Dlt KriMMW i>» Soifers.
Sm Anschluß an den kürzlich erfolgten Auszug aus "6nn Kapitel „Bismark geben wir beute eine» Ausschnitt «u< brat Kapitel „Hohenlohe'^ beS Ende Oktober im Buck- -anbrl erscheinenben Werkes wieber. Er bringt wichtige Ausschlüsse über bie politische Vorgeschichte bes Krieges, »oeiterr Abschnitte hoffen wir Mitte Oktober veröffent- kichen zu können.
Bei der Erwerbung von Tsingtau hat Fürst Hohenlohe besonderen Anteil genommen. Auch er war der Ansicht, baß Deutschland für seine Schifft notwendig eigene Koblenstationen brauche, und daß das Drängen der HandelSkrttse, dft Gelegenheit der Aufschließung Chinas für den internationalen Handel nicht vorübergrhen zu lassen, berechtigt sei. ES sollte unter Wahrung der chinesischen Reichshoheit und Bezahlung des LikinS ein Handelsplatz mit maritimer Kohlenstation als Schutz gegründet werden, wobei China bie größtmögliche Mitwirkung zugedacht war. Die Station sollte vor allem hem Handel zugute kommen, der militärische Teil nur den Schutz für die Entwicklung der Handelsstadt gewähren, nicht aber Selbstzweck oder Basis für weitergehende militärische Unternehmungen werden.
Es waren schon verschiedene Plätze ins Auge gefaßt worden, die sich aber bei näherer Betrachtung als nicht geeignet erwieftn, zumeist, weil sie schlechte oder gar keine Verbindung mü dem Hinterland besaßen, handelspolitisch nicht aussichtsreich oder nicht frei von ftemden Vorrechten waren. Auf Grund der Berichte des Admirals Tirpitz, der damals Chef der ostasiatischen Kreu;erdiviiivn war, und des Urteils des Geographen Freiherrn v. Richthosen, der auf eine Anfrage hin ein vielversprechendes Bilv ber Entwicklungsmöglichkeit in SHäutung gegeben halft, einigte man sich schließlich auf bie Gründung einer Riederlassung inJaer Bucht von Kiau-Tschou.
Es wurden nun seitens des Kanzlers Orientierungen rmgezogen über die politischen Fragen, die dabei auftauchten und zu berücksichtigen waren. Jnsbesorchere galt iS, Rußland nicht in dft Quere zu kommen oder zu stören. Luch bei unserer ostasiatischen Division wurden weitere Erkundigungen au geordnet. Bon ihr liefen guft Meldungen ein über Ankergrund und Eisfreiheit der Bucht von Kiau-Tschou und über dft Aussichten eines etwa dort zu gründenden Hafenplatzcs. Bn dem Verkehr mit der russischen Chinadivision war aus Gespräch-n der Führer miteinander bekannt geworben, daß der russische Admiral aus Befthl seiner Regierung einen Winter in der Buckil geankert, dftft aber so öde und entsetzlich einsam gefunden habe — es gab keine Teehäuser mit japanischen Geishas, bie von den Russen als für den Wimerauftnt- halt unbedingt nö/ig angesehen wurden —, daß das russische Geschwader niemals wieder dorthin gehen werde. Auch habe der russische Wmiral seiner Regierung auf das dringendste abgeraten, die Idee, sich in dieser Bucht ftst- zusetzen, weiter zu verfolgen, weil dort absolut nichts zu holen sei. Also die Russen hätten dort keine Absichten
Dieft letzte Auskunft traf ziemlich gleichzeitig mit der Antwort des russischen Außenministers Grafen Mura- View an den deutschen Botschafter aus die vom Kanzler veranlaßten Sondierungen ein. Muraview ließ tttfl.a. Rtrßland habe zwar keine direkten vertraglichen Ansprüche Iwf die Bucht durch Abkommen mit China, es erheb- ftdoch Besitzanspruch auf Grund des „droit du Premier wouillage" (Recht der ersten Ankerung), weil die russischen Schifft dort zu allererst vor anderen Flotten geentert hätten. Diese Antwort stand also im Gegensatz I» bem Bericht unserer ostasiatischen Division über die Steuerungen des russischen Admftals.
