfischen Kreisen glaubt man, daß, wenn die Konferenz in Modania ein Er­gebnis zeitige, die Friedenskonferenz selbst gegen ben 15. Oktober abgehalten werden könne.

London, 2. Okt. Einer Reutermeldung aus Konstantinopel zufolge herrscht dort eine Finanz, krise. Die Zolleinnahmen, die die einzige Ein­nahmequelle der Regierung bilden, sind auf ein Zehntel ihres gewöhnlichen Umfanges gefallen. Die Regierung ist nicht mehr imstande, ihre Be­amten zu bezahlen.

London, 2. Okt. Benizelos sprach gestern im Auswärtigen Amt vor und wurde von höheren britischen Beamten empfangen.

L o n d o n, 2. Ott. Reuter meldet aus Konstan­tinopel, man fei der Ansicht, daß die Anwesenheit der Türken an den Dardanellen nur ein Mittel sei, wichtige militärische Bewegungen bei Jsmid, di« gegen Konstantinopel gerichtet seien, zu verdecke«.

London, 2. Ott. Reuter meldet aus Kom ftantinopel: Nach einem Bericht aus Angora rourb» Kemal Mustapha Pascha gestern dort erwartet. Dit türkische Nationalversammlugn soll unverzüglich unter seinem Vorsitz zusammentreten, um die Lag« zu erörtern.

Der Sonderberichterstatter derDaily Mail* meldet aus Konstantinopel, daß Franklin Boulllcm dort eingettoff en ist. Er teilte dem Berichterstatter mit, daß er die alliierten Oberkommissare für 10 Uhr abends zu einer Zusammenkunft eingeladen habe, um ihnen Über seine Besprechungen mit Mu- 'tafa Kemal Bericht zu erstatten und den Entwurf eines Planes für die Modaniakonferenz zu er» örtern. Der Vertrag fleht vor: 1. Abtren- cung einer nationalistisch-türkischen z i e n s durch die Griechen nud 3. die Errich­tung Ostthraziens, 2. Räumung Thra- Verewaltun in Thrazien,

Mariens WM

Sofia, 30. Sept. Die öffentliche Meinunc Bulgariens verfolgt mit gewisser Aufmerksamkeit die Entwicklung der Ereignisse, die durch den grie­chisch-türkischen Krieg hervorgerufen wor­den sind. Sie hofft mehr denn je, daß die gerechten und gesetzmäßigen Ansprüche Bulgariens aus einen Zugang zum Meer sowie Einrichtung eines geeinten autonomen Thrazien gelegent­lich der Regelung des orientalischen Problems in Betracht gezogen werden und glaube, daß eine ge­rechte Regelung nur darin bestellen könne, daß Ost» und Westthrazicn zu einer autonomen Provinz un­ter den Auspizien des Völkerbundes oder einer Ententemacht vereinigt würden.

töne KMmnz in tos?

London, 1. Okt. DieWestminster Gazette" erfährt von ihrem Pariser Korrespondenten, daß in den nächsten Tagen wahrscheinlich eine neue alliierte Konferenz in Paris einberufen werde. Die Anregung sei von der» französischen Regierung aus­gegangen, die große Besorgnisse über die Möglich-j leit eines Widerstandes in Ostthrazien hege.

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Die »toistooiM'

Genf, 30. Sept. Die Dölkerbundsversamm» hing trat heute morgen zu ihrer vorletzten Sitzung zusammen. Der Präsident teilte mit, daß die spa­nische Regierung ebenfalls 2000 Pfund Sterling für die Flüchtlinge in Kleinasien zur Ver» Lgnng stellt^ so daß der bisher erzielte Gesamt- betrag für dieses Hilfswerk 66 000 Pfund erreicht.

Der vorher schwach besuchte Saal füllte sich, als der Präsident zur Wahl der sechs nichtstän­digen Mitglieder dez Völkerbund-rats. auf»'