Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhefflfche) Oberhessen
Rk. 239
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57. Mrs.
1922
auf Befehl von Smyrna handelten. Sie hätten
an-
fonen auf einen kleinen zuverlässigen Kreis sei immer i»S Bestreben der Regierung gewesen. Der Fakturierung in ausländischer Währung bei Jnlandsgeschästen solle entgegengetreten werden.
Die B sprechung der Anfragen wird um 6 Uhr abends aus Samstag Bormittag 11 Uhr vertagt.
Der Krieg im Orient.
Sie Loge.
London, 29. Sept. Die „Times" meldet: Das in Paris von Lord Curzon am letzten Samstag erzielte Uebereinkommen sei die einzige (8 rund läge der britischen Politik. Selbst wenn sich die Meldung. Italien hab« die Zurückziehung seines Kontingentes aus Konstantinopel beschlossen, bestätigen sollte, was bisher nicht geschehen sei, so muffe man annehmen, daß Frankreich den britischen Standpunkt unterstütze. Angesichts der Ungewißheit der Lage in und bei Konstantinopel haben di« britischen Minister gestern beschlossen, Harrington mitzuteilen, daß es nach ihrer Ansicht wichtig sei, daß er eine persönliche Zusammenkunft mit Mustapha Kemal Pascha erreiche, um die Maßnahmen zur Vermeidung eines Zusammenstoßes zu vereinbaren. Auch die Lage in Thrazien könne sich der „Times" zufolge für die Alliierten schwierig gestalten.
London, 29. Sept. General Maurice drahtet der „Daily News" aus Konstantinopel, die Lage im Tschanak- Gebiet werde ständig^»«- wickelter. Immer mehr türkische Truppen überschritten die Grenze und ständen jetzt überall kn ZLAnng -mit den dritischen Truppen bt einem Halb rkeise mit einem Radius von etwa 10 Meilen, dessen Mittelpunkt Tschanak bilde. Es könne jetzt kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß diese Truppen
London, 29. Sept. Reuter meldet aus Konstantinopel: Obgleich fein« offizielle Bestätigung vorliegt, wird in gut unterrichteten Kreisen gemeldet, daß der Sultan zugunsten des Thronfolgers des Prinzen Abdul Medfchted, ab gedankt habe
8« tollen bl SWmtol.
Athen, 29. Sept. Havas. Das aus den Obersten Gonatas, Platsiras und Kapitän Phozas bestehende provisorisch« Revolutionskomiree erläßt folgend« Erklärung an das griechische Bolk: Nachdem eine Verständigung der zurückgetretenen Regierung erzielt worden ish wird daS provisorisch»« Re- volutionskomit« sobald alS möglich die Regierungsgewalt übernehmen. Bis jetzt hat daS Komitee ans die Vaterlandsliebe der Griechen und aus das eifrige Beireben des Volkes gezählt, sich versöhnlich zu zeigen, di« Ordnung aufrecht zu erhalten und alle Bürger ohne Ausnahme zu beschützen. Unruhestifter welcher
P a r i s, 29. Eept. Der „Echo Nationale" macht heute morgen Angaben über den Kredit, den Paine car^ beim Finanzausschuß der Kammer für de« Fall ernster Berwicklungen auf dem Balkan beani ragen werde. Es handelt sich danach um 300 3RU», Honen Franken, di« an di« Regierunge« von Rumänien, Polen und der Tschechoslowakei in Gestalt von Kriegs«, material gezahlt werden sollen. Zeder dieser Staaten soll nach den Angaben des Blattes für 100 Millionen Franken Kriegsmaterial erhalten, fallH ein militärische» Gingreif«, in di« Lrientfragtz »Stift mSr*. — 1
London, 29. Setzt. Einer verspäteten Reutermeldung aus Athen zufolge war am 27. September abends zu Ehren des neuen Königs Georg, der am selbe« Nachmittag den Eid leistet^ die Stadt illuminiert. Es herrschte vollkommene Ruh«, Ti« Revolutivnäye scheinen Herren der Lage zu sein. Dir Truppen ziehen ohne Zwischenfälle in die Stadt ein. Tie Revolutionäre übernahmen die Verwaltung. Man erwartet, daß das Kabinett binnen 48 Stnnoe» gebildet ist. ES wird mitget>>kly daß General Rider zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt wild. Die gefangen gesetzte«, demokratisch Liberalen sind wieder freigelassen wo.rden, ebenso Koryle s und andere Persönlichkest?«, die des Hochverrats beschuldigt waren.