Als ich mit Hollmann beim Kanzler zusammen kam hin dftft Antwort zu diskutieren, begleitelp der Fürst oeren Verlesung mit seinem feinen ironischen Lächeln und fügte ftdann hinzu, er habe im Auswärtigen Amt keinen Juristen ft'nden können, der ihm über dftft wunderliche Behauptung hätte Auskunft erteilen können: ob bie Marine Vielleicht dazu in der Lage sei? Admiral Hollmann erklärte «»f Arund seiner Erfahrung im Auslands- vftnst, daß c cmals etwas davon gehört habe: das |ei Bnfinn und . ne Erfindung Muravftw's, der nur nicki wolle, daß e t anderes Volk sich dort etablftre. Ich empfahl, um die Frage zu klären, den damals noch lebenden berühmtesten Kenner des internationalen See-
(Nachdruck verboten.)
Magnus Morland und keine Erben.
Roman von Günther von Ho Hensel».
2. Fortsetzung.
Aber heute ging eS um ernstere Dinge. In dem getäfelten Zimmer, dessen Fenster auf ber einen S--ite -nr Weser, auf bet anderen auf den großen Hof gingen, sodaß der Senator auch von hier aus stets einen Uebercklick hatte, saßen der Kommerzienrat Werner Ziemssen auS Berlin, Direktor der Lustreederei-Aktien- gesellschäft, der Bremer Needer-SSoensen und die Senatoren Weller und Brinkmann mit vor Interesse gerötetem Gesicht um den großen Eichentisch und lauschten dem Vortrag, den ihnen der Amerikaner Mac Allister, ein geschmeidiger und eleganter Mann mit den Umgangsformen des Weltmannes, hielt.
„Und so sage ich Ihnen, meine Herren", schloß Mac Allister seinen Vortrag, „greifen Sie zu Busineß ist die Hauptsache! Was nutzen Ihnen Ihr Geld, Ihre Speicher, Ihre Häfen, wenn Sie nicht Busineß hocken. Es wird Jahre, nein, Jahrzehnte dauern, dis die deutsche Handelsflotte toieber eine Zahl von Schissen besitzt bie hn Weltverkehr mitspricht' Was ist besser — ein Küstenkahn mit achthundert Tonnen Muter deutscher Flagge oder eine Flotte von zwanzig Schissen — jedes mindestens von fünfzchntausend Tonnen, sogar vielleicht nach einem Jahre die doppelte Zahl, wenn sie auch vorläufig unter dem Sternen- banner fahren, wenn s« nur für Sie und mit Ihnen Geschäfte machen? Und der Ausbau! Stubern, mei^e Herten! Nicht rückständig! Luftverkehr und Dampf- schisfahrt Hand in Hand! Passagierschifft durch die Luft nach Amerika--es kommt! Es kommt bald,
meine Herren! Wer der Erste ist, führt die Braut heim! Hansageist! Unternehmungslust! Sind die Bedingungen nicht glänzend? Vier Fünftel des Geldes Dohle» Mnfca emailtoijtyGi Öftifiaasei Zeh« Wil-
rechts. Geheimen Admiralitätsrat Perels, eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiet, zu einem Gutachten aufzu- fordern. Das geschah. Das Gutachten lautete vcr- nichftnd für Mnraview'S Ansicht, bestätigft die Hollmanns und räumte mit ber Segenbe vom „droit bu Premier mouillage" gründlich auf.
So gingen die Monate hin, und mein Besuch in Peter- Hof im August 1897 stand bevor. In Uebereinstimmung mit dem fürstlichen Oheim beschloß ich, mit d-m Zaren persönlich und offen dft ganze Frage zu besprechen, und wenn möglich den Muraviewschen Noftn und Ausflüchten ein Ende zu bereiten. Dft Aussprache fand in Pettrhoi statt. Der Zar erklärft, er habe an den Landesft-len südlich brr Linie Tientsin-Peking kein Interesse, also sei kein Grunb für ihn vorhanben, uns in Shantung Hinbernisft zu bereiten. Sein Interesse konzentrftre sich auf bie Landesteile am Palu. Port Arthur usw., nachdem dft Engländer ihm in Mokpo Schwierigkeiten gemacht hätten. Er werbe sich sogar freuen, wenn Deutschland in Zukunft auf der andern Seite des Golfts von Tschili als Rußlands gern gesehener Nachbar erscheine. Nachkur batte ich ein Gespräch mit Muraview. Er wandte alle seine Tricks an, drchft und wendeft flch und brachte endlich sein berühmfts .chroit bu Premier mouillage" vor. Ich hatft bloß auf biefen Augenblick gewartet und ging nun meinerseits zur Offensive über, indem ich ihm gründlich mit dem Perelsschen Gutachten zu Leibe cückte. Ms ich ihm schließlich, tote der Zar es gewünscht hatte, das Ergebnis des Gesprächs der beiven Souveräne mittettte, wurde der Diplomat noch mehr betreten, verlor seine gekünstelte Rübe und kapitillierft.
So war der Boden politisch vorbereftet. Im Herbst kam bie Nachricht des Bischofs Anzer über die Ermordung der beiden deutschen katholischen Missionare in Sbantung. Dft ganze deutsche katholische Welt, befondcrrs bie „Kolonialen" in ber Zentrumspartei. verlangte energische Maßnahmen. Der Kanzler schlug mir sofortiges Einschreiten vor. Ans der Winterjagd in Letzlingen beriet ich in einem ber kleinen Türme des Schlosses mit ihm bie zu ergreifenden Schritte. Der Fürst machft den Vorschlag, den anwesenden Prinzen Heinrich von Preußen mit dem Kommando des zur Verstärkung der oftasiatifchen Division hinanSzuftndendra 6Tiifctoaber8 zu betrauen. Ich machte meinem Bruder hiervon in Gegenwart des Kanzlers Mitteilung.' Der Prinz und bie auweseckben Herren waren hocherfreut. Der Kanzftr sandte dft Mitteilung an das Auswärtige Amt und an den auf Seiten befindlichen neuen Staatssekretär des Aeußeren, Herrn v. Bülow.
Im November 1897 wurde Kiau-Tschou besetzt. Im Dezember des Jahres ging Prinz Heinrich mit feiner Division an Bord der „Deutschland" nach £)flauen hinaus, wo er später das Kommando über das gesamte ost- asiatische ®ef<f)toaber übernahm. Am 6. März 1898 wurde ber Pachtvertrag über Kiau-Tschou mit China unterzeichnet. Zur selben Zeit regte Mr. Chamberlain in London beim japanischen Gesandten Baron Kato den Gedanken des Abschlusses eines englisch-japanischen Bündnisses an, um dem Vordringen Rußlands int Osten einen Riegel vorzuschieben.
Man wird naturgemäß fragen, warum bei unserem kühnen Vorgehen nicht auch von England die Rede ist, das doch wesentlich daran interessiert war. Aber ein Vorspiel mit England war bereits vorausgegangen. Ich hatte, um dem Mangel an deutschen Kohlenstaftonen abzuhelfen, die Absicht gehabt, solche möglichst im Einverständnis mit England zu gründen, zu pachten ober käuflich zu erwerben. Da mein Oheim der Kanzler, als Hohenlohe ein Verwandter der Königin Viktoria, Ihrer Majestät von früher her persönlich bekannt und von ihr fthr geschäht war, so erhoffte ich hiervon einige Er- ftjchterung in den Verhandlungen, dft zu dem erwähnten Zweck mit der engl-schen Regierung geführt würben. Dftft Hoffnung erwies sich als trügerisch. Dft Verhandlungen zogen sich in bie Länge, ohne Aussicht auf erfolgreichen '.bschlvß zu bitten.
Ich nahm daher auf Wunsch des Kanzlers Beran- laflung, dft Angelegenheit mit dem englischen Botschafter in Berlin durchzusprechen. Ich beklagte mich über die Behandlung seitens der englischen Regierung, dft sich überall selbst den berechtigsten deutschen Wünschen ent- gegen stellte. Der Botschafter gab dies unumwunden zu und äußerte fein Erstaunen darüber, daß man in England
[innen sollen Sie aufbringen: dann sind fünfzig Millionen garantiert, und damit läßt sich etwa- anfangen! Soll ich wirklich zu den Herren Direktoren vom Lloyd gehen? Sofort ist der Abschluß da--"
Magnus Wörland blickte auf trnb sagte ruhig: „Dann begreife ich nicht, warum Sie nicht gleich zum Lloyd gingen." — ..Wollten wir nicht' Im Gegenteil, bie Herren vom Lloyd klopfen alle Augenblicke bei unS an, aber wir denken an die kleineren Needir, an Ihre soliden Firmen; wir sind Menschen, wir haben seit einem Jahrhundert mit Ihnen gehan- delt, wir wollen--"
Herr Allister, der mit einem Brustton der Begeisterung redete, merkte den feinen ironischen Zug nicht, der um Wörlands Lippen schwebte. Der Reeder ergriff wieder das Wort. Seine Stimme war vollkommen ruhig. „Was Sie uns da Vorschlägen. Mister Allister, ist zweifellos fthr verlockend, aber Sie werden zuaeben, daß man sich über eine solche Sacke nickt in zehn Minuten entscheiden kann." — „Ich denke, bei einer solchen Sache!" — „Wir sind eben keine Amerikaner, sondern schwerfällige Deutsche."