Athen, 29. @et>L Agence Athenes. Beim Evi- zug der Truppen sandenbegeisterte Kundgebungen der Bevölkerung statt. Besonders ausdrucksvoll gestalteten sich die Kundgebungen vor dem Gebäude' der Gesandtschaften der Ententemächte und der Bereiniz« ten Staaten. Tie Obersten Gonatas und Plastes erklärten Vertretern der Presse, daß die von ihnen geleitete Bewegung einen rein nationalen Charakter ohne jeden Patteieinschlag trage und lediglich darauf abziele, die jüngste Katastrophe wieder gut- zumachen, sowie im Hinblick auf die Rettung Thraziens eine starke Armee zu schaffen.
Athen, 28. Sept. Agenc« Athenes. ES wird noch einige Tage dauern, bis die neue Regierung gebildet ist.
Paris, 29. Sept. Nach einer Meldung des „Intransigeant" ist Benizelos heute nachmittags in Paris eingetroffen. Vor seiner Abreise aus dem! französischen Seebad Deauville habe er den 3r.tr* 1 nalisten erklärt: Ne werden nichts von mir et*', fahren oder höchstens, daß ich nicht nach Griechen- : land geben werde, bevor die Unruhen zu End« sind, i damit man mir nicht nach sagen kann, ich hätte darin: Teil gehabt. — Havas dagegen berichtet, Venizttos! treffe erst morgen in Paris ein.
Athen, 29. Sept. Die Lösung bee Krise, inS-i besondere bk Tatsache daß BenizeloS mit der Aufgabe betraut wurde, die nationalen Interessen im A u s l a a d wahrzunehmen, flöst nach Ansicht der Blätter Rettcauen ein, daß das Land bie gegenwärtigen j Schwierigkeiten schnell überwinden werde, ohne etwas von den Zielen der nationalen Bewegung der Armee aufztigeben.
Athen, 29. Sept. Zn politischen Kreisen ist. man der Ansicht, daß die Herrschaft des neuen Äö»| nigs nicht von langer Dauer fein wird Man glaubt j immer mehr an die baldige Einführung der revu-l blikanischen Staatsform. Aller Wahrscheinlichkeit" nach wird Alexander Barapanos die Präsidentschaft des neuen Kabinetts übernehmen.
Serbiens Wim.
Belgrad, 27. Sept. Obwohl der Ministerrat das Referat von Nintschisch über di« answär- tixe Lage eutgeg-nnahm, ist bezüglich der weiteren Haltung der Regierung und die Stellungnahme des Königreiches zur Sage am Balkan noch kein Beschluß gefaßt worden. Die Entscheidung erfolgt voo> aussichtlich erst in der nächsten Sitzung bei Ministerpräsidenten Paschitsch abgehalten wird.
Die Note der Moskauer Sowjetregierung über bie Rückgabe der Meerengen an bie Türkei und die Teilnahme Rußlands an der abzuhaltenden Orient» konferenz machte einen großen Eindruck and wird als eine Verschärfung der Lage im Orient auf- gefaßt. Viel erörtert wird auch die Frage, welibe Folgen sie für die Haltung des MnigreicheS ans einem eventuellen aktiven Eingreifen der russischen Armee« in die Orientfrage ergeben werden. Auch den Nachttchten aus Bulgarien Witt» befonberei, Interesse zngewendet, da die Haltung deS bulgattschri» Bolles mitbestimm-nd für die Entwicklung der nächstens Ereignisse am Balkan fein wird.
Angesichts b«.t zweifellos ernsten Sage kommt ht politischen Kreisen allgemein der Wunsch zum AuSdvuch daß die inneren Angelegenheiten zurück-^ t r e t e n, um die Sage des Staates in der auswärtige^, Politik nach Möglichkeit zu stärken. ; . !
scheinend Anweffung, so nahe wie möglich an die englischen Truppen heranzugehen, ohne aber zu kämpfen. General Maurice wiederholt, daß die Lage der Engländer in Tschanak, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, sicher sei. Die Vertreibung der Türken aus der neutralen Zone würde jedoch äußerst gefährlich sein, schon aus mili- iärischen Gründen. Es bleibe kein anderes Mittel übrig als weitere diplomatische Verhandlungen. Eine unverzügliche Attion sei unbedingt notwendig, wenn der Friede gesichert werden solle. Die griechische Revolution habe eine neue Lage geschaffen, und die unruhige Lage in Ost-Thrazien sei ein angemeffener Grund für die Zulassung türkischer Truppen in Thrazien. Maurice ist der Meinung, daß der Krieg noch vermieden werden könne, wenn dem britischen Befehlshaber Harrington gestattet werde, sofort mit Mu- itafa Kemal Abmachungen beziiolich des Uebersetzens der Türken nach Thrazien zu treffen im Austausch gegen einen türkischen Rückzug aus der neutralen 3one. Ties fei eine Frage von äußerster Dringlichkeit.