Wiede: umspielte das Lächeln seinen Mund. „Wie lange geben Sie uns Zeit zur Uebertegung?" — Heute ist Sonnabend — —" Er überlegte. „Sagen wir Montag abend; länger ist es nidjt möglich. Sie wissen, ich Hobe Auftrag, mit dem Lloyd zu verhandeln. in dieftr Zeit, auch in Amerika, ist die Konkurrenz hinterher, jede Stunde kann uns eine andere Gesellschaft zuvorkommen, da können Minuten den Wert von Millionen haben." — „Gut!"
Wieder antwortete Wörland — es schien selbstverständlich, daß er im Namen aller sprach: „Wir werden Ihnen am Montag abend um sechs Uhr unsere Entscheidung geben und bis dahin beraten." Mae Allister stand auf. „Sie wissen also Bescheid: Sie zeichnen zehn Millionen, vielleicht zehn Firmen, jede eine Million. Einzahlung innerhalb eines Mo- nats bei Proton Brothers & Co. in New Dork. Ber- tzag schließeg wir Wsmag abend. Bitte, sdrgen Sie,
Mirny
Zweites Blatt
Nr. 230
Sonnabend, 30. September
Scheid ing
1922
fo wenig entgegenkommend und so kurzsichtig sei. Denn wenn eine junge aufstrebende Nation wie Deutsstland, bereit Entwicklung doch nicht anfzuhalten sei, statt frischweg zuzugreifen oder sich mit andern Nationen zu verbinden, sich direkt an England wende, um mit dessen Einverständnis Erwerbungen vorzünehmen. so sei das eigentlich schon mehr, als England verlangen könne. Und, da England fast schon die ganze Welt gehöre, könne es doch wohl eine Stelle finden, wo es Deutschland gestatte, sich eine Station zu etablieren. Er verstehe dft Hercen in Dotoningstreet nicht. Wenn Deutschland di« Anlagen nicht mit England Beistand erhalte, werde es sich vor- anssichtlich selbständig geeignete Stellen nehmen, denn irgendein Recht, es daran zu hindern, gäbe es schift- lich nicht.
Ich betonte, daß dies durchaus meine Auffasiunz sei, und faßft zum Schluß bem Botschafter gegenüber meinen Standpunkt nochmals dahin zusammen: Deutschland sei da? einzige Land ber Well, das kotz feinem Kolonialbesitz unb seinem sich rasch onSbehnenbra Handel noch keine Kohlenstationen habe. Wir wollten solche gern im Einvernehmen mit England erwerben. Weigere sich England, Verständnis für unsere Sage und Entgegenkommen zu zeigen ,so müßten ttnr uns an eine andere Großmacht wenden, um mit deren Hilft Niederlassungen zu gründen. Auch dieses Gespräch nutzte nichts. Schließlich wurden dft Verhandlungen von England in ziemlich unhöflich.! Form ohne Resultat abgebrochen. Daraufhin entschlossen sich ber Kanzler unb ich, uns an Rnßlanb zu toenben.