L o n d o n , 29. Sept. Die gesamte Morgenpreffe weist auf den großen Ernst der Lage im nahen Osten hin. Die „Times" schreibt, dir vier bis fünf Minifterkonferenzen, die unter Teilnahme der militärischen Berater der Regierung innerhalb der letzten 48 Stunden stattgefunden hätten, feien ein genügender Beweis für die Schwierigkeiten der Lag« im nahen Osten. Alle äußeren Anzeichen deuteten baranf hin, daß dir Lage, wie sie die Regierung sehe, v i e l s ch ä r f e r |ei, als das große Publikum denke.
„Daily News'' meldet, daß die Minister gestern so gut wie den ganzen Tag mit Konferenzen in der Downing Street verbracht hätten. Die Lage im nahen Osten werde als bedrohlich angesehen.
London, 29. Sept. Nach einer durch den nationalistischen Vertreter in Konstantinopel empfangenen Information befindet sich Kemal auf dem Wege nach Angora, um die alliiert« Note persönlich der Nationalversammlung zu unterbreiten. Unter diesen Umständen fei es unwahrscheinlich, daß irgendeine Antwort vor nächster Woche eintreffen könne. Inzwischen ist keinerlei Bestätigung der Meldungen über türkische Angriffe auf griechisch« Truppen eingegangen. Admiral Prock wurde ersucht, mit den nationalistischen Vertretern Fühlung zu nehmen und wenn möglich eine Verlängerung der am 30. ds. Mts. ablaufenden Frist für den Abtransport tausender Flüchtlinge aus Smyrna zu vereinbaren. Es fei unwahr- (fjcinlidj, daß die britische Regierung bereit fei, auf die Note Eowjetrußlands übet den nahen Osten zu antworten. Sie werde während der nächste läge die Ereignisse abmarteu und jedenfalls
sich mit Frankreich beraten, bevor sie eine Antwort entwerfe.
London, 29. Sept. Reuter meldet aus Kon- stanttnopel, Mustapha Kemal wiederhole in der Antwort auf die ihm von General Pollet durch Admiral Dumefail in Smyrna wegen der neutralen Zone übersandte Botschaft feine Erklärung, daß er von dem Bestehen einer neutralen Zone nichts wisse. Kemal Pascha weist darauf hin, daß er aufrichtig wünsche, Zwischenfälle zu vermeiden und regt die Zurückziehung der englischen Truppen an. General Harrington dankt in seiner Antwort für seine Versicherung, daß er Zwischenfälle zu vermeiden wünsche und regt eine Konferenz der örtlichen britischen und türkischen Befehlshaber an zwecks Festlegung einer vorläufigen neutralen Zone.
Die KömO.
S o n b o n. 29. Sept. Die letzten Bettchte von d<m Dardanellen melden beträchtlich« Bewegungen der Türken, deren Haltung bisher durchaus nicht aggressiv gewesen ist. Zahlreiche Soldaten tragen ihre Gewehre mit der Mündung nach unten und strecken bei englischen Soldaten die Hände entgegen. Die enge Berührung bei beiderseitigen Streitkräfte fei jedoch ungesund uno >s fei unvermeidlich daß Zwischenfälle entsetzen werde». '
London .29. Sept. Ein englisches Infan- terie-Bataiklton und 1000 Mann der britischen SnftstreitkrLfle sind gestern in Konstantinopel eingetragen.
Paris, 29. Sept. Die Agentur Radio meldet aus Äonftantiiwpet, daß Nachrichten zufolge, die aus Angora einyetroffen find, die Nattonalver- iamtnlung in ihrer geheimen Sitzung beschlossen tjabe, Mustapha Kemal mitzuteilen, daß sie in die Einfüllung der Feindseligkeiten unb die Teilnahme an einer Konferenz nicht einwillige, solange nicht olle der Türkei gehörenden nationalen Territorien, besonders Thrazien und die Halbinsel Gallipol effektiv zurückgegeben worden seien.
Paris, 29. Eept. Ein türkisches Flugzeug hat gestern die Insel Chios überflogen und auf die griechische Flotte, die dort zusammengezogen ist, wie auch auf die griechischen Truppen, die fich auf der ?vsel befinden, verschiedene Bomben abgeworfen. Das Flugzeug ist ttotz Verfolgung wohlbehalten nach Smyrna zurückgekehrt.
P a r i s, 29. Sept. Die türkische Regierung soll die Absicht haben, die griechischen Kriegsgefangenen, deren Zahl sich auf 70 000 beläuft, für den Wiederaufbau der zerstötten Gebiete in Kleinasien zu verwenden.
London, 29. Sept. Havas meldet ans K,n- stantinopel von gestern: Die alliierten Behörden in. Konstantinopel haben bie in Konstantinopel ergriffenen Vorbeugungsmaßnahmen wieder aufgehoben. In der Stadt herrscht vollkommene Ruhe.
Sofia ,28. Sept. Tie Bulgarische Telegraphen- agentur meldet: 240 türkisch« Flüchtlinge aus Saz ara. Männer, Frauen und Kinder sstell- ten sich gestern dem buldarischen Grenzposten mit d-m Bemerken, daßfievorüemgriechischenTe rror geflohen seien. Ihr Dorf fei von ben Griechen um- Wellt, bie Häuser in Brand gesteckt unb ein Test ber Bewohner niedergemacht worden. Die bulgarischen Behörden suchten die Flüchtlinge wieder zur Rückkehr zu bewegen. Diese weigetten sich jedoch, weil, w'e sie sagten, die gttechischen Bchörden entschlossen seien, das ganze türkische Element in Thrazien auszurotten.
Nach betätigten bulgarischen Nachrichten wurden die Türken, die sich noch in ber Gegend von Aqhttsch befanden, von den griechischen Behörden feftgenommen und nach ben gttechischen Inseln übergeführt
Mißet ianirtoo.
h 16 7. Sitzung vom 29. September. L' Auf ber Tagesordnung stehen große Anftagen aller Parteien, welche sich mit der Lebensmrttelstei- Benin8 befassen. Da zu liegen zablrttche Anttäg: au Maßnahmen gegen bie teifte Devisenspekulation, den Wucher und bie Wohnungsnot, sowie zur Linderung der Kreditnot und zur Sinberux» ber Notlage ber Kleinrentner unb Sozialrentner vor.
Abg. Limb erb (Soz.) macht für bie schwere Notlage bie herrschenden Klassen und den verlorenen Ktteg verantwottlich, nicht bie Revolution unb die Ettüllungs- politik. Redner polemisiett gegen bie Rechtsbolschewisten unb gegen bie Ettüllungsvolitik des Herrn Stiunes, ber nur feinen Profit damit Mache. Redner forbert Einschaltung der sozialen Baubetriebe unb weiter der sozialen und wirtschaftlichen Gemeinschaften in die Sach lieft - runden. Wenn eS wahr fei, baß Preußen durch feine Bettreter im Reichsrat den Ausschlag gegeben habe für die Erhöhung deS Getreideumlagepreises, müsst man verlangen, daß Preußen im Reichsrat nicht mehr durch Beamte vertrtten werde, die mit ihrem ganzen Fühlen noch mit dem wilhelminischen System sympa- thiserten. Die Klagen der Landwirte über ihre Not- Llage könne fein Mensch ernst nehmen. Die deutsche Industrie, bie mit der französischen und amerikanischen verknüpft fei, verlange unberechtigterweise Dollarprrise, phne daß die Regierung bie breite Masse gegen den Wucher der Produzenten und Händler aufrufe.