Dft Besetzung von Kiau-Tschou löste bei ber englischen Regierung llcbcrraschnng unb Aerger ans. Sie hatte bei ihrer Ablehnung bestimmt darauf gerechnet, daß niemand Deutschland zum Ziele helfen werde. Nun war es anders rckommen, und Rekriminatftnen aus London blieben nicht aus. Ms der englische Botschafter diesen Ausdruck verlieh, mürbe er auf bas Gespräch mit mir hingewftftn, nnb es wurde ihm fiar gemacht, baß es allein dft Schuld seiner Regierung war, wenn es zu keinem Arrangement mit Deutschland gekommen sei. —
Die ablehnende Haltung Englands hat uns damals befremdet. Ein Vorgang, der mir zu jener Zett noch nicht bekannt gewesen ist, dürste geeignet sein, jetzt Licht in dft Angelegenheit zu bringen. In einer Publikatton „The Problem os Japan", die im Jahre 1918 anontim im Haag erschienen ist nnb von einem „Exdiplomaftn aus bem fernen Osten" geschrieben fein soll, wird ein Auszug aus einem Werke des Professors ber Geschichte an bet Washington Universität in St. Louis, Rolanb, Usher, veröfftntlicht. Usher ist, ebenso toft sein früherer Kollege, Proftsfor John Bassett Moore von ber Columbia- Universität in New York, des öfteren vom State Departement in Washington al? Ratgeber auf bem Gebiete auswärtiger Beziehungen betangezogen worben, ba er wie wenige Männer in Amerika eine eingehende Kenntnis der internationalen Fragen, bie auf dft Vereinigten Staaten Bezug haben, besitzt. Professor Usher hat in seinem 1913 erschienenen Werke zum ersten Male das Vorhandensein und den Inhalt eines „Agreement" oder „Trtatti" (Abkommen oder Vertrag) geheimer Natur Zwischen England, Amerika und Frankreich aus dem Frühjahr 1897 bekannt gegeben. In bftftm Agrement war vereinbart, daß, falls Deutschland oder Oesterreich oder beide einen Krftg um des „Pangermanismus" (AlldeutschtumS) willen beginnen würden, dft Vereinigten Staaten sich sofort für England und Frankreich erklären und alle Kräfte auckictcn sollten, biefen beiden Mächten beizustehen. Ptoftffor Usher führt des längeren alle Gründ«, auch kolonialer Natur an, dft eS für dft Vereinigten Staaten zwingend machten, sich unbedingt auf feiten Englands unb Frankreichs an einem Kriege gegen Deutfchlanb zu beteiligen, ben Professor Usher 1913 als balb bevorstehend voroussagtl!
Der ungenannte Serfaffer von „The Problem of Japan" bat lich der Müde unterzogen, die Abmachungen zwischen England. Fraukelch und Amerika von 1897 tabellarisch zu rubrizieren und dadurch das Matz der gegensetttgen Vervfllchtungra In greifbarer Gestalt darzulegen. Das Kapitel tft antzerordrarlich lesenswert und gibt einen guten Einblick in die Vorgeschichte und die Vorbereitung des Welttrteges seitens der „Ctrtente", Ne sich damals schon gegen Deutschland vereintste, wenn fie auch noch nicht unter bem Namen Entente cordiale aufttat. Der Erdiplomat be- merrt hierzu: .Hier hat man einen Vertrag, von dem
baß ein Notar mit zur Stelle ist, unb jede Firma zahlt ben Betrag von zehntausend Mark an mich als Vertragssicherung Dftnstag früh fahre ich nach New Hork zurück, vielleicht begleitet mich einer bn Herren." Wörlands Gesicht war vollkommen »ubruegi« „Ganz wie Sie wünschen."