Abg. Metzinger (Ztr.) macht in erster Linie das Berfailler Friedeusdiktat für die Not verantwortllch, bedauert aber, daß es bei uns noch Leute gebe, die aus der Slot ein politisches Geschäft zu machen suchten. Der gemeinsamen Notlage könne nur durch gemeiniam-- Zusammenwirken aller Stände begegnet werden. D e unerhörte Preistreiberei in Deutschland entspringe dem Bestreben des Großhandels, auch im Jnlande in ausländischer Währung zu verkaufen. Die Bevölkerung mäste sich auf ihre Pflicht httinnen. die vom 91x41 anb krngekührten entbehrlichen Waren zu meiden Selbsthllse wirke hier viel besser als alle behördlichen Verbote. Wir brauchten Produktwnssteigerungen aus allen Gebieten, vor allem bei der Landwirtschaft, und bie Landwirte seien dazu auch bereit. Dann müsse aber auch bet Umlagepreis erhöht werben. SRebner fordert Ihrenge Kontrolle des Verkehrs mit Kartoffeln unb Zucker, keinesfalls' dürfe Jnlandszucker zur Schokoladenfabrika- jon verbraucht werden. Auch b:r unberechtigten Preistreiberei auf dem Baustoffmarkt mässe ein Ende gemacht werden.
Abg. Becker (Deittschn.) sieht ebenfalls die Uttochc ber Not im Versailler Frieden, dann aber auch darin, i baß in ber Produktion die Intensität der früheren Arbcst nicht mehr erreicht wird. Daran seien die Lehren les Marxismus nicht unschuldig. Der' Redner bedauert, baß bie Deutsche Volk-Partei die Hand der Teut-ch nationalen zurückgestoßen habe, unb bas in einer Zeit, wo Deutschland eine Notgemeinschast aller, die guter: Wirtens feien, von rechts wie links, brauche.
Abg. Kalle (D. Vpt.) meint, mit so parteiagil?, eisrischen Reden würden nur neue Gegensätze geschaffen vnd nimmt bie chemisch- und die Stickstcfsindustrie gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz. Im Inland werde fast nichls verdient, die hohe Dividende stamme aus dem Auslandsgeschäften. Redner appelliert an die Parteien, alle llnterschstde zurückzustellen.
Llbg. Schulz-Neukölln (Komm.) greift die prassenden Großgrundbesitzer an, welche die Not nicht kennen unb jetzt mit Hilfe ihrer Orgeschgarde den Lebensmittel- tvucher int Großen betreiben wollten, ebenso aber bic Sozialisten, welche die Mitschuld an den hohen Umksge- preiseu hätten und bie kommunistische Betriebsrätebewegung totgeschwiegen hätten.
Abg. Riedel (Dem.) bedauert, daß gerade die Kußerste Linke ebenso wie bie D-utschnationalen die schwere Not b-s Volkes lediglich für ihre Parteipropaganda auszunutzen suchten. Jede Lohn- unb Gehaltserhöhung bringe uns nur einen Schritt näher an ben Abgruick und nur die größte Anspannung aller Kräfte könne eventuell ben Produktiv ns ausfall ausgleichen, ben Krieg unb Friedensdiktat verschuldet hätten. Deshalb weide seine Partei alles ablehnen, was geeignet fei, bie Produktion zu hemmen.
LandwirtsHastsminister Dr. Wentorf führt die Not auf die unerträglichen Lasten b«8 FriebenSvertrage» zurück. Deshalb muß Sicherheit dafür geschaffen werden, daß die vorhandenen Nahrungsmittel auch in die Hand des Verbrauches gelangen. Das gilt namentlich für bie Ge, tteideumlage, zumal ber Ernteertrag um 1,9 Millionen Tonnen geringer ist als im Borja re. Die Einbringung ber Getreideumlage wird an sich schwierig fein, als der Umlagepreis für das erste Drittel durchaus unzureichend ist. Selbst bei einer $et- vierfachung würden bie Landwirte noch keinen großen geldlichen Nutzen haben, denn die Preist für Kunstdünger sind enorm gestiegen unb die Landwirte brauchen Kapital, ern die nächstjährige Ern te besser vorbereiten zu können. Ikon den Kartoffeln darf auch dieses Jahr nur ein ! Drittel »um Brennen ausgeuutzt werden. Ebenso dürfen sich bie Zustände nicht wiederholen, die wir in der Zucker- ' wirtschaft erlebt haben. Vom Reichsernährungsminister : .tritt» eine Regierungsvorlage vorbereitet, welche : Der Bevölkerung die nötige Zucker menge .sichern ; All, ohne ben ganzen Apparat der früheren Zwangswirt- ■ sik.oft wiederherzustellen. Mit Unterstützung des Handels *irb diese Organisation schon »um 15. Oktober in Kraft beten können. ( 1
f Ein Vertreter des Harchelsministeriums erklärt, die ! Einschränkung ber zum Devisenhanbel zugelasseneu Per- i