Kommerzienrat Ziemsira an» Berlin stand auf. „Meine fthr verehrten Herren! Gestatten Sie auch mr ein Wort. Ich bin von ben Plänen, dft uns die North America Mercanttle Company durch ihren Vertreter, Herrn Allister, unterbreiten ließ, geradezu begeistert. Sie erfüllen unsere kühnsten Träume, jo, sie übertreffen fie. Ich habe stets an bie Großzügig- krit ber Amerikaner geglaubt, und wie Mister Allister gestern in Berlin vor unserem Aussichtsrat sprach, waren wir alle entzückt. Ich bin beauftragt, im Namen meiner Aktionäre zu erklären, daß wir uns gern anschließen, wenn die Bremer Herren, die natürlich nls erprobte Fachleute zu beraten und z» entscheiden haben, ben Vertrag schließen. Leider muß tch sofort nach Berlin zurück, aber ich habe die Ehre, Ihnen, sehr verehrter Herr Wörland, zu treuen Handln eine Urkunde zu hinterlegen, in der gesagt ist, daß wir uns für die Luftreedevei mit einer Million beteil/Zen, ich bitte Sie, mir zu gestatten, als Sicherheit den Btrag von hunderttausend Mark schon heute bei der Firma Wörland zu hinterlegen. Ich habe die Summe in bar mitgebracht, ba ich annahm, daß wir r>ereit3 brate znm Bertragsschluß kommen würden — —"
„Aber^ Herr Kommerzienrat, bas war boch nicht nötig." — ,Hch bitte, es würde in den Augen meiner Aufsichtsräte geradezu ein Fehlschlag sein, wenn ich das Geld wieder mitbrächte, ich erbitte mir dagegen schon heute von Ihnen die Bestätigung, baß Sie sich an uns gebunden halten, das heißt, daß Sie das Geschäft, wenn es zustande kommt — und daran zweifle ich nicht — nur mit uns gemeinsam machen. Ich weiß, daß die Konkurrenz —" Wörland gähnte leicht. „Selbstverständlich! Nicht wahr, meine Herren, das wollen wir den Hrrrrn gern betätigen, und wen» eS
—-5. Professor Ufher behauptet, er fei schon Anno 1897 geschlossen worden, in welchem jede Phase der Antetl- nayme und Betätigung Englands, Frankreichs uni Amerikas bei zukünftigen Ereignissen schon vorgesehen ist, einschließlich der Eroberung der spanischra Kolonien, der Kontrolle über Mexiko und Zentralamerika, ber Oefsnung Chinas und ber Annexion von Kohlen- stationett. Professor Usher will uns nun glanbe« machen, daß alle diese Maßnahmen gettosfen wurden, um die Welt vor bem „Pangermanismus" zu schützen."
.ES Ist überflüssig", fährt der Exdtplomat fort, .Professor Usher daran zu erinnern, daß, wem» wir wlrflich aiineynien wollen, daß das Gespenst de» .Pangermanismus" überhaupt existiert, boch 1897 bestimmt noch niemand etwas davon gehört harte — denn zu dieser Zett hatte Deutschland noch nicht etn» >nal sein großes Flottenprogramin ausgestellt, da- überbauvt erst 1898 verlautbart wurde. Wenn e» als» wahr Ist, daß England, Frankelch und dft Verrtnig- ien Staaten dft gemeinsamen Pläne hegten, dft Professor Usher ihnen nachsagt, und daß sie ein BündniS zu deren Durchführung schlossen, fo wird es raum an» gehen, die Konzeption zu diesem Gedanken und den Antrieb zu seiner Durchführung einem so schwachen Vorwand wie bem Aufkommen beS .PcmgermmriS- mus" zuzuschreiben." Soweit der Exbiplomat.
Man muß staunen. Ein direkter AusteilimgSver- trag gegen Spanten, Deutschland usw. wird von Galliern und Angelsachsen im tiefsten Frieden btS W dft Details geregelt, abgeschlossen, ohne lebe Gewissensbisse, zum Zwecke Deuischland-Oesterreich zu zertrümmern und ihre Konkurrenz vom Weltmarkt auszuschließen! 17 Jahre vor Beginn des Weltkrieges ist dieser Vertrag von den vereinigten Gallo-Angelsachsen geschlossen und sein Ziel systematisch durch diese ganze Zetrperiode hindurch vorbereitet worden! Nun begreift man auch bk Leichtigkeit, mit der König Eduard VII. feine Elnkreikungsuslitik betreiben konnte; dft Hauptakteure waren fchon lange einig unb bereit. Als er den Pakt »Entente cordiale" taufte, war btefe Erscheinung für die Welt, zumal für ot< deutsche, etn unangenehmes Novum, für drüben wai es nur dft offizielle Anerkennung der dort längst bekannten Tatsachen.
Angesichts dieses Agrements versteht man mm auch den Widerstand Englands im Jahre 1897 gegen ein Abkommen mit Deutschland über Kohlenstatione« und den Aerger darüber, daß es Deutschland mit russischem Einverständnis gelungen war, festen Fuß ir China zu fassen. Über dessen Ausnutzung ohne Deutsch- lands Mitwirkung man sich eben z» dritt geeinigt hatte. Usher hat aus der Schule geplaudert und schlagend bewiesen, bet wem bie Schult» am Weltkrieg wirklich liegt. Es ist bei gegen Teutschlanb gerich. tete Vertrag — .Gentleman's agreement" zuweilen genannt — vom Frühjahr 1897, ber bie Grundlage, den AnsgangspunN bildet und von den EnteMclän- dern durch 17 Jahre systematisch ausgebildet wurde. Ais eS Ihnen gelungen war, auch Rußland und Japan für sich zu gewinnen, schlugen sie los, nachdem Serbien den Mord von Serajcwo inszeniert unb Damit bie Lunte tu das sorgsälilg gefüllte Pulverfaß geschleudert hatte.
Professor Usher's Mitteilungen bedeuten aber auch eine glatte Abferitgung für alle bie Leute, bie wäh- renb des K rieges in einzelnen mifltö ri scheu Handlungen seitens Deutschlands, wie z. B. bem Lnsttaniafall, der Verschärfung des ll-Dootkrieges ustv., den Grund für bie Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege suchen zu müssen glaubten. Nichts von alledem Ist richttg. Das jüngst erschienene vortreffliche Buch vo» John Kenneth Turner „Sball tt be again?" weist aitf Grund überzeugenden Beweismalertals nach, daß WilsonS angebliche Kriegsgründe und -ziele nicht dft wirNtchen gewesen sind. Amerika — oder richtiger sein Präsident Wilson — war Wohl von Anfang an, jedenfalls feit 1915, enschlossen, gegen Deutschland Stellung zu nehmen und zu fechten. Da? letztere tat cs unter bem Vorwaub des ll-Boottneges, tu Wirklichkeit unter bem Einfluß mächtiger Finanzgruppe» nnb auf bas Drängen unb Bitten seines Partners Frankelch, besten Menschenmatertal sich mehr unb mehr erschöpfte. Amerika wollte bas gefchwächft Frankelch nicht allein mit England lassen, dessen. Annerionsgelüste auf Calais, Dünkirchen usw. ihm wohlbekannt waren. —
Für bie Schris leitung verantwortl.: Dr. Carl Tarifen. Für ben örtlichen und Provinz. Teil: Wilhelm W i ß n e r.
Sprechzeit der Schriftleitnng b>S ’/tll Uhr vormittags.
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nichts toivb, sende ich Ihnen Geld und Schrif st ick am Dienstag zurück." — „Es wird, es muß werden!"
„Magnus!" Der Neffe ,ber inzwischen an seinem Tischchen am Fenster gesessen und träumerisch auf dft Weser geblickt hatte, stand aus. „Niinm das Geld, schließ eS fort und stelle Herrn Kommerzienrat Ziemssen die Quittung aus: Hunderttausend Matt von ber Lustreederei A.-G. zu treuen Händen empfangen." Magnus nahm das Geld, zählte nach und ging, die Quittung zu schreiben. „So, meine Herren!" — „Dann also auf Wiedersehn am Montag, Herr Allister, und Ihnen, Herr Kommerzienrat, glückliche Reise." Die Herren verabschiedeten sich. „MagnuS, du geleitest die Herren, nicht wahr? Sie verzeihen, wir wollen gleich noch eine kurze Sitzung —" — „Aber ich bitte."
Wie Magnus Wörland, der Aeltere, mit feinen Bremer Freunden allein war, schloß er die Tür. „Nun?" Senncttor Brinkmann sah ihn art. „Schwindel!" — „Sie meinen?" — „Ich bin über- jeugt." Weller nickte. „Ganz meine Meinung! So leitet man kein Millionengeschäft ein. Ich denke, wir benachttchtigen rechtzeitig bie Kriminalpolizei." Wär» land schüttelte den Kopf. „Wäre zu früh. Bis Montag abend ist uns der Herr ja sicher, und man kann sich auch irren und ihm Unrecht tun. Ich brate, wir kabeln sofort nach Newyork; mein bärtiger Spediteur, Wells, Farge & Co. gibt mir sofort Nachricht, bil Montag abend haben wir sie in der Hand."
(Fortjetzung folgt.)
11 Warum ist Ihre Nachbarin
s I Immer so elegant gekleidet? Weil sie
q 3 Blusen usw. nut mit den weltberühmten „tzettmamn» S 1 gerben“, Marke „gnchskopf im Stern", selbst sardt, 3 I die als die besten anerkannt sind. I«n sie e» auch, & B und 6k sind ebenso elegant gedeihet